Was ist ein Schrein?
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Torii mit shimenawa
- Schreintor (Stein); Watatsumi Jinja, Fukuoka
Bild © Cyber Shrine. (Letzter Zugriff: 2011/7)
- Schreintor (Stein); Watatsumi Jinja, Fukuoka
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Itsukushima Torii
- Schreintor (Holz); Insel Miyajima, Präfektur Hiroshima
Berühmtes torii des Itsukushima Schreins, das im Meer errichtet wurde.
Ein Shinto Schrein dient der Verehrung einer einheimischen Gottheit (kami (kami 神 — japanische Gottheit …mehr ⇒)). Das Wort „Schrein“ wurde gewählt, um Verehrungsstätten für Kami, jap. (jinja (jinja 神社 — Shinto Schrein )), von buddhistischen „Tempeln“, jap. (tera (tera 寺 — buddhistischer Tempel …mehr ⇒)), zu unterscheiden. Im engeren Sinn bezieht sich „Schrein“ auf ein einzelnes Gebäude, meist bezeichnet der Begriff aber eine „Schreinanlage“, in der eine Vielzahl religiöser Gebäude zu finden sind.
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Vokabel
- jinja (jinja 神社 — Shinto Schrein ), yashiro (yashiro 社 — Shinto Schrein, andere Lesung: sha ), miya (miya 宮 — Shinto Schrein, andere Lesung: gū ), -sha (-sha 社 — Shinto Schrein, andere Lesung: yashiro ), -gū (-gū 宮 — Shinto Schrein, andere Lesung: miya ) — Shinto Schrein
- jingū (jingū 神宮 — „Götterpalast“; Ahnenschrein des Kaiserhauses, meist → Ise ) — kaiserl. Ahnenschrein (meist Ise)
- taisha (taisha 大社 — Shinto Schrein, wtl. Großschrein ) — Großschrein
- shintai (shintai 神体 — heiliges Objekt eines Shinto Schreins; wtl. „Gottkörper“ ) — „Gott-Körper“, Schreinheiligtum
- torii (torii 鳥居 — Torii, Schreintor …mehr ⇒) — Schreintor
- shimenawa (shimenawa 注連縄 — Shintoistisches „Götter-Seil“ …mehr ⇒) — Götterseil
- honden (honden 本殿 — Hauptgebäude eines Schreins ) — Haupthalle
- haiden (haiden 拝殿 — Zeremonienhalle eines Schreins ) — Zeremonienhalle
Im Regelfall dient ein Schrein dazu, einen heiligen Gegenstand aufzubewahren. Diesen Gegenstand nennt man shintai (shintai 神体 — heiliges Objekt eines Shinto Schreins; wtl. „Gottkörper“ ), wtl. „Gott-Körper“. Die häufigsten shintai sind Spiegel oder Schwerter, es kann sich aber auch, wie im Buddhismus, um Statuen handeln. Das shintai gilt als Sitz der Schreingottheit, man sagt auch, dass es von einer Gottheit „bewohnt“ wird. Bei der Gründung eines neuen Schreins muss die entsprechende Gottheit zunächst „eingeladen“ werden, im shintai wohnhaft zu werden. Ein Schreingebäude ist also in erster Linie ein Speicher oder ein Schatzhaus zum Schutz des shintai. Es dient nicht als Ort religiöser Versammlungen oder Messen. Verglichen mit dem Christentum entspricht ein Schreingebäude daher eher einem Altar als einer Kirche. Dies gilt im übrigen auch für buddhistische Tempel in Japan, deren Hauptgebäude ebenfalls als Schatzhäuser dienen. Im Gegensatz zu buddhistischen Heiligtümern (honzon (honzon 本尊 — Hauptheiligtum eines Tempels …mehr ⇒)) werden die shintai aber niemals hergezeigt. Lediglich bei großen Schreinfesten (matsuri (matsuri 祭 — religiöses (Volks-)Fest …mehr ⇒)) werden sie, durch einen tragbaren Schrein vor Blicken geschützt, in einer Prozession umhergeführt.
Viele japanische Shinto Schreine sind so klein, dass man sie nicht einmal mit einer mitteleuropäischen Kapelle, sondern eher mit einem „Marterl“ (im österr. -süddt. Raum gebräuchlicher Ausdruck für „Bildstock“) vergleichen könnte. Die überraschend hohe Zahl von 90.000 Schreinen (s. Grundbegriffe) ergibt sich wohl aus der Tatsache, dass auch solche Shinto-Marterln (hokora (hokora 祠 — Miniaturschrein (innerhalb einer Schreinanlage oder am Wegrand) )) in die Zählung mit aufgenommen werden. Schreinanlagen, die die Größe eines Einfamilienhauses mit Kleingarten übersteigen, gibt es in ähnlich großer Zahl wie in Mitteleuropa Kirchen.
Schreinanlage
Miniatur-Schreine (hokora)
- Schrein (Holz); Miyoshi, Hiroshima-ken
Bild © Jake Davies, 2007. (Letzter Zugriff: 2008/2)
Im allgemeinen kann man die Bedeutung eines Schreins eher an der Größe seines Areals als an der Größe des eigentlichen Hauptschreins messen. Die meisten wirklich einflussreichen Schreine sind von einer weitläufigen parkähnlichen Anlage umgeben, in der neben der Hauptgottheit auch eine Vielzahl von Nebengottheiten verehrt wird. Man erkennt diese Anlagen oft auch an dem dichten Wald, der sie umgibt. Es ist nämlich tabu, die Bäume innerhalb eines Schreinareals zu fällen.
Diese größeren Schreinanlagen sind zumeist am Fuß eines Hügels oder an einem sanft ansteigenden Hang gelegen. Daraus ergibt sich auf natürliche Weise eine Trennung in einen tiefer gelegenen Eingangsbereich und einen erhöhten inneren Bereich. Der Eingangsbereich dient eher profanen Zwecken, etwa dem Verkauf von Glücksbringern. Der innere Bereich wird in vielen Fällen von einem niederen Zaun (tamagaki (tamagaki 玉垣 — Zaun einer Schreinanlage, wtl. „Juwelenzaun“ )) umgrenzt und beherbergt die Gebäude für religiöse Zwecke — Haupthalle (honden (honden 本殿 — Hauptgebäude eines Schreins )), Zeremonienhalle (haiden (haiden 拝殿 — Zeremonienhalle eines Schreins )), und Zweigschreine. Die Haupthalle ist mitunter durch einen weiteren Zaun geschützt, sodass man sie nur aus einer gewissen Distanz wahrnehmen kann. Manchmal ist der Hauptschrein sogar zur Gänze den Blicken der normalen Besucher entzogen.
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Schreinanlage
- Graphik von Nakashima Hiroko
Bild © Inoue Nobutaka, e.a. (Hg.), Shintō jiten. Tokyo: Kōbundō 1994, S. 185
- Graphik von Nakashima Hiroko
Torii
Für den Laien ist oft nicht leicht zu erkennen, ob ein religiöses Gebäude für eine shintoistische Gottheit bestimmt ist oder für eine buddhistische. Es gibt aber bestimmte Erkennungsmerkmale, die auf einen Schrein hinweisen. Das markanteste Kennzeichen eines Schreins ist das torii (torii 鳥居 — Torii, Schreintor …mehr ⇒), das Shinto-Tor, das vor jedem Schrein steht. Die Bilder am Seitenanfang zeigen einige torii-Varianten. In jedem Fall bleibt die Grundform, zwei Querbalken auf zwei Pfosten, dieselbe. Torii sind im allgemeinen nicht vor buddhistischen Bauwerken zu finden sind. Diese „Regel“ hat sich allerdings erst in der jüngeren japanischen Religionsgeschichte zweifelsfrei durchgesetzt. Auf der Sidepage Torii sind auch Beispiele von nicht-shintoistischen torii sowie von „Verwandten“ der torii außerhalb Japans angeführt.
Abgesehen von den torii gibt es in größeren Schreinanlagen noch andere Kennzeichen religiöser Orte, etwa Laternen (tōrō (tōrō 灯篭 — Laterne, meist Stein oder Metall )) (s. dazu das Beispiel des Kasuga Schreins) oder Löwenhunde (komainu (komainu 狛犬 — wtl. „Korea-Hund“, auch „Löwenhund“; Wächterfigur vor religiösen Gebäuden …mehr ⇒)). Die meisten dieser Objekte stammen aus China und kamen mit dem Buddhismus nach Japan. Sie sind heute sowohl vor buddhistischen Tempeln als auch vor Shinto-Schreinen zu finden.
Götterseile und Zickzackpapier
Vermählte Felsen (meoto iwa)
- Felsformation; in der Bucht von Ise, Futami, Mie-ken
Bildquelle: Wikimedia Commons (jap.), 2006. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Ein „männlicher“ und ein „weiblicher“ Felsen sind hier durch ein Götterseil ehelich verbunden.
Das vielleicht archaischste Merkmal des Shinto ist das shimenawa (shimenawa 注連縄 — Shintoistisches „Götter-Seil“ …mehr ⇒) („Götterseil“), das aus einfachem Stroh geflochten wird. Es symbolisiert die Anwesenheit eines Gottes oder einer göttlichen Kraft und ist häufig an der Front von Schreingebäuden oder an torii zu finden. Aber auch außerhalb von Schreinen stößt man immer wieder auf eindrucksvolle Bäume (shinboku (shinboku 神木 — Heiliger Baum )) oder Felsen, die durch ein Götterseil als Ort der Kami gekennzeichnet sind. Shimenawa können sehr einfach sein oder kunstvoll geflochten sein. Oft sind sie mit Zickzack-Papierstreifen (shide (shide 四手 — Papierstreifen in Zickzackform, rituelles Emblem des Shintō )) versehen, die ebenfalls als ein Kennzeichen für den Kami geweihte Objekte fungieren. Shide können auch an Stäben angebracht werden. Sie werden dann als gohei (gohei 御幣 — Papieropfergabe, Zickzack-Papier ) bezeichnet und dienen als eine Art Opfergabe für die Kami.
Links
- Cyber Shrine, Kikutake Yuji (en., jap.)
Kaum kommentierte Bilder einiger repräsentativer Schreine. Guter Einstieg.Letzte Überprüfung der Linkadressen: Aug. 2010
Verwandte Themen
Auf den folgenden Seiten werden einige repräsentative Schreine sowie weitere Bestandteile der Schreinarchitektur beschrieben. Shinto Priester, die in allen größeren Schreinen zu finden sind, werden im Kapitel „Alltag und Praxis“ vorgestellt. Im Kapitel „Ikonographie“ erfährt man mehr über die Schreingottheiten, im Kapitel „Mythen“ sind die wichtigsten Göttermythen zusammengefasst. Allgemeines zum Thema Shinto findet sich im Kapitel „Grundbegriffe“.
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