Japans ‚christliches Jahrhundert‘

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Bernhard Scheid, „Japans ‚christliches Jahrhundert‘.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 25.7.2015). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Geschichte/Christentum?oldid=51622X
franzxaver.jpg

Franciso Xavier (1506-1552)

Frühe Edo-Zeit; 61 × 48,7cm
Bild © Kobe City Museum. (Letzter Zugriff: 2011/11/30)

Xavier war der Begründer der japanischen Jesuitenmission. Wie viele christliche Artefakte in Japan wurde auch dieses Bild, in Folge der Christenverfolgungen ab 1622, Jahrhunderte lang unter Verschluss gehalten und erst 1920 wieder entdeckt.

. 1 Francisco Xavier

Die ersten Missio­nare, die Japan Mitte des sech­zehnten Jahr­hunderts erreichten, wurden — wie bereits erwähnt — sehr wohl­wollend auf­ge­nommen. Ins­besondere im Norden der Insel Kyūshū fanden sie in lokalen Macht­habern wie Ōmura Sumitada Ōmura Sumitada 大村純忠 1533–1587; erster christlicher Daimyō; getauft 1563, Ōtomo Sōrin Ōtomo Sōrin 大友 宗麟 1530–1587; christlicher Daimyō in Kyūshū oder Arima Harunobu Arima Harunobu 有馬晴信 1561?–1612; christlicher Daimyō in Kyūshū mächtige Gönner, die schließ­lich sogar selbst zum Chris­ten­tum über­traten. Sie über­ließen den Portu­giesen die Stadt Nagasaki, die bald zu einem neuen Handels­zentrum empor wuchs und zu­gleich auch das Zentrum der jesui­tischen Mission darstellte. Von dort aus gelang es zu­nächst jesui­tischen, später auch franzis­kanischen Missio­naren, eine beträcht­liche Gefolg­schaft in Kyūshū auf­zu­bauen. Als nächstes konzen­trierte man sich auf die Haupt­stadt Kyōto, wo die Chris­ten durch den damals mächtig­sten Kriegs­fürsten und Reichs­einiger Oda Nobunaga Oda Nobunaga 織田信長 1534–1582, Kriegsfürst, Reichseinigersiehe auch Reichseinigung → Bauten/Bekannte Tempel→ Alltag/Moenche/Wuerdentraeger→ Mythen/Imaginaere Tiere→ Geschichte/Amidismus→ Geschichte/Nichiren → mehr wohl­wollende Duldung wenn nicht gar För­derung erfuhren.

Verbote und Repressionen

Nach Nobunagas Er­mor­dung im Jahr 1582 übernahm sein Gefolgs­mann Toyotomi Hideyoshi Toyotomi Hideyoshi 豊臣秀吉 1537–1598, Feldherr, Diktator; be­kannt als der zweite von drei Reichs­eini­gern am Ende der „Zeit der kämp­fen­den Länder“ (Sengoku Jidai)siehe auch→ Bauten/Bekannte Schreine/Tenjin→ Ikonographie/Dainichi/Daibutsu→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Daikoku→ Mythen/Symboltiere→ Geschichte/Amidismus → mehr (1537–1598) die Füh­rung seiner Truppen und setzte den Eini­gungs­prozess des Landes zügig fort. Nach­dem er den Erfolg der Christen in Kyūshū 1587 mit eigenen Augen er­lebte, reagierte Hideyoshi mit Skepsis gegen­über der fremden Religion und ver­wies die Missio­nare des Landes. Wie Nobunaga hatte auch er die Erfahrung ge­macht, dass gerade die­jenigen feind­lichen Heere, die von reli­giösen Gruppie­rungen ge­führt wurden, am schwierigsten zu unter­werfen waren. Obwohl die Christen ihm nicht feindlich ent­gegen­traten, sah er in ihnen offen­bar auf­rührerisches Potential. Da Hideyoshi aber weiter am Handel mit den Portu­giesen interessiert war, scheinen seine Ver­bote des Chris­ten­tums nicht konsequent um­ge­setzt worden zu sein. Erst zehn Jahre später, im Jahre 1597 (ein Jahr vor Hideyoshis Tod) kam es zu ersten brutalen Repres­sionen, denen auch die be­kannten 26 Märtyrer von Nagasaki zum Opfer fielen.

Tokugawa Ieyasu Tokugawa Ieyasu 徳川家康 1543–1616; 1. Tokugawa Shōgun; Reichseinigersiehe auch Reichseinigung → Bauten/Bekannte Tempel→ Grundbegriffe/Shinto→ Bauten/Bekannte Tempel/Asakusa→ Bauten/Bekannte Schreine→ Bauten/Bekannte Schreine/Nikko → mehr (1543–1616), der dritte der „Drei Reichs­einiger“, betrieb nach seiner Macht­ergrei­fung (1600, bzw. 1603) vor­über­gehend eine tolerantere Politik — noch war auch er am Handel mit den Portu­giesen inter­essiert. Als aber immer mehr euro­päische Protes­tanten (Holländer, Engländer) nach Japan kamen, verloren die Portu­giesen ihr Handels­monopol. Zugleich wurde auch der euro­päische Religions­streit zwischen Katholiken und Protestanten in Japan sicht­bar. Ieyasu sah sich daraufhin nicht länger genötigt, die von ihm als potentiell ge­fähr­lich eingestufte fremde Religion zu dulden. 1613 kam es neuerlich zu einem totalen Verbot (bateren tsuihōrei bateren tsuihōrei 伴天連追放令 Verordnung zur Vertreibung der christl. Missionare durch Tokugawa Ieyasu; 1613), Missio­nare, japanische Christen und sogar christliche Daimyō Daimyō 大名 Territorialfürst, Titel des Kriegeradelssiehe auch Reichseinigung → Geschichte/Amidismus→ Geschichte/Terauke→ Geschichtsperioden→ Bauten/Bekannte Schreine/Hachiman → mehr wurden des Landes ver­wiesen oder hingerichtet.

Unter Ieyasus Nach­folgern verstärkten sich die Repres­sionen, Christen wurden systematisch aus­ge­forscht. Da sie für ihren un­be­dingten Glauben bekannt waren, ließen sie sich identi­fizieren, indem man sie zwang, auf Bildern von Jesus oder Maria oder auf Kruzi­fixen herum­zu­trampeln. Wer dies ver­weigerte, ent­larvte sich als Christ und wurde zu­meist ge­kreuzigt. Diese Praxis wurde als fumie fumie 踏み絵 „Bildertreten“; Zwangsmaßnahme zur Entlarvung von Christen, wtl. „Bildertreten“ be­zeichnet. 1622 kam es neuerlich zu öffent­lichen Hin­richtungen in Nagasaki, denen 51 Christen zum Opfer fielen.

Die Repres­sionen erreichten 1637 und 38, zur Zeit der sog. Shima­bara Rebellion in Kyūshū, ihren Höhe­punkt. Der Grund für diesen Auf­stand lag wohl haupt­sächlich in der exzes­siven Be­steuerung der Bauern, doch wurde das Chris­ten­tum, das ja in Kyūshū tatsächlich besonders verbreitet war, als Ursache ge­brand­markt. Die Rebellion wurde niedergeschlagen, 40.000 Auf­ständische wurden dabei ge­tötet. In der Folge wurde die Ver­folgung der Christen auf ganz Japan ausgedehnt. Um zu gewähr­leisten, dass in keinem japanischen Haushalt mehr Christen lebten, mussten sich alle Japaner in die Gläubigen­register der bud­dhis­tischen Tempel eintragen lassen (s. terauke System). Bald getraute sich niemand mehr, sich öffent­lich zum Chris­ten­tum zu bekennen, im Unter­grund blieben aber einige Gemeinden (die sog. „Krypto-Christen“, kakure kirishitan kakure kirishitan 隠れキリシタン „Krypto-Christen“; christliche Geheimbünde) bis zur frühen Meiji Meiji 明治 posthumer Name von Kaiser Mutsuhito; nach ihm wird auch die Meiji-Zeit (1868–1912) benanntsiehe auch Geschichtsperioden → Grundbegriffe/Shinto→ Grundbegriffe/Shinto/Jindo→ Alltag/Jahr→ Alltag/Matsuri→ Alltag/Familie → mehr -Zeit, genauer bis zur Auf­hebung des Chris­ten­bannes 1873, bestehen. Interessanter­weise gibt es bis heute Nach­fahren dieser Krypto-Christen, die lieber bei ihrer heimlich über­lieferten Version des Chris­ten­tums bleiben, statt sich der katholischen „Mutter­kirche“ anzuschließen.

 deshima 1790.jpg

Dejima

Buchillustration (Papier) von Shiba Kōkan (1747–1818); aus Saiyū ryodan 西遊旅譚 (Vergnügungsreise in den Westen), 1790
Bild © Japan Netherlands Exchange in the Edo-Period, National Diet Library, Tokyo. (Letzter Zugriff: 2015/7/13)

Skizze der künstlichen Insel Dejima (oder Deshima) in der Bucht von Nagasaki, die den einzigen europäischen Handelsstützpunkt der Edo-Zeit darstellte. Die dort Ansässigen waren offiziell alles Holländer. Sie wurden streng kontrolliert und durften die Insel nur selten und in Begleitung verlassen, stellten aber für viele Japaner auch einen faszinierenden Anziehungspunkt dar. So auch für den Maler und Autor Shiba Kōkan, der Deshima besuchen durfte und hier unter anderem die westliche Ölmalerei erlernte. Das über Deshima nach Japan gebrachte Wissen wurde „Holland-Wissenschaft“ (rangaku) genannt. Im rechten Bildteil steht: „Die Holländer haben auf Deshima einen Kyūshū-Stützpunkt errichtet. Jedes Jahr bringen sie aus ihrem Land 55 Siber-monme nach Japan.“ Das bezieht sich möglicherweise auf die „Miete“, die die Holländer für Dejima zahlen mussten. Im linken Bildteil sind die Ausmaße der Insel verzeichnet. Demnach war die fächerförmige Insel 35 kan (ca. 63m) breit und maß an der Außenseite 180 kan (ca. 324m).

Der Handelsstützpunkt Dejima, um 1790

Mit dem abso­luten Verbot des Chris­ten­tums setzte in Japan auch die „Politik der Ab­schlie­ßung des Landes“ (sakoku sakoku 鎖国 Abschließung des Landes in der Edo-Zeit, 1639–1853siehe auch→ Geschichte/Neo-Konfuzianismus ) ein, die bis zur er­zwung­enen Öffnung des Hafens von Yokohama durch den ameri­kanischen Admiral Perry Matthew Perry 1794–1858; amerikanischer Admiral (Commodore), der 1853–1854 die Öffnung der japanischen Häfen für amerikanische Schiffe erwirktesiehe auch Bakumatsu → Geschichte/Staatsshinto→ Mythen/Symboltiere/Namazu-e (1853) bei­be­halten wurde. Einziges Fenster zur euro­päischen Welt war der nieder­ländische Handels­stütz­punkt auf Dejima, eine künst­liche Insel im Hafen von Nagasaki, deren Zugang vom Shōgunat streng kontrolliert wurde.

Gründe der Christenverfolgung

arima_harunobu.jpg

Bodhisattva oder „Christenfürst“?

Hängerollbild (Seide, Farbe, Gold), Detail. Frühe Edo-Zeit; Seiun-ji, Yamatomura, Präfektur Yamanashi; 150 x 60 cm
Bild © Kōshū-shi. (Letzter Zugriff: 2011/11/30)

Offiziell handelt es sich hier um ein Abbild des buddhistischen Bodhisattvas Kokūzō (skt. Akashagarbha), der häufig mit einem Wunschjuwel, das er in Brusthöhe hält, dargestellt wird. Auf dieser Darstellung fällt allerdings auf, dass das „Wunschjuwel“ eher einem Reichsapfel mit einem Kreuz, also einem christlichen Herrschaftssymbol gleicht. Auch der Mantel des Dargestellten entspricht nicht der gängigen Bodhisattva Ikonographie. Schließlich sind in dem Gewand vier Gesichter versteckt, die ebenfalls Rätsel aufgeben. Die lange in einer Schachtel verwahrte Darstellung, deren Ursprung im Dunklen liegt, dürfte jedenfalls unter christlichem Einfluss entstanden sein.

Laut dem Japanologen Detlev Schauwecker, einem Spezialisten des „christlichen Zeitalters“ in Japan, handelt es sich in der Tat um ein Portrait des christlichen Daimyōs Arima Harunobu (1561?-1612). In den Jesuitendramen der Barockzeit tritt dieser unter dem Namen Protasio von Aryma als Idealtyp des japanischen „Christenfürsten“ auf. Tatsächlich wurde er auf Grund seines Glaubens unter Tokugawa Ieyasu verbannt und schließlich zum Tode verurteilt. Japanische Quellen deuten allerdings darauf hin, dass er dem Christentum zuvor abschwor. Sollte die vorliegende Darstellung tatsächlich Arima Harunobu abbilden, so zeigt sie ihn jedenfalls in einer perfekten Überblendung christlicher und buddhistischer Attribute.

Eine andere Theorie sieht die Darstellung in der Tradition des chinesischen Nestorianismus, also einer frühen Abspaltung des Christentums, die sich schon vor der Missionierung im 16. Jh. bis China verbreitet hatte.

. 2 Arima Harunobu

Das Chris­ten­tum wurde wohl zunächst für eine exo­tische Form des Bud­dhis­mus ge­halten, da sich die ersten Dol­metscher natürlich bud­dhis­tischer Termini bedienten. Auch das links ab­ge­bildete Portrait des „Christen­fürsten“ Arima Harunobu Arima Harunobu 有馬晴信 1561?–1612; christlicher Daimyō in Kyūshū zeigt, dass zu­mindest die reli­giöse Bild­sprache der frühen japanischen Christen stark dem Bud­dhis­mus verpflichtet war.

Die Jesuiten bemühten sich aller­dings konsequent, die Landes­sprache zu erlernen, den Konver­tierten Latein und Portugiesisch bei­zu­bringen und schließ­lich christliche Schriften ins Japanische zu über­tragen. Ein be­rühmtes Bei­spiel dieser kulturellen An­näherung stellt das 1604 fertig ge­stellte Portugiesisch-Japanische Wörter­buch Lingoa de Iapam von Joao Rodrigues dar. Es ist nicht nur ein Zeichen für die Ernst­haftig­keit und den missio­narischen Eifer der Jesuiten, es stellt dar­über hinaus eine un­er­setz­liche Quelle zur Phonetik und zum Vokabular des damaligen Umgangs­japanisch dar.

Trotz dieser durchaus ernst gemeinten Bemü­hungen um einen Dialog mit der japanischen Kultur im Dienste der Mission blieb das Chris­ten­tum den meisten japanischen Macht­habern doch in derselben Weise ver­dächtig, wie einzelne fun­da­men­ta­listisch-bud­dhis­tische Sekten: Es war nicht bereit, den grund­sätz­lichen Konsens zu teilen, dass letzt­lich alle (tolerierbaren) Religions­formen die gleiche Wahr­heit aus­drücken. Diese Grund­haltung des Bud­dhis­mus (s. Einführung) wurde auch von welt­lichen Herrschern ge­teilt. Die japanischen Christen­ver­folgungen sind daher nicht un­be­dingt als Aus­druck von be­sonderer Fremden­feind­lich­keit oder Anti-Chris­tianismus zu sehen, viel­mehr wurden alle reli­giösen Gruppen, die mit dem Anspruch auf­traten, allein selig­machend zu sein, auf ähnliche Weise be­handelt. Ähnlich wie die Christen wurden auch einzelne radikale Frak­tionen der Nichiren- und Amida-Sekten als Häretiker ge­brand­markt und verfolgt.

Im übrigen offenbaren jesui­tische Quellen, dass das Miss­trauen in Japan durchaus nicht ohne Be­rech­tigung war. Unter den Jesuiten gab es auch eine Fraktion in den Mönch­stand ge­tretener Hidalgos, die ernsthaft darüber nach­dachten, Japan mit mili­tärischer Gewalt zu unterwerfen.

Abgesehen von Bedenken gegenüber der fremden Religion waren sich Hideyoshi und Ieyasu sehr wohl der Rolle bewusst, die der Handel, bzw. neue, aus Europa importierte Techno­logien bei der Reichs­einigung ge­spielt hatten: Dank neuer Kriegs­techno­logien gelang es den „progessiveren“ unter den Kriegs­herren, die existierende mili­tärische Patt­stellung zu kippen und mehr und mehr Ver­bündete auf ihre Seite zu ziehen. Als dieser Prozess der Einigung ab­ge­schlossen war, trachtete das Tokugawa Shōgunat danach, die Vor­teile, die ihm zur Macht verholfen hatten, poten­ziellen Gegnern zu ver­wehren. Da aber Daimyō, die das Chris­ten­tum förderten, zweifel­los privilegierte Be­ziehungen zum euro­päischen Handel hatten, standen die neuen Herrscher über kurz oder lang vor der Wahl, entweder selbst das Chris­ten­tum zu fördern oder es zu verbieten, und entschieden sich für das letztere.

Verweise

Bilderläuterungen

  1. Franzxaver.jpg

    Franciso Xavier (1506-1552)

    Frühe Edo-Zeit; 61 × 48,7cm
    Bild © Kobe City Museum. (Letzter Zugriff: 2011/11/30)

    Xavier war der Begründer der japanischen Jesuitenmission. Wie viele christliche Artefakte in Japan wurde auch dieses Bild, in Folge der Christenverfolgungen ab 1622, Jahrhunderte lang unter Verschluss gehalten und erst 1920 wieder entdeckt.

  2. Arima harunobu.jpg

    Bodhisattva oder „Christenfürst“?

    Hängerollbild (Seide, Farbe, Gold), Detail. Frühe Edo-Zeit; Seiun-ji, Yamatomura, Präfektur Yamanashi; 150 x 60 cm
    Bild © Kōshū-shi. (Letzter Zugriff: 2011/11/30)

    Offiziell handelt es sich hier um ein Abbild des buddhistischen Bodhisattvas Kokūzō (skt. Akashagarbha), der häufig mit einem Wunschjuwel, das er in Brusthöhe hält, dargestellt wird. Auf dieser Darstellung fällt allerdings auf, dass das „Wunschjuwel“ eher einem Reichsapfel mit einem Kreuz, also einem christlichen Herrschaftssymbol gleicht. Auch der Mantel des Dargestellten entspricht nicht der gängigen Bodhisattva Ikonographie. Schließlich sind in dem Gewand vier Gesichter versteckt, die ebenfalls Rätsel aufgeben. Die lange in einer Schachtel verwahrte Darstellung, deren Ursprung im Dunklen liegt, dürfte jedenfalls unter christlichem Einfluss entstanden sein.

    Laut dem Japanologen Detlev Schauwecker, einem Spezialisten des „christlichen Zeitalters“ in Japan, handelt es sich in der Tat um ein Portrait des christlichen Daimyōs Arima Harunobu (1561?-1612). In den Jesuitendramen der Barockzeit tritt dieser unter dem Namen Protasio von Aryma als Idealtyp des japanischen „Christenfürsten“ auf. Tatsächlich wurde er auf Grund seines Glaubens unter Tokugawa Ieyasu verbannt und schließlich zum Tode verurteilt. Japanische Quellen deuten allerdings darauf hin, dass er dem Christentum zuvor abschwor. Sollte die vorliegende Darstellung tatsächlich Arima Harunobu abbilden, so zeigt sie ihn jedenfalls in einer perfekten Überblendung christlicher und buddhistischer Attribute.

    Eine andere Theorie sieht die Darstellung in der Tradition des chinesischen Nestorianismus, also einer frühen Abspaltung des Christentums, die sich schon vor der Missionierung im 16. Jh. bis China verbreitet hatte.

Literatur

Michael Cooper 1965
They Came to Japan: An Anthology of European Records on Japan, 1543-1640. London: Thames & Hudson 1965.
George Elison 1973
Deus Destroyed: The Image of Christianity in Early Modern Japan. Cambridge, Ma: Harvard University Press 1973.
Jap maria 17jh.jpg
Japanisches Rollbild mit Mariendarstellung, 17. Jh.
Quelle: 26 Martyrs Museum, Nagasaki [2010/8]
Ikonographie