Japanische Pagoden

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Bernhard Scheid, „Japanische Pagoden.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 10.1.2012). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Bauten:Tempel/Pagoden?oldid=30421
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Pagode, Hōryū-ji

Fünfgeschoßige Pagode, gojūtō (Holz). Errichtet 711; „Nationalschatz“; Hōryū-ji, Ikaruga, Nara-ken; Höhe: 32,5 m
Bild © Lonely Trip, 2003. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Ein charakteristisches Merkmal dieser sehr alten Holzpagode ist das relativ breite Untergeschoß.

Pagode des Horyū-ji (8. Jh.)
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Fünfstöckige Pagode (Gojūtō)

Holz. Errichtet 1407, erneuert 1533; Itsukushima Schrein, Miyajima, Hiroshima-ken; Höhe: 28 m
Bild © Lonely Trip, 2004. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Teil des frisch angestrichenen UNESCO-Kulturerbes von Miyajima.

Pagode des Itsukushima Schreins (15. Jh.)

Japanische Pagoden ( Pagode) verstehen sich als Abbild der Grab­stätte Buddhas बुद्ध Buddha (skt., m.) „Der Erleuchtete“; jap. butsu (hotoke) 仏 oder Budda 仏陀siehe auch →  Shaka → Buddhismus→ Buddhismus Lehre→ Bekannte Tempel→ Tempel→ Ikonographie → mehr , haben sich aber von der ur­sprüng­lichen Form, dem stupa स्तूप stūpa (skt., m.) „Hügel“, Grabmonument; jap. 塔 oder sotoba 卒塔婆siehe auch →  Stupa → Bekannte Schreine/Nikko→ Friedhof→ Friedhof/Gorinto→ Shaka/Buddhas Leben → mehr , recht weit ent­fernt (s. dazu Sidepage Stupa). Es sind typi­scher­weise schlanke, turm­artige Bau­werke, die im wesent­lichen aus mehreren, wie Hüt­chen auf ein­ander gestapelten Dach­kon­struk­tionen bestehen. Diese Pagoden bezeichnet man als tajū-tō tajū-tō 多重塔 mehrstöckige Pagodesiehe auch→ Tempel (mehrstöckige Pagode). Fast alle japa­nischen Pagoden dieses Typs bestehen ent­weder aus drei (sanjū-tō sanjū-tō 三重塔 dreistöckige Pagode) oder fünf (gojū-tō gojū-tō 五重塔 fünfstöckige Pagode) Stock­werken. Sie haben einen qua­dra­ti­schen Grund­riss und ver­jüngen sich mit zu­neh­men­der Höhe ein wenig.

Mehrstock-Pagoden

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Pagode des Tempels Kōfuku-ji

Fünfgeschoßige Pagode, gojū-tō (Holz). Errichtet 730; „Nationalschatz“; Nara, Nara-ken; Höhe: 35,6 m
Bild © 663highland, 2010 (Wikimedia Commons). (Letzter Zugriff: 2012/10)

Die Pagode wurde mehrmals zerstört oder beschädigt und nach alten Plänen wieder aufgebaut. Die letzte Wiedererrichtung stammt aus 1426.

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Pagode des Tempels Daigo-ji

Fünfgeschoßige Pagode, gojū-tō (Holz). Errichtet 951; „Nationalschatz“; Kyoto; Höhe: 38 m
Bild © Lonely Trip, 2004. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Gojūtō

Fünfgeschoßige Pagode (Holz). Errichtet 828, zerstört, neu errichtet 1644; „Nationalschatz“; Tōji (Kyōōgokoku-ji), Kyoto; Höhe: 54,8 m
Bild © S. Minaga, 2001. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Mit fast 55 m Gesamthöhe ist sie die größte Holzpagode Japans. Es wurde kaum eine Verjüngung der einzelnen Stockwerke durchgeführt.

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Pagode des Asakusa Tempels

Fünfgeschoßige Pagode, gojū-tō (Stahlbeton). 1973; Sensō-ji, Asakusa, Tokyo; Höhe: 48 m; Sockel 7,5 m
Bild © Edward Hahn, 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Der berühmte Asakusa Tempel in Tokyo besaß bis zum Zweiten Weltkrieg eine fünfstöckige Holzpagode aus dem Jahr 1648. Sie wurde 1945 zusammen mit den meisten anderen Gebäuden der Anlage zerstört. Die neue Pagode wurde von der rechten auf die linke Seite des Zugangswegs (Nakamise dōri) verlegt.

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Gojūtō

Fünfgeschoßige Pagode (Holz). Errichtet 1650, zerstört 1815, wiedererrichtet 1818; Tōshō-gū, Nikkō, Tochigi-ken; Höhe: 31,8 m
Bild © Mike Murrill, flickr 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Besonders schlanke Form. Diese Pagode befindet sich auf dem Gelände des Tōshō-gū Schreins (!) in Nikkō.

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Gojūtō, Nikkō

Fünfgeschoßige Pagode (Holz). Heian-Zeit, errichtet um 800; „Nationalschatz“; Murō-ji, Nara-ken; Höhe: 16 m
Bild © Mihoo Nikki, 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Die kleinste unter den klassischen 5-Stock Pagoden. Das Kloster Murō-ji wird auch als „Berg Kōya der Frauen“ bezeichnet, weil es — im Gegensatz zum berühmten Zentrum des Shingon-Buddhismus — auch schon in vormoderner Zeit von Frauen besucht werden durfte.

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Tōtō (Östliche Pagode), Yakushi-ji

Dreigeschoßige Pagode (Holz). Errichtet 730; „Nationalschatz“; Yakushi-ji, Nara; Höhe: 33.6 m
Bild © Matthew McVickar, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Gilt als dreistöckige Pagode, die eingeschobenen Zwischendächer verleihen ihr aber eine besondere Note. Seit ihrer Errichtung wurde diese Pagode zwar oft beschädigt, aber nie ganz zerstört. Die „Westliche Pagode“ des Yakushi-ji wurde hingegen ganz zerstört und erst 1981 nach dem Bauplan dieser Pagode rekonstruiert.

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Saitō (Westliche Pagode), Yakushi-ji

Dreigeschoßige Pagode (Holz). Errichtet 1981; Yakushi-ji, Nara; Höhe: 33,9 m

Schon in der Nara-Zeit gab es zur Östlichen Pagode (s. voriges Bild) ein Pendant. Diese Pagode wurde aber 1528 zerstört und erst 1981, nach der Bauart der Östlichen Pagode, wieder errichtet. Die Bemalung entspricht dem ursprünglichen Stil beider Pagoden. Da man den natürlichen Schrumpfungsprozess des Holzes einberechnete, ist diese Pagode derzeit um 30cm höher als ihr Zwilling.

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Sanjū-tō, Hokki-ji

Dreigeschoßige Pagode (Holz). Errichtet 706; „Nationalschatz“; Hokki-ji, Ikaruga, Nara-ken; Höhe: 24 m
Bild © Lonely Trip, 2003. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Älteste dreistöckige Pagode Japans.

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Pagode des Tempels Henjō-in

Dreigeschoßige Pagode, sanjū-tō (Holz). Errichtet 1416; Kurashiki, Okayama-ken; Höhe: 22,2 m
Bild © Lonely Trip, 2003. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Sanjū-tō, Kiyomizudera

Dreigeschoßige Pagode (Holz). Errichtet 1632; Kiyomizudera, Kyoto; Höhe: 30 m
Bildquelle: Okinawa Soba, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Handkolorierte Aufnahme (Ausschnitt), zwischen 1892–95, von Enami Nobukuni, einem der bekanntesten Fotopioniere Japans. Aufnahme von Osten, der Kiyomizu Tempel befindet sich im Rücken des Fotografen. 1911 wurde die Pagode hangaufwärts an den heutigen Standort verlegt.

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Sanjū-tō, Kiyomizudera

Dreigeschoßige Pagode (Holz). Errichtet 1632; Kiyomizudera, Kyoto; Höhe: 30 m
Bild © Ron Reznick, 2004. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Die gleiche Pagode wie auf dem vorigen Bild, gute hundert Jahre später. Wie man sieht, hat sich nicht nur die Umgebung stark verändert, auch die Pagode selbst verfügt beispielsweise über Dachziegeln, während sie früher offenbar mit Rinde gedeckt war. Das Beispiel verdeutlicht, dass es durchaus möglich ist, traditionelle japanische Holzbauten zu zerlegen, zu verlegen und neu zusammenzusetzen.

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Sanjū-tō, Narita-san

Dreigeschoßige Pagode (Holz). Errichtet 1712, zahlreiche Reparaturen; Shinshō-ji, Narita, Chiba-ken; Höhe: 27 m

Diese Pagode zeichnet sich durch besonders reichhaltige Ornamente aus. Der Shingon Tempel Shinshō-ji, auch Narita-san, ist ein beliebtes Pilgerzentrum nahe dem Flughafen Narita. Besonders zu Neujahr zieht er (obwohl ein Tempel) beachtliche Besuchermassen an.

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Sanjū-tō, Nachi

Dreigeschoßige Pagode (Stahlbeton). Errichtet 1972; Seigando-ji, Wakayama-ken; Höhe: 25 m

Eigentlich ein als Pagode getarnter Aussichtsturm, der allerdings optimal positioniert ist, um einen Blick auf den heiligen Nachi-Wasserfall im Hintergrund zu werfen. Der Nachi-Wasserfall ist Teil des über ein ganzes Bergmassiv verteilten Schrein-Komplexes von Kumano im Südosten der Halbinsel Kii.

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Tōtō (Östliche Pagode), Berg Hiei

Zweigeschoßige Pagode (Holz). Heian-Zeit(?), zerstört 1571, wieder errichtet 1980; Enryaku-ji, Berg Hiei; Höhe: 30 m
Bild © Lonely Trip, 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Im Unterschied zum tahōtō-Typ ist hier auch das Obergeschoß quadratisch. Es handelt sich daher um eine „gewöhnliche“ Pagode mit lediglich zwei Geschoßen.

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Die Pagoden mit drei oder fünf Geschoßen stellen den ältesten Pago­den­typ Japans dar, der im sechsten und siebenten Jahr­hundert von China und Korea über­nommen wurde. Seit dieser Zeit haben sich die mehrstöckigen Pagoden fast nicht mehr verändert. In China und Korea sind sie dagegen heute fast voll­stän­dig von steinernen Türmen unter­schied­licher Stil­rich­tungen verdrängt worden. Das liegt zum einen daran, dass sich die tradi­tionelle Holz­bau­weise in Japan grund­sätz­lich weniger stark verändert hat als in China, zum anderen aber an der Tatsache, dass sich gerade die bau­liche Struktur der Pagoden als beson­ders stabil gegen­über Erd­beben erwie­sen hat. Daher sind unter den ältes­ten Holz­bauten Japans Pago­den beson­ders häufig zu finden.

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Querschnitt der fünfstöckigen Pagode des Horyū-ji

Fünfgeschoßige Pagode, gojūtō (Holz). Errichtet 711; „Nationalschatz“; Hōryū-ji, Ikaruga, Nara-ken; Höhe: 32,5 m

Ein charakteristisches Merkmal dieser sehr alten Holzpagode ist das relativ breite Untergeschoß.

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Skizze des Tōtō (Östliche Pagode) des Yakushi-ji

Dreigeschoßige Pagode (Holz). Errichtet 730; „Nationalschatz“; Yakushi-ji, Nara; Höhe: 33,6 m

Dreistöckige Pagode des Yakushi-ji mit den ungewöhnlichen Zwischendächern.

Oben: Dreistöckige Pagode des Yakushi-ji, Nara mit den ungewöhnlichen Zwischendächern.

Links: Fünfstöckige Pagode des Horyū-ji.

Eines der Geheimnisse der Erdbebenresistenz liegt im zentralen Mittel­pfeiler (shinbashira, wtl. „Herz-Pfeiler“), der bei den meisten Pagoden — ent­gegen aller Erwar­tung — nicht fest im Boden verankert ist, sondern gleich­sam frei schwe­bend erst in einiger Ent­fer­nung vom Boden beginnt. Die Pagode ruht daher auf mehreren sym­met­risch ver­teil­ten Stützen und lässt sich im Bedarfs­fall sogar ein wenig ver­schieben. Die einzel­nen Balken einer Pagode sind — wie im übrigen auch bei anderen tradi­tionel­len Holz­bauten — nicht genagelt, son­dern in ein­ander gesteckt und ver­keilt, was eine gewisse Beweg­lich­keit zulässt und Schwin­gun­gen inner­halb des Bau­werks ab­bremst. Darüber hinaus ent­steht bei einem Beben ein Schwin­gungs­muster, das die Erschüt­te­rungen abfe­dert, weil sich jedes „Stock­werk“ in eine ent­ge­gen­ge­setzte Rich­tung bewegt. Dieses Phäno­men wird im Fach­jargon als „Schlan­gen­tanz“ der Pago­den bezeichnet.

In der ersten Blütezeit des japanischen Buddhismus, als dem Staat nichts zu teuer war, um sich die Unterstützung von Buddha बुद्ध Buddha (skt., m.) „Der Erleuchtete“; jap. butsu (hotoke) 仏 oder Budda 仏陀siehe auch →  Shaka → Buddhismus→ Buddhismus Lehre→ Bekannte Tempel→ Tempel→ Ikonographie → mehr s und Bodhisattva बोधिसत्त्व Bodhisattva (skt., m.) „Erleuchtetes Wesen“; jap. bosatsu 菩薩siehe auch →  Buddhismus Lehre → Tempel→ Ikonographie→ Kannon→ Matsuri/Phalluskulte → mehr s zu sichern, errichtete man auf dem Gelände des Daibutsu Daibutsu 大仏 Großer Buddha; monumentale Buddha Statuesiehe auch Daibutsu → Bekannte Tempel→ Amida→ Dainichi→ Shaka → mehr in der damailgen Hauptstadt Nara sogar zwei siebenstöckige Pagoden, die an die hundert Meter hoch gewesen sein sollen und von denen eine immerhin bis 1180 überdauerte. Sie wurde zwar unter dem eminenten Mönch Chōgen Chōgen 重源 Mönch der → Shingon-shū (1121–1206) , bekannt für die Wiedererrichtung des → Tōdaijisiehe auch Daibutsu → Tempel/Tempeltore→ Heilige noch einmal aufgebaut, 1362 aber neuerlich ein Raub der Flammen. 1 Danach scheint man sich im Pagodenbau auf einen kleineren Maßstab beschränkt zu haben.

Vielschatz-Pagoden

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Tahōtō, Berg Kōya

Schatz-Pagode (Holz). Errichtet 1223; „Nationalschatz“; Kongō Sanmai-in, Berg Kōya, Wakayama-ken; Höhe: 15,6 m

Einer der vielen „Nationalschätze“ von Berg Kōya. Die Pagode gehört zum dortigen Haupttempel, dem Kongō Sanmai-in.

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Tahōtō

Schatz-Pagode (Holz). Errichtet 1194; „Nationalschatz“; Ishiyama-dera, Ōtsu, Präfektur Shiga; Höhe: 17,2 m
Bildquelle: Wikimedia Commons, 2009. (Letzter Zugriff: 2011/8)

Der Ishiyama-dera — ein Shingon Tempel am Südufer des Biwa-Sees — besitzt die älteste erhaltene tahōtō-Pagode.

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Tahōtō, Hiroshima

Schatz-Pagode (Holz). Errichtet 1327; „Nationalschatz“; Jōdo-ji, Onomichi, Hiroshima-ken; Höhe: 20,5 m
Bild © Lonely Trip, 2003. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Der Tempel Jōdo-ji gehört — trotz seines Namens: „Tempel des Reinen Landes“ — dem Shingon Buddhismus an.

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Tahōtō, Negoro-ji

Schatz-Pagode (Holz). 16. Jh.; „Nationalschatz“; Negoro-ji, Wakayama-ken; Höhe: 40 m
Bild © Testudō de ryokō, 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Wird auch als daitō, „Riesenpagode“, bezeichnet. Einzige erhaltene Daitō-Pagode aus vormoderner Zeit. Der Negoro-ji in der Gebirgskette Katsuragi (südlich von Nara) ist ein traditionelles Zentrum der Yamabushi und gehört dem Shingon Buddhismus an. In der „Zeit der kämpfenden Länder“ (sengoku jidai, 15. - 16. Jh.) unterhielt er eine schlagkräftige Armee von Kriegermönchen.

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Konpon Daitō, Berg Kōya

Schatz-Pagode (Stahlbeton). Errichtet 1937; Kongōbu-ji, Berg Kōya, Wakayama-ken; Höhe: 48,5 m
Bild © Tabi no shashin gazō shū, 2011. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Außer dieser „Riesenpagode“ (daitō) gibt es auf dem Klosterberg Kōya — dem wichtigsten Zentrum des Shingon Buddhismus — noch andere, wesentlich ältere und schönere Pagoden, doch in Folge ihrer Masse und ihrer grellen Bemalung zieht diese Pagode unwillkürlich alle Blicke auf sich.

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Im Laufe der Heian-Zeit kam ein neuer Pagodentyp von eher gedrungener Statur auf, den man als tahō-tō tahō-tō 多宝塔 einstöckiger Pagodentyp, wtl. „Vielschatzpagode“siehe auch→ Tempel (wtl. Vielschatzpagode) bezeichnet. Tahō-tō Pagoden besitzen lediglich ein Unter­geschoß und ein Ober­geschoß. Das quadratische Unter­geschoß wölbt sich zu einer Halb­kugel, auf der das runde Ober­geschoß aufsitzt. Dieser Bau­typ ver­breitete sich mit dem esoterischen Bud­dhis­mus in Japan. Er soll — im Gegensatz zu den Vielgeschoßigen Pagoden — ein eigenständiger japanischer Pagodentyp sein. Andererseits kann man auch Ählichkeiten mit der Urform der Pagode, dem indischen Stupa, erkennen. Heute sind Viel­schatz­pagoden vor allem in Shingon Shingon-shū 真言宗 Shingon Schule, wtl. Schule des Wahren Wortessiehe auch Kukai → Buddhismus Lehre→ Bekannte Tempel→ Ikonographie→ Tempel/Tempeltore → mehr Tempeln zu finden.

Sonderformen

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Hakkaku-tō, Anraku-ji

Achteckige Pagode (Holz). Errichtet um 1300; „Nationalschatz“; Anraku-ji, Nagano-ken; Höhe: 18,65 m

Einziges Beispiel einer achteckigen Pagode. Vom chinesischen Chan (Zen) Stil beeinflusst.

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Sōrin-tō, Nikkō

Sōrin-Pagode (Bronze). Errichtet 1643; „Nationalschatz“; Rinnō-ji, Nikkō, Tochigi-ken; Höhe: 17,5 m
Bild © Eve Anderson, 2004. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Dieser seltene, raketenförmige Pagodentyp besteht lediglich aus dem beringten Stab (sōrin), der üblicherweise die Spitze einer Pagode bildet. Er dient als Sutrenspeicher.

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Jūsanjū-tō, Tanzan Jinja

13-stöckige Pagode (Holz). 16. Jh., errichtet 678, zerstört, wiedererrichtet 1532; „Nationalschatz“; Tanzan Jinja, Nara-ken; Höhe: 16,2 m
Bild © Hatada I.. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Einzige erhaltene 13-stöckige Pagode in Japan! Befindet sich in einer Schreinanlage, die ehemals als buddhistisches Mausoleum des Ahnherrn der Fujiwara-Dynastie, Nakatomi (Fujiwara) no Kamatari (614–669) errichtet wurde. Später wurde der Ahnherr zu einer Gottheit und der Tempel zu einem Schrein. Die Pagode, eigentlich ein buddhistisches Merkmal, blieb dennoch.

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Steinpagode in Uji

Dreizehnstöckige Stele. Kamakura-Zeit, 1286; Höhe: 15 m
Bild © travel.jp. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Diese Steinpagode wurde vom Shingon-Mönch Eizon (1201–1290) nahe der berühmten Brücke von Uji und des Tempels Byōdō-in im Süden Kyotos auf einer Insel im Uji Fluss errichtet. Sie sollte die Stabilität der Brücke sichern helfen. Unter der Pagode sollen sich Fischereigeräte befinden — eine Methode, um durch die Verschonung von Lebewesen gutes Karma anzusammeln.

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Gorintō, Mimizuka, Kyoto

Grabmonument (Stein). Errichtet 1773
Bild © Frank Gualtieri, Wikimedia Commons 2006. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Das Monument in Form eines gorintō-Grabsteins ist mit deutlich erkennbaren Sanskrit-Zeichen versehen, die die fünf Elemente der buddhstischen Naturlehre symbolisieren. Es befindet sich auf dem Mimizuka ("Ohrenhügel") in Kyoto, wo die Nasen und Ohren der koreanischen Kriegsgegner, die im Zuge von Toyotomi Hideyoshis Korea-Invasion (1592–98) getötet wurden, beigesetzt sind. Zugleich ein Zeichen des Triumphes und der Bitte um Vergebung.

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Obwohl die große Mehrzahl japanischer Pagoden den beiden oben genannten Stiltypen ent­spricht, gibt es auch einige Sonder­formen, wie die acht­eckige Pagode des Anraku-ji in Nagano oder die drei­zehn­stöckige Pagode des Tanzan Schreins in der Präfektur Nara. Es gibt auch Hinweise, dass vor der Halle des Großen Buddha im Tōdaiji Tōdaiji 東大寺 Tempel des Großen Buddha von Nara; wtl. Großer Ost-Tempelsiehe auch Bekannte Tempel → Tempel/Tempeltore→ Bekannte Schreine→ Bekannte Schreine/Kasuga→ Dainichi → mehr , dem größten Tempelbau Japans, einst zwei sieben­stöckige Pagoden standen, die weit größer waren als alle heute erhal­tenen Pagoden. All diese Sonderformen haben sich aber auf die Dauer nicht durchgesetzt.

Die Grundform der Pagode wurde auch für andere Zwecke eingesetzt, als zur Errichtung turm­artiger Gebäude. So findet man z.B. vielstöckige pagodenartige Stelen aus Stein, die mehr oder weniger als Denk­mäler anzusehen sind und häufig auf Fried­höfen stehen. Auch die traditio­nellen japanischen Grabsteine sind der Wort­bedeu­tung nach Pagoden bzw. Stupas (s. Sidepage Gorintō).

Schließlich wurden Pagoden auch graphisch dargestellt. Diverse heilige Texte wurden so gestaltet, dass das Schriftbild eine Pagode aus Schriftzeichen ergab.

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Mandala einer Schatzpagode aus Goldlettern (Kinji hōtō mandara)

Hängerollbild (Goldtinte auf blauschwarzem Grund). 12. Jh.; „Nationalschatz“; Chūson-ji, Hiraizumi, Iwate-ken
Bild © Bamse, 2011, Wikimedia Commons. (Letzter Zugriff: 2012/5)

Zehnstufige Pagode bestehend aus Schriftzeichen, die zusammen ein Kapitel des Goldglanz-Sutras (Konkōmyō saishōō-kyō 金光明最勝王経) ergeben.

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Mandala einer Schatzpagode aus Goldlettern (Kinji hōtō mandara)

Hängerollbild (Goldtinte auf blauschwarzem Grund), Detail. 12. Jh.; Chūson-ji, Hiraizumi, Iwate-ken

Detail einer Zehnstufige Pagode bestehend aus Schriftzeichen, die zusammen ein Kapitel des Goldglanz-Sutras ergeben.

Kinji hōtō mandara (Schatzpagode aus Goldlettern). Chūson-ji, Hiiraizumi, Iwate-ken. 12. Jh, Goldtinte auf blauschwarzem Grund.

Zehngeschoßige Pagode bestehend aus Schriftzeichen, die zusammen ein Kapitel des Goldglanz-Sutras ergeben.

Anmerkungen

  1. Rosenfield 2011, S. 126–27
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