Der Weg des Buddhismus nach Japan

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Bernhard Scheid, „Der Weg des Buddhismus nach Japan“ (Stand: 2013-01-18). In: ders. (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch (Universität Wien, seit 2001). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Grundbegriffe:Buddhismus?oldid=32921

Die Lehre des Buddhismus (jap. bukkyō (bukkyō 仏教Lehre des Buddha, Buddhismus )) geht auf eine historische Persön­lich­keit zurück, Gautama (गौतमGautama (skt., m.)Eigennamen des historischen Buddha; Pali: Gotama …mehr ⇒) Siddhartha (सिद्धार्थSiddhārtha (skt., m.)Eigennamen des historischen Buddha …mehr ⇒) , der u.a. auch Buddha (बुद्धBuddha (skt., m.)„Der Erleuchtete“ …mehr ⇒) („der Erleuchtete“) oder Shakyamuni (शाक्यमुनिŚākyamuni (skt., m.)„Der Weise des Shakya-Klans“, Gautama Siddhartha …mehr ⇒) („der Weise des Shakya-Klans“) genannt wird. In Japan wird er als Shaka Nyorai (Shaka Nyorai 釈迦如来jap. Namen des Buddha Shakyamuni …mehr ⇒) verehrt. Er gilt als der Be­gründer der bud­dhis­tischen Lehre. Nach bud­dhis­tischer Auf­fass­ung exis­tier­ten Buddhas schon in grauer Vorzeit, und auch die Zukunft wird weitere Buddhas her­vor­bringen. Daher wird Buddha Shak­ya­muni auch als der „historische Buddha“ be­zeich­net.

Man nahm bis vor kurzem allgemein an, dass Shak­ya­muni im sechsten oder fünften Jahr­hundert vor unserer Zeit­rechnung im Norden Indiens tätig war, doch setzen neuere Forschungen seine Lebenszeit hundert Jahre später, etwa 450–370 v.u.Z. an.1 Nach seinem Tod hinter­ließ Shak­ya­muni einen Orden von Mönchen und Nonnen, sowie männ­liche und weib­liche Laien­anhänger. Diese vier „Ver­samm­lungen“ bildeten die bud­dhis­tische Gemeinde im weiteren Sinne. Eine kodifizierte Lehre existierte zu diesem Zeitpunkt wahr­scheinlich noch nicht. Erst Shak­ya­munis Schüler und Enkel­schüler formu­lierten in soge­nannten „Konzilen“ die ersten schrift­lichen Texte, aus denen sich die ver­schie­denen Fassungen des weit­läufigen bud­dhis­tischen Kanons — die sogenannten „Drei Körbe“ — ent­wickelten.

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Verbreitungsgeschichte

Im dritten Jahr­hundert v.u.Z., also etwa hundert Jahre nach Buddhsa Tod, erfuhr der Bud­dhis­mus eine massive Förderung durch König Ashoka (अशोकAśoka (skt., m.)„Der Unbesorgte“, 304?–232 v.u.Z., König von Nord-Indien ) (304?–232 v.u.Z.), der große Teile Indiens unter seiner Herr­schaft vereinte. Von da an begann der Bud­dhis­mus auch über die Grenzen der indischen Kultur hinaus wirksam zu werden. Es entstanden zwei große Über­liefe­rungs­tradi­tionen („Fahrzeuge“), von denen sich eine tendenziell nach Süden, die andere nach Norden bzw. zunächst nach Nord­westen ausbreitete.

Süden: Theravada

Die südliche Richtung wurde ursprünglich als Shravakayana (श्रावकयानŚrāvakayāna (skt., n.)„Fahrzeug der Schüler“, Richtung des Buddhismus ) („Fahrzeug der Schüler“) bezeichnet, von ihren zahlreichen Schul­rich­tungen hat allerdings nur der Theravada (थेरवादTheravāda (pali, m.)„Schule der Ordensälteren“, buddhistische Richtung (hier in Pali angegeben; skt: Sthaviravada) ) („Schule der Ordensälteren“, jap. jōzabu bukkyō (jōzabu bukkyō 上座部仏教Theravada Buddhismus, wtl. „Lehre der Ordensältesten“ )) bis heute überdauert. Der Theravada Bud­dhis­mus gilt im Vergleich zur zweiten, nördlichen Schulrichtung als orthodoxere oder kon­servativere Form des Bud­dhis­mus. Gegenüber dem Mahayana konzen­triert er sich stärker auf mön­chische Lebens­führung (das Arhat-Ideal) und Askese. Er wird heute vor allem in Sri Lanka, Myanmar (Burma), Thailand, Laos und Kambodscha praktiziert.

Norden: Mahayana

Die nördliche Richtung ist allgemein als Mahayana (महायानMahāyāna (skt., n.)„Großes Fahrzeug“, buddhistische Richtung ) , „Großes Fahrzeug“ (jap. daijō bukkyō (daijō bukkyō 大乗仏教Mahayana Buddhismus, wtl. „Lehre des Großen Fahrzeugs“ )), bekannt. Das Große Fahr­zeug war eine Reform­bewe­gung, die die ur­sprüng­liche, auf eine rein mönch­ische Lebens­führung ausgerichtete Form des Buddhismus auch für Laien zu­gäng­lich machen wollte. Auch Laien können nach Auf­fassung des Mahayana er­leuch­tet werden. Im Mahayana wurden die Lehren und Schriften des ortho­doxen Shravakayana (श्रावकयानŚrāvakayāna (skt., n.)„Fahrzeug der Schüler“, Richtung des Buddhismus ) Bud­dhis­mus zwar nicht grund­sätzlich abgelehnt, doch bezeichnete man sie, ein wenig verächtlich, als Hinayana (हीनयानHīnayāna (skt., n.)„Kleines Fahrzeug“, buddhistische Richtung ) , „Kleines Fahrzeug“. Im fünften und sechsten Jahr­hundert u.Z. kam dann noch eine weitere Reform­bewegung dazu, die sich in Indien nicht nur innerhalb des Buddhismus, sondern auch im Shiva- (शिवŚiva (skt., m.)„Glückverheißender“, indische Göttheit ) und Vishnuismus (विष्णुViṣṇu (skt., m.)indische Gottheit ) (also dem, was letztlich zum Hinduismus führte) breit machte: der Tantrismus, benannt nach eigenen Lehr­schriften, den Tantren (तन्त्रtantra (skt., n.)„Gewebe“, im Buddhsmus Lehrschrift des esoterischen Buddhismus (ähnlich → Sutra, aber meist mit rituellem Inhalt) ) , in denen vor allem neuartige Ritual­techniken behandelt werden. Der Tantrismus führte von der generell offenen Haltung des Mahayana zurück zu engen, in sich geschlos­senen Zirkeln von Ein­geweihten, innerhalb derer die Rituale kursierten. Man spricht daher auch vom „eso­terischen Buddhis­mus“ (esoterisch im Sinne von „nach innen gewandt“), jap. mikkyō (mikkyō 密教esoterischer Buddhismus, Tantrismus; wtl. geheime Lehre …mehr ⇒).

Für den japanischen Buddhismus ist vor allem das Mahayana inklusive seiner eso­terischen Spielart von Belang. Das Mahayana erreichte Japan aber erst nach einer komplizierten Folge von Trans­formationen. Ausgangs­punkt war Indien, das unmittelbar im Norden durch den Himalaya vom Kontakt mit anderen Zivilisationen abgeschnitten war. Daher erfolgte die Ausbreitung des Mahayana zunächst nach Nordwesten, entlang der Seidenstraße nach Zentralasien. Dort kam der Bud­dhis­mus mit dem Hellenismus in Berührung und wurde von zahlreichen kleineren Reichen wohlwollend aufgenommen.

Ausbreitung nach Ostasien

In Zentralasien änderte sich die Aus­breitungs­richtung des Buddhismus und wandte sich gegen Osten, um schließlich nördlich am Himalaya vorbei nach China zu gelangen. Erste Kontakte reichen bis ins erste Jahr­hundert vor unserer Zeit­rechnung zurück, aber zu einiger Bedeutung gelangte der chinesische Buddhismus erst im zweiten und dritten Jahr­hundert unserer Zeit. Von der nord-westlichen Einfalls­pforte aus erfolgte die Verbreitung fächer­förmig über den ganzen chine­sischen Sub­kontinent, um schließlich im fünften und sechsten Jahr­hundert auch Korea und Japan zu erreichen. Daneben gab es auch über Vietnam buddhis­tische Einflüsse aus dem Süden. Da die buddhis­tische Mission aber stark mit den Handels­routen verbunden war, konnte von einer gleich­mäßigen, flächen­deck­enden Verbrei­tung keine Rede sein. Der frühe chine­sische Bud­dhis­mus blühte daher in den urbanen Zentren, während er in ländlichen Regionen keine Spuren hinterließ. Erst in der Tang (Tang (chin.) — chin. Herrschaftsdynastie, 618–907 …mehr ⇒)-Zeit erfuhr der Bud­dhis­mus eine staatliche Förderung, die von maß­geb­licher Bedeutung war. Der chine­sische Hof unter­stützte nämlich groß angelegte Über­setzungs­projekte, die es mit sich brachten, dass heute mehr Schriften in chinesischer Übersetzung tradiert sind, als in Sanskrit oder Pali, den Sprachen der Original­manuskripte.

Die Übersetzungen in ein vollkommen anderes Idiom, in dem weder die grammati­kalischen, noch die philo­sophischen Grund­strukturen des indischen buddhis­tischen Kanons vorhanden waren, stellten nicht nur eine gewaltige Heraus­forderung dar, sie führten zwangs­läufig zu einer Sinisierung des Buddhismus. Doch nicht nur auf der Ebene der Texte, auch in der Ikono­graphie, also der Bilder­sprache kam es zu neuen Stan­dardi­sie­rungen, die schließlich vollin­haltlich von Korea und Japan über­nommen wurden.

Übernahme des Buddhismus in Japan

Im japanischen Buddhismus haben wir es also mit dem Resultat einer langen Über­liefe­rungs­ge­schichte zu tun, im Zuge derer die ur­sprüng­lich indi­sche Religion mit Ele­menten aus Zentral­asien und China ange­reichert wurde. Da China für die japa­nische Kultur das Vorbild schlech­thin dar­stellte, ten­dierte man dazu, den Bud­dhis­mus in seiner chine­sischen Form zu belassen und unter­nahm zunächst nur zag­hafte Versuche der Adap­tion. Die Sutren (सूत्रsūtra (skt., n.)„Faden“, Lehr­rede des Buddha, kanoni­sche Schrift …mehr ⇒) wurden daher kein weite­res Mal ins Japa­nische übersetzt.

In weiterer Folge nahm die Geschichte des Buddhis­mus in Japan jedoch einen anderen Verlauf als in China. Dort erwuchs dem Bud­dhis­mus vor allem in Gestalt des Daois­mus ein mächtiger Kon­kurrent: Auf Zeiten der staat­lichen Förde­rung folgten Zeiten des Nieder­gangs und sogar der Ver­folgung von Buddhisten. In Japan dagegen gelang es dem Buddhismus, bereits existie­rende Glau­bens­vor­stel­lungen fast voll­ständig zu absor­bieren. Auch wenn die Blüte­zeit des japa­nischen Bud­dhis­mus mit dem Beginn der Frühen Neuzeit (Edo (Edo 江戸Sitz der Tokugawa Shogune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tokyo …mehr ⇒)-Zeit) zu Ende ging und kon­kur­rierende Vor­stell­ungen in Form des Kon­fuzia­nismus und des Shinto (shintō 神道Shinto, Weg der Götter, Weg der kami …mehr ⇒) auf­tauchten, wurden Buddhisten — von den Anfängen im 6. Jh. und einer kurzen anti-bud­dhistischen Phase Ende des 19. Jh.s einmal abgesehen — in Japan nie verfolgt. Japa­nische bud­dhis­tische Tempel wurden im Lauf ihrer Ge­schichte gene­rell nicht von Anders­gläu­bigen, sondern ledig­lich von anderen buddhisti­schen Tempeln bedroht (s. Reli­gions­ge­schichte).

Heute ist der Buddhismus jedenfalls aus seinem ehe­maligen Kern­land Indien fast völlig ver­schwun­den, und auch in seiner „zweiten Heimat“ China stellt er nur eine religiöse Richtung unter vielen dar. Hingegen tritt er uns als Haupt­religion in den ehe­maligen Rand­ge­bie­ten der bud­dhisti­schen Ein­fluss­sphäre, in Süd­ost­asien, Tibet und Japan entgegen.

Anmerkungen

  1. Diese Angabe beruht auf jüngeren Forschungen des Indologen Heinz Bechert. Bechert zufolge starb Buddha hundert Jahre vor der Krönung König Ashokas (ca. 268 v.). Andere Forscher gehen davon aus, dass Buddha 30 bis 50 Jahre vor dem Indienfeldzug Alexanders des Großen (327–325 v.) verstarb. (Michaels 2011, S. 21–22.) Die buddhistische Hagiographie schreibt Buddha außerdem einhellig ein Alter von achtzig Jahren zu.
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