Ema — Ansichtskarten für die Götter

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Bernhard Scheid, „Ema — Ansichtskarten für die Götter.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 20.9.2016). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Alltag/Opfergaben/Ema?oldid=67100X
Ema pferd.jpg

Ema

Votivbild, ema (Holz); aus dem Yoshitsune Schrein, Hokkaidō
Bild © Encyclopedia of Shintō, Shintō Museum of Kokugakuin University. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

Schrein-ema mit dem klassischen Pferde-Motiv

Ema 1712.jpg

Ema mit Pferde-Motiv, 1712

Votivbild, ema (Holz). Edo-Zeit, 1712; Aomori-ken; 19 x 22 cm 
Bild © The Japan Folk Crafts Museum, (Mingeikan), Tokyo, Meguro-ku. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

Die Beschriftung des ema enthält das Jahr der Spende (Shōtoku 2 = 1712) und den Namen des Spenders: Nagahachi 長八, sowie am oberen Rand ein buddhistisches Zeichen in Siddham-Schrift. Möglicherweise handelt es sich um die Silbe KYA, die u.a. für Elfköpfiger Kannon oder eine Figur namens Memyō Bosatsu 馬鳴菩薩 steht (vgl. Tobi-Fudo). Letzterer wird häufig auf einem Pferd reitend dargestellt.

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Fuchs-ema

Votivbild, ema (Holz)
Bild © indulgence boy, flickr, 2006. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Ema in einem Inari Schrein

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Ema

Votivbild (Holz); Kyūshū
Bild © Tomo Yun, 2004. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

Ema des Dazaifu Tenman-gū

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Ema

Votivbild (Holz). Frühes 20. Jh.
Bild © Fowler Museum at UCLA. (Letzter Zugriff: 2012/11)
Gift of Dr. Daniel C. Holtom

Älteres ema für die Bitte um reiche Muttermilch. Das Bild stammt möglicherweise aus Sendai, wo bei einem Gingkobaum mit Brust-ähnlichen Formen um Muttermilch gebetet wurde.

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Muttermilch-ema

Votivbild, ema

Neueres ema für die Bitte um reiche Muttermilch

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Drei lebensfrohe Affen

Votivbild, ema (Holz, Farbe); Chichibu, Saitama-ken
Bild © Lostintokyo, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

Großes ema des Chichibu Schreins im NW Tōkyōs. Parodie auf die Drei Weisen Affen, die nicht hören, sehen und sprechen wollen. Hier heißt es „Schauen wir, hören wir, sprechen wir! - Die lebensfrohen Drei Affen“. Mehr dazu...

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Ema des Kanamara Schreins in Kawasaki

Votivbild, ema (Holz)
Bild © deadhippo.com, 2005. (Letzter Zugriff: 2007/4)

Dieses ema zeigt eine Variation des Weise-Affen-Motivs im Dienst der Aidsprävention: „... transmit no evil, receive no evil.“ (Der erste Affe von links bedeckt sein Hinterteil, der zweite sein Geschlechtsteil.)
Der Kanamara Schrein bedeutet wtl. Schrein des Eisenpenis, was auf eine etwas bizarre Legende zurückgeht. Er wird heute gern von Homosexuellen aufgesucht und ist u.a. für seine Transvestiten Umzüge bekannt.

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Ema ema 絵馬 Votivbild; wtl. Bild-Pferdsiehe auch→ Alltag/Opfergaben -Täfelchen werden in den meisten bud­dhis­tischen Tempeln und shin­tō­is­tischen Schreinen verkauft. Eine Seite der Tafeln ist mit einem vorgedruckten Motiv versehen, auf der anderen können die Gläubigen ihre eigenen Wünsche auf­schreiben. Zumeist gibt es vor Ort auch ein Gestell, um die beschrifteten ema auf­zu­hängen. Einige Tempel und Schreine besitzen noch die tra­di­tio­nellen Hallen für große, oft sehr präch­tigen Vo­tiv­bilder, eine Praxis, die offenbar in der Edo Edo 江戸 Sitz der Tokugawa Shōgune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tōkyōsiehe auch Geschichtsperioden → Grundbegriffe/Buddhismus→ Bauten/Bekannte Tempel→ Grundbegriffe/Shinto→ Grundbegriffe/Stereotype/Herrigels Zen→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya → mehr -Zeit weit verbreitet war. Ob große Bilder oder kleine Täfelchen — stets waren ema mit kon­kreten Wünschen seitens der Gläubigen verbunden. Der etwas rätselhafte Begriff ema („Pferde­bild“) leitet sich wahr­schein­lich von der alten Praxis her, Götter mit Pferden und später mit Bildern von Pferden zu beschenken. Nach Auf­fassung einiger Volkskundler spiegelt sich darin aber auch die Vor­stel­lung wider, das Pferd als Trans­port­tier par excellence möge die ent­spre­chen­den Wünsche verläss­lich der Gottheit über­bringen.

Ema meijijingu.jpg

Internationale Wünsche

Votivbild, ema (Holz); Meiji-Schrein, Tōkyō
Bild © Philip Cygan, 2006. (Letzter Zugriff: 2019/9/19)

Ema, welche auch Englisch beschriftet werden.

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Wildschwein-Leitmotiv

Votivbild (Holz)
Bild © VikingSlav, flickr 2007. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Wildschweinwächter und Riesen-ema mit Wildschweinmotiv. Aufgenommen im Goō Jinja in Kyōto, in dessen Gründungslegende Wildschweine eine Rolle spielen.

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Ema mit Tiger-Motiv

Votivbilder, ema (Holz); Buddhistischer Tempel des Bishamonten in Kagurazaka, Tōkyō
Bild © Bernhard Scheid, 2007

Ema mit Tiger-Motiv in einem buddhistischen Tempel des Bishamon-ten.

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Ema mit Tengu-Motiv

Votivbild, ema (Holz); Myōgi Jinja, Gunma-ken
Bild © indulgence boy, flickr 2006. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Neben einer Maske sind auf diesem ema auch die für tengu typischen einstegigen geta-Sandalen zu erkennen.

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Votivbilder

Ema (Holz); Kasuga-Schrein, Nara
Bild © Brian Mcmorrow, 2004. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

Beschriftete und unbeschriftete ema am Kasuga Taisha.

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Ema der Yushima Seidō

Votivbilder, ema (Holz); Tōkyō
Bild © Eckhart Derschmidt, 2005. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Yushima Seidō ist eine Art konfuzianischer Andachtsstätte, die einzige dieser Art in Tōkyō. Konfuzius wird hier als Gott der Gelehrsamkeit verehrt. Die ema stammen zum Großteil von Schülern und Studenten und beinhalten die Bitte um Erfolg bei der nächsten Prüfung. Sie tragen die Aufschrift gōkaku: „Bestanden“.

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Ema mit Manga-Motiv

Votivbild, ema (Holz); Washinomiya Schrein, Saitama-ken (nördl. von Tokyo)
Bild © Muza-chan, 2009. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

Fünfeckiges Manga-ema vor einem traditionellen Ema-Motiv. Der Washinomiya Schrein, einer der ältesten Schreine der Kantō Region, erhielt neuen Zulauf, als er zum Spielort des populären Manga Lucky Star auserkoren wurde. Seither gibt es im Schrein auch Ema im Manga-Stil. Auf diesem ist zu lesen: „Ein Leben lang otaku-krank.“

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Edison-ema

Votivbild, ema (Holz); Iwashimizu Schrein, Yawata-shi (bei Kyōto)
Bild © J-blog, 2009. (Letzter Zugriff: 2016/9/18)

Auch westliche Gesichter sind auf ema zu finden. In diesem Fall handelt es sich um den amerikanischen Erfinder Thomas Edison. Bekanntermaßen schaffte Edison den Durchbruch zur Entwicklung der Glühbirne, als er Bambus als Glühfaden entdeckte. Eine großangelegte Suchaktion Ende der 1870er Jahre ergab schließlich, dass sich der berühmte Bambus des Iwashimizu Hachiman-gū bei Kyōto besonders gut für diesen Zweck eignete. Der Schrein fühlt sich daher für die Erfindung der Glühlampe mitverantwortlich und ehrt Edison auf seinen Votivbildern. In gewisser Weise zählt der amerikanische Erfinder also zu den im Iwashimizu Schrein verehrten Gottheiten.

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Individuell bemalte Fuchs-ema

Votivbilder, ema (Holz, Farbe); Fushimi Inari Schrein, Kyōto
Bild © Matthew Bednarik, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

Bemalte ema mit Füchsen (kitsune) des Fushimi Inari Taisha

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Ema des Bishamon-ten

Votivbild (Holz, Farbe). 1935; 23 x 29,4 cm
Bild © Fowler Museum at UCLA. (Letzter Zugriff: 2012/11)
Gift of Dr. Daniel C. Holtom

Älteres ema aus Shichigahama bei Sendai. Der abgebildete Tausendfüßler gilt als Botentier des Bishamon-ten.

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Shintō-Priester

Tsurugaoka Hachiman Schrein, Kamakura
Bild © Angus McIntyre, 1998. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Junge Priester entfernen ema-Täfelchen nach einem besucherreichen Tag.

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Halle für Votivbilder (Gakudō)

Tempelhalle (Holz). 1861; Shinshō-ji (Narita-san), Narita, Chiba-ken
Bild © Tōykō Views, flickr 2010. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

Traditionelle Halle für ema.

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Wunschmotive

Art und Inhalt der Beschriftung von ema variieren ebenso stark wie die Motive, mit denen sie geschmückt sind. Laut dem englischen Re­li­gions­an­thro­po­logen Ian Reader wird heute ein über­pro­por­tio­nal hoher Anteil von ema von Ju­gend­lichen und ins­be­son­dere von Mädchen verfasst. Die häufigsten Wünsche beziehen sich auf schulischen Erfolg (Aufnahme­prüfungen), aber auch Themen wie Liebe und Heirat sind oft zu finden. Ältere Menschen the­ma­tisieren hingegen vor allem Ge­sund­heit und Geld­nöte. Auffallend ist laut Ian Reader, dass tiefer gehende religiöse Themen, etwa genereller Dank oder Lob an die Gottheiten völlig fehlen. Die japanische Re­dens­art „in schweren Zeiten wendet man sich den Göttern zu“ (kurushii toki no kamidanomi kurushii toki no kamidanomi 苦しい時の神頼み „sich in Zeiten der Not an die Götter wenden“; jap. Redensart), trifft also ganz besonders auf die Praxis der ema-Beschriftung zu. In vielen Fällen ist aber auch der „fun-Faktor“ der modernen ema nicht zu übersehen. In jüngster Zeit haben sich manche Schreine z.B. auf Manga-Fans (otaku otaku 御宅  ugs. für Manga/Anime-Fan; manchmal etwas herablassende Konnotation) eingestellt und bieten ema mit Manga Motiven an.

Diese un­be­schwert-legere Handhabung der ema ist offenbar ein verhältnis­mäßig junges Phänomen. So erschien in den 30er Jahren des zwanzigsten Jahr­hunderts ein Artikel des Shintō-Spezialisten Daniel Holtom über die ema des Hōzan-ji in Ikoma, einem Tempel zwischen Kyōto und Nara Nara 奈良 Hauptstadt und Sitz des Tennō, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyōsiehe auch Nara → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Tempel→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Bauten/Ise Izumo→ Bauten/Bekannte Schreine/Itsukushima → mehr , der der ur­sprüng­lich indischen Gott­heit Shōten (aka. Kankiten) geweiht ist. Die meisten Täfelchen ent­hiel­ten mit großem Ernst ver­fass­te Gelübde von Männern, für eine bestimmte Zeit, ggf. auch für immer, ihren Ehe­frauen treu zu sein. Auch ein paar wenige ent­spre­chende Gelübde von Frauen sind dabei. Schließlich gibt es Gelübde, das Rauchen oder andere sinn­liche Genüsse aufzu­geben. In einer neueren Studie zu diesem Thema zeigt Ian Reader, dass die Abfassung von Gelübden eine an­sonsten eher un­ty­pi­sche Art der ema-Beschriftung ist, im Hōzan-ji aber auch fünfzig Jahre später, in den 80er Jahren des zwan­zig­sten Jahr­hunderts noch vor­herrschte. Aller­dings nimmt das Thema eheliche Treue nur mehr einen geringen Prozent­satz der Gelübde ein.

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Ikonographie