Zen Buddhismus
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Bodhidaruma
- Kawanabe Kyosai (1831-1889)
Bildquelle: Hatena Fotolife. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Etsuko and Joe Price Collection
Zen (Zen 禅 — chin. Chan, wtl. Meditation; Zen Buddhismus ) wurde ebenso wie die meisten anderen Richtungen des japanischen Buddhismus aus China übernommen, wo man ihn Chan nennt. Der Begriff selbst bedeutet im Grunde „Meditation“, und zwar genau genommen dhyāna-Meditation, eine Methode, die auf die Erlangung besonderer Einsichten Wert legt. Diese Methode wurde und wird von vielen Buddhisten praktiziert, auch schon bevor sich Zen als eigene Richtung etablierte. Im Zen wird aber auf diese Methode besonderer Wert gelegt. Die Betonung der Meditation spiegelt sich auch in den Legenden, die sich um den Stammvater des Zen-Buddhismus, Bodhidharma, ranken.
Die legendäre Gestalt des Bodhidharma
Bodhidharma (बोधिधर्मBodhidharma (skt., m.) — Legendärer Begründer des Zen-Buddhismus …mehr ⇒) (jap. Bodaidaruma oder schlicht Daruma (Daruma 達磨 — Spitzname des Mönchs Bodhidarma; Daruma-Puppe …mehr ⇒)) soll im Jahr 520 von Indien nach China gekommen sein, wo er allein durch sein physisches Erscheinungsbild Aufsehen erregte. Die Ikonographie des Zen zeichnet ihn jedenfalls als stark behaartes, bärtiges Raubein mit hervorquellenden Augen, der stark an die Darstellungen von Wächtergottheiten oder oni (oni 鬼 — Dämon, „Teufel“; in sino-japanischer Aussprache (ki) ein allgemeiner Ausdruck für Geister …mehr ⇒) erinnert. Dieser unheimliche Mönch soll nun neun Jahre lang gegen eine Mauer gewandt im Meditationssitz (zazen (zazen 座禅 — Meditationssitz )) verharrt haben, ohne sich durch Mitmönche, die sich ihm als Schüler andienten, aus der Ruhe bringen zu lassen. Erst Huike (Huike 慧可 — Chin. Chan Patriarch (487–593); ältere Umschrift: Hui k‘o ), der erste chinesische Chan-Patriarch, soll seine Aufmerksamkeit auf sich gelenkt haben, indem er sich selbst einen Arm abhackte. Bodhidharma wiederum soll sich die Augenlider abgeschnitten haben, um während der Meditation nicht einzuschlafen. Außer dieser besonderen Neigung zur Meditation ist von Bodhidharma wenig bekannt, doch scheint es gerade seine Rätselhaftigkeit zu sein, die ihn als Gründerfigur des Chan/Zen attraktiv machte.
In Japan weiß die Legende von Bodhidharma außerdem noch zu berichten, dass sich infolge seiner Meditation seine Arme und Beine rückgebildet hätten. Die japanische Volksreligion hat daraus schließlich die glücksbringende Daruma-Puppe gemacht, ein Stehaufmännchen, das nur aus Kopf und Rumpf besteht (s. dazu auch Glücksbringer).
Chinesische Chan-Patriarchen
Linji (Rinzai)
- Hängerollbild (Papier, Tusche), Detail. Muromachi-Zeit; 110,1 x 42,6 cm
Bildquelle: Freer Gallery. (Letzter Zugriff: 2011/8)
Der Zen-Patriarch Linji (jap. Rinzai) mit geballter Faust.
Auf Bodhidharma folgte in China eine Reihe berühmter Patriarchen, die jeder ihren eigenen, individuellen Stil hatten, um ihre Schüler zur Erleuchtung zu führen. Besonders berühmt ist Meister Linji (Linji 臨濟 (chin.) — Chin. Chan Patriarch (?–866). Jap. Rinzai. ) (jap. Rinzai), der seine Schüler durch Stockschläge und Scheltschreie („katsu!“) zur Erleuchtung führte. Die Anekdoten dieser Patriarchen bilden so etwas wie den Kanon des Zen Buddhismus. In ihnen offenbart sich ein im Zen fundamentales Prinzip: Erleuchtung kann nicht durch Studium vermittelt werden, sondern nur durch unmittelbare Erleuchtungserfahrung (jap. satori (satori 悟り — Erleuchtungserfahrung (bes. im Zen Buddhismus) )). Diese Erfahrung steht in vollkommenen Gegensatz zum Alltagsbewusstsein und überkommt einen überfallsartig. Um das Alltagsbewusstsein außer Kraft zu setzen, hat der Zen Buddhismus auch jene paradoxen „Zen-Rätsel“ (kōan (kōan 公案 — Koan, paradoxes Zen-Rätsel )) entwickelt, in die sich die Schüler während der Meditation vertiefen sollen. Die kōan mögen spielerischen Charakter haben. Zugleich drücken sie aber auch aus, dass die Suche nach der Erleuchtung nur dann erfolgreich ist, wenn sie mit dem Ernst einer Entscheidung auf Leben und Tod verbunden ist. Daher auch das häufige Motiv der physischen Gewalt in den Zen-Geschichten. Daher auch ein möglicher Appeal, den Zen für die japanische Kriegerklasse hatte.
Hinsichtlich seiner privilegierten Mittel, zur Erleuchtung zu gelangen, lässt sich Zen als das genaue Gegenteil des Amidismus auffassen. Im Mittelpunkt steht die eigene Anstrengung, das eigene Wollen, das ein absolutes Ausmaß erreichen muss: jiriki (jiriki 自力 — wtl. eigene Kraft; buddhistisches Konzept …mehr ⇒), nicht tariki (tariki 他力 — andere Kraft (helfende Kraft Amidas) …mehr ⇒). Die Beherrschung des eigenen Willens, die Selbstdisziplin schiebt sich dabei im Zen gegenüber dem Glauben in den Vordergrund. Was man glaubt, scheint oft gar nicht mehr von Bedeutung. Vor allem darf man sich durch den Gegenstand seiner Glaubensverehrung nicht von seinem Weg der Übung abbringen lassen. Ein berühmter kōan sagt sogar: „Wenn du den Buddha (बुद्धBuddha (skt., m.) — „Der Erleuchtete“ …mehr ⇒) triffst, töte den Buddha!“
Zen in Japan
Zenmeister Eisai
Eisai ist der Begründer des japanischen Zen, und Abt des Kennin-ji, in der Hand den Stock Linjis. Man beachte, dass Eisai zwar nach chinesischer Manier auf einem erhöhten Stuhl sitzt,die Schuhe aber ausgezogen und die Beine überkreuzt hat. Diese Sitzweise ist auch auf vielen anderen Mönchportraits zu beobachten.
In der Kamakura (Kamakura 鎌倉 — Stadt im Süden der Kantō Ebene, Sitz des Minamoto Shogunats 1185–1333 (= Kamakura-Zeit) …mehr ⇒)-Zeit entwickelten sich zwei Hauptströmungen des japanischen Zen, Sōtō-shū (Sōtō-shū 曹洞宗 — Schule des → Zen-Buddhismus ) und Rinzai-shū (Rinzai-shū 臨濟宗 — Rinzai-Schule des jap. Zen Buddhismus ). Sōtō Zen war ursprünglich die asketischere und strengere Richtung. Ihr Begründer, Dōgen Kigen (Dōgen Kigen 道元希玄 — Begründer des Sōtō Zen (1200–1253). Auch Eihei Dōgen. ) (1200–1253), ist heute der vielleicht bekannteste Vertreter des japanischen Zen überhaupt. Dōgen war jedoch zu seinen Lebzeiten nicht mehr als der Abt eines sektiererischen Klosters in einer abgelegenen Provinz. Auch unter seinen Nachfolgern blieb Sōtō Zen weit hinter der Bedeutung von Rinzai Zen zurück und verbreitete sich vor allem in ländlichen Gebieten.
Die Rinzai-Schule erfuhr hingegen eine massive Förderung durch das neu gegründete Shogunat in Kamakura. Die historische Rolle des Zen ist daher eng mit der Etablierung einer neuen Herrschaftsordnung durch den Kriegeradel in der Kamakura Zeit verknüpft.
Gozan-Klöster in Kamakura
Als buddhistischer Orden wurde Zen in Japan durch Myōan Eisai (Myōan Eisai 明菴榮西 — Zen-Möch, 1141–1215; Begründer des jap. → Rinzai Zen. Auch Yōsai. ) (oder Yōsai (Yōsai 榮西 — → Myōan Eisai ), 1141–1215) begründet, nachdem er selbst in China in den Chan-Orden eingeweiht worden war. Eisai verdankte die rasche Akzeptanz seiner neuen Richtung zum einen der Tatsache, dass man von chinesischen Chan Meistern wusste, aber noch niemand vor ihm in den Besitz einer formalen Weitergabeberechtigung gekommen war. Zum anderen kooperierte Eisai eng mit den etablierten japanischen Schulen, vor allem mit der Shingon-shū (Shingon-shū 真言宗 — Shingon Schule, wtl. Schule des Wahren Wortes …mehr ⇒), und bestand nicht auf einer puristischen, kompromisslosen Linie, wie sie für den Sōtō Zen charakteristisch werden sollte (Dōgen kritisiert die gleiche Kompromissbereitschaft bereits bei den Linji-Kollegen in China). Andererseits hatte auch Eisai mit Gegnern, vor allem innerhalb der Tendai (Tendai-shū 天台宗 — Tendai Schule, chin. Tiantai …mehr ⇒) Schule zu kämpfen. Das führte dazu, dass er Kyoto verließ und im neu errichteten Shogunat von Kamakura einen wichtigen Gönner fand. Das Shogunat unterstützte Eisai dabei, ein Klostersystem, wie es bereits im chinesischen Chan bestand, zu errichten. Dieses bestand aus fünf Haupttempeln und wurde dementsprechend gozan (gozan 五山 — wtl. „Fünf Berge“; Klosterorganisation des Zen Buddhismus …mehr ⇒) (Fünf Berge) System genannt. Mit der Errichtung dieser Klöster erhielt Eisais Richtung (Rinzai Zen) in Kamakura eine ähnliche Funktion, wie sie Tendai, Shingon und die Nara Schulen für den Kaiserhof in Kyoto hatten.
Es ist fraglich, ob diese Förderung der neuen buddhistischen Richtung wirklich aufgrund einer besonderen Affinität zwischen der Strenge des Zen und dem Ethos der Krieger erfolgte, wie häufig behauptet wird. Eher scheint es der historischen Koinzidenz von der Gründung des Kamakura-Shogunats (1185) und der Einführung einer neuen buddhistischen Lehre zuzuschreiben, dass die noch nicht vom Hof „besetzte“ Richtung des Zen nun von den Minamoto Shogunen favorisiert wurde.
Zen unter den Ashikaga Shogunen
Ex-Shogun Ashikaga Yoshimitsu (1358-1408)
- Statue (Holz). Muromachi-Zeit; Shōkoku-ji, Kyoto
Bild © Shokokuji Treasures. (Letzter Zugriff: 2010/8)
Hier ist Yoshimitsu in der Tracht eines Zen-Abtes gekleidet. Yoshimitsu trat nach seinem Rücktritt vom Amt des Shoguns (1394) in den Laienmönchstand ein, dominierte aber weiterhin die Politk seiner Nachfolger. Er war auch ein besonderer Förderer des Noh-Theaters.
Goldener Pavillion (Kinkaku-ji)
- Tempel (Holz, vergoldet). Errichtet 1398, 1950 zerstört, 1955 wieder errichtet; im Besitz des Zen-Klosters Shōkoku-ji
Er ist das meist photographierte Bauwerk Kyotos. Ursprünglich als Teehaus für den Shōgun Ashikaga Yoshimitsu konzipiert, ging er später in den Besitz des Zen-Klosters Shōkoku-ji über.
Das Kamakura Shogunat wurde bekanntlich von der Dynastie der Ashikaga verdrängt, die das politische Zentrum Japans 1336 wieder nach Kyoto verlegte. Damit verlagerte sich auch der Schwerpunkt der gozan-Klöster in die alte Kaiserstadt, wo ein neues Set von „Fünf Bergen“ entstand. Die Regierungszeit der Ashikaga Shogune (Muromachi (Muromachi 鎌倉 — Stadtteil in Kyoto; Sitz des Ashikaga Shogunats; 1333–1573 (= Muromachi-Zeit) …mehr ⇒)-Zeit 1333–1573) gilt die Blütezeit der gozan-Klosterkultur. Tuschmalerei und Tee-Kultur bildeten zusammen mit chinesischer und japanischer Dichtung die wichtigsten Künste, die in den Klöstern gepflegt und mit dem Adel geteilt wurden. Zen-Mönche, die nicht das Privileg hatten, Mitglieder der „Fünf Berge“ zu sein, waren jedoch von dieser Kultur weitgehend ausgeschlossen und geißelten ihre Mitbrüder, sich ganz in weltlichen Verirrungen verloren zu haben. Für sie war Zen keineswegs gleichbedeutend mit Tee, Kalligraphie und Dichtung.
In der künstlerisch überhöhten gozan Kultur zur Zeit der Ashikaga stellte im übrigen China das große Vorbild dar. Da in den gozan Klöstern die chinesischen Chan-Patriarchen und ihre Texte einen hohen Stellenwert hatten, waren Zen-Mönche die besten „Sinologen“ der damaligen Zeit und vor allem in dieser Funktion waren sie für die Kultur der Elite wichtig. Das führte unter anderem dazu, dass auch nicht-buddhistische Denktraditionen des Konfuzianismus und Taoismus gerade in Zen-Klöstern gepflegt wurden. Es ist daher auch kein Wunder, dass die Neo-Konfuzianer der frühen Edo (Edo 江戸 — Sitz der Tokugawa Shogune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tokyo …mehr ⇒)-Zeit (17. Jh.) wie Fujiwara Seika oder Hayashi Razan (Hayashi Razan 林羅山 — Neo-Konfuzianischer Gelehrter, 1583–1657 …mehr ⇒) ausgebildete Zen-Mönche waren. Es ist also notwendig, die Entwicklung des Zen in Japan historisch differenziert zu betrachten und zu bedenken, dass nicht alles, was unter Beteiligung von Zen Mönchen in Japan entstand, zwangsläufig Zen ist.
Die geschichtliche Rolle des Zen
Es gehört zu den von der japanischen Geschichtstradition selbst geschaffenen Mythen, dass alle sogenannten „Krieger“ (bushi, samurai) vom Shōgun bis zum letzten kleinen Vasall Träger einer gemeinsamen Krieger-Kultur waren, die im Kern vom Zen geprägt war. Tatsächlich war aber Krieger nicht gleich Krieger, Samurai nicht gleich Samurai. Zen war vor allem eine Religion der Kriegerelite, die sich zugleich an der Kultur des Hofes orientierte. Abkömmlinge des sogenannten „Schwertadels“ (buke) und des alten Hofadels (kuge) bildeten während der Ashikaga Herrschaft zusammen die Kultur der Hauptstadt und ließen sich dabei gemeinsam von Zen-Mönchen in exotischen Vergnügen wie dem Teetrinken beraten. In den Provinzen schlossen sich Krieger und Bauern dagegen zu rebellischen Gruppen zusammen, die als Ikkō-shū (Ikkō-shū 一向宗 — Ikkō Sekte, eine Fraktion des Buddhismus vom Reinen Land (→ Jōdo-shū) …mehr ⇒) bekannt wurden. Sie stellen die Vorläufer des heute noch weit verbreiteten Jōdo Shinshū (Jōdo Shinshū 浄土真宗 — Shin-Buddhismus, bzw. Jōdo Shin-Buddhismus; wtl. „Wahre Schule des Reinen Landes“ …mehr ⇒) Buddhismus dar (s. dazu Amidismus). Die niederrangigen Kämpfer in den Provinzen waren also eher für die Lehren des Reinen Landes (jōdo (jōdo 浄土 — Reines Land …mehr ⇒)) empfänglich. Zwischen ihnen und der gozan-Kultur in Kyoto herrschte wohl eine ähnliche Kluft, wie zwischen Kriegern und Hofadeligen zur Zeit des Genji monogatari.
Gab es also überhaupt einen Unterschied zwischen Zen Mönchen und den Angehörigen anderer buddhistischer Richtungen? Einen guten Einblick gibt hier die Geschichtensammlung Shasekishū (Shasekishū 沙石集 — Sammlung buddhistischer Erzählungen und Anekdoten, 1283 verfasst von → Mujū Ichien ), deren Autor, Mujū Ichien (Mujū Ichien 無住一円 — Mönch und Schriftsteller, 1226–1312 ) (1226–1312), selbst dem Zen nahe stand. Seine Bewunderung für die neue Richtung äußert sich beispielsweise in der Art, wie er über den Tod damals berühmter Zen Meister berichtet. Sie sollen nicht nur jeweils ein Todesgedicht im chinesischen Stil gedichtet haben, das sie vor ihrem Ableben rezitierten, sie waren auch in der Lage, den Zeitpunkt ihres Todes vorherzusagen und verschieden dann in aufrechter Meditationshaltung. Mujū berichtet mit ähnlicher Anerkennung aber auch von Amida Buddhisten, die bis zu ihrem Tod unverwandt das nenbutsu (nenbutsu 念仏 — Anrufung des Namens von Buddha Amida, Gebetsformel der Amida-Anhänger …mehr ⇒) rezitierten. Mujū selbst hat sicher sowohl von Zen- als auch von Jōdo-Techniken Gebrauch gemacht. Er zeigt Bewunderung für eine Art von konsequenter Strenge im Lebensstil der Zen-Mönche, die anderen Buddhisten seiner Zeit oft abhanden gekommen war, er verrät aber gleichzeitig, dass sie sehr wohl auch mit den etablierten Schulen (Tendai (Tendai-shū 天台宗 — Tendai Schule, chin. Tiantai …mehr ⇒) und Shingon (Shingon-shū 真言宗 — Shingon Schule, wtl. Schule des Wahren Wortes …mehr ⇒)) kooperierten, bzw. deren Praktiken in ihre eigene Liturgie integrierten. In dieser Hinsicht war Zen wahrscheinlich weniger radikal als einzelne Vertreter des Amidismus oder des Nichiren (Nichiren-shū 日蓮宗 — Nichiren Schule …mehr ⇒) Buddhismus, die fundamentalistische Positionen vertraten und sich nicht in das Paradigma des Pluralismus, das vom Mainstream-Buddhismus vertreten wurde, einordnen ließen.
Spätere Entwicklungen
Selbstportrait Hakuins in der typischen Pose eines Zen-Abtes
- Bildquelle: Gabor Terebess. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Ikkyū Sōjun
- Hängerollbild (Papier, Tusche, Farbe) von Bokusai, Detail. Muromachi-Zeit, 15. Jh.; Tokyo National Museum; 43,7 x 26,1 cm
Bild © e-Museum. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Der Dichter und Mönch Ikkyū Sōjun (1394–1481) zählt zu den bekanntesten und exzentrischsten Figuren des japanischen Zen. Aus seiner Zeit (Muromachi-Zeit) existieren zahlreiche Portraits von hochrangigen Mönchen, viele davon äußerst realistisch. Dennoch ist dieses Bild dank seines lebendigen und zugleich bekümmerten Ausdrucks außergewöhnlich. Es spiegelt eine Art von Weltschmerz wider, die auch in Ikkyūs Lyrik zu finden ist.
Ein Bild vom Leben der Zen Mönche im späten Mittelalter gibt der exzentrische Dichter-Mönch Ikkyū Sōjun (Ikkyū Sōjun 一休宗純 — (1394–1481) Zen Mönch und Dichter ) (1394–1481), der unter anderem für seine erotische Liebeslyrik bekannt ist. Bei ihm ist zu erkennen, wie die rätselhafte Strenge, für die die alten Patriarchen bekannt sind, im Denken der Zen-Mönche immer wieder aufscheint. In der Praxis beweist jedoch Ikkyūs eigener Lebenswandel, dass von dieser Strenge wohl im allgemeinen nicht viel zu spüren war.
In der frühen Edo-Zeit kam es zur Gründung der dritten Hauptrichtung des japanischen Zen, der Ōbaku-shū (Ōbaku-shū 黄檗宗 — Dritte Hauptrichtung des jap. Zen ), durch den chinesischen Mönch Yinyuan Longqi (Yinyuan Longqi 隱元隆琦 (chin.) — jap. Ingen Ryūki, Begründer des → Ōbaku-Zen, 1592–1673 ) (1592–1673). Die Richtung ist nach einem chinesischen Kloster benannt und gilt als noch eklektizistischer als die beiden anderen Hauptrichtungen, Rinzai-shū und Sōtō-shū.
Auch innerhalb des Rinzai Zen kam es zu Reformen, u.a. durch Hakuin Ekaku (Hakuin Ekaku 白隠 慧鶴 — Zen Mönch und Künstler, 1685–1768 ) (1685–1768), der mit seinen humorvollen Tuschzeichnungen ein eigenes Genre der „Zen-Malerei“ (zenga (zenga 禅画 — Zen-Tuschebild …mehr ⇒)) begründete. Er schuf aber auch eine Reihe von schriftlichen Werken in ähnlich unmittelbar-persönlichem Stil.
Zen und der Westen
Awa Kenzō, Eugen Herrigels Bogenschießmeister
- Bildquelle: Oslo Kyūdō Kyōkai. (Letzter Zugriff: 2006/2)
Zen bietet historisch betrachtet ein sehr widersprüchliches Bild und ist auch als Religion die am schwierigsten zu klassifizierende Strömung des japanischen Buddhismus. Zweifellos liegt aber gerade darin seine besondere Anziehungskraft im Westen. Zen ist vielleicht ebenso aus dem Taoismus zu erklären, wie aus dem Buddhismus, und ist daher auch Anhängern anderer Religionen zugänglicher als jene Varianten des japanischen Buddhismus, die stärker an konkrete Bilder und Vorstellungen gebunden sind. Daher finden selbst Christen keine allzu großen Schwierigkeiten, Zen mit Jesus in Einklang zu bringen. Besonders um die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts hat sich ein Naheverhältnis zwischen dem Jesuitenorden und der japanischen Zen Sekte entwickelt, aus dem sich ein Bild des Zen entwickelte, das die Zen Begeisterung der westlichen Welt entscheidend prägte. In diese Zeit fiel auch die Abfassung von Eugen Herrigels Zen und die Kunst des Bogenschießens (1948), das bis heute den Mythos vom todesverachtenden Zen-Mönch bzw. vom Zen-inspirierten Samurai mit beeinflusst. (S. dazu auch Stereotype Ansichten über Religion in Japan.)
Weiterführende Informationen
Über Zen findet sich im Netz massenweise Information in westlichen Sprachen. Zur Orientierung empfiehlt sich:
- Zen Buddhism WWW Virtual Library (en.)
Ausführliche Linksammlung zum Thema Zen.
Zen aus philosophischer Sicht:
- Japanese Zen Buddhist Philosophy, Shigenori Nagatomo (en.)
Eintrag in der Stanford Encyclopedia of Philosophy.
Literatur:
- William Bodiford 1993
Sōtō Zen in Medieval Japan. Honolulu: University of Hawaii Press.
Bodiford gilt als führender westlicher Experte der institutionellen Geschichte des Zen in Japan.
- Bernard Faure 1993
Chan Insights and Oversights: An Epistemological Critique of the Chan Tradition. Princeton: Princeton University Press.
Entmythologisierende Studie des chinesischen und japanischen Zen, bzw. Chan Buddhismus.
- Heinrich Dumoulin 1985
Geschichte des Zen-Buddhismus, Band I: Indien und China. Bern: Francke.
- Heinrich Dumoulin 1986
Geschichte des Zen-Buddhismus, Band II: Japan. Bern: Francke.
Dumoulin gilt auch im englischen Sprachraum als exzellenter Kenner sowohl der japanischen als auch der chinesischen Geschichte des Zen. Seine Sicht ist jedoch nicht ganz unbeeinflusst von seinem Bemühen, Zen und Christentum einander anzunähern. Dumoulin war Jesuitenpater und Missionar.
- Daisetz Teitaro Suzuki 1957
Zen und die Kultur Japans. Hamburg: Rowohlt. [1. Fassung erschien bereits 1938 auf Englisch und 1941 auf Deutsch.]
Daisetz T. Suzuki (Suzuki Daisetsu 鈴木大拙 — jap. Zen-Autor, 1870–1966. Bekannt als Daisetz T. Suzuki ) ist der vielleicht berühmteste Zen-Autor des 20. Jahrhunderts und verantwortlich für viele moderne Mythen, die rund um Zen entstanden sind. Dank seiner populären Schriften sind chinesische Chan-Mönche wie Linzi oder Chan-Klassiker wie das Wumenguan (Wumenguan 無門関 (chin.) — Klassiker des chin. Chan (Zen) von Wumen Huikai, 13. Jh.; jap. Mumonkan, „Die torlose Schranke“ ) im Westen unter der japanischen Aussprache „Rinzai“ und „Mumonkan“ viel besser bekannt.Letzte Überprüfung der Linkadressen: Aug. 2010
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