Amida Nyorai und sein Reines Land

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Bernhard Scheid, „Amida Nyorai und sein Reines Land“ (Stand: 2014-04-4). In: ders. (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch (Universität Wien, seit 2001). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Ikonographie:Amida?oldid=36004
  • amida_horyuji.jpg

    Amida mit der Mudrā-Geste des Predigens

    Wandgemälde, Detail. Spätes 7. Jh.; 1949 durch Brand zerstört; Hōryū-ji, Präfektur Nara
    Bild © Yamashina Reiji. (Letzter Zugriff: 2011/12/18)

    In Fresco-Technik an der Haupthalle des Tempels.

  • amida_heian.jpg

    Amida Statue mit Amidas Meditations-Mudrā

    Statue (Holz, vergoldet). Späte Heian-Zeit, 11. Jh.?; Höhe: 152,5 cm
    Bild © Kyoto National Museum. (Letzter Zugriff: 2011/7)
  • kamakuradaibutsu_face.jpg

    Gesicht des Großen Buddha von Kamakura

    Statue (Bronze), Detail. 1252
    Bild © Robert Prestiano. (Letzter Zugriff: 2008/2)

    Gesicht des Amida Daibutsu von Kamakura. Die Gusstechnik in ringförmigen Segmenten ist hier gut zu erkennen.

Buddhas sind in der Theorie von der Lebenswirklichkeit des Gläubigen weit entfernt. Sie haben alle Leiden hinter sich gelassen, die Er­leuch­tung erfahren und den Kreis­lauf der Wieder­geburten ver­lassen. In der Praxis gibt es jedoch neben der abstrakten Vor­stel­lung vom Austritt aus dem Geburtenkreislauf (s. Grund­begriffe, Buddhismus Lehre) zahl­reiche Vor­stufen zur perfekten Erlösung, die plastischer sind als das Nirvana (निर्वाणNirvāṇa (skt., n.)„Auslöschung“, Ort der Erlösung von allem Leid …mehr ⇒) und in vieler Hin­sicht an abend­ländische Paradies­vorstellungen erinnern. Diese Paradiese werden auch als „Reines Land“ (jap. jōdo (jōdo 浄土Reines Land ), skt. Sukhavati (सुखावतीSukhāvatī (skt., f.)„Reines Land“ ) ) bezeichnet. Jedes Reine Land wird von einem eigenen Buddha (बुद्धBuddha (skt., m.)„Der Erleuchtete“ …mehr ⇒) beherrscht oder verwaltet, doch im Kontext des japanischen Bud­dhis­mus ist mit dem Begriff „Reines Land“ fast immer das Paradies des Amida (Amida 阿弥陀Buddha Amitabha ) Nyorai (Nyorai 如来Buddha-Titel …mehr ⇒) (skt. Amitabha (अमिताभAmitābha (skt., m.)„Unermesslicher Glanz“ ) ) im Westen gemeint. Dank seines Reinen Landes ist Amida in vielen ost­asi­atischen Regionen, vor allem aber in Japan, zu einem der populärsten Buddhas auf­ge­stiegen und drängte dabei insbesondere den historischen Buddha Shakyamuni in den Hinter­grund. Daher sind Amidadarstellungen in Japan besonders häufig.

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Amidas Ikonographie

amida_byodoin.jpg

Amida

Statue (Holz, vergoldet) von Jōchō (?–1057). Heian-Zeit, 1053; „Nationalschatz“; Byōdō-in, südlich von Kyoto; Sitzhöhe 2,78 m

Eine der berühmtesten Amida Statuen Japans, im Tempel Byōdō-in, der selbst zum Unesco Kulturerbe erklärt wurde. Der Tempel war einst Sommerresidenz der Fujiwara, die am Höhepunkt ihrer Macht auch diese Statue in Auftrag gaben. Zur Zeit ihrer Herstellung waren Zeitgenossen der Ansicht, dass dies die exakte Wiedergabe der wahren Natur eines Buddhas sei. Die Statue besteht (wie die meisten aus dieser Zeit) aus mehreren Holzblöcken, die innen ausgehöhlt wurden (yosegi-Technik). Die Außenseite ist mit einer dicken, mit Hanf verstärkten Lackschicht imprägniert, wodurch die Figur eine beinahe metallische Oberfläche erhält. Jōchō, der diese Statue schuf, gilt auch als jener Bildhauer, der die yosegi-Technik perfektionierte. Die Vergoldung wurde 1955 erneuert.

Amida Statue des Byōdō-in, eines Tempels südlich von Kyoto, 1053

Die obige Abbildungen zeigt eine der berühmtesten Amida-Figuren aus der Heian (Heian 平安alter Name Kyotos; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit) …mehr ⇒)-Zeit. Amida ist hier in seiner häufigsten ikono­graph­ischen Form, im Meditations­sitz mit Meditations-Mudrā (मुद्राmudrā (skt., f.)„Siegel“, Gebetsgeste …mehr ⇒) (jōin (jōin 定印Mudrā der Meditation …mehr ⇒)) zu sehen. Auch der bekannte Große Buddha (Daibutsu (Daibutsu 大仏Großer Buddha …mehr ⇒)) in Kamakura stellt Amida in dieser Stellung dar. Wenn man eine Buddha­figur in sitzender Stellung mit der auf diesen Bildern erkennbaren, typischen Hand­haltung (inkl. abgewinkelter Zeige­finger) sieht, kann man davon ausgehen, dass es sich um Amida handelt. Es muss jedoch nicht jeder Amida sitzen. Er kann auch stehend dargestellt werden und ist dann meist von zwei kleineren Figuren flankiert, den Bodhisattvas (बोधिसत्त्वBodhisattva (skt., m.)„Erleuchtetes Wesen“ …mehr ⇒) Seishi (Seishi Bosatsu 勢至菩薩Bodhisattva Mahasthamaprapta; Begleiter → Amidas …mehr ⇒) und Kannon (Kannon 観音Bodhisattva Avalokiteshvara, wtl. „der den Klang der Welt erhört“; chin. Guanyin; „Bodhisattva des Mitleids“ …mehr ⇒).

Amidas Versprechungen

Ähnlich wie Shakyamuni war Amida der Legende nach ein indischer Prinz, der dem Thron entsagte, um Mönch zu werden. Auf der Suche nach Erleuchtung tat er 48 Schwüre, die sein Mit­gefühl mit anderen Lebe­wesen verdeutlichten. Einer der bedeutendsten dieser Schwüre besagt, dass er selbst die Erleuchtung zurück­weisen wolle, wenn er nicht kraft seiner Erleuchtung die Macht erlangen sollte, Gläubige, die im Augen­blick ihres Todes seines Namen gedenken würden, in sein Reines Land zu holen. Durch eigene Meditation erlangte der Prinz schließlich die Erleuchtung und damit verbunden die Herr­schaft über sein Reines Land. Wer nach dem Tod dorthin „hinübergeboren“ wird, dem ist die endgültige Erleuchtung sicher, auch wenn das Reine Land nur eine Vor­stufe des Nirvana (निर्वाणNirvāṇa (skt., n.)„Auslöschung“, Ort der Erlösung von allem Leid …mehr ⇒) darstellt.

Nach Ansicht des Amida-Buddhismus gibt es lediglich eine Bedingung, um ins Reine Land „hin­über­geboren“ zu werden, nämlich den aufrichtigen Glauben an Amidas Gnade, der sich in der Anrufung seines Namens kundtut. Aus diesem Grund sprechen Amidas Anhänger das sog. nenbutsu (nenbutsu 念仏Anrufung des Namens von Buddha Amida, Gebetsformel der Amida-Anhänger ), eine schlichte Gebets­formel bestehend aus den Worten „Namu Amida Butsu“. Sie hoffen, dadurch Amidas Schwur zu genügen und in sein Reines Land zu gelangen.

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