Daibutsu Statuen: Im Kampf gegen die Unbeständigkeit des irdischen Daseins
Der Große Buddha von Leshan
- Felsenbuddha. Fertigstellung: 719–803; Höhe: 71 m
Bild © Ariel Steiner, 2005 (bildbearbeitet). (Letzter Zugriff: 2011/5)
Auf dem Bild kann man ganz klein die Touristenmassen erkennen, die auf steilen Felstreppen zur Augenhöhe des Buddhas emporsteigen. Die „europäische“ Sitzhaltung kennzeichnet diese Figur als Maitreya (jap. Miroku), den „Buddha der Zukunft“.
Auf dem Bild kann man ganz klein die Touristenmassen erkennen, die auf steilen Felstreppen zur Augenhöhe des Buddhas emporsteigen.
Eines der zentralen Dogmen des Buddhismus fordert die Einsicht in die Unbeständigkeit aller irdischen Dinge. Umso erstaunlicher mutet es an, dass die größten Statuen der Welt alle Buddhas darstellen und aus buddhistischen Ländern stammen. Im Buddhismus gibt es offenbar einen besonderen Drang, möglichst große Abbilder von Buddhas (बुद्धBuddha (skt., m.) — „Der Erleuchtete“ …mehr ⇒) und Bodhisattvas (बोधिसत्त्वBodhisattva (skt., m.) — „Erleuchtetes Wesen“ …mehr ⇒) herzustellen. Dies gilt sowohl für die heutige Zeit als auch für vergangene Jahrhunderte.
Durch die bilderstürmerischen Attacken der Taliban im Jahr 2001 sind z.B. die Felsenbuddhas von Bamiyan in Afghanistan zu trauriger Berühmtheit gelangt. Ihre Entstehungszeit liegt weitgehend im Dunklen, sie wurden aber bereits vom chinesischen Pilgermönch und Reiseschriftsteller Xuanzang (Xuanzang 玄奘 (chin.) — Berühmter chin. Pilgermönch und buddh. Gelehrter (602–664), Autor eines einflussreichen Reiseberichts, der später als „Reise nach dem Westen“ in einen Roman gefasst wurde …mehr ⇒) im Jahr 632 erwähnt. Ähnlich eindrucksvolle Felsenbuddhas gibt es auch in China: bereits im fünften Jahrhundert wurden bis zu 14m hohe Statuen in den Felsgrotten von Yungang (Provinz Shanxi) aus dem Fels gehauen; fast 100 Jahre (719–803) benötigte die Herstellung des Großen Buddhas von Leshan, der mit 71m Höhe die größte vormoderne Buddha-Statue darstellt (s. Abb. oben). Dieser eindrucksvolle Riese mit dem Charme einer Kinderzeichnung verkörpert im übrigen den „Buddha der Zukunft“ Maitreya (मैत्रेयMaitreya (skt., m.) — „Der Freundliche, der Liebevolle“, Buddha der Zukunft …mehr ⇒) (jap. Miroku (Miroku 弥勒 — Bodhisattva Maitreya, „Buddha der Zukunft“ …mehr ⇒)), der in der späteren buddhistischen Ikonographie Chinas zumeist als „lachender Buddha“ in Erscheinung tritt.
Auch in Japan bemühte man sich, der Lehre des Buddha in Form überdimensionaler Statuen (Daibutsu (Daibutsu 大仏 — Großer Buddha )) bleibende Denkmäler zu setzen. Die berühmtesten Beispiele sind die Großen Buddas von Nara (Nara 奈良 — Hauptstadt und Sitz des Tenno, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyō …mehr ⇒) und Kamakura (Kamakura 鎌倉 — Stadt im Süden der Kantō Ebene, Sitz des Minamoto Shogunats 1185–1333 (= Kamakura-Zeit) …mehr ⇒). Ihre Geschichte klingt zum Teil wie ein Lehrbeispiel der buddhistischen Einsicht in die Unbeständigkeit des irdischen Daseins.
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Der Große Buddha von Nara
Nara Daibutsu
- Statue (Bronzeguss). 752, letzter Neuguss 1704; „Nationalschatz“; Tōdaiji, Nara; Sitzhöhe: 15m
Bild © Matthias Scommoda, 2004. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Der Daibutsu von Nara, der während der ersten Blüte des japanischen Buddhismus in der Nara-Zeit (752) gegossen wurde, ist mit 15 Metern Sitzhöhe die angeblich größte Bronzeguss-Statue der Welt. Auch die Haupthalle des Tōdaiji (Tōdaiji 東大寺 — Tempel des Großen Buddha von Nara; wtl. Großer Ost-Tempel …mehr ⇒), in der der Daibutsu aufgestellt ist, gilt als weltgrößtes Holzgebäude. Sie existiert in ihrer heutigen Form seit dem Jahr 1709. Davor wurde sie zwei Mal (758 und 1190) komplett neu errichtet und zwar jeweils in noch größerem Maßstab als heute.[1]
Die erste Errichtung des Daibutsu und seines Tempels markiert den Höhepunkt der staatlichen Buddhismusförderung im japanischen Altertum und ist in zeitgenössischen Quellen gut dokumentiert. Aus ihnen lassen sich folgende Fakten rekonstruieren:
- Die Originalhöhe der Statue soll ursprünglich etwa 16m betragen haben. Heute ist sie nach mehreren Beschädigungen und darauf folgenden Reparaturen etwas geringer.
- Die erste Initiative, eine Statue dieses Ausmaßes zu errichten, entstand im Anschluss an eine Epidemie im Jahr 735, der große Teile der Bevölkerung und sogar des Adels zum Opfer fielen. Eine Statue zu Ehren des Birushana Nyorai (Birushana 毘盧遮那 — Buddha Vairocana (→ Dainichi) …mehr ⇒) (skt. Vairocana (वैरोचनVairocana (skt., m.) — „Sonne, sonnenhaft“, Buddha-Name …mehr ⇒) , alias Dainichi) sollte derartige Katastrophen in Zukunft verhindern. Der endgültige Standort der Statue wurde allerdings mehrfach verlegt. Mit der Konstruktion im Tōdaiji wurde erst 747 ernsthaft begonnen.
- Der Körper der Statue wurde in acht ringförmigen Segmenten gegossen, eines über dem anderen. Wenn ein Segment fertig war, wurde es mit Erde bedeckt, um darauf die nächste Gussform errichten zu können. Die fertige Statue befand sich somit zunächst in einem großen künstlichen Erdhügel. Nach dem Rohguss erfolgte ein Feinschliff der Statue und schließlich ihre Vergoldung. Erst dann wurde die Halle rund um die Statue gebaut.
- Die Beschaffung des Rohmaterials (Kupfer, Zink, Quecksilber und Gold) stellte das metallarme Land vor gewaltige logistische Probleme. Erst der Fund einer Goldader in Nordjapan im Jahr 849, der der Legende nach auf ein Orakel des Gottes Hachiman in Kyushu zurückzuführen war, gewährleistete, dass die Statue wie geplant auch vergoldet werden konnte. Als Gegenleistung für seine Weissagung wurde Hachiman zum Schutzgott des Großen Buddha erklärt und erhielt einen Zweigschrein auf dem Gelände des Tōdaiji.
- Die Einweihungszeremonie fand am 9. Tag des Vierten Monats 752 statt und war ein Mega-Event, an dem zeitgenössischen Quellen zufolge 7000 Höflinge und 10.000 buddhistische Mönche teilnahmen. Der wichtigste Teil der Feiern bestand in der sogenannten „Augenöffnungs-Zeremonie“, im Zuge derer die Augen der Statue aufgemalt wurden. Sie wurde von einem indischen (!) Mönch namens Bodhisena (बोधिसेनBodhisena (skt., m.) — „Indischer Mönch (704–760), Begründer der japanischen Kegon-Schule“ …mehr ⇒) vorgenommen. Der Pinsel wurde aufgehoben und anlässlich der späteren Renovierung im Jahr 1185 ein weiteres Mal verwendet, diesmal vom betagten Ex-Kaiser Go-Shirakawa geführt. In beiden Fällen wurde ein knapp zweihundert Meter langes Seidenband am Pinsel befestigt, das von hunderten Gläubigen gehalten wurde, um so am symbolischen Akt der Augenöffnung teilzunehmen. Dieses Band befindet sich noch heute unter den Schätzen des Tōdaiji.[2]
Der vergoldete Nara Daibutsu
- Querbildrolle (Papier, Farbe). 12. Jh.; aus Shigisan engi; „Nationalschatz“; 31,8 x 1417,4 cm
Bild © Nara National Museum. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Die einzige bekannte Abbildung der Statue vor der Zerstörung von 1181. Vor der Statue sind undeutlich menschliche Figuren zu erkennen. Es handelt sich um die Protagonistin der dargestellten Episode, die vor dem Buddha eine Nacht in Gebet und Meditation verbringt, um den Aufenthaltsort ihres Bruders geweissagt zu bekommen.
Renovierungen
Erste große Schäden an Halle und Statue traten bereits im neunten Jahrhundert auf. 855, bald nach seinem hundertsten Geburtstag, verlor der Daibutsu infolge eines Erdbebens zum ersten Mal seinen Kopf. Auch traten Risse und Sprünge im Bronzemantel auf. Zwar konnte die Statue 861 wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt werden, doch errichtete man, um die Statue vor weiteren Schäden zu schützen, einen künstlichen Hügel an ihrem Rücken, ähnlich wie zur Zeit des Gusses. Im Jahr 1180, zu Beginn des Genpei-Krieges (Genpei gassen 源平合戦 — Krieg zwischen den Minamoto (Gen) und den Taira (Hei, bzw. Pei), 1180–1185 …mehr ⇒), wurde die Statue schließlich fast vollständig zerstört, als die gesamte Tempelanlage in Folge der Kriegshandlungen in Flammen aufging. Schon bald erfolgte allerdings ein Wiederaufbau unter dem Mönch Chōgen (Chōgen 重源 — Mönch der → Shingon-shū (1121–1206) , bekannt für die Wiedererrichtung des → Tōdaiji ) (1121–1206), im Zuge dessen auch das berühmte Südtor (Nandaimon (Nandaimon 南大門 — Südliches Haupttor einer Tempelanlage …mehr ⇒)) mit seinen kolossalen Wächterstatuen entstand. Bereits 1185 konnte Chōgen eine weitere „Augenöffnungszeremonie“ für den wiederhergestellten Daibutsu durchführen lassen. Im Gegensatz zur Einweihung im Jahr 752 war jedoch nur das Haupt des Buddhas vergoldet, für den Rest der Vergoldung reichten die Mittel nicht.[3]
Die folgenden Bürgerkriege des japanischen Mittelalters überstand die Statue unversehrt, bis die Halle 1567, gegen Ende der „Zeit der Kämpfenden Länder (sengoku jidai 戦国時代 — Zeit der kämpfenden Länder, 1482–1568 …mehr ⇒)“, erneut in Brand gesteckt wurde. Der Daibutsu wurde dabei ein weiteres Mal auf einen Torso reduziert. Erst über hundert Jahre später, im Jahr 1704, erhielt der Große Buddha von Nara den Kopf und die Hände, die wir heute an ihm sehen. Bei genauerer Betrachtung scheinen sie allerdings nicht so recht mit dem alten Rumpf zu harmonieren.
Im Zuge all dieser Reparaturen herrschte zwar das Bemühen, Teile der ursprünglichen Statue in die neue Gussform zu integrieren, doch lässt sich insgesamt sagen, dass nur wenige Teile des heute sichtbaren Nara Daibutsu tatsächlich aus dem achten Jahrhundert stammen. Dennoch nimmt sich das wechselvolle Schicksal des Großen Buddhas von Nara im Vergleich zu manchem Nachfolger noch einigermaßen glimpflich aus.
Der Große Buddha von Kamakura
Kamakura Daibutsu
- Statue (Bronze). 1252?; Höhe: 11 m
Bild © Tom Richardson, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/5)
Der Große Buddha von Kamakura im herbstlichen Abendrot.
Kamakura Daibutsu
- Statue (Bronze). 1252?; Höhe: 11 m
Bild © Nikki, 2006. (Letzter Zugriff: 2012/5/25)
Der Kamakura Daibutsu an einem ruhigen Frühlingsmorgen.
Kamakura Daibutsu
- Statue (Bronze). 1252?; Höhe: 11 m
Bild © Ron Reznick, 2004. (Letzter Zugriff: 2011/11/28)
Kamakura Daibutsu
- Statue (Bronze). 1252?; Höhe: 11 m
Bild © Studio Yamako, (J-Blog), 2012. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Die Statue von hinten. Im Inneren befindet sich eine kleine Treppe, durch die geöffneten Fenster in Schulterblatthöhe dringt Licht und Frischluft in den Innenraum.
Kamakura Daibutsu
- Statue (Bronze), Detail. 1252?; Höhe: 11 m
Bild © Balendu Sharma Dadhich, flickr 2007. (Letzter Zugriff: 2011/10)
An dieser Statue lassen sich einige allgemeine Merkmale der Darstellung von Nyorai Figuren sehr gut erkennen:
Gelocktes Haar, Schädelwölbung, Stirnmal, feiner Schnurrbart, langgezogene, durchlöcherte Ohrläppchen (Zeichen des abgelegten Schmucks), drei Halsfalten.
Gesicht des Großen Buddha von Kamakura
- Statue (Bronze), Detail. 1252
Bild © Robert Prestiano. (Letzter Zugriff: 2008/2)
Gesicht des Amida Daibutsu von Kamakura. Die Gusstechnik in ringförmigen Segmenten ist hier gut zu erkennen.
Kamakura Daibutsu
- Statue (Bronze), Detail. 1252?; Höhe: 11 m
Bild © Jenny Huang, flickr 2006. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Die Mudrā der Mediation mit den für Amida charakteristischen abgewinkelten Zeigefingern. Die „Schwimmhaut“ zwischen Daumen und Zeigefinger ist kein künstlerischer Missgriff, sondern entspricht den 32 Merkmalen eines Buddha.
Kamakura Daibutsu
- Statue (Bronze). 1252?; Höhe: 11 m
Bild © UNIDAM, Japanologie Wien. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Handkolorierte Aufnahme aus der Meiji-Zeit.
Kamakura Daibutsu
- Statue (Bronze). 1252?; Höhe: 11 m
Bild © UNIDAM, Japanologie Wien. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Privatsammlung Sepp Linhart
Handkolorierte Aufnahme aus der Meiji-Zeit.
Der in mehrfacher Hinsicht geglückteste Große Buddha Japans ist der Kamakura Daibutsu, eine Bronze Statue aus dem dreizehnten Jahrhundert, die exakt 500 Jahre nach dem Nara Daibutsu angefertigt wurde. Sie stellt den Buddha Amida (Amida 阿弥陀 — Buddha Amitabha …mehr ⇒) in Meditationshaltung dar und befand sich ursprünglich — wie die meisten anderen Buddha-Statuen auch — in einer Tempelhalle, die im Jahr 1498 von einem Tsunami weggespült wurde. Seither sitzt der Große Buddha von Kamakura im Freien, was ihn aber nur umso effektvoller zur Geltung bringt.
Der Daibutsu von Kamakura stammt aus der Zeit, als Kamakura (Kamakura 鎌倉 — Stadt im Süden der Kantō Ebene, Sitz des Minamoto Shogunats 1185–1333 (= Kamakura-Zeit) …mehr ⇒) der Sitz der Minamoto Shogune (Shōgun 将軍 — Shogun; Titel der Militärherrscher aus dem Kriegeradel …mehr ⇒) und damit politisches Zentrum des Landes war. Die genaueren Umstände seiner Entstehung sind zwar — im Unterschied zum Nara Daibutsu — nur ungenau dokumentiert, es lässt sich aber vermuten, dass die Statue ebenso wie ihr Vorgänger auch als Demonstration eines neuen politisch-religiösen Führungsanspruches dienen sollte. Insofern ist es interessant, dass man nicht versuchte, den Nara-Daibutsu an Größe zu überbieten.
Die Figur ohne Sockel misst etwa 11m. Das Gesicht allein hat einen Durchmesser von 2,5m. Allerdings wirkt der Kopf von weiter weg betrachtet ein wenig überproportioniert. Dies geschah jedoch mit Absicht: Da die Figur eigentlich für eine Halle bestimmt war, sollte sie aus naher Distanz von unten betrachtet am besten zur Geltung kommen. Die üblichen Proportionen lassen aber in einem solchen Fall den Kopf zu klein erscheinen. Tatsächlich wirkt der Kamakura Daibutsu aus der Nähe betrachtet perfekt proportioniert. [4]
Hideyoshi's Daibutsu
Hideyoshis Daibutsu
- Skizze von Engelbert Kaempfer. 1691
Bild © Bodart-Bailey, Kaempfer's Japan., S. 383
Letzte Version von Hideyoshis Daibutsu
- Büste. 1843 errichtet, 1973 zerstört
Bild © Yamaguchi Sumio. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Achthundertfünfzig Jahre nach dem Guss des Daibutsu von Nara unternahm Toyotomi Hideyoshi (Toyotomi Hideyoshi 豊臣秀吉 — Feldherr, Reichseiniger; 1537–1598 …mehr ⇒) (1537–1598, bekannt als der zweite von drei Reichseinigern am Ende der „Zeit der kämpfenden Länder“) einen weiteren Versuch, seinen Herrschaftsanspruch durch die Errichtung eines Daibutsu zu besiegeln. Diesmal sollte es aber tatsächlich eine noch größere Statue werden. Für diesen Zweck sollten u.a. die Schwerter verwendet werden, die Hideyoshi seinen besiegten Gegnern abnehmen ließ.[5] In der Tat gelang es, 1595 nach nur nur fünf Jahren Bauzeit eine etwa einundzwanzig Meter hohe Holzstatue fertig zu stellen.[6] Hideyoshi ließ aus diesem Anlass eine Gedenkzeremonie für seine verstorbenen Eltern abhalten, an der tausend Mönche aus allen wichtigen Richtungen des japanischen Buddhismus teilnahmen. Doch schon ein Jahr später, 1596, wurde der neue Daibutsu durch ein großes Erdbeben schwer beschädigt.
Unverdrossen befahl Hideyoshi die Neuerrichtung der Statue und ließ unterdessen die wundertätige Amida Statue des Zenkō-ji (Zenkō-ji 善光寺 — Tempel in Nagano …mehr ⇒) in Nagano in der Haupthalle seines Tempels aufstellen. Zwar misst diese Statue kaum einen halben Meter, doch handelt es sich der Legende nach um die älteste Buddha-Statue Japans, sodass auch sie Hideyoshis Sucht nach Rekorden entsprach. Außerdem galt die Statue als wundertätiger „lebender Buddha“, was den Zeitgenossen auch erklärte, warum der entwurzelte Amida nur weitere Missgeschicke herauf beschwor. Abgesehen von Hideyoshis erfolglosem Korea-Feldzug brachen in Kyoto Krankheiten aus, denen Hideyoshi schließlich selbst zum Opfer fiel. Obwohl er die wundertätige Statue reumütig in ihren Stammtempel zurückbringen ließ, verstarb er schließlich kurze Zeit später, im Achten Monat 1598. An der Rekonstruktion des großen Buddha wurde dennoch weiter gearbeitet, bis ein Brand im Jahr 1602 das Projekt ein weiteres Mal vereitelte.
Schließlich gewährte der dritte Reichseiniger, Tokugawa Ieyasu (Tokugawa Ieyasu 徳川家康 — 1. Tokugawa Shogun, 1543–1616; Reichseiniger …mehr ⇒) (1543–1616), den Nachkommen Hideyoshis nochmals die Möglichkeit, die Statue in Stand zu setzen, diesmal sogar aus Bronze. (Wahrscheinlich geschah dies mit dem Hintergedanken, Hideyoshis nach wie vor aktive Anhänger von gefährlicheren Vorhaben abzuhalten.) Als diese Arbeiten im Jahr 1614 endlich abgeschlossen waren, nahm Ieyasu ausgerechnet die Einweihungsfeierlichkeiten für diesen Großen Buddha zum Anlass, um Hideyoshis Nachkommen des Verrats zu bezichtigen und schließlich endgültig aus dem Weg zu räumen. Die Statue selbst wurde diesmal zwar nicht in Mitleidenschaft gezogen, fiel jedoch 1662 einem weiteren Erdbeben zum Opfer.
Offenbar wollte man in Kyoto aber nicht auf den größten Buddha des Landes verzichten und baute die Statue noch einmal auf. In seinen Japan-Berichten aus den Jahren 1691–92 berichtet der deutsche Arzt und Japan-Reisende Engelbert Kaempfer, dass der Daibutsu in dieser Zeit zur Gänze vergoldet war und dass der ihn umgebende Tempel Hōkō-ji (Hōkō-ji 方広寺 — Tempel in Kyoto, erbaut 1586-95 als Ahnentempel des → Toyotomi Hideyoshi. Einstmals im Besitz der größten Buddha Statue Japans ) damals wohl Japans größtes Gebäude darstellte. Außerdem fertigte Kaempfer eine Skizze an (s.o.), auf der sich das Muster des Nara Daibutsu gut erkennen lässt. Diese Statue hielt immerhin bis 1798, als sie in Folge eines Blitzeinschlags abbrannte. Danach wurde lediglich eine Büste des Großen Buddha angefertigt, die 1973 einem Brand zum Opfer fiel. Damit war auch der letzte Rest von Hideyoshis Daibutsu-Projekt erloschen.
Andere traditionelle Riesen-Buddhas
Asuka Daibutsu
Asuka Daibutsu
- Statue (Bronze) von Kuratsukuri no Tori. 609; Höhe: 2,75 m
Bild © Kyoto shiseki sansakue. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Mit 2,75m Sitzhöhe erreichte die Statue für die damalige Zeit kollossale Ausmaße. Der Bildhauer stammte aus einer koreanischen Einwandererfamilie. Der Stil des Daibutsu ist kontinental geprägt.
Bereits die älteste datierbare Buddha-Statue Japans aus dem Jahr 609 wird als Daibutsu bezeichnet. Sie befindet sich im Tempel Asuka-dera (Asuka-dera 飛鳥寺 — Erster historisch fassbarer Tempel Japans, gegr. Ende 6. Jh. von → Soga no Umako …mehr ⇒) in der Nähe von Nara. Der Asuka-dera stammt aus der Asuka-Zeit (genauer aus dem späten sechsten Jahrhundert) und gilt als der älteste Tempel Japans. Die Statue nimmt sich mit 2,57m Sitzhöhe gegenüber späteren Beispielen noch relativ bescheiden aus. Jüngere Statuen dieser Größe gelten zwar nicht als Daibutsu, aus Sicht seiner Entstehungszeit wird dieser Buddha aber zurecht als Riesen-Buddha bezeichnet. Die Körpermaße des Asuka Daibutsu wurden im übrigen als die natürlichen Maße eines Buddha angesehen. Nach der damals üblichen Auffassung hat jeder Buddha zu Lebzeiten eine Größe von 1 jō 6 shaku, was in etwa 4,8m Standhöhe bzw. 2,5m Sitzhöhe entspricht. Daher gilt dieses Maß als Standardgröße einer Buddha Statue, die dann als jōrokubutsu (jōrokubutsu 丈六仏 — Standardgröße einer Buddhastatue von einem jō sechs shaku (4,8m) ) bezeichnet wird. Dieses Standardmaß wurde auch häufig um die Hälfte verkleinert, während der Daibutsu von Nara (annähernd) das Zehnfache dieser Größe erreichte.
Hase Kannon
Zu den größten Daibutsu-Statuen aus Holz zählen die Statuen des Elfköpfigen Kannon (Kannon 観音 — Bodhisattva Avalokiteshvara, wtl. „der den Klang der Welt erhört“; chin. Guanyin; „Bodhisattva des Mitleids“ …mehr ⇒) in zwei Tempeln namens Hase-dera (Hase-dera 長谷寺 — Kannon-Tempel in Sakurai, Nara-ken; errichtet in der Nara-Zeit. Hauptattraktion ist eine über 10m hohe Statue des Elfköpfigen Kannon. Ein Zweigtempel mit ebensolcher Statue befindet sich in Kamakura (Kamakura Hase-dera) ) in der Präfektur Nara und in Kamakura. Die komplett vergoldeten Statuen sind beide etwa 10m hoch und sollen nach den Gründungslegenden der Tempel in der Nara-Zeit (721) aus einem einzigen, riesigen Kampferbaum (kusunoki) geschnitzt worden sein. Ihr Schöpfer war ein Mönch namens Tokudō. Er vermachte eine Kannon-Statue dem Hase-dera unweit von Nara. Die andere Statue setzte er im Meer aus und überließ es den Kräften der Natur, einen geeigneten Ort für sie zu finden. Auf diese Weise erreichte die Statue Kamakura, wo ihr zu Ehren ein weiterer Hase-dera errichtet wurde. Die Hase-Tempel leugnen nicht, dass ihre derzeitigen Statuen aus dem sechzehnten Jahrhundert stammen, sie sollen jedoch getreue Nachschöpfungen der Originale aus der Nara-Zeit sein. Auch wenn dies nicht stimmen sollte, sind beide Statuen höchst eindrucksvoll.
Felsenbuddas
Kopf des Furuzono oder Usuki Daibutsu
- Felsenbuddha, magaibutsu, Detail. Späte Heian Zeit; nahe der Stadt Usuki, Präfektur Oita, Kyushu
Bild © Foundation J.-E. Berger. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Darstellung des Dainichi Nyorai. Die heute wieder rekonstruierte Statue misst etwa drei Meter. Es ist die größte einer ganzen Reihe von Felsenbuddhas, die über ein weites Areal in freier Natur verteilt sind.
Abgesehen von Tempelstatuen aus Holz oder Bronze fertigte man bereits im japanischen Altertum Steinskulpturen von Buddhas an, die — ähnlich wie die zuvor erwähnten Beispiele aus Zentralasien und China — aus natürlichen Felswänden herausgemeißelt wurden. Ein bedeutender Fundort der ältesten Felsenbuddhas befindet sich nahe der Stadt Usuki auf der südlichen Hauptinsel Kyushu. Es handelt sich um mehrere Gruppen von ca. 2m großen Felsenbuddhas, die Ende der Heian-Zeit (Heian 平安 — alter Name Kyotos; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit) …mehr ⇒) (12. Jh.) angefertigt wurden. Erst kürzlich wurde die größte Statue, ein Dainichi Nyorai von knapp 3m Höhe, restauriert, nachdem sein Kopf lange Zeit zu seinen Füßen gelegen war.
Nihon-ji Daibutsu
- Statue (Stein). 1783 (in den 1960er Jahren rennoviert); Nokogiri (Säge) Berge, Präfektur Chiba; Höhe: 31m
Bild © Gideon Davidson, 2006. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Felsenbuddha.
Der größte vormoderne Felsenbuddha Japans ist der Daibutsu des Tempels Nihon-ji (Nihon-ji 日本寺 — Tempel auf der Halbinsel Bōso, im Südosten Tokyos; wtl. „Japan-Tempel“ ) (wtl. „Japan-Tempel“) auf der Halbinsel Bōso, südöstlich von Tokyo. Er stellt den Buddha der Medizin, Yakushi Nyorai (Yakushi Nyorai 薬師如来 — Buddha der Medizin; skt. Bhaisajyaguru …mehr ⇒), dar und wurde 1783 vollendet. Zu diesem Zeitpunkt maß die Statue etwa 38m. In der Folge wurde sie durch natürliche Verwitterung arg in Mitleidenschaft gezogen und schließlich in den 60er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts von Grund auf erneuert. Die heutige Statue misst nur noch 31 m. Sie ist dennoch eindrucksvoll genug, um von manchen zu den „Drei Großen Buddhas Japans“ gezählt zu werden. (In Japan gibt es fast von allem und jedem die „Drei Großen ...“) Allgemeine Einigkeit über die Drei Großen Buddhas gibt es jedoch nur hinsichtlich der ersten beiden, also Nara und Kamakura Daibutsu. Als Kandidaten für den „Dritten Großen Buddha“ kommen außerdem in Frage: der Takaoka Daibutsu (Takaoka Daibutsu 高岡大仏 — ca. 16m hohe Buddha Statue in der Stadt Takaoka, Präfektur Toyama ) in der Präfektur Toyama, eine ca. 15m hohe Amida-Statue aus Holz, deren heutige Form aus dem Jahr 1933 stammt, die aber auf Vorläufer aus der Kamakura-Zeit zurückgeht; der Hyōgo Daibutsu (Hyōgo Daibutsu 兵庫大仏 — 11m hohe Statue des Dainichi Nyorai im Tempel Nōfuku-ji in Kōbe, err. 1891 ) des Nōfuku-ji in Kōbe, eine 11m hohe Darstellung des sitzenden Dainichi Nyorai aus dem Jahr 1891, die 1944 zerstört und wiedererricht wurde; u.a.m.
Moderne Riesenbuddhas
Eine Kategorie für sich bilden Riesenbuddhas aus Stahlbeton, deren Errichtung sich in der „Bubble-Ökonomie“ Ende des zwanzigsten Jahrhunderts besonderer Beliebtheit erfreut. Der derzeit größte japanische Riedenbuddha ist der Ushiku Daibutsu (Ushiku Daibutsu 牛久大仏 — Rund 100m hohe Statue des Buddha Amida in der Präfektur Ibaraki, fertiggestellt 1995 ) (ein stehender Amida) rund 50km nordöstlich von Tokio, in der Präfektur Ibaraki. Es handelt sich dabei um eine Beton-Statue mit Bronze-Verkleidung aus dem Jahr 1995, die mit 110m Höhe die damals größte Buddha-Figur der Welt darstellte. Beinahe ebenso hoch ist die Große Kannon Statue von Sendai (Sendai Daikannon (Sendai Daikannon 仙台大観音 — 100m hohe Kannon Statue in der Stadt Sendai, Präfektur Miyagi, errichtet 1991 )) aus dem Jahr 1991, die 100m misst. Zuvor wurde der Größenrekord von der Dai-Kannon Statue in Ashibetsu, Hokkaido (88m; erbaut 1989) eingenommen. Ganz offensichtlich ist der Wettbewerb einzelner japanischer Regionen um die größte Statue mit dem Platzen der ökonomischen Blase in den 90er Jahren zum Stillstand gekommen. Derzeit (2009) führt wieder China mit dem „Spring Temple Buddha“ von Henan (153m; errichtet 2002). [7]
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Ushiku Daibutsu
Von der buddhistischen Jōdo Shin-shū errichtete Statue des Amida. Die äußerste Hülle dieses Buddha besteht aus einer lediglich 6mm dicken Haut aus Bronze. Daher wird er auch als größte Bronzestatue der Welt bezeichnet. In der Mitte der Brust sind undeutlich drei Öffnungen zu erkennen, aus denen Besucher, die mit einem Lift im Inneren der Statue hinauf befördert werden, hinausschauen können. Ushiku Daibutsu (110m)
In der Mitte der Brust sind undeutlich drei Öffnungen zu erkennen, aus denen Besucher, die mit einem Lift im Inneren der Statue hinauf befördert werden, hinausschauen können. |
Sendai Daikannon
Sendai Daikannon (100m)
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Links und Literatur
- List of statues by height (en.)
Wikipedia - Artikel über die größten Statuen der Welt. - Big Buddha, Ron Gluckman (en.)
Reportage über den Großen Buddha von Leshan. - The Great Buddha and Kotoku-in (en.)
Offizielle HP des Großen Buddha und des Kotokuin- Tempel in Nara. - The Usuki Site, James and Janet Goodwin (en.)
Detaillierte Beschreibung der Felsenbuddhas in Usuki, Kyushu. - Hideyoshi no Daibutsu-den zōei, Yamaguchi Sumio (jap.)
- Mary Elizabeth Berry 1982
Hideyoshi. (Harvard East Asian Monographs.) Boston: Harvard University Press.
- Beatrice Bodart-Bailey (Hg.) 1999
Kaempfer’s Japan: Tokugawa Culture Observed. Honolulu: University of Hawaii Press.
- John M. Rosenfield 2011
Portraits of Chōgen: The Transformation of Buddhist Art in Early Medieval Japan. (Japanese Visual Cuilture, Bd. 1.) Leiden und Boston: Brill.
- Bernhard Scheid 2003
„Schlachtenlärm in den Gefilden der kami: Shintoistische Vergöttlichung im Fadenkreuz weltlicher und geistlicher Machtpolitik.“ In: Hannelore Eisenhofer-Halim (Hg.), Wandel zwischen den Welten: Festschrift für Johannes Laube. Frankfurt/Main: Lang, S. 619-645.Letzte Überprüfung der Linkadressen: Aug. 2010
Anmerkungen
- ↑ Rosenfield 2011, S. 117–18
- ↑ Rosenfield 2011, S. 112–13
- ↑ Rosenfield 2011, S. 111.
- ↑ Diesen sogenannten Anamorphismus findet man z.B. auch bei den Wächterstatuen des Nara Daibutsu.
- ↑ In einem Edikt von 1588, das Hideyoshis sogenannter „Schwertjagd“ zugrunde liegt, heißt es:
The swords and short swords collected in the above manner will not be wasted. They will be used as nails and bolts in the construction of the Great Image of Buddha. In this way, farmers will benefit not only in this life but also in the lives to come.
Zitiert nach The edicts of Toyotomi Hideyoshi Asia for Educators, Columbia University, [2011/3]
- ↑ 63 Shaku (Yamaguchi Sumio). Andere Berichte sprechen von bis zu 24 Metern möglicherweise unter Einbeziehung des Sockels. Fest steht, dass die Statue vollkommen mit Goldlack bedeckt war. Die Konstruktion lag in den Händen des führenden Bildhauers dieser Zeit, Kōshō (1534–1621).
- ↑ Quelle: List of statues by height, Wikipedia [2011/7]
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