Fudō Myōō &Co

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Bernhard Scheid, „Fudō Myōō &Co.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 4.6.2014). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Ikonographie:Myoo?oldid=36476
Daiitoku myoo.jpg

Daiitoku (skt.Yamantaka)

Statue (Holz), Detail. Kamakura-Zeit, 13. Jh.; 137 x 64 x 92 cm
Bild © Ruth and Sherman Lee Institute. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Ein Myōō mit sechs Köpfen, sechs Beinen und sechs Armen.

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Aizen Myōō

Statue (Holz) von Kaijō (oder Kaisei), Detail. Kamakura-Zeit, 1256; Nara National Museum; Höhe: 26,2cm
Bild © e-Museum. (Letzter Zugriff: 2011/5)

Aizen Myōō (skr. Rāgarāja), der Mantrakönig der Liebe, mit feuerroter Haut, zu Berge flammendem Haar, Raubtierzähnen, einem dritten Auge und einer Kappe mit Löwenkopf. Die Statue enthält eine Inschrift, laut der der Bildhauer Kaijō die Figur aus einem halbverbrannten Holzpfeiler schnitzte, der ehemals Teil der Halle des Großen Buddha des Tōdai-ji (zerstört 1180, wiedererrichtet ab 1195) gewesen war.

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Bezwinger der drei Welten (Gōsanze Myōō)

Statue. 14. Jh.; Mudō-ji, Berg Hiei; Holz
Bild © Kyoto National Museum, Saichō and Treasures of Tendai (Ausstellungskatalog) 2005, S. 165

Mit der charakteristischen Mudra der Dämonenabwehr (Gōsanze-in).

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Das Aussehen eines Myōō Myōō 明王 wtl. „Licht-König“ oder „Mantra-König“; auch „Weisheits-König“; skt. Vidyārājasiehe auch→ Ikonographie→ Kannon→ Waechtergoetter→ Kannon/Bato Kannon→ Myoo/Fudo → mehr (skt. Vidyārāja विद्याराज Vidyārāja (skt., m.) „Mantra-König, Weisheits-König“; jap. Myōō 明王siehe auch→ Ikonographie→ Kukai , „Mantra-König“) ist zweifel­los nicht mit der ent­spannten Schön­heit eines Buddhas बुद्ध Buddha (skt., m.) „Der Erleuchtete“; jap. butsu (hotoke) 仏 oder Budda 仏陀siehe auch →  Shaka → Buddhismus→ Buddhismus Lehre→ Bekannte Tempel→ Tempel→ Ikonographie → mehr oder Bodhisattvas बोधिसत्त्व Bodhisattva (skt., m.) „Erleuchtetes Wesen“; jap. bosatsu 菩薩siehe auch →  Buddhismus Lehre → Tempel→ Ikonographie→ Tempel/Pagoden→ Kannon→ Matsuri/Phalluskulte → mehr zu ver­gleichen. Er hat zorn­verzerrte Gesichts­züge, Raub­tier­zähne und oft ein drittes Auge auf der Stirn. Seine Haut ist rot oder schwarz, in den Händen hält er ge­fähr­liche Waffen. Meist umgibt ihn eine Aureole von flackernden Flammen. Den­noch wird die Macht eines Myōō nicht als feind­lich auf­ge­fasst, sondern man trachtet danach, ihn als Ver­bün­deten gegen böse Kräfte zu gewinnen. Der bei weitem popu­lärste Mantra-König Japans ist Fudō Fudō Myōō 不動明王 prominentester japanischer Myōō (Mantra-König), wtl. „der Unbewegliche“siehe auch Fudo → Ikonographie→ Matsuri/Feuergang→ Yamabushi→ Yamabushi/En no Gyoja → mehr , „der Unbewegliche“ oder „Standfeste“. Er ist, wie die anderen Myōō, mit dem eso­teri­schen Buddhismus nach Japan gekommen, genießt aber auch außer­halb der eso­teri­schen Rich­tungen (v.a Shingon und z.T. Tendai) ganz beson­dere Ver­ehrung.

Fudō, der Unbewegliche

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Fudō Myōō

Statue (Holz, Farbe). Heian-Zeit, 12. Jh.; Kongōbu-ji, Berg Kōya
Bild © Kūkai mandara: Kōbō Daishi to Kōya-san (Katalog), Reihōkan 2006, S. 96, Abb. 38

Fudō auf einem stilisierten, sanduhrförmigen Felsen sitzend. Rote Haare, schwarzblaue Haut. Schwert und Seil. Im Flammennimbus deuten sich Vogelköpfe an. Frühes Beispiel des „assymetrischen Typs“ mit schiefem Mund, assymmtrischen Eckzähnen und einem halb geschlossenen Auge. Gemessen an anderen Beispielen milder Gesichtsausdruck.

Fudō Myōō

Fudō begegnet uns bereits im indischen Buddhismus (unter dem Namen Acala अचल Acala (skt., adj.) „Unbeweglich“, Beinamen des in Japan wichtigsten Mantra-Königs; jap. Fudō 不動siehe auch →  Fudo → Myoo/Vajrapani→ Kukai , was auch auf Sanskrit „unbeweglich“ bedeutet). Ikono­graphisch taucht er aber in Indien und China nur sehr selten auf. In Japan, wo er zusammen mit den meisten anderen Myōō erst­mals durch Kūkai Kūkai 空海 Gründer des Shingon Buddhismus, 774–835siehe auch Kukai → Bekannte Tempel→ Bekannte Tempel/Berg Koya→ Pilgerschaft→ Bekannte Schreine/Fushimi→ Mandala → mehr (774–835), den Begründer des esoterischen Buddhismus, bekannt gemacht worden sein soll, erlangte er nicht nur eine größere Be­liebt­heit als in anderen asia­ti­schen Ländern, auch inner­halb der japanischen Myōō ist kein anderer ähn­lich populär wie er. Feuer und Schwert sind seine typi­schen Attribute, oft hält er auch ein Seil in seiner Linken zum Ein­fangen von Dämonen. Seine Haut ist zumeist schwarz oder blau.

Wenn Fudō rituell angesprochen wird, so meist im Zusammenhang mit den Feuer-Riten (goma gyōji goma gyōji 護摩行事 buddh. Feuerritus, skt. Homasiehe auch Feuergang ) des esoterischen Buddhismus. Diese werden auch heute noch häufig praktiziert. Große Tempel haben oft Seitenaltäre, manchmal auch Seitengebäude, die Fudō geweiht sind und wo goma-Zeremonien abgehalten werden. Kleine Fudō Tempel findet man ver­einzelt in gebirgigen Regionen, wo sie mit den Kulten der Berg­asketen (yamabushi yamabushi 山伏 Bergasket, wtl. der in den Bergen schläftsiehe auch Yamabushi → Schreine/Torii→ Pilgerschaft→ Matsuri→ Matsuri/Feuergang→ Moenche → mehr ) in Ver­bindung stehen. Auch entlang der Route der 88 Pilgertempel von Shikoku stößt man immer wieder auf Fudō-Kulte der yamabushi, die in Verbindung mit dem Feuer stehen (s. dazu den Gastartikel Fire Walk at Saba Daishi).

Aizen, Mantra-König der Liebe

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Aizen Myōō

Hängerollbild (Seide, Farbe). Kamakura-Zeit; Tokyo; 123,8cm x 95,0 cm
Bild © Nezu Museum. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Drei Augen, sechs Arme, mit Pfeil und Bogen bewaffnet, thront auf einer Lotosblüte umrahmt von einer roten Mondscheibe. Die Ikonographie beruht auf dem Yugi-kyō, einem wahrscheinlich in China entstandenen Sutra des esoterischen Buddhismus, das Aizen ein eigenes Kapitel widmet.

Aizen Myōō

Aizen Myōō Aizen Myōō 愛染明王 wtl. Mantra-König der Liebesiehe auch→ Ikonographie wird oft schrecken­er­regender als Fudō dar­gestellt. Erkennbar an seiner feuer­roten Haut­farbe und an Pfeil und Bogen (neben anderen Waffen) kann er bis zu sechs Arme und Beine besitzen. Auch er erfuhr vor allem im esoterischen Bud­dhis­mus große Ver­ehrung. Sein Name bedeutet zwar wörtlich „Mantra-König der Liebe“, doch bedeutet das lediglich, dass er die irdischen Leiden­schaften der Menschen in die rechten Gefühle eines Bosatsu verwandelt — und das mit seinen Methoden. Wie die meisten anderen Myōōs (außer Fudō) dürfte Aizen mit dem Rück­gang des esoterischen Buddhismus in der Edo Edo 江戸 Sitz der Tokugawa Shogune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tokyosiehe auch Geschichtsperioden → Buddhismus→ Bekannte Tempel→ Shinto→ Stereotype/Herrigels Zen→ Bekannte Tempel/Berg Koya → mehr -Zeit an Bedeutung verloren haben und ist daher heute ver­hältnis­mäßig wenig bekannt. Doch noch in der Edo-Zeit fühlten sich Liebende — oder die, die mit der Liebe handelten — zu ihm hingezogen. Er galt zu dieser Zeit als der Be­schützer der Geishas in Yoshiwara, dem Freudenviertel von Edo.

Die Fünf Großen Myōō

Neben Fudō und Aizen stößt man vereinzelt auch auf die Gruppe der Fünf Großen Myōō (Godai Myōō Godai Myōō 五大明王 die Fünf Großen Myōō), in deren Zentrum wiederum Fudō steht, während vier weitere Myōō nach den Himmels­richtungen um ihn gruppiert sind. Laut Shingon Tradition ver­körpern sie die zorn­vollen Er­scheinungs­formen der fünf Haupt­buddhas im Vajra-Welt Mandala und setzen sich folgendermaßen zusammen:

  1. Fudō, Mitte (Erscheinungsform des Dainichi Nyorai Dainichi Nyorai 大日如来 Buddha Vairocana, der „kosmische Buddha“; wtl. „Großes Licht“ oder „Große Sonne“siehe auch Dainichi → Mandala→ Mandala/Ryogai Mandara→ Myoo/Vajrapani→ Shinto Mittelalter → mehr ). Mit lediglich zwei Armen, zwei Augen, etc. unter den Fünf Myōō der menschen­ähnlichste.
  2. Gōzanze Myōō Gōzanze Myōō 降三世明王 skt. Trailokyavijaya, einer der Fünf Großen Myōōsiehe auch→ Mudra→ Myoo/Vajrapani , skt. Trailokyavijaya त्रैलोक्यविजय Trailokyavijaya (skt., m.) „Bezwinger der drei Welten“, einer der Fünf Großen Myōō; jap. Gōzanze 降三世siehe auch→ Myoo/Vajrapani („Bezwinger der drei Welten“), Osten (Ashuku Nyorai). Steht auf zwei menschlichen Figuren, die Shiva und seine Gespielin repräsentieren.
  3. Gundari Myōō Gundari Myōō 軍荼利明王 skt. Kundali, einer der Fünf Großen Myōō, skt. Kundali कुण्डलि Kuṇḍali (skt., adj.) „Geringelt, schlangenhaft“, Beinamen eines der Fünf Großen Myōō; jap. Gundari 軍荼利, Süden (Hōshō Nyorai).
  4. Daiitoku Myōō Daiitoku Myōō 大威徳明王 skt. Yamantaka, einer der Fünf Großen Myōōsiehe auch→ Jenseits/Enma , skt. Yamantaka यमान्तक Yamāntaka (skt., m.) „Bezwinger des Todes (Yama)“, einer der Fünf Großen Myōō; jap. Daiitoku Myōō 大威徳明王siehe auch→ Jenseits/Enma („der Überwinder des Yama यमराज Yama (skt., m.) Gottheit der Unterwelt und des Todes; jap. Enma 閻魔siehe auch →  Wächtergötter → Waechtergoetter→ Jenseits→ Heian Zeit→ Jenseits/Enma “), Westen (Amida Nyorai Amida Nyorai 阿弥陀如来 Buddha Amitabhasiehe auch Amida → Kannon→ Hoellen/Hoellenbilder ). Seinem Namen entsprechend überwindet er den König der Unterwelt (Yama, jap. Enma Enma 閻魔 skt. Yama; König oder Richter der Unterwelt; auch Enra; meist als Enma-ten oder Enma-ō angesprochensiehe auch Enma → Ikonographie→ Jizo→ Waechtergoetter→ Jenseits → mehr ), bzw. den Tod. Charakteristischerweise reitet Yamantaka auf dem Büffel des Yama (bzw. hat in manchen tibetischen Darstellungen auch den Kopf eines Büffels).
  5. Kongōyasha Myōō Kongōyasha Myōō 金剛夜叉 skt. Vajrayaksha, einer der Fünf Großen Myōō, skt. Vajrayaksa वज्रयक्ष Vajrayakṣa (skt., m.) „Vajra General“, einer der Fünf Großen Myōō; jap. Kongōyasha 金剛夜叉 („Vajra वज्र vajra (skt., m.) „Donnerkeil“, Ritualinstrument und Symbol des tantristischen/esoterischen Buddhismus; jap. kongō 金剛siehe auch →  Vajrapani → Bekannte Tempel/Berg Koya→ Mandala→ Yamabushi/En no Gyoja→ Mudra→ Dainichi → mehr General“), Norden (Fukūjōja Nyorai). Besitzt ein Gesicht mit fünf Augen.
godai myoo
Die Godai Myoo des Toji, Kyoto, aus dem Jahr 839

Die älteste und berühmteste Darstellung dieser Gruppe stammt aus dem Jahr 839 und befindet sich im Tōji Tōji 東寺 Ost-Tempel in Kyoto, eig. Kyōō Gokoku-ji (Tempel des Königs der Lehre zum Schutz des Landes)siehe auch→ Bekannte Tempel/Berg Koya→ Bekannte Schreine/Fushimi→ Verwandlungskuenstler→ Honji suijaku→ Gluecksgoetter/Bishamonten , einem der Haupt­tempel des Shingon Shingon-shū 真言宗 Shingon Schule, wtl. Schule des Wahren Wortessiehe auch Kukai → Buddhismus Lehre→ Bekannte Tempel→ Ikonographie→ Tempel/Tempeltore→ Tempel/Pagoden → mehr Buddhismus. Die Statuen wurden von Kūkai Kūkai 空海 Gründer des Shingon Buddhismus, 774–835siehe auch Kukai → Bekannte Tempel→ Bekannte Tempel/Berg Koya→ Pilgerschaft→ Bekannte Schreine/Fushimi→ Mandala → mehr in Auftrag gegeben, der diese Gestalten in Japan bekannt machte. Sie repräsentieren somit den Aus­gangs­punkt der japanischen Myōō-Ikono­graphie. Allerdings setzte sich das Ensemble der Fünf nicht auf Dauer durch: Gestalten wie Aizen oder der pferde­köpfige Batō Myōō (auch Batō Kannon Batō Kannon 馬頭観音 Kannon mit dem Pferdekopf, eine zornvolle Manifestation Kannonssiehe auch Bato Kannon → Kannon→ Bekannte Schreine/Nikko→ Symboltiere/Drei Affen ) über­flügelten die Gruppe an Bedeutung. Ledig­lich der von Kūkai besonders verehrte Fudō fand in Japan so etwas wie seine wahre Heimat.

Wortbedeutung

Der Titel Myōō Myōō 明王 wtl. „Licht-König“ oder „Mantra-König“; auch „Weisheits-König“; skt. Vidyārājasiehe auch→ Ikonographie→ Kannon→ Waechtergoetter→ Kannon/Bato Kannon→ Myoo/Fudo → mehr ist aus den Zeichen für „hell“ und „König“ zu­sammen­gesetzt. „König“ (ō, skt. raja राज rāja (skt., m.) „König“; jap. ōsiehe auch→ Heian Zeit ) wird im Bud­dhis­mus häufig im Sinn von Herr­scher, Herr oder auch Beschützer ver­wendet. Das Zeichen „hell“ steht hier für Sanskrit vidya विद्या vidyā (skt., f.) „Wissen“; jap. myō, was u.a. „Weis­heit“ bedeutet. „Weis­heits­könig“ oder „wisdom king“ ist daher eine geläufige Über­setzung von „Myōō“. Laut dem japanischen Standard­wörter­buch des esoterischen Buddhismus (Mikkyō jiten) kann myō (vidya विद्या vidyā (skt., f.) „Wissen“; jap. myō) im esoterischen Buddhismus aber auch „durch magische Formeln erlangte Weis­heit“ und davon abgeleitet „magische Formel“ bzw. Mantra मन्त्र mantra (skt., n.) Gebets­formel; jap. shingon 真言siehe auch →  Buddhismus Lehre → Ikonographie→ Mudra→ Waechtergoetter→ Gluecksgoetter → mehr bedeuten. Dem­ent­sprechend be­vor­zuge ich die Über­setzung „Mantra-König“. Myōō sind demnach die Könige bzw. Herren oder Beschützer, die über die Mantren herrschen, oder aber durch Mantren angerufen bzw. aktiviert werden können.

Die kriegerischen Züge der Myōō

Myōō sind ebenso wie die meisten anderen Wächtergottheiten (tenbu tenbu 天部 Gruppe der indischen bzw. aus Indien übernommene Gottheiten (skt. Deva)siehe auch Waechtergoetter → Ikonographie→ Kannon→ Kamakura→ Jenseits/Enma → mehr ) mit dem esoterischen Buddhismus (Tantrismus तन्त्र tantra (skt., n.) „Gewebe“, im Buddhsmus Lehrschrift des esoterischen Buddhismus (ähnlich → Sutra, aber meist mit rituellem Inhalt)siehe auch →  Buddhismus → Buddhismus Lehre→ Ikonographie→ Dainichi→ Myoo/Fudo → mehr , Vajrayana वज्रयन Vajrayāna (skt., n.) „Vajra-Fahrzeug“, Tantrismus, esoterischer Buddhismus; jap. Mikkyō 密教 oder Kongō-jō 金剛乗siehe auch →  Buddhismus Lehre → Myoo/Vajrapani→ Kukai ) in Japan ver­breitet worden. Obwohl die Ikono­graphie der japanischen Myōō sich bis zu Kūkai, also bis ins 9. Jahrhundert zurück­verfolgen lässt, war ihre große Zeit das japanische Mittel­alter (12.–16. Jh.), als esoterische Riten in fast allen großen Tempeln, vor allem aber in Shingon und Tendai-Klöstern praktiziert wurden. Es hat den Anschein, als ob diese Be­liebt­heit furcht­er­regender Figuren, auch wenn sie noch so symbo­lisch gedeutet werden mögen, in un­ruhigen, kriege­rischen Zeiten besonders aus­geprägt war. Dies lässt sich bereits in Indien nach­weisen, wo in den ersten Jahr­hunderten unserer Zeit mit der Figur des „Vajraträgers“ (skt. Vajrapani वज्रपाणि Vajrapāṇi (skt., m.) „Vajrahand“, Vajraträger; jap. Kongōshu 金剛手siehe auch →  Vajrapani → Waechtergoetter , jap. Kongōshu Kongōshu 金剛手 Vajra-Hand, skt. Vajrapani; s.a. Niōsiehe auch→ Waechtergoetter→ Myoo/Vajrapani ) ein Proto­typ für alle weiteren zorn­vollen Gestalten entsteht. Der Buddhismus hatte in dieser Zeit zunehmend mit der Konkurrenz shivaitischer शिव Śiva (skt., m.) „Glückverheißender“, indische Göttheit; jap. Daijizai-ten 大自在天siehe auch →  Buddhismus → Myoo/Vajrapani und vishnuitischer विष्णु Viṣṇu (skt., m.) indische Gottheitsiehe auch →  Buddhismus → Kannon/Bato Kannon Glaubens­formen zu kämpfen, in denen die jeweiligen Haupt­götter (Shiva und Vishnu) als siegreiche Kriegs­herren dargestellt wurden, und übernahm dabei deren Umgang mit krieger­ischen Symbolen. Zu diesen zählt auch der vajra वज्र vajra (skt., m.) „Donnerkeil“, Ritualinstrument und Symbol des tantristischen/esoterischen Buddhismus; jap. kongō 金剛siehe auch →  Vajrapani → Bekannte Tempel/Berg Koya→ Mandala→ Yamabushi/En no Gyoja→ Mudra→ Dainichi → mehr (jap. kongō kongō 金剛 skt. Vajra; „Diamant“, magische Waffe, Donnerkeilsiehe auch→ Waechtergoetter→ Kukai ), der u.a. dem „diamantenen Fahrzeug“ — Vajrayana, Synonym des esoterischen Buddhismus — seinen Namen gab: ursprünglich handelte es sich dabei um eine Waffe oder ein Insignium der Herr­schaft. Viele esoterisch-buddhistische Wächter­götter scheinen also zunächst als Verteidiger des Buddhismus gegen Feinde aus dem „hinduis­tischen Lager“ aufgetreten zu sein und machten sich dabei die Attribute ihrer Gegner zu eigen.

Sobald sich im Buddhismus die Auffassung durchgesetzt hatte, dass der Dharma nicht allein durch Mild­tätig­keit und Welt­ent­sagung, sondern auch durch den (symbolischen?) Einsatz kriegerischer Mittel beschützt, bzw. ver­breitet werden konnte, ent­standen also parallel zu Buddhas und Bodhisattvas neue Klassen von furcht­ein­flößenden Erscheinungen, die zunächst entweder als zum Bud­dhis­mus bekehrte ehemals feindliche Gott­heiten, mit zunehmender Beliebtheit aber auch als „zornvolle Erscheinungsform“ eines Buddhas oder Bodhisattvas interpretiert wurden. Zur letzteren Gruppe zählen in Japan die Myōō, die unter den zornigen Gott­heiten somit eine Art Aristokratie darstellen. Sie genossen zusammen mit den nieder­rangigeren Deva-Gottheiten देव deva (skt., m.) „Gottheit“, oberste Klasse indischer Götter; jap. ten 天 oder tenbu 天部siehe auch →  Ikonographie → Waechtergoetter→ Gluecksgoetter→ Gluecksgoetter/Benzaiten→ Jenseits/Ashura → mehr (tenbu) vor allem im von Bürger­kriegen gezeichneten japanischen Mittelalter große Verehrung.

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Mahakala (makakara, daikoku)

Yamamoto Hiroko. Edo-Zeit; aus Ishin. Chūsei Nihon no mikkyōteki sekai („Seltsame Götter: Die esoterische Welt des japanischen Mittelalters“); Chōrin-ji, Präfektur Kagawa

Hier als zentrale Figur eines ihm gewidmeten Mandalas (Makakara mandara). Die Abbildung entstammt dem Titelblatt des Buches.

Esoterischer Mahakala/Daikoku
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Daikoku

Statue

Wie er in modernen Souvenierläden zu finden ist.

Daikoku heute

Als wieder friedlichere Zeiten anbrachen, gerieten die meisten esoterischen Schutz­gott­heiten (mit Ausnahme Fudōs) weitgehend in Ver­gessen­heit oder wurden in ihrem Wirkungs­bereich eingeschränkt und umgedeutet. Die heutigen Glücksgötter Benzai-ten Benzaiten 弁才天/ 弁財天 Glücksgöttin, Gottheit des Wassers, der Musik und der Beredsamkeit; skt. Sarasvati; auch: Bentensiehe auch Benzaiten → Ikonographie→ Schreine/Torii→ Bekannte Schreine→ Bekannte Schreine/Itsukushima→ Matsuri/Hadaka matsuri → mehr , Bishamon-ten Bishamon-ten 毘沙門天 Himmelswächter des Nordens, Glücksgottsiehe auch Bishamonten → Waechtergoetter→ Gluecksgoetter→ Myoo/Vajrapani→ Gluecksgoetter/Daikoku → mehr und Daikoku-ten Daikoku 大黒 Glücksgott; skt. Mahakala = „Großer Schwarzer“; auch Daikoku-tensiehe auch Daikoku → Bekannte Tempel/Asakusa→ Ise Izumo/Izumo Schrein→ Gluecksgoetter→ Symboltiere → mehr können bei­spiels­weise auf eine Karriere als furchterregende Schutz­gotten zurück­blicken. Besonders interessant ist der Fall des Daikoku, der einstmals auch unter dem Namen Makakara-ten Makakara-ten 摩訶迦羅天 Synonym von Daikoku-ten, skt. Mahakara (skt. Mahakala महाकाल Mahākāla (skt., n.) „Großer Schwarzer“, esoterische Gottheit; jap. Makakara 摩訶迦羅 oder Daikoku 大黒siehe auch →  Glücksgötter → Gluecksgoetter→ Myoo/Vajrapani→ Gluecksgoetter/Daikoku→ Goetter der Erde/Okuninushi , wtl. „Großer Schwarzer“) in einer Gestalt verehrt wurde, die direkt aus dem tibetischen Buddhismus über­nommen zu sein scheint. Im Laufe der Edo Zeit gewannen seine Eigen­schaften als Gott des Reichtums aber die Ober­hand über seine seine schaurigen Attribute. In manchen älteren Darstellungen noch seinem Namen gemäß schwarz und düster, ist er heute nur noch als ewig lächelnder Glücksgott bekannt. (S. dazu auch den Essay Metamorphosen des Daikoku.)

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