Eine Million Miniatur-Stupas

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Bernhard Scheid, „Eine Million Miniatur-Stupas.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 10.1.2012). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Geschichte:Nara/Miniaturstupas?oldid=30385
Hyakumanto.jpg

Miniatur-Stupas

Holz. Nara-Zeit, 8. Jh.; im Besitz des Hōryū-ji, Präfektur Nara; Höhe: 21,5 cm
Bildquelle: Tanaka Motomasa. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Im Inneren der Stupas befinden sich Papierzettel mit einem buddhistischen Text. Diese Zettel wurden mit einem einfachen Druckstempelverfahren hergestellt und gelten als die ältesten erhaltenen Druckwerke der Welt. Etwa 40.000 Exemplare befinden sich derzeit noch im Besitz des Hōryū-ji.

Die hier abgebildeten Miniatur-Stupas stellen ein Beispiel für die bud­dhis­tische Be­geiste­rung unter Kaiserin Shōtoku Kōken Tennō 孝謙天皇 japanische Kaiserin, 718–770. Regierte 749–58 und — unter dem Namen Shōtoku 称徳 — 764–770siehe auch Nara (nicht zu ver­wechseln mit Prinz Shōtoku!) und dem Mönch Dōkyō Dōkyō 道鏡 Nara-zeitl. Mönch (?–772); buddhistischer Staatsmannsiehe auch Nara dar. Angeblich wurden von diesen stupa स्तूप stūpa (skt., m.) „Hügel“, Grabmonument; jap. 塔 oder sotoba 卒塔婆siehe auch →  Stupa → Tempel/Pagoden→ Bekannte Schreine/Nikko→ Friedhof→ Friedhof/Gorinto→ Shaka/Buddhas Leben → mehr s eine Million (hyaku­man) ange­fertigt, wes­halb man sie auch als „Millionen Stupas“ (hyakuman tō hyakuman tō 百万塔 Miniatur-Stupas, wtl. Millionen-Stupassiehe auch Nara ) be­zeichnet. Anlass dieser frommen Massen­produk­tion war ein militärischer Sieg im Jahr 764, durch den es ge­lang, eine Rebellion inner­halb der Hof­aristo­kratie zu ver­eiteln. Dieser militärische Erfolg wurde von der siegreichen Kaiserin dem Bud­dhis­mus zugeschrieben.

In der Gegend von Nara sind heute noch einige dieser Stupas zu finden. Es sind ein­fache, etwa 21cm hohe Figuren, in deren Innerem sich Papier­streifen mit einer Gebets­formel (skt. dharani धारणी dhāraṇī (skt., f.) (magische) Gebetsformel, ähnlich wie, aber meist länger als Mantra; jap. darani 陀羅尼 oder jusiehe auch→ Sutra/Goldglanz Sutra ) be­finden. Die Gebets­formel ist einem Sutra ent­nommen, das diese Art religiöser Handlung — die Her­stellung von Miniatur-Stupas zum Zweck der Auf­be­wahrung von dharanis — explizit anpreist. Die Texte sollten dem­nach nicht ge­lesen werden, sondern wie eine Reliquie als Heilig­tum auf­be­wahrt werden.

Die Gebets­texte wurden mit Hilfe eines primitiven Druck­ver­fahrens ver­viel­fältigt. Es handelt sich nicht nur um die frühesten Druck­werke Japans, sondern auch welt­ge­schicht­lich um eines der frühesten Bei­spiele des Buch­drucks. Aller­dings deutet vieles darauf hin, dass ähn­liche Bei­spiele bud­dhis­tischen Staats­kults zu dieser Zeit auch in China und Korea praktiziert wurden.

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