Was ist ein Mandala?

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Bernhard Scheid, „Was ist ein Mandala?.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 27.2.2014). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Ikonographie:Mandala?oldid=35623

Mandalas मण्डल maṇḍala (skt., n.) „Kreis“, schematische Dar­stel­lung der kosmischen Ordnung; jap. mandara 曼荼羅siehe auch→ Dainichi→ Shinto-Goetter→ Mandala/Ryogai Mandara→ Myoo/Vajrapani→ Shinto-Goetter/Kasuga Mandala → mehr sind typische Merkmale der religiösen Bild­sprache, die sich durch den Bud­dhis­mus von Indien aus in allen um­lie­gen­den asiatischen Kulturen verbreitet hat. Ein Mandala (jap. mandara mandara 曼荼羅 skt. Mandalasiehe auch→ Shinto-Goetter→ Himmelskunde/Astrologie ) ist im wesentlichen eine schematische Dar­stel­lung der kosmischen Ordnung. Die klassischen Mandalas besitzen meist eine geometrische Struktur, die den vier Himmels­richtungen entspricht. Man findet sie unter anderem im tibetischen Buddhismus, wo Mönche im Verlauf einer spektakulären Zeremonie kunst­volle Mandalas mit buntem Sand auf den Boden malen, um sie nach Beendigung der Zeremonie wieder zu verwischen. Dieser Ritus wird in Japan nicht praktiziert, doch spielen Mandalas auch hier eine zentrale Rolle, ganz besonders im sogenannten esoterischen Buddhismus (mikkyō mikkyō 密教 esoterischer Buddhismus, Tantrismus; wtl. geheime Lehre; Gegenstück zu kengyōsiehe auch Buddhismus Lehre → Buddhismus→ Mudra→ Myoo/Fudo→ Myoo/Vajrapani → mehr ).

Vajra-Welt und Mutterschoß-Welt

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Vajra-Welt Mandala (Kongōkai mandara)

Hängerollbild (Seide, Farbe). Heian-Zeit, 9. Jh.; „Nationalschatz“; Saiin Kyōōgokoku-ji (Tōji Tempel), Kyoto; 183,5 x 163 cm
Bildquelle: Wikimedia Commons. (Letzter Zugriff: 2011/10)

Der Hauptbuddha dieses Mandalas, Dainichi mit der Weisheits-Mudra, befindet sich im mittel-oberen Feld. Dieses Mandala ist einer Hauptstadt mit dem Palast im Norden nachempfunden. S.a. ten Grotenhuis 1999, Japanese Mandalas, plate 6.

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Mutterschoßwelt Mandala (Taizōkai mandara)

Hängerollbild (Seide, Farbe). Heian-Zeit, 9. Jh.; „Nationalschatz“; Saiin Kyōōgokoku-ji (Tōji Tempel), Kyoto; 183,6 x 164,2 cm
Bildquelle: Wikimedia Commons. (Letzter Zugriff: 2011/10)

Der Hauptbuddha dieses Mandalas, Dainichi mit der Meditations-Mudra, befindet sich im Zentrum des Bildes. Dieses Mandala ist einem Palast nachempfunden. S.a. ten Grotenhuis 1999, Japanese Mandalas, plate 8.

Kongō-kai und Taizō-kai Mandara

Die rituelle Verwendung von Mandalas lässt sich in Japan bis zu Kūkai Kūkai 空海 Gründer des Shingon Buddhismus, 774–835siehe auch Kukai → Bekannte Tempel→ Bekannte Tempel/Berg Koya→ Pilgerschaft→ Bekannte Schreine/Fushimi → mehr , den Begründer des Shingon Shingon-shū 真言宗 Shingon Schule, wtl. Schule des Wahren Wortessiehe auch Kukai → Buddhismus Lehre→ Bekannte Tempel→ Ikonographie→ Tempel/Tempeltore→ Tempel/Pagoden → mehr Buddhismus, zurück verfolgen. Kūkai stellte zwei Mandalas in den Mittel­punkt seiner Lehre, die bis heute alle anderen an Bedeutung über­treffen: das Kongōkai Kongōkai 金剛界 Vajra-Welt, Diamant-Welt, Mandala des Dainichisiehe auch→ Mudra→ Dainichi→ Mandala/Ryogai Mandara mandara mandara 曼荼羅 skt. Mandalasiehe auch→ Shinto-Goetter→ Himmelskunde/Astrologie (vajra वज्र vajra (skt., m.) „Donnerkeil“, Ritualinstrument und Symbol des tantristischen/esoterischen Buddhismus; jap. kongō 金剛siehe auch →  Vajrapani → Bekannte Tempel/Berg Koya→ Yamabushi/En no Gyoja→ Mudra→ Dainichi → mehr -Welt Mandala) und das Taizōkai Taizōkai 胎蔵界 wtl. Mutterschoß-Welt; Mandala des → Dainichisiehe auch→ Bekannte Schreine/Fushimi→ Mudra→ Dainichi mandara mandara 曼荼羅 skt. Mandalasiehe auch→ Shinto-Goetter→ Himmelskunde/Astrologie (Mutterschoß-Welt Mandala). In beiden nimmt Dainichi Nyorai Dainichi Nyorai 大日如来 Buddha Vairocana, der „kosmische Buddha“; wtl. „Großes Licht“ oder „Große Sonne“siehe auch Dainichi → Ise Izumo/Schreinanlage Ise→ Myoo→ Mandala/Ryogai Mandara→ Myoo/Vajrapani → mehr (Buddha Vairocana वैरोचन Vairocana (skt., m.) „Sonne, sonnenhaft“, Buddha-Name; jap. Birushana/Rushana 毘盧舎那/盧舎那 oder Dainichi 大日siehe auch→ Dainichi→ Dainichi/Daibutsu→ Kukai/Kukais Initiation→ Tempel/Stupa ), der Haupt­buddha des Shingon Bud­dhis­mus, die zentrale Position ein, aber jeweils in einer anderen Haltung, was zwei unter­schied­liche aber einander ent­sprech­ende Aspekte dieses Buddha symbolisiert. Die beiden Mandalas bilden also ein Paar und werden daher auch ryōgai mandara oder ryōbu mandara, Mandalas der beiden Welten, genannt.

Laut Shingon-Lehre repräsentieren die beiden Welten die abstrakte Daseinsform (Vajra), und die konkret erfahrbare Da­seins­form (Mutterschoß) des Dainichi, der im Shingon Buddhismus als kosmischer Buddha gilt. Auch andere Gegen­sätze wie Weis­heit - Mit­gefühl oder Prinzip - Realität, und ähnliche mehr werden mit den beiden Mandalas verknüpft. In der Praxis ist die genaue Bedeutung der beiden Mandalas aber weniger wichtig als ihre rituelle Funktion.

Varianten

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Taima Mandara

Mandala (Seide, Farbe). 1721; im Besitz des Shōkaku-ji, Takefu-shi, Fukui-ken; 388,7 × 399,2 cm
Bild © Historisches Museum der Stadt Fukui. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Amidas Reines Land.

Taima Mandala

Nicht alle Mandalas sind so streng geometrisch gegliedert, wie die beiden oben ab­ge­bildeten. Das in Japan ebenfalls weithin bekannte Taima mandara Taima mandara 当麻曼陀羅 Darstellung von Amidas Reinem Landsiehe auch Paradiese ist beispielsweise ein ver­gleichs­weise „realistisches“ Abbild des Reinen Landes von Buddha Amida Amida 阿弥陀 Buddha Amitabhasiehe auch Amida → Ikonographie→ Bekannte Schreine/Nikko→ Jahr→ Mudra → mehr , eine Art Paradies, das als prunkvoller Palast erscheint.

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Kasuga

Mandala (Seide). 14. Jh.; 159,4 x 68,9 cm
Bild © Harris, 2001, S. 167

Gesamtansicht.

Kasuga Mandala

In Japan hat man den Begriff mandara darüber hinaus auch auf die eigene Land­schaft bezogen. Es gibt daher ver­schie­dene Mandalas, die ver­gleichs­weise realistisch ein bestimmtes lokales Heiligtum - einen Tempel oder Schrein - inmitten einer heiligen Landschaft darstellen, die von zahlreichen Buddhas, Göttern und Dämonen des ein­hei­mischen Pantheons bevölkert ist. Das lokale Heiligtum wird auf diese Weise als Zentrum eines spirituellen Kosmos dargestellt, in dem sowohl Figuren aus dem Dies­seits, als auch aus dem Jenseits (z.B. aus den sogenannten sechs Bereichen der Wiedergeburt) vertreten sind. Diese Mandalas erfreuten sich vor allem im Zu­sam­men­hang mit dem Pilger­wesen besonderer Be­liebt­heit, denn sie dienten als eine Art Guidebook und Werbe­mittel in einem. Einer­seits stellten sie die charakteristischen Merk­male der Bau­werke und Statuen zur Schau, andererseits wurden sie aber auch verwendet, um der allgemeinen Bevölkerung eine Vor­stel­lung von der buddhistischen Hölle und dem buddhistischen Paradies zu vermitteln und sie dazu anzuhalten, sich durch eine Pilgerfahrt um eine möglichst günstige Wieder­geburt zu bemühen. Berühmte Beispiele sind um das Pilgerzentrum Kumano (Präfektur Wakayama) oder um den Kasuga Schrein Kasuga Taisha 春日大社 Kasuga Schrein, Nara; ehemals Ahnenschrein der Fujiwarasiehe auch Bekannte Schreine → Bekannte Tempel→ Bekannte Schreine/Itsukushima→ Bekannte Schreine/Kasuga→ Shinto-Goetter → mehr in Nara Nara 奈良 Hauptstadt und Sitz des Tenno, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyōsiehe auch Geschichtsperioden → Bekannte Tempel→ Tempel→ Tempel/Tempeltore→ Ise Izumo→ Bekannte Schreine/Kasuga → mehr entstanden.

Ikonographie