Amidismus, der Buddhismus des Reinen Landes
Der Buddhismus vom Reinen Land ist die bedeutendste Reformbewegung des japanischen Mittelalters. Er besteht aus einer radikalen Vereinfachung der religiösen Praxis und aus der Konzentration auf ein paar wenige Glaubensinhalte. Im Zentrum steht der Glaube an Amida (Buddha (बुद्धBuddha (skt., m.) — „Der Erleuchtete“ …mehr ⇒) Amitābha) und sein Reines Land, eine Art Vorstufe des Nirvana (निर्वाणNirvāṇa (skt., n.) — „Auslöschung“, Ort der Erlösung von allem Leid …mehr ⇒) . Die Reformbewegung hat ihre Wurzeln im Tendai Buddhismus und reicht bis Mitte der Heian (Heian 平安 — alter Name Kyotos; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit) …mehr ⇒)-Zeit zurück. Im Laufe der Kamakura (Kamakura 鎌倉 — Stadt im Süden der Kantō Ebene, Sitz des Minamoto Shogunats 1185–1333 (= Kamakura-Zeit) …mehr ⇒)- Zeit schlossen sich ihre Anhänger, die sog. Amidisten, zu verschiedenen häretischen Sekten (also Sekten, die nicht als rechtgläubig anerkannt werden) zusammen. Auch wenn diese Sekten alle ein wenig unterschiedlich ausgerichtet sind, konzentriert sich ihr Glaube jeweils auf die gleichen Haupttexte und auf ähnliche religiöse Praktiken. Sie zielen noch stärker, als dies im Mahayana Buddhismus zuvor der Fall war, auf Laiengläubige ab, die im gewöhnlichen Alltagsleben stehen und dennoch ein Verlangen nach buddhistischer Erlösung verspüren. Diese Hinwendung zu den Laien hat wohl auch in anderen Ländern zu Erfolgen des Reinen Land Glaubens geführt, doch hat sich daraus wohl nirgends eine so starke gesellschaftliche Kraft entwickelt wie im mittelalterlichen Japan.
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Theorie und Praxis
Amida
- Hängerollbild (Seide, Farbe). Kamakura-Zeit; „Nationalschatz“; im Besitz des Chion-in Tempels in Kyoto (Haupttempel des Jōdo Buddhismus)
Bild © Wada Yoshio. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Amida kommt mit einem Gefolge von 25 Bodhisattvas zum Haus eines Sterbenden, um ihn ins Reine Land zu geleiten.
Im Zentrum des Amida Glaubens stehen drei Sutren, das Große Amitabha Sutra (jap. Muryōju-kyō (Muryōju-kyō 無量寿経 — Großes Amida Sutra )), das Kleine Amitabha Sutra (jap. Amidakyō (Amidakyō 阿弥陀経 — Kleines Amida Sutra )) und das sog. Meditations-Sutra (jap. Kanmuryōjukyō (Kanmuryōjukyō 観無量寿経 — Meditations Sutra )), die teilweise aus dem Indien des zweiten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung stammen. Im Kern geht es darin um Amida (Amida 阿弥陀 — Buddha Amitabha …mehr ⇒) (sk. Amitabha), der vor unzähligen Erdzeitaltern ein Prinz war, der Welt entsagte und verschiedene Gelübde tat, für den Fall dass er einst die Buddhaschaft erreichen würde (nicht zufällig enthält diese Erzählung Parallelen zur Biografie Buddha Shakyamunis, aber Amida lebte nach buddhistischer Auffassung viel früher). Amida schwor, ein „Reines Land“ (skt. shukavati, jap. jōdo (jōdo 浄土 — Reines Land …mehr ⇒)) im Westen zu errichten und dorthin alle diejenigen zu „erretten“, die an ihn glauben.
Aus dem Reinen Land Amidas entwickelten sich Vorstellungen, die stark an das Paradies der monotheistischen Religionen erinnern (s. dazu auch Jenseitsvorstellungen). Dieser (im Unterschied zum Nirvana) konkret fassbare Ort der Hoffnung war wahrscheinlich ein entscheidender Faktor für die Breitenwirkung des Amida-Glaubens. Die wichtigste Voraussetzung, um ins Reine Land zu kommen ist der bedingungslose „Glaube“ an Amida. Innerhalb des Amidismus existieren jedoch unterschiedliche Auffassungen, worin sich der für die Errettung ins Reine Land notwendige Glaube manifestiert.
Nenbutsu
In Japan wurde vor allem die Anrufung von Amidas Namen als erfolgversprechende Praxis angesehen, um ins Reine Land zu gelangen. Man bezeichnet diese Praxis als nenbutsu (nenbutsu 念仏 — Anrufung des Namens von Buddha Amida, Gebetsformel der Amida-Anhänger …mehr ⇒) (wtl. „Eingedenksein Buddhas“). Das nenbutsu äußert sich im Aussprechen der Formel namu amida butsu (namu amida butsu 南無阿弥陀仏 — in etwa: „Gelobt sei Buddha Amida“; Gebetsformel im Buddhismus des Reinen Landes ) (in etwa: „Gelobt sei Buddha Amida“). Manche Richtungen des Amida Buddhismus setzten auf Quantität (tausend nenbutsu pro Tag), andere auf Qualität (ein nenbutsu, aber das im richtigen Glauben), es gab kollektive nenbutsu Gesänge und Tänze sowie das sogenannte Totenbett-nenbutsu, das für viele den entscheidenen Ausschlag für die „Errettung“ im Jenseits darstellte.
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Kūya Shōnin
Kūya (903-72), ein Wanderprediger und Amida-Verehrer des 10.Jhs., beim Intonieren des nenbutsu, das sich in Form von sechs Buddha-Statuen manifestiert. Der Bildhauer stammt aus der Kei-Schule und war ein Sohn des berühmten Unkei. |
Kūya Shōnin
Die sechs Zeichen des nenbutsu (Na-mu-A-mi-da-butsu) verwandeln sich in Kūyas Mund zu einzelnen Buddhas. |
Kūya's nenbutsu | |
Einer der Pioniere des nenbutsu-Glaubens war der Heian-zeitliche Mönch Kūya (Kūya 空也 — Wanderprediger des 10. Jh.s ), der das nenbutsu intonierend durch die Lande zog und den einfachen Menschen von der Gnade Amidas erzählte. Er soll auch die Praxis des kollektiven nenbutsu-Tanzes initiert haben und wurde zum Vorbild einer bestimmten Form von amidistischen Wanderpredigern, die sich später zur Ji-Sekte (Ji-shū 時宗 — Amida-Schulrichtung aus der Kamakura-Zeit ) zusammenschlossen.
Tariki, die „andere Kraft“
So einfach die Doktrin des Amidismus klingen mag, ihre japanischen Verfechter gehörten nicht nur zu den gelehrtesten Mönchen ihrer Zeit, sie schufen auch eine theologisch fundierte Begründung ihrer Bevorzugung des nenbutsu. Diese Begründung steht mit der bereits erwähnten Vorstellung des Niedergangs, bzw. der „Endzeit des Gesetzes“ (mappō (mappō 末法 — Endzeit des Dharma …mehr ⇒)) in Zusammenhang (s. Heian Zeit). Dieser Niedergang bedingt nach Ansicht der Amidisten, dass anspruchsvolle Mittel zur Erlangung der Erleuchtung, wie sie aus den Lebzeiten des historischen Buddha berichtet werden (Meditation, Verständnis der Lehre, Askese, usw.), nicht mehr zielführend sind, da die Menschen ihnen nicht mehr gewachsen sind. Den spirituell kraftlos gewordenen Menschen bliebe nur noch die Möglichkeit, auf das Mitleid Amidas zu vertrauen. Die Erleuchtung aus eigenen Kräften erreichen zu wollen, kritisierten die Amidisten als Anmaßung. Im Zusammenhang mit den früheren anspruchsvollen Methoden, die Erleuchtung zu erlangen, sprechen die Amidisten von jiriki (jiriki 自力 — wtl. eigene Kraft; buddhistisches Konzept …mehr ⇒) (eigener Kraft). Jiriki ist aber in der Endzeit nicht mehr möglich. Stattdessen gewährt Amida tariki (tariki 他力 — andere Kraft (helfende Kraft Amidas) …mehr ⇒) (andere Kraft), d.h. Erlösung ohne vorhergehende vollkommene Einsicht, und ohne besondere (meditative, asketische) Techniken oder Studien. Wer sich voll Vertrauen auf die „andere Kraft“ Amidas verlässt, wird in seinem Reinen Land wiedergeboren, egal wie weit sein Lebensweg auch von konventionellen Moralvorstellungen entfernt ist.
Die Einschätzung des Menschen als fundamental unwissendes, zur Erleuchtung unfähiges (=sündhaftes) Wesen und die Betonung der Gnade einer höheren Macht als einziger Hoffnung ist häufig mit der Theologie Martin Luthers verglichen worden. In beiden Fällen gab wahrscheinlich die Kritik am übertrieben komplizierten Lehrgebäude und am leeren Formalismus der etablierten religiösen Eliten den Ausschlag für die Suche nach einer einfachen, direkten Form der Frömmigkeit. In beiden Fällen führte diese Lehre nicht nur zu theologischen sondern auch zu sozialen Reformbewegungen, die teils einen anderen Verlauf nahmen, als dies von ihren Gründern vorgesehen war.
Japanische Gründerväter
In Japan gab es schon in der Heian-Zeit viele Mönche, die die Nennung von Amidas Namen (nenbutsu) als besonders erfolgversprechende Übung praktizierten und Gleichgesinnte um sich scharten, z.B. den Wanderprediger Kūya (s. oben).
Erst der Tendai Mönch Hōnen (Hōnen 法然 — Gründer der Jōdo Schule (1133–1212) ) (1133–1212), der diese Praxis in diversen theoretischen Schriften erklärte, wird allerdings als Begründer einer eigenen Schule, der Jōdo-shū (Jōdo-shū 浄土宗 — Schule des → Amida-Buddhismus ) (Buddhismus vom Reinen Land), angesehen und verehrt. Der Glaube an Amida und sein paradiesisches Land im Westen existierte also, wie wir auch den zahlreichen ikonographischen Darstellungen Amidas entnehmen können, bereits vor Hōnen und blieb auch nach der Entstehung der Jōdo-shū buddhistisches Allgemeingut in Japan. Die Amidisten im engeren Sinne unterscheiden sich nur durch die Ausschließlichkeit, mit der sie sich Amida zuwenden, von anderen japanischen Buddhisten.
Shinran (1173–1262) in traditioneller Mönchstracht
- Hängerollbild (Seide, Tusche, Farbe) von Jōga?, Detail. Kamakura-Zeit, 13.-14. Jh.; im Besitz des Jōfuku-ji, Kyoto, heute Nara National Museum; 120,2 x 81,1 cm
Bild © e-kokuhō. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Shinran trägt hier eine schwarze kesa, „Rosenkranz“ und eine zum Schal gefalteten Mönchskapuze (mōsu). Besonders charakteristisch der Stock, der vor Shinrans Füßen liegt.
Shinran (Shinran 親鸞 — Gründer der Jōdo Shin Schule (1173–1262) …mehr ⇒) (1173–1262), ein Schüler Hōnens, trieb die Konzeption des sündigen Menschen, der lediglich durch Amidas „andere Kraft“ ins Reine Land eingeht, soweit, dass es bisweilen scheint, Sünder seien geradezu die prädestinierten Subjekte der Wiedergeburt im Reinen Land. Er leugnete, dass die Einhaltung der traditionellen Mönchsdisziplin irgendeinen spirituellen Vorteil brächte, und war der erste Mönch von Rang, der den bereits weitgehend obsolet gewordenen Zölibat öffentlich zurückwies und heiratete. Dies führte dazu, dass die sich auf Shinran zurückführende Jōdo Shinshū (Jōdo Shinshū 浄土真宗 — Shin-Buddhismus, bzw. Jōdo Shin-Buddhismus; wtl. „Wahre Schule des Reinen Landes“ ) stets von seinen leiblichen Nachkommen angeführt wurde. In späterer Zeit entwickelte sich die Jōdo Shinshū zur zahlenmäßig stärksten Richtung des japanischen Buddhismus und ist dies bis heute geblieben. Das Zentrum der Jōdo Shinshū sind die beiden Tempel Nishi Hongan-ji (Nishi Hongan-ji 西本願寺 — Westlicher Hongan-Tempel; einer der Haupttempel des Jōdo-Shin Buddhismus in Kyoto; Gegenstück des Östlichen Hongan-Tempels …mehr ⇒) und Higashi Hongan-ji (Higashi Hongan-ji 東本願寺 — Östlicher Hongan-Tempel; einer der Haupttempel des Jōdo-Shin Buddhismus in Kyoto; Gegenstück des Westlichen Hongan-Tempels …mehr ⇒) in Kyoto. hongan (hongan 本願 — Gelübde des Buddha → Amida, alle Lebewesen zu retten ), von dem sich diese Tempelnamen ableiten, bezeichnet das Gelübde Amidas, auf das sich die Amidisten berufen.
Die religionsgeschichtliche Bedeutung des Amidaglaubens
Obwohl Hōnen und Shinran heute als Gründerväter von Jōdo-shū, bzw. Jōdo Shin-shū gelten, hat sich die Herausbildung dieser Richtungen historisch nicht mit einem Schlag ergeben. Hōnen und Shinran sind vielmehr die wichtigsten Vertreter einer ganzen Reihe von japanischen Mönchen, die der bereits in der Heian-Zeit einsetzenden Breitenwirkung des Amidaglaubens einen theoretischen Rahmen zu geben versuchten.
Schon Ende der Heian-Zeit wurde die soziale Sprengkraft des radikalen Amidismus sichtbar. Indem er im Prinzip jedem ermöglichte, sich erleuchtet und damit über alle konventionellen Wertvorstellungen erhaben zu fühlen, brachte er eine Reihe volkstribunartiger Führer hervor, die die breite Bevölkerung gegen die etablierte geistliche und weltliche Ordnung aufrührten. Radikale Amidisten wurden daher schon früh selbst innerhalb des sonst so toleranten Buddhismus mit den schärfsten Repressionen bedroht. Wer selbst nicht bereit war, den Pluralismus der etablierten Schulen zu teilen, dem wurde auch selbst keine Toleranz mehr zuteil (s. dazu Einführung, Buddhismus). Die radikalen Amidisten wurden im Mittelalter kollektiv als Ikkō-shū (Ikkō-shū 一向宗 — Ikkō Sekte, eine Fraktion des Buddhismus vom Reinen Land (→ Jōdo-shū) ) („Schule der Einen Richtung“) bezeichnet, was ungefähr soviel wie „Fanatiker“, „Extremisten“ bedeutet haben muss und als abfällige Bezeichnung galt. Erst in späterer Zeit setzte sich die Bezeichnung Jōdo Shinshū für diese Richtung durch.
Hōnen und Shinran standen den politischen Auswirkungen ihres Glaubens offenbar ambivalent gegenüber. Sie betonten immer wieder, dass der Glaube an Amidas „andere Kraft“ (tariki) nicht zum Hochmut führen dürfe, dass man auch denen, die jiriki praktizierten, Respekt zollen müsse. Sie mahnten also ihre Anhänger zur Mäßigung. Wie weit diese Mahnungen bloße Lippenbekenntnisse aus Furcht vor Repressionen waren, ist schwer zu sagen. Jedenfalls waren beide, Hōnen und Shinran, selbst Opfer von Verfolgungen und mussten zeitweilig ins Exil. Viele ihrer Anhänger wurden wegen ihres Glaubens hingerichtet.
Es gab also auf der einen Seite Theoretiker wie Hōnen und Shinran, die sich bemühten, dem Amidismus im Rahmen des etablierten Buddhismus (= die Nara (Nara 奈良 — Hauptstadt und Sitz des Tenno, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyō …mehr ⇒) Schulen, sowie Tendai und Shingon Buddhismus) einen Platz zu schaffen, und auf der anderen Seite Agitatoren, für die der Amidismus eher eine politische Befreiungsideologie darstellte. In dieser Kategorie von Amidisten fanden sich ausgebeutete Bauern und der niedere Landadel zusammen, um gegen die Zwänge der feudalen Adelsgesellschaft zu revoltieren. Besonders die Muromachi (Muromachi 鎌倉 — Stadtteil in Kyoto; Sitz des Ashikaga Shogunats; 1333–1573 (= Muromachi-Zeit) …mehr ⇒)-Zeit ist geprägt von den sogenannten ikkō ikki (ikkō ikki 一向一揆 — Aufstände der Ikkō Anhänger ) (Ikkō Aufständen), die von einer zunehmend organisierten religiösen Anhängerschaft getragen waren. Die Stärke dieser späteren Jōdo Shinshū lag darin, dass sie imstande war, in Laien ein religiös motiviertes Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln und sie straff zu organisieren. Ihre ökonomische Basis bezog sie aus einer Art allgemeiner Kirchensteuer, im Gegensatz zum Pachtwesen der etablierten Klöster. Es war eine „grassroot-organization“ mit teilweise egalitären Grundsätzen, in der kaum ein Unterschied zwischen Laien und Klerus existierte.
Obwohl sowohl Hōnen als auch Shinran stets bestritten, eigene buddhistische Richtungen begründen zu wollen, bildeten sich Schülergruppen heraus, die ihre Lehren weitertradierten, Tempel gründeten und so die Konturen einer eigenen buddhistischen Richtung schufen. Rennyo (Rennyo 蓮如 — Mönch der Jōdo Shin Schule, (1415–1499) …mehr ⇒) (1415-99), einem direkten Nachfahre Shinrans, gelang es schließlich, sich und seinen Familientempel Hongan-ji (Hongan-ji 本願寺 — Tempel in Kyoto …mehr ⇒) als spirituelles und politisches Zentrum der Ikkō-shū zu etablieren. Dank der organisatorischen Stärke der Amidisten, kontrollierten Rennyos Nachfolger im sechzehnten Jahrhundert ganze Landstriche und verwandelten Teile des politisch zersplitterten Japan tatsächlich in so etwas wie einen buddhistischen Gottesstaat. Die Ikkō-Bewegung schreckte auch keineswegs vor Waffengewalt zurück, im Gegenteil sie konnte es auch auf militärischem Gebiet mit fast jedem Regionalfürst (Daimyō (Daimyō 大名 — Territorialfürst, Titel des Kriegeradels …mehr ⇒)) aufnehmen. Erst Oda Nobunaga (Oda Nobunaga 織田信長 — Kriegsfürst, Reichseiniger; 1534–1582 …mehr ⇒) und Toyotomi Hideyoshi (Toyotomi Hideyoshi 豊臣秀吉 — Feldherr, Reichseiniger; 1537–1598 …mehr ⇒), die mit bis dahin ungesehener Brutalität gegen religiöse Institutionen vorgingen, bereiteten der politischen Herrschaft der Ikkō-shū ein Ende (siehe Reichseinigung). Unter Tokugawa Ieyasu (Tokugawa Ieyasu 徳川家康 — 1. Tokugawa Shogun, 1543–1616; Reichseiniger …mehr ⇒) wurde die mittlerweile moderat gewordene Sekte unter der Bezeichnung Jōdo Shinshū als offizielle buddhistische Richtung anerkannt, doch sorgte Ieyasu dafür, dass sie sich in zwei rivalisierende Gruppen (Nishi Hongan-ji und Higashi Hongan-ji) aufspaltete und damit jeden Rest ihres rebellischen Potentials verlor. Ieyasu selbst gehörte im übrigen der sich auf Hōnen berufenden Jōdo-shū an, die in jeder Hinsicht moderater und mehr dem traditionellen Buddhismus verpflichtet war, als Shinrans Gefolge. Wie Ieyasu gehörten auch die meisten anderen Kriegerfamilien des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit der Jōdo-shū (und nicht dem Zen-Buddhismus) an.
Es gab im übrigen innerhalb des Amidismus noch weitere Spielarten. Die Anhänger Ippens bildeten die Ji-shū, die besonders unter Künstlern und Schaustellern beliebt war und der wahrscheinlich auch die frühen Nō-Schauspieler angehörten. (Darauf deuten u.a. Namen wie Kan-ami, Ze-ami und On-ami hin; -ami steht für „Amida“.) Auch scheint das Ideal des Totenbett-nenbutsu auch außerhalb amidistischer Sekten Geltung gehabt zu haben. Eine kursorische Lektüre von mittelalterlichen Kriegerepen wie z.B. dem Heike monogatari (Heike monogatari 平家物語 — Mittelalterliches Kriegerepos …mehr ⇒) zeigt, dass praktisch jeder fromme Laie im japanischen Mittelalter das nenbutsu zu seinen religiösen Praxisformen zählte. Insbesondere Frauen scheinen sich von dieser Form des Buddhismus angesprochen gefühlt zu haben.

Aus der illustrierten Hōnen-Biografie Hōnen shōnin eden (14. Jh.)
Bild: Chionin, Kyoto
Links
- Jōdo-shū
Sehr ausführliche und informative Homepage der japanischen Jōdo-shū auf Englisch. Enthält auch ein kleines japanisch-englisches Wörterbuch von wichtigen Jōdo Begriffen. - Amida Net - A Compehensive Website of Shin Buddhism, Hisao Inagaki (Zuio)
Mit Erläuterungen und Übersetzungen von Primärquellen ins Englische, einem Glossar buddhistischer Termini, etc. - Shin Dharma Net, Alfred Bloom (en.)
Eine reichhaltige Website des Jōdo Shin Anhängers und Buddhismuskundlers Alfred Bloom.Letzte Überprüfung der Linkadressen: Aug. 2010
Literatur
- James Dobbins 1989
Jōdo Shinshū: Shin Buddhism in Medieval Japan. Bloomington: Indiana University Press.
- Christoph Kleine 1996
Hōnens Buddhismus des Reinen Landes: Reform, Reformation oder Häresie? Frankfurt/Main: Lang.
- Ulrich Pauly 1985
Ikkō-Ikki-Aufstände und ihre Entwicklung aus den Aufständen der bündischen Bauern und Provizialen des japanischen Mittelalters. Bonn: Universität Bonn. [Dissertation.]
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