Shōtoku Taishi in populären Darstellungen

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Aus heutiger Sicht erscheint Shōtoku Taishi vor allem als genialer Staats­mann, der u.a. durch die ihm zu­ge­schriebene „Ver­fassung in 17 Punkten“[1] — ein sehr all­gemein ge­haltener Ver­haltens­kodex für die politi­sche Klasse des Landes — die Re­for­men des siebten Jahr­hunderts, die aus Japan einen Staat nach chi­ne­sischem Vor­bild machten, ein­leitete. Zu­gleich findet man bereits in den frühesten Quellen An­sätze zur Legenden­bildung um Shōtoku Taishi. So heißt es im Nihon shoki (Nihon shoki 日本書紀Zweitältestes Schriftwerk und erste offizielle Reichschronik Japans (720) …⇒), dass er von Geburt an sprechen konnte und dass er oft die An­liegen von zehn Menschen gleich­zeitig anhörte.

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Shōtoku Taishi

Hängerollbild (Tinte und Farbe auf Papier). Kopie eines Originals aus dem 8. Jh.; Sannomaru Shōzōkan, Museum of Imperial Collections

Shōtoku Taishi als junger Regent von zwei kindlichen Prinzen begleitet. Der Prinzregent ist bereits erwachsen und trägt ein Zepter (shaku) als Zeichen seiner weltlichen Macht. Bei den beiden Knaben soll es sich um Shōtokus Sohn sowie um seinen jüngeren Bruder handeln. Das Motiv soll auf eine Vision eines koreanischen Prinzen (Asa Taishi) zurückgehen. Das Original dieser Darstellung befand sich ursprünglich im Besitz des Tempels Hōryū-ji und ist heute öffentlich unzugänglich im Besitz des kaiserlichen Palastamtes (Ku'naichō).

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Shtoku Taishi

Banknote. Spätere Shōwa-Zeit, 20. Jh.
Bild © Nichiyu koin. (Letzter Zugriff: 2011/8)

1000 Yen Banknote mit dem Shōtoku Taishi-Motiv, von 1949 bis 1984 in Umlauf. Das gleiche Motiv gab es bereits in den 1930er Jahren auf Banknoten.

Das bekannteste Shōtoku-Motiv stammt angeb­lich aus der Nara-Zeit. Der Prinz ist er­wachsen, trägt ein Zepter (shaku) als Zei­chen seiner welt­lichen Macht und wird von zwei kind­lichen Prinzen beglei­tet. Im 20. Jahr­hun­dert griff man ganz be­son­ders stark auf die­ses Motiv zurück: Geld­scheine mit dem Taishi Motiv waren von den dreißi­ger Jahren bis 1984 in Umlauf. Die staats­män­nische Seite des Prinz-Regen­ten tritt auf den Geld­schei­nen noch deut­licher hervor als auf dem Original.

Obwohl die genannte Verfassung von Shōtoku Taishi vor­nehm­lich kon­fuzia­nische Prinzipien enthält, setzt sie sich auch für die För­de­rung des Bud­dhis­mus ein. Punkt 2 der Ver­fassung lautet:

Haltet die Drei Schätze in höchsten Ehren. Die Drei Schätze, das sind Buddha (बुद्धBuddha (skt., m.)„Der Erleuchtete“ …⇒) , Dharma (धर्मDharma (skt., m.)Gesetz (des Universums), Lehre (des Buddha) …⇒) und sangha (संघsaṃgha (skt., m.)„(Mönchs-)Gemeinde“ …⇒) (Buddha, Buddha­lehre und Mönchs­gemeinde). Sie sind die letzte Zu­flucht der vier Arten von Wesen, das Fundament aller Nationen. Welcher Mensch zu welcher Zeit könnte diese Lehren nicht respektieren? Wirklich schlechte Menschen gibt es nur wenige. Die meisten be­folgen, was man sie lehrt. Wie aber sollte man Ver­bogenes gerade biegen, wenn man nicht zu den Drei Schätzen Zuflucht nimmt? [2]

Spätere Generationen buddhistischer Mönche dankten Shōtoku dieses Engagement für den Bud­dhis­mus, indem sie ihn zu einer Art Heiligen hoch­stilisierten und als Inkarnation des Bodhisattva (बोधिसत्त्वBodhisattva (skt., m.)„Erleuchtetes Wesen“ …⇒) Avalokiteshvara (अवलोकितेश्वरAvalokiteśvara (skt., m.)„Herr, der [die Welt] unten wahrnimmt“, Bodhisattva …⇒) (Kannon (Kannon 観音Bodhisattva Avalokiteshvara, wtl. „der den Klang der Welt erhört“; chin. Guanyin; „Bodhisattva des Mitleids“ …⇒)) aus­gaben. Es ent­stand eine eigene Glaubens­richtung, die sich in ihren Gebeten speziell an Shōtoku Taishi wandte.

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Kindliche Frömmigkeit

Eine Legende weiß etwa zu berichten, dass Prinz Shōtoku bereits als zwei­jähriges Kind an Buddhas Todes­tag, dem 15. des Zweiten Monats, mit ge­fal­te­ten Händen nieder­kniete und den Buddha pries (namu butsu (namu butsu 南無仏Lobpreisung Buddhas )). Daraufhin fanden sich auf mirakulöse Weise Reliquien des Buddha zwischen den gefalteten Händen des Kindes. Shōtoku Taishi als betender Knabe stellt daher ein häufiges Motiv in der dar­stel­lenden Kunst dar.

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Nanbutsu Taishi

Statue (Holz). Edo-Zeit, 18. Jh.; Höhe: 29 cm
Bild © The British Museum. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Shōtoku Taishi als zweijähriges Kind bei der Anrufung des Buddha.

Nanbutsu Taishi
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Kōyō Taishi mit Rauchopferschale

Hängerollbild (Seide, Farbe), Detail. Kamakura-Zeit, frühes 14. Jh.; 105 x 51,5 cm
Bild © The British Museum. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Kōyō Taishi mit Rauchopferschale
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Ein weiteres Standard Motiv zeigt den Prinzen, wie er ein buddhistisches Rauch­opfer für die Genesung seines Vaters, Kaiser Yōmei (r. 585-587), abhält. Auf­grund dieses frommen — und der Legende nach erfolg­reichen — Unter­nehmens wurde auch Yōmei zum Bud­dhis­mus bekehrt. Das Motiv des „pietätvoll opfernden Prinzen“ (Kōyō Taishi (Kōyō Taishi 孝養太子ikonographisches Motiv des „pietätvoll opfernden Prinzen“ Shōtoku Taishi )) zeigt Shōtoku Taishi als über­proportional dar­gestelltes Kind mit bud­dhis­tischer Mönchs­stola (kesa (kesa 袈裟Mönchsumhang, buddhistische „Stola“ …⇒)) und einer Rauch­opfer­schale in der Hand. Die über Shōtoku Taishis neu­artigen Kult sichtlich er­staunten Hof­adeligen sind als kleine Figuren im Vordergrund zu sehen.

Der Prinz als Bodhisattva

Im Zuge der buddhistischen Verehrung wurde Shōtoku Taishi mit mehreren buddhistischen Heilsgestalten identifiziert, vor allem mit Kannon Bosatsu (Kannon Bosatsu 観音菩薩Bodhisattva Avalokiteshvara, wtl. „der den Klang der Welt erhört“; chin. Guanyin; „Bodhisattva des Mitleids“ …⇒) (Avalokiteshvara).

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Kannon, der Weltenretter (guze kannon)

Statue (vergoldet); Hōryū-ji, Nara

„Geheime Buddha-Statue“ des Hōryū-ji, die angeblich Shōtokus Züge trägt.

„Kannon, der Weltenretter“ (Guze Kannon)
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Shōtoku Taishi

Hängerollbild (Farbe und Tusche auf Seide). Muromachi-Zeit, 14. Jh.; 125,1 x 69,3 cm
Bild © Freer/Sackler, Smithonian Museums of Asian Art. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Shōtoku Taishi trägt hier ein Pilgergewand mit speziellem Pilgerstab, der an Bodhisattva Jizō erinnert. Anhand der traditionellen Frisur ist er aber unmittelbar als Shōtoku zu identifizieren.

Prinz Shōtoku mit Mönchsstab

Guze Kannon (Guze Kannon 救世観音wtl. Kannon, der Weltenretter; berühmte Kannon Statue im Hōryū-ji, Halle der Träume ) („Kannon, der Weltenretter“) ist das Hauptheiligtum der „Halle der Träume“ (Yumedono (Yumedono 夢殿Halle der Träume; Seitentempel des → Hōryū-ji …⇒)) im Tempelkomplex des Hōryū-ji (Hōryū-ji 法隆寺Tempel in Ikaruga bei Nara, gegr. 607; wtl. „Tempel des prosperierenden [Buddha]-Gesetzes“ …⇒), der einst dem Prinzen selbst als Palast diente. Die Statue trägt angeblich die Züge Shōtokus. Sie gilt als „Geheime Buddha-Statue“ (hibutsu (hibutsu 秘仏wtl. „geheimer Buddha“; geheim gehaltene Buddha-Statue …⇒)) und wurde lange komplett unter Ver­schluss ge­halten, so­dass sie ver­hältnis­mäßig gut erhalten ist. Auch heute wird sie nur einmal pro Jahr öffentlich gezeigt.

Auf der Abbildung rechts oben trägt Shōtoku Taishi trägt ein Mönchsgewand mit speziellem Pilgerstab, der an Bodhisattva Jizō (Jizō 地蔵populäre Bodhisattva Figur; skr. Kshitigarbha, wtl. „Schatzhaus oder Mutterleib der Erde“ …⇒) erinnert.

Shōtoku Taishi und Kōbō Daishi

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Mandala der Fünf Erhabenen (gosonzō mandara)

Kamakura-Zeit
Bild © Yamaguchi Sumio, Kyōto shiseki sansaku kai. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Mandala der Fünf Erhabenen (Gosonzō mandara), Kamakura Zeit.

Auf diesem mandala (मण्डलmaṇḍala (skt., n.)„Kreis“, schematische Dar­stel­lung der kosmischen Ordnung …⇒) aus der Kamakura Zeit sieht man Shōtoku Taishi und den eminenten japanischen Mönch Kōbō Daishi (Kōbō Daishi 弘法大師Ehrentitel von → Kūkai …⇒) Kūkai (Kūkai 空海Gründer des Shingon Buddhismus, 774–835 …⇒) „zu Füßen“ des Dainichi Nyorai (Dainichi Nyorai 大日如来Buddha Vairocana, der „kosmische Buddha“; wtl. „Großes Licht“ oder „Große Sonne“ …⇒). Dainichi ist der Haupt-Buddha des von Kūkai nach Japan über­mittelten eso­te­rischen Bud­dhis­mus. Für die An­hänger Shōtokus war Kūkai darüber hinaus die Re­inkar­nation des Shōtoku Taishi. Auf diese Weise konnte der Prinz auch in den eso­te­rischen Bud­dhis­mus integriert werden.[3]

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Der Meister als Kind (Chigo daishi)

Hängerollbild (Seide, Farbe), Detail. Muromachi-Zeit
Bildquelle: Kōbō Daishi Kūkai and the Sacred Treasures of Mount Kōya, 2003, Abb. 2

Kūkai als frühkindliches Genie, betend auf einer Lotusblume. Ähnlich wie um Prinz Shōtoku ranken sich auch um Kūkai zahlreiche Legenden, die von seinen erstaunlichen frühen Begabungen erzählen. Die vorliegende Abbildung stützt sich auf einen Auszug aus Kūkais angebliches Testament (Goyuigo), der einer anderen Version des Bildes als Textteil eingeschrieben ist:

Long ago, when I was living in my parents' home, sometime between the age of five or six, I always had visions of myself in my dreams seated on an eight-petaled lotus conversing with the buddhas. However, I didn't tell anyone, not even my parents, much less anyone else. [...]
Nach: Christine Guth, „The Divine Boy in Japanese Art.“ Monumenta Nipponica 42/1 (1987), S. 2.

Kukai als Kind

Shōtoku Taishi und Kūkai sind auch dadurch verbunden, dass sich um ihre Kind­heit ein ähn­licher Kult etab­liert hat. Auch Kūkai soll bereits in frühen Kinder­tagen Zeichen erhal­ten haben, dass er für eine beson­dere Rolle in der Ver­brei­tung des Buddhis­mus aus­er­se­hen sei. Die Heraus­bil­dung und Identi­fizie­rung der beiden legen­dären Figuren er­folgte aller­dings erst im japa­ni­schen Mittel­alter. Christine Guth sieht in beiden Fällen den Kult um die beson­dere Geburt des histo­rischen Buddhas als In­spira­tions­quelle der japa­ni­schen Legen­den an. [4]

Anmerkungen

  1. Tat­säch­lich be­stehen be­rechtigte Zweifel an der Authentizität dieses Dokuments, das nur in einer Fassung des Nihon shoki, also über hundert Jahre nach seiner Ent­stehung, be­kannt ist.
  2. Nihon shoki, Suiko Tennō, 12. Jahr (604), 4. Monat (Ü.: B. Scheid).
    Siehe auch: Wikisource (jap.), Wikipedia (dt.), Aston, Nihongi II, S. 129.
  3. Die beiden Figuren im oberen Teil des Mandala sind im übrigen die Bodhisattvas Kokūzō und Kannon, die hier wohl als „Urformen“ (honji (honji 本地(buddhistische) Urform (eines kami) …⇒)) der beiden buddhistischen Heiligen fungieren.
  4. Guth 1987
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