Berühmte Tempeltore Japans

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Bernhard Scheid, „Berühmte Tempeltore Japans.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 11.1.2012). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Bauten:Tempel/Tempeltore?oldid=30433
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Hōryū-ji, Chūmon

Tempeltor. 7. Jh.; „Nationalschatz“; Hōryū-ji (bei Nara)
Bild © Lonely Trip. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Dieses Tor wird als Mitteltor (chūmon) bezeichnet, weil es sich in der inneren Einfriedung des Tempels Hōryū-ji befindet. Es besitzt einen zweigeteilten Durchgang. Üblicherweise gibt es nur einen zentralen, bzw. drei Durchgänge, nur im Hōryū-ji gibt es den Fall, dass ein Mittelpfosten quasi den natürlichen Zugang zum Tempel blockiert. Nicht nur das Tor selbst auch seine Torwächter, die hier gut zu erkennen sind, zählen zu den berühmtesten und ältesten Beispielen ihrer Art.

Haupttor (Chūmon) des Hōryūji. 7.Jh., „Nationaler Kulturschatz“

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Hōryū-ji

Das Tor des Hōryū-ji (Hōryū-ji 法隆寺Tempel in Ikaruga bei Nara, gegr. 607; wtl. „Tempel des prosperierenden [Buddha]-Gesetzes“ …mehr ⇒) wirkt wie ein selbständiges Bauwerk und ist es in gewissem Sinne auch, denn es dient nicht nur als Durch­gang, sondern auch als Auf­be­wah­rungs­ort für Tempel­schätze, die der All­ge­mein­heit unzu­gäng­lich im oberen Geschoß auf­be­wahrt werden. Diese zwei­ge­schoßige Form gepaart mit der Funktion als Speicher ist typisch für die Haupt­tore großer japani­scher Tempel. Doch obwohl das Haupt­tor des Hōryū-ji auf den ersten Blick als Archetyp eines Tempeltors erscheint, bietet es für Kenner der japa­nischen Tempel­architektur eine un­ge­wöhn­liche Eigen­heit: einen zwei­ge­teil­ten Durch­gang.

Üblicher­weise besteht ein Tempeltor aus einer ungeraden Anzahl von Kammern (meist drei oder fünf), von denen eine oder drei pas­sier­bar sind (s. die Beispiele unten). Nur im Hōryū-ji gibt es den Fall, dass das Tor­ge­bäude aus vier Kam­mern besteht und inso­fern ein Mittel­pfosten den Eingang in zwei Bereiche spaltet und damit quasi den natür­lichen Zugang zum Tempel blockiert. Trotz oder gerade wegen dieser Be­son­der­heit zählt nicht nur das Tor selbst, sondern auch seine Torwächter, die hier gut zu erkennen sind, zu den be­rühm­testen und ältesten Bei­spielen ihrer Art.

Weitere Beispiele

Tōdaiji, Nandaimon

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Südliches Haupttor (Nandaimon)

Tempeltor. Kamakura-Zeit, 1199; „Nationalschatz“; Tōdaiji, Nara
Bild © Frank J. Gualtieri Jr., 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Das riesige Tor des Tōdaiji, wo sich der Große Buddha von Nara befindet, mit den zahmen Hirschen, die hier überall frei umherlaufen. Die ebenfalls gigantische Halle des Großen Buddhas ist im Hintergrund zu erkennen. Das Tor stammt in seiner heutigen Form aus dem Jahr 1199, nachdem es zusammen mit dem Rest der Tempelanlage im Genpei-Krieg (1181) zerstört worden war. Charakteristisch sind die frei schwebenden Querbalken, die die Dachkonstruktion stützen. Im Inneren des Tores sind die beiden größten und zugleich eindrucksvollsten Torwächterstatuen Japans zu sehen.

Das riesige Tor des Tōdaiji (Tōdaiji 東大寺Tempel des Großen Buddha von Nara; wtl. Großer Ost-Tempel …mehr ⇒), das Nandaimon (Nandaimon 南大門Südliches Haupttor einer Tempelanlage ) (Süd­liches Haupt­tor), hinter dem sich der Große Buddha von Nara (Nara 奈良Hauptstadt und Sitz des Tenno, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyō …mehr ⇒) be­findet, ist das viel­leicht be­kann­teste Tem­pel­tor Japans. Es zählt zu den japa­ni­schen „Natio­nal­schät­zen“ (kokuhō). In seinem In­ne­ren sind die bei­den größ­ten und zu­gleich ein­drucks­voll­sten Tor­wäch­ter­sta­tuen (Niō (Niō 仁王Wächterfigur, Torwächter …mehr ⇒)) Japans zu sehen. Die gi­gan­ti­sche Halle des Großen Bud­dhas ist im Hin­ter­grund un­deut­lich zu er­ken­nen. Davor die zahmen Hir­sche, die in Nara über­all frei umher­laufen.

Die Anlage des Tōdaiji stammt aus dem achten Jahrhundert, wurde jedoch im Genpei-Krieg (Genpei gassen 源平合戦Krieg zwischen den Minamoto (Gen) und den Taira (Hei, bzw. Pei), 1180–1185 …mehr ⇒) (1181) fast voll­kom­men zer­stört. Das Tor stammt daher in seiner heu­tigen Form aus dem Jahr 1199. Man be­diente sich beim Wie­der­aufbau im zwölften Jahr­hun­dert einer ver­gleichs­weise schlichten, prag­mati­schen Holz­bau­weise, für die etwa die frei schwe­ben­den Quer­balken, die die Dach­kon­struk­tion stützen, charak­teris­tisch sind. Man nennt diesen Stil „indisch“ (tenjiku-yō), obwohl er eigent­lich aus Süd­china stammt. Auch die Tempel­halle wurde damals im „indischen Stil“ errichtet, brannte aber später ein weiteres Mal ab. Daher ist das Nan­daimon eines der weni­gen erhal­tenen Beispiele des „indischen Stils“. Die Wahl dieses Stils dürfte direkt auf den Mönch Chōgen (Chōgen 重源Mönch der → Shingon-shū (1121–1206) , bekannt für die Wiedererrichtung des → Tōdaiji …mehr ⇒) zurück zu führen sein, unter dessen Leitung der Wieder­auf­bau zustande kam. Chōgen war auch der Mentor der berühmten Kei-Schule, einer Werk­statt von Bild­hauern, die auch die Statuen des Nan­daimon schufen.

Ninna-ji, Niōmon

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Niōmon, Ninna-ji

Tempeltor. Kamakura-Zeit, 1646; „Nationalschatz“; Kyoto, Ninna-ji
Bild © 663highland, Wikimedia Commons, 2010. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Wie viele große Tempeltore wird auch dieses Tor von zwei eindrucksvollen Niō-Wächtern bewacht und daher meist als Niō-Tor bezeichnet. Es stammt in seiner heutigen Form aus dem Jahr 1646, der Tempel selbst ist aber viel älter.

Auch dieses Tor des Ninna-ji in Kyoto wird von zwei ein­drucks­vollen Niō-Wäch­tern be­wacht und daher meist als Niō-Tor be­zeich­net. Wie das vorige Bei­spiel besteht auch dieses Ge­­bäude aus zwei Ge­schoßen, die jeweils in fünf Kam­mern unter­teilt sind. Im Erd­geschoß sind die äußeren Kam­mern für die Niō-Sta­tuen reser­­viert, die mittleren Kam­mern sind durch­gängig pas­sier­bar. Die größten Tem­pel­tore Japans ent­spre­chen fast alle dieser archi­tek­toni­schen Grund­struktur.

Das Niōmon des Ninna-ji stammt in seiner heuti­gen Form aus dem Jahr 1646, der Tempel selbst ist aber viel älter. Der Ninna-ji gehört zum Shingon (Shingon-shū 真言宗Shingon Schule, wtl. Schule des Wahren Wortes …mehr ⇒)-Buddhis­mus und wurde lange Zeit von kaiser­lichen Prinzen geführt.

Berg Kōya­, Westliches Haupttor

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Großes Tor (Daimon)

Tempeltor. 1705; Berg Kōya
Bildquelle: 663highland, Wikimedia Commons, 2009. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Westliches Eingangstor zum Tempelbezirk auf Berg Kōya, errichtet 1705. Größtes Tempeltor des Klosterbergs. Ähnliche Bauweise wie die vorigen Beispiele (ebenfalls mit Torwächtern), allerdings rot bemalt, was durchaus der ursprünglichen Erscheinungsform buddhistischer Tempeltore entspricht.

Westlicher Eingang der Klosteranlage auf Berg Kōya (Kōya-san 高野山Klosterberg südl. von → Nara; sprituelles Zentrum des → Shingon Buddhismus …mehr ⇒). Das größte Ein­gangs­tor zu diesem Zentrum des Shingon Bud­dhis­mus stammt aus dem Jahr 1705. Auch hier sind die äußeren Kammern für zwei Tor­wäch­ter­sta­tuen reser­viert. Das Tor sticht aller­dings durch seine rote Farbe hervor. Obwohl heute viele buddhis­tische Bau­werke in natür­lichen Holz­farben gehal­ten sind, entspricht der rote Lack eher der ur­sprüng­lichen Er­schei­nungs­form bud­dhis­tischer Tempel­gebäude.

Chion-in, Sanmon

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Haupttor des Chion-in

Tempeltor (Holz). 1721; „Nationalschatz“; Chion-in Tempel, Kyoto; Höhe: 24m, Breite: 50m
Bild © Bertrand Marquet, flickr 2011. (Letzter Zugriff: 2011/9)

Dieses Tor gilt als das größte Tempeltor Japans. Zählt zum Typ sanmon (wtl. „Dreitor“).

Mit einer Höhe von 24m und einer Breite von 50m gilt dieses Tor als das größte Tempeltor Japans. Es wurde 1721 errichtet und gehört zum Chion-in, dem Haupttempel des Jōdo Buddhismus (Jōdo-shū 浄土宗Schule des → Amida-Buddhismus …mehr ⇒), in Kyoto. Dieses Tor wird als sanmon (sanmon 三門 / 山門Tempeltor; in der ersten Schreibung (wtl. „Dreitor“) besitzt der Begriff einen metaphysischen Hintersinn: „Tor [der Befreiung von den] drei [Hindernissen]“, auch sangedatsu mon. In der zweiten Schreibung steht san (Berg) für „Tempel“. ) (wtl. „Dreitor“) bezeichnet. Es soll sich um eine Abkürzung von sangedatsu-mon handeln, wörtlich „Tor der Überwindung von drei Hindernissen [auf dem Weg ins Nirvana (निर्वाणNirvāṇa (skt., n.)„Auslöschung“, Ort der Erlösung von allem Leid …mehr ⇒) ]“. Dieser Bedeutung entsprechend besitzen sanmon-Tore oft keine verschließbaren Türflügel. Die eigentliche Funktion eines Tores— ein versperrbarer Zugang — ist daher bei sanmon-Toren verloren gegangen, denn es fehlen auch Mauern oder Zäune rund herum. Ähnlich wie die torii (torii 鳥居Torii, Schreintor …mehr ⇒) des Shinto dienen sie eher als symbolische Abgrenzung des inneren Zirkels einer Tempelanlage. Meist befinden sie sich zwischen dem äußersten (versperrbaren) Eingang und der Haupthalle einer Tempelanlage.

Kenchō-ji, Sanmon

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Haupttor (sanmon)

Tempeltor. 1775; Zen-Tempel Kenchō-ji, Kamakura; Höhe: 30 m
Bild © FotoBob, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Übertrifft das Tor des Chion-in sogar noch an Höhe (30m). Da es sich frei stehend innerhalb des Tempelareals befindet, fungiert es im Grunde nicht als Tor, sondern als Speicher für Tempelschätze. Seine heutige Form stammt aus dem Jahr 1775. Der Kenchō-ji (gegr. 1253 ) ist der älteste Zen-Tempel Kamakuras. Mit seiner Errichtung begannen die Minamoto Shogune im 13. Jh. die Förderung des damals neuen Zen Buddhismus.

Übertrifft das Tor des Chion-in sogar noch an Höhe (30m). Da es sich frei stehend innerhalb des Tempelareals befindet, fungiert es im Grunde nicht als Tor, sondern als Speicher für Tempelschätze. Seine heutige Form stammt aus dem Jahr 1775. Der Kenchō-ji (gegr. 1253 ) ist der älteste Zen-Tempel Kamakuras. Mit seiner Errichtung begannen die Minamoto Shogune im 13. Jh. die Förderung des damals neuen Zen Buddhismus (Zen chin. Chan, wtl. Meditation; Zen Buddhismus …mehr ⇒).

Nanzen-ji, Sanmon

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Sanmon-Tor

Tempeltor (Holz). 1628; Zen-Tempel Nanzen-ji, Kyoto; Höhe: 22 m
Bild © Asano Noboru, 2009. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Ähnlich wie im Beispiel davor fungiert dieses Ge­bäude hier nicht als Ein­gangs­tor, son­dern dient zur Prä­sen­ta­tion der da­hinter liegen­den Haupt­halle und als Spei­cher von Wert­gegen­stän­den. Der Nanzen-ji ist der be­deu­tendste unter den so­ge­nann­ten „Fünf Bergen“ (gozan (gozan 五山wtl. „Fünf Berge“; Kloster­organisation des Zen Buddhismus …mehr ⇒)), den fünf Haupt­klös­tern des Rinzai-Zen in Kyoto. Dieses Tor wurde 1628 vom Daimyo Todo Taka­tora errichtet.

Nagasaki, Drachenpalast-Tor

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Drachenpalast-Tor

Tempeltor. 1849; Sōfuku-ji, ein Tempel der Obaku-Zen-Schule, Nagasaki
Bild © Tōkyō enogu, 2010. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Im Unterschied zu den älteren japanischen Tempeltoren, die meist zur Gänze aus Holz sind, spielt bei diesem chinesisch angehauchten Gebäudetyp die massive Grundmauer auch optisch eine tragende Rolle. Siehe auch Drachen und Drachenpaläste.

Das Drachenpalast-Tor (Ryūgū-mon (Ryūgū-mon 龍宮門wtl. Tor des Drachenpalastes; chinesisch angehauchtes Tempeltor )) des Sōfuku-ji in Nagasaki, eines Tempel der Ōbaku (Ōbaku-shū 黄檗宗Dritte Hauptrichtung des jap. Zen …mehr ⇒)-Zen Schule, errichtet 1849. Bei diesem chinesisch angehauchten Gebäudetyp spielt die massive Grundmauer sowohl optisch als auch funktionell eine tragende Rolle. Dadurch unterscheidet sich dieser Typ, der erst seit der Edo-Zeit bekannt ist, von älteren japanischen Tempeltoren, die meist zur Gänze aus Holz sind. (Siehe auch Drachen und Drachenpaläste.)


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