Zeitalter der Götter, Teil 2 Die Götter der Erde

Religion-in-Japan > Mythen > Goetter der Erde
(Weitergeleitet von Mythen:Götter der Erde)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Diese Seite zitieren:
Bernhard Scheid, „Zeitalter der Götter, Teil 2 Die Götter der Erde.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 20.7.2014). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Mythen:Goetter_der_Erde?oldid=37218

Die Begriffe Götter des Himmels und Götter der Erde (ama-tsu-kami ama-tsu-kami 天神 Götter des Himmelssiehe auch→ Goetter der Erde/Okuninushi→ Gluecksgoetter/Ebisu , bzw. kuni-tsu-kami kuni-tsu-kami 国神 Götter der Erdesiehe auch Götter der Erde → Goetter der Erde/Okuninushi ) spielten zur Zeit der schrift­lichen Fixierung der Mythen (um 700) offenbar eine wichtige Rolle. Im all­gemei­nen vers­tehen die frühen Chroni­ken darunter einer­seits die gött­lichen Vor­fahren des Tennō Tennō 天皇 jap. „Kaiser“-Titel, wtl. Herrscher des Himmelssiehe auch Götter der Erde → Shinto→ Weltbild→ Opfergaben→ Yamabushi/En no Gyoja→ Shinto-Goetter → mehr und seiner un­mittel­baren Vasal­len, die im Himmel (Takama no hara Takama no Hara/ Takamagahara 高天原 wtl. „Die himmlischen Gefilde“, mythol. Bez. für das Reich der Himmlischen Göttersiehe auch Goetter des Himmels → Gluecksgoetter/Ebisu ) residieren, ande­rer­seits die gött­lichen Vor­fahren der meisten ande­ren terri­toria­len Klans der Frühzeit. Die Mythen von den Göttern der Erde schildern (und begrün­den), wie die Hierar­chie zwischen diesen Gruppen zu­stande kommt, und be­handeln damit letzlich nichts anderes als das Zu­stande­kommen des frühen japa­ni­schen Staates und der ihn regierenden Eliten.

Susanoo und Ōkuninushi

susanoo_kyosai.jpg

Susanoo und die Schlange Yamata no Orochi

Hängerollbild (Seide, Tusche, Farbe) von Kawanabe Kyōsai (1831–1889). Meiji-Zeit, 1887; 100,4 x 29,7 cm
Bild © The British Museum. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Man muss erst ein wenig suchen, bis man den Kopf der Schlange in der unteren Bildhälfte entdeckt.

Susanoo und die Schlange
Bm.png

Nachdem Amaterasu Amaterasu 天照 Sonnengottheit, Ahnherrin des Tennōsiehe auch Goetter des Himmels → Shinto→ Ise Izumo→ Shinto/Jindo→ Ise Izumo/Baustil Ise→ Ise Izumo/Izumo Schrein → mehr dank des Zu­sam­men­wir­kens der gesam­ten Götter­schar wieder aus ihrer Höhle heraus­ge­lockt wor­den ist, wird Susanoo Susanoo 須佐之男 mytholog. Trickster-Gott; Sturmgott, Mondgottsiehe auch→ Schreine/Shimenawa→ Bekannte Schreine/Itsukushima→ Matsuri→ Gluecksgoetter→ Gluecksgoetter/Daikoku → mehr einer Reihe von Strafen und Foltern unter­wor­fen und schließ­lich end­gül­tig in die Unter­welt ver­bannt. Als er­zie­heri­sche Maß­nahme hat die Ver­ban­nung offen­sicht­lich Erfolg. Auf dem Weg in die Unter­welt kommt Susanoo auch auf die Erde (genauer: in das Land Izumo) und nimmt dort, ganz der Trickster-Definition von Mircea Eliade fol­gend, die Rolle eines Kultur­heroen an. So rettet er etwa ein Mädchen vor der acht­köp­figen Schlan­ge Yamata no Orochi Yamata no Orochi 八岐大蛇 Mythologische Schlange (Drache) mit acht Köpfensiehe auch→ Imaginaere Tiere→ Goetter des Himmels/Uzume→ Goetter des Himmels/Trickster→ Imaginaere Tiere/Drachenbilder→ Symboltiere/Namazu-e , welche die Men­schen terro­risiert. Der Mythos erwähnt aber auch, dass aus seinen Haaren nütz­liche Bäume ent­stehen, und bringt ihn außer­dem mit der Er­fin­dung des Sake Sake Reisweinsiehe auch Opfergaben → Familie→ Verwandlungskuenstler→ Goetter der Erde/Okuninushi→ Symboltiere/Namazu-e → mehr in Verbindung.

Mit dem geretteten Mädchen, der Prinzessin Kushinada-hime Kushinada-hime 奇稲田姫 Ehefrau Susanoos, Mutter bzw. Ahnin Ōkuninushis, zeugt Susanoo eine neue Herr­scher­dynas­tie auf Erden. Die Ge­schich­ten dieser Nach­kom­men sind vor allem im Kojiki Kojiki 古事記 „Aufzeichnung alter Begenheiten“; älteste jap. Chronik (712)siehe auch Mythentexte → Schreine/Torii→ Ise Izumo→ Ise Izumo/Izumo Schrein→ Bekannte Schreine/Itsukushima→ Gluecksgoetter → mehr zu finden. Vieles deutet darauf­hin, dass sie einem eige­nen Mythen­kreis ent­stam­men und in den Erzäh­lungen rund um die Sonnen­gott­heit ur­sprüng­lich gar nicht vor­kamen. Denn in gewis­ser Weise wird die Welt durch diese Nach­kommen des Susanoo ein wei­teres Mal neu ge­schaf­fen. Die Haupt­götter dieser Episode werden vor allem im Groß­schrein von Izumo Izumo Taisha 出雲大社 Großschrein von Izumo (Präfektur Shimane)siehe auch Izumo Schrein → Ise Izumo→ Matsuri/Phalluskulte→ Shinto-Goetter→ Goetter der Erde/Okuninushi → mehr verehrt und sind auch in den Mythen eng mit dieser Region nord­westlich von Kyoto verbunden. Man kann daher an­nehmen, dass es in Izumo ur­sprüng­lich einen eigenen Sagen­kreis gab, der in Kojiki und Nihon shoki Nihon shoki 日本書紀 Zweitältestes Schriftwerk und erste offizielle Reichschronik Japans (720)siehe auch Mythentexte → Opfergaben→ Schreine/Torii→ Ise Izumo→ Shinto/Jindo→ Ise Izumo/Izumo Schrein → mehr nur not­dürftig mit dem Amaterasu-Sagen­kreis ver­bunden wurde. Susanoo stellt sozu­sagen das Binde­glied zwischen diesen Erzäh­lungen dar.

Der Hauptheld des Izumo Sagenkreises heißt aller­dings nicht Susanoo, sondern Ōkuninushi Ōkuninushi 大国主 mythol. Gottheit; wtl. Großer Meister des Landessiehe auch Okuninushi → Bekannte Tempel→ Ise Izumo→ Ise Izumo/Izumo Schrein→ Gluecksgoetter→ Gluecksgoetter/Daikoku → mehr — der „Große Landesherr“. Er ist der Sohn des Susanoo (nach einer anderen Version ein Ab­kömm­ling in der fünften oder sechsten Generation) und muss — selbst eine Art Trickster Gott­heit — erst eine Reihe von Qualen und De­müti­gungen durch­stehen, bevor er schließ­lich Herr des Landes wird und zu­sam­men mit einer weiteren Schöpfer­gott­heit, dem winzigen Sukunabikona Sukunabikona 少名毘古那 winzige Gottheit, Gefährte oder alter ego von Ōkuninushi, auch: Sukunahikonasiehe auch Okuninushi → Gluecksgoetter→ Gluecksgoetter/Ebisu , die Erde in ihren nun­meh­rigen Zustand bringt. Wie auf der Sidepage zu Ōkuni­nushi genauer be­schrieben, steht Ōkuni­nushi stell­ver­tre­tend für eine ganze Reihe von Terri­torial­gott­heiten, die noch in den späteren Er­zählungen einzelner Tenno immer wieder auf­tauchen und die Ge­schicke des Landes maß­geblich mit­gestalten.

Die Entmachtung des Ōkuninushi

Die Verbindung zwischen den Mythen der „Himmlischen Götter“ und den Erzählungen von Ōkuni­nushis Gestal­tung der Welt stellt die Episode von Ōkuninushis Ent­machtung dar. Es ist die Geschichte einer Kolo­nisa­tion, die den Chroniken zufolge lediglich mit sanfter Gewalt durch­geführt wird: Zunächst entsenden die Himmli­schen Götter Boten aus ihren eigenen Reihen, die Ōkuninushi über­zeugen sollen, dass es das beste für ihn sei, den Nach­kommen der Sonnen­gottheit kampf­los die Herr­schaft zu über­lassen. Ōkuni­nushi gelingt es zwar, die ersten Boten von ihrer Mission abzu­bringen, indem er sie mit Luxus über­häuft und zum Bleiben überredet, doch schließ­lich sendet der Himmel seine bewähr­testen Haudegen, Takemikazuchi Takemikazuchi 建御雷 Mythologischer Schwertgott (wtl. Gewittergott); Ahnengottheit der Fujiwara; u.a. in den Schreinen Kashima und Kasuga verehrtsiehe auch Götter der Erde → Bekannte Schreine/Kasuga→ Waechtergoetter/Wind und Donner→ Shinto-Goetter/Kasuga Mandala→ Goetter der Erde/Okuninushi und Futsunushi Futsunushi 経津主 Mythologischer Schwertgottsiehe auch Götter der Erde → Bekannte Schreine/Kasuga→ Goetter der Erde/Okuninushi . (Die beiden sind aus Feuer und Schwert her­vor­ge­gan­gen und zwar in genau jener Epi­sode, als Götter­vater Izanagi Izanagi 伊耶那岐/ 伊奘諾 Göttervater; auch Izanaki (ki hier männliche Endung)siehe auch Goetter des Himmels → Gluecksgoetter→ Goetter des Himmels/Trickster→ Goetter der Erde/Okuninushi→ Mythen → mehr das Feuer­kind in Stücke schlug, das den Tod der Götter­mutter Izanami Izanami 伊耶那美 / 伊奘冉 Göttermutter, Göttin der Unterwelt (mi hier weibliche Endung)siehe auch Goetter des Himmels → Gluecksgoetter→ Waechtergoetter/Wind und Donner→ Jenseits→ Goetter des Himmels/Trickster → mehr ver­ur­sacht hatte.) Als diese beiden „Feuer-Schwert-Götter“ dem Ōkuni­nushi ihre Schwert­künste demon­strieren, ist er schließ­lich bereit ab­zu­dan­ken und zieht sich an einen myste­riösen Ort (die Unterwelt?) zurück. Statt ihm soll nun Ninigi Ninigi 瓊瓊杵 mytholog. Gottheit, Enkel Amaterasussiehe auch Götter des Himmels → Bekannte Schreine/Itsukushima→ Goetter des Himmels→ Tengu→ Goetter des Himmels/Uzume → mehr , der Enkel der Sonnen­gott­heit, die Welt (bzw. Japan) regieren.

In dieser Episode zeichnet sich ein politischer Gegensatz zwischen einem Herrscher­ge­schlecht in der Gegend des Izumo Schreins (wo Susanoo und Ōkuninushi verehrt werden) und dem Tenno Geschlecht ab. Die Erzählung trägt deutlich pro­pagan­distische Züge, indem sie den Anschluss Izumos an das „Reich der Himmlischen Götter“ als frei­wil­ligen Herr­schafts­verzicht einer Lokal­dynastie darstellt und all­fällige Gewalt­anwen­dungen fast voll­kommen übergeht. Nur am Rande ist davon die Rede, dass einige auf­müp­fige Götter im Gefolge des Ōkuni­nushi bestraft werden mussten. Ein mehr­fach wieder­holter Stehsatz lautet, dass Bäume und Gräser, die zur Zeit Ōkuni­nushis vor­laut durch­ein­ander­quasselten, nun endlich zum Schweigen gebracht wurden. Trotz­dem deutet sich an, dass die Ent­mach­tung Ōkuni­nushis nicht ganz ohne Wider­stand erfolgte. Wie der weitere Verlauf der Erzählung ausführt, ist die Etablie­rung der Sonnen­dynastie auch mit Ninigi noch lange nicht abge­schlos­sen. (Siehe dazu auch den Essay zu Ōkuninushi.)

Die Dynastie des „Himmlischen Enkelsohns“

Ninigi, der Himmlische Enkelsohn, wählt als Ort seines Abstiegs interes­santer­weise weder Izumo, noch die zentral­japanische Kansai Region, sondern das von zahl­reichen Vulkanen zerklüftete Hochland Takachiho Takachiho 高千穂 Hochland im heutigen Kyushu, wo der Himmelsenkel Ninigi herabgestiegen sein soll im Zentrum der Insel Kyushu. Auf diese Weise bezieht die mythische Erzählung von der Staats­gründung Japans eine weitere Groß­landschaft mit ein, nämlich Kyushu, das seit altersher eine Brücke zwischen der Hauptinsel Honshu und der koreanischen Halbinsel bildet.

sarutahiko.jpg

Sarutahiko

Zeichnung (Tusche, Farbe). Meiji-Zeit

Finster blickt Sarutahiko der barbusigen Ame no Uzume entgegen.

Sarutahiko

Der ideologische Charakter der Ninigi-Episode äußert sich meines Er­achtens u.a. darin, dass seine Figur merk­würd flach und farb­los bleibt. Die ein­zigen Gestal­ten, die bei seinem Abstieg augen­fällig in Er­schei­nung treten, sind ein lang­nasi­ger Berg­gott namens Sarutahiko Sarutahiko 猿田彦 Mythologische Gottheit in Tengu-ähnlicher Gestaltsiehe auch→ Tengu→ Symboltiere→ Goetter des Himmels/Uzume , eine Art tengu tengu 天狗 Tengu, eine Art Kobold, meist in den Bergensiehe auch Tengu und Oni → Yamabushi→ Tengu→ Imaginaere Tiere→ Tengu/Tengu Motive → mehr , der den himm­lischen Göt­tern mit zwei­fel­haf­ten Droh­ge­bär­den ent­gegen tritt, und die be­reits er­wähnte tem­pera­ment­volle Ame no Uzume Ame no Uzume 天鈿女/ 天宇受賣 mythologische Gottheit, Ahnherrin des Theaterssiehe auch Uzume → Schreinpriester→ Gluecksgoetter→ Goetter des Himmels→ Tengu . Diese Ahn­herrin des ja­pani­schen Thea­ters ent­blößt ein wei­teres Mal ihre Brüste und drängt damit den un­heim­lichen Saruta­hiko in die Defen­sive, sodass er sich bereit er­klärt, Ninigi sicher zur Erde zu ge­leiten. Ame no Uzume und Saruta­hiko werden schließ­lich ein Paar.

Von Ninigi wird nur noch berichtet, dass er mit der Tochter eines lokalen Gottes drei Söhne zeugt, die myste­riöser­weise nach eintägiger Schwan­ger­schaft zur Welt kommen. Die Geschich­te dieser Nach­kom­men eröffnet ein weiteres mytho­logi­sches Kapitel, das geo­graphisch in Kyushu an­ge­siedelt ist und mit den vor­her­ge­gangen Erzäh­lungen kaum etwas gemein hat. Es beginnt mit einer Art Kain-und-Abel Geschichte von der Kon­kurrenz zweier Brüder (der dritte Sohn Ninigis fällt unter den Tisch). Der gute jüngere wird vom bösen älteren Bruder ge­zwun­gen, einen ver­lorenen Angel­haken zu suchen, gerät dabei zum Palast des Mee­res­gottes, der in Gestalt eines Drachens am Grunde des Meeres resi­diert, und ver­mählt sich mit seiner Tochter. Mit Hilfe seines mäch­tigen Schwie­ger­vaters gelingt es dem jün­geren Bruder letzt­lich, den bösen älteren Bruder zu be­siegen.

jinmu_yoshitoshi.jpg

Jinmu Tennō

Holzschnitt (Papier, Farbe) von Tsukioka Yoshitoshi (1839-1892). Feb. 1880; aus der Serie Dainippon meishō kagami („Spiegel der Helden des Großreichs Japan“), Nr. 37
Bildquelle: J-Blog. (Letzter Zugriff: 2011/11/3)

Die hier dargestellte Szene ist dem Nihon shoki entnommen. Dort heißt es, dass eine Schlacht gegen Ende von Jinmus Eroberungsfeldzug zugunsten dieses ersten Kaisers entschieden wurde, als sich ein goldener Raubvogel (kinshi 金鵄, eine Art Milan oder Weihe, jap. tobi) auf Jinmus Bogen niederließ und die Feinde derart blendete, dass sie unfähig waren, Widerstand zu leisten. Diese Episode wurde in der Meiji Zeit zum Anlass genommen, den höchsten militärischen Orden nach diesem goldenen Milan zu benennen. 1873 wurde außerdem im Gedenken an Jinmu ein Reichsgründungstag (kigensetsu) als neuer nationaler Feiertag (11. Februar) festgesetzt. Yoshitoshis Jinmu zeigt gewisse Ähnlichkeiten mit dem damaligen Kaiser Meiji. Zweifellos versuchte der Künstler im Einklang mit dem Geist seiner Zeit, eine Beziehung zwischen dieser heldenhaften Vorzeit und dem neuen Regime unter Meiji Tennō herzustellen.

Jinmu Tennō

Ein Urenkel Ninigis und zugleich Urenkel des Drachen/ Meeres­gottes ist Jinmu Tennō Jinmu Tennō 神武天皇 wtl. „göttlicher Krieger“; gemäß den japanischen Mythen der erste menschliche Herrscher (→ Tenno) Japanssiehe auch Götter der Erde → Goetter des Himmels→ Imaginaere Tiere→ Goetter der Erde/Okuninushi→ Staatsshinto , der den Chroni­ken zufolge der erste mensch­liche Herr­scher des Sonnen­geschlechts ist und daher als der erste Tenno ge­handelt wird. Worin er sich kon­kret von den Göt­tern unter­scheidet, bleibt aller­dings weit­gehend unklar. Jinmu Tenno steht aber auch inso­fern an der Schwelle von Mythos und Ge­schichte, als er als sieg­reicher An­führer eines histo­risch bis zu einem gewis­sen Grad nach­voll­zieh­baren Feld­zugs ge­schildert wird. Von Kyushu aus erobert er die zentral­japa­nischen Provinzen der Kansai Region, die mit den spä­teren Haupt­städ­ten Nara Nara 奈良 Hauptstadt und Sitz des Tenno, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyōsiehe auch Geschichtsperioden → Bekannte Tempel→ Tempel→ Tempel/Tempeltore→ Ise Izumo→ Bekannte Schreine/Kasuga → mehr und Kyoto zum Aus­gangs­punkt eines zentra­lisier­ten landes­weiten Staats­gebildes werden. Es ist dieser Feld­zug, von dem die Tenno-Dynastie ihren Macht­an­spruch über ganz Japan ableitet.

Mit Jinmu Tenno endet das Zeitalter der Götter. In den beiden ältesten Chroniken Kojiki Kojiki 古事記 „Aufzeichnung alter Begenheiten“; älteste jap. Chronik (712)siehe auch Mythentexte → Schreine/Torii→ Ise Izumo→ Ise Izumo/Izumo Schrein→ Bekannte Schreine/Itsukushima→ Gluecksgoetter → mehr und Nihon shoki Nihon shoki 日本書紀 Zweitältestes Schriftwerk und erste offizielle Reichschronik Japans (720)siehe auch Mythentexte → Opfergaben→ Schreine/Torii→ Ise Izumo→ Shinto/Jindo→ Ise Izumo/Izumo Schrein → mehr folgt nun eine Chrono­logie der nach­folgen­den Tenno, die immer stärker die Züge einer histo­rio­graphi­schen Auf­zeich­nung an­nimmt. Dennoch ist heute offen­kun­dig, dass die Re­kon­struk­tion der Tenno-Genea­logie ein Werk des sieben­ten und achten Jahr­hun­derts ist und trotz einiger histo­risch ernst zu nehmen­der Details auch viele nach­trägliche Geschichts­mani­pula­tionen be­inhal­tet. Neben trocken-sach­lichen Auf­zäh­lungen von Namen und Daten ent­halten auch die Chroni­ken der spä­teren Tenno viele mytho­logi­sche Epi­soden.

Die viel­leicht inte­res­san­teste Erzählung der Tenno-Dynastie handelt vom Erobe­rungs­feldzug der Kaiserin Jingū Kōgō Jingū Kōgō 神功皇后 mytholog. Kaiserinsiehe auch Götter der Erde → Shinto-Goetter→ Praehistorie/Himiko→ Praehistorie nach Korea. Nachdem sie für die Dauer der Schlacht ihre Schwan­ger­schaft hinaus­gezögert hat, bringt die Kaiserin schließ­lich einen Sohn zur Welt, den späte­ren Ōjin Tennō Ōjin Tennō 応神天皇 mytholog. Tennōsiehe auch Götter der Erde → Shinto-Goetter→ Symboltiere/Tauben→ Honji suijaku→ Bekannte Schreine/Hachiman , der sich in einem ande­ren Sagen­kreis als der Gott Hachiman Hachiman 八幡 Shinto Gottheit, Ahnengottheit des Tenno und des Kriegeradels; auch „Yawata“ ausgesprochensiehe auch Shinto-Götter → Bekannte Schreine→ Bekannte Schreine/Kasuga→ Shinto-Goetter→ Dainichi/Daibutsu → mehr rein­karniert und neben Ama­terasu zum wichtig­sten Ahnen­gott des Tenno-Hauses avan­ciert.

Mythologische Motive in Märchen und Legenden

Urashima tr2.gif

Neben den hier geschilderten „offiziellen Mythen“ gibt es noch eine Vielzahl von Märchen und Legenden, die ebenfalls mythische Züge tragen und in zahl­rei­chen Varianten erzählt werden. Am bekann­testen ist vielleicht die Geschichte von Urashima Tarō Urashima Tarō 浦島太郎 Held einer berühmten Sagesiehe auch Götter der Erde → Symboltiere→ Gluecksgoetter/Ebisu , dem Fischer, der eine Schildkröte rettet, dafür die Tochter des Drachen­königs am Grunde des Meeres heiratet, schließlich aber aus Sehn­sucht zurück in sein Heimat­dorf will. Dort an­ge­kommen stellt er fest, dass während seines Auf­ent­halts im Drachen­palast viele hundert Jahre vergangen sind. Als er in seiner Ver­zweiflung das Schatz­käst­chen öffnet, das ihm seine Frau mit­ge­geben hat, verliert er auch noch die Gabe der ewigen Jugend und stirbt.

Dem Drachenkönig am Grunde des Meeres begegnet man also bereits in den ältesten Mythen. Dieses Motiv ist in ganz Asien ver­breitet und auch in buddhistischen Legenden präsent. Aus diesen gemein­sa­men Motiven in Mythen und Legenden lässt sich ermessen, wie groß die Einflüsse des Fest­lands auf die japanische Kultur schon vor der Über­nahme der chinesi­schen Schrift­kultur gewesen sein müssen. (S.a. Drachenbilder)

Weiter zu Mythen: Jenseits
Ikonographie