Die Sieben Glücksgötter

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Bernhard Scheid, „Die Sieben Glücksgötter.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 3.3.2014). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Ikonographie:Gluecksgoetter?oldid=35709

Die Sieben Glücksgötter (shichi fukujin (shichi fukujin 七福神Die Sieben Glücksgötter …mehr ⇒)) sind ein Sinn­bild für das religiöse Streben nach dies­seitigem Wohl­er­gehen (genze riyaku (genze riyaku 現世利益(religiöse) Belohnung in diesem Leben …mehr ⇒)). Sie ent­standen zusam­men mit der bürger­lichen Stadt­kultur im späten Mittel­alter und gewan­nen in der Edo (Edo 江戸Sitz der Tokugawa Shogune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tokyo …mehr ⇒)-Zeit (1600–1867) ihre be­kannte ikono­graphische Gestalt.1 Auf den ersten Blick scheint es, als ob das Glück, das sie versprechen, nur mit materiel­lem Gewinn zu tun hat, doch transpor­tieren sie auch Tugen­den wie Fleiß, Arbeits­eifer und Selbst­genüg­sam­keit. Ihre Botschaften sind jedoch völlig frei von jeder trans­zen­denten Dimen­sion. Auf diese Weise haben sie sich mühe­los aus der Vor­moderne in die moderne Konsum­gesell­schaft hin­über­gerettet.

Heute gelten die fukujin zwar als Shinto-Götter (kami (kami japanische Gottheit …mehr ⇒)), doch sie tragen viele buddhistische oder daoistische Merk­male aus der Zeit ihrer Ent­stehung, als die Trenn­wand zwischen Buddhas (बुद्धBuddha (skt., m.)„Der Erleuchtete“ …mehr ⇒) und Kami noch wesent­lich durch­lässiger war. Sie ver­einen die mild­tätige Barm­herzig­keit der Bodhisattvas (बोधिसत्त्वBodhisattva (skt., m.)„Erleuchtetes Wesen“ …mehr ⇒) , die ehr­furcht­gebie­tende Strenge der Devas (देवdeva (skt., m.)„Gottheit“, oberste Klasse indischer Götter …mehr ⇒) und das daois­tische Ver­sprechen des Langen Lebens mit einer boden­stän­digen Lebens­tüchtig­keit und sind damit ein an­schau­liches Bei­spiel für den un­ver­krampf­ten Um­gang der japani­schen Kultur mit ver­schie­denen religiösen Tradi­tionen.

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Sieben Glücksgötter

Insel Takeshima, nahe der Stadt Gamagori, Präfektur Aichi
Bild © Steve-kun, flickr 2007. (Letzter Zugriff: 2012/5)

Moderne Darstellung.

Noch heute ist es Brauch, in der Neujahrsnacht ein Bild der Glücks­götter unter den Kopf­polster zu legen, um das Neue Jahr mit einem glücks­ver­heißenden Traum zu begin­nen. Auch kleine Pilger­fahrten zu Sieben Tempeln oder Schreinen, die jeweils einem der Götter ge­wid­met sind, erfreuen sich am Jahres­anfang großer Beliebt­heit. Jeder Gott kann aber auch allein an­ge­betet werden und hat seinen eigenen Zustän­dig­keits­bereich.

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Die einzelnen Fukujin

Daikoku

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„Karriere-Daikoku“ (Shusse Daikoku)

Skulptur (Holz, Lack). Muromachi-Zeit?; Kiyomizu Tempel, Kyoto
Bild © Ron Reznick, 2004. (Letzter Zugriff: 2011/4)

Leider wurde der Shusse Daikoku des Kiyomizu Tempels mittlerweile ziemlich lieblos restauriert und verströmt nicht mehr die gleiche geheimnisvolle Aura wie auf diesem Bild.

Daikoku (Daikoku 大黒Glücksgott; skt. Mahakala = „Großer Schwarzer“ …mehr ⇒) ist so etwas wie der Anführer aller sieben Glücks­götter, viel­leicht, weil er am längsten in dieser Funktion ver­ehrt wird. Zu seinen wich­tigsten Emble­men zählen Reis­sack und Glücks­ham­mer. Er steht in erster Linie für Wohl­ergehen in Form von Nah­rung, doch so wie der gebündelte Reis einst auch ein Zahlungs­mittel war, lässt sich sein Zu­stän­dig­keits­bereich leicht auf jede Form von materiel­lem Wohlstand aus­dehnen. Sein Boten­tier ist die Maus, die im chine­sischen Horoskop eben­falls mit Reich­tum (oder Geiz) asso­ziiert wird. Wenn Daikoku als ein­zelne Gott­heit verehrt wird, bewacht mitun­ter ein Paar Mäuse seinen Tempel oder Schrein.

Daikoku trägt manchmal den Göttertitel -ten (-ten wtl. Himmel; Göttertitel für eine eine aus Indien übernommene Gottheit (skt. Deva) …mehr ⇒), was ihn als mit dem Buddhismus in Zusammenhang stehende deva (देवdeva (skt., m.)„Gottheit“, oberste Klasse indischer Götter …mehr ⇒) -Gottheit ausweist. Konkret handelt es sich um die zornvolle tantristische Gottheit Mahakala (महाकालMahākāla (skt., n.)„Großer Schwarzer“, esoterische Gottheit …mehr ⇒) . Beider Namen lassen sich als „Großer Schwarzer“ über­setzen. Ältere Darstellungen zeigen Daikoku daher auch mit schwarzer Haut und drei Gesichtern. Einige seltene Daikoku Bilder ähneln sogar den Mahakala Dar­stel­lungen des tibeti­schen Bud­dhis­mus, mit furcht­ein­flößenden Attri­buten wie Raub­tier­zähnen, Schmuck aus Schlangen und Toten­schädeln und dgl. mehr. Doch gibt es seit alters­her auch eine „ein­heimi­sche“ Variante des Daikoku, in der er als ein­facher Bauer auf­tritt. In dieser Gestalt wird er auch häufig mit dem mytho­logi­schen Gott Ōkuninushi (Ōkuninushi 大国主mythol. Gottheit; wtl. Großer Meister des Landes …mehr ⇒) iden­tifiziert. (Mehr dazu...)

Auf vielen Bildern ist Daikoku zusammen mit Ebisu, dem Gott des Fisch­fangs, zu sehen. Daikoku und Ebisu sorgen für die materiel­len Grund­be­dürf­nisse, die Ernäh­rung, und ver­treten oft die Gesamt­heit der Glücksgöt­ter, sozu­sagen in kleiner Besetzung.

Ebisu

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Ebisu (Ebisu 恵比寿Glücksgott der Händler und Fischer; andere Schreibung: 夷 oder 戎 …mehr ⇒) trägt die klassische Hoftracht (kariginu (kariginu 狩衣Priestertracht (ehemals Hoftracht); wtl. „Jagdgewand“ …mehr ⇒)), die heute noch von Shinto-Priestern benützt wird, in der Edo-Zeit aber auch von Bauern und Hand­werkern getragen wurde. Anhand seiner Attri­bute ist er deut­lich als Gott des Fisch­fangs zu er­ken­nen: Er hält eine Angel und trägt eine riesige Rote Meer­brasse (tai) unter dem Arm. Den­noch scheint er in manchen Gegen­den auch als Gott der Land­wirt­schaft ver­ehrt worden zu sein. Heute ist er unter Laden­besit­zern, Klein­gewerbe­treiben­den und Wir­ten beson­ders populär. Auch die bekannte Bier­marke „Yebisu“ trägt seinen Namen.

Ebisu gilt als der einzige „einheimische“ Gott unter den Shichi Fukujin, sein Name dürfte aller­dings die Grund­bedeutung „Fremder“ besitzen. Laut manchen Schrein­legen­den wird er mit dem so­genann­ten „Blutegel-Kind“ (Hiru-ko (Hiru-ko 蛭子wtl. Blutegel-Kind; erstes (missratenes) Kind von → Izanagi und Izanami …mehr ⇒)), dem ersten und etwas miss­glück­ten Spröss­ling des Ur­göt­ter­paares Izanagi (Izanagi 伊耶那岐 / 伊奘諾Göttervater; auch Izanaki (ki hier männliche Endung) …mehr ⇒) und Izanami (Izanami 伊耶那美 / 伊奘冉Göttermutter, Göttin der Unterwelt (mi hier weibliche Endung) …mehr ⇒) in Ver­bindung gebracht. (Diese Her­leitung ent­stammt wohl dem Nishinomiya Jinja (Nishinomiya Jinja 西宮神社Ebisu Schrein in der Stadt Nishinomiya, Hyōgo-ken, bei Osaka …mehr ⇒) in der Nähe von Ōsaka, einem Zentrum des Ebisu-Kultes, beruht jedoch nicht auf klas­sischen Quel­len wie Kojiki (Kojiki 古事記Älteste jap. Chronik (712) …mehr ⇒) oder Nihon shoki (Nihon shoki 日本書紀Zweitältestes Schriftwerk und erste offizielle Reichschronik Japans (720) …mehr ⇒).) Anderer­seits wird Ebisu auch gern mit der mytho­logi­schen Zwerg-Gottheit Sukunabikona (Sukunabikona 少名毘古那winzige Gottheit, Gefährte oder alter ego von Ōkuninushi, auch: Sukunahikona …mehr ⇒) asso­ziiert, eine Art Alterego des oben genannten Ōkuninushi (Daikoku). In beiden Fällen soll Ebisu über das Meer nach Japan gekommen sein. Dieses Motiv eines Fremden, der per Schiff quasi auf Besuch kommt und wieder verschwindet, könnte auch dem Schatzschiff, auf dem die gesamte Gruppe der Glücksgötter häufig abgebildet ist, zugrunde liegen. (Mehr dazu...)

Benzaiten

Benzaiten (Benzaiten 弁才天/ 弁財天Glücksgöttin, Gottheit des Wassers, der Musik und der Beredsamkeit; skt. Sarasvati; auch: Benten …mehr ⇒) oder abgekürzt Benten („Deva der Bered­samkeit“) ist die einzige Frau unter den Sieben Glücks­göttern. Allein schon auf­grund ihrer äußeren Er­schei­nung steht Benten für Anmut. In den meisten Ab­bildun­gen hält sie eine biwa (biwa 琵琶jap. Laute …mehr ⇒)-Laute in der Hand. Dieses Instru­ment hat sie von ihrer indischen Ahnin, der Fluss­göt­tin Sarasvati (सरस्वतीSarasvatī (skt., f.)indischer Fluss; Flussgöttin der Beredsamkeit, der Musik und der Gelehrsamkeit …mehr ⇒) über­nommen. Beide Göttin­nen sind aus­gehend vom Wasser auch für Be­red­sam­keit, für Musik, für das Wissens und die Künste zuständig.

Der Glücksaspekt Benzaitens kann natürlich ebenfalls vom Wasser herrühren, also von Benzaitens Einfluss auf den Regen und damit auf die Landwirtschaft. Noch direkter scheint aber eine heute fast in Vergessenheit geratene Darstellung einer achtarmigen Benzaiten mit ihrer Funktion als Glücksgöttin in Verbindung zu stehen. In dieser Gestalt hält Benzaiten ein buddhistisches Wunschjuwel (Nyoi no tama (Nyoi no tama 如意の玉Wunschperle, Wunschjuwel …mehr ⇒)) in der Hand und ist häufig von fünfzehn (oder sechzehn) Jünglingen umgeben, die ihre wohltätigen Eigenschaften repräsentieren.

Trotz der verschiedenen Erscheinungsformen, die Benzaiten im Laufe ihrer Geschichte zugeschrieben wurden, hat sie ihre enge Verbin­dung zum Wasser stets bei­behalten. Ihre Schreine oder Tempel befinden sich sind fast immer auf natürlichen oder künstlichen Inseln, sind als ganz von Wasser um­geben. In Kamakura gibt es darüber hinaus den berühm­ten Zeniarai-Benten Schrein — den Schrein der „geld­waschen­den Benten“. Wer an der dortigen Quelle sein Geld wäscht, darf auf dessen wunder­same Vermeh­rung hoffen. (Mehr dazu...)

Bishamon-ten

Der Name Bishamon-ten (Bishamon-ten 毘沙門天Himmelswächter des Nordens, Glücksgott …mehr ⇒) leitet sich von skt. Vaishravana (वैश्रवणVaiśravaṇa (skt., m.)„Sohn des Gerühmten“, Himmelswächter des Nordens, aka. Kubera …mehr ⇒) ab. Vaishravana ist einer der Vier Himmelskönige (Shi-Tennō (Shi-Tennō 四天王Die 4 Himmelskönige (Weltenwächter) …mehr ⇒)), und zwar der Hüter des Nordens. In Japan ist Bishamon-ten auch unter dem Namen Tamon-ten (Tamon-ten  多聞天Synonym von Bishamon-ten, Himmelswächter des Nordens (skt. Vaishravana) …mehr ⇒) (einer Über­setzung des Sanskrit­namens mit der Bedeutung „der alles Hörende“) bekannt. Zu seinen Attributen zählen ein Dreizack und eine kleine Pagode. In der klas­sischen Ikono­graphie strahlt er die Würde eines Feld­herren aus und wurde in früherer Zeit auch mit der Bitte um Kriegs­glück an­ge­betet. Auch als Glücks­gott wird er immer in chinesischer Rüstung dargestellt.

Besonders im frühen japanischen Buddhismus erfreute sich Bishamon-ten einer großen Be­liebt­heit. Das Goldglanz Sutra portraitiert ihn als Er­finder einer Gebets­formel (mantra (मन्त्रmantra (skt., n.)Gebets­formel …mehr ⇒) ), die alle Wünsche verwirklichen hilft. Obwohl seine Bedeutung mit der Zeit abnahm, entwickelte sich ein dem Bishamon-ten geweihter Tempel, der Kurama-dera (Kurama-dera 鞍馬寺Tempel im Norden Kyōtos, wo unter anderem →Bishamon-ten, der Hüter des Nordens, als Beschützer der Hauptstadt verehrt wurde. ) in den Bergen nördlich von Kyōto, im japanischen Mittelalter zu einer Art Pilgerzentrum für die Stadtbevölkerung. Dies dürfte einer der Gründe sein, warum diese kriegerische Gottheit in den ursprünglich aus Kyoto stammenden Kreis der Sieben Glücksgötter aufgenommen wurde. Doch auch der indische Vorläufer dieser Gottheit konnte als Reichtumsgottheit angebetet werden. (Mehr dazu ...)

Hotei

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Hotei

Hängerollbild (Papier, Tusche, Farbe) von Kano Masanobu (1434–1530). Muromachi-Zeit; 81,5 x 44,8 cm
Bildquelle: Awakenings, Zen Painting in Medieval Art. (Letzter Zugriff: 2013/11)
The John C. Weber Collection

Ein besonders freundlicher Hotei, dessen Bauch durch seinen Sack ausbalanciert wird. Sein äußeres Erscheinungsbild (gedrungene Statur, dicker Bauch, fleischige Ohrläppchen, ...) ähnelt bereits den Sieben Glücksgöttern, deren Kombination etwa zur gleichen Zeit (15. oder 16. Jh.) erstmals als Bildmotiv auftaucht.

Hotei (15. Jh.)

Die Figur des Hotei (Hotei 布袋Glücksgott; Inkarnation von Bodhisattva Maitreya …mehr ⇒) geht auf die legenden­umwo­bene Gestalt des chi­nesi­schen Mönchs Qici (auch Changting zi) zurück. Dieser führte im neun­ten Jahr­hun­dert ein Wan­der­le­ben als Bet­tel­mönch. Er trug seine Hab­selig­kei­ten stets in einem großen Sack mit sich, so­dass er vor allem unter sei­nem Spitz­na­men „Jute­sack“ (chin. Budai oder Pu-tai, jap. Hotei) bekannt wurde.

Budai/Hotei erwies sich nach seinem irdi­schen Leben als In­karna­tion des Bodhisattva (बोधिसत्त्वBodhisattva (skt., m.)„Erleuchtetes Wesen“ …mehr ⇒) Maitreya (मैत्रेयMaitreya (skt., m.)„Der Freundliche, der Liebevolle“, Buddha der Zukunft …mehr ⇒) (jap. Miroku (Miroku 弥勒Bodhisattva Maitreya, „Buddha der Zukunft“ …mehr ⇒), chin. Mile-fo, auch als „Buddha der Zukunft“ bekannt) und wurde in China zum typi­schen „Lachen­den Buddha“. Be­son­ders be­liebt ist er im Chan/Zen Bud­dhis­mus, wo seine Heiter­keit als Aus­druck der Selbst­genüg­sam­keit be­grif­fen wird. Er stellt er ein be­lieb­tes Motiv der Zen Tusche­zeich­nungen (zenga (zenga 禅画Zen-Tuschebild …mehr ⇒)) dar. (Mehr dazu ...)

Fukurokuju und Jurōjin

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Jurōjin

Graphik (Papier, Tusche, Farbe) von Tani Bunchō (1763–1841). Edo-Zeit; 68,2 x 48,3 cm
Bild © Tani Buncho-ha Database. (Letzter Zugriff: 2013/11/26)
Jurōjin in Begleitung von Hirsch und Schildkröte. Der Literat und Maler Tani Bunchō kopierte hier ein Bild von Sesshū 雪舟 aus der Muromachi-Zeit.
Jurōjin
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Fukurokuju

Graphik (Papier, Tusche, Farbe) von Tani Bunchō (1763–1841). Edo-Zeit; 55,6 × 44,7 cm
Bild © Tani Buncho-ha Database. (Letzter Zugriff: 2013/11/26)
Fukurokuju
Glücksgötter von Tani Buncho (späte Edo-Zeit)

Fukurokuju (Fukurokuju 福禄寿Glücksgott, Gott des Langen Lebens …mehr ⇒) (wtl. „Glück-Erfolg-Langes Leben“) und Ju­rō­jin (Jurōjin 寿老人Glücksgott …mehr ⇒) (wtl. „Alter Mann des Lan­gen Lebens“) erschei­nen beide als alte Männer und sind mit allen mögli­chen Eigen­schaf­ten und Emblemen daois­tischer Un­sterb­licher aus­ge­stat­tet. Dazu gehört auch die markante, phal­lisch anmu­tende Form ihres Schädels, der aller­dings oft dezent unter einer Kappe ver­borgen ist. Beide Götter tragen das Zeichen 寿 (ju 寿Langes Leben …mehr ⇒) für Langes Leben im Namen und ge­währen den ent­spre­chen­den Wunsch. Die tierischen Begleiter der beiden sind Kranich, Schild­kröte und Hirsch, wobei der letztere meist an der Seite von Jurōjin zu finden ist. Vor allem die Schildkröte, aber auch Kranich und Hirsch gelten als Symbol­tiere des Langen Lebens.

Trotz ihrer unverkennbar daoistischen Attribute sind die beiden Gott­heiten als solche in China selbst nicht zu finden. Fuku-roku-ju (chin. fu-lu-shou) be­zeich­net jedoch eine Gruppe von drei chinesi­schen Glücks­göttern, die u.a. im Feng shui eine wichtige Rolle spielen. Jurōjin könnte eine Be­zeich­nung für den Süd­lichen Polar­stern (Canopus) sein, der in China selbst als Gottheit des Langen Lebens und als Verkör­perung Lao-tse's gilt.

Fukurokuju und Jurōjin sind somit aus allerlei daoistischen Versatz­stücken zu­sammen­gesetzt, die um das Thema „Langes Leben“ kreisen und sich im Grunde beliebig kombi­nieren lassen. Daher ver­wundert es nicht weiter, dass sie mit­un­ter zu einem Gott ver­schmol­zen wurden. In diesem Fall wurde die Gruppe der Shichi Fukujin bei­spiels­weise durch die weib­liche Gottheit Kichijō-ten (Kichijō-ten 吉祥天Hindu-buddhistische Göttin des Glücks; auch: Kisshōten; skt. Lakshmi …mehr ⇒) (auch Kisshōten) ergänzt.

Wieso Sieben?

Vorbilder oder Verwandte der Sieben Glücksgötter finden sich vor allem in China, dort sind es aber üblicher­weise acht daois­tische Un­sterb­liche, die zusam­men auf einem Boot zur Insel der Glück­selig­keit unter­wegs sind. Es gibt ver­schiedene Theorien, wieso man sich in Japan statt dessen auf die Zahl Sieben fest­legte. So wird z.B. immer wieder auf die Sieben Übel (shichinan), bzw. die Sieben Tugen­den (shichi shōzai) des Bud­dhis­mus hin­ge­wiesen.2 Die Zahl Sieben spielt aber auch im chinesi­schen Polar­stern-Glauben eine wichtige Rolle (Anzahl der Sterne im Stern­bild des Großen Wagens). Auch die Sieben Weisen im Bambus­hain, eine Gruppe chine­sischer Philo­sophen, die gerne auf den Tusch­male­reien der mittelalterlichen Zen-Mönche dar­ge­stellt wurde, könnten eine Inspria­tions­quelle der Shichi Fukujin gewesen sein.3

Eine bekannte Anekdote besagt, dass das Ensemble der Sieben Glück­götter auf den Mönch Tenkai (Tenkai 天海1536?–1634; Abt und Reformer des Tendai Buddhismus, religiöser Berater des Tokugawa Shogunats; auch: Nankōbō Tenkai; Jigen Daishi …mehr ⇒), einen wich­tigen religi­ösen Rat­geber des ersten Tokugawa Shoguns Tokugawa Ieyasu (Tokugawa Ieyasu 徳川家康1. Tokugawa Shogun, 1543–1616; Reichseiniger …mehr ⇒) zurück­geht. Tenkai hätte die Sieben Tugen­den des Bud­dhis­mus in ab­ge­wandel­ter Form auf Ieyasu über­tragen und mit sieben Gott­heiten folgen­der­maßen in Ver­bindung ge­bracht: Langes Leben (Jurōjin), Wohlstand (Daikoku), Beliebt­heit (Fukurokuju), Auf­richtig­keit (Ebisu), Liebens­würdig­keit (Benzaiten), Autorität (Bishamon­ten), Großmut (Hotei). Diese Kombi­nation sei der Schlüs­sel zu Ieyasus erfolgreicher Be­friedung des Landes. Klar, dass Ieyasu von dieser Charak­terisierung be­geis­tert war und seinen Hofmaler anwies, die sieben Gottheiten in einem Bild darzustellen. Leider dürfte es sich allerdings bloß um eine Legende handeln, die durch verlässliche historische Quellen nicht bestätigt werden kann.

Frühformen der Shichi Fukujin legen die Vermutung nahe, dass das Ensemble tat­sächlich von bud­dhis­tischen Mönchen kreiert wurde. Wahr­schein­lich geht die Idee aber nicht auf einen einzigen Mönch zurück, sondern bildete sich all­mäh­lich im Laufe der Muromachi (Muromachi 鎌倉Stadtteil in Kyoto; Sitz des Ashikaga Shogunats; 1333–1573 (= Muromachi-Zeit) …mehr ⇒)-Zeit (14.–16. Jh.) heraus. In jedem Fall waren die Shichi Fukujin in der Edo (Edo 江戸Sitz der Tokugawa Shogune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tokyo …mehr ⇒)-Zeit wesentlich bekannter und populärer als mythologische Gott­heiten wie Amaterasu (Amaterasu 天照Sonnengottheit, Ahnherrin des Tennō …mehr ⇒) oder Susanoo (Susanoo 須佐之男mytholog. Trickster-Gott; Sturmgott, Mondgott …mehr ⇒). Vor allem auf bildlichen Dar­stel­lungen sind sie allseits präsent, während die „eigentlichen“ Shinto-Götter nur sehr selten ab­ge­bildet werden. Daran hat sich im Grunde bis heute nichts geän­dert.

Anmerkungen

  1. Dieser Befund stammt von Kita Sadakichi, einem umstrittenen Historiker und Volkskundler der Zwischenkriegszeit, der 1935 den Aufsatz „Shichifukujin no seiritsu“ (Die Entstehung der Sieben Glücks­götter) ver­öffent­lichte. Kitas zeit­liche Ein­ordnung der Glücks­götter wird jedoch von der japa­nischen Volks­kunde heute allge­mein akzep­tiert.
  2. Im Sutra der Barmherzigen Könige, Ninnō-kyō, heißt es im Zusammenhang mit dem Rezitieren eines Sutrentextes: „... da vergingen die Sieben Übel, und die Sieben Wohltaten entstanden“ (shichinan sokumetsu, shichifuku sokushō 七難即滅七福即生). Diese Wendung wurde in späteren Schriften des japanischen Buddhismus häufig zitiert. Worin die Sieben Übel bestehen, wird allerdings unterschiedlich angegeben. (Kita 1935, in Miyata 1998, S. 300).
  3. Laut Kita soll ein gewisser Mönch Keishun 瓊春 bereits im 15. Jh. ein Bild gemalt haben, in dem die Götter Ōkuninushi, Hiruko, Uzume, Bishamon, Fukurokuju, Jurōjin und Hotei in Imitation der Sieben Weisen im Bambushain dargestellt wurden. Das Original wurde allerdings 1473 durch Brand vernichtet und ist nur in Kopien erhalten. Jedenfalls entsprechen diese Götter weitgehend den späteren Glücksgöttern, lediglich Ame no Uzume (Ame no Uzume 天鈿女/天宇受賣mythologische Gottheit, Ahnherrin des Theaters …mehr ⇒) wurde durch Benzaiten ersetzt. (Ibid, S. 301–302)
shichifukujin_hokusai.jpg

Shichifukujin

Katsushika Hokusai (1760-1849). Späteren Edo-Zeit, frühes 19.Jh.
Bild © Muian. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Zeichnung in ihrer ikonographisch ausgereiften Form.

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