Die Reformen der Heian-Zeit

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Bernhard Scheid, „Die Reformen der Heian-Zeit.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 4.3.2014). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Geschichte:Heian_Zeit?oldid=35740

Die Heian (Heian 平安alter Name Kyotos; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit) )-Zeit (794–1185) verdankt ihren Namen der Tatsache, dass der Sitz der Zentral­macht in dieser Zeit in Heian-kyō, dem heutigen Kyoto lag. Während die Politik ihr Zentrum wechselte, blieben die großen Klöster in Nara (Nara 奈良Hauptstadt und Sitz des Tenno, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyō …mehr ⇒). In der neuen Haupt­stadt Heian hin­gegen waren Tempel vorerst nur außer­halb der Stadt­grenzen geduldet. Zwischen dem Kaiser­hof und der Führung des bud­dhis­tischen Klerus kam es also zu einer markanten geo­gra­phischen Trennung, die wohl auch eine politisch-kulturelle Ent­fremdung zum Aus­druck brachte. Doch damit war der Bud­dhis­mus nicht auf Dauer vom politischen Zentrum ent­fernt worden.

Schon bald nach Gründung der Hauptstadt traten zwei Persönlichkeiten auf, die die religiöse Land­schaft nach­haltig veränderten: Saichō (Saichō 最澄Gründer des Tendai Buddhismus, 767–822 …mehr ⇒) und Kūkai (Kūkai 空海Gründer des Shingon Buddhismus, 774–835 …mehr ⇒). Beide wurden zu­nächst — sogar mit der gleichen offiziellen Gesandt­schaft — nach China ge­schickt, um dort ihre bud­dhis­tischen Kennt­nisse zu vertiefen. Beide kehrten zurück mit den Weihen bislang in Japan un­be­kannter Schulen. Und beide wurden zu den Gründer­vätern neuer Rich­tungen im ja­pa­nischen Bud­dhis­mus: Tendai-shū (Tendai-shū 天台宗Tendai Schule, chin. Tiantai …mehr ⇒) und Shingon-shū (Shingon-shū 真言宗Shingon Schule, wtl. Schule des Wahren Wortes …mehr ⇒), die über Jahr­hunderte das Wesen des japanischen Buddhismus prägten.

Am Beginn der Heian-Zeit, zu Lebzeiten von Saichō und Kūkai, war der ja­pa­nische Bud­dhis­mus bereits im Besitz einer un­über­schau­baren Menge bud­dhis­tischer Schriften. Das geistige Klima war allen Einzel­lehren gegen­über prinzipiell tolerant, doch herrschte wohl auch das Bedürfnis, Ordnung in die einander oft wider­sprechenden Dogmen zu bringen. Wie auf den folgenden Seiten genauer aus­ge­führt wird, kamen Saichō und Kūkai diesem Bedürfnis ent­gegen, indem sie jeder auf seine Weise einen Maß­stab zur Be­wer­tung der Schriften an­legten und einzelne als be­sonders wichtig her­vor­strichen. Sie trafen damit eine Aus­wahl, setzten inner­halb des vor­handenen bud­dhis­tischen Schrift­tums Akzente und legten den Grund­stein für spezifisch japanische Aus­for­mungen der buddhistischen Lehre.

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Populäre Glaubensvorstellungen

Bereits in der Nara (Nara 奈良Hauptstadt und Sitz des Tenno, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyō …mehr ⇒)-Zeit begannen einzelne Mönche, den japanischen Buddhismus zu popularisieren, d.h. seine Inhalte in allgemein verständliche Texte zu fassen. Diese Tendenz setzt sich in der Heian-Zeit weiter fort: Bud­dhis­tische Mönche ver­fassen Legenden, die den Wert bud­dhis­tischer Moral­vor­stellungen erläutern, und ver­breiten sie in japanischer Sprache unter den Laien. Damit sind, wohl­gemerkt, nicht nur die breiten Be­völke­rungs­schichten ge­meint, wie man der Be­zeichnung „Popu­lari­sierung“ viel­leicht ent­nehmen könnte. Die Adressaten der ein­heimischen bud­dhis­tischen Erzähl­literatur waren zunächst und vor allem die Adeligen, und erst in weiterer Folge die rest­liche Be­völke­rung. Auch wurden die heute oft naiv an­mutenden Vor­stellungen nicht nur von den Laien, sondern auch vom Klerus selbst durch­aus ernst ge­nommen.

Ein frühes Beispiel buddhistischer Erzählliteratur ist das Nihon ryōiki (Nihon ryōiki 日本霊異記„Wunder­same Bege­ben­heiten aus Japan“; buddhistische Legendensammlung von Kyōkai (Anfang 9. Jh.) ) (mit vollem Titel Nihonkoku genpo zen'aku ryōiki „Be­richte von Wundern karmischer (कर्मKarma (skt., n.)„Tat“, auch „konse­quente Folge“; moralische Bilanz der gesetzten Handlungen …mehr ⇒) Ver­geltung für Gutes und Böses in Japan“, ab­ge­fasst zwischen 810 und 823 von Kyōkai), ein Werk, das auf sehr drastische Weise die Aus­wir­kungen von gutem und schlechtem Karma in diesem und in den nächsten Leben illustriert. Das Nihon ryōiki ist das erste er­haltene Werk der soge­nannten setsuwa (setsuwa 説話Lehrerzählung )-Literatur. Setsuwa be­deutet wört­lich Lehr­erzählung, ge­meint ist natür­lich die bud­dhis­tische Lehre. Die be­kannteste und umfang­reichste Sammlung von Lehr­erzählungen ist das Konjaku monogatari (Konjaku monogatari 今昔物語„Geschichten aus alter und neuer Zeit“ (12. Jh.); umfangreiche Sammlung von Geschichten und Anekdoten, meist aus einem buddhistischen Kontext …mehr ⇒) („Erzählungen aus alter und neuer Zeit“, 12. Jh.) mit über tausend Legenden und Anekdoten, die z.T. auch in Indien und China an­ge­siedelt sind. In dieser Sammlung und auch in manchen späteren setsuwa-Sammlungen tritt der unter­haltsame Aspekt der Geschichten gegenüber dem didak­tischen Anliegen bis­weilen in den Vor­der­grund. Unter der Hand er­fährt man dabei viel über die all­ge­meinen Lebens­um­stände der damaligen Zeit.

Hölle und Unterwelt

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Gerichtshof des Enma und die Richter der Unterwelt

Statuen (Holz). 13. Jh.; Hōshaku-ji, Kyoto
Bild © Kyoto National Museum. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Im Hintergrund Enma und zwei weitere Richter, im Vordergrund der Urteilsverkünder und der Schreiber.

König Enmas Gerichtshof

Zu den populären buddhistischen Glaubensvorstellungen, die in den setsuwa ver­treten sind, zählen auch Höllen­bilder, be­ziehungs­weise die Aus­schmückung der so­ge­nannten Sechs Bereiche (rokudō (rokudō 六道wtl. die Sechs Wege = Bereiche der Wiedergeburt …mehr ⇒)) der Wiedergeburt (s. Jenseitsvorstellungen). Ein zentraler Text in diesem Zu­sammen­hang ist das Ōjō yōshū (Ōjō yōshū 往生要集„Essentielle [Lehren] der Wiederbgeburt“, 985 von → Genshin verfasst ) („Essentielle [Lehren] der Wieder­geburt“, 985 ver­fasst von Genshin (Genshin 源信Tendai-Mönch (942–1017); Autor des → Ōjō yōshū; Wegbereiter der → Jōdo-shū …mehr ⇒)), ein theoretischer Traktat, in dem aber die Bereiche der Wieder­geburt und vor allem die Hölle in sehr an­schau­lichen, sprich brutalen, Bildern ge­schildert werden. Der Höllen­glaube ging Hand in Hand mit Ent­wick­lungen in China, wo es ab der Tang (Tang (chin.) — chin. Herrschaftsdynastie, 618–907 …mehr ⇒)-Zeit (618–907) zur Aus­gestal­tung der Figur des Höllen­fürsten Enma (Enma 閻魔skt. Yama, König oder Richter der Unterwelt …mehr ⇒) (skt. Yama (यमराजYama (skt., m.)Gottheit der Unterwelt und des Todes …mehr ⇒) raja (राजrāja (skt., m.)„König“ …mehr ⇒) , chin. Yanlou (Yanlou 閻羅 (chin.) — skt. Yama, jap. Enra bzw. Enma; König oder Richter der Unterwelt …mehr ⇒)), be­ziehungs­weise der Zehn Richter der Unter­welt kam. In Japan blieb dieser spezifisch chi­ne­sische Aspekt des Unter­welt­glaubens da­durch er­halten, dass Enma und sein Gericht stets in chinesischer Tracht ab­gebildet wurden.

„Angemessene Mittel“

Eine gängige Grundannahme des Mahayana Buddhismus geht davon aus, dass es je nach Grad der Er­leuchtung ver­schiedene Formen der Wahr­nehmung und damit auch der Wahr­heit gibt. Im Lotos Sutra (सूत्रsūtra (skt., n.)„Faden“, Lehr­rede des Buddha, kanoni­sche Schrift …mehr ⇒) wird dies an­hand der Parabel vom brennenden Haus soweit aus­ge­führt, dass der Buddha (बुद्धBuddha (skt., m.)„Der Erleuchtete“ …mehr ⇒) selbst so­zu­sagen legitime Täuschungen an seiner An­hänger­schaft vorge­nommen habe, um sie — gleich Kinder aus einem brennenden Haus — Schritt für Schritt aus dem Stadium der Ver­blendung in das Stadium der Erleuch­tung zu führen. Der Fach­aus­druck für diese legitimen Täuschungs­manöver lautet auf Sanskrit upaya (उपायupāya (skt., m.)„[geschicktes] Mittel“ …mehr ⇒) , jap. hōben (hōben 方便geschicktes Mittel; skt. upāya ), wtl. „ge­schickte“ oder „an­ge­messene Mittel“. Die Vor­stellung von der Not­wendig­keit ange­messener Mittel wurde in der späteren Heian-Zeit da­durch ver­stärkt, dass man glaubte, be­reits in eine Phase des spirituellen Nieder­gangs, in die „Endzeit des Gesetzes“ (mappō) einge­treten zu sein, in der die ur­sprüng­liche Lehre des Buddha nicht mehr verständlich sei.

Endzeit-Denken (mappō)

Das für den Buddhismus der Heian-Zeit typische Endzeit Denken beruhte auf dem Dogma der stufen­weisen Ver­wässerung der bud­dhis­tischen Lehre, die mit natur­gesetzlicher Konsequenz vor­an­schreiten würde. Es gab in diesem Zusammen­hang ein sehr konkretes Dreistufen-Modell:

  1. das „Wahre Gesetz“ (shōbō (shōbō 正法Zeit des wahren Dharma )), die Zeit, in der die Lehre Buddhas noch ganz in seinem Sinne ver­standen wird. Sie dauert 500 Jahre, nach manchen Vor­stellungen auch 1000 Jahre lang an.
  2. das „Imitierte Gesetz“ (zōbō (zōbō 像法Zeit des imitierten Dharma; buddhistisches Konzept )), weitere 500 oder 1000 Jahre, in denen die Lehre Buddhas nur dem Wort­laut nach aber nicht in ihrer Essenz ver­standen wird.
  3. die „End­zeit des Gesetzes“ (mappō (mappō 末法Endzeit des Dharma )), die folgenden 10.000 Jahre, in denen die Lehre des Buddha nicht mehr ver­standen wird.

Viele Heian-zeitliche Buddhisten fühlten sich bereits in der Endzeit, die selbst optimistischen Ein­schätzungen zu Folge mit dem Jahr 1052 erreicht war.

Der mappō-Gedanke brachte aber nicht nur Pessimismus und depressive Lethargie mit sich, wie es manch­mal in der Sekundär­literatur dar­ge­stellt wird. Er wurde von vielen Mönchen auch als Legitimation und Anreiz an­ge­sehen, um neue Strategien (= angemessene Mittel) zur Er­langung des Seelen­heils zu pro­pa­gieren, die zu Zeiten des historischen Buddha noch nicht adäquat ge­wesen waren. Das Argument dabei: Wie kann das, was Buddha einst predigte, heute noch gültig sein, wenn nie­mand mehr sein lebendiges Beispiel vor Augen hat, und wenn seine Lehre von nie­mandem mehr ver­standen wird? Der mappō-Gedanke war somit in erster Linie eine Recht­fertigung, um den historischen Wandel des Bud­dhis­mus und die Abkehr von orthodoxen Tradi­tionen zu legitimieren, ohne den Buddhismus als Ganzes abzulehnen.

Die wichtigste Neuerung, die mit der Betonung der End-Zeit einherging, war der Glaube an die Errettung in Amidas Paradies (gokuraku (gokuraku 極楽Paradies; identisch mit dem Reinen Land → jōdo …mehr ⇒)) bzw. Reines Land (jōdo (jōdo 浄土Reines Land …mehr ⇒)). Diese Vor­stellung wurde zu­nächst vor allem vom Tendai (Tendai-shū 天台宗Tendai Schule, chin. Tiantai …mehr ⇒)-Buddhismus pro­pagiert, bevor sie — ab dem Mittel­alter — die Form einer eigenen Sekte/Schule annahm (s. Amidismus). Das Haupt­argument dieser Richtung war, dass man in der End­zeit nicht mehr aus eigener Kraft (jiriki (jiriki 自力wtl. eigene Kraft; buddhistisches Konzept )) zur Er­leuchtung ge­langen könne, sondern nur durch gläubiges Ver­trauen in Amidas „andere Kraft“ (tariki (tariki 他力andere Kraft (helfende Kraft Amidas) )).

Ein weiteres Beispiel, was man sich unter den ange­messenen Mitteln vorstellte, ist die Auf­fassung, dass sich Buddhas in Japan in Form von ein­heimischen Gott­heiten offen­baren, um so besser und un­mittel­barer ver­standen zu werden. Auf diese Konzeption wird unter dem Stich­wort honji suijaku noch genauer eingegangen.

„Schule“ oder „Sekte“?

Im Japanischen gibt es den Begriff shūha (shūha 宗派rel. Schule oder Sekte, Glaubensgemeinschaft ) (nach Eigen­namen meist zu -shū (-shū rel. Schule, Richtung, Sekte ) verkürzt: Tendai-shū, Shingon-shū, Jōdo-shū, ...), der in der west­lichen Fach­literatur unter­schiedlich, entweder mit „Sekte“ (sect) oder „Schule“ (school) über­setzt wird. Der Begriff „Sekte“ ver­schwindet aller­dings lang­sam aus der Fach­literatur, nach­dem berechtigt darauf hin­ge­wiesen wurde, dass „Sekte“ im christlich-euro­päischen Kontext einen aus­ge­sprochen pejo­rativen Bei­ge­schmack hat (nämlich als Be­zeich­nung für un­ortho­doxe Ab­spal­tungen von der offiziellen Amts­kirche). Auf Japan über­tragen hieße das, dass der ge­samte japanische Bud­dhis­mus lediglich eine An­sammlung un­ortho­doxer Abspal­tungen dar­stellt, was mit dem Begriff shūha zweifel­los nicht ge­meint ist. Anderer­seits lässt „Schule“ eher an theo­retische theo­logische Unter­schiede denken, weniger an institutionelle Trennungen. Es fragt sich also, was für Unter­schiede eigent­lich zwischen den einzelnen japanischen shūha bestehen.

Der Buddhismus der Nara (Nara 奈良Hauptstadt und Sitz des Tenno, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyō …mehr ⇒)-Zeit wird oft durch die Schlag­worte „Sechs Schulen“ und „Sieben Große Tempeln“ um­rissen. Es bildeten sich näm­lich Sechs Richtungen her­aus, die ihre Zentren in sieben Tempeln hatten, wobei keines­falls nur jeweils eine Richtung in einem Tempel ver­treten war. Der Begriff -shū (-shū rel. Schule, Richtung, Sekte ) wurde damals im übrigen oft mit dem gleich­lauten­den Zeichen 集 geschrieben, was soviel wie „Gruppe“ bedeutet. Die Sechs Schulen waren also Experten-Runden oder Studien-Gruppen, die sich je­weils be­sonders mit einem be­stimmten Text oder einer Gruppe von Texten be­fassten. In jedem der großen Tempel wurden mehrere der von den Sechs Schulen diskutierten Themen an­ge­schnitten. Es herr­schte also nicht — wie in der späteren Ent­wicklung — das Prinzip, dass jeder Tempel einer be­stimmten Richtung zuzu­ordnen war. In­so­fern sind die Sechs Nara-Schulen orga­nisa­torisch ge­sehen eher als eine einzige Richtung auf­zu­fassen und werden daher zu­meist auch als Einheit an­ge­sehen.

In der Heian (Heian 平安alter Name Kyotos; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit) )-Zeit ent­wickelte sich vor allem die Tendai-shū zu einer institutionell völlig vom Nara Buddhismus un­ab­hängigen religiösen Körper­schaft und trat mit diesem immer mehr in Konkurrenz. Sie spaltete sich also vom Haupt­strom des damaligen Bud­dhis­mus ab und kann zu­mindest in ihrer Früh­zeit sehr wohl als „Sekte“ im engeren Wort­sinn an­ge­sehen werden. Gegen Ende der Heian-Zeit war der Tendai Bud­dhis­mus aller­dings bereits so ein­fluss­reich, dass der Begriff „Sekte“ (im Sinn von Abspaltung) nicht mehr wirklich passend erscheint.

In der folgenden Kamakura (Kamakura 鎌倉Stadt im Süden der Kantō Ebene, Sitz des Minamoto Shogunats 1185–1333 (= Kamakura-Zeit) …mehr ⇒)-Zeit kam es inner­halb des Tendai Bud­dhis­mus wiederum zu Ab­spal­tungen, die einen signifikant „sektiererischen“ Charakter hatten. Aber auch diese Rich­tungen, bei­spiels­weise Jōdo-shū (Jōdo-shū 浄土宗Schule des → Amida-Buddhismus …mehr ⇒), ent­wickelten sich mit der Zeit zum Mainstream Bud­dhis­mus und haben ihre ein­sti­gen radikalen Züge längst ab­gelegt. Ob also „Sekte“, „Schule“, „Richtung“ oder ein anderes Wort als adäquate Über­setzung von shūha er­scheint oder nicht, ändert sich mit dem historischen Kontext. Eine historisch und sprach­lich konsistente Über­setzung von shūha ist daher meines Erachtens kaum mög­lich und wird daher auf diesen Seiten gar nicht ver­sucht.

Wichtig ist jedoch, sich vor Augen zu halten, dass es sehr wohl markante Unter­schiede zwischen den einzelnen Sekten oder Schulen gab, die heute aller­dings weit­gehend ver­loren ge­gangen sind. Das ver­hältnis­mäßig homogene Er­scheinungs­bild des japanischen Bud­dhis­mus ist ein Phänomen der frühen Neuzeit (1600-1868, siehe terauke System). In der Heian-Zeit und im ja­pa­nischen Mittel­alter existierten aber nicht nur aus­ge­prägte Unter­schiede zwischen den einzelnen Richtungen, es gab auch Inte­ressens­gegen­sätze zwischen ver­schiedenen Klöstern, die zu hand­festen, mitunter kriegerischen Aus­einander­setzungen führten. Diese Kämpfe, die an Aggresivität den europäischen Glaubens­kriegen kaum nach­standen, voll­zogen sich daher nicht not­wendig entlang kon­fessioneller Grenzen sondern zwischen Netz­werken von Klöstern, die wiederum unter­schied­lichen Richtungen angehören konnten.

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