Dainichi Nyorai, der kosmische Buddha

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Bernhard Scheid, „Dainichi Nyorai, der kosmische Buddha.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 19.8.2015). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Ikonographie/Dainichi?oldid=56348X

Dainichi Nyorai Dainichi Nyorai 大日如来 Buddha Vairocana, der „kosmische Buddha“; wtl. „Großes Licht“ oder „Große Sonne“siehe auch→ Bauten/Ise Izumo/Schreinanlage Ise→ Ikonographie/Mandala→ Ikonographie/Myoo→ Ikonographie/Mandala/Ryogai Mandara→ Ikonographie/Myoo/Vajrapani → mehr ist der wich­tigste Buddha बुद्ध Buddha (skt., m.) „Der Erleuchtete“; jap. butsu (hotoke) 仏 oder Budda 仏陀siehe auch →  Shaka → Grundbegriffe/Buddhismus→ Grundbegriffe/Buddhismus Lehre→ Bauten/Bekannte Tempel→ Grundbegriffe/Buddhismus Lehre/Vier Wahrheiten→ Ikonographie → mehr des so­genann­ten eso­teri­schen oder tantristischen तन्त्र tantra (skt., n.) „Gewebe“, Lehrschrift des esoterischen Buddhismus (ähnlich Sutra, aber meist mit rituellem Inhalt)siehe auch →  Buddhismus → Grundbegriffe/Buddhismus Lehre→ Ikonographie→ Ikonographie/Myoo→ Ikonographie/Myoo/Fudo → mehr Bud­dhis­mus, der in Japan vor allem in Gestalt der Shingon-shū Shingon-shū 真言宗 Shingon Schule, wtl. Schule des Wahren Wortessiehe auch Kukai → Grundbegriffe/Buddhismus Lehre→ Bauten/Bekannte Tempel→ Ikonographie→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Bauten/Tempel/Pagoden → mehr und Teilen der Tendai-shū Tendai-shū 天台宗 Tendai Schule, chin. Tiantaisiehe auch→ Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya→ Bauten/Bekannte Schreine/Tenjin→ Bauten/Bekannte Schreine/Nikko→ Alltag/Yamabushi → mehr vertreten ist. Doch auch außer­halb dieser Rich­tun­gen zählt dieser Bud­dha zu den am häu­fig­sten ver­ehr­ten Heils­gestal­ten. Als die ersten christ­lichen Mis­sio­nare in Japan ihr Lehre ver­brei­teten, wurde „Dainichi“ sogar kurz­fristig als Über­set­zung für den Namen des christ­lichen Gottes gebraucht.

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Dainichi

Statue, nyorai (Holz, vergoldet, Metallschmuck) von Unkei (ca.1150–1223). Kamakura-Zeit, 1175; „Nationalschatz“; Enjō-ji, Präfektur Nara; Höhe: 98,2 cm
Bildquelle: Rosenfeld 2011, Portraits of Chōgen, pl. 98, S. 137

Eines der frühesten erhaltenen Werke des Meisterbildhauers Unkei. Dargestellt wird Buddha Dainichi mit der mudrā der Weisheit.

Dainichi mit Weisheits-Mudrā
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Dainichi Nyorai

Statue, nyorai (Holz). 12. Jh.; Dōgan-ji, Präfektur Shiga
Bild © Takatsuki Folk Museum

Darstellung des Dainichi Nyorai mit den Händen in der Haltung der Meditations-mudrā.

Dainichi mit Meditations-Mudrā

Dainichi im esoterischen Buddhismus

Dainichi Dainichi 大日 Buddha Vairocana, der „kosmische Buddha“; wtl. „Großes Licht“ oder „Große Sonne“siehe auch→ Ikonographie/Shaka→ Bauten/Tempel/Stupa be­deu­tet wtl. „Große Sonne“ oder „Großes Licht“. Es ist die Über­set­zung von skt. Mahāvairocana महावैरोचन Mahāvairocana (skt., m.) „Große Sonne, Großes Licht“, auch Vairocana; jap. Dainichi 大日siehe auch→ Ikonographie/Myoo/Vajrapani , unter wel­chem Namen dieser Buddha in Indien verehrt wird. Dai­nichi Nyorai wird auch als kos­mi­scher Bud­dha be­zeich­net, der nicht aus einer mensch­lichen Existenz hervor­ging, son­dern von Anfang an eins mit dem uni­ver­salen Dharma धर्म Dharma (skt., m.) Gesetz (des Universums), Lehre (des Buddha); jap. Hō 法siehe auch →  Buddhismus Lehre → Ikonographie→ Ikonographie/Mudra→ Ikonographie/Shaka→ Ikonographie/Myoo → mehr war. Er hält nach dieser Auf­fas­sung sowohl in der Welt der ab­solu­ten Er­kennt­nis, als auch in der Welt der sicht­baren Dinge (das sind also zwei unter­schied­liche Welten!) die höchste Stel­lung inne. Aus­druck dieser bei­den Welten sind die be­reits er­wähn­ten dop­pel­ten Mandalas, in denen Dai­nichi jeweils die zen­trale Posi­tion einnimmt. Seine ikono­graph­ischen Attri­bute sind je nach maṇḍala मण्डल maṇḍala (skt., n.) „Kreis“, schematische Dar­stel­lung der kosmischen Ordnung; jap. mandara 曼荼羅siehe auch →  Mandala → Ikonographie/Shinto-Goetter→ Ikonographie/Mandala/Ryogai Mandara→ Ikonographie/Myoo/Vajrapani→ Ikonographie/Shinto-Goetter/Kasuga Mandala → mehr -Welt unter­schied­lich. Der Dainichi der „vajra वज्र vajra (skt., m.) „Donnerkeil“, Ritualinstrument und Symbol des tantristischen/esoterischen Buddhismus; jap. kongō 金剛siehe auch →  Vajrapani → Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya→ Ikonographie/Mandala→ Alltag/Yamabushi/En no Gyoja→ Ikonographie/Mudra → mehr -Welt“ (= Bereich der absoluten Erkenntnis) ist durch die Mudrā der Höchs­ten Weis­heit (chiken-in chiken-in 智拳印 Mudrā der Weisheitsfaustsiehe auch Mudra ) zu iden­ti­fizieren. In dieser Haltung wird er auch an pro­minen­tester Stelle im Kongōkai mandara Kongōkai mandara 金剛界曼陀羅 Vajra-Welt-Mandala, Diamant-Welt-Mandala, Mandala des Dainichisiehe auch Mandala oder Vajra-Welt-Mandala dar­ge­stellt. Im Taizōkai mandara Taizōkai mandara 胎蔵界曼陀羅 Mutterschoß-Welt-Mandala; Mandala des Dainichisiehe auch Mandala → Ikonographie/Mandala/Ryogai Mandara oder Mut­ter­schoß-Mandala wieder­um erscheint er in „Medi­ta­tions­haltung“, er­kenn­bar an der Meditations-mudrā मुद्रा mudrā (skt., f.) „Siegel“, Gebetsgeste; jap. inzō 印相siehe auch →  Mudra → Grundbegriffe/Buddhismus Lehre→ Ikonographie→ Ikonographie/Amida→ Ikonographie/Shaka → mehr (jōin jōin 定印 Mudrā der Meditationsiehe auch Mudra → Ikonographie/Amida ).

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Dainichi als zentrale Figur eines Mandalas (Sonshō mandara)

Hängerollbild, nyorai (Farbe und Gold auf Seide), Detail. Kamakura-Zeit; Hōju-in, Berg Kōya; 117,9 x 62,1 cm
Bild © Kūkai mandara: Kōbō Daishi to Kōya-san (Katalog), Reihōkan 2006, S. 120, Abb. 44

Buddha Dainichi in der Mitte des Sonshō Mandara, auf dem Dainichi von acht Bodhisattvas umgeben ist. Dainichi formt die für ihn typische mudra der Weisheitsfaust. Das Mandala wurde in Riten zur Abwehr von Katastrophen, sicherer Geburt und Bitte um Regen eingesetzt.

Dainichi inmitten eines Mandalas
Kamakura-zeitliche Darstellung (Detail)

Eine ikono­graphi­sche Be­sonder­heit des Dai­nichi in beiden Welten besteht darin, dass er im Gegen­satz zu anderen Bud­dhas meist mit einer Art Krone dar­ge­stellt wird. Der eso­teri­sche Bud­dhis­mus weicht hier vom aske­tischen Formen­kanon der klassi­schen Bud­dha­dar­stel­lung ab. Auch das Bild rechts stellt Dai­nichi mit Krone dar. Es handelt sich um den Kopf einer aus dem Felsen ge­hauenen Skulptur des Dai­nichi aus dem 12. Jahrhundert, die sich in der Stadt Usuki in Kyū­shū befindet.

Birushana Nyorai

Dai­nichi Nyorai und seine beiden Man­dalas begannen sich unter dem Ein­fluss des eso­teri­schen Bud­dhis­mus ab dem 9. Jh. in Japan zu ver­breiten. In der Nara Nara 奈良 Hauptstadt und Sitz des Tennō, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyōsiehe auch Nara → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Tempel→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Bauten/Ise Izumo→ Bauten/Bekannte Schreine/Kasuga → mehr -Zeit war der gleiche Buddha dagegen als Birushana Birushana 毘盧遮那 Buddha Vairocana; ältere jap. Namensform von Dainichisiehe auch→ Ikonographie/Dainichi/Daibutsu — die japa­nisier­te Aus­sprache von Vairocana वैरोचन Vairocana (skt., m.) „Sonne, sonnenhaft“, Buddha-Name; jap. Birushana/Rushana 毘盧舎那/盧舎那 oder Dainichi 大日siehe auch →  Mandala → Ikonographie/Dainichi/Daibutsu→ Geschichte/Kukai/Kukais Initiation→ Bauten/Tempel/Stupa — bekannt. Sowohl Dai­nichi als auch Biru­sha­na leiten sich also vom Sanskrit­namen (Maha) Vairo­cana ab, dieser Bud­dha ist aber von ver­schie­denen Schulen des chinesischen und japani­schen Bud­dhis­mus anders inter­pretiert und dem­ent­sprechend auch durch einen anderen Über­setz­ungs­namen gekenn­zeichnet worden. Bi­ru­sha­na war vor allem für die Früh­zeit des japa­ni­schen Bud­dhismus wichtig.

Der Große Buddha von Nara

Das ein­drucks­voll­ste Monu­ment des Bi­ru­sha­na Nyorai ist der Daibutsu Daibutsu 大仏 Großer Buddha; monumentale Buddha Statuesiehe auch Daibutsu → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Tempel/Pagoden→ Ikonographie/Amida→ Ikonographie/Shaka → mehr des Tōdaiji Tōdaiji 東大寺 Tempel des Großen Buddha von Nara; wtl. Großer Ost-Tempelsiehe auch Bekannte Tempel → Bauten/Tempel/Tempeltore→ Bauten/Tempel/Pagoden→ Bauten/Bekannte Schreine→ Bauten/Bekannte Schreine/Kasuga → mehr in der alten Reichs­haupt­stadt Nara Nara 奈良 Hauptstadt und Sitz des Tennō, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyōsiehe auch Nara → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Tempel→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Bauten/Ise Izumo→ Bauten/Bekannte Schreine/Kasuga → mehr . Wie fast alle nyorai-Figuren sitzt auch dieser Buddha auf einer über­dimen­sionalen Lotosblüte, trägt ein schlichtes Mönchs­gewand und ist durch Schädel­aus­wuchs, Stirn­mal und große Ohr­läp­pchen charak­teri­siert. Seine Hand­haltung gibt zwar einen gewissen Hinweis auf seine Identität, eine ein­deutige Identi­fizie­rung nur auf­grund äußer­licher Merk­male ist in diesem Fall aber nicht möglich.

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Nara Daibutsu

Statue, daibutsu (Bronzeguss). 752, letzter Neuguss 1704; „Nationalschatz“; Tōdaiji, Nara; Sitzhöhe: 15m
Bild © Matthias Scommoda, 2004. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Der große Dainichi (skt. Vairocana) Daibutsu des Tōdaiji.

Nara Daibutsu
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Der Kopf des großen Buddha bei der Reinigung

Statue, daibutsu (Bronze), Detail. 752; Tōdaiji, Nara
Bild © Neko to Nara no shashinshū, J-Blog, 2009. (Letzter Zugriff: 2011/9)

Einmal im Jahr, am 7. August, findet eine rituelle Großreinigung des Vairocana Daibutsu und seiner Halle statt. Wie man sieht, werden ausgeklügelte traditionelle Techniken angewendet, um jedes Fleckchen des Budda zu erreichen. Insgesamt nehmen etwa 200 Mönche, alle in weiß gekleidet, an der Putzaktion teil.

Reinigung des Daibutsu
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Tōdaiji, Daibutsu-den

Tempelhalle. 745 errichtet, heutige Form seit 1709
Bild © Taelos Katran, 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Halle des Großen Buddas (Daibutsu) des Tōdaiji in Nara.

Halle des Großen Buddha

Die kolossale Bronzestatue des Biru­shana und die sie um­ge­ben­de Haupt­halle des Tōdaiji sind fast zu gi­gan­to­ma­nisch für meinen Ge­schmack (der Daibutsu in Kama­kura gefällt mir besser), aber auf­grund ihrer Ge­schi­chte auf jeden Fall fas­zinie­rend: Die Her­stel­lung des Dai­butsu war ein tech­ni­sches Wun­der­werk, seine Ein­weih­ung im Jahr 752 (!) ein bud­dhis­tisches Welt­ereignis. Der Dai­butsu von Nara gilt als größte Bronze­statue der Welt. Auch die sie um­gebende Halle er­reicht Guinness-Ausmaße.

Sowohl die Halle als auch die Statue wurden im Laufe ihrer langen Ge­schich­te mehr­fach beschädigt und reno­viert bzw. neu er­rich­tet. Beide hatten ur­sprüng­lich noch gigantischere Ausmaße als heute. (Mehr dazu...)

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