Batō Kannon Kannon mit dem Pferdekopf

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Bernhard Scheid, „Batō Kannon Kannon mit dem Pferdekopf .“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 21.9.2016). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Ikonographie/Kannon/Bato_Kannon?oldid=67202X

Im eso­teri­schen Buddhis­mus वज्रयन Vajrayāna (skt., n.) „Vajra-Fahrzeug“, Tantrismus, esoterischer Buddhismus; jap. Mikkyō 密教 oder Kongō-jō 金剛乗siehe auch →  Buddhismus Lehre → Grundbegriffe/Buddhismus→ Ikonographie/Kannon→ Ikonographie/Myoo→ Ikonographie/Myoo/Vajrapani → mehr , der vor allem während des japa­nischen Mittel­alters großen Ein­fluss besaß, konnte selbst der an­sonsten so milde Bodhisattva बोधिसत्त्व Bodhisattva (skt., m.) „Erleuchtetes Wesen“; jap. bosatsu 菩薩siehe auch →  Buddhismus Lehre → Bauten/Tempel→ Ikonographie→ Bauten/Tempel/Pagoden→ Ikonographie/Kannon→ Bauten/Bekannte Schreine → mehr Kannon Kannon 観音 auch Kanzeon 観世音, wtl. der den Klang der Welt erhört; skt. Avalokiteśvara; chin. Guanyin; als Bodhisattva des Mitleids bekanntsiehe auch Kannon → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Bekannte Tempel/Asakusa→ Bauten/Schreine/Torii→ Alltag/Pilgerschaft→ Bauten/Bekannte Schreine/Fushimi → mehr die er­schre­cken­den Züge eines myōō myōō 明王 wtl. Licht-König, auch „Mantra-König“ oder „Weisheits-König“; skt. Vidyārājasiehe auch Myoo → Ikonographie→ Ikonographie/Kannon→ Ikonographie/Waechtergoetter→ Ikonographie/Myoo/Fudo → mehr annehmen. Diese Figur wird in Japan als Batō Kannon Batō Kannon 馬頭観音 Kannon mit dem Pferdekopf, eine zornvolle Manifestation Kannonssiehe auch→ Ikonographie/Kannon→ Bauten/Bekannte Schreine/Nikko→ Ikonographie/Myoo→ Mythen/Symboltiere/Drei Affen , „Pferdekopf-Kannon“, manchmal auch als Batō Myōō bezeichnet. Neben den Standard­attri­buten zornvoller esoteri­scher Figuren (drei Gesichter, zahl­reiche Arme, Raub­tier­zähne, magische Waffen) lässt sich Batō Kannon zumeist anhand eines kleinen Pferde­kopfes identi­fizieren, der ober­halb des mittleren Gesichts als Kopf­putz an­ge­bracht ist.

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Kannon mit dem Pferdekopf (Batō Kannon)

Seidenrollbild, myōō (Tusche, Farbe, Gold, Silber), Detail. Heian-Zeit, 12. Jh.; Museum of Fine Arts, Boston; 190,5 x 93,3 cm
Bild © Wikimedia Commons. (Letzter Zugriff: 2016/9/5)

Im oberen Teil des Kopfes des Batō Kannon ist undeutlich ein Pferd zu erkennen.

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Batō Kannon

Statue, myōō (Gold); Matsunoo-dera
Bild © The Tale of Genji, 2006. (Letzter Zugriff: 2016/9/6)

Batō Kannon mit weißem Pferdekopf und drei zornvollen Gesichtern. Station 29 der „Westlichen Kannon Pilgerroute“

. 1 . 2 Klassische Darstellung des Batō Kannon mit Pferdekopf im Haar
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Batō Kannon

Statue, myōō (Holz, bemalt), Detail. Heian-Zeit
Bild © Tōkyō Geijutsu Daigaku Bijutsukan. (Letzter Zugriff: 2016/9/6)

Heian-zeitliche Darstellung des Batō Kannon.

. 3 Skulptur
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Batō Kannon

Buchillustration, myōō, Detail. Edo-Zeit; aus Zuzōshō, 1702
Bild © Ryukoku University Library. (Letzter Zugriff: 2016/09/06)

Kannon in Form eines esoterischen myōō mit Pferdekopf (Batō Kannon). Die Abbildung stammt aus einer Edo-zeitl. Kopie des ältesten japanischen Handbuchs der buddhistischen Ikonographie (Zuzōshō 図像抄, „Abriss von Skizzen [buddhistischer] Statuen“, 12. Jh.).

. 4 Ikonogr. Skizze

Hayagriva

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Vishnu Hayagriva

Skulptur (Stein), Detail. Sambor Prei Kuk, Kambodscha, 10. Jh.; Musee Guimet, Paris
Bild © Bernhard Scheid, 2015

Der hinduistische Gott Vishnu in einer Manifestation mit Pferdekopf.

. 5 Vishnu Hayagriva, Kambodscha

Kannon mit dem Pferde­kopf lässt sich — wie so oft — auf eine indische Urform zurück­führen: Unter den Mani­fes­ta­tionen des Gottes Vishnu विष्णु Viṣṇu (skt., m.) indische (vedische) Gottheit; gilt im Vishnuismus als Manifestation des höchsten Seinssiehe auch →  Buddhismus → Ikonographie/Myoo gibt es eben­falls eine mit Pferde­kopf, genannt Hayagriva हयग्रीव Hayagrīva (skt., m.) „Der Pferdeköpfige“; jap. Batō 馬頭. Aber erst im esoteri­schen Buddhis­mus erhielt die Figur die Standard­attri­bute einer zorn­vollen Gott­heit, die heute vor allem in Tibet und der Mongolei, aber auch in Japan zu finden ist. In der geläu­figsten Form besitzt der buddhis­tische Hayagriva drei Gesichter, sechs Arme und einen (bzw. in Tibet drei) Pferde­köpfe als Kopf­putz (s. dazu auch ähnliche Bei­spie­le von Vajrapani und Mahakala). Der früheste Text, in dem diese Form des Bodhi­sattva Avalokiteshvara अवलोकितेश्वर Avalokiteśvara (skt., m.) „Herr, der [die Welt] unten wahrnimmt“, Bodhisattva; jap. Kannon 観音 oder Kanzeon 観世音siehe auch →  Buddhas Leben → Ikonographie/Kannon→ Ikonographie/Myoo/Vajrapani→ Texte/Sutra be­schrie­ben wird, ist das eso­terische Dharani-Sutra धारणीसमुच्चयसूत्र Dhāraṇīsamuccayasūtra (skt., m.) esoterisches Sutra, chin. Fassung aus 654; jap. Darani-kyō 陀羅尼經 oder Darani-jikkyō 陀羅尼集經, das nur in einer chine­sischen Fassung aus dem Jahr 654 bekannt ist. Diesem Text zufolge er­hoffte man sich von Batō Kannon beson­deren Schutz vor giftigen Schlan­gen und Insekten oder vor Krank­heiten.

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Hayagriva

Thangka (Baumwolle). Tibet, 16. Jh.
Bild © Himalayan Art. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Im Unterschied zu japanischen Darstellungen besitzt dieser Hayagriva drei Pferdeköpfe als Kopfputz.

. 6 Hayagriva auf einem tibetischen Thangka, 16. Jh.

Batō Kannon und die Pferde

Sowohl in Japan, als auch in Tibet und der Mongolei wird Kannon mit dem Pferde­kopf auch um den Schutz von Pferden und anderen Nutz­tieren angebetet. Dies scheint aber nicht die ur­sprüng­liche Aufgabe Batō Kannons gewesen zu sein. Als eine der sechs Kannon-Mani­festa­tionen, die in der späten Heian Heian 平安 alter Name Kyōtos; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit)siehe auch Heian Zeit → Bauten/Bekannte Tempel→ Ikonographie→ Bauten/Tempel/Pagoden→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya→ Alltag/Opfergaben → mehr -Zeit mit den Sechs Be­reichen der Wieder­geburt (rokudō rokudō 六道 wtl. die Sechs Wege = Bereiche der Wiedergeburtsiehe auch Jenseits → Mythen/Hoellen/Hungergeister→ Geschichte/Heian Zeit→ Mythen/Jenseits/Enma→ Mythen/Jenseits/Totenreich ) in Überein­stimmung gebracht wurden, ist Batō Kannon vielmehr für alle Wesen, die als Tiere wieder­geboren werden, zuständig. Erst als der be­son­dere Glaube an diese sechs Mani­festa­tionen seinen Höhe­punkt über­schrit­ten hatte, scheinen sich Pferde­züchter und Trans­port­unter­nehmer die Figur der Kannon mit dem Pferde­kopf als Schutz­patron aus­er­koren zu haben.

Heute ist Batō Kannon in Japan weit­gehend in Ver­ges­sen­heit geraten und wird nur noch in wenigen großen Tempeln verehrt. Doch findet man ihn immer wieder in Form ein­facher Stein­skulp­turen aus der Edo Edo 江戸 Sitz der Tokugawa Shōgune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tōkyōsiehe auch Geschichtsperioden → Grundbegriffe/Buddhismus→ Bauten/Bekannte Tempel→ Grundbegriffe/Shinto→ Grundbegriffe/Stereotype/Herrigels Zen→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya → mehr -Zeit, die münd­lichen Lokal­tradi­tionen zufolge damals die Bitten von Rei­sen­den um eine sichere Fahrt ent­gegen­nahmen oder als Gedenk­stätten beson­ders ver­dienst­voller Pferde errichtet wurden. Obwohl auf diesen Stein­skulp­turen noch Elemente der eso­teri­schen Ikono­graphie er­kenn­bar sind, haben sie meist alle schrecken­erregenden Züge ver­loren. Bis­weilen tritt Batō Kannon auch als einfache mensch­liche Figur mit einem Pferde­kopf auf.

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Batō Kannon

Statue, myōō (Stein); Kamuriki-yama, Nagano-ken
Bild © Sarashina Renesansu (j.). (Letzter Zugriff: 2016/9/6)

Volkstümliche Darstellung des Batō Kannon (Kannon mit Pferdekopf).

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Batō Kannon

Statue, myōō (Stein). Meiji-Zeit, 1897

Steinstatue des Batō Kannon.

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Batō Kannon

Statue, myōō (Stein). 1850; Fujino, Präfektur Kanagawa
Bild © Japanese Buddhist Statuary, 1999. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Steinstatue des Batō Kannon.

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Batō Kannon in Mönchsgewand

Statue, myōō (Stein). Edo-Zeit, 1823; Honju-in, Nerima-ku, Tōkyō
Bild © Bushū chiiki isan tankyūkai. (Letzter Zugriff: 2016/9/6)

Seltene Darstellung des Batō Kannon als Pferd in Mönchstracht.

. 7. 8. 9. 10
Volkstümliche Steinskulpturen

Die Ikonographie der Steinskulpturen lässt sich auch an den o-fuda o-fuda お札 Amulett oder Talisman in Gestalt eines symbolischen Zeichens, meist aus Papier; auch shinsatsu 神札; das Zeichen 札 kann auch „Geldschein“ bedeuten, wird dann aber sinojap. satsu ausgesprochen;siehe auch Gluecksbringer → Alltag/Omairi→ Alltag/Pilgerschaft→ Alltag/Kamidana→ Mythen/Tengu → mehr (Talismanen) diverser Tempel erkennen, in denen Batō Kannon verehrt wird:

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Batō Kannon

Talisman, myōō (Papier); Sanbutsu-ji, Präfektur Saitama
Bild © Benedetta Lomi, CJRS Newsletter 1/2007
Bernard Frank, Collège du France

O-fuda mit Batō Kannon-Motiv.

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Batō Kannon

Talisman, myōō (Papier); Myōan-ji, Präfektur Saitama
Bild © Benedetta Lomi, CJRS Newsletter 1/2007
Bernard Frank, Collège du France

O-fuda mit Batō Kannon-Motiv.

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Batō Kannon

Talisman, myōō (Papier); Myōkō-in, Präfektur Shizuoka
Bild © Benedetta Lomi, CJRS Newsletter 1/2007
Bernard Frank, Collège du France

O-fuda mit Batō Kannon-Motiv.

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Batō Kannon auf o-fuda

Talisman, myōō (Papier); Entsū-ji, Präfektur Shizuoka
Bild © Benedetta Lomi, CJRS Newsletter 1/2007
Bernard Frank, Collège du France

O-fuda mit Batō Kannon-Motiv.

O-fuda von Batō Kannon

Verweise

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Bilderläuterungen

  1. Bato kannon.jpg

    Kannon mit dem Pferdekopf (Batō Kannon)

    Seidenrollbild, myōō (Tusche, Farbe, Gold, Silber), Detail. Heian-Zeit, 12. Jh.; Museum of Fine Arts, Boston; 190,5 x 93,3 cm
    Bild © Wikimedia Commons. (Letzter Zugriff: 2016/9/5)

    Im oberen Teil des Kopfes des Batō Kannon ist undeutlich ein Pferd zu erkennen.

  2. Matsunoodera bato kannon.jpg

    Batō Kannon

    Statue, myōō (Gold); Matsunoo-dera
    Bild © The Tale of Genji, 2006. (Letzter Zugriff: 2016/9/6)

    Batō Kannon mit weißem Pferdekopf und drei zornvollen Gesichtern. Station 29 der „Westlichen Kannon Pilgerroute“

  3. Bato kannon heian.jpg

    Batō Kannon

    Statue, myōō (Holz, bemalt), Detail. Heian-Zeit
    Bild © Tōkyō Geijutsu Daigaku Bijutsukan. (Letzter Zugriff: 2016/9/6)

    Heian-zeitliche Darstellung des Batō Kannon.

  4. Bato kannon zuzosho.jpg

    Batō Kannon

    Buchillustration, myōō, Detail. Edo-Zeit; aus Zuzōshō, 1702
    Bild © Ryukoku University Library. (Letzter Zugriff: 2016/09/06)

    Kannon in Form eines esoterischen myōō mit Pferdekopf (Batō Kannon). Die Abbildung stammt aus einer Edo-zeitl. Kopie des ältesten japanischen Handbuchs der buddhistischen Ikonographie (Zuzōshō 図像抄, „Abriss von Skizzen [buddhistischer] Statuen“, 12. Jh.).

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    Vishnu Hayagriva

    Skulptur (Stein), Detail. Sambor Prei Kuk, Kambodscha, 10. Jh.; Musee Guimet, Paris
    Bild © Bernhard Scheid, 2015

    Der hinduistische Gott Vishnu in einer Manifestation mit Pferdekopf.

  6. Hayagriva.jpg

    Hayagriva

    Thangka (Baumwolle). Tibet, 16. Jh.
    Bild © Himalayan Art. (Letzter Zugriff: 2016/8)

    Im Unterschied zu japanischen Darstellungen besitzt dieser Hayagriva drei Pferdeköpfe als Kopfputz.

  7. Bato kamuriki.jpg

    Batō Kannon

    Statue, myōō (Stein); Kamuriki-yama, Nagano-ken
    Bild © Sarashina Renesansu (j.). (Letzter Zugriff: 2016/9/6)

    Volkstümliche Darstellung des Batō Kannon (Kannon mit Pferdekopf).

  8. Bato kannon m30.jpg

    Batō Kannon

    Statue, myōō (Stein). Meiji-Zeit, 1897

    Steinstatue des Batō Kannon.

  9. Bato fujino.jpg

    Batō Kannon

    Statue, myōō (Stein). 1850; Fujino, Präfektur Kanagawa
    Bild © Japanese Buddhist Statuary, 1999. (Letzter Zugriff: 2016/8)

    Steinstatue des Batō Kannon.

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    Batō Kannon in Mönchsgewand

    Statue, myōō (Stein). Edo-Zeit, 1823; Honju-in, Nerima-ku, Tōkyō
    Bild © Bushū chiiki isan tankyūkai. (Letzter Zugriff: 2016/9/6)

    Seltene Darstellung des Batō Kannon als Pferd in Mönchstracht.

Links

Letzte Überprüfung der Linkadressen: Sept. 2016

Literatur

Benedetta Lomi 2007
„Framing Batō Kannon: Research notes on the Transmission and Transformation of the Horse-Headed Deity.“ CJRS Newsletter Jan. 2007 (2007), S. 15–17. [SOAS, London.]
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