Die rätselhafte Karriere des Daikoku

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Bernhard Scheid, „Die rätselhafte Karriere des Daikoku.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 24.8.2015). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Ikonographie/Gluecksgoetter/Daikoku?oldid=57238X
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Daikoku

Statue, fukujin (Holz). Muromachi Zeit; Kojima-dera, Präfektur Nara
Bild © Don Pancho, Scan aus dem Tempelkatalog. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Frühes Beispiel des „typischen“ Glücksgottes Daikoku mit Sack und Glückshammer, Barrett und den für die meisten Glücksgötter typischen riesigen Ohrläppchen. Die Statue befindet sich im Kojima-dera, einem sehr alten Tempel des Shingon Buddhismus.

. 1 Daikoku, 16. Jh.

Der Glücks­gott Daikoku Daikoku 大黒 Glücksgott; skt. Mahakala = „Großer Schwarzer“; auch Daikoku-tensiehe auch→ Bauten/Bekannte Tempel/Asakusa→ Bauten/Ise Izumo/Izumo Schrein→ Ikonographie/Myoo→ Ikonographie/Gluecksgoetter→ Mythen/Symboltiere → mehr ist wahr­scheinlich die am häufigs­ten darge­stellte Gott­heit inner­halb des weit­läufigen buddhis­tisch-shintōis­tischen Pantheons in Japan. Das Geheim­nis seines Er­folges ist auf den ersten Blick einfach: Er gilt als Gott des Wohl­stands und des Reich­tums. Einer seiner Bei­namen, unter denen er vor allem in der Edo Edo 江戸 Sitz der Tokugawa Shōgune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tōkyōsiehe auch Geschichtsperioden → Grundbegriffe/Buddhismus→ Bauten/Bekannte Tempel→ Grundbegriffe/Shinto→ Grundbegriffe/Stereotype/Herrigels Zen→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya → mehr -Zeit, bekannt war, lautet Shusse Daikoku, wtl. Karriere- oder Erfolgs-Daikoku.1 Selbst die begin­nende Moder­nisierung Japans in der zweiten Hälfte des 19. Jahr­hunderts konnte Daikokus Popu­larität keinen Abbruch tun, im Gegen­teil: Als in dieser Zeit Geld­scheine nach west­lichem Muster ein­geführt wurden, zierte Daikokus Abbild die Ein-Yen-Note. Papier­geld wurde auf diese Weise als natürliches Medium des Glücks­gottes dargestellt.

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Daikoku auf einem Ein-Yen-Schein

Geldschein, fukujin von Edoardo Chiossone (1833–1898). Meiji-Zeit, ab 1885; 7,8 x 13,5 cm
Bild © Kin/Gendai Nihon no Okane. (Letzter Zugriff: 2012/10)

Einer der ersten modernen Geldscheine Japans zeigt den Glücksgott Daikoku auf zwei Reisballen, mit Sack, Hammer und Mäusen. Der italienische Graveur Edoardo Chiossone entwarf auch andere Geldscheine und offizielle Dokumente für die junge japanische Meiji-Regierung.

. 2 Daikoku Geldschein, 1885

Klassisches Erscheinungsbild

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„Karriere-Daikoku“ (Shusse Daikoku)

Skulptur, fukujin (Holz, Lack). Muromachi-Zeit?; Kiyomizu Tempel, Kyōto
Bild © Ron Reznick, 2004. (Letzter Zugriff: 2011/4)

Leider wurde der Shusse Daikoku des Kiyomizu Tempels mittlerweile ziemlich lieblos restauriert und verströmt nicht mehr die gleiche geheimnisvolle Aura wie auf diesem Bild.

Shusse Daikoku ("Karriere Daikoku")
Kiyomizu Tempel, Kyōto

Der links abge­bildete Daikoku stammt aus dem Kiyo­mizu Tempel Kiyomizu-dera 清水寺 Tempel in Kyōtosiehe auch Bekannte Tempel → Ikonographie/Kannon→ Mythen/Imaginaere Tiere/Komainu→ Karte in Kyōto und dürfte in der Edo-Zeit an­ge­fer­tigt worden sein. Hammer, Sack und Reis­ballen ent­spre­chen den gän­gigen ikono­graphi­schen Charak­teris­tika dieses Gottes. Er ver­fügt zudem über das typi­sche Lächeln und den typi­schen Leibes­um­fang eines Glücks­got­tes. Ledig­lich seine schwarze Haut­farbe un­ter­schei­det diesen Daikoku von den heute üb­li­chen Ab­bil­dun­gen. Sie erin­nert daran, dass „Daikoku“ wörtlich über­setzt „der Große Schwarze“ bedeutet. Forscht man ein wenig in den ikono­gra­phi­schen Er­schei­nungs­for­men dieses Glücks­gottes nach, kommt in der Tat eine dunkle, ge­heim­nis­volle Dimen­sion zum Vor­schein, die diesem Namen ge­recht wird. Den „Großen Schwar­zen“ gibt es näm­lich auch im eso­teri­schen Bud­dhis­mus Indiens und Tibets, wo eine Gott­heit mit furcht­er­regen­den Zügen namens Mahākāla महाकाल Mahākāla (skt., n.) „Großer Schwarzer“, esoterische Gottheit; jap. Makakara 摩訶迦羅 oder Daikoku 大黒siehe auch →  Gluecksgoetter → Ikonographie/Myoo→ Ikonographie/Myoo/Vajrapani→ Mythen/Goetter der Erde/Okuninushi→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Bishamonten verehrt wird.

Manches spricht dafür, dass dieser klas­sische „zornvolle“ Schutz­gott des Bud­dhis­mus die Urform des heu­tigen Glücks­gottes Daikoku dar­stellt. Abge­sehen von den Namens­ele­menten „groß“ (dai 大, skt. maha) und „schwarz“ (koku 黒, skt. kala)2 besitzt Daikoku auch den Götter­titel -ten -ten wtl. Himmel; Göttertitel für eine eine aus Indien übernommene Gottheit (skt. Deva)siehe auch Waechtergoetter → Ikonographie→ Ikonographie/Gluecksgoetter→ Mythen/Symboltiere/Junishi , der auf eine soge­nannte Deva Gottheit indi­schen Ur­sprungs hindeutet.

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Ōkuninushi und der weiße Hase von Inaba

Farbholzschnitt (surimono), fukujin (Papier, Farbe) von Katsushika Hokusai (1760–1849); 20,7 x 18,5 cm
Bild © Museum of Fine Arts, Boston. (Letzter Zugriff: 2011/7)
William S. and John T. Spaulding Collection

Ōkuninushi heilt den Hasen von Inaba, dem Meeresungeheuer (wani) das Fell abgezogen haben. Hokusai interpretiert Ōkuninushi als Daikoku und die wani als Krokodile.

. 3 Daikoku = Ōkuninushi

Man stößt aber auch auf die Er­klärung, dass Daikoku eine Erschei­nungs­form des ein­heimi­schen Gottes Ōkuninushi Ōkuninushi 大国主 mythol. Gottheit; wtl. Großer Meister des Landessiehe auch Okuninushi → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Ise Izumo→ Bauten/Ise Izumo/Izumo Schrein→ Ikonographie/Gluecksgoetter → mehr sei. Der Zu­sammen­hang wird dabei meist über den Gleich­klang der beiden Namen her­ge­stellt: die beiden ersten Zeichen des Namens Ō-kuni-nushi (大国主, wtl. „Groß-Land-Herr“) lassen sich sino-japanisch ebenfalls als dai-koku lesen. Diese ein wenig über­zogen wirkende etymo­logische Erklärung wird durch eine mittel­alter­liche Legende gestützt, die den Ur­sprung der Daikoku Ver­ehrung auf Saichō Saichō 最澄 767–822; Gründer des Tendai Buddhismussiehe auch Saicho → Mythen/Goetter der Erde/Okuninushi→ Geschichte/Heian Zeit→ Geschichte/Kukai→ Geschichte/Honji suijaku → mehr , den Be­gründer des Tendai Tendai-shū 天台宗 Tendai Schule, chin. Tiantaisiehe auch Dainichi → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya→ Bauten/Bekannte Schreine/Tenjin→ Bauten/Bekannte Schreine/Nikko→ Alltag/Yamabushi → mehr -Buddhismus, zurück­führt: Saichō habe im altehr­würdigen Miwa Schrein Miwa Jinja 三輪神社 Miwa (auch Ōmiwa) Schrein, nahe Narasiehe auch Bekannte Schreine → Bauten/Ise Izumo/Izumo Schrein , der Ōkuni­nushi geweiht ist, ge­betet, worauf Ōkuni­nushi sich ihm „in Gestalt des Daikoku Tenshin“ offen­bart hätte. Saichō hätte nach diesem Vor­bild selbst eine Statue des Daikoku geschnitzt und diesen als Schutz­gott des Tendai Bud­dhis­mus verehrt.3

Wie passen diese beiden Erklä­rungen zusammen? Welche ist richtig? Oder stimmen beide?

Frühe Darstellungen des Daikoku
als einheimische Gottheit

Betrachtet man die ältesten Daikoku-Figuren aus der späteren Heian Heian 平安 alter Name Kyōtos; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit)siehe auch Heian Zeit → Bauten/Bekannte Tempel→ Ikonographie→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya→ Alltag/Opfergaben→ Alltag/Pilgerschaft → mehr -Zeit, so findet man eher einfache Dar­stellun­gen, die keine der beiden Theorien klar stützen oder wider­legen. Weder handelt es sich ein­deutig um einen Bodhi­sattva oder einen zorn­vollen Schutz­gott des Buddhis­mus, noch ähneln die Figuren — wie sonst bei frühen Kami-Darstellungen üblich — den Adeligen des Alter­tums. Die Figuren wirken in erster Linie bäuer­lich.

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Daikoku im halben Lotossitz (Daikoku hanka-zō)

Statue, fukujin (Holz). Heian-Zeit; im Besitz des Kongōrin-ji, Shiga-ken; Sitzhöhe: 49,9cm, Gesamthöhe: 73,5cm
Bild © Shinbutsu imasu Ōmi. (Letzter Zugriff: 2014/2)

Dies ist die angeblich älteste Darstellung des japanischen Daikoku aus einem Tendai-Tempel in der Umgebung von Saichōs Klosterberg Hiei. Die Rüstung und vor allem die langen Ohren offenbaren einen starken Einfluss der buddhistischen Ikonographie. Dennoch verleihen die Mütze und die gedrungene Statur diesem Daikoku eine gewisse Bodenständigkeit. Die Figur ist ein ichiboku zukuri, d.h. sie ist aus einem einzigen Holzblock herausgearbeitet. Das Motiv einer Figur, die im sogenannten „halben Lotossitz“ auf einem Felsen sitzt, erinnert an Kannon oder Benzai-ten, die dann jeweils auf ihrer eigenen Insel dargestellt sind. Im Falle Daikokus ist das Motiv jedoch äußerst selten und praktisch nur auf Tendai Tempel beschränkt. (Iyanaga 2002, S. 300.)

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Daikoku

Statue, fukujin (Holz). Späte Heian-Zeit, 11.–12. Jh.; Kanzeon-ji, Präfektur Fukuoka; Höhe: 171,8 cm
Bild © Saichō to Tendai kokuhō, 2006, Abb. 131, S. 161

Darstellung des Daikoku.

. 4 . 5 Früheste Beispiele Daikokus (Heian-Zeit)

Die obigen Bei­spiele der Daikoku Ikono­graphie stammen aus dem Um­feld des Tendai Bud­dhis­mus der Heian Heian 平安 alter Name Kyōtos; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit)siehe auch Heian Zeit → Bauten/Bekannte Tempel→ Ikonographie→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya→ Alltag/Opfergaben→ Alltag/Pilgerschaft → mehr -Zeit. Sie wirken ver­hält­nis­mäßig realis­tisch und tragen (noch?) nicht die paranor­malen Attribute des Mahakala.

Die Ab­bildung oben links zeigt die angeb­lich älteste Dar­stellung des Daikoku aus dem Kongōrin-ji Kongōrin-ji 金剛輪寺 Tendai Tempel in der Präfektur Shiga, östl. des Biwa-Sees; laut Gründungslegende bereits in der Nara-Zeit von Gyōki gegründet, später vom Tendai-Mönch Ennin ausgebaut.siehe auch→ Karte , einem alten Tendai-Tempel an der Ostseite des Biwa Sees. Die Rüstung und vor allem die langen Ohren offen­baren einen starken Ein­fluss der bud­dhis­tischen Ikono­graphie. Die Mütze und die ge­drun­gene Statur ver­mitteln anderer­seits den Eindruck einer gewisse Boden­ständig­keit und erinnern an den heutigen Daikoku. Der etwas jüngere Daikoku (re.) ist dagegen un­gewöhn­lich schlank, besitzt aber bereits eine ähnliche Tracht wie der klassische Daikoku. Man beachte auch den Sack, der noch heute auf fast allen Darstel­lungen ein Er­kennungs­merkmal des Daikoku dar­stellt. Dieser stellt wohl eines der ältesten Attri­bute Daikokus dar.

Ein chine­sischer Reise­bericht aus dem 7. Jahrhundert, „Bericht über den Buddhis­mus aus den Meeren des Südens“ 4 des Mönchs Yijing Yijing (chin.) 義浄 635–713; chin. Pilgermönch, Übersetzer und „Indologe“; jap. Gijōsiehe auch→ Texte/Sutra/Goldglanz Sutra , berichtet, dass Daikoku-ten als Glücks­gott­heit in den bud­dhis­tischen Tempel­küchen Indiens verehrt wurde. Er sei dort auf Stütz­pfei­lern ab­ge­bildet und zwar als schwarz­häu­tige Figur mit einem Sack.5 Dieser Text galt zu seiner Zeit in China als wichtige „indologische“ Quelle. In Japan sind Kopien davon erhal­ten geblieben, die in der Nara Nara 奈良 Hauptstadt und Sitz des Tennō, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyōsiehe auch Nara → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Tempel→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Bauten/Ise Izumo→ Bauten/Bekannte Schreine/Kasuga → mehr -Zeit angefertigt wurden. Daikoku war demnach durch diesen Text schon früh in Japan bekannt, vielleicht geht sogar seine Verehrung auf diesen Text zurück. Verbin­dungen Daikokus zur Tempel­küche sind jeden­falls mehrfach nach­weisbar.

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Daikoku

Fukujin. Späte Kamakura-Zeit; Hōju-in, Berg Kōya
Bild © Kōbō Daishi and the Sacred Treasures of Mount Kōya, 2003, Abb. 31

Darstellung des Daikoku.

. 6 Daikoku des Hōju-in, Berg Kōya, späte Kamakura-Zeit
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Daikoku-ten

Statue, fukujin (Holz, bemalt) von Zenshun (?). Kamakura-Zeit; Saidaiji, Nara; heute Nara National Museum; Höhe: 82,7 cm
Bild © Mihotoke no katachi (Ausstellungskatalog), Nara National Museum 2013, Abb. 67, S. 104

Im Inneren dieser Statue des befanden sich Miniaturstatuen von Daikoku und Benzai-ten, Sutrenfragmente und andere religiöse Gegenstände.

. 7 Daikoku des Saidai-ji, Nara
Kamakura Zeit

Der gemalte Daikoku (li.) aus der Kamakura Kamakura 鎌倉 Stadt im Süden der Kantō Ebene, Sitz des Minamoto Shōgunats 1185–1333 (= Kamakura-Zeit)siehe auch Kamakura → Ikonographie→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya→ Bauten/Bekannte Schreine/Itsukushima→ Ikonographie/Jizo→ Ikonographie/Shinto-Goetter → mehr -Zeit (die älteste ge­malte Version) erinnert nur durch ihre her­vor­quel­lenden Augen an die Wächter­gott­heiten des eso­teri­schen Bud­dhis­mus, während sich in der Skulptur rechts bereits die humor­volle Aus­strah­lung des späteren Glücks­gottes andeutet. Beide Bei­spiele stammen aus dem Umfeld des Shingon Shingon-shū 真言宗 Shingon Schule, wtl. Schule des Wahren Wortessiehe auch Kukai → Grundbegriffe/Buddhismus Lehre→ Bauten/Bekannte Tempel→ Ikonographie→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Bauten/Tempel/Pagoden → mehr Buddhismus. Die Figur rechts ist im Besitz des Saidai-ji Saidai-ji 西大寺 Buddhistischer Tempel in Nara, err. 765, Haupttempel der Shingon Risshū Schulesiehe auch Nara → Alltag/Matsuri/Hadaka matsuri→ Karte in Nara Nara 奈良 Hauptstadt und Sitz des Tennō, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyōsiehe auch Nara → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Tempel→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Bauten/Ise Izumo→ Bauten/Bekannte Schreine/Kasuga → mehr , wo ein beson­derer Daikoku-Kult durch den berühmten Mönch Eizon (1201–1290) belegt ist. Ähn­lich wie (der Legende nach) Saichō unter­hielt auch Eizon gute Bezie­hungen zum erwähnten Miwa Schrein (südlich von Nara), wo die Gott­heit Ōkuninushi verehrt wird.

Dass sowohl im Tendai als auch im Shingon Buddhis­mus reges Interesse an der Gott­heit des Miwa Schreins bestand, lässt sich auch aus anderen histo­rischen Zusammen­hängen erschließen.6 Wie die Ver­bindung Ōkuni­nushis mit dem Küchen­gott Daikoku aber genau zu­stande kam, ist trotz der Homo­phonie ihrer Namen nicht leicht nach­voll­zieh­bar. Es scheint aber auf jeden Fall plausibel, dass die Be­deutung Daikokus ab dem Zeit­punkt, als er mit der wichtigen alten Gottheit Ōkuninushi iden­tifiziert wurde, über seine Funktion als Wächter der Tempel­küche hinaus ging. Möglicher­weise erklärt dies auch die Tat­sache, dass einer zunächst nieder­rangigen Gottheit wie Daikoku bereits in früher Zeit bildliche Denk­mäler ge­setzt wurden. Um aber zu einer wirklich be­deuten­den Gestalt zu werden, waren in der Blüte­zeit des eso­teri­schen Buddhis­mus zusätzliche Eigen­schaften, wie sie der Namens­vetter aus Indien bereit hielt, von Nöten.

Mahakala in Indien, Tibet und Japan

In Tibet zählt der bereits erwähnte „Große Schwarze“ (Nag po chen po, skt. Mahakala) zu den popu­lärs­ten Gott­heiten (s. z.B. Kumar 2005). In erster Linie gilt er als Schutz­gott buddhisti­scher Klöster, was sicherlich im Zu­sammen­hang mit Daikoku als Beschützer der Tempel­küche zu sehen ist. Trotzdem — oder gerade deshalb — wird Mahakala zumeist als furcht­ein­flößen­der, krie­ge­ri­scher Dämon dargestellt. Genau genommen gibt es im tantri­schen Buddhis­mus mehrere Gott­heiten oder Bodhi­sattvas, die sich der Form des Mahakala bedienen, wenn sie eine zorn­volle Erschei­nung annehmen. Es gibt daher mehrere Mahakalas, die sich beispiels­weise durch die Anzahl ihrer Gesichter und Arme unterscheiden. Ikono­graphisch lassen sie sich aber auf die gleiche Grund­form, nämlich die eines menschen­fressenden indischen Dämonen zurück­führen.7 Um die Sache noch verwirrender zu machen, wird die gleiche dämonen­artige Grund­form nicht nur von verschie­denen Mahakalas, sondern auch von verschiedenen Vajrapanis und anderen eso­teri­schen Gestalten ange­nommen.

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Mahakala

Statue (Stein, bemalt). 17. Jh., Tibet; im Besitz des British Museum
Bildquelle: insecula.com. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Die hier dargestellte Form des Mahakala wird als Panjaranata Mahakala (Mahakala als Herr des [Vajra] Baldachin [Tantras]) bezeichnet. Der Name leitet sich von einem bestimmten Tantra-Text ab, wird aber manchmal auch als „Herr des Zelts“ übersetzt.

. 9 Mahakala, tibetische Darstellung, 17.Jh.
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Mahakala

Hängerollbild (Baumwolle, Farbe). Tibet, 19. Jh.; 88,90 x 60,96 cm
Bild © Himalayan Art
Collection of Shelley & Donald Rubin

Darstellung des Mahakala.

. 10 Mahakala, tibetische Darstellung, 19. Jh.
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Die beiden Dar­stel­lun­gen rechts stam­men aus dem Tibet des sieb­zehn­ten bzw. neun­zehn­ten Jahr­hun­derts, gehen aber auf ältere ikono­graphi­sche Vor­bilder zurück. Das untere Bei­spiel ist der aus­ge­zeich­ne­ten online Kol­lek­tion tibe­tischer Kunst Himalayan Art ent­nom­men, wo noch jede Menge ähnlicher Dar­stel­lungen zu finden sind. Auf dieser Seite findet sich zum dar­ge­stell­ten Motiv fol­gende ikono­gra­phische Be­schreibung aus dem 16. Jahrhundert:

The great Vajra Mahakala blazes, with one face, two hands, holding in the right a curved knife and in the left a skullcup filled with blood held above and below the heart. Held across the middle of the two forearms is the 'Gandhi of Emanation.' With three eyes, bared fangs, yellow hair flowing upward, [he has] a crown of five dry human skulls and a necklace of fifty wet - blood dripping. Adorned with six bone ornaments and snakes, having a lower garment of tiger skin, flowing with pendants and streamers of various silks, in a posture dwarfish and thick [he] stands above a corpse.

Konchog Lhundrup (1497–1557)8

Diese Mahakala Ikono­graphie ist auch im eso­teri­schen Buddhis­mus Japans bekannt. Man findet sie vor allem auf Mandalas des Makakara Makakara 摩訶迦羅 skt. Mahakala, „Großer Schwarzer“; alternativer Name des Glücksgotts Daikoku (jap. Aus­sprache von Maha­kala), also Ab­bil­dun­gen einer eige­nen spiritu­elllen Welt, in der Maka­kara/Daikoku im Mittel­punkt steht. Auch in der ältes­ten Samm­lung iko­no­gra­phi­scher Grund­typen, dem Zuzōshō aus der späten Heian-Zeit, ist eine solche Dar­stel­lung des Daikoku zu finden (Abb. unten). Die hier ab­ge­bildete Gott­heit geht ganz offen­sicht­lich auf den­sel­ben ikono­graphi­schen Grund­typus zurück wie der indo-tibetische Mahakala. Toten­schädel im Haar, Schlangen­ketten und die Leichen von Menschen und Tieren in Maha­kalas Händen finden sich hier wie da. Auch die mehr­fachen Gesich­ter und die Ele­fanten­haut sind im tantrischen Buddhis­mus Tibets bekannt.

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Daikoku Tenshin

Tenbu. Späte Heian-Zeit, 1139; aus Zuzōshō, 図像抄
Bild © Ryūkoku Daigaku, Bibliothek der buddhistischen Universität, Kyoto. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Abbildung des Daikoku aus dem ältesten Kompendium der buddhistischen Ikonographie Japans. Das Werk enthält 142 Vorlagen von buddhistischen Abbildungen. Die vorliegende Bildfassung stammt aus einer Kopie des Werks aus dem Jahr 1702.

. 11 Daikoku Tenshin, Heian Zeit
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Mahakala (Makakara)

Mandara. Edo-Zeit; aus Ishin. Chūsei Nihon no mikkyōteki sekai („Seltsame Götter: Die esoterische Welt des japanischen Mittelalters“), Yamamoto Hiroko; Chōrin-ji, Präfektur Kagawa

Makakara (oder auch Daikoku, skt. Mahakala) hier als zentrale Figur eines ihm gewidmeten Mandala (Makakara mandara). Die Abbildung entstammt dem Titelblatt eines Buches zu diesem Thema.

. 12 Makakara-ten, Edo Zeit

Spätestens im japa­nischen Mittel­alter begann man, eine Verbin­dungen zwischen dem ein­heimischen „Daikoku“ und „Makakara“ her­zustellen. Beide Namen wurden abwech­selnd für die gleiche Gott­heit verwendet, Daikoku bekam explizit die Eigen­schaften des Makakara zuge­sprochen. So heißt es im Keiran shūyōshū (1317), einer Schrift des mittel­alter­lichen Tendai Bud­dhis­mus, dass Daikoku-ten eine Gott­heit sei, die „das Fleisch und das Blut der Menschen frisst“. 9

Dass gerade eine so grausame Gott­heit wie Mahakala im esoteri­schen Buddhis­mus Bedeutung erlangte, ent­spricht einer para­doxen esoteri­schen Logik, die gerade in den schreck­lichsten Gestalten einen Weg zur Er­leuch­tung sucht. Diese Logik war im übrigen nicht auf Maha­kala allein be­schränkt, sondern findet sich in allen mög­lichen Figuren des eso­teri­schen Buddhis­mus, z.B. den „Mantra-Königen“ (myōō myōō 明王 wtl. Licht-König, auch „Mantra-König“ oder „Weisheits-König“; skt. Vidyārājasiehe auch Myoo → Ikonographie→ Ikonographie/Kannon→ Ikonographie/Waechtergoetter→ Ikonographie/Kannon/Bato Kannon→ Ikonographie/Myoo/Fudo → mehr ). Die all­ge­meine histori­sche Entwick­lung dieser Ikono­graphie wird auch in meinem Essay über die Figur des Vajrapāṇi वज्रपाणि Vajrapāṇi (skt., m.) „Vajrahand“, Vajraträger; jap. Kongōshu 金剛手siehe auch →  Vajrapani → Ikonographie/Myoo→ Ikonographie/Waechtergoetter genauer besprochen.

Kombinationen

Die obigen esoteri­schen Darstel­lungen des Daikoku/Makakara als zorn­volle Be­schützer­gott­heit sind in Japan sehr selten. Ihre Kennt­nis war wohl immer auf eng begrenzte Mönchs­kreise beschränkt. Gleich­zeitig scheinen die bäuer­lichen, auf Nahrung und Wohl­stand bezogenen Aspekte des Daikoku immer den Hauptstrang seiner Er­schei­nungs­formen gebildet zu haben. Aller­dings kam es zu zahl­reichen Ver­mischun­gen beider Typen.

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Daikoku und Ebisu

Holzschnitt, fukujin (Papier, Tusche) von Kano Motonobu. 1551
Bild © Museum of Fine Art, Boston. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Ebisu und Daikoku, bereits in klassischer Ausführung.

. 13 Daikoku und Ebisu, 1551
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Dreigesichtiger Daikoku (Sanmen Daikoku)

Buchillustration, fukujin von Katsushika Hokusai. Edo-Zeit; aus Hokusai Manga, Band 13, 1849
Bildquelle: visipix, (bildbearbeitet). (Letzter Zugriff: 2012/3/2)

Ähnlich wie der indische Mahakala kann auch Daikoku eine dreigesichtige Form annehmen. In den meisten Beispielen aus der Edo-Zeit verschmilzt er dabei mit Bishamon-ten (li) und Benzaiten (re). Frühere Beispiele dieses Typs tragen durchaus auch zornvolle, furchteinflößende Züge.

. 14 Sanmen Daikoku (Hokusai, 1849)

Die Abbildung oben links zeigt eine frühe Version des klassi­schen Glücks­gottes Daikoku mit seinem Kollegen Ebisu Ebisu 恵比寿 Glücksgott der Händler und Fischer; andere Schreibung: 夷 oder 戎siehe auch Ebisu → Bauten/Bekannte Tempel/Asakusa→ Bauten/Bekannte Schreine→ Ikonographie/Gluecksgoetter→ Mythen/Goetter der Erde/Okuninushi → mehr von Kanō Motonobu. Die ver­spielte Dar­stellung der beiden Götter existierte also schon Ende des japa­nischen Mittelalters. Die Ab­bildung rechts stammt hingegen aus der späten Edo-Zeit und beweist, dass die Formen­sprache des esoteri­schen Buddhis­mus damals noch durchaus präsent war. Ähnlich wie manche Formen des indischen Mahakala ist auch dieser Dakoku mit drei Gesichtern aus­gestattet. Doch auch die heute geläufige Ikono­graphie der Glücks­götter ist mit im Spiel: Bei genauem Hinsehen erkennt man in einem der Gesichter den Glücks­gott Bishamon-ten Bishamon-ten 毘沙門天 Himmelswächter des Nordens, Glücksgottsiehe auch Bishamonten → Ikonographie→ Ikonographie/Myoo→ Ikonographie/Waechtergoetter→ Ikonographie/Gluecksgoetter→ Ikonographie/Myoo/Vajrapani → mehr (li.) im anderen Benzaiten Benzaiten 弁才天/ 弁財天 Glücksgöttin, Gottheit des Wassers, der Musik und der Beredsamkeit; skt. Sarasvati; auch: Bentensiehe auch Benzaiten → Ikonographie→ Bauten/Schreine/Torii→ Bauten/Bekannte Schreine→ Bauten/Bekannte Schreine/Itsukushima→ Alltag/Matsuri/Hadaka matsuri → mehr (re). Dies ist nicht etwa eine Erfindung des genialen Katsushika Hokusai Katsushika Hokusai 葛飾 北斎 1760–1849; Maler und Zeichner. Bekanntester Verteter des Ukiyoe-Farbholzschnittssiehe auch Kaidan → Alltag/Pilgerschaft→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Hotei→ Mythen/Imaginaere Tiere→ Mythen/Hoellen/Hoellenbilder → mehr , sondern entspricht dem gängigen Schema des drei­gesichtigen Daikoku (Sanmen Daikoku) der Edo-Zeit. Auch die ironi­schen Züge des Glücks­gottes, die in Hokusais Dar­stellung deutlich hervor­blitzen, sind an anderen drei­gesich­tigen Daikokus der Edo-Zeit fest­stell­bar.

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Sanmen-Daikoku

Statue, fukujin. Edo-Zeit; Motoyama-dera, Tempel der Pilgerroute in Shikoku
Bild © Bernhard Scheid, 2007

Dreiköpfiger Daikoku mit den Zusatzgesichtern von Bishamon-ten und Benzaiten.

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Daikoku

Statue, fukujin (Holz, bemalt, vergoldet). 19. Jh.

Daikoku in einem Miniaturschrein (zushi).

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Dreigesichtiger Daikoku

Statue, fukujin (Holz). Wahrscheinlich Edo-Zeit; Eishin-ji, Tōkyō
Bildquelle: NaoMa, J-Blog. (Letzter Zugriff: 2014/2)

Abbildung des Daikoku, der Legende nach von Kūkai geschnitzt, wahrscheinlich jedoch aus der Edo-Zeit. Der Tempel Eishin-ji befindet sich im Norden des Ueno Parks, wo im 19. Jahrhundert die ersten Rundgänge zu Schreinen der Sieben Glücksgötter angelegt wurden. Heute ist er Teil der Shitaya-Fukujin-Route, wo Wallfahrtsorte der Glücksgötter auf ca. 3km aufgefädelt sind. Die Route entstand 1975.

Daikoku Statuen der Edo Zeit

Obwohl die Be­deutung des esoteri­schen Buddhis­mus in der Edo Edo 江戸 Sitz der Tokugawa Shōgune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tōkyōsiehe auch Geschichtsperioden → Grundbegriffe/Buddhismus→ Bauten/Bekannte Tempel→ Grundbegriffe/Shinto→ Grundbegriffe/Stereotype/Herrigels Zen→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya → mehr -Zeit ins­ge­samt zurück ging, hielten sich die esoteri­schen Attribute des Mahakala, be­sonders die schwarze Haut und die drei Ge­sichter, also noch lange. Zu­gleich verlor Daikoku mit stei­gender Popu­larität als Glücks­gott seine furcht­ein­flößenden Züge und be­hielt ledig­lich den Hammer (in frühen Dar­stel­lungen eher ein Stab oder ein Schwert) als eine Art magisches Instrument.

Die Ikono­graphie des modernen Glücks­gottes hat sich mittler­weile sogar von der schwarzen Haut des Daikoku weg­ent­wickelt und ent­spricht weit­gehend dem ur­sprüng­lichen, bäuer­lichen Typ. Vom esoteri­schen Mahakala ist in erster Linie der gedrun­gene, zwergen­hafte Körper geblieben (den Daikoku im übrigen auch an andere Glücks­götter vererbt hat).

Mahakala scheint somit im histo­rischen Rück­blick als eine Art Katalysator gewirkt zu haben, damit aus dem Gott der Tempel­küche ein all­ge­mein bekannter und populärer Glücks­gott werden konnte. Erst durch diese Ver­bindung wurde Daikoku mit den nötigen Kräften aus­ge­stattet, um als Anführer der Sieben Glücks­götter beinahe jeden Wunsch nach einem guten, materiell abge­sicherten Leben erfüllen zu können.

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Daikoku

Statue, fukujin (Keramik, Farbe). 20. Jh.

Daikoku, wie er als einer der sieben Glücksgötter (Shichi Fukujin) in modernen Souvenierläden zu finden ist.

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Daikoku

netsuke, fukujin (Keramik) von Miwa Zenraku. Um 1800
Bild © Yamaguchi Bijutsukan

Figur des Daikoku, die als netsuke 根付 verwendet wurde. Ein netsuke stellt ein Gegengewicht zu verschiedenen sagemono („hängendes Behältnis“) dar, die am Gürtel (obi) des traditionellen Kimonos getragen werden.

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Daikoku

Statue, fukujin (Stein); Tsurumigtake, Ōita-ken, Kyūshū
Bild © Blown in the wind, 2014. (Letzter Zugriff: 2014/2)

Daikoku, leicht beschneit, auf einer der höchstgelegenen Fukujin-Routen Japans, auf dem Berg Tsurumitake in der Provinz Ōita, ca. 1300m. Die Gegend ist insgesamt berühmt für ihre religiösen Steinstatuen (sekibutsu).

Daikoku in modernem Gewand

Epilog: Daikokus Mauswächter

Vieles an der Figur des Daikoku bleibt nach wie vor rätsel­haft. Woher rührt bei­spiels­weise die Tatsache, dass Daikoku stets von Mäusen begleitet wird?

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Daikoku veranstaltet ein Wagenrennen mit Mäusen

Neujahrsbild, fukujin von Kawanabe Kyōsai, Detail. 19. Jh.

Auch ein weiteres Attribut des Daikoku ist dargestellt, der Rettich (daikon), der hier als Wagen dient.

. 15 Daikoku ver­anstaltet ein Wagen­rennen mit Mäusen.
Auch ein weiteres Attribut Daikokus ist dar­gestellt, der Rettich (Daikon), der hier als Wagen dient.
Neujahrsbild von Kawanabe Kyōsai, 19. Jh.


Die Maus dient Daikoku heute ganz „offiziell“ als Tiergefährte, sie hat aber auch einen Bezug zu Ōkuninushi, der, wie wir gesehen haben, oft mit Daikoku identi­fiziert wurde. Im Kojiki Kojiki 古事記 „Aufzeichnung alter Begebenheiten“; älteste jap. Chronik (712)siehe auch Mythentexte → Bauten/Schreine/Torii→ Bauten/Ise Izumo→ Bauten/Ise Izumo/Izumo Schrein→ Bauten/Bekannte Schreine/Itsukushima→ Ikonographie/Gluecksgoetter → mehr wird er­zählt, dass dieser Gott von seinem Vater (bzw. Ahnherren) Susanoo Susanoo 須佐之男 mytholog. Trickster-Gott; Sturmgott, Mondgottsiehe auch Goetter der Erde → Bauten/Schreine/Shimenawa→ Bauten/Bekannte Schreine/Itsukushima→ Alltag/Matsuri→ Ikonographie/Gluecksgoetter → mehr ver­stoßen wurde und es erst nach zahl­reichen Prüfungen und Aben­teuern schaffte, das Erbe Susanoos an­zu­treten. Eines dieser Aben­teuer be­stand darin, dass Ōkuninushi einem Steppen­brand ent­kommen musste, den sein Vater gelegt hatte. In­mitten der Flammen erschien eine Maus und zeigte Ōkuninushi ein Erd­loch, in das er sich verkroch und überlebte.10

Im Südosten Kyōtos befindet sich ein alter Schrein namens Ōtoyo Jinja, der für seine zahl­reichen Tier­wächter bekannt ist. Zu diesen zählen auch zwei Mäuse. Sie be­wachen jedoch keinen Daikoku Schrein, sondern einen Zweigschrein, der dem Ōkuninushi geweiht ist.

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Schrein des Ōkuninushi

Schrein, torii (Stein); Ōkuninushi Schrein, Kyoto
Bild © Craig Fryer, 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Schrein des Ōkuninushi mit einem torii im Vordergrund, bewacht von zwei Mäusestatuen.

. 16
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Wächtermaus

Statue (Stein); Ōkuninushi Schrein, Kyōto
Bild © Craig Fryer, 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Maus mit Wunschjuwel (nyoi no tama) als Botentier des Daikoku.

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Wächtermaus

Statue (Stein); Ōkuninushi Schrein, Kyōto
Bild © Craig Fryer, 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Maus als Botentier des Daikoku.

. 17 . 18 Ōkuninushi Schrein in Kyoto, bewacht von zwei Mäusen

Ist nun Daikokus Maus ein Hinweis auf seine Verwandtschaft mit Ōkuninushi? Oder erklärt sich ihre Bedeutung doch eher aus Daikokus Funktion in der Tempel­küche: Etwa, dass eine Gott­heit, die die Nahrung schützt, einen Ein­fluss auf Mäuse haben muss, die die Nahrung vernichten? Oder ist die Maus auf den verschlun­genen Wegen des Mahakala an die Seite Daikokus gelangt? Einen möglichen Auf­schluss darüber gibt die Ikono­graphie eines anderen Glücks­gottes: Bishamon-ten.

Verweise

Verwandte Themen

Fußnoten

  1. Shusse suru (wtl. „in die Welt treten“) ist heute im Sinne von „aufsteigen“, „Karriere machen“ gebräuchlich. Ursprüng­lich bezog sich der Ausruck aber auf das In-die-Welt-treten eines Buddhas. Somit könnte Shusse Daikoku ursprüng­lich die Gestalt bedeutet haben, die Daikoku in der sicht­baren Welt annimmt (im Unter­schied zu seiner eigentlichen Buddha­gestalt). Die geläufi­gere Aus­legung des Namens Shusse Daikoku besagt jedoch, dass ein solcher Daikoku hilfreich sein kann, selbst in der Welt Karriere zu machen. Angeblich soll Toyotomi Hideyoshi Toyotomi Hideyoshi 豊臣秀吉 1537–1598, Feldherr, Diktator; be­kannt als der zweite von drei Reichs­eini­gern am Ende der „Zeit der kämp­fen­den Länder“ (Sengoku Jidai)siehe auch Christentum → Bauten/Bekannte Schreine/Tenjin→ Ikonographie/Dainichi/Daibutsu→ Mythen/Symboltiere→ Geschichte/Amidismus → mehr Daikoku diesen Namen verliehen haben, da er meinte, ihm seine eigene Karriere zu verdanken.
  2. Kala kann sowohl „schwarz“ als „Zeit“ heißen und es besteht Un­einig­keit, was im origi­nalen Sanskrit­namen gemeint ist. In Ostasien entschied man sich jedenfalls bei der Über­setzung für „schwarz“.
  3. Iyanaga 2002, S. 547–48.
  4. Nanhai jigui nefachuan 南海寄帰内法伝, jap. Naikai kiki naihōden
  5. Iwai Hiroshi, Daikokuten (Encyclopedia of Shinto).
  6. Mönche beider Rich­tungen trugen ent­scheidend zur Ent­stehung des soge­nannten Miwa-ryū Shinto bei. Es handelt sich dabei um eine nach Modellen des eso­teri­schen Buddhis­mus geformte Shinto-Schule, die in gewissen elitären Zirkeln des Mittel­alters und der frühen Neuzeit kursierte.
  7. Im speziellen handelt es sich um soge­nannte Yakshas oder Rakshas. Himalayan Art erklärt dazu:

    Mahakala is a category of Tantric Buddhist deity. His primary function is as a protector (Dharmapala) and specifically the primary Wisdom Protector of Himalayan and Tibetan Buddhism. There are dozens of different variations and forms of Mahakala. He is typically in wrathful appearance following the Indian model of a Raksha demon. In most occurrences and uses of Mahakala, he is paired with a meditational deity [...]. In most cases Mahakala is an emanation, or wrathful aspect, of the principal medi­tational deity that he is associated with.

    Mahakala Main Page [2011/4]

    Rakshas oder Rakshasas राक्षस rākṣasa (skt., m.) Dämon; jap. rasetsu 羅刹siehe auch →  Oni und Kappa → Ikonographie/Myoo/Vajrapani→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Bishamonten sind in den ältesten indischen Texten, den Veden, menschen­fressende Dämonen, die in den kompli­zierten Kämpfen inner­halb des indischen Pantheons einen Teil des Fuß­volks darstellen. Sie werden oft in einem Atemzug mit den Yakshas यक्ष yakṣa (skt., n.) übernatürliches Wesen, Geist, Dämon; jap. yasha 夜叉siehe auch →  Vajrapani → Ikonographie/Gluecksgoetter/Bishamonten→ Texte/Sutra/Goldglanz Sutra genannt, die ebenfalls eine niedere kriege­rische Kaste darstellen (beide sollen aus Brahmas Fuß entstanden sein). Schon in den Veden werden Rakshas mitunter „zum Guten“ bekehrt und bewähren sich dann als tüchtige Kämpfer. Sie werden auch als ehe­malige indische Lokal­gott­heiten inter­pretiert. Beide Dämonen­rassen können auch weiblich sein. Der japanische Buddhis­mus kennt die Rakshas unter der Bezeich­nung rasetsu rasetsu 羅刹 von skt. Raksha bzw. Rakshasi (weibl. Form); menschenfressende Dämonenrasse des indischen Pantheonssiehe auch Oni und Kappa → Ikonographie/Myoo/Vajrapani , eine Frühform der japanischen oni oni Dämon, „Teufel“; in sino-japanischer Aussprache (ki) ein allgemeiner Ausdruck für Geistersiehe auch Oni und Kappa → Alltag/Jahr→ Ikonographie/Waechtergoetter/Wind und Donner→ Mythen/Geister→ Mythen/Imaginaere Tiere → mehr . Yakshas kommen im Buddhis­mus besser weg: Als ihr oberster Chef gilt Bishamon-ten Bishamon-ten 毘沙門天 Himmelswächter des Nordens, Glücksgottsiehe auch Bishamonten → Ikonographie→ Ikonographie/Myoo→ Ikonographie/Waechtergoetter→ Ikonographie/Gluecksgoetter→ Ikonographie/Myoo/Vajrapani → mehr , der Wächter des Nordens.

  8. Zitiert nach Himalayan Art [2011/4]
  9. Yamamoto 1998, S. 126
  10. Siehe dazu auch meinen Artikel Die gewundenen Pfade des Großen Landesherren: Ōkuninushi als heimlicher Gegenspieler der Himmlischen Götter.

Bilderläuterungen

  1. Daikoku kojimadera.jpg

    Daikoku

    Statue, fukujin (Holz). Muromachi Zeit; Kojima-dera, Präfektur Nara
    Bild © Don Pancho, Scan aus dem Tempelkatalog. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Frühes Beispiel des „typischen“ Glücksgottes Daikoku mit Sack und Glückshammer, Barrett und den für die meisten Glücksgötter typischen riesigen Ohrläppchen. Die Statue befindet sich im Kojima-dera, einem sehr alten Tempel des Shingon Buddhismus.

  2. Daikoku 1en.jpg

    Daikoku auf einem Ein-Yen-Schein

    Geldschein, fukujin von Edoardo Chiossone (1833–1898). Meiji-Zeit, ab 1885; 7,8 x 13,5 cm
    Bild © Kin/Gendai Nihon no Okane. (Letzter Zugriff: 2012/10)

    Einer der ersten modernen Geldscheine Japans zeigt den Glücksgott Daikoku auf zwei Reisballen, mit Sack, Hammer und Mäusen. Der italienische Graveur Edoardo Chiossone entwarf auch andere Geldscheine und offizielle Dokumente für die junge japanische Meiji-Regierung.

  3. Okuninushi hokusai.jpg

    Ōkuninushi und der weiße Hase von Inaba

    Farbholzschnitt (surimono), fukujin (Papier, Farbe) von Katsushika Hokusai (1760–1849); 20,7 x 18,5 cm
    Bild © Museum of Fine Arts, Boston. (Letzter Zugriff: 2011/7)
    William S. and John T. Spaulding Collection

    Ōkuninushi heilt den Hasen von Inaba, dem Meeresungeheuer (wani) das Fell abgezogen haben. Hokusai interpretiert Ōkuninushi als Daikoku und die wani als Krokodile.

  4. Daikoku kongorinji.jpg

    Daikoku im halben Lotossitz (Daikoku hanka-zō)

    Statue, fukujin (Holz). Heian-Zeit; im Besitz des Kongōrin-ji, Shiga-ken; Sitzhöhe: 49,9cm, Gesamthöhe: 73,5cm
    Bild © Shinbutsu imasu Ōmi. (Letzter Zugriff: 2014/2)

    Dies ist die angeblich älteste Darstellung des japanischen Daikoku aus einem Tendai-Tempel in der Umgebung von Saichōs Klosterberg Hiei. Die Rüstung und vor allem die langen Ohren offenbaren einen starken Einfluss der buddhistischen Ikonographie. Dennoch verleihen die Mütze und die gedrungene Statur diesem Daikoku eine gewisse Bodenständigkeit. Die Figur ist ein ichiboku zukuri, d.h. sie ist aus einem einzigen Holzblock herausgearbeitet. Das Motiv einer Figur, die im sogenannten „halben Lotossitz“ auf einem Felsen sitzt, erinnert an Kannon oder Benzai-ten, die dann jeweils auf ihrer eigenen Insel dargestellt sind. Im Falle Daikokus ist das Motiv jedoch äußerst selten und praktisch nur auf Tendai Tempel beschränkt. (Iyanaga 2002, S. 300.)

  5. Daikoku kanzeonji.jpg

    Daikoku

    Statue, fukujin (Holz). Späte Heian-Zeit, 11.–12. Jh.; Kanzeon-ji, Präfektur Fukuoka; Höhe: 171,8 cm
    Bild © Saichō to Tendai kokuhō, 2006, Abb. 131, S. 161

    Darstellung des Daikoku.

  6. Daikoku koya.jpg

    Daikoku

    Fukujin. Späte Kamakura-Zeit; Hōju-in, Berg Kōya
    Bild © Kōbō Daishi and the Sacred Treasures of Mount Kōya, 2003, Abb. 31

    Darstellung des Daikoku.

  7. Daikoku saidaiji2.jpg

    Daikoku-ten

    Statue, fukujin (Holz, bemalt) von Zenshun (?). Kamakura-Zeit; Saidaiji, Nara; heute Nara National Museum; Höhe: 82,7 cm
    Bild © Mihotoke no katachi (Ausstellungskatalog), Nara National Museum 2013, Abb. 67, S. 104

    Im Inneren dieser Statue des befanden sich Miniaturstatuen von Daikoku und Benzai-ten, Sutrenfragmente und andere religiöse Gegenstände.

  8. Daikoku 1301.jpg

    Daikoku, gehend

    Statue, fukujin (Holz). Kamakura-Zeit, 1301; im Besitz des Enryaku-ji, Berg Hiei; Höhe: 76cm
    Bild © Shinbutsu imasu Ōmi. (Letzter Zugriff: 2014/3)

    Daikoku aus dem Enryaku-ji auf Berg Hiei, jenem Kloster, das wahrscheinlich den Ausgangspunkt des japanischen Daikoku Glaubens darstellt. Frühes Beispiel der klassischen Glücksgott-Ikonographie. Die Statue enthält eine Inschrift mit Datum (1301) und Namen des Stifters: Jakuson 寂尊.

  9. Mahakala 17jh bm.jpg

    Mahakala

    Statue (Stein, bemalt). 17. Jh., Tibet; im Besitz des British Museum
    Bildquelle: insecula.com. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Die hier dargestellte Form des Mahakala wird als Panjaranata Mahakala (Mahakala als Herr des [Vajra] Baldachin [Tantras]) bezeichnet. Der Name leitet sich von einem bestimmten Tantra-Text ab, wird aber manchmal auch als „Herr des Zelts“ übersetzt.

  10. Mahakala tibet.jpg

    Mahakala

    Hängerollbild (Baumwolle, Farbe). Tibet, 19. Jh.; 88,90 x 60,96 cm
    Bild © Himalayan Art
    Collection of Shelley & Donald Rubin

    Darstellung des Mahakala.

  11. Daikoku tenshin.jpg

    Daikoku Tenshin

    Tenbu. Späte Heian-Zeit, 1139; aus Zuzōshō, 図像抄
    Bild © Ryūkoku Daigaku, Bibliothek der buddhistischen Universität, Kyoto. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Abbildung des Daikoku aus dem ältesten Kompendium der buddhistischen Ikonographie Japans. Das Werk enthält 142 Vorlagen von buddhistischen Abbildungen. Die vorliegende Bildfassung stammt aus einer Kopie des Werks aus dem Jahr 1702.

  12. Makakara daikoku.jpg

    Mahakala (Makakara)

    Mandara. Edo-Zeit; aus Ishin. Chūsei Nihon no mikkyōteki sekai („Seltsame Götter: Die esoterische Welt des japanischen Mittelalters“), Yamamoto Hiroko; Chōrin-ji, Präfektur Kagawa

    Makakara (oder auch Daikoku, skt. Mahakala) hier als zentrale Figur eines ihm gewidmeten Mandala (Makakara mandara). Die Abbildung entstammt dem Titelblatt eines Buches zu diesem Thema.

  13. Daikoku ebisu 1551.jpg

    Daikoku und Ebisu

    Holzschnitt, fukujin (Papier, Tusche) von Kano Motonobu. 1551
    Bild © Museum of Fine Art, Boston. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Ebisu und Daikoku, bereits in klassischer Ausführung.

  14. Sanmendaikoku hokusai.jpg

    Dreigesichtiger Daikoku (Sanmen Daikoku)

    Buchillustration, fukujin von Katsushika Hokusai. Edo-Zeit; aus Hokusai Manga, Band 13, 1849
    Bildquelle: visipix, (bildbearbeitet). (Letzter Zugriff: 2012/3/2)

    Ähnlich wie der indische Mahakala kann auch Daikoku eine dreigesichtige Form annehmen. In den meisten Beispielen aus der Edo-Zeit verschmilzt er dabei mit Bishamon-ten (li) und Benzaiten (re). Frühere Beispiele dieses Typs tragen durchaus auch zornvolle, furchteinflößende Züge.

  15. Daikoku kyosai.jpg

    Daikoku veranstaltet ein Wagenrennen mit Mäusen

    Neujahrsbild, fukujin von Kawanabe Kyōsai, Detail. 19. Jh.

    Auch ein weiteres Attribut des Daikoku ist dargestellt, der Rettich (daikon), der hier als Wagen dient.

  16. Otoyo komanezumi3.jpg

    Schrein des Ōkuninushi

    Schrein, torii (Stein); Ōkuninushi Schrein, Kyoto
    Bild © Craig Fryer, 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Schrein des Ōkuninushi mit einem torii im Vordergrund, bewacht von zwei Mäusestatuen.

  17. Otoyo komanezumi1.jpg

    Wächtermaus

    Statue (Stein); Ōkuninushi Schrein, Kyōto
    Bild © Craig Fryer, 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Maus mit Wunschjuwel (nyoi no tama) als Botentier des Daikoku.

  18. Otoyo komanezumi2.jpg

    Wächtermaus

    Statue (Stein); Ōkuninushi Schrein, Kyōto
    Bild © Craig Fryer, 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Maus als Botentier des Daikoku.

Links und Literatur

Iyanaga Nobumi 2002
Daikoku-ten hensō. Tokyo: Hōzōkan 2002. [Engl. Titel: Variations on the Theme of Mahākāla.]
Yamamoto Hiroko 1998
Ishin: Chūsei Nihon no mikkyōteki sekai [Seltsame Götter: Die esoterische Welt des japanischen Mittelalters]. Tokyo: Heibonsha 1998.
Letzte Überprüfung der Linkadressen: Aug. 2010
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Ikonographie