Ame no Uzume, die Ahnherrin von Ritus, Tanz und Theater

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Bernhard Scheid, „Ame no Uzume, die Ahnherrin von Ritus, Tanz und Theater.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 29.8.2015). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Mythen/Goetter_des_Himmels/Uzume?oldid=58313X

Ame no Uzume Ame no Uzume 天鈿女/ 天宇受賣 mythologische Gottheit, Ahnherrin des Theaterssiehe auch→ Bauten/Ise Izumo/Schreinanlage Ise→ Alltag/Schreinpriester→ Ikonographie/Gluecksgoetter→ Mythen/Goetter des Himmels→ Mythen/Goetter der Erde → mehr tritt in den Mythen in zwei ent­schei­den­den Episo­den auf: Im Mythos von Amaterasu in der Felsen­höhle, wo sie die Sonnen­gottheit durch ihren Tanz aus der Höhle hervor­lockt, und im Mythos von der Her­ab­kunft des Himm­li­schen Enkels. In beiden Fällen ent­blößt sie sich und bewirkt dadurch einen Sinnes­wandel ihres Gegen­übers.

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Ame no Uzume

Buchillustration, kami von Katsushika Hokusai. 1816; aus Hokusai manga, Bd. 5
Bildquelle: visipix (bearbeitet). (Letzter Zugriff: 2013/5/20)

Darstellung der Ame no Uzume

. 1 Ame no Uzume
Buchillustration von Hokusai, 1816
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Ame no Uzume

Farbholzschnitt, kami (Farbe, Papier) von Taki Katei (1832–1901), Detail. Bakumatsu Zeit, 1859
Bildquelle: Library of Congress. (Letzter Zugriff: 2013/5/22)

Ame no Uzume in der Kleidung einer Schreindienerin (miko), mit Schellen und Zickzack-Papier. Sie trägt die Züge der dicklichen und vergnügten Glücksgöttin Otafuku.

. 2 Ame no Uzume
Buchillustration von Taki Katei, 1866

Uzumes Ent­blößun­gen sind allerdings kein schnöder Strip­tease, sondern tragen gewisse rituelle Züge. Gleich­zeitig wird ihr Tanz vor der Felsen­höhle auch als Ur­szene des japa­nischen Theaters an­gesehen. Die Gestalt der Uzume macht somit deut­lich, dass Tanz, Theater und Ritus in alter Zeit wohl nicht von ein­ander zu trennen waren, und verrät zudem, dass Spaß und Erotik im alten Ritual­wesen durchaus ihren Platz hatten.

Die mythologische Gestalt der Uzume

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Ame no Uzume

Hängerollbild, kami (Papierdruck), Detail. Meiji-Zeit; Völkerkundemuseum Zürich (Inv.-Nr. 19401); 105,5 x 25 cm
Bild © Tomoe Steineck, Martina Wernsdörfer, Raji Steineck, WegZeichen: Japanische Kult- und Pilgerbilder. Die Sammlung Wilfried Spinner (1854–1918). Zürich: VMZ (Ausstellungskatalog), Abb. 68

Die auf einem Zuber tanzende Ame no Uzume in einer an den klassischen Mythen orientierten Darstellung.

. 3 Ame no Uzume, Meiji-Zeit

Uzumes bekann­teste mytholo­gische Episode handelt von ihrem Tanz vor der Felsen­höhle, in die sich die Sonnen­gottheit Amaterasu Amaterasu 天照 Sonnengottheit; Ahnherrin des Tennō-Geschlechtssiehe auch Goetter des Himmels → Grundbegriffe/Shinto→ Alltag/Pilgerschaft→ Bauten/Ise Izumo→ Grundbegriffe/Shinto/Jindo→ Bauten/Ise Izumo/Schreinanlage Ise → mehr zurück gezogen hat. Während das Nihon shoki Nihon shoki 日本書紀 Zweitältestes Schriftwerk und erste offizielle Reichschronik Japans (720)siehe auch Mythentexte → Alltag/Opfergaben→ Bauten/Schreine/Torii→ Bauten/Ise Izumo→ Grundbegriffe/Shinto/Jindo→ Bauten/Ise Izumo/Izumo Schrein → mehr Uzumes Tanz lediglich als heiter und aus­gelassen schildert, spezifiziert das Kojiki Kojiki 古事記 „Aufzeichnung alter Begebenheiten“; älteste jap. Chronik (712)siehe auch Mythentexte → Bauten/Schreine/Torii→ Bauten/Ise Izumo→ Bauten/Ise Izumo/Izumo Schrein→ Bauten/Bekannte Schreine/Itsukushima→ Ikonographie/Gluecksgoetter → mehr , dass Uzume dabei ihre Brüste entblößt, was die versam­melten Götter zu lautem Lachen reizt. In beiden Mythen­varianten erregt Uzume auf diese Weise die Neugier der Sonnen­gottheit, die daraufhin ihre freiwillige Isolation beendet und die Welt wieder in ihrem Licht er­strahlen lässt.

Während­dessen befestigte Amé-nó-uzume-nó-mikótó die Ranken vom himm­lischen Schatten­gewächs (hikage) des [Berges] Amé-no-kagu-yama als Ärmel­band, machte die himmlischen masaki-Ranken zum Haar­schmuck, nahm die Blätter des Kleinen Bambus vom [Berg] Amé-no-kagu-yama zu einem Strauß gebunden in die Hand, stellte neben der Tür des Himm­lischen Felsen­hauses einen Kübel auf, trat dröhnend darauf und vollzog eine göttliche Beses­senheit. Sie ließ die Brüste heraus­hängen und zog das Saum­band ihres Gewandes hinab bis zur Scheide. Da geriet das Hohe Himmels­gefilde in Aufruhr, und die acht Millionen Gott­heiten brachen alle vereint in Lachen aus.1

Man kann sich diese tanzende Uzume also am ehesten als eine wilde, mit Beses­sen­heits­kulten in Verbin­dung stehende Shamanin vor­stellen, die sich aus Ranken, Gräsern und Baum­zweigen Arm- und Kopf­schmuck fertigt. Laut dem Nihon shoki hält sie außer­dem einen Speer in der Hand. So angetan steigt sie auf einen um­ge­stürzten Zuber, der als Reso­nanz­boden ihres stamp­fenden Tanzes dient, und verfällt in einen eksta­tischen Trance-Zustand.2

In der zweiten Episode gehört Uzume zum Ge­folge des „Himmli­schen Enkel­sohns“ Ninigi Ninigi 瓊瓊杵 mytholog. Gottheit, Enkel Amaterasussiehe auch Goetter des Himmels → Bauten/Ise Izumo/Schreinanlage Ise→ Bauten/Bekannte Schreine/Itsukushima→ Mythen/Goetter der Erde→ Mythen/Tengu → mehr , der die Herr­schaft auf der Erde an­treten soll. Im Zuge seines Ab­stiegs zur Erde stellt sich ihm und seinen Begleitern eine unheim­liche Gott­heit namens Sarutahiko Sarutahiko 猿田彦 Mythologische Gottheit in Tengu-ähnlicher Gestaltsiehe auch Goetter der Erde → Bauten/Ise Izumo/Schreinanlage Ise→ Mythen/Tengu→ Mythen/Symboltiere→ Mythen/Tengu/Tengu Motive (wtl. „Prinz des Affenfelds“) in den Weg. Saruta­hiko besitzt eine „sieben-Hand-lange“ Nase, ist zudem von un­ge­wöhn­lich hohem Wuchs und emittiert Licht­strahlen aus Mund und After. Die himm­lischen Götter wissen nicht, ob er feind­lich oder freund­lich ge­son­nen ist. Ame no Uzume ergreift die Ini­tiative, um die Sache zu klären, und ent­blößt vor dem selt­samen Gott ein weiteres Mal ihre Brüste, wobei sie in ver­ächt­liches Lachen ausbricht. Saruta­hiko erklärt darauf­hin, dass er gekommen sei, um dem Himmli­schen Enkel den Weg zu weisen. Ob dies sein ur­sprüng­liches Vor­haben war, oder ob Uzume ihn durch ihr Ver­halten dazu brachte, bleibt offen. Auffallend ist jedoch, dass sich Uzume in beiden Szenen einer Art Strip­tease bedient, um andere Gott­heiten zu mani­pulieren.

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Ame no Uzume und Sarutahiko

Illustration, kami. Späte Edo-Zeit; aus Nakatomi ōbarai ezu
Bild © Suzuka bunko, Ehime University. (Letzter Zugriff: 2009/1)

Darstellung von Ame no Uzume und Sarutahiko. Für ein sehr ähnliches Motiv von Kuniyoshi siehe hier.

. 4 Ame no Uzume und Sarutahiko
Buchillustration aus Nakatomi ōbarai ezu, einem Werk der späten Edo-Zeit
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Ame no Uzume und Sarutahiko

Farbholzschnitt, kami (Papier, Farbe) von Utagawa Kuniyoshi. Späte Edo-Zeit, 1856; aus der Serie Fūryū ningyō no uchi („Moderne Puppenfiguren“); 2 mal 25 x 36 cm
Bild © The Oriental Library, Tōhō bunko. (Letzter Zugriff: 2013/5)

Begegnung von Ame no Uzume und Sarutahiko. Im Hintergrund das Urgötterpaar Izanagi und Izanami. Die für Kuniyoshi untypisch naive, fast plumpe Darstellung könnte dem Umstand geschuldet sein, dass hier für eine Ausstellung lebensechter Puppen geworben wird, die 1855–56 in Edo stattfand. Kuniyoshi scheint sich an das Erscheinungsbild der Götter in der Ausstellung gehalten zu haben.

. 5 Ame no Uzume und Sarutahiko
Werbeplakat für eine Puppenausstellung, 1856

Uzume und Saruta­hiko werden schluss­endlich ein Paar und Uzume übernimmt von ihm den Namens­teil „Affe“ (saru saru Affesiehe auch Drei Affen → Mythen/Symboltiere ). Sie wird nun als Sarume sarume 猿女 Priestertänzerin; wtl. „Affenfrau“siehe auch Affen → Mythen/Symboltiere no kimi — wtl. „Herrin der Affen­frauen“ tituliert. Affe ist dabei nicht als Schimpf­wort zu ver­stehen, sondern steht meta­phorisch für Schau­spieler, wie sich auch in einem alten Namen des Nō-Theaters andeutet: sarugaku sarugaku 猿楽 Alte Bezeichnung für Nō-Theater; wtl. „Affenmusik“siehe auch Affen → Mythen/Symboltiere , wtl. „Affenmusik“. Die „Affen­frauen“ wiederum waren Priester-Tänze­rinnen des frühen Tennō-Hofes, die in Ame no Uzume ihre Ahn­herrin erblickten. Uzumes Hand­lungen, ihr eroti­scher Tanz vor der Felsen­höhle und ihr provo­kantes Techtel­mechtel mit Saruta­hiko, stehen also mit dem Ritual­wesen bei Hof in enger Bezie­hung und dienen als Grün­dungs­mythen für bestimmte, regel­mäßig praktizierte Zere­monien. Laut dem Kogo shūi Kogo shūi 古語拾遺 Chronik Japans (807) (verfasst 807) leitet sich insbe­sondere der „Ritus zur Besänf­ti­gung der Geister“ (chinkonsai chinkonsai 鎮魂祭 Zeremonie zur Beruhigung der Totengeistersiehe auch Geister ) auf den Tanz der Ame no Uzume zurück. Damit wird indirekt klar, dass die von Uzume adres­sierten Gott­heiten, Amaterasu und Sarutahiko, in einem ent­rückten, übel­wollen­den Zustand waren, der mitunter auch als aramitama aramitama 荒魂 wtl. rauer (wilder) Geist; gewalttätige Natur einer Gottheit (im Ggs. zu nigimitama, milder Geist)siehe auch Trickster , als wilder, bösartiger Seelen­zu­stand bezeichnet wird. Uzumes Aufgabe bestand also darin, die jewei­ligen Gott­heiten durch thea­tra­lische Mittel in einen milden Seelen­zustand (nigimitama nigimitama 和魂 wtl. milder Geist; wohltätige Natur einer Gottheit (im Ggs. zu aramitama, rauer Geist)) zu ver­setzen.

Uzume in kagura und ukiyoe

Die heute gängige ikono­graphische Form der Uzume hat mit der provo­kanten Shamanin auf den ersten Blick wenig zu tun. Sie zeigt die Göttin im Gewand einer modernen Schrein­dienerin (miko miko 巫女 Miko, kami-Priesterin, Schreindienerin; auch: weibliche Shamanin; andere Schreibungen 神子 (Gott-Kind) oder 御子 (erhabenes Kind)siehe auch Schreinpriester → Alltag/Yamabushi/Itako→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Ebisu ). Auch die Gegen­stände, die sie in den Händen hält, sind meist dem neu­zeit­lichen Schrein­ritual ent­nommen.

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Ame no Uzume in Gestalt eines Kabuki-Schauspielers

Farbholzschnitt, kami (Farbe, Papier) von Utagawa Toyokuni (1769–1825), Detail; aus der Serie Iwato kagura no hajimari („Ursprung des kagura-Tanzes des Felsenhöhle“)
Bild © Kichō shogazō database, National Diet Library. (Letzter Zugriff: 2013/7)

Ame no Uzume (rechts) mit anderen Göttern, die Amaterasu aus der Höhle locken wollen. Die Figuren tragen die Züge von Kabuki-Schauspielern, sind also relativ nahe an einer tatsächlichen Aufführung der Szene. Teil eines Tryptichons.

. 6 Ame no Uzume
repräsentiert durch einen Kabuki-Schauspieler
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Ame no Uzume

Ame no Uzume, dargestellt von einem kagura-Tänzer.

. 7 Ame no Uzume
in einem rezenten kagura
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Die Kami locken die Gottheit des Lichts mit Musik aus der Höhle

Farbholzschnitt, kami (Papier, Farbe) von Utagawa Hiroshige (1797–1858). Um 1850; aus der Serie Honchō nenreki zue (Illustrierte Chronologie Japans); 22,2 x 34,7 cm
Bild © British Museum. (Letzter Zugriff: 2013/7)

Im Vordergrund Tajikara, der die Aufgabe hat, einen Felsen vom Eingang der Höhle zu entfernen, damit die Sonnengottheit — hier durch Strahlen angedeutet — wieder herauskommen kann. Dahinter einige Musiker und Ame no Uzume bei ihrem Tanz, begleitet von Sarutahiko.

. 8 Uzume und Sarutahiko vor der Felsenhöhle

Diese Charakte­ristika stammen nicht direkt aus den Mythen, sondern aller Wahr­scheinlich­keit nach aus den soge­nannten kagura kagura 神楽 rituelle Tänze und Gesängesiehe auch→ Alltag/Schreinpriester -Tänzen. Dies sind rituelle Tänze, die zumeist in Shintō-Schreinen auf­geführt werden. Während die frühesten bekannten Formen keine drama­tische Handlung besaßen, haben sich seit der Edo Edo 江戸 Sitz der Tokugawa Shōgune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tōkyōsiehe auch Geschichtsperioden → Grundbegriffe/Buddhismus→ Bauten/Bekannte Tempel→ Grundbegriffe/Shinto→ Grundbegriffe/Stereotype/Herrigels Zen→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya → mehr -Zeit kagura in Form von drama­tisierten mytholo­gischen Themen mehr und mehr verbreitet. Die Hervor­lockung der Sonnen­gottheit stellt dabei — neben dem Kampf Susanoos mit der acht­köpfigen Schlange Yamata no Orochi Yamata no Orochi 八岐大蛇 Mythologische Schlange (Drache) mit acht Köpfensiehe auch Goetter der Erde → Mythen/Imaginaere Tiere→ Mythen/Goetter des Himmels/Trickster→ Mythen/Imaginaere Tiere/Drachenbilder→ Mythen/Symboltiere/Namazu-e — eines der popu­lärsten Sujets dar. Selt­samer­weise tritt in den kagura neben Uzume stets auch Sarutahiko auf, das Tanz­theater verschmilzt also die beiden mytholo­gischen Episoden vom Tanz vor der Felsen­höhle und dem Abstieg des Himm­lischen Enkels. Auch auf den ent­sprechen­den ukiyo-e ukiyo-e 浮世絵 „Bilder der fließenden Welt“, populäre Farbholzschnitte der Edo-Zeitsiehe auch Kaidan → Ikonographie→ Bauten/Bekannte Tempel/Asakusa→ Alltag/Pilgerschaft→ Alltag/Matsuri/Phalluskulte→ Mythen/Geister → mehr ist zumeist Saruta­hiko neben Uzume vor der Felsen­höhle zu erkennen.

Otafuku, Okame, Oto Goze: Uzume als Glücksgöttin

Die erotische Rolle, die Uzume in den Mythen inne hat, kommt in späteren Illu­stra­tionen zwar allent­halben zum Aus­druck, doch ist Uzume alles andere als ein Vamp oder eine femme fatale. Stattdessen wurde ihre Gestalt ironisiert und erhielt das Aussehen einer komischen, bisweilen auch dezidiert hässlichen weiblichen Gestalt. Angeblich soll auch ihr Name auf diese Häss­lichkeit hin­deuten (wobei die Ety­molo­gie allerdings nicht über jeden Zweifel erhaben ist): Aston (1896) übersetzt Uzume mit „terrible female“, Florenz (1919) mit „ab­schrecken­des Weib“.3 Jedenfalls wurde Uzume in einer wenig attrak­tiven, aber komischen Gestalt schließlich sogar zu einer Glücks­göttin, wobei gerade ihr hässliches Aussehen dem Vertreiben von Unglück förderlich sein soll.

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Oto-goze

Kyōgen-Maske, kami (Holz, Farbe). Muromachi-Zeit, 15./16. Jh.; Museum Folkswang, Essen; 18,5 x 15,5 x 8 cm
Bild © Hans Hansen, 2009. (Letzter Zugriff: 2012/6)

Oto-goze, auch Okame oder Otafuku, eine komödiantische Figur des kyōgen-Theaters. Sie wird auch als Erscheinung der Ame no Uzume, der Ahnherrin des japanischen Theaters, angesehen.

. 9 Maske der Oto-goze, 15./16. Jh.
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Dämon und Glück (otafuku)

Illustration, fukujin (Papier, Tusche, Farbe) von Shibata Zeshin (1807–1891)
Bild © Hatena Fotolife, Etsuko and Joe Price Collection. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Illustration des volkstümlichen Brauches, die oni zum setsubun-Fest mit Bohnen aus dem Haus zu treiben um das Glück einzuladen. Das Glück ist hier in Form der Göttin Otafuku dargestellt.

. 10 Otafuku, 19. Jh.
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Ame no Uzume

Gipsrelief, kami (Gips, Farbe) von Irie Chōhachi (1815–1889), Detail. Meiji Zeit, 19. Jh.
Bild © Master plasterer Izu-no-Chohachi. (Letzter Zugriff: 2013/5)

Ame no Uzume mit entblößten Brüsten, hier unter dem Namen Okame.

. 11 Uzume von Irie Chōhachi (1815–1889)

Als volks­tümlich komö­dianti­sche Glücks­bringerin ist Uzume auch unter Namen wie Otafuku Otafuku お多福 komödiantische weibliche Glücksgottheit, wtl. „Großes Glück“; auch Oto-goze, Okame; andere Schreibungen 阿多福 oder Okame bekannt ist. Jedes Kind in Japan kennt Otafuku als dicke, kleine Frau mit birnen­förmi­gem Gesicht, einer hohen Stirn und kleinen lachen­den Augen. Diese äußer­lichen Merk­male lassen sich auf eine Figur des komö­dianti­schen kyōgen kyōgen 狂言 komödiantischer Zwischenakt im Nō-Theatersiehe auch Kitsune -Theaters namens Oto-goze Oto-goze 乙御前 Nonne Oto; komödiantische weibliche Maske des kyōgen-Theaters; Glücksgottheit zurück­führen. Diese eher derbe Gestalt gehört zur Kate­gorie der „häss­lichen Frauen“ (shikome shikome 醜女 „hässliche Frau“; Figur des Nō-Theaters; Variante der Ama no Uzume; auch: Dämonin der Unterwelt (in der Izanami-Episode)siehe auch→ Mythen/Goetter des Himmels ) im Kyōgen und stellt einen be­wussten Kontrast zur ätheri­schen Schön­heit der weib­lichen Nō-Masken dar.

Ob die Figur der Oto-goze von Anfang an mit Uzume identi­fiziert wurde, oder ob dies erst eine sekun­däre Entwick­lung darstellt, ist unklar. Jedenfalls ist die ent­spre­chende Maske seit der Muromachi Muromachi 鎌倉 Stadtteil in Kyōto; Sitz des Ashikaga Shōgunats 1336–1573 (= Muromachi-Zeit)siehe auch Geschichtsperioden → Grundbegriffe/Stereotype→ Ikonographie/Gluecksgoetter→ Geschichte/Kamakura→ Geschichte/Amidismus → mehr -Zeit bekannt und prägt nicht nur die bis heute popu­lären Otafuku-Darstel­lungen, sondern auch die Dar­stel­lungen der mytho­logi­schen Uzume. In dieser Form trat Ame no Uzume einst sogar als einzige Frau im Ensemble der Sieben Glücks­götter (Shichi Fukujin Shichi Fukujin 七福神 Die Sieben Glücksgöttersiehe auch Gluecksgoetter → Ikonographie/Gluecksgoetter/Hotei→ Mythen/Jenseits→ Texte/Sutra→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Ebisu → mehr ) auf, wurde Anfang der Edo Edo 江戸 Sitz der Tokugawa Shōgune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tōkyōsiehe auch Geschichtsperioden → Grundbegriffe/Buddhismus→ Bauten/Bekannte Tempel→ Grundbegriffe/Shinto→ Grundbegriffe/Stereotype/Herrigels Zen→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya → mehr -Zeit aller­dings von Benzaiten Benzaiten 弁才天/ 弁財天 Glücksgöttin, Gottheit des Wassers, der Musik und der Beredsamkeit; skt. Sarasvati; auch: Bentensiehe auch Benzaiten → Ikonographie→ Bauten/Schreine/Torii→ Bauten/Bekannte Schreine→ Bauten/Bekannte Schreine/Itsukushima→ Alltag/Matsuri/Hadaka matsuri → mehr ver­drängt.4

Wie man an den Ab­bildun­gen des 19. Jahr­hunderts erkennt, haben manche Illustra­toren die an­geb­liche Häss­lich­keit der Uzume/ Otafuku sehr wört­lich genom­men, viel­leicht auch, um die ero­tische Kompo­nente der mytho­logi­schen Erzäh­lung ab­zuschwä­chen. Im allge­meinen hat sich aber ein hu­moris­tischer, durchaus nicht un­attrak­tiver Er­schei­nungs­typ der Uzume durch­gesetzt, der bei­spiel­haft in Hokusais Dar­stellung am Anfang dieser Seite wieder­ge­geben ist (s.o.).

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Ame no Uzume

Kami von Ekin (1812–76)
Bildquelle: Muian

Ame no Uzume in einer parodistischen Darstellung

. 13 Ame no Uzume
parodistische Darstellung von Ekin (1812-1876)
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Ame no Uzume

Farbholzschnitt, kami (Farbe, Papier) von Totoya Hokkei (1780–1850). Edo-Zeit; aus der Serie Haru no iwato („Das Felsentor des Frühlings“), 1820er Jahre
Bild © Museum of Fine Arts, Boston. (Letzter Zugriff: 2013/7)
William Sturgis Bigelow Collection

Ame no Uzume als Teil einer Serie von Göttern aus dem Mythos der Felsenhöhle; als Neujahrskarte konzipiert. Siehe auch Sarutahiko.

. 14 Ame no Uzume
Holzschnitt von Hokkei
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Ame no Uzume no Mikoto

Ölbild, kami (Leinwand, Ölfarbe) von Kosugi Hōan (1881–1964). 1951; Idemitsu Bijutsukan, Tokyo; 83,5 x 208,8 cm
Bild © Chiyoda Days. (Letzter Zugriff: 2013/7)

Ame no Uzume in einer modernen Interpretation. Amaterasu ist hier durch die Sonnenscheibe repräsentiert.

. 15 Moderne Version der Uzume (1951)

Verweise

Fußnoten

  1. Kojiki 1, Antoni 2012, S. 39–40. Für die Nihon shoki Variante s. Aston 1972 I, S. 44–45; Florenz 1919, S. 155–56.
  2. Während das Stampfen in der japanischen Tradition, namentlich im Nō, durchaus erhalten blieb, ist die Entblößung kein Element des klassi­schen japanischen Theaters. Im butoh (wtl. Stampftanz) des 20. Jahr­hunderts wurden beide Elemente aller­dings erneut mit einander verbunden.
  3. Beide Über­setzer beziehen sich dabei auf eine Erklärung des Namens Uzume im Kogo shūi Kogo shūi 古語拾遺 Chronik Japans (807) (807), das einen Zusammen­hang mit ozoshi, „furchtbar“, herstellt. S. z.B. Florenz 1919, S. 421–22.
  4. Kita Sadakichi, „Shichifukujin no seiritsu“ (Die Entstehung der Sieben Glücksgötter) 1935, nach Miyata 1998, S. 304–305

Bilderläuterungen

  1. Uzume-hokusai.jpg

    Ame no Uzume

    Buchillustration, kami von Katsushika Hokusai. 1816; aus Hokusai manga, Bd. 5
    Bildquelle: visipix (bearbeitet). (Letzter Zugriff: 2013/5/20)

    Darstellung der Ame no Uzume

  2. Uzume Taki Katei.jpg

    Ame no Uzume

    Farbholzschnitt, kami (Farbe, Papier) von Taki Katei (1832–1901), Detail. Bakumatsu Zeit, 1859
    Bildquelle: Library of Congress. (Letzter Zugriff: 2013/5/22)

    Ame no Uzume in der Kleidung einer Schreindienerin (miko), mit Schellen und Zickzack-Papier. Sie trägt die Züge der dicklichen und vergnügten Glücksgöttin Otafuku.

  3. Uzume spinner.jpg

    Ame no Uzume

    Hängerollbild, kami (Papierdruck), Detail. Meiji-Zeit; Völkerkundemuseum Zürich (Inv.-Nr. 19401); 105,5 x 25 cm
    Bild © Tomoe Steineck, Martina Wernsdörfer, Raji Steineck, WegZeichen: Japanische Kult- und Pilgerbilder. Die Sammlung Wilfried Spinner (1854–1918). Zürich: VMZ (Ausstellungskatalog), Abb. 68

    Die auf einem Zuber tanzende Ame no Uzume in einer an den klassischen Mythen orientierten Darstellung.

  4. Uzume sarutahiko.jpg

    Ame no Uzume und Sarutahiko

    Illustration, kami. Späte Edo-Zeit; aus Nakatomi ōbarai ezu
    Bild © Suzuka bunko, Ehime University. (Letzter Zugriff: 2009/1)

    Darstellung von Ame no Uzume und Sarutahiko. Für ein sehr ähnliches Motiv von Kuniyoshi siehe hier.

  5. Uzume Sarutahiko ningyo.jpeg

    Ame no Uzume und Sarutahiko

    Farbholzschnitt, kami (Papier, Farbe) von Utagawa Kuniyoshi. Späte Edo-Zeit, 1856; aus der Serie Fūryū ningyō no uchi („Moderne Puppenfiguren“); 2 mal 25 x 36 cm
    Bild © The Oriental Library, Tōhō bunko. (Letzter Zugriff: 2013/5)

    Begegnung von Ame no Uzume und Sarutahiko. Im Hintergrund das Urgötterpaar Izanagi und Izanami. Die für Kuniyoshi untypisch naive, fast plumpe Darstellung könnte dem Umstand geschuldet sein, dass hier für eine Ausstellung lebensechter Puppen geworben wird, die 1855–56 in Edo stattfand. Kuniyoshi scheint sich an das Erscheinungsbild der Götter in der Ausstellung gehalten zu haben.

  6. Uzume toyokuni.jpg

    Ame no Uzume in Gestalt eines Kabuki-Schauspielers

    Farbholzschnitt, kami (Farbe, Papier) von Utagawa Toyokuni (1769–1825), Detail; aus der Serie Iwato kagura no hajimari („Ursprung des kagura-Tanzes des Felsenhöhle“)
    Bild © Kichō shogazō database, National Diet Library. (Letzter Zugriff: 2013/7)

    Ame no Uzume (rechts) mit anderen Göttern, die Amaterasu aus der Höhle locken wollen. Die Figuren tragen die Züge von Kabuki-Schauspielern, sind also relativ nahe an einer tatsächlichen Aufführung der Szene. Teil eines Tryptichons.

  7. Uzume kagura.jpg

    Ame no Uzume

    Ame no Uzume, dargestellt von einem kagura-Tänzer.

  8. Iwado hiroshige.jpg

    Die Kami locken die Gottheit des Lichts mit Musik aus der Höhle

    Farbholzschnitt, kami (Papier, Farbe) von Utagawa Hiroshige (1797–1858). Um 1850; aus der Serie Honchō nenreki zue (Illustrierte Chronologie Japans); 22,2 x 34,7 cm
    Bild © British Museum. (Letzter Zugriff: 2013/7)

    Im Vordergrund Tajikara, der die Aufgabe hat, einen Felsen vom Eingang der Höhle zu entfernen, damit die Sonnengottheit — hier durch Strahlen angedeutet — wieder herauskommen kann. Dahinter einige Musiker und Ame no Uzume bei ihrem Tanz, begleitet von Sarutahiko.

  9. Otogoze.jpg

    Oto-goze

    Kyōgen-Maske, kami (Holz, Farbe). Muromachi-Zeit, 15./16. Jh.; Museum Folkswang, Essen; 18,5 x 15,5 x 8 cm
    Bild © Hans Hansen, 2009. (Letzter Zugriff: 2012/6)

    Oto-goze, auch Okame oder Otafuku, eine komödiantische Figur des kyōgen-Theaters. Sie wird auch als Erscheinung der Ame no Uzume, der Ahnherrin des japanischen Theaters, angesehen.

  10. Oni shibata.jpg

    Dämon und Glück (otafuku)

    Illustration, fukujin (Papier, Tusche, Farbe) von Shibata Zeshin (1807–1891)
    Bild © Hatena Fotolife, Etsuko and Joe Price Collection. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Illustration des volkstümlichen Brauches, die oni zum setsubun-Fest mit Bohnen aus dem Haus zu treiben um das Glück einzuladen. Das Glück ist hier in Form der Göttin Otafuku dargestellt.

  11. Uzume Izu-no-Chohachi.jpg

    Ame no Uzume

    Gipsrelief, kami (Gips, Farbe) von Irie Chōhachi (1815–1889), Detail. Meiji Zeit, 19. Jh.
    Bild © Master plasterer Izu-no-Chohachi. (Letzter Zugriff: 2013/5)

    Ame no Uzume mit entblößten Brüsten, hier unter dem Namen Okame.

  12. Daikoku Uzume.jpg

    Daikoku, Otafuku und Jurōjin

    Illustration, kami von Kawanabe Kyōsai. 1889
    Bildquelle: Wikimedia Commons. (Letzter Zugriff: 2013/5/20)

    Im Vordergrund Daikoku auf einem Ochsen, geführt von Otafuku (Ame no Uzume). Im Hintergrund Jurōjin, der sich mit seinem Reittier abmüht. Das Bild wurde laut Inschrift am zweiten Neujahrstag angefertigt. Die Glücksgötter waren und sind ein beliebtes Neujahrsmotiv. Auch die Kombination mit einem Ochsen als Reittier ist nicht ungewöhnlich. Interessant ist vor allem, dass als weibliche Begleiterin Daikokus nicht Benzaiten in Erscheinung tritt, sondern die komödiantische Otafuku.

  13. Uzume ekin.jpg

    Ame no Uzume

    Kami von Ekin (1812–76)
    Bildquelle: Muian

    Ame no Uzume in einer parodistischen Darstellung

  14. Uzume hokkei.jpg

    Ame no Uzume

    Farbholzschnitt, kami (Farbe, Papier) von Totoya Hokkei (1780–1850). Edo-Zeit; aus der Serie Haru no iwato („Das Felsentor des Frühlings“), 1820er Jahre
    Bild © Museum of Fine Arts, Boston. (Letzter Zugriff: 2013/7)
    William Sturgis Bigelow Collection

    Ame no Uzume als Teil einer Serie von Göttern aus dem Mythos der Felsenhöhle; als Neujahrskarte konzipiert. Siehe auch Sarutahiko.

  15. Uzume kosugi.jpg

    Ame no Uzume no Mikoto

    Ölbild, kami (Leinwand, Ölfarbe) von Kosugi Hōan (1881–1964). 1951; Idemitsu Bijutsukan, Tokyo; 83,5 x 208,8 cm
    Bild © Chiyoda Days. (Letzter Zugriff: 2013/7)

    Ame no Uzume in einer modernen Interpretation. Amaterasu ist hier durch die Sonnenscheibe repräsentiert.

Links und Literatur

William George Aston (Ü.) 1972
Nihongi: Chronicles of Japan from the Earliest Times to A.D. 697. Rutland, Vt: Tuttle 1972. [Erste Auflage: London 1896.]
Karl Florenz (Ü.) 1919
Die historischen Quellen der Shinto-Religion. Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht 1919. [Übersetzungen von Kojiki und Nihon shoki (in Auszügen) sowie Kogo shūi (ganz).]
Miyata Noboru 宮田登 (Hg.) 1998
Shichifukujin shinkō jiten 七福神信仰事典. Tokyo: Ebisu Kōshō Shuppan 1998.
Letzte Überprüfung der Linkadressen: Mai 2013
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