Die rätselhafte Karriere des Daikoku

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Bernhard Scheid, „Die rätselhafte Karriere des Daikoku“ (Stand: 2014-03-2). In: ders. (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch (Universität Wien, seit 2001). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Ikonographie:Gluecksgoetter/Daikoku?oldid=35679
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Daikoku

Statue (Holz). Muromachi Zeit; Kojima-dera, Präfektur Nara
Bild © Don Pancho, Scan aus dem Tempelkatalog. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Frühes Beispiel des „typischen“ Glücksgottes Daikoku mit Sack und Glückshammer, Barrett und den für die meisten Glücksgötter typischen riesigen Ohrläppchen. Die Statue befindet sich im Kojima-dera, einem sehr alten Tempel des Shingon Buddhismus.

. 1 Daikoku, 16. Jh.

Der Glücksgott Daikoku (Daikoku 大黒Glücksgott; skt. Mahakala = „Großer Schwarzer“ …mehr ⇒) ist wahrscheinlich die am häufigsten dargestellte Gottheit innerhalb des weitläufigen buddhistisch-shintoistischen Pantheons in Japan. Das Geheimnis seines Erfolges ist auf den ersten Blick einfach: Er gilt als Gott des Wohl­stands und des Reich­tums. Einer seiner Beinamen, unter denen er vor allem in der Edo (Edo 江戸Sitz der Tokugawa Shogune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tokyo …mehr ⇒)-Zeit, bekannt war, lautet Shusse Daikoku, wtl. Karriere- oder Erfolgs-Daikoku.1 Selbst die beginnende Modernisierung Japans in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts konnte Daikokus Popularität keinen Abbruch tun, im Gegenteil: Als in dieser Zeit Geldscheine nach westlichem Muster eingeführt wurden, zierte Daikokus Abbild die Ein-Yen-Note. Papiergeld wurde auf diese Weise als natürliches Medium des Glücksgottes dargestellt.

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Daikoku auf einem Ein-Yen-Schein

Geldschein von Edoardo Chiossone (1833–1898). Meiji-Zeit, ab 1885; 7,8 x 13,5 cm
Bild © Kin/Gendai Nihon no Okane. (Letzter Zugriff: 2012/10)

Einer der ersten modernen Geldscheine Japans zeigt den Glücksgott Daikoku auf zwei Reisballen, mit Sack, Hammer und Mäusen. Der italienische Graveur Edoardo Chiossone entwarf auch andere Geldscheine und offizielle Dokumente für die junge japanische Meiji-Regierung.

. 2 Daikoku Geldschein, 1885

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Klassisches Erscheinungsbild

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„Karriere-Daikoku“ (Shusse Daikoku)

Skulptur (Holz, Lack). Muromachi-Zeit?; Kiyomizu Tempel, Kyoto
Bild © Ron Reznick, 2004. (Letzter Zugriff: 2011/4)

Leider wurde der Shusse Daikoku des Kiyomizu Tempels mittlerweile ziemlich lieblos restauriert und verströmt nicht mehr die gleiche geheimnisvolle Aura wie auf diesem Bild.

Shusse Daikoku ("Karriere Daikoku")
Kiyomizu Tempel, Kyoto

Der links abgebildete Daikoku stammt aus dem Kiyo­mizu Tempel (Kiyomizu-dera 清水寺Tempel in Kyoto …mehr ⇒) in Kyoto und dürfte in der Edo-Zeit an­ge­fer­tigt worden sein. Hammer, Sack und Reis­ballen ent­spre­chen den gän­gigen ikono­graphi­schen Charak­teris­tika dieses Gottes. Er ver­fügt zudem über das typi­sche Lächeln und den typi­schen Leibes­um­fang eines Glücks­got­tes. Ledig­lich seine schwarze Haut­farbe un­ter­schei­det diesen Daikoku von den heute üb­li­chen Ab­bil­dun­gen. Sie erin­nert daran, dass „Daikoku“ wörtlich über­setzt „der Große Schwarze“ bedeutet. Forscht man ein wenig in den ikono­gra­phi­schen Er­schei­nungs­for­men dieses Glücks­gottes nach, kommt in der Tat eine dunkle, ge­heim­nis­volle Dimen­sion zum Vor­schein, die diesem Namen ge­recht wird. Den „Großen Schwar­zen“ gibt es näm­lich auch im eso­teri­schen Bud­dhis­mus Indiens und Tibets, wo eine Gott­heit mit furcht­er­regen­den Zügen namens Mahakala (महाकालMahākāla (skt., n.)„Großer Schwarzer“, esoterische Gottheit …mehr ⇒) verehrt wird.

Manches spricht dafür, dass dieser klas­sische „zornvolle“ Schutz­gott des Bud­dhis­mus die Urform des heu­tigen Glücks­gottes Daikoku dar­stellt. Abge­sehen von den Namens­ele­menten „groß“ (dai 大, skt. maha) und „schwarz“ (koku 黒, skt. kala)2 besitzt Daikoku auch den Götter­titel -ten (-ten wtl. Himmel; Göttertitel für eine eine aus Indien übernommene Gottheit (skt. Deva) …mehr ⇒), der auf eine sogenannte Deva Gottheit indi­schen Ur­sprungs hindeutet.

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Ōkuninushi und der weiße Hase von Inaba

Surimono (Blockdruck) von Katsushika Hokusai (1760–1849); 20,7 x 18,5 cm
Bild © Museum of Fine Arts, Boston. (Letzter Zugriff: 2011/7)
William S. and John T. Spaulding Collection

Ōkuninushi heilt den Hasen von Inaba, dem Meeresungeheuer (wani) das Fell abgezogen haben. Hokusai interpretiert Ōkuninushi als Daikoku und die wani als Krokodile.

. 3 Daikoku = Ōkuninushi

Man stößt aber auch auf die Erklärung, dass Daikoku eine Erschei­nungs­form des ein­heimischen Gottes Ōkuninushi (Ōkuninushi 大国主mythol. Gottheit; wtl. Großer Meister des Landes …mehr ⇒) sei. Der Zu­sammen­hang wird dabei meist über den Gleich­klang der beiden Namen her­ge­stellt: die beiden ersten Zeichen des Namens Ō-kuni-nushi (大国主, wtl. „Groß-Land-Herr“) lassen sich sino-japanisch ebenfalls als dai-koku lesen. Diese ein wenig überzogen wirkende etymologische Erklärung wird durch eine mittel­alter­liche Legende gestützt, die den Ur­sprung der Daikoku Ver­ehrung auf Saichō (Saichō 最澄Gründer des Tendai Buddhismus, 767–822 …mehr ⇒), den Be­gründer des Tendai (Tendai-shū 天台宗Tendai Schule, chin. Tiantai …mehr ⇒)-Buddhismus, zurück­führt: Saichō habe im altehr­würdigen Miwa Schrein (Miwa Jinja 三輪神社Miwa (auch Ōmiwa) Schrein, nahe Nara …mehr ⇒), der Ōkuni­nushi geweiht ist, ge­betet, worauf Ōkuni­nushi sich ihm „in Gestalt des Daikoku Tenshin“ offen­bart hätte. Saichō hätte nach diesem Vor­bild selbst eine Statue des Daikoku geschnitzt und diesen als Schutz­gott des Tendai Bud­dhis­mus verehrt.3

Wie passen diese beiden Erklärungen zusammen? Welche ist richtig? Oder stimmen beide?

Frühe Darstellungen des Daikoku
als einheimische Gottheit

Betrachtet man die ältesten Daikoku-Figuren aus der späteren Heian (Heian 平安alter Name Kyotos; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit) …mehr ⇒)-Zeit, so findet man eher einfache Darstellungen, die keine der beiden Theorien klar stützen oder widerlegen. Weder handelt es sich eindeutig um einen Bodhisattva oder einen zornvollen Schutzgott des Buddhismus, noch ähneln die Figuren — wie sonst bei frühen Kami-Darstellungen üblich — den Adeligen des Altertums. Die Figuren wirken in erster Linie bäuer­lich.

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Daikoku im halben Lotossitz (Daikoku hanka-zō)

Statue (Holz). Heian-Zeit; im Besitz des Kongōrin-ji, Shiga-ken; Sitzhöhe: 49,9cm, Gesamthöhe: 73,5cm
Bild © Shinbutsu imasu Ōmi. (Letzter Zugriff: 2014/2)

Dies ist die angeblich älteste Darstellung des japanischen Daikoku aus einem Tendai-Tempel in der Umgebung von Saichōs Klosterberg Hiei. Die Rüstung und vor allem die langen Ohren offenbaren einen starken Einfluss der buddhistischen Ikonographie. Dennoch verleihen die Mütze und die gedrungene Statur diesem Daikoku eine gewisse Bodenständigkeit. Die Figur ist ein ichiboku zukuri, d.h. sie ist aus einem einzigen Holzblock herausgearbeitet. Das Motiv einer Figur, die im sogenannten „halben Lotossitz“ auf einem Felsen sitzt, erinnert an Kannon oder Benzai-ten, die dann jeweils auf ihrer eigenen Insel dargestellt sind. Im Falle Daikokus ist das Motiv jedoch äußerst selten und praktisch nur auf Tendai Tempel beschränkt. (Iyanaga 2002, S. 300.)

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Daikoku

Statue. Späte Heian-Zeit, 11.-12. Jh.; Kanzeon-ji, Präfektur Fukuoka; Höhe: 171,8 cm
Bild © Saichō to Tendai kokuhō, 2006, Abb. 131, S. 161
. 4 . 5 Früheste Beispiele Daikokus (Heian-Zeit)

Die obigen Beispiele der Daikoku Ikonographie stammen aus dem Umfeld des Tendai Bud­dhis­mus der Heian (Heian 平安alter Name Kyotos; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit) …mehr ⇒)-Zeit. Sie wirken ver­hält­nis­mäßig realis­tisch und tragen (noch?) nicht die paranor­malen Attribute des Mahakala.

Die Abbildung oben links zeigt die angeblich älteste Darstellung des Daikoku aus dem Kongōrin-ji, einem Tendai-Tempel in der Um­gebung von Saichōs Kloster­berg Hiei. Die Rüstung und vor allem die langen Ohren offen­baren einen starken Ein­fluss der bud­dhis­tischen Ikono­graphie. Die Mütze und die ge­drun­gene Statur vermitteln andererseits den Eindruck einer gewisse Boden­ständig­keit und erinnern an den heutigen Daikoku. Der etwas jüngere Daikoku (re.) ist dagegen ungewöhnlich schlank, besitzt aber bereits eine ähnliche Tracht wie der klassische Daikoku. Man beachte auch den Sack, der noch heute auf fast allen Darstel­lungen ein Er­kennungs­merkmal des Daikoku dar­stellt. Dieser stellt wohl eines der ältesten Attribute Daikokus dar.

Ein chinesischer Reisebericht aus dem 7. Jahrhundert, „Bericht über den Buddhismus aus den Meeren des Südens“ 4 des Mönchs Yijing (Yijing 義浄 (chin.) — Pilgermönch, Übersetzer und „Indologe“, 635–713; jap. Gijō …mehr ⇒), berichtet, dass Daikoku-ten als Glücks­gott­heit in den bud­dhis­tischen Tempel­küchen Indiens verehrt wurde. Er sei dort auf Stütz­pfei­lern ab­ge­bildet und zwar als schwarz­häu­tige Figur mit einem Sack.5 Dieser Text galt zu seiner Zeit in China als wichtige „indologische“ Quelle. In Japan sind Kopien davon erhal­ten geblieben, die in der Nara (Nara 奈良Hauptstadt und Sitz des Tenno, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyō …mehr ⇒)-Zeit angefertigt wurden. Daikoku war demnach durch diesen Text schon früh in Japan bekannt, vielleicht geht sogar seine Verehrung auf diesen Text zurück. Verbin­dungen Daikokus zur Tempel­küche sind jeden­falls mehrfach nach­weisbar.

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Daikoku

Späte Kamakura-Zeit; Hōju-in, Berg Kōya
Bild © Kōbō Daishi and the Sacred Treasures of Mount Kōya, 2003, Abb. 31
. 6 Daikoku des Hōju-in, Berg Kōya, späte Kamakura-Zeit
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Daikoku-ten

Statue (Holz, bemalt) von Zenshun (?). Kamakura-Zeit; Saidaiji, Nara; heute Nara National Museum; Höhe: 82,7 cm
Bild © Mihotoke no katachi (Ausstellungskatalog), Nara National Museum 2013, Abb. 67, S. 104

Im Inneren dieser Statue befanden sich Miniaturstatuen von Daikoku und Benzaiten, Sutrenfragmente und andere religiöse Gegenstände.

. 7 Daikoku des Saidai-ji, Nara
Kamakura Zeit

Der gemalte Daikoku (li.) aus der Kamakura (Kamakura 鎌倉Stadt im Süden der Kantō Ebene, Sitz des Minamoto Shogunats 1185–1333 (= Kamakura-Zeit) …mehr ⇒)-Zeit (die älteste ge­malte Version) erinnert nur durch ihre her­vor­quel­lenden Augen an die Wächter­gott­heiten des esoterischen Bud­dhis­mus, während sich in der Skulptur rechts bereits die humor­volle Aus­strah­lung des späteren Glücks­gottes andeutet. Beide Bei­spiele stammen aus dem Umfeld des Shingon (Shingon-shū 真言宗Shingon Schule, wtl. Schule des Wahren Wortes …mehr ⇒) Buddhismus. Die Figur rechts ist im Besitz des Saidai-ji (Saidai-ji 西大寺Buddhistischer Tempel in Nara, err. 765, Haupttempel der Shingon Risshū Schule …mehr ⇒) in Nara (Nara 奈良Hauptstadt und Sitz des Tenno, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyō …mehr ⇒), wo ein beson­derer Daikoku-Kult durch den berühmten Mönch Eizon (1201–1290) belegt ist. Ähn­lich wie (der Legende nach) Saichō unter­hielt auch Eizon gute Beziehungen zum erwähnten Miwa Schrein (südlich von Nara), wo die Gottheit Ōkuninushi verehrt wird.

Dass sowohl im Tendai als auch im Shingon Buddhismus reges Interesse an der Gott­heit des Miwa Schreins bestand, lässt sich auch aus anderen historischen Zusammenhängen erschließen.6 Wie die Ver­bindung Ōkuninushis mit dem Küchen­gott Daikoku aber genau zu­stande kam, ist trotz der Homophonie ihrer Namen nicht leicht nach­voll­zieh­bar. Es scheint aber auf jeden Fall plausibel, dass die Be­deutung Daikokus ab dem Zeit­punkt, als er mit der wichtigen alten Gottheit Ōkuninushi iden­tifiziert wurde, über seine Funktion als Wächter der Tempel­küche hinaus ging. Möglicher­weise erklärt dies auch die Tat­sache, dass einer zunächst nieder­rangigen Gottheit wie Daikoku bereits in früher Zeit bildliche Denk­mäler ge­setzt wurden. Um aber zu einer wirklich be­deutenden Gestalt zu werden, waren in der Blüte­zeit des esoterischen Buddhismus zusätzliche Eigen­schaften, wie sie der Namens­vetter aus Indien bereit hielt, von Nöten.

Mahakala in Indien, Tibet und Japan

In Tibet zählt der bereits erwähnte „Große Schwarze“ (Nag po chen po, skt. Mahakala) zu den popu­lärs­ten Gott­heiten (s. z.B. Kumar 2005). In erster Linie gilt er als Schutzgott buddhistischer Klöster, was sicherlich im Zusammenhang mit Daikoku als Beschützer der Tempelküche zu sehen ist. Trotzdem — oder gerade deshalb — wird Mahakala zumeist als furcht­ein­flößen­der, krie­ge­ri­scher Dämon dargestellt. Genau genommen gibt es im tantrischen Buddhismus mehrere Gottheiten oder Bodhisattvas, die sich der Form des Mahakala bedienen, wenn sie eine zornvolle Erscheinung annehmen. Es gibt daher mehrere Mahakalas, die sich beispielsweise durch die Anzahl ihrer Gesichter und Arme unterscheiden. Ikonographisch lassen sie sich aber auf die gleiche Grundform, nämlich die eines menschenfressenden indischen Dämonen zurückführen.7 Um die Sache noch verwirrender zu machen, wird die gleiche dämonenartige Grundform nicht nur von verschiedenen Mahakalas, sondern auch von verschiedenen Vajrapanis und anderen esoterischen Gestalten angenommen.

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Mahakala

Statue (Stein, bemalt). 17. Jh., Tibet; im Besitz des British Museum
Bildquelle: insecula.com. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Die hier dargestellte Form des Mahakala wird als Panjaranata Mahakala (Mahakala als Herr des [Vajra] Baldachin [Tantras]) bezeichnet. Der Name leitet sich von einem bestimmten Tantra-Text ab, wird aber manchmal auch als „Herr des Zelts“ übersetzt.

. 9 Mahakala, tibetische Darstellung, 17.Jh.
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Mahakala

Hängerollbild (Baumwolle, Farbe). Tibet, 19. Jh.; 88,90 x 60,96 cm
Bild © Himalayan Art
Collection of Shelley & Donald Rubin
. 10 Mahakala, tibetische Darstellung, 19. Jh.
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Die beiden Dar­stel­lun­gen rechts stam­men aus dem Tibet des sieb­zehn­ten bzw. neun­zehn­ten Jahr­hun­derts, gehen aber auf ältere ikono­graphi­sche Vor­bilder zurück. Das untere Bei­spiel ist der aus­ge­zeich­ne­ten online Kol­lek­tion tibe­tischer Kunst Himalayan Art ent­nom­men, wo noch jede Menge ähnlicher Dar­stel­lungen zu finden sind. Auf dieser Seite findet sich zum dar­ge­stell­ten Motiv fol­gende ikono­gra­phische Be­schreibung aus dem 16. Jahrhundert:

The great Vajra Mahakala blazes, with one face, two hands, holding in the right a curved knife and in the left a skullcup filled with blood held above and below the heart. Held across the middle of the two forearms is the 'Gandhi of Emanation.' With three eyes, bared fangs, yellow hair flowing upward, [he has] a crown of five dry human skulls and a necklace of fifty wet - blood dripping. Adorned with six bone ornaments and snakes, having a lower garment of tiger skin, flowing with pendants and streamers of various silks, in a posture dwarfish and thick [he] stands above a corpse.

Konchog Lhundrup (1497-1557)8

Diese Mahakala Ikonographie ist auch im eso­teri­schen Buddhis­mus Japans bekannt. Man findet sie vor allem auf Mandalas des Makakara (Makakara 摩訶迦羅skt. Mahakala, „Großer Schwarzer“; alternativer Name des Glücksgotts Daikoku …mehr ⇒) (jap. Aus­sprache von Maha­kala), also Ab­bil­dun­gen einer eige­nen spiritu­elllen Welt, in der Maka­kara/Daikoku im Mittel­punkt steht. Auch in der ältes­ten Samm­lung iko­no­gra­phi­scher Grund­typen, dem Zuzōshō aus der späten Heian Zeit, ist eine solche Dar­stel­lung des Daikoku zu finden (Abb. unten). Die hier ab­ge­bildete Gott­heit geht ganz offen­sicht­lich auf den­sel­ben ikono­graphi­schen Grund­typus zurück wie der indo-tibetische Mahakala. Toten­schädel im Haar, Schlangen­ketten und die Leichen von Menschen und Tieren in Maha­kalas Händen finden sich hier wie da. Auch die mehr­fachen Gesich­ter und die Ele­fanten­haut sind im tantrischen Buddhismus Tibets bekannt.

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Daikoku Tenshin

Späte Heian-Zeit, 1139; aus Zuzōshō, 図像抄
Bild © Ryūkoku Daigaku, Bibliothek der buddhistischen Universität, Kyoto. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Abbildung aus dem ältesten Kompendium der buddhistischen Ikonographie Japans. Das Werk enthält 142 Vorlagen von buddhistischen Abbildungen. Die vorliegende Bildfassung stammt aus einer Kopie des Werks aus dem Jahr 1702.

. 11 Daikoku Tenshin, Heian Zeit
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Mahakala (makakara, daikoku)

Yamamoto Hiroko. Edo-Zeit; aus Ishin. Chūsei Nihon no mikkyōteki sekai („Seltsame Götter: Die esoterische Welt des japanischen Mittelalters“); Chōrin-ji, Präfektur Kagawa

Hier als zentrale Figur eines ihm gewidmeten Mandalas (Makakara mandara). Die Abbildung entstammt dem Titelblatt des Buches.

. 12 Makakara-ten, Edo Zeit

Spätestens im japanischen Mittelalter begann man, eine Verbindungen zwischen dem ein­heimischen „Daikoku“ und „Makakara“ her­zustellen. Beide Namen wurden abwechselnd für die gleiche Gottheit verwendet, Daikoku bekam explizit die Eigenschaften des Makakara zugesprochen. So heißt es im Keiran shūyōshū (1317), einer Schrift des mittel­alter­lichen Tendai Bud­dhis­mus, dass Daikoku-ten eine Gottheit sei, die „das Fleisch und das Blut der Menschen frisst“. 9

Dass gerade eine so grausame Gottheit wie Mahakala im esoterischen Buddhismus Bedeutung erlangte, entspricht einer paradoxen esoterischen Logik, die gerade in den schreck­lichsten Gestalten einen Weg zur Er­leuch­tung sucht. Diese Logik war im übrigen nicht auf Maha­kala allein be­schränkt, sondern findet sich in allen mög­lichen Figuren des eso­teri­schen Buddhis­mus, z.B. den „Mantra-Königen“ (Myōō (Myōō 明王wtl. „Licht-König“ oder „Mantra-König“; auch „Weisheits-König“; skt. Vidyārāja …mehr ⇒)). Die all­ge­meine historische Entwick­lung dieser Ikono­graphie wird auch in meinem Essay über die Figur des Vajrapani genauer besprochen.

Kombinationen

Die obigen esoterischen Darstellungen des Daikoku/Makakara als zornvolle Beschützergottheit sind in Japan sehr selten. Ihre Kenntnis war wohl immer auf eng begrenzte Mönchskreise beschränkt. Gleichzeitig scheinen die bäuer­lichen, auf Nahrung und Wohl­stand bezogenen Aspekte des Daikoku immer den Hauptstrang seiner Erscheinungsformen gebildet zu haben. Allerdings kam es zu zahlreichen Vermischungen beider Typen.

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Daikoku und Ebisu

Zeichnung (Papier, Tusche) von Kano Motonobu. 1551
Bild © Museum of Fine Art, Boston. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Hier bereits in klassischer Ausführung.

. 13 Daikoku und Ebisu, 1551
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Dreigesichtiger Daikoku (Sanmen Daikoku)

Buchillustration von Hokusai. Edo-Zeit; aus Hokusai Manga, Band 13, 1849
Bildquelle: visipix, (bildbearbeitet). (Letzter Zugriff: 2012/3/2)

Ähnlich wie der indische Mahakala kann auch Daikoku eine dreigesichtige Form annehmen. In den meisten Beispielen aus der Edo-Zeit verschmilzt er dabei mit Bishamonten (li) und Benzaiten (re). Frühere Beispiele dieses Typs tragen durchaus auch zornvolle, furchteinflößende Züge.

. 14 Sanmen Daikoku (Hokusai, 1849)

Die Abbildung oben links zeigt eine frühe Version des klassischen Glücksgottes Daikoku mit seinem Kollegen Ebisu (Ebisu 恵比寿Glücksgott der Händler und Fischer; andere Schreibung: 夷 oder 戎 …mehr ⇒) von Kanō Motonobu. Die verspielte Darstellung der beiden Götter existierte also schon Ende des japanischen Mittelalters. Die Abbildung rechts stammt hingegen aus der späten Edo-Zeit und beweist, dass die Formensprache des esoterischen Buddhismus damals noch durchaus präsent war. Ähnlich wie manche Formen des indischen Mahakala ist auch dieser Dakoku mit drei Gesichtern ausgestattet. Doch auch die heute geläufige Ikonographie der Glücksgötter ist mit im Spiel: Bei genauem Hinsehen erkennt man in einem der Gesichter den Glückgott Bishamon-ten (Bishamon-ten 毘沙門天Himmelswächter des Nordens, Glücksgott …mehr ⇒) (li.) im anderen Benzaiten (Benzaiten 弁才天/ 弁財天Glücksgöttin, Gottheit des Wassers, der Musik und der Beredsamkeit; skt. Sarasvati; auch: Benten …mehr ⇒) (re). Dies ist nicht etwa eine Erfindung des genialen Katsushika Hokusai (Katsushika Hokusai 葛飾 北斎1760–1849; Maler und Zeichner. Bekanntester Verteter der Ukiyoe-Blockdruck Kunst …mehr ⇒), sondern entspricht dem gängigen Schema des dreigesichtigen Daikoku (Sanmen Daikoku) der Edo-Zeit. Auch die ironischen Züge des Glücksgottes, die in Hokusais Darstellung deutlich hervorblitzen, sind an anderen dreigesichtigen Daikokus der Edo-Zeit feststellbar.

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Sanmen-Daikoku

Statue. Edo-Zeit; Motoyama-dera, Tempel der Pilgerroute in Shikoku
Bild © Bernhard Scheid, 2007

Dreiköpfiger Daikoku mit den Zusatzgesichtern von Bishamon-ten und Benzaiten.

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Daikoku (zushi)

Miniaturschrein. 19. Jh.
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Dreigesichtiger Daikoku

Wahrscheinlich Edo-Zeit; Eishin-ji, Tokyo
Bild © NaoMa, J-Blog. (Letzter Zugriff: 2014/2)

Der Legende nach von Kūkai geschnitzt, wahrscheinlich jedoch aus der Edo-Zeit. Der Tempel Eishin-ji befindet sich im Norden des Ueno Parks, wo im 19. Jahrhundert die ersten Rundgänge zu Schreinen der Sieben Glücksgötter angelegt wurden. Heute ist er Teil der Shitaya-Fukujin-Route, wo Wallfahrtsorte der Glücksgötter auf ca. 3km aufgefädelt sind. Die Route entstand 1975.

Daikoku Statuen der Edo Zeit

Obwohl die Bedeutung des esoterischen Buddhismus in der Edo (Edo 江戸Sitz der Tokugawa Shogune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tokyo …mehr ⇒)-Zeit ins­ge­samt zurück ging, hielten sich die esoterischen Attribute des Mahakala, be­sonders die schwarze Haut und die drei Ge­sichter, also noch lange. Zu­gleich verlor Daikoku mit steigender Popularität als Glücks­gott seine furcht­ein­flößenden Züge und be­hielt ledig­lich den Hammer (in frühen Dar­stel­lungen eher ein Stab oder ein Schwert) als eine Art magisches Instrument.

Die Ikonographie des modernen Glücksgottes hat sich mittler­weile sogar von der schwarzen Haut des Daikoku weg­ent­wickelt und ent­spricht weit­gehend dem ur­sprüng­lichen, bäuer­lichen Typ. Vom esoterischen Mahakala ist in erster Linie der gedrungene, zwergenhafte Körper geblieben (den Daikoku im übrigen auch an andere Glücksgötter vererbt hat).

Mahakala scheint somit im historischen Rückblick als eine Art Katalysator gewirkt zu haben, damit aus dem Gott der Tempel­küche ein all­ge­mein bekannter und populärer Glücks­gott werden konnte. Erst durch diese Ver­bindung wurde Daikoku mit den nötigen Kräften aus­ge­stattet, um als Anführer der Sieben Glücksgötter beinahe jeden Wunsch nach einem guten, materiell abgesicherten Leben erfüllen zu können.

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Daikoku

Statue

Wie er in modernen Souvenierläden zu finden ist.

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Daikoku

Statue (Keramik) von Miwa Zenraku. Um 1800
Bild © Yamaguchi Bijutsukan
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Daikoku

Statue (Stein); Tsurumigtake, Ōita-ken, Kyushu
Bild © Blown in the wind, 2014. (Letzter Zugriff: 2014/2)

Daikoku, leicht beschneit, auf einer der höchstgelegenen Fukujin-Routen Japans, auf dem Berg Tsurumitake in der Provinz Ōita, ca. 1300m. Die Gegend ist insgesamt berühmt für ihre religiösen Steinstatuen (sekibutsu).

Daikoku in modernem Gewand

Epilog: Daikokus Mauswächter

Vieles an der Figur des Daikoku bleibt nach wie vor rätselhaft. Woher rührt bei­spiels­weise die Tatsache, dass Daikoku stets von Mäusen begleitet wird?

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Daikoku veranstaltet ein Wagenrennen mit Mäusen

Neujahrsbild von Kawanabe Kyōsai. 19. Jh.

Auch ein weiteres Attribut Daikokus ist dargestellt, der Rettich (Daikon), der hier als Wagen dient.

. 15 Daikoku ver­anstaltet ein Wagen­rennen mit Mäusen.
Auch ein weiteres Attribut Daikokus ist dar­gestellt, der Rettich (Daikon), der hier als Wagen dient.
Neujahrsbild von Kawanabe Kyōsai, 19. Jh.


Die Maus dient Daikoku heute ganz „offiziell“ als Tiergefährte, sie hat aber auch einen Bezug zu Ōkuninushi, der, wie wir gesehen haben, oft mit Daikoku identfiziert wurde. Im Kojiki (Kojiki 古事記Älteste jap. Chronik (712) …mehr ⇒) wird er­zählt, dass dieser Gott von seinem Vater (bzw. Ahnherren) Susanoo (Susanoo 須佐之男mytholog. Trickster-Gott; Sturmgott, Mondgott …mehr ⇒) ver­stoßen wurde und es erst nach zahl­reichen Prüfungen und Aben­teuern schaffte, das Erbe Susanoos an­zu­treten. Eines dieser Aben­teuer be­stand darin, dass Ōkuninushi einem Steppen­brand ent­kommen musste, den sein Vater gelegt hatte. In­mitten der Flammen erschien eine Maus und zeigte Ōkuninushi ein Erd­loch, in das er sich verkroch und überlebte.10

Im Südosten Kyotos befindet sich ein alter Schrein namens Ōtoyo Jinja, der für seine zahl­reichen Tier­wächter bekannt ist. Zu diesen zählen auch zwei Mäuse. Sie be­wachen jedoch keinen Daikoku Schrein, sondern einen Zweigschrein, der dem Ōkuninushi geweiht ist.

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Schrein, bewacht von zwei Mäusen

Statue (Stein); Ōkuninushi Schrein, Kyoto
Bild © Craig Fryer, 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)
. 16
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Wächtermaus

Statue (Stein); Ōkuninushi Schrein, Kyoto
Bild © Craig Fryer, 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Wächtermaus

Statue (Stein); Ōkuninushi Schrein, Kyoto
Bild © Craig Fryer, 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)
. 17 . 18 Ōkuninushi Schrein in Kyoto, bewacht von zwei Mäusen

Ist nun Daikokus Maus ein Hinweis auf seine Verwandtschaft mit Ōkuninushi? Oder erklärt sich ihre Bedeutung doch eher aus Daikokus Funktion in der Tempelküche: Etwa, dass eine Gott­heit, die die Nahrung schützt, einen Ein­fluss auf Mäuse haben muss, die die Nahrung vernichten? Oder ist die Maus auf den verschlungenen Wegen des Mahakala an die Seite Daikokus gelangt? Einen möglichen Aufschluss darüber gibt die Ikonographie eines anderen Glücksgottes: Bishamon-ten.

Verweise

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Fußnoten

  1. Shusse suru (wtl. „in die Welt treten“) ist heute im Sinne von „aufsteigen“, „Karriere machen“ gebräuchlich. Ursprünglich bezog sich der Ausruck aber auf das In-die-Welt-treten eines Buddhas. Somit könnte Shusse Daikoku ursprünglich die Gestalt bedeutet haben, die Daikoku in der sichtbaren Welt annimmt (im Unterschied zu seiner eigentlichen Buddhagestalt). Die geläufigere Auslegung des Namens Shusse Daikoku besagt jedoch, dass ein solcher Daikoku hilfreich sein kann, selbst in der Welt Karriere zu machen. Angeblich soll Toyotomi Hideyoshi (Toyotomi Hideyoshi 豊臣秀吉Feldherr, Reichseiniger; 1537–1598 …mehr ⇒) Daikoku diesen Namen verliehen haben, da er meinte, ihm seine eigene Karriere zu verdanken.
  2. Kala kann sowohl „schwarz“ als „Zeit“ heißen und es besteht Un­einig­keit, was im origi­nalen Sanskrit­namen gemeint ist. In Ostasien entschied man sich jedenfalls bei der Über­setzung für „schwarz“.
  3. Iyanaga 2002, S. 547–48.
  4. Nanhai jigui nefachuan 南海寄帰内法伝, jap. Naikai kiki naihōden
  5. Iwai Hiroshi, Daikokuten (Encyclopedia of Shinto).
  6. Mönche beider Richtungen trugen entscheidend zur Entstehung des sogenannten Miwa-ryū Shinto bei. Es handelt sich dabei um eine nach Modellen des esoterischen Buddhismus geformte Shinto-Schule, die in gewissen elitären Zirkeln des Mittelalters und der frühen Neuzeit kursierte.
  7. Im speziellen handelt es sich um sogenannte Yakshas oder Rakshas. Himalayan Art erklärt dazu:

    Mahakala is a category of Tantric Buddhist deity. His primary function is as a protector (Dharmapala) and specifically the primary Wisdom Protector of Himalayan and Tibetan Buddhism. There are dozens of different variations and forms of Mahakala. He is typically in wrathful appearance following the Indian model of a Raksha demon. In most occurrences and uses of Mahakala, he is paired with a meditational deity [...]. In most cases Mahakala is an emanation, or wrathful aspect, of the principal meditational deity that he is associated with.

    Mahakala Main Page [2011/4]

    Rakshas oder Rakshasas (राक्षसrākṣasa (skt., m.)Dämon …mehr ⇒) sind in den ältesten indischen Texten, den Veden, menschenfressende Dämonen, die in den komplizierten Kämpfen innerhalb des indischen Pantheons einen Teil des Fußvolks darstellen. Sie werden oft in einem Atemzug mit den Yakshas (यक्षyakṣa (skt., n.)übernatürliches Wesen, Geist, Dämon …mehr ⇒) genannt, die ebenfalls eine niedere kriegerische Kaste darstellen (beide sollen aus Brahmas Fuß entstanden sein). Schon in den Veden werden Rakshas mitunter „zum Guten“ bekehrt und bewähren sich dann als tüchtige Kämpfer. Sie werden auch als ehemalige indische Lokalgottheiten interpretiert. Beide Dämonenrassen können auch weiblich sein. Der japanische Buddhismus kennt die Rakshas unter der Bezeichnung rasetsu (rasetsu 羅刹von skt. Raksha bzw. Rakshasi (weibl. Form); menschenfressende Dämonenrasse des indischen Pantheons …mehr ⇒), eine Frühform der japanischen oni (oni Dämon, „Teufel“; in sino-japanischer Aussprache (ki) ein allgemeiner Ausdruck für Geister …mehr ⇒). Yakshas kommen im Buddhismus besser weg: Als ihr oberster Chef gilt Bishamon-ten (Bishamon-ten 毘沙門天Himmelswächter des Nordens, Glücksgott …mehr ⇒), der Wächter des Nordens.

  8. Zitiert nach Himalayan Art [2011/4]
  9. Yamamoto 1998, S. 126
  10. Siehe dazu auch meinen Artikel Die gewundenen Pfade des Großen Landesherren: Ōkuninushi als heimlicher Gegenspieler der Himmlischen Götter.

Bilderläuterungen

  1. Daikoku kojimadera.jpg

    Daikoku

    Statue (Holz). Muromachi Zeit; Kojima-dera, Präfektur Nara
    Bild © Don Pancho, Scan aus dem Tempelkatalog. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Frühes Beispiel des „typischen“ Glücksgottes Daikoku mit Sack und Glückshammer, Barrett und den für die meisten Glücksgötter typischen riesigen Ohrläppchen. Die Statue befindet sich im Kojima-dera, einem sehr alten Tempel des Shingon Buddhismus.

  2. Daikoku 1en.jpg

    Daikoku auf einem Ein-Yen-Schein

    Geldschein von Edoardo Chiossone (1833–1898). Meiji-Zeit, ab 1885; 7,8 x 13,5 cm
    Bild © Kin/Gendai Nihon no Okane. (Letzter Zugriff: 2012/10)

    Einer der ersten modernen Geldscheine Japans zeigt den Glücksgott Daikoku auf zwei Reisballen, mit Sack, Hammer und Mäusen. Der italienische Graveur Edoardo Chiossone entwarf auch andere Geldscheine und offizielle Dokumente für die junge japanische Meiji-Regierung.

  3. Okuninushi hokusai.jpg

    Ōkuninushi und der weiße Hase von Inaba

    Surimono (Blockdruck) von Katsushika Hokusai (1760–1849); 20,7 x 18,5 cm
    Bild © Museum of Fine Arts, Boston. (Letzter Zugriff: 2011/7)
    William S. and John T. Spaulding Collection

    Ōkuninushi heilt den Hasen von Inaba, dem Meeresungeheuer (wani) das Fell abgezogen haben. Hokusai interpretiert Ōkuninushi als Daikoku und die wani als Krokodile.

  4. Daikoku kongorinji.jpg

    Daikoku im halben Lotossitz (Daikoku hanka-zō)

    Statue (Holz). Heian-Zeit; im Besitz des Kongōrin-ji, Shiga-ken; Sitzhöhe: 49,9cm, Gesamthöhe: 73,5cm
    Bild © Shinbutsu imasu Ōmi. (Letzter Zugriff: 2014/2)

    Dies ist die angeblich älteste Darstellung des japanischen Daikoku aus einem Tendai-Tempel in der Umgebung von Saichōs Klosterberg Hiei. Die Rüstung und vor allem die langen Ohren offenbaren einen starken Einfluss der buddhistischen Ikonographie. Dennoch verleihen die Mütze und die gedrungene Statur diesem Daikoku eine gewisse Bodenständigkeit. Die Figur ist ein ichiboku zukuri, d.h. sie ist aus einem einzigen Holzblock herausgearbeitet. Das Motiv einer Figur, die im sogenannten „halben Lotossitz“ auf einem Felsen sitzt, erinnert an Kannon oder Benzai-ten, die dann jeweils auf ihrer eigenen Insel dargestellt sind. Im Falle Daikokus ist das Motiv jedoch äußerst selten und praktisch nur auf Tendai Tempel beschränkt. (Iyanaga 2002, S. 300.)

  5. Daikoku kanzeonji.jpg

    Daikoku

    Statue. Späte Heian-Zeit, 11.-12. Jh.; Kanzeon-ji, Präfektur Fukuoka; Höhe: 171,8 cm
    Bild © Saichō to Tendai kokuhō, 2006, Abb. 131, S. 161
  6. Daikoku koya.jpg

    Daikoku

    Späte Kamakura-Zeit; Hōju-in, Berg Kōya
    Bild © Kōbō Daishi and the Sacred Treasures of Mount Kōya, 2003, Abb. 31
  7. Daikoku saidaiji2.jpg

    Daikoku-ten

    Statue (Holz, bemalt) von Zenshun (?). Kamakura-Zeit; Saidaiji, Nara; heute Nara National Museum; Höhe: 82,7 cm
    Bild © Mihotoke no katachi (Ausstellungskatalog), Nara National Museum 2013, Abb. 67, S. 104

    Im Inneren dieser Statue befanden sich Miniaturstatuen von Daikoku und Benzaiten, Sutrenfragmente und andere religiöse Gegenstände.

  8. Daikoku 1301.jpg

    Daikoku, gehend

    Statue (Holz). Kamakura-Zeit, 1301; im Besitz des Enryaku-ji, Berg Hiei; Höhe: 76cm
    Bild © Shinbutsu imasu Ōmi. (Letzter Zugriff: 2014/3)

    Daikoku aus dem Enryaku-ji auf Berg Hiei, jenem Kloster, das wahrscheinlich den Ausgangspunkt des japanischen Daikoku Glaubens darstellt. Frühes Beispiel der klassischen Glücksgott-Ikonographie. Die Statue enthält eine Inschrift mit Datum (1301) und Namen des Stifters: Jakuson 寂尊.

  9. Mahakala 17jh bm.jpg

    Mahakala

    Statue (Stein, bemalt). 17. Jh., Tibet; im Besitz des British Museum
    Bildquelle: insecula.com. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Die hier dargestellte Form des Mahakala wird als Panjaranata Mahakala (Mahakala als Herr des [Vajra] Baldachin [Tantras]) bezeichnet. Der Name leitet sich von einem bestimmten Tantra-Text ab, wird aber manchmal auch als „Herr des Zelts“ übersetzt.

  10. Mahakala tibet.jpg

    Mahakala

    Hängerollbild (Baumwolle, Farbe). Tibet, 19. Jh.; 88,90 x 60,96 cm
    Bild © Himalayan Art
    Collection of Shelley & Donald Rubin
  11. Daikoku tenshin.jpg

    Daikoku Tenshin

    Späte Heian-Zeit, 1139; aus Zuzōshō, 図像抄
    Bild © Ryūkoku Daigaku, Bibliothek der buddhistischen Universität, Kyoto. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Abbildung aus dem ältesten Kompendium der buddhistischen Ikonographie Japans. Das Werk enthält 142 Vorlagen von buddhistischen Abbildungen. Die vorliegende Bildfassung stammt aus einer Kopie des Werks aus dem Jahr 1702.

  12. Makakara daikoku.jpg

    Mahakala (makakara, daikoku)

    Yamamoto Hiroko. Edo-Zeit; aus Ishin. Chūsei Nihon no mikkyōteki sekai („Seltsame Götter: Die esoterische Welt des japanischen Mittelalters“); Chōrin-ji, Präfektur Kagawa

    Hier als zentrale Figur eines ihm gewidmeten Mandalas (Makakara mandara). Die Abbildung entstammt dem Titelblatt des Buches.

  13. Daikoku ebisu 1551.jpg

    Daikoku und Ebisu

    Zeichnung (Papier, Tusche) von Kano Motonobu. 1551
    Bild © Museum of Fine Art, Boston. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Hier bereits in klassischer Ausführung.

  14. Sanmendaikoku hokusai.jpg

    Dreigesichtiger Daikoku (Sanmen Daikoku)

    Buchillustration von Hokusai. Edo-Zeit; aus Hokusai Manga, Band 13, 1849
    Bildquelle: visipix, (bildbearbeitet). (Letzter Zugriff: 2012/3/2)

    Ähnlich wie der indische Mahakala kann auch Daikoku eine dreigesichtige Form annehmen. In den meisten Beispielen aus der Edo-Zeit verschmilzt er dabei mit Bishamonten (li) und Benzaiten (re). Frühere Beispiele dieses Typs tragen durchaus auch zornvolle, furchteinflößende Züge.

  15. Daikoku kyosai.jpg

    Daikoku veranstaltet ein Wagenrennen mit Mäusen

    Neujahrsbild von Kawanabe Kyōsai. 19. Jh.

    Auch ein weiteres Attribut Daikokus ist dargestellt, der Rettich (Daikon), der hier als Wagen dient.

  16. Otoyo komanezumi3.jpg

    Schrein, bewacht von zwei Mäusen

    Statue (Stein); Ōkuninushi Schrein, Kyoto
    Bild © Craig Fryer, 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)
  17. Otoyo komanezumi1.jpg

    Wächtermaus

    Statue (Stein); Ōkuninushi Schrein, Kyoto
    Bild © Craig Fryer, 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)
  18. Otoyo komanezumi2.jpg

    Wächtermaus

    Statue (Stein); Ōkuninushi Schrein, Kyoto
    Bild © Craig Fryer, 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Links und Literatur

  • Iyanaga Nobumi 2002
    Daikoku-ten hensō. Tokyo: Hōzōkan. [Engl. Titel: Variations on the Theme of Mahākāla.]
Letzte Überprüfung der Linkadressen: Aug. 2010
Ikonographie: Gluecksgoetter (zurück zum Hauptartikel)
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