Weitere bekannte Schreine

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Bernhard Scheid, „Weitere bekannte Schreine“ (Stand: 2013-01-21). In: ders. (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch (Universität Wien, seit 2001). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Bauten:Bekannte_Schreine?oldid=33211

Die historisch bedeutsamsten Schreine Japans, angefangen von Ise und Izumo, befin­den sich oft au­ßer­halb der ehe­ma­ligen poli­ti­schen Zen­tren Nara, Kyoto, Kama­kura oder Tokyo. Man muss also erst eine kleine Reise unter­neh­men, um den wich­tig­sten Kami (kami japanische Gottheit …mehr ⇒)-Heilig­tü­mern des Landes einen Besuch ab­stat­ten zu kön­nen. Doch ver­fü­gen diese be­deu­ten­den Schreine alle über mehr oder weni­ger große Netz­werke von Zweig­schrei­nen, die über das ganze Land ver­teilt sind. Misst man die Be­deu­tung eines Schreines an der Zahl seiner Zweig­schrei­ne, so stehen Ise und Izumo kei­nes­wegs an erster Stelle. Im Fol­gen­den eine Aus­wahl von Schrei­nen, die auf­grund ihrer An­hänger­schaft oder auf­grund ihrer his­to­ri­schen Rolle von be­son­derer Bedeu­tung sind.

Schreine und Gottheiten

Inari Schreine

Der Shinto-Gott mit den meisten Einzelschreinen ist Inari (Inari 稲荷Reisgottheit, häufig von Fuchswächtern bewacht ). Es soll über 30.000 Inari Schreine geben. Typischer­weise sind die meisten Inari Schreine allerdings sehr klein, sodass man sie leicht übersehen kann. Sie sind üblicher­weise daran zu erkennen, dass sie von zwei Füchsen bewacht werden. Hauptschrein des Inari-Glaubens ist der Fushimi Inari Taisha (Fushimi Inari Taisha 伏見稲荷大社Großschrein der Gottheit Inari in Fushimi, im Süden Kyotos …mehr ⇒) im Süden Kyotos. Er ist u.a. für seine zehntausende torii (torii 鳥居Torii, Schreintor …mehr ⇒) bekannt. Die hier verehrte Gottheit ist eigentlich ein Reisgott, manifestiert sich aber auch in Form von Füchsen. Fuchsstatuen, zumeist vor dem Schrein aufgestellt, sind daher ein eindeutiges Er­kennungs­merkmal von Inari Schreinen. Es gibt im übrigen auch buddhistische Tempel für die Gottheit Inari.

Hachiman Schreine

Hachiman (Hachiman 八幡Shinto Gottheit, Ahnengottheit des Tenno und des Kriegeradels …mehr ⇒) ist eine der einflussreichsten japanischen Gott­heiten und verfügt über ein Netzwerk von etwa 25.000 in ganz Japan verteilten Zweig­schreinen. Er wurde ursprünglich in Kyushu (im Usa Hachiman-gū (Usa Hachiman-gū 宇佐八幡宮Usa Hachiman Schrein (Usa, Kyushu) )) verehrt, aber schon in der Nara (Nara 奈良Hauptstadt und Sitz des Tenno, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyō …mehr ⇒)- und Heian (Heian 平安alter Name Kyotos; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit) …mehr ⇒)-Zeit verlagerte sich das Zentrum seines Kults zuerst nach Nara, dann nach Kyoto (Iwashimizu Hachiman-gū (Iwashimizu Hachiman-gū 石清水八幡宮Iwashimizu Hachiman Schrein (bei Kyoto) )). Die Hachiman Schreine von Usa und Kyoto gelten daher als die Haupt­schreine Hachimans. Noch populärer und historisch ebenso bedeutsam ist jedoch der Tsurugaoka Hachiman-gū (Tsurugaoka Hachiman-gū 鶴岡八幡宮Tsurugaoka Hachiman Schrein (Kamakura) ) in Kamakura. Dieser Schrein verdankt seine Gründung dem Krieger­geschlecht der Minamoto, die Hachiman als Ahnen­gott verehrten. Nachdem sie siegreich aus den politischen Wirren der aus­gehenden Heian-Zeit hervor­gegangen waren, bauten die Minamoto ihren Haupt­sitz in Kamakura (Kamakura 鎌倉Stadt im Süden der Kantō Ebene, Sitz des Minamoto Shogunats 1185–1333 (= Kamakura-Zeit) …mehr ⇒) (südl. des heutigen Tokyo) zum politischen Zentrum des Landes aus und leiteten damit eine neue Ära, die sog. Kamakura-Zeit (1185–1333), ein. Der Hachiman Schrein von Tsurugaoka war eines der prächtigsten Bau­werke dieser neuen Haupt­stadt. Die Anlage ist auch in ihrer heutigen (restaurierten) Form sehr imposant und wird an hohen Feier­tagen von zahlreichen Tokiotern aufgesucht.

Als Ahnherr der Minamoto Shogune wird Hachiman auch oft als Gott des Krieges bezeichnet, richtiger ist jedoch Gott der Krieger (bushi (bushi 武士Krieger, Samurai …mehr ⇒)), deren oberster Vertreter der Shogun war. Hachiman war im übrigen auch einer der ersten Kami, die in den Bud­dhis­mus integriert wurden (s. Kap. Ikonographie, Kami). Daher wurde auch seine Ver­breitung immer schon vom Buddhismus gefördert.

Tenjin Schreine

Auch Tenjin (Tenjin 天神wtl. „Himmelsgott“, s.a. „Tenman Tenjin“ ) Schreine sind in ganz Japan häufig zu finden (ca. 10.000 Schreine). Sie sind dem Gott Tenman Tenjin (Tenman Tenjin 天満天神Shinto Gott, Apotheose des Sugawara no Michizane ) geweiht, der heute vor allem als Gott der Bildung von Schülern und Studierenden um Beistand gebeten wird. Tenjin Schreine haben daher v.a. zur Zeit der Uni-Aufnahms­prüfungen großen Zulauf. Die Haupt­schreine des Tenjin Netz­werks sind der Kitano Tenman-gū (Kitano Tenman-gū 北野天満宮Kitano Tenman Schrein (Kyoto) ) in Kyōto und der Dazaifu Tenman-gū (Dazaifu Tenman-gū 大宰府天満宮Dazaifu Tenman Schrein (Kyushu) ) in Kyūshū (in der Nähe von Fukuoka). Daneben gibt es auch den bekannten Tenjin Schrein in Osaka, dem zu Ehren jedes Jahr eines der größten Schrein­feste (matsuri (matsuri religiöses (Volks-)Fest …mehr ⇒)) Japans abgehalten wird. Der Gott Tenman Tenjin leitet sich von einer historischen Per­sön­lich­keit, dem Hofgelehrten Sugawara no Michizane (Sugawara no Michizane 菅原道真Heian-zeitl. Staatsmann und Gelehrter, 845–903 ), ab, der ein besonderer Freund der Pflaumen­blüte gewesen sein soll. Daher ist die Pflaume auch das Wahr­zeichen der Tenjin Schreine. Michizane wurde ungerecht­fertigter­weise verbannt und rächte sich nach seinem Tod, indem er Seuchen und Natur­kata­stro­phen über die Haupt­stadt brachte. Erst als man ihm zu Ehren die Schreine in Kyoto und Dazaifu errichtete, endeten die Heimsuchungen (s.a. Geister).

Miyajima

Der Schrein von Miyajima (Miyajima 宮島Schreininsel nahe Hiroshima; s.a. Itsukushima Schrein …mehr ⇒) (auch Itsukushima (Itsukushima 厳島auch Miyajima, Schrein bei Hiroshima …mehr ⇒)) zählt zu den berühmtesten Sehens­würdig­keiten Japans. Er ist vor allem wegen seines imposanten, vom Meer umspülten torii bekannt, spielte aber auch historisch eine be­deut­same Rolle. Er liegt auf der kleinen Insel Miyajima (wtl. Schreininsel) nahe der Stadt Hiroshima. Schon 593 soll hier ein Schrein errichtet worden sein. Ende der Heian-Zeit wurde der Schrein vom glück­losen Krieger-Klan der Taira besonders verehrt und zeitweise zu ihrem Haupt­quartier erkoren. Der Schrein ist drei — heute namentlich kaum mehr bekannten — weiblichen Gott­heiten geweiht, als Schutz­schrein der Fischer und Seefahrer wurde er aber auch mit den Glücks­göttern Benzaiten (Benzaiten 弁才天/ 弁財天Glücksgöttin, Gottheit des Wassers, der Musik und der Beredsamkeit; skt. Sarasvati; auch: Benten …mehr ⇒) und Ebisu (Ebisu 恵比寿Glücksgott der Händler und Fischer; andere Schreibung: 夷 oder 戎 …mehr ⇒) in Verbindung gebracht.

Der eigentliche Hauptschrein der Itsukushima-Göttinnen ist der Munakata Schrein (Munakata Taisha 宗像大社Großschrein von Munakata, Kyushu ) in Kyushu, ebenfalls ein Schrein der Schiff­fahrt, dessen Anlage sich über mehrere Inseln ausbreitet. Munakata/Itsukushima verfügen über ein Netz­werk von ca. 8500 Schreinen. Zu diesem zählt auch die Schrein­insel Enoshima (Enoshima 江ノ島rel. Zentrum nahe Kamakura ), nahe der alten Haupt­stadt Kamakura.

Nikkō Schrein

Der Tōshō-gū (Tōshō-gū 東照宮Tōshō Schrein, Mausoleum des → Tokugawa Ieyasu in Nikkō, Präf. Tochigi …mehr ⇒) in Nikkō (Nikkō 日光Ortsname; Synonym der Schreinanlage des → Tōshō-gū Schreins, Präf. Tochigi …mehr ⇒), etwa 100km nördlich von Tokyo, ist das Mausoleum des ersten Tokugawa Shoguns Tokugawa Ieyasu (Tokugawa Ieyasu 徳川家康1. Tokugawa Shogun, 1543–1616; Reichseiniger …mehr ⇒). Ieyasu wurde auf eigenen Wunsch als Kami verehrt. Der prächtige Ausbau seines Mausoleums erfolgte aber erst unter seinem Enkel Iemitsu (Tokugawa Iemitsu 徳川家光3. Tokugawa Shogun (1604–1651), r. 1623–1651 …mehr ⇒), der sich eben­falls an Ort und Stelle einen Schrein errichten ließ. Die gesamte Anlage umfasst eine ganze Reihe von Schreinen und Tempeln, die von einem mächtigen Zedern­wald umgeben sind. Nikkō zählt zu den Haupt­sehens­würdig­keiten Japans. Auch dieser Schrein verfügt über einige Zweig­schreine, im Vergleich zu Hachiman oder Inari sind es aber nur sehr wenige.

Kasuga Schrein

Der Kasuga Taisha (Kasuga Taisha 春日大社Kasuga Schrein, Nara; ehemals Ahnenschrein der → Fujiwara ) in Nara ist eine weitere Haupt­sehens­würdig­keit Japans und bleibt den meisten Japan­besuchern wegen seiner vielen Laternen im Gedächtnis. Er verfügt zwar nur über ein bescheidenes Netz von Zweig­schreinen, ist aber von großer historischer Bedeutung. Er war ursprünglich die Residenz der mächtigen Adels­familie Fujiwara (Fujiwara 藤原mächtigste Adelsfamilie im jap. Altertum …mehr ⇒) und wurde später ihr Familien­schrein, wo sie ihre Ahnen verehrten. Der Schrein ist eng mit dem Tempel Kōfuku-ji (Kōfuku-ji 興福寺Tempel des Hossō-Buddhismus; einer der Sieben Großen Tempel von Nara …mehr ⇒) verbunden, der ebenfalls der Familie Fujiwara unterstellt war. Zwei der vier Haupt­götter des Kasuga Schreins sollen einst auf Hirschen hierher geritten sein. Daher ist der große Park, in dem sich der Kasuga Schrein zusammen mit den Tempeln Kōfuku-ji und Tōdaiji (Tōdaiji 東大寺„Großer Ost-Tempel“; Tempel des Großen Buddha von Nara ) befindet, von zahl­reichen zahmen Hirschen bevölkert. Diese Hirsche werden aber auch in Erinnerung an eine bud­dhis­tische Legende in den Tempel­anlagen von Nara gehalten. Die bud­dhis­tischen Einflüsse sind im Fall des Kasuga Schreins besonders stark zu erkennen. (S.a. Kasuga Mandala.)

Meiji Schrein

Der Meiji Jingū (Meiji Jingū 明治神宮Mausoleum des Meiji Tennō in Tokyo ) in Tokyo wurde 1920 zu Ehren von Kaiser Meiji (Meiji Tennō 明治天皇122. japanischer Kaiser, 1852–1912, r. 1867–1912. Eigenname: Mutsuhito. …mehr ⇒) und seiner Gemahlin errichtet. Beide werden hier als Götter verehrt, sind aber nicht hier beigesetzt. Trotz seines Nahe­ver­hält­nisses zum Staatsshinto kann man sich dem Charme des Schreins und seiner gesamten Anlage nur schwer entziehen. Auch wegen seines großen Parks zählt der Meiji Schrein zu den bekanntesten Sehens­würdig­keiten Tokyos und zieht zum tradi­tionellen Schrein­besuch im Neuen Jahr (hatsumōde (hatsumōde 初詣Schrein-Neujahrsbesuch …mehr ⇒)) die größten Menschen­massen in ganz Japan an (1998: 3,5 Millionen). Er gilt auch als bevorzugter Ort für shintoistische Hochzeiten.

Miwa

Der Schrein von Miwa (Miwa Jinja 三輪神社Miwa (auch Ōmiwa) Schrein, nahe Nara ) — oder auch „Groß-Miwa“ (Ōmiwa (Ōmiwa Jinja 大神神社Ōmiwa Schrein, auch Miwa Schrein, nahe Nara )) — in der Präfektur Nara besitzt zwar nur wenige Zweig­schreine, als einer der ältesten Schreine ist er jedoch historisch be­deutungs­voll und unterscheidet sich in mehr­facher Hinsicht von den meisten anderen Schreinen. Sein Haupt­heiligtum (shintai (shintai 神体heiliges Objekt eines Shinto Schreins; wtl. „Gottkörper“ …mehr ⇒)), bzw. der Sitz seiner Gottheit Ōmononushi (Ōmononushi 大物主Gottheit des Schreins von [Ō]Miwa. ), ist ein ganzer Berg, nämlich der Berg Miwa (Miwa-yama 三輪山Berg Miwa im Süden von Nara ), an dessen Fuß die Schrein­anlage errichtet ist. Der Schrein besitzt aus diesem Grund auch keine Haupthalle (honden (honden 本殿Hauptgebäude eines Schreins …mehr ⇒)), sondern lediglich eine Zeremonien­halle (haiden (haiden 拝殿Zeremonienhalle eines Schreins …mehr ⇒)). Dafür verfügt der Miwa Schrein gleich über drei außer­gewöhnliche Schreintore: Das mit 32m Höhe zweitgrößte torii (torii 鳥居Torii, Schreintor …mehr ⇒) Japans am Anfang des Haupt­zugangs­wegs (erbaut 1984); ein sog. shimetorii (shimetorii 注連鳥居Torii (Schreintor) bestehend aus zwei Pfosten und einem Seil; auch chūren torii gelesen …mehr ⇒), das nur aus zwei Pfosten und einem shimenawa (shimenawa 注連縄Shintoistisches „Götter-Seil“ …mehr ⇒) (Götterseil) besteht; und ein dreiteiliges torii, das mit Türen versehen ist, die den Zugang zum heiligen Berg versperren. Schließlich ist Miwa ein Schutz­schrein der Sake­brauerei. (Mehr zur Geschichte des Miwa Schreins auf der Sidepage Ōkuninushi.)

Die zehn größten Schrein-Netzwerke

allg. Bezeichnung Zahl (ger.) Hauptschreine (Ort)
1 Inari Schreine 32000 Fushimi Inari Taisha (Kyoto)
2 Hachiman Schreine 25000 Usa Hachiman-gū (Oita-ken, Kyushu),
Iwashimizu Hachiman-gū (Kyoto)
3 Shinmei Schreine 18000 Ise Jingū (Ise)
4 Tenjin Schreine 10500 Dazaifu Tenman-gū (Fukuoka-ken, Kyushu),
Kitano Tenman-gū (Kyoto)
5 Munakata Schreine 8500 Munakata Jinja (Fukuoka-ken, Kyushu),
Itsukushima Jinja (Hiroshima)
6 Suwa Schreine 5000 Suwa Taisha (Nagano-ken)
7 Hiyoshi Schreine 4000 Hiyoshi Taisha (Shiga-ken, bei Kyoto)
8 Kumano Schreine 3000 Kumano Nachi Taisha (Wakayama-ken)
9 Tsushima Schreine 3000 Tsushima Jinja (Nagasaki-ken, Kyushu)
10 Yasaka Schreine 2500 Yasaka Jinja (Kyoto)
Shrine Names and Distributions, Encyclopedia of Shinto [2010/9]

Unter Schrein-Netzwerken darf man sich keine allzu fest gefügten Organisationen vorstellen. Oft besteht nur ein loser, formaler Zusammen­hang. Neben den oben genannten landesweiten Schrein-Netz­werken gibt es auch Schreine, die nur innerhalb einer bestimmten Region über ein Netz von Zweig­schreinen verfügen. Dazu zählt unter anderem der Großschrein von Izumo.

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