Bodhidharma, der erste Patriarch des Zen

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Bernhard Scheid, „Bodhidharma, der erste Patriarch des Zen.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 4.6.2014). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Geschichte:Zen/Bodhidharma?oldid=36487
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Bodhidharma meditiert in einer Höhle

Malerei (Seide, Farbe) von Mushō Jōshō (1234-1306). Kamakura-Zeit; 107,5 x 54,5 cm
Bild © Jotenkaku Museum. (Letzter Zugriff: 2011/7)

In der oberen Hälfte befindet sich ein Gedicht.

Bodhidharma meditiert in einer Höhle
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Huike schneidet seinen Arm ab (Eka danpi zu)

Hängerollbild (Tusche auf Papier) von Sesshū Tōyō (1420–1506). 1496; „Nationalschatz“; im Besitz des Tempels Sainen-ji, Aichi-ken; 199,9 × 113,6 cm
Bild © Kyoto National Museum. (Letzter Zugriff: 2011/9)

Der spätere Zen-Patriarch Huike bietet Bodhidharma seinen abgehackten Arm als Zeichen seiner Ernsthaftigkeit dar.

Huike opfert Bodhidharma seinen Arm

Bodhidharma बोधिधर्म Bodhidharma (skt., m.) Legendärer Begründer des Zen-Buddhismus; jap. Daruma 達磨 oder Bodaidaruma 菩提達磨siehe auch→ Zen→ Heilige/16 Rakan (jap. Daruma Daruma 達磨 Spitzname des Mönchs Bodhidarma; Daruma-Puppesiehe auch Gluecksbringer → Zen ), der legenden­um­wobene Gründer des Chan Chan (chin.)jap. Zen, wtl. Meditation; chin. Bez. des Zen Buddhismussiehe auch Zen → Stereotype→ Heilige/16 Rakan bzw. Zen Zen chin. Chan, wtl. Meditation; Zen Buddhismussiehe auch Zen → Buddhismus Lehre→ Stereotype→ Stereotype/Herrigels Zen→ Tempel/Tempeltore→ Bekannte Schreine/Fushimi → mehr… Buddhismus, ist ein beliebtes ikono­gra­phisches Motiv. In den klassi­schen Darstel­lungen wird vor allem seine asketische Strenge und seine Aus­dauer bei der Medi­tation hervor­gehoben.

Dabei fallen einige ausge­sprochen grausame Details ins Auge: So soll der spätere Nach­folger Bodhi­dharmas, Huike Huike 慧可 Chin. Chan Patriarch (487–593); ältere Umschrift: Hui k‘osiehe auch Zen , erst da­durch, dass er sich den Arm ab­hackte, als Schüler Bodhi­dharmas ak­zep­tiert worden sein. Bodhi­dharma selbst soll sich seine Augen­lider aus­ge­rissen haben, um vor dem Ein­schlafen wäh­rend der Medi­ta­tion ge­feit zu sein — in der Bodhi­dharma Ikono­graphie durch hervor­quel­lende Augen verdeut­licht. Die Le­gende hat immer­hin einen ver­söhn­lichen Ausgang: Aus den aus­geris­senen Lidern sollen die ersten Tee­pflan­zen hervor gewach­sen sein, die eben­falls den Zweck er­füllen, das Ein­schla­fen wäh­rend der Medi­tation zu verhindern.

All dies beruht auf dürren historischen Fakten, denen zufolge Bodhidharma Anfang des sechsten Jahrhunderts von Inden nach China kam, sich dort mit dem durchaus buddhismusfreundlichen Kaiser überwarf und letztendlich in der Region des Berges Song, einem der heiligen Berge Chinas, Exil fand. Hier befindet sich auch das berühmte Kloster Shaolin, wo Bodhidharma im Jahr 527 den buddhistisch-chinesischen Kampfsport begründet haben soll. Während das Kloster bis heute für seine Kampf­künste („Kung-fu“) bekannt ist, verlagerte sich der Haupt­strang der chine­sischen Chan-Tradition aller­dings in andere Klöster.

Die Biographie Bodhidharmas reicherte sich bald mit allerlei Legenden an. So soll er — gleich Buddha बुद्ध Buddha (skt., m.) „Der Erleuchtete“; jap. butsu (hotoke) 仏 oder Budda 仏陀siehe auch →  Shaka → Buddhismus→ Buddhismus Lehre→ Bekannte Tempel→ Tempel→ Ikonographie → mehr… — als Prinz geboren worden sein; auf seiner Flucht überquerte er den Yangtse Fluss auf einem Schilfhalm, und als er schließlich von übelwollenden Gegnern vergiftet wurde — wieder eine Analogie zu Buddha — täuschte er seinen Tod lediglich vor. Daher fand man in seinem leeren Grab nur einen Schuh, den er als „Beweis“ seiner Auferstehung zurückgelassen hatte.

Vom Asketen zum Glücksgott

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Daruma-Portrait

Malerei (Papier, Farbe) von Sensho
Bild © Waseda Library. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Brustbild des Daruma (Hanshin Daruma)

Hängerollbild (Papier, Tusche) von Sōami? (1485?-1525). Muromachi-Zeit, 16. Jh.; 76,8 x 38,9 cm
Bild © The British Museum. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Daruma-Portrait

Soga Shohaku (1730-1781)
Bild © Muian. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Bodhidaruma

Kawanabe Kyosai (1831-1889)
Bildquelle: Hatena Fotolife. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Etsuko and Joe Price Collection
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Daruma

Hängerollbild (Papier, Tusche) von Hakuin (1686–1768). Edo-Zeit; Manpuku-ji, Ōita-ken

Daruma in der typischen, karikaturhaften Darstellung des Zen-Meisters Hakuin.

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Daruma-Portrait

Malerei von Katsushika Hokusai (1760-1849)
Bild © Muian. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Entwurf für ein Riesenbild von 11x18m, das Hokusai 1817 in Nagoya als Werbeaktion für seine Hokusai Manga anfertigte.

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Selbstportrait als Daruma

Buchillustration (Papier, Farbe) von Utagawa Kuniyoshi (1797–1861); aus Ansei kenmonshi (Reportage des Ansei [Erdbebens]), 1856
Bild © Waseda University Library. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Dieses Bild ziert das Deckblatt einer illustrierten Reportage über das Große Erdbeben in Edo, 1855 (Ansei 2). Kuniyoshi hat diesem Daruma nicht nur seine eigenen Gesichtszüge verliehen, er versetzt ihn auch aus seiner Höhle in ein von vom Erdbeben zerstörtes Haus. Außerdem erkennt man im Mönchsgewand ein Gesicht mit weit aufgerissenem Maul, das für den Eingeweihten eindeutig das Gesicht eines Welses ist. Es handelt sich also um den Erdbebenwels, eine legendäre Gestalt, die damals als Verursacher des Erdbebens angesehen und von den Ukiyo-e Künstlern halb im Ernst, halb scherzhaft in jedem nur erdenklichen Kontext dargestellt wurde. Das Bild trägt ein Gedicht mit folgendem Inhalt:

Erkenne, auch das ist die „Torlose Schranke“ des Zen:
Wenn alles zusammenfällt, bleibt nichts mehr übrig.

Angesichts der Katastrophe werden die Spekulationen über Erleuchtung und „Nichts“ aus dem Zen Klassiker „Torlose Schranke“ (Mumonkan) hier satirisch auf einen konkreten Nenner gebracht.

 

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Schnee-Daruma

Blockdruck, nishiki-e (Papier, Tusche, Farbe). 1859; Museum of Fine Arts, Boston
Bild © MFA. (Letzter Zugriff: 2011/7)
William Sturgis Bigelow Collection

Yuki-daruma (Schnee-Daruma) ist noch heute die gängige japanische Bezeichnung für „Schneemann“.

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Daruma

Holz, Farbe; Takayama
Bild © Roy Gypsy, 2006. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Etwas verwitterter Daruma neben einem Miniaturschrein

Daruma (Holz, Farbe)
Bild © El-Branden Brazil, flickr 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Daruma-Puppen als Glücksbringer

Daruma (Holz, Farbe)
Bild © Chowitt, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Neujahrskarte mit Daruma-Motiv

Blockdruck von David Bull. 1999, Small Print Collection; 11 x 15cm
Bild © David Bull. (Letzter Zugriff: 2011/11/17)
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In Japan lässt sich über die Jahr­hunderte eine deutliche Tendenz vom asketisch-strengen Rollen­vor­bild zur Karikatur feststellen. Dies bedeutet aber nicht, dass Bodhi­dharma in blas­phe­mischer Absicht verun­glimpft wurde. Es entspricht vielmehr dem Hang zum Paradox im Zen, dass selbst der ehr­würdige Gründer mit Ironie dargestellt wurde.

Im Zuge dieser Entwicklung wurde „Daruma-san“ zu einer Art Glücks­gott, der — ähnlich wie Hotei Hotei 布袋 Glücksgott; Manifestation von Bodhisattva Maitreyasiehe auch Hotei → Gluecksgoetter→ Gluecksgoetter/Bishamonten→ Heilige/16 Rakan — nicht mehr das alleinige Eigentum der Zen Schule war, sondern mit allerlei popu­lären Vorstel­lungen in Verbin­dung gebracht und dem­ent­spre­chend umge­staltet wurde. Diese Bilder Bodhi­dharmas ver­festig­ten sich in der Daruma-Puppe. Wesentliche Charak­teristika dieser Puppe sind die Ab­wesen­heit von Armen und Beinen (wodurch die Puppe auch leicht als Steh­auf­männ­chen gestaltet werden kann) und die rote Farbe, in die diese Puppe aus­nahms­los gekleidet ist. Bernard Faure (2011) sieht darin Hinweise auf einen embryo­nalen Symbo­lismus: Buddhi­dharma als Sinnbild der Ent­stehung neuen Lebens und als „Plazenta-Gottheit“, was natür­lich über die kon­fes­sionel­len Grenzen des Buddhis­mus hinausweist.

Weitgehend einig ist sich die Forschung, dass die Popularität der Daruma-Puppe — wo auch immer ihre Herkunft liegt — mit ihrer Verwen­dung als Seuchen­gott­heit in Ver­bindung steht, im besonderen mit der raschen Genesung von den Pocken. Daruma wurde in der Edo Edo 江戸 Sitz der Tokugawa Shogune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tokyosiehe auch Geschichtsperioden → Buddhismus→ Bekannte Tempel→ Shinto→ Stereotype/Herrigels Zen→ Bekannte Tempel/Berg Koya → mehr… -Zeit unter anderem als hōsōgami hōsōgami 疱瘡神 Pockengott; Sinnbild für und Wirkmacht gegen die Pocken, als Pockengottheit bezeichnet. So soll die Tatsache, dass die Darmua-Puppen zumeist ohne Pupillen, also „blind“, verkauft werden, mit dem negativen Effekt der Pocken auf die Seh­kraft in Verbin­dung stehen. Die Darstellung der Gefahr bannt diese. Auch die rote Farbe soll die Pocken darstellen und zugleich ent­kräften. Das Daruma-Steh­auf­männ­chen wurde in Zeiten von Pocken-Epidemien zu einem Spielzeug für Kinder, das ihre rasche Genesung vormachen und bewirken sollte. Mit dem Abklingen der Pocken­gefahr weitete sich der Wir­kungs­bereich des Daruma-san auf andere Bereiche aus. Er wurde zum engimono engimono 縁起物 Glücksbringersiehe auch Gluecksbringer , zum allgemein glücks­ver­heißen­den Gegenstand.

Die Ikonographie des strengen Asketen ging bei all dem nie ganz verloren, sondern wurde ironisch überhöht. Ähnlich wie bei den Sieben Glückgöttern scheint die kanoni­sierte Komik der Daruma-Darstellung zu besagen, dass es gut und schön ist, diesen Daruma um weltliche Güter zu bitten, dass es aber hinter dieser Funktion noch andere Dimen­sionen gibt. Die Ironie schließt also den ernst­haften Glauben an Bodhi­dharmas aske­tisches Ver­mächtnis nicht aus.

Daruma und Dame

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Daruma und Geisha im gleichen Boot

Blockdruck (Papier, Farbe) von Suzuki Harunobu (1724-1770)
Bild © The British Museum
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Geisha als Daruma auf dem Schilfhalm

Blockdruck (Papier gestanzt, Farbe) von Suzuki Harunobu (1724–1770). 1765–1770
Bild © The British Museum. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Eine Geisha in der Pose des Bodhidharma, der einer berühmten Legende zufolge den Fluss Yangtse mit Hilfe eines Schilfhalms überquert haben soll.

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Geisha in Daruma-Pose

Blockdruck, shunga (Papier, Farbe) von Ippitsusai Bunchō. 18. Jh.

Dieses „Frühlingsbild“ (shunga) parodiert die Legende, nach der Bodhidharma auf einem Schilfhalm den Yangtse Fluss überquert haben soll. Nicht nur wird der Mönch durch eine Geisha ersetzt, auch der Grashalm wird zu einem phallusförmigen Pilz.

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Geisha bietet Daruma etwas zum Rauchen an

Blockdruck, bijin-ga (Papier, Farbe) von Suzuki Harunobu (1725–1770). 1765; 26,6 x 19,2 cm
Bildquelle: Museum of Fine Arts, Boston. (Letzter Zugriff: 2011/11/12)
William S. and John T. Spaulding Collection
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Daruma als Geisha

Hängerollbild (Tusche, Farbe, Papier) von Tsutsumi Tōgetsu (1749-1823). Edo-Zeit, um 1800
Bild © The British Museum. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Daruma im Outfit und der typischen Haltung einer hochrangigen Geisha, allerdings mit etwas unsicherem Gesichtsausdruck. Der Kimono ist mit hossu-Wedeln, also buddhistischen Ritualgegenständen, verziert. Das Bild trägt eine Inschrift des Edo-zeitlichen Literaten Ōta Nanpō (1749-1823).

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Daruma und Geisha mit vertauschten Kleidern

Hängerollbild von Baiōken Eishun (Takeda Harunobu). Frühe Edo-Zeit
Bild © Hatena Fotolife

Etsuko and Joe Price Collection

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Eine Geisha putzt die Ohren des Bodhidharma

Zeichnung von Kawanabe Kyōsai
Bild © Muian. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Daruma während der Öffnung des Landes (Kaika no Daruma)

Blockdruck (Papier Farbe) von Tsukioka Yoshitoshi (1839–1892). Meiji-Zeit; 19 × 25 cm
Bild © Waseda University Library. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Kaika (Öffnung) meint die Öffnung Japans gegenüber dem Westen. Daruma-Mönch und Daruma-Geisha studieren zusammen eine moderne Zeitung. Beide, Mönch und Geisha, können als „Modernisierungsverlierer“ gesehen werden. Dementsprechend hat auch dieses Bild bei aller Ironie eine melancholische Note.

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Zu den seltsamsten Formen der japanischen Bodhidharma-Ikonographie gehört das immer wieder­keh­rende Motiv von Daruma und Geisha, beson­ders in den Ukiyo-e der Edo Edo 江戸 Sitz der Tokugawa Shogune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tokyosiehe auch Geschichtsperioden → Buddhismus→ Bekannte Tempel→ Shinto→ Stereotype/Herrigels Zen→ Bekannte Tempel/Berg Koya → mehr… -Zeit. Die beiden tauschen Kleider, Geishas nehmen bekannte Posen des Bodhi­dharma ein und oft entspinnt sich eine zarte erotische Beziehung zwischen dem exotischen Asketen und der Schönen. Sogar Shunga-Motive mit Daruma und/oder Geisha als Prota­gonisten sind möglich.

Dieses bildliche Motiv korrespondiert mit der Tatsache, dass „Daruma“ in der Edo-Zeit ein Code-Wort für „Geisha“ bzw. „Freuden­mädchen“ war. Jedes Bild verfügt also über einen Doppelsinn und ist sowohl buddhistisch als auch sexuell konnotiert. Eines der obigen Bilder trägt eine Inschrift des Edo-zeit­lichen Literaten Ōta Nanpō (1749-1823), die diesen Doppelsinn in Form einer bud­dhis­tisch ange­hauch­ten Dialektik aus­drückt. Mittels dieser Dialektik konnten die Litera­ten und Intellek­tuellen der Edo-Zeit im Grunde alles in sein Gegen­teil verkehren und bis zur Un­kennt­lichkeit in einem Reigen von An­spie­lungen und Wort­witzen auflösen:

Truth is the skin of lies; lies are the bones of truth. When you are bewildered, lies seem like the truth; when you are enlightened, the truth seems like lies. It is all right to be bewildered, it is all right to be enlightened on Main Street, Yoshiwara, amid lies and truth. The pledges of courtesans may be truth or lies and are as myriad as their customers, like grains of sand on a beach.

Übersetzung: The British Museum

Buddhistische Erleuchtung steht hier für sexuelle Erfüllung und umgekehrt. Wie aber konnte es zu diesen Assoziationen kommen? Möglicher­weise spielt hierbei eine Rolle, dass in Edo-zeitlichen Städten Freuden­viertel und Tempel­viertel meist unmit­telbar neben einander lagen oder sogar in einander über­gingen. Paradig­matisch für diese Struktur ist das Freuden­viertel Yoshiwara in Edo, das unmit­telbar an den heute noch existie­renden Asakusa Asakusa-dera 浅草寺 Tempel in Tokyo; offizielle (sino-jap.) Lesung: Sensō-jisiehe auch Asakusa → Bekannte Tempel→ Kannon -Tempel grenzte. Der genaue Grund für diese Verbindung ist mir nicht bekannt, mag aber mit Angebot und Nachfrage zu tun haben. Die ent­sprechen­den Ukiyo-e Motive sind daher wohl als satirischer Kommentar zur Lebens­weise buddhis­tischer Mönche der Edo-Zeit zu verstehen.

Die Nahebeziehung von Daruma und Geisha ist selbst in der frühen Meiji-Zeit noch zu finden: In der Meiji-zeitlichen Darstel­lung von „Daruma zur Zeit der Landes­öffnung“ manifestiert sich auf an­rüh­rende Weise, dass damals sowohl die buddhistischen Tempel als auch die traditionellen Freuden­viertel zu den „Moderni­sierungs­ver­lierern“ zählten.

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