Der Weg des Buddhismus nach Japan
Die Lehre des Buddhismus (jap. bukkyō (bukkyō 仏教 — Lehre des Buddha, Buddhismus )) geht auf eine historische Persönlichkeit zurück, Gautama (गौतमGautama (skt., m.) — Eigennamen des historischen Buddha; Pali: Gotama …mehr ⇒) Siddhartha (सिद्धार्थSiddhārtha (skt., m.) — Eigennamen des historischen Buddha …mehr ⇒) , der u.a. auch Buddha (बुद्धBuddha (skt., m.) — „Der Erleuchtete“ …mehr ⇒) („der Erleuchtete“) oder Shakyamuni (शाक्यमुनिŚākyamuni (skt., m.) — „Der Weise des Shakya-Klans“, Gautama Siddhartha …mehr ⇒) („der Weise des Shakya-Klans“) genannt wird. In Japan wird er als Shaka Nyorai (Shaka Nyorai 釈迦如来 — jap. Namen des Buddha Shakyamuni …mehr ⇒) verehrt. Er gilt als der Begründer der buddhistischen Lehre. Nach buddhistischer Auffassung existierten Buddhas schon in grauer Vorzeit, und auch die Zukunft wird weitere Buddhas hervorbringen. Daher wird Buddha Shakyamuni auch als der „historische Buddha“ bezeichnet.
Man nahm bis vor kurzem allgemein an, dass Shakyamuni im sechsten oder fünften Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung im Norden Indiens tätig war, doch setzen neuere Forschungen seine Lebenszeit hundert Jahre später, etwa 450–370 v.u.Z. an.[1] Nach seinem Tod hinterließ Shakyamuni einen Orden von Mönchen und Nonnen, sowie männliche und weibliche Laienanhänger. Diese vier „Versammlungen“ bildeten die buddhistische Gemeinde im weiteren Sinne. Eine kodifizierte Lehre existierte zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich noch nicht. Erst Shakyamunis Schüler und Enkelschüler formulierten in sogenannten „Konzilen“ die ersten schriftlichen Texte, aus denen sich die verschiedenen Fassungen des weitläufigen buddhistischen Kanons — die sogenannten „Drei Körbe“ — entwickelten.
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Verbreitungsgeschichte
Im dritten Jahrhundert v.u.Z., also etwa hundert Jahre nach Buddhsa Tod, erfuhr der Buddhismus eine massive Förderung durch König Ashoka (अशोकAśoka (skt., m.) — „Der Unbesorgte“, 304?–232 v.u.Z., König von Nord-Indien ) (304?–232 v.u.Z.), der große Teile Indiens unter seiner Herrschaft vereinte. Von da an begann der Buddhismus auch über die Grenzen der indischen Kultur hinaus wirksam zu werden. Es entstanden zwei große Überlieferungstraditionen („Fahrzeuge“), von denen sich eine tendenziell nach Süden, die andere nach Norden bzw. zunächst nach Nordwesten ausbreitete.
Süden: Theravada
Die südliche Richtung wurde ursprünglich als Shravakayana (श्रावकयानŚrāvakayāna (skt., n.) — „Fahrzeug der Schüler“, Richtung des Buddhismus ) („Fahrzeug der Schüler“) bezeichnet, von ihren zahlreichen Schulrichtungen hat allerdings nur der Theravada (थेरवादTheravāda (pali, m.) — „Schule der Ordensälteren“, buddhistische Richtung (hier in Pali angegeben; skt: Sthaviravada) ) („Schule der Ordensälteren“, jap. jōzabu bukkyō (jōzabu bukkyō 上座部仏教 — Theravada Buddhismus, wtl. „Lehre der Ordensältesten“ )) bis heute überdauert. Der Theravada Buddhismus gilt im Vergleich zur zweiten, nördlichen Schulrichtung als orthodoxere oder konservativere Form des Buddhismus. Gegenüber dem Mahayana konzentriert er sich stärker auf mönchische Lebensführung (das Arhat-Ideal) und Askese. Er wird heute vor allem in Sri Lanka, Myanmar (Burma), Thailand, Laos und Kambodscha praktiziert.
Norden: Mahayana
Die nördliche Richtung ist allgemein als Mahayana (महायानMahāyāna (skt., n.) — „Großes Fahrzeug“, buddhistische Richtung ) , „Großes Fahrzeug“ (jap. daijō bukkyō (daijō bukkyō 大乗仏教 — Mahayana Buddhismus, wtl. „Lehre des Großen Fahrzeugs“ )), bekannt. Das Große Fahrzeug war eine Reformbewegung, die die ursprüngliche, auf eine rein mönchische Lebensführung ausgerichtete Form des Buddhismus auch für Laien zugänglich machen wollte. Auch Laien können nach Auffassung des Mahayana erleuchtet werden. Im Mahayana wurden die Lehren und Schriften des orthodoxen Shravakayana (श्रावकयानŚrāvakayāna (skt., n.) — „Fahrzeug der Schüler“, Richtung des Buddhismus ) Buddhismus zwar nicht grundsätzlich abgelehnt, doch bezeichnete man sie, ein wenig verächtlich, als Hinayana (हीनयानHīnayāna (skt., n.) — „Kleines Fahrzeug“, buddhistische Richtung ) , „Kleines Fahrzeug“. Im fünften und sechsten Jahrhundert u.Z. kam dann noch eine weitere Reformbewegung dazu, die sich in Indien nicht nur innerhalb des Buddhismus, sondern auch im Shiva- (शिवŚiva (skt., m.) — „Glückverheißender“, indische Göttheit ) und Vishnuismus (विष्णुViṣṇu (skt., m.) — indische Gottheit ) (also dem, was letztlich zum Hinduismus führte) breit machte: der Tantrismus, benannt nach eigenen Lehrschriften, den Tantren (तन्त्रtantra (skt., n.) — „Gewebe“, im Buddhsmus Lehrschrift des esoterischen Buddhismus (ähnlich → Sutra, aber meist mit rituellem Inhalt) ) , in denen vor allem neuartige Ritualtechniken behandelt werden. Der Tantrismus führte von der generell offenen Haltung des Mahayana zurück zu engen, in sich geschlossenen Zirkeln von Eingeweihten, innerhalb derer die Rituale kursierten. Man spricht daher auch vom „esoterischen Buddhismus“ (esoterisch im Sinne von „nach innen gewandt“), jap. mikkyō (mikkyō 密教 — esoterischer Buddhismus, Tantrismus; wtl. geheime Lehre …mehr ⇒).
Für den japanischen Buddhismus ist vor allem das Mahayana inklusive seiner esoterischen Spielart von Belang. Das Mahayana erreichte Japan aber erst nach einer komplizierten Folge von Transformationen. Ausgangspunkt war Indien, das unmittelbar im Norden durch den Himalaya vom Kontakt mit anderen Zivilisationen abgeschnitten war. Daher erfolgte die Ausbreitung des Mahayana zunächst nach Nordwesten, entlang der Seidenstraße nach Zentralasien. Dort kam der Buddhismus mit dem Hellenismus in Berührung und wurde von zahlreichen kleineren Reichen wohlwollend aufgenommen.
Ausbreitung nach Ostasien
In Zentralasien änderte sich die Ausbreitungsrichtung des Buddhismus und wandte sich gegen Osten, um schließlich nördlich am Himalaya vorbei nach China zu gelangen. Erste Kontakte reichen bis ins erste Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung zurück, aber zu einiger Bedeutung gelangte der chinesische Buddhismus erst im zweiten und dritten Jahrhundert unserer Zeit. Von der nord-westlichen Einfallspforte aus erfolgte die Verbreitung fächerförmig über den ganzen chinesischen Subkontinent, um schließlich im fünften und sechsten Jahrhundert auch Korea und Japan zu erreichen. Daneben gab es auch über Vietnam buddhistische Einflüsse aus dem Süden. Da die buddhistische Mission aber stark mit den Handelsrouten verbunden war, konnte von einer gleichmäßigen, flächendeckenden Verbreitung keine Rede sein. Der frühe chinesische Buddhismus blühte daher in den urbanen Zentren, während er in ländlichen Regionen keine Spuren hinterließ. Erst in der Tang (Tang 唐 (chin.) — chin. Herrschaftsdynastie, 618–907 …mehr ⇒)-Zeit erfuhr der Buddhismus eine staatliche Förderung, die von maßgeblicher Bedeutung war. Der chinesische Hof unterstützte nämlich groß angelegte Übersetzungsprojekte, die es mit sich brachten, dass heute mehr Schriften in chinesischer Übersetzung tradiert sind, als in Sanskrit oder Pali, den Sprachen der Originalmanuskripte.
Die Übersetzungen in ein vollkommen anderes Idiom, in dem weder die grammatikalischen, noch die philosophischen Grundstrukturen des indischen buddhistischen Kanons vorhanden waren, stellten nicht nur eine gewaltige Herausforderung dar, sie führten zwangsläufig zu einer Sinisierung des Buddhismus. Doch nicht nur auf der Ebene der Texte, auch in der Ikonographie, also der Bildersprache kam es zu neuen Standardisierungen, die schließlich vollinhaltlich von Korea und Japan übernommen wurden.
Übernahme des Buddhismus in Japan
Im japanischen Buddhismus haben wir es also mit dem Resultat einer langen Überlieferungsgeschichte zu tun, im Zuge derer die ursprünglich indische Religion mit Elementen aus Zentralasien und China angereichert wurde. Da China für die japanische Kultur das Vorbild schlechthin darstellte, tendierte man dazu, den Buddhismus in seiner chinesischen Form zu belassen und unternahm zunächst nur zaghafte Versuche der Adaption. Die Sutren (सूत्रsūtra (skt., n.) — „Faden“, Lehrrede des Buddha, kanonische Schrift …mehr ⇒) wurden daher kein weiteres Mal ins Japanische übersetzt.
In weiterer Folge nahm die Geschichte des Buddhismus in Japan jedoch einen anderen Verlauf als in China. Dort erwuchs dem Buddhismus vor allem in Gestalt des Daoismus ein mächtiger Konkurrent: Auf Zeiten der staatlichen Förderung folgten Zeiten des Niedergangs und sogar der Verfolgung von Buddhisten. In Japan dagegen gelang es dem Buddhismus, bereits existierende Glaubensvorstellungen fast vollständig zu absorbieren. Auch wenn die Blütezeit des japanischen Buddhismus mit dem Beginn der Frühen Neuzeit (Edo (Edo 江戸 — Sitz der Tokugawa Shogune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tokyo …mehr ⇒)-Zeit) zu Ende ging und konkurrierende Vorstellungen in Form des Konfuzianismus und des Shinto (shintō 神道 — Shinto, Weg der Götter, Weg der kami …mehr ⇒) auftauchten, wurden Buddhisten — von den Anfängen im 6. Jh. und einer kurzen anti-buddhistischen Phase Ende des 19. Jh.s einmal abgesehen — in Japan nie verfolgt. Japanische buddhistische Tempel wurden im Lauf ihrer Geschichte generell nicht von Andersgläubigen, sondern lediglich von anderen buddhistischen Tempeln bedroht (s. Religionsgeschichte).
Heute ist der Buddhismus jedenfalls aus seinem ehemaligen Kernland Indien fast völlig verschwunden, und auch in seiner „zweiten Heimat“ China stellt er nur eine religiöse Richtung unter vielen dar. Hingegen tritt er uns als Hauptreligion in den ehemaligen Randgebieten der buddhistischen Einflusssphäre, in Südostasien, Tibet und Japan entgegen.
Anmerkungen
- ↑ Diese Angabe beruht auf jüngeren Forschungen des Indologen Heinz Bechert. Bechert zufolge starb Buddha hundert Jahre vor der Krönung König Ashokas (ca. 268 v.). Andere Forscher gehen davon aus, dass Buddha 30 bis 50 Jahre vor dem Indienfeldzug Alexanders des Großen (327–325 v.) verstarb. (Michaels 2011, S. 21–22.) Die buddhistische Hagiographie schreibt Buddha außerdem einhellig ein Alter von achtzig Jahren zu.
Literatur
- Axel Michaels 2011
Buddha: Leben, Lehre, Legende. München: C. H. Beck.
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