Der Fünf-Artikel-Eid (1868)

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Bernhard Scheid, „Der Fünf-Artikel-Eid (1868).“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 27.7.2015). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Geschichte/Staatsshinto/5-Artikel-Eid?oldid=51940
  meiji leaders.jpg

Meiji Oligarchen

Farbholzschnitt (Papier, Farbe) von Yamazaki Toshinobu (1857–1885). Meiji-Zeit, 1878; aus der Serie Dai-Nihon yūmei kagamai; 34,9 x 24,5cm
Bild © Antique Art Morimiya. (Letzter Zugriff: 2016/9/18)

Drei führende Köpfe der frühen Meiji-Zeit Sanjō Sanetomi (re.), Iwakura Tomomi (Mitte) und Ōkubo Toshimichi (li.). Interessanterweise ist die Figur in der Mitte (Iwakura), die offenbar den wichtigsten Platz innehält und den breitesten Raum einnimmt, nicht die Person mit dem höchsten Rang, sondern besitzt den zweithöchsten Rang, zur Linken (Sadaijin). Iwakura Tomomi war u.a. Leiter der sog. Iwakura Mission, die in den Jahren 1871–1873 die Länder der westlichen Welt bereiste, um die diplomatischen Beziehungen zu festigen. Dass der Großkanzler (Sanjō Dajōdaijin) hinter dem Kanzler zur Linken sitzt, deutet an, dass er diesen Rang nur Dank seiner hohen Geburt erhielt, politisch aber im Grunde nur wenig mitzureden hatte.

. 1 Meiji Oligarche

Der Fünf Artikel-Eid, Gokajō no go-seimon Gokajō no go-seimon 五箇条の御誓文 „5-Artikel-Eid“; erste Grundsatzerklärung der Meiji-Regierung; 6. April 1868siehe auch→ Geschichte/Staatsshinto/Shinbutsu bunri , ist der erste Schritt Japans zu einem modernen Re­gierungs­system. Er wurde ver­laut­bart und unter­zeichnet am 6. April 1868 (Meiji 1/3/14).

  1. Wir wollen weit­reichende Ver­samm­lungen abhalten, um alle An­gelegen­heiten öffentlich zu entscheiden.
  2. Obrigkeit und Unter­tanen seien eines Herzens, um die Wirt­schaft des Reichs1 zu stärken.
  3. Es ist von Nöten, dass Hof und Krieger zusammen mit dem gemeinen Volk ihre Ziele verfolgen können und nicht in Mut­losig­keit versinken.
  4. Wir wollen alt­her­ge­brachte Unsitten beseitigen und uns auf die Basis des Öffent­lichen Weges von Him­mel und Erde stellen.
  5. Wir wollen Wissen aus aller Welt erwerben, um die Funda­mente des Kaiser­tums umfassend zu festigen.


  1. 廣ク會議ヲ興シ萬機公論ニ決スヘシ
    hiroku kaigi wo okoshi banki kōron ni kessubeshi
  2. 上下心ヲ一ニシテ盛ニ經綸ヲ行フヘシ
    shōka kokoro wo hitotsu ni shite sakan ni keirin wo okonau beshi
  3. 官武一途庶民ニ至ル迄各其志ヲ遂ケ人心ヲシテ倦マサラシメン事ヲ要ス
    kanbu itto shōmin ni itaru made onoono sono kokorozashi wo toge jinshin wo shite umazarashimen koto wo yō su
  4. 舊來ノ陋習ヲ破リ天地ノ公道ニ基クヘシ
    kyūrai no rōshu wo yaburi, tenchi no kōdō ni motozuku beshi
  5. 智識ヲ世界ニ求メ大ニ皇基ヲ振起スヘシ
    chishiki wo sekai ni motome, ōi ni kōki wo shinki subeshi

Geschichtlicher Kontext

Der Fünf-Artikel-Eid war die erste Grund­satz­erklärung des neuen Meiji Meiji 明治 posthumer Name von Kaiser Mutsuhito; nach ihm wird auch die Meiji-Zeit (1868–1912) benanntsiehe auch Geschichtsperioden → Grundbegriffe/Shinto→ Grundbegriffe/Shinto/Jindo→ Bauten/Bekannte Schreine/Tenjin→ Bauten/Bekannte Schreine/Nikko→ Alltag/Jahr → mehr -Regimes, das sich drei Monate zuvor (3. Jänner 1868) an die Macht geputscht hatte. Er kann auch als eine Art „Ver­fassung“ der neuen Meiji-Regierung angesehen werden oder wurde zumindest im Rück­blick so gedeutet. Der Text durchlief eine Reihe von Redaktionen, zuletzt durch Kido Takayoshi Kido Takayoshi 木戸孝允 1833–1877; Staatsmann der Meiji-Zeit und Iwakura Tomomi Iwakura Tomomi 岩倉具視 1825–1883; Staatsmann der Meiji-Zeit; Leiter der Iwakura Mission (1871–1873)siehe auch Bakumatsu , die unmittelbar an den Hebeln der Macht saßen. Die Unter­zeichnung des Dokuments besiegelte den Unter­gang der alten Eliten und den Aufstieg der so­genan­nten Meiji-Oligarchen, damals angeführt von Kido, Iwakura und Ōkubo Toshimichi Ōkubo Toshimichi 大久保利通 1830–1878; Staatsmann der Meiji-Zeit aus Satsuma. Es gelang ihnen, die führenden Vertreter des Hofes und des Tennō-loyalen Krieger­adels in einer spektakulären In­augura­tions­zere­monie zu versammeln und insgesamt 767 Personen zur Unter­zeichnung des Eids zu bewegen.

Die ersten drei Punkte spiegeln das Be­dürfnis wider, die alten Hierarchien zu überwinden, und wurden oft auch als demo­kratische Ansätze interpretiert. Die „alten Unsitten“ in Punkt vier wurden einer­seits als Ge­pflogen­heiten des Tokugawa-Regimes, etwa die Privi­legien des Shōgun, verstanden, konnten sich aber auch z.B. auf den Bud­dhis­mus beziehen. Punkt 5 erhält ein Bekenntnis zur Modernisierung nach westlichem Muster. Schon Robert Spaulding machte aller­dings darauf aufmerksam, dass die Ziele des Eids Anfangs wesentlich enger und konkreter waren, als sich dem Text selbst ent­nehmen lässt. Doch dank der allgemeinen Formulierungen, die teils aus Rück­sicht auf mögliche politische Gegner nicht auf konkrete Anlässe gemünzt waren, ließ sich der Text im Rück­blick als Auf­forderung zu weit radikaleren Reformen lesen, als sie den „Meiji-Oligarchen“ zunächst selbst vor Augen standen.

Verweise

Fußnoten

  1. Keirin, üblicherweise Staats­verwaltung, wird hier in einem speziellen Sinne ähnlich wie keizai 経済 verwendet (Spaulding 1967, S. 8).

Bilderläuterungen

  1. Meiji leaders.jpg

    Meiji Oligarchen

    Farbholzschnitt (Papier, Farbe) von Yamazaki Toshinobu (1857–1885). Meiji-Zeit, 1878; aus der Serie Dai-Nihon yūmei kagamai; 34,9 x 24,5cm
    Bild © Antique Art Morimiya. (Letzter Zugriff: 2016/9/18)

    Drei führende Köpfe der frühen Meiji-Zeit Sanjō Sanetomi (re.), Iwakura Tomomi (Mitte) und Ōkubo Toshimichi (li.). Interessanterweise ist die Figur in der Mitte (Iwakura), die offenbar den wichtigsten Platz innehält und den breitesten Raum einnimmt, nicht die Person mit dem höchsten Rang, sondern besitzt den zweithöchsten Rang, zur Linken (Sadaijin). Iwakura Tomomi war u.a. Leiter der sog. Iwakura Mission, die in den Jahren 1871–1873 die Länder der westlichen Welt bereiste, um die diplomatischen Beziehungen zu festigen. Dass der Großkanzler (Sanjō Dajōdaijin) hinter dem Kanzler zur Linken sitzt, deutet an, dass er diesen Rang nur Dank seiner hohen Geburt erhielt, politisch aber im Grunde nur wenig mitzureden hatte.

Literatur

Japanischer Originaltext:

Übersetzungen:

John Breen 1996
„The Imperial Oath of April 1868: Ritual, Politics, and Power in the Restauration.“ Monumenta Nipponica 51:4 (1996), S. 407–29.
Marius Jansen 2000
The Making of Modern Japan. Cambridge, MA: Harvard University Press 2000.
Robert Spaulding 1967
The Intent of the Charter Oath.“ In: Richard Beardsley (Hg.), Studies in Japanese History and Politics. Ann Arbor: Univ. of Michigan Press 1967, S. 3–35.
Reinhard Zöllner 2008
Geschichte Japans: Von 1800 bis zur Gegenwart. Paderborn: Schöningh 2008. [2., durchgesehene Auflage 2009.]
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Ikonographie