Was ist ein Mandala?

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Bernhard Scheid, „Was ist ein Mandala?.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 19.8.2015). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Ikonographie/Mandala?oldid=56123X

Mandalas sind typische Merk­male einer reli­giösen Bild­sprache, die sich durch den Buddhismus von In­dien aus in allen um­lie­gen­den asiatischen Kulturen verbreitet hat. Ein maṇḍala मण्डल maṇḍala (skt., n.) „Kreis“, schematische Dar­stel­lung der kosmischen Ordnung; jap. mandara 曼荼羅siehe auch→ Ikonographie/Dainichi→ Ikonographie/Shinto-Goetter→ Ikonographie/Mandala/Ryogai Mandara→ Ikonographie/Myoo/Vajrapani→ Ikonographie/Shinto-Goetter/Kasuga Mandala → mehr (jap. mandara mandara 曼荼羅 skt. mandalasiehe auch→ Ikonographie/Shinto-Goetter→ Texte/Himmelskunde/Astrologie ) ist im wesent­lichen eine schema­tische Dar­stel­lung der kosmi­schen Ordnung. Die klassi­schen Mandalas besitzen meist eine geo­metri­sche Struk­tur, die den vier Him­mels­rich­tungen entspricht. Man findet sie unter anderem im tibeti­schen Bud­dhismus, wo Mönche im Verlauf einer spekta­kulären Zere­monie kunst­volle Man­da­las mit bun­tem Sand auf den Boden malen, um sie nach Beendi­gung der Zere­monie wieder zu ver­wischen. Dieser Ritus wird in Japan nicht prakti­ziert, doch spielen Man­da­las auch hier eine zen­trale Rolle, ganz beson­ders im so­genann­ten eso­teri­schen Bud­dhis­mus (mikkyō mikkyō 密教 esoterischer Buddhismus, Tantrismus; wtl. geheime Lehre; Gegenstück zu kengyōsiehe auch Buddhismus Lehre → Grundbegriffe/Buddhismus→ Ikonographie/Mudra→ Ikonographie/Myoo/Fudo→ Ikonographie/Myoo/Vajrapani → mehr ).

Vajra-Welt und Mutterschoß-Welt

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Vajra-Welt Mandala (Kongōkai mandara)

Hängerollbild, mandara (Seide, Farbe). Heian-Zeit, 9. Jh.; „Nationalschatz“; Saiin Kyōōgokoku-ji (Tōji Tempel), Kyōto; 183,5 x 163 cm
Bildquelle: Wikimedia Commons. (Letzter Zugriff: 2011/10)

Der Hauptbuddha dieses Kongōkai mandara, Dainichi mit der Weisheits-mudra, befindet sich im mittleren, oberen Feld. Dieses Mandala ist einer Hauptstadt mit dem Palast im Norden nachempfunden. S.a. ten Grotenhuis 1999, Japanese Mandalas, plate 6.

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Mutterschoßwelt Mandala (Taizōkai mandara)

Hängerollbild, mandara (Seide, Farbe). Heian-Zeit, 9. Jh.; „Nationalschatz“; Saiin Kyōōgokoku-ji (Tōji Tempel), Kyōto; 183,6 x 164,2 cm
Bildquelle: Wikimedia Commons. (Letzter Zugriff: 2011/10)

Der Hauptbuddha dieses Taizōkai mandara-Mandalas, Dainichi mit der Meditations-mudra, befindet sich im Zentrum des Bildes. Dieses Mandala ist einem Palast nachempfunden. S.a. ten Grotenhuis 1999, Japanese Mandalas, plate 8.

Kongō-kai und Taizō-kai Mandara

Die ritu­elle Ver­wen­dung von Man­dalas lässt sich in Japan bis zu Kūkai Kūkai 空海 774–835, Gründer des Shingon Buddhismussiehe auch Kukai → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya→ Bauten/Bekannte Schreine/Fushimi→ Alltag/Matsuri/Feuergang → mehr , dem Be­grün­der des Shingon Shingon-shū 真言宗 Shingon Schule, wtl. Schule des Wahren Wortessiehe auch Kukai → Grundbegriffe/Buddhismus Lehre→ Bauten/Bekannte Tempel→ Ikonographie→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Bauten/Tempel/Pagoden → mehr Bud­dhis­mus, zu­rück­ver­folgen. Kūkai stellte zwei Man­dalas in den Mittel­punkt seiner Lehre, die bis heute alle an­de­ren an Be­deu­tung über­treffen: Das Kongōkai mandara Kongōkai mandara 金剛界曼陀羅 Vajra-Welt-Mandala, Diamant-Welt-Mandala; Mandala des Buddha Dainichi (Vajra-Welt-Mandala) und das Taizōkai mandara Taizōkai mandara 胎蔵界曼陀羅 Mutterschoß-Welt-Mandala; Mandala des Buddha Dainichisiehe auch Ryogai Mandara (Mutterschoß-Welt Mandala). In beiden nimmt Dainichi Nyorai Dainichi Nyorai 大日如来 Buddha Vairocana, der „kosmische Buddha“; wtl. „Großes Licht“ oder „Große Sonne“siehe auch Dainichi → Bauten/Ise Izumo/Schreinanlage Ise→ Ikonographie/Myoo→ Ikonographie/Mandala/Ryogai Mandara→ Ikonographie/Myoo/Vajrapani → mehr (Buddha Vairocana वैरोचन Vairocana (skt., m.) „Sonne, sonnenhaft“, Buddha-Name; jap. Birushana/Rushana 毘盧舎那/盧舎那 oder Dainichi 大日siehe auch→ Ikonographie/Dainichi→ Ikonographie/Dainichi/Daibutsu→ Geschichte/Kukai/Kukais Initiation→ Bauten/Tempel/Stupa ), der Haupt­buddha des Shingon Bud­dhis­mus, die zen­trale Po­si­tion ein, aber jeweils in einer an­de­ren Hal­tung, was zwei unter­schied­liche, aber ein­an­der ent­sprech­ende As­pek­te dieses Bud­dhas sym­boli­siert. Die beiden Man­dalas bilden also ein Paar und werden daher auch Ryōgai mandara Ryōgai mandara 両界曼荼羅 wtl. Mandalas der beiden Welten; Doppelset von Mandalas im → Shingon Buddhismussiehe auch Ryogai Mandara oder Ryōbu mandara, Man­dalas der beiden Welten, genannt.

Laut Shin­gon-Lehre re­prä­sen­tieren die beiden Wel­ten die ab­strak­te Da­seins­form (vajra वज्र vajra (skt., m.) „Donnerkeil“, Ritualinstrument und Symbol des tantristischen/esoterischen Buddhismus; jap. kongō 金剛siehe auch →  Vajrapani → Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya→ Alltag/Yamabushi/En no Gyoja→ Ikonographie/Mudra→ Ikonographie/Dainichi → mehr ), und die konkret er­fahr­bare Da­seins­form (Mutterschoß) des Dai­nichi, der im Shin­gon Bud­dhis­mus als kosmischer Bud­dha gilt. Auch an­dere Gegen­sätze wie Weis­heit-Mit­gefühl oder Prin­zip-Realität und ähnliche mehr werden mit den beiden Man­dalas ver­knüpft. In der Praxis ist die ge­naue Bedeu­tung der beiden Man­dalas aber weniger wichtig als ihre ri­tuel­le Funk­tion.

Varianten

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Taima Mandara

Mandala (Seide, Farbe). 1721; im Besitz des Shōkaku-ji, Takefu-shi, Fukui-ken; 388,7 × 399,2 cm
Bild © Historisches Museum der Stadt Fukui. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Das Taima mandara stellt des Buddhas Amida Reines Land dar.

Taima Mandala

Nicht alle Man­dalas sind so streng geo­me­trisch ge­glie­dert, wie die beiden oben ab­ge­bil­de­ten. Das in Japan eben­falls weit­hin bekannte Taima mandara Taima mandara 当麻曼陀羅 Darstellung von Amidas Reinem Landsiehe auch Paradiese ist bei­spiels­weise ein ver­gleichs­weise „rea­lis­tisches“ Ab­bild des Rei­nen Lan­des von Bud­dha Amida Amida 阿弥陀 Buddha Amitabhasiehe auch Amida → Bauten/Tempel→ Bauten/Bekannte Schreine/Nikko→ Alltag/Jahr→ Ikonographie/Mudra → mehr , eine Art Para­dies, das als prunk­voller Palast er­scheint.

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Kasuga mandara

Mandala (Seide). 14. Jh.; Seikandō bunko, Tōkyō; 159,4 x 68,9 cm
Bild © Victor Harris, Shintō (2001), S. 167.

Gesamtansicht des Kasuga mandara.

Kasuga Mandala

In Japan hat man den Be­griff mandara da­rü­ber hi­naus auch auf die ei­gene Land­schaft be­zogen. Es gibt daher ver­schie­dene Man­dalas, die ver­gleichs­weise rea­lis­tisch ein be­stim­mtes lo­ka­les Hei­lig­tum — einen Tempel oder Schrein — in­mit­ten einer hei­ligen Land­schaft dar­stel­len, die von zahl­rei­chen Bud­dhas, Göt­tern und Dä­mo­nen des ein­hei­mischen Pan­theons be­völkert ist. Das lokale Heilig­tum wird auf diese Weise als Zen­trum eines spiri­tuellen Kos­mos dar­gestellt, in dem sowohl Figuren aus dem Dies­seits, als auch aus dem Jen­seits (z.B. aus den so­genann­ten sechs Be­reichen der Wieder­geburt) ver­treten sind. Diese Man­dalas er­freu­ten sich vor allem im Zu­sam­men­hang mit dem Pilger­wesen be­son­derer Be­liebt­heit, denn sie dien­ten als eine Art Guide­book und Werbe­mittel in einem. Einer­seits stellten sie die charak­teristi­schen Merk­male der Bau­werke und Statuen zur Schau, anderer­seits wurden sie aber auch ver­wendet, um der all­gemei­nen Be­völke­rung eine Vor­stel­lung von der bud­dhis­tischen Hölle und dem bud­dhis­tischen Para­dies zu ver­mitteln und sie dazu an­zuhal­ten, sich durch eine Pilger­fahrt um eine mög­lichst güns­tige Wieder­geburt zu bemühen. Be­rühm­te Bei­spie­le sind um das Pilger­zen­trum Kumano (Präfektur Wakayama) oder um den Kasuga Schrein Kasuga Taisha 春日大社 Kasuga Schrein, Nara; ehemals Ahnenschrein der Fujiwarasiehe auch Bekannte Schreine → Bauten/Bekannte Tempel→ Alltag/Opfergaben→ Bauten/Bekannte Schreine/Itsukushima→ Bauten/Bekannte Schreine/Kasuga → mehr in Nara Nara 奈良 Hauptstadt und Sitz des Tennō, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyōsiehe auch Nara → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Tempel→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Bauten/Ise Izumo→ Bauten/Bekannte Schreine/Kasuga → mehr ent­stan­den.

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