Ame no Uzume, die Ahnherrin von Ritus, Tanz und Theater

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Bernhard Scheid, „Ame no Uzume, die Ahnherrin von Ritus, Tanz und Theater.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 22.9.2014). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Mythen:Goetter_des_Himmels/Uzume?oldid=42193

Ame no Uzume Ame no Uzume 天鈿女/ 天宇受賣 mythologische Gottheit, Ahnherrin des Theaterssiehe auch→ Schreinpriester→ Gluecksgoetter→ Goetter des Himmels→ Goetter der Erde→ Tengu tritt in den Mythen in zwei ent­schei­den­den Episo­den auf: Im Mythos von Amaterasu in der Felsen­höhle, wo sie die Sonnengottheit durch ihren Tanz aus der Höhle hervorlockt, und im Mythos von der Her­ab­kunft des Himm­li­schen Enkels. In beiden Fällen entblößt sie sich und bewirkt dadurch einen Sinneswandel ihres Gegenübers.

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Ame no Uzume

Buchillustration von Katsushika Hokusai. 1816; aus Hokusai manga, Bd. 5
Bildquelle: visipix (bearbeitet). (Letzter Zugriff: 2013/5/20)
. 1 Ame no Uzume
Buchillustration von Hokusai, 1816
 Uzume Taki Katei.jpg

Ame no Uzume

Blockdruck (Farbe, Papier) von Taki Katei (1832–1901), Detail. Bakumatsu Zeit, 1859
Bildquelle: Library of Congress. (Letzter Zugriff: 2013/5/22)
Uzume in der Kleidung einer Schreindienerin (miko), mit Schellen und Zickzack-Papier. Sie trägt die Züge der dicklichen und vergnügten Glücksgöttin Otafuku.
. 2 Ame no Uzume
Buchillustration von Taki Katei, 1866

Uzumes Entblößungen sind allerdings kein schnöder Striptease, sondern tragen gewisse rituelle Züge. Gleichzeitig wird ihr Tanz vor der Felsenhöhle auch als Urszene des japanischen Theaters angesehen. Die Gestalt der Uzume macht somit deut­lich, dass Tanz, Theater und Ritus in alter Zeit wohl nicht von ein­ander zu trennen waren, und verrät zudem, dass Spaß und Erotik im alten Ritual­wesen durchaus ihren Platz hatten.

Die mythologische Gestalt der Uzume

Uzumes bekannteste mythologische Episode handelt von ihrem Tanz vor der Felsenhöhle, in die sich die Sonnengottheit Amaterasu Amaterasu 天照 Sonnengottheit, Ahnherrin des Tennōsiehe auch Goetter des Himmels → Shinto→ Ise Izumo→ Shinto/Jindo→ Ise Izumo/Baustil Ise→ Ise Izumo/Izumo Schrein → mehr zurück gezogen hat. Während das Nihon shoki Nihon shoki 日本書紀 Zweitältestes Schriftwerk und erste offizielle Reichschronik Japans (720)siehe auch Mythentexte → Opfergaben→ Schreine/Torii→ Ise Izumo→ Shinto/Jindo→ Ise Izumo/Izumo Schrein → mehr Uzumes Tanz lediglich als heiter und ausgelassen schildert, spezifiziert das Kojiki Kojiki 古事記 „Aufzeichnung alter Begenheiten“; älteste jap. Chronik (712)siehe auch Mythentexte → Schreine/Torii→ Ise Izumo→ Ise Izumo/Izumo Schrein→ Bekannte Schreine/Itsukushima→ Gluecksgoetter → mehr , dass Uzume dabei ihre Brüste entblößt, was die versammelten Götter zu lautem Lachen reizt.1 In beiden Mythenvarianten erregt sie dadurch die Neugier der Sonnengottheit, die daraufhin ihre freiwillige Isolation beendet und die Welt wieder in ihrem Licht erstrahlen lässt.

Man kann sich diese tanzende Uzume wohl am ehesten als eine wilde, mit Beses­sen­heits­kulten in Verbin­dung stehende Shamanin vor­stellen. Die klassi­schen Quellen schildern ziemlich genau, dass sie sich aus Ranken, Gräsern und Baum­zweigen Arm- und Kopf­schmuck fertigt. Laut Nihon shoki hält sie außer­dem einen Speer in der Hand. So angetan steigt sie auf einen um­ge­stürzten Zuber, der als Reso­nanz­boden ihres stamp­fenden Tanzes dient, und verfällt in einen eksta­tischen Trance-Zustand.2

In der zweiten Episode gehört Uzume zum Ge­folge des „Himmli­schen Enkel­sohns“ Ninigi Ninigi 瓊瓊杵 mytholog. Gottheit, Enkel Amaterasussiehe auch Götter des Himmels → Bekannte Schreine/Itsukushima→ Goetter des Himmels→ Goetter der Erde→ Tengu → mehr , der die Herr­schaft auf der Erde an­treten soll. Im Zuge seines Ab­stiegs zur Erde stellt sich ihm und seinen Begleitern eine unheim­liche Gott­heit namens Sarutahiko Sarutahiko 猿田彦 Mythologische Gottheit in Tengu-ähnlicher Gestaltsiehe auch Goetter der Erde → Tengu→ Symboltiere (wtl. „Prinz des Affenfelds“) in den Weg. Saruta­hiko besitzt eine „sieben-Hand-lange“ Nase, ist zudem von un­ge­wöhn­lich hohem Wuchs und emittiert Licht­strahlen aus Mund und After. Die himm­lischen Götter wissen nicht, ob er feind­lich oder freund­lich ge­son­nen ist. Ame no Uzume ergreift die Ini­tiative, um die Sache zu klären, und ent­blößt vor dem selt­samen Gott ein weiteres Mal ihre Brüste, wobei sie in ver­ächt­liches Lachen ausbricht. Saruta­hiko erklärt darauf­hin, dass er gekommen sei, um dem Himmli­schen Enkel den Weg zu weisen. Ob dies sein ur­sprüng­liches Vor­haben war, oder ob Uzume ihn durch ihr Ver­halten dazu brachte, bleibt offen.

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Ame no Uzume und Sarutahiko

Illustration. Späte Edo-Zeit; aus Nakatomi ōbarai ezu
Bild © Suzuka bunko, Ehime University. (Letzter Zugriff: 2009/1)

Für ein sehr ähnliches Motiv von Kuniyoshi siehe hier.

. 3 Ame no Uzume und Sarutahiko
Buchillustration aus Nakatomi ōbarai ezu, einem Werk der späten Edo-Zeit
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Ame no Uzume und Sarutahiko

Blockdruck (Papier, Farbe) von Utagawa Kuniyoshi. Späte Edo-Zeit, 1856; aus der Serie Fūryū ningyō no uchi („Moderne Puppenfiguren“); 2 mal 25 x 36 cm
Bild © The Oriental Library, Tōhō bunko. (Letzter Zugriff: 2013/5)

Begegnung von Ame no Uzume und Sarutahiko. Im Hintergrund das Urgötterpaar Izanagi und Izanami. Die für Kuniyoshi untypisch naive, fast plumpe Darstellung könnte dem Umstand geschuldet sein, dass hier für eine Ausstellung lebensechter Puppen geworben wird, die 1855–56 in Edo stattfand. Kuniyoshi scheint sich an das Erscheinungsbild der Götter in der Ausstellung gehalten zu haben.

. 4 Ame no Uzume und Sarutahiko
Werbeplakat für eine Puppenausstellung, 1856

Uzume und Sarutahiko werden schlussendlich ein Paar und Uzume übernimmt von ihm den Namensteil „Affe“ (saru). Sie wird nun als Sarume sarume 猿女 Priestertänzerin; wtl. „Affenfrau“siehe auch Affen → Symboltiere no kimi — wtl. „Herrin der Affen­frauen“ tituliert. Affe ist dabei nicht als Schimpf­wort zu ver­stehen, sondern steht meta­phorisch für Schau­spieler, wie sich auch in einem alten Namen des Noh-Theaters andeutet: sarugaku sarugaku 猿楽 Alte Bezeichnung für Noh-Theater; wtl. „Affenmusik“siehe auch Affen → Symboltiere , wtl. „Affenmusik“. Die „Affen­frauen“ wiederum waren Priester-Tänze­rinnen des frühen Tenno-Hofes, die in Ame no Uzume ihre Ahnherrin erblickten. Uzumes Hand­lungen, ihr erotischer Tanz vor der Felsen­höhle und ihr provo­kantes Techtel­mechtel mit Sarutahiko, stehen also mit dem Ritual­wesen bei Hof in enger Bezie­hung und dienen als Grün­dungs­mythen für bestimmte, regel­mäßig praktizierte Zere­monien. Laut dem Kogo shūi Kogo shūi 古語拾遺 Chronik Japans (807) (verfasst 807) leitet sich insbe­sondere der „Ritus zur Besänf­ti­gung der Geister“ (chinkonsai chinkonsai 鎮魂祭 Zeremonie zur Beruhigung der Totengeistersiehe auch Geister ) auf den Tanz der Ame no Uzume zurück. Damit wird indirekt klar, dass die von Uzume adres­sierten Gott­heiten, Amaterasu und Sarutahiko, in einem entrückten, übelwollenden Zustand waren, der mitunter auch als aramitama aramitama 荒魂 wtl. rauer (wilder) Geist; gewalttätige Natur einer Gottheit (im Ggs. zu nigimitama, milder Geist)siehe auch Trickster , als wilder, bösartiger Seelen­zu­stand bezeichnet wird. Uzumes Aufgabe bestand also darin, die jewei­ligen Gott­heiten durch thea­tra­lische Mittel in einen milden Seelen­zustand (nigimitama nigimitama 和魂 wtl. milder Geist; wohltätige Natur einer Gottheit (im Ggs. zu aramitama, rauer Geist)) zu ver­setzen.

Uzume in kagura und ukiyoe

Die heute gängige ikonographische Form der Uzume hat mit der provokanten Shamanin auf den ersten Blick wenig zu tun. Sie zeigt die Göttin im Gewand einer modernen Schreindienerin (miko miko 巫女 Miko, kami-Priesterin, Schreindienerin; früher auch: weibliche Shamaninsiehe auch Schreinpriester → Gluecksgoetter/Ebisu ). Auch die Gegenstände, die sie in den Händen hält, sind meist dem neuzeitlichen Schreinritual entnommen.

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Ame no Uzume in Gestalt eines Kabuki-Schauspielers

Blockdruck (Farbe, Papier) von Utagawa Toyokuni (1769–1825), Detail; aus der Serie Iwato kagura no hajimari („Ursprung des kagura-Tanzes des Felsenhöhle“)
Bild © Kichō shogazō database, National Diet Library. (Letzter Zugriff: 2013/7)

Uzume (rechts) mit anderen Göttern, die Amaterasu aus der Höhle locken wollen. Die Figuren tragen die Züge von Kabuki Schauspielern, sind also relativ nahe an einer tatsächlichen Aufführung der Szene. Teil eines Tryptichons.

. 5 Ame no Uzume
repräsentiert durch einen Kabuki-Schauspieler
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. 6 Ame no Uzume
in einem rezenten kagura
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Die Kami locken die Gottheit des Lichts mit Musik aus der Höhle

Blockdruck, nishiki-e (Papier, Farbe) von Utagawa Hiroshige (1797–1858). Um 1850; aus der Serie Honchō nenreki zue (Illustrierte Chronologie Japans); 22,2 x 34,7 cm
Bild © British Museum. (Letzter Zugriff: 2013/7)

Im Vordergrund Tajikara, der die Aufgabe hat, einen Felsen vom Eingang der Höhle zu entfernen, damit die Sonnengottheit — hier durch Strahlen angedeutet — wieder herauskommen kann. Dahinter einige Musiker und Ame no Uzume bei ihrem Tanz, begleitet von Sarutahiko.

. 7 Uzume und Sarutahiko vor der Felsenhöhle

Diese Charakteristika stammen nicht direkt aus den Mythen, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach aus den sogenannten kagura kagura 神楽 Kagura, rituelle Tänze und Gesängesiehe auch→ Schreinpriester -Tänzen. Dies sind rituelle Tänze, die zumeist in Shinto Schreinen aufgeführt werden. Während die frühesten bekannten Formen keine dramatische Handlung besaßen, haben sich seit der Edo Edo 江戸 Sitz der Tokugawa Shogune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tokyosiehe auch Geschichtsperioden → Buddhismus→ Bekannte Tempel→ Shinto→ Stereotype/Herrigels Zen→ Bekannte Tempel/Berg Koya → mehr -Zeit kagura in Form von dramatisierten mythologischen Themen mehr und mehr verbreitet. Die Hervorlockung der Sonnengottheit stellt dabei — neben dem Kampf Susanoos mit der achtköpfigen Schlange Yamata no Orochi Yamata no Orochi 八岐大蛇 Mythologische Schlange (Drache) mit acht Köpfensiehe auch Goetter der Erde → Imaginaere Tiere→ Goetter des Himmels/Trickster→ Imaginaere Tiere/Drachenbilder→ Symboltiere/Namazu-e — eines der populärsten Sujets dar. Seltsamerweise tritt in den kagura neben Uzume stets auch Sarutahiko auf, das Tanztheater verschmilzt also die beiden mythologischen Episoden vom Tanz vor der Felsenhöhle und dem Abstieg des Himmlischen Enkels. Auch auf den entsprechenden ukiyoe ukiyoe 浮世絵 „Bilder der fließenden Welt“, populäre Holzblockdrucke der Edo-Zeitsiehe auch Kaidan → Matsuri/Phalluskulte→ Geister→ Imaginaere Tiere/Drachenbilder→ Verwandlungskuenstler/Kitsune → mehr ist zumeist Sarutahiko neben Uzume vor der Felsenhöhle zu erkennen.

Otafuku, Okame, Oto Goze: Uzume als Glücksgöttin

Die erotische Rolle, die Uzume in den Mythen inne hat, kommt in späteren Illustrationen zwar allenthalben zum Ausdruck, doch ist Uzume alles andere als ein Vamp oder eine femme fatale. Statt dessen wurde ihre Gestalt ironisiert und erhielt das Aussehen einer komischen, bisweilen auch dezidiert hässlichen weiblichen Gestalt. Angeblich soll auch ihr Name auf diese Hässlichkeit hindeuten (wobei die Etymologie allerdings nicht über jeden Zweifel erhaben ist): Aston (1896) übersetzt Uzume mit „terrible female“, Florenz (1919) mit „abschreckendes Weib“.3 Jedenfalls wurde Uzume in einer wenig attraktiven, aber komischen Gestalt schließlich sogar zu einer Glücks­göttin, wobei gerade ihr hässliches Aussehen dem Vertreiben von Unglück förderlich sein soll.

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Oto-goze

Kyōgen-Maske (Holz, Farbe). Muromachi-Zeit, 15./16. Jh.; Museum Folkswang, Essen; 18,5 x 15,5 x 8 cm
Bild © Hans Hansen, 2009. (Letzter Zugriff: 2012/6)

Oto-goze, auch Okame oder Otafuku, eine komödiantische Figur des Kyōgen Theaters. Sie wird auch als Erscheinung der Ame no Uzume, der Ahnherrin des japanischen Theaters, angesehen.

. 8 Maske der Oto-goze, 15./16. Jh.
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Dämon und Glück (otafuku)

Illustration (Papier, Tusche, Farbe) von Shibata Zeshin (1807-1891)
Bild © Hatena Fotolife, Etsuko and Joe Price Collection. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Illustration des volkstümlichen Brauches, die Oni zum Setsubun-Fest mit Bohnen aus dem Haus zu treiben um das Glück einzuladen. Das Glück ist hier in Form der Göttin Otafuku dargestellt.

. 9 Otafuku, 19. Jh.
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Ame no Uzume

Gipsrelief (Gips, Farbe) von Irie Chōhachi (1815–1889), Detail. Meiji Zeit, 19. Jh.
Bild © Master plasterer Izu-no-Chohachi. (Letzter Zugriff: 2013/5)

Ame no Uzume mit entblößten Brüsten, hier unter dem Namen Okame.

. 10 Uzume von Irie Chōhachi (1815–1889)

Als volkstümlich komödiantische Glücks­bringerin ist Uzume auch unter Namen wie Otafuku Otafuku 大多福 komödiantische weibliche Glücksgottheit; wtl. „Großes Glück“ oder Okame bekannt ist. Jedes Kind in Japan kennt Otafuku als dicke, kleine Frau mit birnen­förmi­gem Gesicht, einer hohen Stirn und kleinen lachen­den Augen. Diese äußer­lichen Merk­male lassen sich auf eine Figur des komö­dianti­schen kyōgen kyōgen 狂言 komödiantischer Zwischenakt im Noh Theatersiehe auch Kitsune -Theaters namens Oto-goze Oto-goze 乙御前 Nonne Oto; komödiantische weibliche Maske des kyōgen-Theaters; Glücksgottheit zurück­führen. Diese eher derbe Gestalt gehört zur Kate­gorie der „häss­lichen Frauen“ (shikome shikome 醜女 „hässliche Frau“; Figur des Noh Theaters; Variante der Ama no Uzume; auch: Dämonin der Unterwelt (in der Izanami-Episode)siehe auch Uzume → Goetter des Himmels ) im Kyōgen und stellt einen be­wussten Kontrast zur ätheri­schen Schön­heit der weib­lichen Noh-Masken dar.

Ob die Figur der Oto-goze von Anfang an mit Uzume identi­fiziert wurde, oder ob dies erst eine sekun­däre Entwick­lung darstellt, ist unklar. Jedenfalls ist die ent­spre­chende Maske seit der Muromachi Muromachi 鎌倉 Stadtteil in Kyoto; Sitz des Ashikaga Shogunats 1336–1573 (= Muromachi-Zeit)siehe auch Geschichtsperioden → Stereotype→ Gluecksgoetter→ Kamakura→ Amidismus → mehr -Zeit bekannt und prägt nicht nur die bis heute popu­lären Otafuku-Darstel­lungen, sondern auch die Dar­stel­lungen der mytho­logi­schen Uzume. In dieser Form trat Ame no Uzume einst sogar als einzige Frau im Ensemble der Sieben Glücks­götter (shichi fukujin shichi fukujin 七福神 Die Sieben Glücksgöttersiehe auch Gluecksgoetter → Gluecksgoetter/Ebisu→ Gluecksgoetter/Bishamonten ) auf, wurde Anfang der Edo Edo 江戸 Sitz der Tokugawa Shogune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tokyosiehe auch Geschichtsperioden → Buddhismus→ Bekannte Tempel→ Shinto→ Stereotype/Herrigels Zen→ Bekannte Tempel/Berg Koya → mehr -Zeit aller­dings von Benzaiten Benzaiten 弁才天/ 弁財天 Glücksgöttin, Gottheit des Wassers, der Musik und der Beredsamkeit; skt. Sarasvati; auch: Bentensiehe auch Benzaiten → Ikonographie→ Schreine/Torii→ Bekannte Schreine→ Bekannte Schreine/Itsukushima→ Matsuri/Hadaka matsuri → mehr ver­drängt.4

Wie man an den Abbildungen des 19. Jahrhunderts erkennt, haben manche Illustra­toren die an­geb­liche Häss­lich­keit der Uzume/ Otafuku sehr wört­lich genom­men, viel­leicht auch, um die ero­tische Kompo­nente der mytho­logi­schen Erzäh­lung ab­zuschwä­chen. Im allge­meinen hat sich aber ein hu­moris­tischer, durchaus nicht un­attrak­tiver Er­schei­nungs­typ der Uzume durch­gesetzt, der bei­spiel­haft in Hokusais Dar­stellung am Anfang dieser Seite wieder­ge­geben ist (s.o.).

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Ame no Uzume in einer parodistischen Darstellung

Ekin (1812-76)
Bildquelle: Muian
. 12 Ame no Uzume
parodistische Darstellung von Ekin (1812-1876)
  uzume_hokkei.jpg

Ame no Uzume

Blockdruck, surimono (Farbe, Papier) von Totoya Hokkei (1780–1850). Edo-Zeit; aus der Serie Haru no iwato („Das Felsentor des Frühlings“), 1820er Jahre
Bild © Museum of Fine Arts, Boston. (Letzter Zugriff: 2013/7)
William Sturgis Bigelow Collection

Teil einer Serie von Göttern aus dem Mythos der Felsenhöhle; als Neujahrskarte konzipiert. Siehe auch SarutahikoSarutahiko hokkei.jpg

. 13 Ame no Uzume
Holzschnitt von Hokkei
Uzume_kosugi.jpg

Ame no Uzume no Mikoto

Ölbild, nihonga (Leinwand, Ölfarbe) von Kosugi Hōan (1881–1964). 1951; Idemitsu Bijutsukan, Tokyo; 83,5 x 208,8 cm
Bild © Chiyoda Days. (Letzter Zugriff: 2013/7)

Ame no Uzume in einer modernen Interpretation. Amaterasu ist hier durch die Sonnenscheibe repräsentiert.

. 14 Moderne Version der Uzume (1951)

Verweise

Fußnoten

  1. Vgl. Aston 1972 I, S. 44–45; Florenz 1919, S. 39–40 und 155–56
  2. Während das Stampfen in der japanischen Tradition, namentlich im Noh, durchaus erhalten blieb, ist die Entblößung kein Element des klassi­schen japanischen Theaters. Im butoh (wtl. Stampftanz) des 20. Jahrhunderts wurden beide Elemente allerdings erneut mit einander verbunden.
  3. Beide Übersetzer beziehen sich dabei auf eine Erklärung des Namens Uzume im Kogo shūi Kogo shūi 古語拾遺 Chronik Japans (807) (807), das einen Zusammenhang mit ozoshi, „furchtbar“, herstellt. S. z.B. Florenz 1919, S. 421–22.
  4. Kita Sadakichi, „Shichifukujin no seiritsu“ (Die Entstehung der Sieben Glücksgötter) 1935, nach Miyata 1998, S. 304–305

Bilderläuterungen

  1. Uzume-hokusai.jpg

    Ame no Uzume

    Buchillustration von Katsushika Hokusai. 1816; aus Hokusai manga, Bd. 5
    Bildquelle: visipix (bearbeitet). (Letzter Zugriff: 2013/5/20)
  2. Uzume Taki Katei.jpg

    Ame no Uzume

    Blockdruck (Farbe, Papier) von Taki Katei (1832–1901), Detail. Bakumatsu Zeit, 1859
    Bildquelle: Library of Congress. (Letzter Zugriff: 2013/5/22)

    Uzume in der Kleidung einer Schreindienerin (miko), mit Schellen und Zickzack-Papier. Sie trägt die Züge der dicklichen und vergnügten Glücksgöttin Otafuku.

  3. Uzume sarutahiko.jpg

    Ame no Uzume und Sarutahiko

    Illustration. Späte Edo-Zeit; aus Nakatomi ōbarai ezu
    Bild © Suzuka bunko, Ehime University. (Letzter Zugriff: 2009/1)

    Für ein sehr ähnliches Motiv von Kuniyoshi siehe hier.

  4. Uzume Sarutahiko ningyo.jpeg

    Ame no Uzume und Sarutahiko

    Blockdruck (Papier, Farbe) von Utagawa Kuniyoshi. Späte Edo-Zeit, 1856; aus der Serie Fūryū ningyō no uchi („Moderne Puppenfiguren“); 2 mal 25 x 36 cm
    Bild © The Oriental Library, Tōhō bunko. (Letzter Zugriff: 2013/5)

    Begegnung von Ame no Uzume und Sarutahiko. Im Hintergrund das Urgötterpaar Izanagi und Izanami. Die für Kuniyoshi untypisch naive, fast plumpe Darstellung könnte dem Umstand geschuldet sein, dass hier für eine Ausstellung lebensechter Puppen geworben wird, die 1855–56 in Edo stattfand. Kuniyoshi scheint sich an das Erscheinungsbild der Götter in der Ausstellung gehalten zu haben.

  5. Uzume toyokuni.jpg

    Ame no Uzume in Gestalt eines Kabuki-Schauspielers

    Blockdruck (Farbe, Papier) von Utagawa Toyokuni (1769–1825), Detail; aus der Serie Iwato kagura no hajimari („Ursprung des kagura-Tanzes des Felsenhöhle“)
    Bild © Kichō shogazō database, National Diet Library. (Letzter Zugriff: 2013/7)

    Uzume (rechts) mit anderen Göttern, die Amaterasu aus der Höhle locken wollen. Die Figuren tragen die Züge von Kabuki Schauspielern, sind also relativ nahe an einer tatsächlichen Aufführung der Szene. Teil eines Tryptichons.

  6. Uzume kagura.jpg
  7. Iwado hiroshige.jpg

    Die Kami locken die Gottheit des Lichts mit Musik aus der Höhle

    Blockdruck, nishiki-e (Papier, Farbe) von Utagawa Hiroshige (1797–1858). Um 1850; aus der Serie Honchō nenreki zue (Illustrierte Chronologie Japans); 22,2 x 34,7 cm
    Bild © British Museum. (Letzter Zugriff: 2013/7)

    Im Vordergrund Tajikara, der die Aufgabe hat, einen Felsen vom Eingang der Höhle zu entfernen, damit die Sonnengottheit — hier durch Strahlen angedeutet — wieder herauskommen kann. Dahinter einige Musiker und Ame no Uzume bei ihrem Tanz, begleitet von Sarutahiko.

  8. Otogoze.jpg

    Oto-goze

    Kyōgen-Maske (Holz, Farbe). Muromachi-Zeit, 15./16. Jh.; Museum Folkswang, Essen; 18,5 x 15,5 x 8 cm
    Bild © Hans Hansen, 2009. (Letzter Zugriff: 2012/6)

    Oto-goze, auch Okame oder Otafuku, eine komödiantische Figur des Kyōgen Theaters. Sie wird auch als Erscheinung der Ame no Uzume, der Ahnherrin des japanischen Theaters, angesehen.

  9. Oni shibata.jpg

    Dämon und Glück (otafuku)

    Illustration (Papier, Tusche, Farbe) von Shibata Zeshin (1807-1891)
    Bild © Hatena Fotolife, Etsuko and Joe Price Collection. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Illustration des volkstümlichen Brauches, die Oni zum Setsubun-Fest mit Bohnen aus dem Haus zu treiben um das Glück einzuladen. Das Glück ist hier in Form der Göttin Otafuku dargestellt.

  10. Uzume Izu-no-Chohachi.jpg

    Ame no Uzume

    Gipsrelief (Gips, Farbe) von Irie Chōhachi (1815–1889), Detail. Meiji Zeit, 19. Jh.
    Bild © Master plasterer Izu-no-Chohachi. (Letzter Zugriff: 2013/5)

    Ame no Uzume mit entblößten Brüsten, hier unter dem Namen Okame.

  11. Daikoku Uzume.jpg

    Daikoku, Otafuku und Jurōjin

    Illustration von Kawanabe Kyōsai. 1889
    Bildquelle: Wikimedia Commons. (Letzter Zugriff: 2013/5/20)

    Im Vordergrund Daikoku auf einem Ochsen, geführt von Otafuku (Ame no Uzume). Im Hintergrund Jurōjin, der sich mit seinem Reittier abmüht. Das Bild wurde laut Inschrift am zweiten Neujahrstag angefertigt. Die Glücksgötter waren und sind ein beliebtes Neujahrsmotiv. Auch die Kombination mit einem Ochsen als Reittier ist nicht ungewöhnlich. Interessant ist vor allem, dass als weibliche Begleiterin Daikokus nicht Benzaiten in Erscheinung tritt, sondern die komödiantische Otafuku.

  12. Uzume ekin.jpg

    Ame no Uzume in einer parodistischen Darstellung

    Ekin (1812-76)
    Bildquelle: Muian
  13. Uzume hokkei.jpg

    Ame no Uzume

    Blockdruck, surimono (Farbe, Papier) von Totoya Hokkei (1780–1850). Edo-Zeit; aus der Serie Haru no iwato („Das Felsentor des Frühlings“), 1820er Jahre
    Bild © Museum of Fine Arts, Boston. (Letzter Zugriff: 2013/7)
    William Sturgis Bigelow Collection

    Teil einer Serie von Göttern aus dem Mythos der Felsenhöhle; als Neujahrskarte konzipiert. Siehe auch SarutahikoSarutahiko hokkei.jpg

  14. Uzume kosugi.jpg

    Ame no Uzume no Mikoto

    Ölbild, nihonga (Leinwand, Ölfarbe) von Kosugi Hōan (1881–1964). 1951; Idemitsu Bijutsukan, Tokyo; 83,5 x 208,8 cm
    Bild © Chiyoda Days. (Letzter Zugriff: 2013/7)

    Ame no Uzume in einer modernen Interpretation. Amaterasu ist hier durch die Sonnenscheibe repräsentiert.

Links und Literatur

William George Aston (Ü.) 1972
Nihongi: Chronicles of Japan from the Earliest Times to A.D. 697. Rutland, Vt: Tuttle 1972. [Erste Auflage: London 1896.]
Karl Florenz (Ü.) 1919
Die historischen Quellen der Shinto-Religion. Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht 1919. [Übersetzungen von Kojiki und Nihon shoki (in Auszügen) sowie Kogo shūi (ganz).]
Miyata Noboru 宮田登 (Hg.) 1998
Shichifukujin shinkō jiten 七福神信仰事典. Tokyo: Ebisu Kōshō Shuppan 1998.
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