Niō Wächterstatuen

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Bernhard Scheid, „Niō Wächterstatuen.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 3.3.2014). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Ikonographie:Waechtergoetter/Nio?oldid=35703
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Torwächter

Statuen (Ton, bemalt). 711; Hōryū-ji, Nara; Höhe: ca. 380 cm
Bild © Ron Reznick, 2008. (Letzter Zugriff: 2010/8)
Torwächter des Hōryū-ji, Nara
Bild: Ron Reznick, 2008 [2010/9]

Die beiden Niō Niō 仁王 Wächterfigur, Torwächtersiehe auch→ Tempel→ Ikonographie→ Tempel/Tempeltore→ Bekannte Schreine/Nikko→ Waechtergoetter → mehr des Hōryū-ji Hōryū-ji 法隆寺 Tempel in Ikaruga bei Nara, gegr. 607; wtl. „Tempel des prosperierenden [Buddha]-Gesetzes“siehe auch Tempel → Tempel/Tempeltore→ Kannon→ Shaka→ Fruehzeit → mehr sind die ältesten buddhistischen Tor­wächter­skulp­turen Japans aus dem Jahr 711. Sie sind in unter­schied­lichen Farben gehalten (rot und blau/grün), was sich auch in spä­teren Bei­spielen oft findet. Der aktivere A-gyō A-gyō 阿形 Bez. für einen Typ von Wächtergottheit; wtl. „A-Form“ (Figur, die ein „A“ ausspricht); Gegenstück von UN-gyōsiehe auch→ Waechtergoetter→ Imaginaere Tiere (rechts), der seinen Arm zum Angriff erhebt, ist üblicher­weise rot, der kontrol­liertere UN-gyō UN-gyō 吽形 wtl. „HUM-Form“ (Figur, die das Sanskritzeichen „HUM“, jap. un, ausspricht); Gegenstück von A-gyōsiehe auch→ Waechtergoetter→ Imaginaere Tiere (links) ist blau, was natür­lich auch einen Yin-Yang Aspekt vermuten lässt. Der Ungyō des Hōryū-ji trägt übrigens eine Art Band, das seinen Mund verschließt.

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Westlicher Torwächter des Südlichen Haupttores (A-gyō)

Statue (Holz, urspr. bemalt) von Unkei, Kaikei, und anderen. Kamakura-Zeit, 1203; „Nationalschatz“; Nandaimon, Tōdaiji, Nara; Höhe: 8,36 m

Photo vor 1988.

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Östlicher Torwächter des Südlichen Haupttores (Un-gyō)

Statue (Holz, urspr. bemalt) von Jōkaku, Tankei u.a.. Kamakura-Zeit, 1203; „Nationalschatz“; Nandaimon, Tōdaiji, Nara; Höhe: 8,43 m

Photo vor 1988. Aus der Perspektive dieser Photographie wirkt der Kopf etwas zu groß. Dies wurde jedoch mit Absicht so ausgeführt, da die über acht Meter große Statue auf diese Weise von unten — also vom üblichen Blickpunkt aus — natürlicher wirkt. Man nennt diese Technik Anamorphose. Sie wurde in Japan bei vielen überdimensionalen Statuen angewendet, die für die Betrachtung aus einem nahen, tiefer gelegenen Winkel bestimmt waren. (S. z.B. den Kamakura Daibutsu.)

Torwächter des Südlichen Haupttores ( Nandaimon) des Tōdaiji, Nara

Die beiden Wächter des Tōdaiji Tōdaiji 東大寺 Tempel des Großen Buddha von Nara; wtl. Großer Ost-Tempelsiehe auch Bekannte Tempel → Tempel/Tempeltore→ Tempel/Pagoden→ Bekannte Schreine→ Bekannte Schreine/Kasuga→ Dainichi → mehr , die den Daibutsu von Nara Nara 奈良 Hauptstadt und Sitz des Tenno, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyōsiehe auch Geschichtsperioden → Bekannte Tempel→ Tempel→ Tempel/Tempeltore→ Ise Izumo→ Bekannte Schreine/Kasuga → mehr bewachen, sind mit etwa 8,5m Höhe die größten hölzernen Niōs in Japan. Sie stammen aus der Werk­statt des berühmten Bild­hauer­meisters Unkei und wurden 1203 in nur 69 Tagen fertig gestellt. Die ganze Tempel­anlage war 1181 im Zuge des Genpei-Krieges abgebrannt. Die beiden Statuen ent­standen also im Zuge von Renovierungs­arbeiten an der Halle des Großen Buddha. Beide sind aus extrem vielen Holz­teilen zusammen­gesetzt, da große Holzblöcke zu dieser Zeit rar waren.

Weitere Beispiele

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Effektvoll beleuchteter Niō

Statue; Berg Kōya
Bild © Reggie Thomson, 2002. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Niō

Statue; Omote-mon, Nikkō
Bild © Ron Reznick, 2008. (Letzter Zugriff: 2010/9)

Beide sind ganz in rot.

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Niō

Taiyū-in, Teil der Schreinanlage von Nikkō
Bildquelle: TOKYO VIEWS, (Matsui Fumio) flickr 2010. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Niō

Statue; Tōshō-gū, Nikkō
Bild © Nihon no bi. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Auch dieser Ungyō in der Schrein(!)anlage von Nikkō ist ausnahmsweise rot bemalt. (Hier fehlt leider das Bild des Partners.)

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Niō

Statue; Shitennō-ji, Osaka
Bildquelle: automatography, flickr 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)

An diesen vergleichsweise jungen Beispielen, kann man die unterschiedliche Bemalung (Agyō — rot, Ungyō — blau) gut erkennen.

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Niō

Sanbōin, Daigo-ji, Kyoto
Bild © Foundation J.-E. Berger. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Niō

Statue; Tenshō-ji, Minami Uonomiya, Präfektur Niigata
Bild © Ichinohe Shinya, 2007. (Letzter Zugriff: 2007/5)

Wie hier gut zu erkennen ist, sind die meisten Torwächter durch dünne Gitternetze geschützt, was leider oft ihre Sichtbarkeit reduziert.

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Niō Wächter, Zenkō-ji

Statue (Holz) von Tamamura Kōun und Yonehara Unkai. 1918; Zenkō-ji, Nagano, Nagano-ken
Bildquelle: Yokohamanote. (Letzter Zugriff: 2011/5)

Niō-Paar des Zenkō-ji, des wichtigsten Tempels der Stadt Nagano. Trotz Beibehaltung der traditionellen Ikonographie sind hier die Einflüsse einer westlich-naturalistischen Körperdarstellung gut zu erkennen.

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Niō

Wakasa Jingū-ji, Obama, Präfektur Fukui
Bild © 663highland, Wikimedia Commons (jap.), 2010. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Hier ist die Körpersprache der beiden Wächter — UN-gyō (geschlossener Mund) beruhigend, A-gyō (offener Mund) aufbrausend — besonders gut zu erkennen.

Nio sokenji.jpg

Niō

Holz, bemalt. Muromachi-Zeit, 1467; Sōken-ji, Shiga-ken; Höhe: ca. 212cm -->
Bild © Shinbutsu imasu Ōmi. (Letzter Zugriff: 2014/3)

Niō mit besonders kräftigen Oberarmen.

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Niō

Statuen (Stein); Shōkō-ji, Halbinsel Kunisaki, Kyushu
Bild © Kaze ni fukarete, Blowing in the Wind. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Rezente Torwächterplastiken aus dem Gebiet von Kunisaki, Kyushu, ein Gebiet, das für seine zahlreichen buddhistischen Steinskulpturen bekannt ist.

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Niōs des äußeren Tors

Statue. Frühe Edo-Zeit, 1637–46; Ninna-ji, Kyoto
Bild © 663highland, Wikimedia Commons (jap.), 2010. (Letzter Zugriff: 2011/1)

Sie sind von Zaunpfählen umgeben, die die Form eines einzackigen Vajra — ein häufiges Attribut der Niō — haben.

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Niō

Statue (Stein); Ryūun-ji, Bungo Takada-shi, Kunisaki, Kyushu
Bild © Kaze ni fukarete, Blowing in the Wind, 2012. (Letzter Zugriff: 2014/3)

Diese beiden Torwächter scheinen per Handy mit einander zu kommunizieren.

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Niō

Statue (Stein); Shirahige Jinja, Halbinsel Kunisaki, Kyushu
Bild © Kaze ni fukarete, Blowing in the Wind. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Weitere Beispiele aus dem Gebiet von Kunisaki in Kyushu. Diese beiden Torwächter bewachen ausnahmesweise einen Shinto-Schrein, keinen buddhistischen Tempel. Trotz ihres eher schlichten Stils kann man erkennen, dass sich die essenziellen ikonographischen Details (Mund, Handgeste, Frisur, Schal) seit der Nara-Zeit bis auf den heutigen Tag gehalten haben. Nur die Waffe der Niō, der einspießige Vajra, scheint in diesem Fall der Korrosion zum Opfer gefallen zu sein.

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Es ist möglich, dass sich die ansonsten in Ostasien unübliche Betonung des muskulösen Körpers, der in der Niō-Ikonographie so stark zum Ausdruck kommt, auf die Figur des Herakles zurückführen lässt, mit der der frühe Buddhismus auf seinem Weg durch Zentralasien zusammentraf. Siehe dazu die Spezialseite Vajrapani.

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