Was ist ein Schrein?

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Bernhard Scheid, „Was ist ein Schrein?.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 21.7.2014). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Bauten:Schreine?oldid=37296
  • Watatsumi Jinja.jpg

    Torii mit shimenawa

    Schreintor, torii (Stein); Watatsumi Jinja, Fukuoka
    Bild © Cyber Shrine. (Letzter Zugriff: 2011/7)
  • Torii miyajima.jpg

    Itsukushima Torii

    Schreintor (Holz); Insel Miyajima, Präfektur Hiroshima

    Berühmtes torii des Itsukushima Schreins, das im Meer errichtet wurde.

  • Torii zeniarai.jpg

    Torii-Tunnel des Zeniarai Benten-Schreins

    Schreintore (Holz); Kamakura
    Bild © SBA73, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Torii im shinmei-Stil.

Torii, Erkennungszeichen eines Schreins

Ein Shinto Schrein dient der Verehrung einer einheimischen Gottheit (kami kami japanische Gottheitsiehe auch Shinto → Sandkiste→ Buddhismus Lehre→ Weltbild→ Ikonographie → mehr ). Das Wort „Schrein“ wurde gewählt, um Verehrungsstätten für Kami, jap. (jinja jinja 神社 Shinto Schreinsiehe auch→ Shinto ), von bud­dhis­tischen „Tempeln“, jap. (tera tera buddhistischer Tempelsiehe auch Tempel ), zu unter­scheiden. Im engeren Sinn bezieht sich „Schrein“ auf ein einzelnes Gebäude, meist bezeichnet der Begriff aber eine „Schrein­anlage“, in der eine Vielzahl religiöser Gebäude zu finden sind.

Vokabel

Im Regelfall dient ein Schrein dazu, einen heiligen Gegenstand aufzubewahren. Diesen Gegen­stand nennt man shintai shintai 神体 heiliges Objekt eines Shinto Schreins; wtl. „Gottkörper“siehe auch→ Ise Izumo→ Bekannte Schreine→ Matsuri→ Shinto-Goetter→ Goetter der Erde/Okuninushi , wtl. „Gott-Körper“. Die häufigsten shintai sind Spiegel oder Schwerter, es kann sich aber auch, wie im Bud­dhis­mus, um Statuen handeln. Das shintai gilt als Sitz der Schrein­gott­heit, man sagt auch, dass es von einer Gott­heit „bewohnt“ wird. Bei der Gründung eines neuen Schreins muss die ent­sprech­ende Gott­heit zunächst „eingeladen“ werden, im shintai wohnhaft zu werden. Ein Schrein­gebäude ist also in erster Linie ein Speicher oder ein Schatz­haus zum Schutz des shintai. Es dient nicht als Ort religiöser Ver­samm­lungen oder Messen. Verglichen mit dem Christentum entspricht ein Schrein­gebäude daher eher einem Altar als einer Kirche. Dies gilt im übrigen auch für bud­dhis­tische Tempel in Japan, deren Haupt­gebäude ebenfalls als Schatz­häuser dienen. Im Gegen­satz zu buddhistischen Heiligtümern (honzon honzon 本尊 Hauptheiligtum eines Tempelssiehe auch Tempel → Ikonographie→ Bekannte Tempel/Asakusa→ Pilgerschaft→ Bekannte Schreine/Fushimi → mehr ) werden die shintai aber niemals hergezeigt. Lediglich bei großen Schrein­festen (matsuri matsuri religiöses (Volks-)Festsiehe auch Matsuri → Bekannte Tempel/Asakusa→ Bekannte Schreine→ Matsuri/Hadaka matsuri→ Matsuri/Phalluskulte → mehr ) werden sie, durch einen tragbaren Schrein vor Blicken geschützt, in einer Prozession umhergeführt.

Viele japanische Shinto Schreine sind so klein, dass man sie nicht einmal mit einer mittel­euro­päisch­en Kapelle, sondern eher mit einem „Marterl“ (im österr. -süddt. Raum gebräuchlicher Ausdruck für „Bildstock“) ver­gleichen könnte. Die über­rasch­end hohe Zahl von 90.000 Schreinen (s. Grundbegriffe) ergibt sich wohl aus der Tatsache, dass auch solche Shinto-Marterln (hokora hokora Miniaturschrein (innerhalb einer Schreinanlage oder am Wegrand)) in die Zählung mit auf­ge­nommen werden. Schreinanlagen, die die Größe eines Einfamilienhauses mit Kleingarten übersteigen, gibt es in ähnlich großer Zahl wie in Mittel­europa Kirchen.

Schreinanlage

Im allgemeinen kann man die Bedeutung eines Schreins eher an der Größe seines Areals als an der Größe des eigentlichen Haupt­schreins messen. Die meisten wirklich einfluss­reichen Schreine sind von einer weit­läufigen park­ähnlichen Anlage umgeben, in der neben der Haupt­gott­heit auch eine Vielzahl von Neben­gott­heiten verehrt wird. Man erkennt diese Anlagen oft auch an dem dichten Wald, der sie umgibt. Es ist nämlich tabu, die Bäume inner­halb eines Schrein­areals zu fällen.

Diese größeren Schreinanlagen sind zumeist am Fuß eines Hügels oder an einem sanft ansteigenden Hang gelegen. Daraus ergibt sich auf natürliche Weise eine Trennung in einen tiefer gelegenen Eingangs­bereich und einen erhöhten inneren Bereich. Der Eingangs­bereich dient eher profanen Zwecken, etwa dem Verkauf von Glücks­bringern. Der innere Bereich wird in vielen Fällen von einem niederen Zaun (tamagaki tamagaki 玉垣 Zaun einer Schreinanlage, wtl. „Juwelenzaun“) umgrenzt und beherbergt die Gebäude für religiöse Zwecke — Haupt­halle (honden honden 本殿 Hauptgebäude eines Schreinssiehe auch→ Sandkiste→ Bekannte Schreine→ Bekannte Schreine/Hachiman ), Zeremonien­halle (haiden haiden 拝殿 Zeremonienhalle eines Schreinssiehe auch→ Bekannte Schreine ), und Zweig­schreine. Die Haupt­halle ist mitunter durch einen weiteren Zaun geschützt, sodass man sie nur aus einer gewissen Distanz wahr­nehmen kann. Manchmal ist der Haupt­schrein sogar zur Gänze den Blicken der normalen Besucher entzogen.

  • Schrein_skizze.jpg

    Schreinanlage

    Graphik von Nakashima Hiroko
    Bild © Inoue Nobutaka, e.a. (Hg.), Shintō jiten. Tokyo: Kōbundō 1994, S. 185

Torii

Für den Laien ist oft nicht leicht zu erkennen, ob ein religiöses Gebäude für eine shintoistische Gottheit bestimmt ist oder für eine buddhistische. Es gibt aber bestimmte Er­kennungs­merkmale, die auf einen Schrein hinweisen. Das markanteste Kenn­zeichen eines Schreins ist das torii torii 鳥居 Torii, Schreintorsiehe auch Torii → Sandkiste→ Shinto→ Schreine/Shimenawa→ Schreine/Schreinbilder → mehr , das Shinto-Tor, das vor jedem Schrein steht. Die Bilder am Seiten­anfang zeigen einige torii-Varianten. In jedem Fall bleibt die Grund­form, zwei Quer­balken auf zwei Pfosten, dieselbe. Torii sind im allgemeinen nicht vor bud­dhis­tischen Bau­werken zu finden sind. Diese „Regel“ hat sich allerdings erst in der jüngeren japanischen Religions­geschichte zweifelsfrei durch­gesetzt. Auf der Sidepage Torii sind auch Beispiele von nicht-shin­to­is­tischen torii sowie von „Verwandten“ der torii außerhalb Japans angeführt.

Abgesehen von den torii gibt es in größeren Schrein­anlagen noch andere Kenn­zeichen religiöser Orte, etwa Laternen (tōrō tōrō 灯篭 Laterne, meist Stein oder Metallsiehe auch→ Opfergaben ) (s. dazu das Beispiel des Kasuga Schreins) oder Löwenhunde (komainu komainu 狛犬 wtl. „Korea-Hund“, auch „Löwenhund“; Wächterfigur vor religiösen Gebäudensiehe auch Komainu → Bekannte Schreine/Nikko→ Imaginaere Tiere/Komainu→ Imaginaere Tiere→ Symboltiere/Drei Affen ). Die meisten dieser Objekte stammen aus China und kamen mit dem Bud­dhis­mus nach Japan. Sie sind heute sowohl vor bud­dhis­tischen Tempeln als auch vor Shinto-Schreinen zu finden.

Götterseile und Zickzackpapier

Das vielleicht archaischste Merkmal des Shinto ist das shimenawa shimenawa 注連縄 Shintoistisches „Götter-Seil“siehe auch Shimenawa → Stereotype→ Opfergaben→ Schreine/Torii→ Ise Izumo → mehr („Götterseil“), das aus einfachem Stroh geflochten wird. Es symbolisiert die An­wesen­heit eines Gottes oder einer göttlichen Kraft und ist häufig an der Front von Schrein­gebäuden oder an torii zu finden. Aber auch außer­halb von Schreinen stößt man immer wieder auf ein­drucks­volle Bäume (shinboku shinboku 神木 Heiliger Baum) oder Felsen, die durch ein Götterseil als Ort der Kami gekennzeichnet sind. Shimenawa können sehr einfach sein oder kunstvoll geflochten sein. Oft sind sie mit Zickzack-Papier­streifen (shide shide 四手 Papierstreifen in Zickzackform, rituelles Emblem des Shintōsiehe auch→ Schreine/Shimenawa ) versehen, die ebenfalls als ein Kenn­zeichen für den Kami geweihte Objekte fungieren. Shide können auch an Stäben angebracht werden. Sie werden dann als gohei gohei 御幣 Papieropfergabe, Zickzack-Papiersiehe auch→ Opfergaben→ Kamidana→ Shinto-Goetter bezeichnet und dienen als eine Art Opfer­gabe für die Kami.