Dainichi Nyorai, der kosmische Buddha

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Bernhard Scheid, „Dainichi Nyorai, der kosmische Buddha.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 9.4.2014). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Ikonographie:Dainichi?oldid=36119

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Dainichi Nyorai (Dainichi Nyorai 大日如来Buddha Vairocana, der „kosmische Buddha“; wtl. „Großes Licht“ oder „Große Sonne“ ) ist der wichtigste Buddha (बुद्धBuddha (skt., m.)„Der Erleuchtete“ …mehr ⇒) des sogenannten esoteri­schen oder tantristischen (तन्त्रtantra (skt., n.)„Gewebe“, im Buddhsmus Lehrschrift des esoterischen Buddhismus (ähnlich → Sutra, aber meist mit rituellem Inhalt) …mehr ⇒) Bud­dhis­mus, der in Japan vor allem in Gestalt der Shingon-shū (Shingon-shū 真言宗Shingon Schule, wtl. Schule des Wahren Wortes …mehr ⇒) und Teilen der Tendai-shū (Tendai-shū 天台宗Tendai Schule, chin. Tiantai ) vertreten ist. Doch auch außer­halb dieser Rich­tungen zählt dieser Buddha zu den am häufig­sten ver­ehrten Heils­gestalten. Als die ersten christ­lichen Mis­sionare in Japan ihr Lehre ver­brei­teten, wurde „Dainichi“ sogar kurz­fristig als Über­setzung für den Namen des christ­lichen Gottes gebraucht.

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Dainichi

Statue (Holz, vergoldet, Metallschmuck) von Unkei. Kamakura-Zeit, 1175; „Nationalschatz“; Enjō-ji, Präfektur Nara; Höhe: 98,2 cm
Bildquelle: Rosenfeld 2011, Portraits of Chōgen, pl. 98, S. 137

Eines der frühesten erhaltenen Werke des Meisterbildhauers Unkei.

Dainichi mit Weisheits-Mudrā
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Dainichi Nyorai

Statue (Holz). 12. Jh.; Dōgan-ji, Präfektur Shiga
Bild © Takatsuki Folk Museum

Mit Meditationsmudra.

Dainichi mit Meditations-Mudrā

Dainichi im esoterischen Buddhismus

Dainichi (Dainichi 大日Buddha Vairocana, der „kosmische Buddha“; wtl. „Großes Licht“ oder „Große Sonne“ ) bedeutet wtl. „Große Sonne“ oder „Großes Licht“. Es ist die Überset­zung von skt. Mahavairocana (महावैरोचनMahāvairocana (skt., m.)„Große Sonne, Großes Licht“, s. Vairocana ) , unter welchem Namen dieser Buddha (बुद्धBuddha (skt., m.)„Der Erleuchtete“ …mehr ⇒) in Indien verehrt wird. Dainichi Nyorai wird auch als kosmi­scher Buddha bezeichnet, der nicht aus einer mensch­lichen Existenz hervorging, sondern von Anfang an eins mit dem univer­salen Dharma (धर्मDharma (skt., m.)Gesetz (des Universums), Lehre (des Buddha) …mehr ⇒) war. Er hält nach dieser Auf­fas­sung sowohl in der Welt der absoluten Erkennt­nis, als auch in der Welt der sicht­baren Dinge (das sind also zwei unter­schied­liche Welten!) die höchste Stellung inne. Ausdruck dieser beiden Welten sind die bereits erwähn­ten doppelten Mandalas, in denen Dainichi jeweils die zentrale Position einnimmt. Seine ikono­graph­ischen Attribute sind je nach mandala (मण्डलmaṇḍala (skt., n.)„Kreis“, schematische Dar­stel­lung der kosmischen Ordnung …mehr ⇒) -Welt unter­schied­lich. Der Dainichi der „vajra (वज्रvajra (skt., m.)„Donnerkeil“, Ritualinstrument und Symbol des tantristischen/esoterischen Buddhismus …mehr ⇒) -Welt“ (= Bereich der absoluten Erkenntnis) ist durch die Mudrā der Höchs­ten Weis­heit (chiken-in (chiken-in 智拳印Mudrā der Weisheitsfaust …mehr ⇒)) zu iden­ti­fizieren. In dieser Haltung wird er auch an pro­minen­tester Stelle im Kongōkai (Kongōkai 金剛界Vajra-Welt, Diamant-Welt, Mandala des → Dainichi …mehr ⇒) oder Vajra-Welt-Mandala dar­ge­stellt. Im Taizōkai (Taizōkai 胎蔵界wtl. Mutterschoß-Welt; Mandala des → Dainichi …mehr ⇒) oder Mut­terschoß-Mandala wiederum erscheint er in „Medi­ta­tions­haltung“, erkenn­bar an der Meditations-mudra (मुद्राmudrā (skt., f.)„Siegel“, Gebetsgeste …mehr ⇒) (jōin (jōin 定印Mudrā der Meditation …mehr ⇒)).

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Dainichi als zentrale Figur eines Mandalas (Sonshō mandara)

Hängerollbild (Farbe und Gold auf Seide), Detail. Kamakura-Zeit; Hōju-in, Berg Kōya; 117,9 x 62,1 cm
Bild © Kūkai mandara: Kōbō Daishi to Kōya-san (Katalog), Reihōkan 2006, S. 120, Abb. 44

Buddha Dainichi in der Mitte des Sonshō Mandara, auf dem Dainichi von acht Bodhisattvas umgeben ist. Dainichi formt die für ihn typische Geste der Weisheitsfaust. Das Mandala wurde in Riten zur Abwehr von Katastrophen, sicherer Geburt und Bitte um Regen eingesetzt.

Dainichi inmitten eines Mandalas
Kamakura-zeitliche Darstellung (Detail)

Eine ikonographische Besonder­heit des Dainichi in beiden Welten besteht darin, dass er im Gegen­satz zu anderen Buddhas meist mit einer Art Krone dar­ge­stellt wird. Der esoterische Bud­dhis­mus weicht hier vom asketischen Formen­kanon der klassischen Bud­dha­dar­stel­lung ab. Auch das Bild rechts stellt Dainichi mit Krone dar. Es handelt sich um den Kopf einer aus dem Felsen gehauenen Skulptur des Dainichi aus dem 12. Jahrhundert, die sich in der Stadt Usuki in Kyushu befindet.

Birushana Nyorai

Dainichi Nyorai und seine beiden Mandalas begannen sich unter dem Einfluss des esoterischen Buddhismus ab dem 9. Jh. in Japan zu verbreiten. In der Nara (Nara 奈良Hauptstadt und Sitz des Tenno, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyō …mehr ⇒)-Zeit war der gleiche Buddha dagegen als Birushana (Birushana 毘盧遮那Buddha Vairocana (→ Dainichi) ) — die japanisierte Aussprache von Vairocana (वैरोचनVairocana (skt., m.)„Sonne, sonnenhaft“, Buddha-Name …mehr ⇒) — bekannt. Sowohl Dainichi als auch Birushana leiten sich also vom Sanskritnamen (Maha) Vairocana ab, dieser Buddha ist aber von ver­schie­denen Schulen des chinesischen und japanischen Buddhismus anders interpretiert und dem­ent­sprechend auch durch einen anderen Über­setz­ungs­namen gekenn­zeichnet worden. Birushana war vor allem für die Frühzeit des japanischen Buddhismus wichtig.

Der Große Buddha von Nara

Das eindrucksvollste Monument des Birushana Nyorai ist der Daibutsu (Daibutsu 大仏Großer Buddha …mehr ⇒) des Tōdaiji (Tōdaiji 東大寺Tempel des Großen Buddha von Nara; wtl. Großer Ost-Tempel …mehr ⇒) in der alten Reichshauptstadt Nara (Nara 奈良Hauptstadt und Sitz des Tenno, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyō …mehr ⇒). Wie fast alle Nyorai Figuren sitzt auch dieser Buddha auf einer überdimensionalen Lotos-Blüte, trägt ein schlichtes Mönchs­gewand und ist durch Schädel­aus­wuchs, Stirnmal und große Ohrläppchen charakterisiert. Seine Hand­haltung gibt zwar einen gewissen Hinweis auf seine Identität, eine eindeutige Identifizierung nur aufgrund äußerlicher Merkmale ist in diesem Fall aber nicht möglich.

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Nara Daibutsu

Statue (Bronzeguss). 752, letzter Neuguss 1704; „Nationalschatz“; Tōdaiji, Nara; Sitzhöhe: 15m
Bild © Matthias Scommoda, 2004. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Nara Daibutsu
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Der Kopf des großen Buddha bei der Reinigung

Statue (Bronze), Detail. 752; Tōdaiji, Nara
Bild © Neko to Nara no shashinshū, J-Blog, 2009. (Letzter Zugriff: 2011/9)

Einmal im Jahr, am 7. August, findet eine rituelle Großreinigung des Daibutsu und seiner Halle statt. Wie man sieht, werden ausgeklügelte traditionelle Techniken angewendet, um jedes Fleckchen des Budda zu erreichen. Insgesamt nehmen etwa 200 Mönche, alle in weiß gekleidet, an der Putzaktion teil.

Reinigung des Daibutsu
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Tōdaiji, Daibutsu-den

Tempel. 745 errichtet, heutige Form seit 1709
Bild © Taelos Katran, 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Halle des Großen Buddha

Die kolossale Bronze-Statue des Birushana und die sie umgebende Haupthalle des Tōdaiji sind fast zu gigantomanisch für meinen Geschmack (der Daibutsu in Kamakura gefällt mir besser), aber aufgrund ihrer Geschichte auf jeden Fall faszinierend: Die Her­stel­lung des Daibutsu war ein technisches Wunder­werk, seine Ein­weihung im Jahr 752 (!) ein bud­dhis­tisches Welt­ereignis. Der Daibutsu von Nara gilt als größte Bronzestatue der Welt. Auch die sie umgebende Halle erreicht Guinness Ausmaße.

Sowohl die Halle als auch die Statue wurden im Laufe ihrer langen Geschichte mehrfach beschädigt und renoviert bzw. neu errichtet. Beide hatten ursprünglich noch gigantischere Ausmaße als heute. (Mehr dazu...)

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