Shōtoku Taishi als buddhistischer Staatsmann und Heiliger

Religion-in-Japan > Geschichte > Fruehzeit > Shotoku Taishi
Wechseln zu: Navigation, Suche
Diese Seite zitieren:
Bernhard Scheid, „Shōtoku Taishi als buddhistischer Staatsmann und Heiliger.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 27.2.2014). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Geschichte:Fruehzeit/Shotoku_Taishi?oldid=35594

Aus heutiger Sicht erscheint Shōtoku Taishi Shōtoku Taishi 聖徳太子 Prinz Shōtoku (574–622), kaiserlicher Regentsiehe auch→ Tempel→ Schreine/Torii→ Fruehzeit→ Gluecksgoetter/Bishamonten→ Heilige → mehr vor allem als genialer Staats­mann, der u.a. durch die ihm zu­ge­schriebene „Ver­fassung in 17 Punkten“1 — ein sehr all­gemein ge­haltener Ver­haltens­kodex für die politi­sche Klasse des Landes — die Re­for­men des siebten Jahr­hunderts, die aus Japan einen Staat nach chi­ne­sischem Vor­bild machten, ein­leitete. Zu­gleich findet man bereits in den frühesten Quellen An­sätze zur Legenden­bildung um Shōtoku Taishi. So heißt es im Nihon shoki Nihon shoki 日本書紀 Zweitältestes Schriftwerk und erste offizielle Reichschronik Japans (720)siehe auch Mythentexte → Opfergaben→ Schreine/Torii→ Ise Izumo→ Shinto/Jindo→ Ise Izumo/Izumo Schrein → mehr , dass er von Geburt an sprechen konnte und dass er oft die An­liegen von zehn Menschen gleich­zeitig anhörte.

 shotoku_taishi.jpg

Shōtoku Taishi

Hängerollbild (Tinte und Farbe auf Papier). Kopie eines Originals aus dem 8. Jh.; Sannomaru Shōzōkan, Museum of Imperial Collections

Shōtoku Taishi als junger Regent von zwei kindlichen Prinzen begleitet. Der Prinzregent ist bereits erwachsen und trägt ein Zepter (shaku) als Zeichen seiner weltlichen Macht. Bei den beiden Knaben soll es sich um Shōtokus Sohn sowie um seinen jüngeren Bruder handeln. Das Motiv soll auf eine Vision eines koreanischen Prinzen (Asa Taishi) zurückgehen. Das Original dieser Darstellung befand sich ursprünglich im Besitz des Tempels Hōryū-ji und ist heute öffentlich unzugänglich im Besitz des kaiserlichen Palastamtes (Ku'naichō).

. 1 Shōtoku mit prinzlichen Begleitern
 shotoku_banknote.jpg

Shtoku Taishi

Banknote. Spätere Shōwa-Zeit, 20. Jh.
Bild © Nichiyu koin. (Letzter Zugriff: 2011/8)

1000 Yen Banknote mit dem Shōtoku Taishi-Motiv, von 1949 bis 1984 in Umlauf. Das gleiche Motiv gab es bereits in den 1930er Jahren auf Banknoten.

. 2 Banknote

Das bekannteste Shōtoku-Motiv stammt angeb­lich aus der Nara-Zeit. Der Prinz ist er­wachsen, trägt ein Zepter (shaku) als Zei­chen seiner welt­lichen Macht und wird von zwei kind­lichen Prinzen beglei­tet. Im 20. Jahr­hun­dert griff man ganz be­son­ders stark auf die­ses Motiv zurück: Geld­scheine mit dem Taishi Motiv waren von den dreißi­ger Jahren bis 1984 in Umlauf. Die staats­män­nische Seite des Prinz-Regen­ten tritt auf den Geld­schei­nen noch deut­licher hervor als auf dem Original.

Obwohl die genannte Verfassung von Shōtoku Taishi vor­nehm­lich kon­fuzia­nische Prinzipien enthält, setzt sie sich auch für die För­de­rung des Bud­dhis­mus ein. Punkt 2 der Ver­fassung lautet:

Haltet die Drei Schätze in höchsten Ehren. Die Drei Schätze, das sind Buddha बुद्ध Buddha (skt., m.) „Der Erleuchtete“; jap. butsu (hotoke) 仏 oder Budda 仏陀siehe auch →  Shaka → Buddhismus→ Buddhismus Lehre→ Bekannte Tempel→ Tempel→ Ikonographie → mehr , Dharma धर्म Dharma (skt., m.) Gesetz (des Universums), Lehre (des Buddha); jap. Hō 法siehe auch →  Buddhismus Lehre → Ikonographie→ Mudra→ Dainichi→ Nara→ Honji suijaku → mehr und sangha संघ saṃgha (skt., m.) „(Mönchs-)Gemeinde“; jap. 僧 oder sōgya 僧伽siehe auch →  Buddhismus Lehre (Buddha, Buddha­lehre und Mönchs­gemeinde). Sie sind die letzte Zu­flucht der vier Arten von Wesen, das Fundament aller Nationen. Welcher Mensch zu welcher Zeit könnte diese Lehren nicht respektieren? Wirklich schlechte Menschen gibt es nur wenige. Die meisten be­folgen, was man sie lehrt. Wie aber sollte man Ver­bogenes gerade biegen, wenn man nicht zu den Drei Schätzen Zuflucht nimmt?2

Spätere Generationen buddhistischer Mönche dankten Shōtoku dieses Engagement für den Bud­dhis­mus, indem sie ihn zu einer Art Heiligen hoch­stilisierten. Es ent­stand eine eigene Glaubens­richtung, die sich in ihren Gebeten speziell an Shōtoku Taishi wandte. Diese Vereinnahmung durch den Buddhismus gibt umgekehrt Anlass zu Zweifeln an der Historizität des Prinzen. Vieles deutet darauf hin, dass er von Anfang eine Konstruktion probuddhistischer Adelskreise war.

Legenden

 Shotoku Taishi eden1.jpg

Illustierte Biographie Prinz Shōtokus, 1

Hängerollbild (Tusche, Farbe und Gold auf Seide). Kamakura-Zeit, 14. Jh.; 171,8 x 84,5 cm
Bild © MET Museum. (Letzter Zugriff: 2013/5/21)
H. O. Havemeyer Collection

Auf dem ersten von zwei Rollbildern sind Empfängnis, Geburt, Kindheit und Judend von Shōtoku Taishi dargestellt. Ähnlich der Biographie Buddhas und anderer religiöser Figuren sind diese Episoden von wundersamen Vorzeichen und übernatürlichen Erscheinungen begleitet.

Insgesamt sind auf beiden Hängerollbildern 62 Szenen der Shōtoku Legende dargestellt. Die Episoden sind chronologisch nur lose geordnet, eher gehen Szenen, die räumlich mit einander verbunden sind, in einander über. Der Prinz ist meist in Orange gekleidet, die schriftlichen Erklärungen auf weißem Grund enthalten meist sein jeweiliges Lebensalter.
 Shotoku Taishi eden2.jpg

Illustierte Biographie Prinz Shōtokus, 2

Hängerollbild (Tusche, Farbe und Gold auf Seide). Kamakura-Zeit, 14. Jh.; 171,8 x 84,5 cm
Bild © MET Museum. (Letzter Zugriff: 2013/5/21)
H. O. Havemeyer Collection

Auf dem zweiten von zwei Rollbildern sind Erwachsenenalter, Tod und Apotheose von Shōtoku Taishi dargestellt.

Insgesamt sind auf beiden Hängerollbildern 62 Szenen der Shōtoku Legende dargestellt. Die Episoden sind chronologisch nur lose geordnet, eher gehen Szenen, die räumlich mit einander verbunden sind, in einander über. Der Prinz ist meist in Orange gekleidet, auf weißen Schildern ist sein jeweiliges Lebensalter verzeichnet.

Siehe auch: Bild:Shotoku_Taishi_eden1.jpg
. 3 . 4 Illustrierte Biographie Prinz Shōtokus

Zwei Hängerollbilder aus dem 14. Jahrhundert, die sich heute im Besitz des Metropolitan Museum of Art befinden, veranschaulichen die Biographie des zur Legende gewordenen Prinzen. Deren wichtigste Eckdaten sind bereits im Nihon shoki zu finden und später in zahlreichen frommen Schriften weiter ausgebaut worden.

Geburt

Eines Nachts träumt die Prinzessin Anahobe, die Hauptfrau des Yōmei Tennō, von einem Bodhisattva in Gestalt eines goldenen Mönchs, der durch ihren Mund in sie eindringt, um sich in ihrem Mutterleib einzunisten. Am folgenden Neujahrstag (571) bringt sie einen Sohn zur Welt, als sie die Pferdeställe des kaiserlichen Palastes inspiziert. Die Geburt verläuft mühelos und ihr Sohn, der spätere Shōtoku, kann (wie Buddha) sofort danach sprechen. Diese Umstände führen zum geläufigsten Eigennamen des Prinzen: Umayado Taishi (Prinz Pferdestall).

Shotoku Taishi eden geburt.jpg

Illustierte Biographie Prinz Shōtokus, Geburt vor dem Pferdestall

Hängerollbild (Tusche, Farbe und Gold auf Seide), Detail. Kamakura-Zeit, 14. Jh.; 171,8 x 84,5 cm
Bild © MET Museum. (Letzter Zugriff: 2013/5/21)
H. O. Havemeyer Collection
. 5 Geburt Shōtoku Taishis


Kindliche Frömmigkeit

Eine andere Legende weiß zu berichten, dass Prinz Shōtoku bereits als zwei­jähriges Kind an Buddhas Todes­tag, dem 15. des Zweiten Monats, mit ge­fal­te­ten Händen nieder­kniete und den Buddha pries (namu butsu namu butsu 南無仏 Lobpreisung Buddhas). Daraufhin fanden sich auf mirakulöse Weise Reliquien des Buddha zwischen den gefalteten Händen des Kindes. Shōtoku Taishi als betender Knabe stellt daher ein häufiges Motiv in der dar­stel­lenden Kunst dar.

 nanbutsu taishi.jpg

Nanbutsu Taishi

Statue (Holz). Edo-Zeit, 18. Jh.; Höhe: 29 cm
Bild © The British Museum. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Shōtoku Taishi als zweijähriges Kind bei der Anrufung des Buddha.

. 6 Nanbutsu Taishi
 shotoku_taishi_kamakura.jpg

Kōyō Taishi mit Rauchopferschale

Hängerollbild (Seide, Farbe), Detail. Kamakura-Zeit, frühes 14. Jh.; 105 x 51,5 cm
Bild © The British Museum. (Letzter Zugriff: 2011/7)
. 7 Kōyō Taishi mit Rauchopferschale

Ein weiteres Standard Motiv zeigt den Prinzen, wie er ein buddhistisches Rauch­opfer für die Genesung seines Vaters, Kaiser Yōmei (r. 585-587), abhält. Auf­grund dieses frommen — und der Legende nach erfolg­reichen — Unter­nehmens wurde auch Yōmei zum Bud­dhis­mus bekehrt. Das Motiv des „pietätvoll opfernden Prinzen“ (Kōyō Taishi Kōyō Taishi 孝養太子 ikonographisches Motiv des „pietätvoll opfernden Prinzen“ Shōtoku Taishi) zeigt Shōtoku Taishi als über­proportional dar­gestelltes Kind mit bud­dhis­tischer Mönchs­stola (kesa kesa 袈裟 Mönchsumhang, buddhistische „Stola“siehe auch Moenche → Moenche/Moenchstracht→ Moenche/Wuerdentraeger→ Yamabushi ) und einer Rauch­opfer­schale in der Hand. Die über Shōtoku Taishis neu­artigen Kult sichtlich er­staunten Hof­adeligen sind als kleine Figuren im Vordergrund zu sehen.

Kampf für den Buddhismus

587, als sich Shōtoku im 16. Lebensjahr befindet, kommt es zu einer entscheidenden Schlacht zwischen den pro-buddhistischen Soga, angeführt von Soga no Umako, und den „konservativen“, anti-buddhistischen Mononobe unter der Führung von Mononobe no Moriya. Shōtoku Taishi greift trotz seiner Jugend in diese Schlacht ein. Zuvor schnitzt er rasch die Statuen der Vier Himmelskönige (Shi-Tennō Shi-Tennō 四天王 Die 4 Himmelskönige (Weltenwächter)siehe auch Waechtergoetter → Ikonographie→ Gluecksgoetter→ Yin und Yang→ Oni und Kappa → mehr ), was schließlich zum Sieg der Soga und damit des Buddhismus führt. Zum Dank veranlasst Shōtoku später den Bau des Shitennō-ji Shitennō-ji 四天王寺 Ältester staatlicher buddh. Tempel, gegr. 593 im heutigen Osakasiehe auch Torii → Shinto→ Waechtergoetter→ Symboltiere/Drei Affen→ Gluecksgoetter/Bishamonten , des Tempels der Vier Himmelskönige im heutigen Ōsaka.

Shotoku Taishi eden schlacht.jpg

Illustierte Biographie Prinz Shōtokus, Kampf gegen Monobe no Moriya

Hängerollbild (Tusche, Farbe und Gold auf Seide), Detail. Kamakura-Zeit, 14. Jh.; 171,8 x 84,5 cm
Bild © MET Museum. (Letzter Zugriff: 2013/5/21)
H. O. Havemeyer Collection
Rechts: Der Prinz betet zu den Vier Himmelskönigen. Mitte: Der Prinz im Heer der Soga. Links: Mononobe no Moriya (auf einer Mauer stehend) wird von einem Pfeil getroffen, fällt und wird enthauptet.
. 8 Schlacht der Soga und der Mononobe


Barmherzigkeit

Shotoku Taishi eden bettler.jpg

Illustierte Biographie Prinz Shōtokus, 2

Hängerollbild (Tusche, Farbe und Gold auf Seide), Detail. Kamakura-Zeit, 14. Jh.; 171,8 x 84,5 cm
Bild © MET Museum. (Letzter Zugriff: 2013/5/21)
H. O. Havemeyer Collection
Begegnung mit dem Bettler von Kataoka
. 9 Prinz und Bettler

Eine bereits im Nihon shoki über­lieferte Le­gen­de, die ent­fernt an die Vier Aus­fahrten des Buddha erin­nert, schil­dert die Be­geg­nung des Prinzen mit einem hun­gern­den Bett­ler an einem Ort namens Kata­oka. Der Prinz lässt den ge­schwäch­ten Mann nicht nur ver­kös­tigen, er gibt ihm sogar sei­nen eige­nen Um­hang. Als der Mann am nächs­ten Tag den­noch stirbt, lässt er ihn feier­lich be­stat­ten. Wieder einige Tage später be­fiehlt er, das Grab zu unter­su­chen. Zum all­ge­mei­nen Erstau­nen ist der Leich­nam ver­schwun­den, nur das Ge­wand des Prinzen liegt säu­ber­lich ge­fal­tet auf dem Sarg. Der Prinz sieht darin be­stätigt, dass es sich um einen Hei­ligen ge­han­delt haben muss, und zieht das Ge­wand wieder an. Die Epi­sode wird mit den Worten kom­men­tiert: „[Nur] ein Hei­liger erkennt einen Hei­ligen.“

Der Prinz als Bodhisattva

Im Zuge der buddhistischen Verehrung wurde Shōtoku Taishi mit mehreren buddhistischen Heilsgestalten identifiziert, vor allem mit Kannon Bosatsu Kannon Bosatsu 観音菩薩 Bodhisattva Avalokiteshvara, wtl. „der den Klang der Welt erhört“; chin. Guanyin; „Bodhisattva des Mitleids“siehe auch Kannon → Tempel→ Ikonographie→ Paradiese→ Hoellen/Hungergeister (Avalokiteshvara).

 guze_kannon.jpg

Kannon, der Weltenretter (guze kannon)

Statue (vergoldet); Hōryū-ji, Nara

„Geheime Buddha-Statue“ des Hōryū-ji, die angeblich Shōtokus Züge trägt.

. 10 „Kannon, der Weltenretter“ (Guze Kannon)
 shotoku_jizo.jpg

Shōtoku Taishi

Hängerollbild (Farbe und Tusche auf Seide). Muromachi-Zeit, 14. Jh.; 125,1 x 69,3 cm
Bild © Freer/Sackler, Smithonian Museums of Asian Art. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Shōtoku Taishi trägt hier ein Pilgergewand mit speziellem Pilgerstab, der an Bodhisattva Jizō erinnert. Anhand der traditionellen Frisur ist er aber unmittelbar als Shōtoku zu identifizieren.

. 11 Prinz Shōtoku mit Mönchsstab

Guze Kannon Guze Kannon 救世観音 wtl. Kannon, der Weltenretter; berühmte Kannon Statue im Hōryū-ji, Halle der Träumesiehe auch Shotoku Taishi → Fruehzeit („Kannon, der Weltenretter“) ist das Hauptheiligtum der „Halle der Träume“ (Yumedono Yumedono 夢殿 Halle der Träume; Seitentempel des Hōryū-jisiehe auch Tempel ) im Tempelkomplex des Hōryū-ji Hōryū-ji 法隆寺 Tempel in Ikaruga bei Nara, gegr. 607; wtl. „Tempel des prosperierenden [Buddha]-Gesetzes“siehe auch Tempel → Tempel/Tempeltore→ Kannon→ Shaka→ Waechtergoetter/Nio→ Fruehzeit → mehr , der einst dem Prinzen selbst als Palast diente. Die Statue trägt angeblich die Züge Shōtokus. Sie gilt als „Geheime Buddha-Statue“ (hibutsu hibutsu 秘仏 wtl. „geheimer Buddha“; geheim gehaltene Buddha-Statuesiehe auch Asakusa → Gluecksgoetter/Benzaiten ) und wurde lange komplett unter Ver­schluss ge­halten, so­dass sie ver­hältnis­mäßig gut erhalten ist. Auch heute wird sie nur einmal pro Jahr öffentlich gezeigt.

Auf der Abbildung rechts oben trägt Shōtoku Taishi trägt ein Mönchsgewand mit speziellem Pilgerstab, der an Bodhisattva Jizō Jizō 地蔵 populäre Bodhisattva Figur; skr. Kshitigarbha, wtl. „Schatzhaus oder Mutterleib der Erde“siehe auch Jizo → Opfergaben→ Bekannte Schreine/Fushimi→ Moenche→ Jizo/Osorezan→ Jenseits → mehr erinnert.

Shōtoku Taishi und Kōbō Daishi

gosonzomandara.jpg

Mandala der Fünf Erhabenen (gosonzō mandara)

Kamakura-Zeit
Bild © Yamaguchi Sumio, Kyōto shiseki sansaku kai. (Letzter Zugriff: 2011/7)
. 12 Mandala der Fünf Erhabenen (Gosonzō mandara), Kamakura Zeit.

Auf diesem mandala मण्डल maṇḍala (skt., n.) „Kreis“, schematische Dar­stel­lung der kosmischen Ordnung; jap. mandara 曼荼羅siehe auch →  Mandala → Dainichi→ Shinto-Goetter→ Mandala/Ryogai Mandara→ Myoo/Vajrapani→ Shinto-Goetter/Kasuga Mandala → mehr aus der Kamakura Zeit sieht man Shōtoku Taishi und den eminenten japanischen Mönch Kōbō Daishi Kōbō Daishi 弘法大師 Ehrentitel von → Kūkaisiehe auch Kukai → Bekannte Tempel/Berg Koya→ Pilgerschaft→ Myoo/Fudo→ Heilige Kūkai Kūkai 空海 Gründer des Shingon Buddhismus, 774–835siehe auch Kukai → Bekannte Tempel→ Bekannte Tempel/Berg Koya→ Pilgerschaft→ Bekannte Schreine/Fushimi→ Mandala → mehr „zu Füßen“ des Dainichi Nyorai Dainichi Nyorai 大日如来 Buddha Vairocana, der „kosmische Buddha“; wtl. „Großes Licht“ oder „Große Sonne“siehe auch Dainichi → Ise Izumo/Schreinanlage Ise→ Mandala→ Myoo→ Mandala/Ryogai Mandara→ Myoo/Vajrapani → mehr . Dainichi ist der Haupt-Buddha des von Kūkai nach Japan über­mittelten eso­te­rischen Bud­dhis­mus. Für die An­hänger Shōtokus war Kūkai darüber hinaus die Re­inkar­nation des Shōtoku Taishi. Auf diese Weise konnte der Prinz auch in den eso­te­rischen Bud­dhis­mus integriert werden.3

kobodaishi_kind.jpg

Der Meister als Kind (Chigo daishi)

Hängerollbild (Seide, Farbe), Detail. Muromachi-Zeit
Bildquelle: Kōbō Daishi Kūkai and the Sacred Treasures of Mount Kōya, 2003, Abb. 2

Kūkai als frühkindliches Genie, betend auf einer Lotusblume. Ähnlich wie um Prinz Shōtoku ranken sich auch um Kūkai zahlreiche Legenden, die von seinen erstaunlichen frühen Begabungen erzählen. Die vorliegende Abbildung stützt sich auf einen Auszug aus Kūkais angebliches Testament (Goyuigo), der einer anderen Version des Bildes als Textteil eingeschrieben ist:

Long ago, when I was living in my parents' home, sometime between the age of five or six, I always had visions of myself in my dreams seated on an eight-petaled lotus conversing with the buddhas. However, I didn't tell anyone, not even my parents, much less anyone else. [...]
Nach: Christine Guth, „The Divine Boy in Japanese Art.“ Monumenta Nipponica 42/1 (1987), S. 2.

. 13 Kukai als Kind

Shōtoku Taishi und Kūkai sind auch dadurch verbunden, dass sich um ihre Kind­heit ein ähn­licher Kult etab­liert hat. Auch Kūkai soll bereits in frühen Kinder­tagen Zeichen erhal­ten haben, dass er für eine beson­dere Rolle in der Ver­brei­tung des Buddhis­mus aus­er­se­hen sei. Die Heraus­bil­dung und Identi­fizie­rung der beiden legen­dären Figuren er­folgte aller­dings erst im japa­ni­schen Mittel­alter. Christine Guth sieht in beiden Fällen den Kult um die beson­dere Geburt des histo­rischen Buddhas als In­spira­tions­quelle der japa­ni­schen Legen­den an. 4

Verweise

Fußnoten

  1. Tat­säch­lich be­stehen be­rechtigte Zweifel an der Authentizität dieses Dokuments, das nur in einer Fassung des Nihon shoki, also über hundert Jahre nach seiner Ent­stehung, be­kannt ist.
  2. Nihon shoki, Suiko Tennō, 12. Jahr (604), 4. Monat (Ü.: B. Scheid).
    Siehe auch: Wikisource (jap.), Wikipedia (dt.), Aston, Nihongi II, S. 129.
  3. Die beiden Figuren im oberen Teil des Mandala sind im übrigen die Bodhisattvas Kokūzō und Kannon, die hier wohl als „Urformen“ (honji honji 本地 (buddhistische) Urform (eines kami); s.a. suijakusiehe auch Shinto-Götter → Bekannte Schreine/Nikko→ Shinto-Goetter→ Shinto-Goetter/Kasuga Mandala→ Honji suijaku→ Shinto Mittelalter → mehr ) der beiden buddhistischen Heiligen fungieren.
  4. Guth 1987

Bilderläuterungen

  1. Shotoku taishi.jpg

    Shōtoku Taishi

    Hängerollbild (Tinte und Farbe auf Papier). Kopie eines Originals aus dem 8. Jh.; Sannomaru Shōzōkan, Museum of Imperial Collections

    Shōtoku Taishi als junger Regent von zwei kindlichen Prinzen begleitet. Der Prinzregent ist bereits erwachsen und trägt ein Zepter (shaku) als Zeichen seiner weltlichen Macht. Bei den beiden Knaben soll es sich um Shōtokus Sohn sowie um seinen jüngeren Bruder handeln. Das Motiv soll auf eine Vision eines koreanischen Prinzen (Asa Taishi) zurückgehen. Das Original dieser Darstellung befand sich ursprünglich im Besitz des Tempels Hōryū-ji und ist heute öffentlich unzugänglich im Besitz des kaiserlichen Palastamtes (Ku'naichō).

  2. Shotoku banknote.jpg

    Shtoku Taishi

    Banknote. Spätere Shōwa-Zeit, 20. Jh.
    Bild © Nichiyu koin. (Letzter Zugriff: 2011/8)

    1000 Yen Banknote mit dem Shōtoku Taishi-Motiv, von 1949 bis 1984 in Umlauf. Das gleiche Motiv gab es bereits in den 1930er Jahren auf Banknoten.

  3. Shotoku Taishi eden1.jpg

    Illustierte Biographie Prinz Shōtokus, 1

    Hängerollbild (Tusche, Farbe und Gold auf Seide). Kamakura-Zeit, 14. Jh.; 171,8 x 84,5 cm
    Bild © MET Museum. (Letzter Zugriff: 2013/5/21)
    H. O. Havemeyer Collection

    Auf dem ersten von zwei Rollbildern sind Empfängnis, Geburt, Kindheit und Judend von Shōtoku Taishi dargestellt. Ähnlich der Biographie Buddhas und anderer religiöser Figuren sind diese Episoden von wundersamen Vorzeichen und übernatürlichen Erscheinungen begleitet.

    Insgesamt sind auf beiden Hängerollbildern 62 Szenen der Shōtoku Legende dargestellt. Die Episoden sind chronologisch nur lose geordnet, eher gehen Szenen, die räumlich mit einander verbunden sind, in einander über. Der Prinz ist meist in Orange gekleidet, die schriftlichen Erklärungen auf weißem Grund enthalten meist sein jeweiliges Lebensalter.

  4. Shotoku Taishi eden2.jpg

    Illustierte Biographie Prinz Shōtokus, 2

    Hängerollbild (Tusche, Farbe und Gold auf Seide). Kamakura-Zeit, 14. Jh.; 171,8 x 84,5 cm
    Bild © MET Museum. (Letzter Zugriff: 2013/5/21)
    H. O. Havemeyer Collection

    Auf dem zweiten von zwei Rollbildern sind Erwachsenenalter, Tod und Apotheose von Shōtoku Taishi dargestellt.

    Insgesamt sind auf beiden Hängerollbildern 62 Szenen der Shōtoku Legende dargestellt. Die Episoden sind chronologisch nur lose geordnet, eher gehen Szenen, die räumlich mit einander verbunden sind, in einander über. Der Prinz ist meist in Orange gekleidet, auf weißen Schildern ist sein jeweiliges Lebensalter verzeichnet.

    Siehe auch: Bild:Shotoku_Taishi_eden1.jpg

  5. Shotoku Taishi eden geburt.jpg

    Illustierte Biographie Prinz Shōtokus, Geburt vor dem Pferdestall

    Hängerollbild (Tusche, Farbe und Gold auf Seide), Detail. Kamakura-Zeit, 14. Jh.; 171,8 x 84,5 cm
    Bild © MET Museum. (Letzter Zugriff: 2013/5/21)
    H. O. Havemeyer Collection
  6. Nanbutsu taishi.jpg

    Nanbutsu Taishi

    Statue (Holz). Edo-Zeit, 18. Jh.; Höhe: 29 cm
    Bild © The British Museum. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Shōtoku Taishi als zweijähriges Kind bei der Anrufung des Buddha.

  7. Shotoku taishi kamakura.jpg

    Kōyō Taishi mit Rauchopferschale

    Hängerollbild (Seide, Farbe), Detail. Kamakura-Zeit, frühes 14. Jh.; 105 x 51,5 cm
    Bild © The British Museum. (Letzter Zugriff: 2011/7)
  8. Shotoku Taishi eden schlacht.jpg

    Illustierte Biographie Prinz Shōtokus, Kampf gegen Monobe no Moriya

    Hängerollbild (Tusche, Farbe und Gold auf Seide), Detail. Kamakura-Zeit, 14. Jh.; 171,8 x 84,5 cm
    Bild © MET Museum. (Letzter Zugriff: 2013/5/21)
    H. O. Havemeyer Collection

    Rechts: Der Prinz betet zu den Vier Himmelskönigen. Mitte: Der Prinz im Heer der Soga. Links: Mononobe no Moriya (auf einer Mauer stehend) wird von einem Pfeil getroffen, fällt und wird enthauptet.

  9. Shotoku Taishi eden bettler.jpg

    Illustierte Biographie Prinz Shōtokus, 2

    Hängerollbild (Tusche, Farbe und Gold auf Seide), Detail. Kamakura-Zeit, 14. Jh.; 171,8 x 84,5 cm
    Bild © MET Museum. (Letzter Zugriff: 2013/5/21)
    H. O. Havemeyer Collection

    Begegnung mit dem Bettler von Kataoka

  10. Guze kannon.jpg

    Kannon, der Weltenretter (guze kannon)

    Statue (vergoldet); Hōryū-ji, Nara

    „Geheime Buddha-Statue“ des Hōryū-ji, die angeblich Shōtokus Züge trägt.

  11. Shotoku jizo.jpg

    Shōtoku Taishi

    Hängerollbild (Farbe und Tusche auf Seide). Muromachi-Zeit, 14. Jh.; 125,1 x 69,3 cm
    Bild © Freer/Sackler, Smithonian Museums of Asian Art. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Shōtoku Taishi trägt hier ein Pilgergewand mit speziellem Pilgerstab, der an Bodhisattva Jizō erinnert. Anhand der traditionellen Frisur ist er aber unmittelbar als Shōtoku zu identifizieren.

  12. Gosonzomandara.jpg

    Mandala der Fünf Erhabenen (gosonzō mandara)

    Kamakura-Zeit
    Bild © Yamaguchi Sumio, Kyōto shiseki sansaku kai. (Letzter Zugriff: 2011/7)
  13. Kobodaishi kind.jpg

    Der Meister als Kind (Chigo daishi)

    Hängerollbild (Seide, Farbe), Detail. Muromachi-Zeit
    Bildquelle: Kōbō Daishi Kūkai and the Sacred Treasures of Mount Kōya, 2003, Abb. 2

    Kūkai als frühkindliches Genie, betend auf einer Lotusblume. Ähnlich wie um Prinz Shōtoku ranken sich auch um Kūkai zahlreiche Legenden, die von seinen erstaunlichen frühen Begabungen erzählen. Die vorliegende Abbildung stützt sich auf einen Auszug aus Kūkais angebliches Testament (Goyuigo), der einer anderen Version des Bildes als Textteil eingeschrieben ist:

    Long ago, when I was living in my parents' home, sometime between the age of five or six, I always had visions of myself in my dreams seated on an eight-petaled lotus conversing with the buddhas. However, I didn't tell anyone, not even my parents, much less anyone else. [...]
    Nach: Christine Guth, „The Divine Boy in Japanese Art.“ Monumenta Nipponica 42/1 (1987), S. 2.

Links und Literatur

Christine Guth 1987
„The Divine Boy in Japanese Art.“ Monumenta Nipponica 42/1 (1987), S. 1–23.
Michael Como 2008
Shōtoku: Ethnicity, Ritual, and Violence in the Japanese Buddhist Tradition. New York: Oxford University Press 2008.
Letzte Überprüfung der Linkadressen: Aug. 2010
Geschichte: Fruehzeit (zurück zum Hauptartikel)
Ikonographie