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Empfehlungsschreiben des koreanischen Königs

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Bernhard Scheid, „Empfehlungsschreiben des koreanischen Königs.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 4.5.2016). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Geschichte/Fruehzeit/Empfehlung?oldid=62397X
  bodhisattva_korea.jpg

Bodhisattva Maitreya

Statue, bosatsu (Bronze, vergoldet). Korea, um 600; „Nationalschatz“; Seoul; Höhe: 93,5 cm
Bild © National Museum of Korea. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Koreanische Statue des Bodhisattva Maitreya

Bodhisattva Maitreya
Koreanische Statue (um 600)

Als ge­schicht­liches Datum der Ein­führung des Bud­dhis­mus in Japan wird land­läufig die Jahres­zahl 552 an­ge­geben. Sie ent­stammt dem Nihon shoki Nihon shoki 日本書紀 Zweitältestes Schriftwerk und erste offizielle Reichschronik Japans (720)siehe auch Mythentexte → Alltag/Opfergaben→ Bauten/Schreine/Torii→ Bauten/Ise Izumo→ Grundbegriffe/Shinto/Jindo→ Bauten/Ise Izumo/Izumo Schrein → mehr und be­zieht sich dort auf den Besuch einer Ge­sandt­schaft aus dem korea­nischen Reich Baekje Baekje (kor.) 百濟/백제 Ehemaliges Königreich in Korea, das sich zu seiner Blütezeit im 5. Jh. über die gesamte Westküste Südkoreas erstreckte; 660 vom benachbarten Silla erobertsiehe auch Fruehzeit → Geschichte/Kami Kulte , die dem ja­pa­nischen Herr­scher Kinmei Kinmei Tennō 欽明天皇 509–571; 29. Tennō Japans; r. 540?–571siehe auch Fruehzeit bud­dhis­tische Statuen und Ritual­gegen­stände über­brachte. Be­gleitend schrieb König Seong Seong-Wang (kor.) 聖王 ?-554; König Seong von Baekje (heute Teil Koreas), r. 523–554siehe auch Fruehzeit → Ikonographie/Amida , der selbst ein großer Förderer des Bud­dhis­mus war, an Kinmei Tennō:

Die Lehre [des Buddha] ist die er­ha­benste unter allen Lehren. Doch sie ist schwer zu ver­stehen und kaum zu­gäng­lich. Selbst der Fürst von Zhou Zhou (chin.)chin. Zhou-Dynastie (1122?–256 v.u.Z.); eingeteilt in Westliche Zhou-Dynastie, Zongzhou 西周 (770–256 v.u.Z.) und Östliche Zhou-Dynastie, Dongzhou 東周 (770 v. Chr. bis 256 v.u.Z.) und Konfuzius Kong Zi (chin.) 孔子 verm. 551–479 v.u.Z.; chin. Philosoph zur Zeit der Östlichen Zhou-Dynastie; der latinisierte Name „Konfuzius“ leitet sich ab von Kong Fu Zi 孔夫子 (wtl. Lehrmeister Zi); auch bekannt unter seinem Geburtsnamen Kong Qiu 孔丘 wussten nichts davon. Diese Lehre be­lohnt uns mit Wohl­stand und Tugend in un­vorstell­barem, grenzen­losem Ausmaß, sie führt uns zur höchsten Er­leuch­tung. Wenn etwa jemand einen Schatz be­säße, durch den sich alles, was er be­nötigt, nach dem Willen seines Herzens fügt, so wäre das gerade so wie der Schatz dieser wunder­baren Lehre. Alles, worum er betet und bittet, geht in Er­füllung, an nichts fehlt es ihm mehr.

Nihon shoki, Kinmei Tennō, 13. Jahr (552), 10. Monat; Ü. nach Aston, Nihongi, Vol. II, S. 66.

Kinmei entschloss sich daraufhin, ebenso wie das Reich Baekje den Buddhimus in Japan zu fördern.

Zweifel am Jahr 552

Abgesehen vom Nihon shoki existiert eine spätere Quelle (eine Chronik des alten Tempels Gangō-ji Gangō-ji 元興寺 Nachfolgetempel des Hōkō-ji (Asuka-dera), des ältesten japanischen Tempels (gegr. 593). Der Tempel wurde unter dem Namen Gangō-ji 718 nach Nara verlegt.siehe auch Nara → Karte aus dem Jahr 747), die das Ein­treffen der korea­nischen Gesandt­schaft auf das Jahr 538 datiert, was vielen heutigen Historikern als das plausiblere Datum er­scheint. Das Jahr 552 ist nämlich kein zu­fälliger his­to­rischer Zeit­punkt, sondern galt im Bud­dhis­mus des sechsten Jahr­hunderts höchst wahr­scheinlich als be­deutungs­volles Jubiläums­jahr: Laut einer traditio­nellen (heute ver­worfenen) Datierung von Buddhas Sterbe­datum (im Jahr 949 v.u.Z.) wäre 552 das Jahr 1501 nach Buddhas Tod und damit zu­gleich der Anbruch des dritten und letzten der „Drei Zeitalter der buddhistischen Lehre“ (siehe mappō-Gedanke).

Dies lässt nun entweder vermuten, dass der koreanische König Seong das Datum be­wusst ge­wählt hatte, um seinen japanischen Kollegen mit einer bud­dhis­tischen Statue zu be­schenken (wenn man an 552 fest­hält), oder dass dieses Ereignis von den Autoren des Nihon shoki auf ein möglichst sym­bol­trächtiges Jahr umdatiert wurde.

Welches Datum auch immer das richtige ist, heutige Historiker stimmen darin überein, dass es den religiösen Aus­tausch zwischen Seong und Kinmei tatsächlich gab. Seong war nämlich auch in seinem eigenen Reich Baekje der erste Herrscher, der den Bud­dhis­mus offiziell förderte, während Kinmei unter dem Einfluss der Soga Soga no uji 蘇我氏 Soga-Klan, die ersten Förderer des jap. Buddhismussiehe auch Fruehzeit → Geschichte/Fruehzeit/Shotoku Taishi→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Bishamonten stand, die über Generationen als Förderer des Bud­dhis­mus hervortraten. Auch die Argu­men­tation in Seongs Schreiben, dass „alle Wünsche in Erfüllung“ gehen, also der Glaube an die magische Macht dieser Religion, scheint mir persönlich sehr plausibel für die Frühzeit der bud­dhis­tischen Aus­brei­tung.

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