Zen Buddhismus

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Bernhard Scheid, „Zen Buddhismus“ (Stand: 2013-01-19). In: ders. (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch (Universität Wien, seit 2001). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Geschichte:Zen?oldid=33056

Zen (Zen chin. Chan, wtl. Meditation; Zen Buddhismus ) wurde ebenso wie die meisten anderen Richtungen des japanischen Bud­dhis­mus aus China über­nommen, wo man ihn Chan nennt. Der Begriff selbst be­deutet im Grunde „Meditation“, und zwar genau ge­nommen dhyāna-Meditation, eine Methode, die auf die Er­langung be­sonderer Einsichten Wert legt. Diese Methode wurde und wird von vielen Buddhisten praktiziert, auch schon bevor sich Zen als eigene Richtung etablierte. Im Zen wird aber auf diese Methode be­sonderer Wert gelegt. Die Betonung der Meditation spiegelt sich auch in den Legenden, die sich um den Stamm­vater des Zen-Buddhismus, Bodhidharma, ranken.

Die legendäre Gestalt des Bodhidharma

Bodhidharma (बोधिधर्मBodhidharma (skt., m.)Legendärer Begründer des Zen-Buddhismus …mehr ⇒) (jap. Bodaidaruma oder schlicht Daruma (Daruma 達磨Spitzname des Mönchs Bodhidarma; Daruma-Puppe …mehr ⇒)) soll im Jahr 520 von Indien nach China ge­kommen sein, wo er allein durch sein phy­sisches Er­schei­nungs­bild Aufsehen erregte. Die Ikonographie des Zen zeichnet ihn jeden­falls als stark be­haartes, bärtiges Raubein mit her­vor­quel­lenden Augen, der stark an die Dar­stel­lungen von Wächtergottheiten oder oni (oni Dämon, „Teufel“; in sino-japanischer Aussprache (ki) ein allgemeiner Ausdruck für Geister …mehr ⇒) erinnert. Dieser unheimliche Mönch soll nun neun Jahre lang gegen eine Mauer ge­wandt im Meditations­sitz (zazen (zazen 座禅Meditationssitz )) ver­harrt haben, ohne sich durch Mitmönche, die sich ihm als Schüler andienten, aus der Ruhe bringen zu lassen. Erst Huike (Huike 慧可Chin. Chan Patriarch (487–593); ältere Umschrift: Hui k‘o ), der erste chinesische Chan-Patriarch, soll seine Auf­merk­sam­keit auf sich ge­lenkt haben, indem er sich selbst einen Arm abhackte. Bodhidharma wiederum soll sich die Augen­lider ab­ge­schnitten haben, um während der Meditation nicht ein­zu­schlafen. Außer dieser besonderen Neigung zur Meditation ist von Bodhidharma wenig bekannt, doch scheint es gerade seine Rätsel­haftig­keit zu sein, die ihn als Gründer­figur des Chan/Zen attraktiv machte.

In Japan weiß die Legende von Bodhidharma außerdem noch zu berichten, dass sich in­folge seiner Meditation seine Arme und Beine rück­gebildet hätten. Die japanische Volks­religion hat daraus schließlich die glücks­bringende Daruma-Puppe gemacht, ein Steh­auf­männchen, das nur aus Kopf und Rumpf besteht (s. dazu auch Glücksbringer).

Chinesische Chan-Patriarchen

rinzai.jpg

Linji (Rinzai)

Hängerollbild (Papier, Tusche), Detail. Muromachi-Zeit; 110,1 x 42,6 cm
Bildquelle: Freer Gallery. (Letzter Zugriff: 2011/8)

Der Zen-Patriarch Linji (jap. Rinzai) mit geballter Faust.

Linji, jap. Rinzai

Auf Bodhidharma folgte in China eine Reihe berühmter Patriarchen, die jeder ihren eigenen, individuellen Stil hatten, um ihre Schüler zur Er­leuch­tung zu führen. Besonders be­rühmt ist Meister Linji (Linji 臨濟 (chin.) — Chin. Chan Patriarch (?–866). Jap. Rinzai. ) (jap. Rinzai), der seine Schüler durch Stock­schläge und Schelt­schreie („katsu!“) zur Erleuchtung führte. Die Anekdoten dieser Patriarchen bilden so etwas wie den Kanon des Zen Buddhismus. In ihnen offen­bart sich ein im Zen funda­mentales Prinzip: Er­leuch­tung kann nicht durch Studium ver­mittelt werden, sondern nur durch un­mittel­bare Er­leuch­tungs­erfah­rung (jap. satori (satori 悟りErleuchtungserfahrung (bes. im Zen Buddhismus) )). Diese Erfahrung steht in voll­kommenen Gegen­satz zum All­tags­be­wusst­sein und über­kommt einen überfalls­artig. Um das All­tags­be­wusst­sein außer Kraft zu setzen, hat der Zen Bud­dhis­mus auch jene paradoxen „Zen-Rätsel“ (kōan (kōan 公案Koan, paradoxes Zen-Rätsel )) entwickelt, in die sich die Schüler während der Meditation ver­tiefen sollen. Die kōan mögen spiele­rischen Charakter haben. Zugleich drücken sie aber auch aus, dass die Suche nach der Er­leuch­tung nur dann erfolg­reich ist, wenn sie mit dem Ernst einer Ent­scheidung auf Leben und Tod ver­bunden ist. Daher auch das häufige Motiv der physi­schen Gewalt in den Zen-Geschich­ten. Daher auch ein mög­licher Appeal, den Zen für die japa­nische Krieger­klasse hatte.

Hinsichtlich seiner privilegierten Mittel, zur Erleuchtung zu gelangen, lässt sich Zen als das genaue Gegen­teil des Amidismus auffassen. Im Mittel­punkt steht die eigene An­stren­gung, das eigene Wollen, das ein absolutes Aus­maß erreichen muss: jiriki (jiriki 自力wtl. eigene Kraft; buddhistisches Konzept …mehr ⇒), nicht tariki (tariki 他力andere Kraft (helfende Kraft Amidas) …mehr ⇒). Die Be­herr­schung des eigenen Willens, die Selbst­disziplin schiebt sich dabei im Zen gegenüber dem Glauben in den Vor­der­grund. Was man glaubt, scheint oft gar nicht mehr von Be­deu­tung. Vor allem darf man sich durch den Gegen­stand seiner Glaubens­vereh­rung nicht von seinem Weg der Übung ab­bringen lassen. Ein be­rühmter kōan sagt sogar: „Wenn du den Buddha (बुद्धBuddha (skt., m.)„Der Erleuchtete“ …mehr ⇒) triffst, töte den Buddha!“

Zen in Japan

In der Kamakura (Kamakura 鎌倉Stadt im Süden der Kantō Ebene, Sitz des Minamoto Shogunats 1185–1333 (= Kamakura-Zeit) …mehr ⇒)-Zeit entwickelten sich zwei Haupt­strö­mungen des japanischen Zen, Sōtō-shū (Sōtō-shū 曹洞宗Schule des → Zen-Buddhismus ) und Rinzai-shū (Rinzai-shū 臨濟宗Rinzai-Schule des jap. Zen Buddhismus ). Sōtō Zen war ur­sprüng­lich die asketischere und strengere Richtung. Ihr Begründer, Dōgen Kigen (Dōgen Kigen 道元希玄Begründer des Sōtō Zen (1200–1253). Auch Eihei Dōgen. ) (1200–1253), ist heute der viel­leicht be­kannteste Ver­treter des japanischen Zen überhaupt. Dōgen war je­doch zu seinen Leb­zeiten nicht mehr als der Abt eines sek­tie­rerischen Klosters in einer ab­ge­legenen Provinz. Auch unter seinen Nach­folgern blieb Sōtō Zen weit hinter der Be­deu­tung von Rinzai Zen zurück und ver­breitete sich vor allem in ländlichen Gebieten.

Die Rinzai-Schule erfuhr hingegen eine massive Förde­rung durch das neu ge­gründete Shogunat in Kamakura. Die historische Rolle des Zen ist daher eng mit der Etablierung einer neuen Herr­schafts­ordnung durch den Krieger­adel in der Kamakura Zeit verknüpft.

Gozan-Klöster in Kamakura

Als buddhistischer Orden wurde Zen in Japan durch Myōan Eisai (Myōan Eisai 明菴榮西Zen-Möch, 1141–1215; Begründer des jap. → Rinzai Zen. Auch Yōsai. ) (oder Yōsai (Yōsai 榮西→ Myōan Eisai ), 1141–1215) be­gründet, nach­dem er selbst in China in den Chan-Orden ein­ge­weiht worden war. Eisai verdankte die rasche Akzeptanz seiner neuen Richtung zum einen der Tatsache, dass man von chinesischen Chan Meistern wusste, aber noch nie­mand vor ihm in den Besitz einer formalen Weiter­gabe­be­rechtigung ge­kommen war. Zum anderen kooperierte Eisai eng mit den etablierten japanischen Schulen, vor allem mit der Shingon-shū (Shingon-shū 真言宗Shingon Schule, wtl. Schule des Wahren Wortes …mehr ⇒), und be­stand nicht auf einer puristischen, kom­pro­miss­losen Linie, wie sie für den Sōtō Zen charakte­ristisch werden sollte (Dōgen kritisiert die gleiche Kom­pro­miss­bereit­schaft bereits bei den Linji-Kollegen in China). Anderer­seits hatte auch Eisai mit Gegnern, vor allem inner­halb der Tendai (Tendai-shū 天台宗Tendai Schule, chin. Tiantai …mehr ⇒) Schule zu kämpfen. Das führte dazu, dass er Kyoto verließ und im neu er­richteten Shogunat von Kamakura einen wichtigen Gönner fand. Das Shogunat unter­stützte Eisai dabei, ein Kloster­system, wie es bereits im chinesischen Chan bestand, zu er­richten. Dieses bestand aus fünf Haupt­tempeln und wurde dem­ent­sprechend gozan (gozan 五山wtl. „Fünf Berge“; Kloster­organisation des Zen Buddhismus …mehr ⇒) (Fünf Berge) System genannt. Mit der Er­richtung dieser Klöster erhielt Eisais Richtung (Rinzai Zen) in Kamakura eine ähnliche Funktion, wie sie Tendai, Shingon und die Nara Schulen für den Kaiserhof in Kyoto hatten.

Es ist fraglich, ob diese Förderung der neuen bud­dhis­tischen Richtung wirklich aufgrund einer be­sonderen Affinität zwischen der Strenge des Zen und dem Ethos der Krieger erfolgte, wie häufig be­hauptet wird. Eher scheint es der historischen Koinzidenz von der Gründung des Kamakura-Shogunats (1185) und der Ein­führung einer neuen bud­dhis­tischen Lehre zu­zu­schreiben, dass die noch nicht vom Hof „besetzte“ Richtung des Zen nun von den Minamoto Shogunen favorisiert wurde.

Zen unter den Ashikaga Shogunen

Das Kamakura Shogunat wurde bekanntlich von der Dynastie der Ashikaga ver­drängt, die das politische Zentrum Japans 1336 wieder nach Kyoto ver­legte. Damit ver­lagerte sich auch der Schwer­punkt der gozan-Klöster in die alte Kaiser­stadt, wo ein neues Set von „Fünf Bergen“ entstand. Die Regierungs­zeit der Ashikaga Shogune (Muromachi (Muromachi 鎌倉Stadtteil in Kyoto; Sitz des Ashikaga Shogunats; 1333–1573 (= Muromachi-Zeit) …mehr ⇒)-Zeit 1333–1573) gilt die Blütezeit der gozan-Kloster­kultur. Tusch­malerei und Tee-Kultur bildeten zu­sammen mit chinesischer und japanischer Dichtung die wichtigsten Künste, die in den Klöstern ge­pflegt und mit dem Adel ge­teilt wurden. Zen-Mönche, die nicht das Privileg hatten, Mit­glieder der „Fünf Berge“ zu sein, waren jedoch von dieser Kultur weit­gehend aus­ge­schlossen und geißelten ihre Mit­brüder, sich ganz in welt­lichen Ver­irrungen verloren zu haben. Für sie war Zen keineswegs gleichbedeutend mit Tee, Kalligraphie und Dichtung.

In der künstlerisch überhöhten gozan Kultur zur Zeit der Ashikaga stellte im übrigen China das große Vorbild dar. Da in den gozan Klöstern die chinesischen Chan-Patriarchen und ihre Texte einen hohen Stellen­wert hatten, waren Zen-Mönche die besten „Sinologen“ der damaligen Zeit und vor allem in dieser Funktion waren sie für die Kultur der Elite wichtig. Das führte unter anderem dazu, dass auch nicht-buddhistische Denk­traditionen des Kon­fuzianis­mus und Taoismus gerade in Zen-Klöstern gepflegt wurden. Es ist daher auch kein Wunder, dass die Neo-Konfuzianer der frühen Edo (Edo 江戸Sitz der Tokugawa Shogune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tokyo …mehr ⇒)-Zeit (17. Jh.) wie Fujiwara Seika oder Hayashi Razan (Hayashi Razan 林羅山Neo-Konfuzianischer Gelehrter, 1583–1657 …mehr ⇒) ausgebildete Zen-Mönche waren. Es ist also not­wendig, die Ent­wick­lung des Zen in Japan historisch differenziert zu be­trach­ten und zu be­denken, dass nicht alles, was unter Be­teiligung von Zen Mönchen in Japan ent­stand, zwangsläufig Zen ist.

Die geschichtliche Rolle des Zen

Es gehört zu den von der japanischen Geschichtstradition selbst ge­schaf­fenen Mythen, dass alle so­ge­nannten „Krieger“ (bushi, samurai) vom Shōgun bis zum letzten kleinen Vasall Träger einer ge­mein­samen Krieger-Kultur waren, die im Kern vom Zen ge­prägt war. Tat­säch­lich war aber Krieger nicht gleich Krieger, Samurai nicht gleich Samurai. Zen war vor allem eine Religion der Krieger­elite, die sich zu­gleich an der Kultur des Hofes orientierte. Ab­kömmlinge des so­ge­nannten „Schwertadels“ (buke) und des alten Hofadels (kuge) bildeten während der Ashikaga Herr­schaft zusammen die Kultur der Haupt­stadt und ließen sich dabei ge­mein­sam von Zen-Mönchen in exotischen Ver­gnügen wie dem Tee­trinken beraten. In den Provinzen schlossen sich Krieger und Bauern dagegen zu rebellischen Gruppen zu­sammen, die als Ikkō-shū (Ikkō-shū 一向宗Ikkō Sekte, eine Fraktion des Buddhismus vom Reinen Land (→ Jōdo-shū) …mehr ⇒) bekannt wurden. Sie stellen die Vor­läufer des heute noch weit ver­breiteten Jōdo Shinshū (Jōdo Shinshū 浄土真宗Shin-Buddhismus, bzw. Jōdo Shin-Buddhismus; wtl. „Wahre Schule des Reinen Landes“ …mehr ⇒) Buddhismus dar (s. dazu Amidismus). Die nieder­rangigen Kämpfer in den Provinzen waren also eher für die Lehren des Reinen Landes (jōdo (jōdo 浄土Reines Land …mehr ⇒)) empfänglich. Zwischen ihnen und der gozan-Kultur in Kyoto herrschte wohl eine ähn­liche Kluft, wie zwischen Kriegern und Hof­adeligen zur Zeit des Genji monogatari.

Gab es also überhaupt einen Unterschied zwischen Zen Mönchen und den Angehörigen anderer bud­dhis­tischer Richtungen? Einen guten Ein­blick gibt hier die Ge­schichten­sammlung Shasekishū (Shasekishū 沙石集Sammlung buddhistischer Erzählungen und Anekdoten, 1283 verfasst von → Mujū Ichien ), deren Autor, Mujū Ichien (Mujū Ichien 無住一円Mönch und Schriftsteller, 1226–1312 ) (1226–1312), selbst dem Zen nahe stand. Seine Be­wunderung für die neue Richtung äußert sich bei­spiels­weise in der Art, wie er über den Tod damals berühmter Zen Meister be­richtet. Sie sollen nicht nur jeweils ein Todes­gedicht im chinesischen Stil ge­dichtet haben, das sie vor ihrem Ab­leben rezitierten, sie waren auch in der Lage, den Zeit­punkt ihres Todes vor­her­zu­sagen und ver­schieden dann in auf­rechter Meditations­haltung. Mujū be­richtet mit ähnlicher An­er­kennung aber auch von Amida Buddhisten, die bis zu ihrem Tod un­ver­wandt das nenbutsu (nenbutsu 念仏Anrufung des Namens von Buddha Amida, Gebetsformel der Amida-Anhänger …mehr ⇒) rezitierten. Mujū selbst hat sicher sowohl von Zen- als auch von Jōdo-Techniken Gebrauch ge­macht. Er zeigt Be­wunde­rung für eine Art von kon­sequenter Strenge im Lebens­stil der Zen-Mönche, die anderen Buddhisten seiner Zeit oft ab­handen ge­kommen war, er ver­rät aber gleich­zeitig, dass sie sehr wohl auch mit den etablierten Schulen (Tendai (Tendai-shū 天台宗Tendai Schule, chin. Tiantai …mehr ⇒) und Shingon (Shingon-shū 真言宗Shingon Schule, wtl. Schule des Wahren Wortes …mehr ⇒)) kooperierten, bzw. deren Praktiken in ihre eigene Liturgie integrierten. In dieser Hinsicht war Zen wahr­schein­lich weniger radikal als einzelne Vertreter des Amidismus oder des Nichiren (Nichiren-shū 日蓮宗Nichiren Schule …mehr ⇒) Buddhismus, die funda­men­ta­listische Positionen vertraten und sich nicht in das Paradigma des Pluralismus, das vom Main­stream-Buddhismus vertreten wurde, einordnen ließen.

Spätere Entwicklungen

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Ikkyū Sōjun

Hängerollbild (Papier, Tusche, Farbe) von Bokusai, Detail. Muromachi-Zeit, 15. Jh.; Tokyo National Museum; 43,7 x 26,1 cm
Bild © e-Museum. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Der Dichter und Mönch Ikkyū Sōjun (1394–1481) zählt zu den bekanntesten und exzentrischsten Figuren des japanischen Zen. Aus seiner Zeit (Muromachi-Zeit) existieren zahlreiche Portraits von hochrangigen Mönchen, viele davon äußerst realistisch. Dennoch ist dieses Bild dank seines lebendigen und zugleich bekümmerten Ausdrucks außergewöhnlich. Es spiegelt eine Art von Weltschmerz wider, die auch in Ikkyūs Lyrik zu finden ist.

Ikkyū
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Ein Bild vom Leben der Zen Mönche im späten Mittel­alter gibt der exzentrische Dichter-Mönch Ikkyū Sōjun (Ikkyū Sōjun 一休宗純(1394–1481) Zen Mönch und Dichter ) (1394–1481), der unter anderem für seine erotische Liebes­lyrik be­kannt ist. Bei ihm ist zu er­kennen, wie die rätsel­hafte Strenge, für die die alten Patriarchen be­kannt sind, im Denken der Zen-Mönche immer wieder auf­scheint. In der Praxis be­weist jedoch Ikkyūs eigener Lebens­wandel, dass von dieser Strenge wohl im allgemeinen nicht viel zu spüren war.

In der frühen Edo-Zeit kam es zur Gründung der dritten Haupt­richtung des japanischen Zen, der Ōbaku-shū (Ōbaku-shū 黄檗宗Dritte Hauptrichtung des jap. Zen ), durch den chinesischen Mönch Yinyuan Longqi (Yinyuan Longqi 隱元隆琦 (chin.) — jap. Ingen Ryūki, Begründer des → Ōbaku-Zen, 1592–1673 ) (1592–1673). Die Richtung ist nach einem chinesischen Kloster be­nannt und gilt als noch eklektizistischer als die beiden anderen Haupt­richtungen, Rinzai-shū und Sōtō-shū.

Auch innerhalb des Rinzai Zen kam es zu Reformen, u.a. durch Hakuin Ekaku (Hakuin Ekaku 白隠 慧鶴Zen Mönch und Künstler, 1685–1768 ) (1685–1768), der mit seinen humor­vollen Tusch­zeich­nungen ein eigenes Genre der „Zen-Malerei“ (zenga (zenga 禅画Zen-Tuschebild …mehr ⇒)) be­gründete. Er schuf aber auch eine Reihe von schriftlichen Werken in ähnlich un­mittel­bar-persönlichem Stil.

Zen und der Westen

Zen bietet historisch betrachtet ein sehr wider­sprüch­liches Bild und ist auch als Religion die am schwierigsten zu klas­sifi­zie­rende Strömung des ja­pa­nischen Bud­dhis­mus. Zweifel­los liegt aber gerade darin seine be­sondere An­ziehungs­kraft im Westen. Zen ist viel­leicht eben­so aus dem Taoismus zu erklären, wie aus dem Bud­dhis­mus, und ist daher auch Anhängern anderer Religionen zu­gäng­licher als jene Varianten des ja­pa­nischen Bud­dhis­mus, die stärker an konkrete Bilder und Vor­stel­lungen gebunden sind. Daher finden selbst Christen keine allzu großen Schwierig­keiten, Zen mit Jesus in Ein­klang zu bringen. Besonders um die Mitte des zwanzigsten Jahr­hunderts hat sich ein Nahe­ver­hältnis zwischen dem Jesuiten­orden und der japanischen Zen Sekte entwickelt, aus dem sich ein Bild des Zen ent­wickelte, das die Zen Be­geisterung der westlichen Welt ent­scheidend prägte. In diese Zeit fiel auch die Ab­fassung von Eugen Herrigels Zen und die Kunst des Bogenschießens (1948), das bis heute den Mythos vom todes­ver­achtenden Zen-Mönch bzw. vom Zen-inspirierten Samurai mit beeinflusst. (S. dazu auch Stereotype Ansichten über Religion in Japan.)

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