Ame no Uzume, die Ahnherrin von Ritus, Tanz und Theater

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Bernhard Scheid, „Ame no Uzume, die Ahnherrin von Ritus, Tanz und Theater“ (Stand: 2012-08-21). In: ders. (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch (Universität Wien, seit 2001). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Mythen:Goetter_des_Himmels/Uzume?oldid=32222
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Ame no Uzume

Illustration von Katsushika Hokusai. 1816; aus Hokusai manga, Bd. 5
Bildquelle: visipix. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Ame no Uzume
Buchillustration von Hokusai, 1816

Ame no Uzume (Ame no Uzume 天鈿女/天宇受賣mythologische Gottheit, Ahnherrin des Theaters …mehr ⇒) tritt in den Mythen in zwei ent­schei­den­den Episo­den auf: Im Mythos von Amaterasu in der Felsen­höhle und im Mythos von der Her­ab­kunft des Himm­li­schen Enkels. Im letz­teren Fall gehört sie zum Ge­folge des Ninigi (Ninigi 瓊瓊杵mytholog. Gottheit, Enkel Amaterasus …mehr ⇒), als er die Herr­schaft auf der Erde an­treten soll. Im Zuge ihres Ab­stiegs zur Erde stellt sich den Him­mels­göttern eine selt­same Gott­heit namens Sarutahiko (Sarutahiko 猿田彦Mythologische Gottheit in → Tengu-ähnlicher Gestalt …mehr ⇒) in den Weg. Saruta­hiko besitzt eine „sieben-Hand-lange“ Nase, ist zudem von un­ge­wöhn­lich hohem Wuchs und emittiert Licht­strahlen aus Mund und After. Die himm­lischen Götter wissen nicht, ob er feind­lich oder freund­lich ge­son­nen ist. Ame no Uzume ergreift die Ini­tiative um die Sache zu klären und ent­blößt vor dem selt­samen Gott ihre Brüste, wobei sie in ver­ächt­liches Lachen ausbricht. Saruta­hiko erklärt darauf­hin, dass er Ninigi, dem Himmli­schen Enkel, vor­aus­gehen wolle, um ihm den Weg zu weisen. Ob dies sein ur­sprüng­liches Vor­haben war oder ob Uzume ihn durch ihr Ver­halten dazu brachte, bleibt offen.

Uzume und Sarutahiko werden schlussendlich ein Paar und Uzume bekommt den neuen Namen Sarume no kimi — wtl. „Herrin der Affen­frauen“. Diese „Affen­frauen“ sind nie­mand anderer als die Priester-Tänze­rinnen des frühen Tenno-Hofes, die sich somit auf Ame no Uzume zurück­führen. Uzumes Hand­lungen, ihr erotischer Tanz vor der Felsen­höhle und ihr provo­kantes Techtel­mechtel mit Sarutahiko, scheinen also auch eine rituelle Kompo­nente zu haben. Tat­säch­lich führt das Kogo shūi (Kogo shūi 古語拾遺Chronik Japans (807) …mehr ⇒) (verfasst 807) den „Ritus zur Besänf­ti­gung der Geister“ (chinkonsai) auf Ame no Uzume zurück. Zudem wird Ame no Uzume als Ahn­herrin des ja­pa­nischen Theaters bezeichnet. Die Gestalt der Uzume macht somit deut­lich, dass Tanz, Theater und Ritus in alter Zeit wohl nicht von ein­ander zu trennen waren, und verrät zudem, dass Spass und Erotik im alten Ritual­wesen durchaus ihren Platz hatten.

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Ame no Uzume und Sarutahiko

Illustration. Späte Edo-Zeit; aus Nakatomi ōbarai ezu
Bild © Suzuka bunko, Ehime University. (Letzter Zugriff: 2009/1)

Für ein sehr ähnliches Motiv von Kuniyoshi siehe hier.

Ame no Uzume und Sarutahiko
Buchillustration aus Nakatomi ōbarai ezu, einem Werk der späten Edo-Zeit
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Ame no Uzume in Gestalt eines Kabuki-Schauspielers

Holzschnitt von Toyokuni
Bild © Kichō shogazō database
Ame no Uzume
repräsentiert durch einen Kabuki-Schauspieler
Holzschnitt von Utagawa Toyokuni
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Ame no Uzume in einer parodistischen Darstellung

Ekin (1812-76)
Bildquelle: Muian
Ame no Uzume
in einer parodistischen Darstellung von Ekin (1812-1876)

Uzume als Glücksgöttin

Abgesehen von ihrer mythologischen Rolle stellt Uzume auch die Urform einer volkstümlichen Glücksgottheit dar, die noch heute unter Namen wie Otafuku (Otafuku 大多福komödiantische weibliche Glücksgottheit; wtl. „Großes Glück“ …mehr ⇒) oder Okame als komödiantische Glücksbringerin bekannt ist. Ihr dickwangiges Gesicht mit der hohen Stirn und den kleinen lachenden Augen leitet sich von einer Figur des komödiantischen Kyōgen-Theaters namens Oto-goze (Oto-goze 乙御前Nonne Oto; komödiantische weibliche Maske des Kyōgen Theaters; Glücksgottheit …mehr ⇒) her. Die entsprechende Maske, die seit der Muromachi-Zeit bekannt ist, prägt nicht nur die populären Otafuku-Darstellungen, auch spätere Darstellungen der Uzume wie etwa das obige Beispiel von Hokusai leiten sich davon ab und zeigen, dass die Verbindung all dieser Glückgöttinnen nie in Vergessenheit geriet. In dieser volkstümlichen Gestalt scheint Ame no Uzume sogar als einzige Frau in frühen Zusammenstellungen der Sieben Glücksgötter (Shichi Fukujin (Shichi Fukujin 七福神Die Sieben Glücksgötter …mehr ⇒)) auf, wurde Anfang der Edo (Edo 江戸Sitz der Tokugawa Shogune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tokyo …mehr ⇒)-Zeit allerdings in dieser Rolle durch Benzaiten (Benzaiten 弁才天/ 弁財天Glücksgöttin, Gottheit des Wassers, der Musik und der Beredsamkeit; skt. Sarasvati; auch: Benten …mehr ⇒) ersetzt. [1]

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Oto-goze

Kyōgen-Maske (Holz, Farbe). Muromachi-Zeit, 15./16. Jh.; Museum Folkswang, Essen; 18,5 x 15,5 x 8 cm
Bild © Hans Hansen, 2009. (Letzter Zugriff: 2012/6)

Oto-goze, auch Okame oder Otafuku, eine komödiantische Figur des Kyōgen Theaters. Sie wird auch als Erscheinung der Ame no Uzume, der Ahnherrin des japanischen Theaters, angesehen.

Maske der Oto-goze, 15./16. Jh.
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Dämon und Glück (otafuku)

Illustration (Papier, Tusche, Farbe) von Shibata Zeshin (1807-1891)
Bild © Hatena Fotolife, Etsuko and Joe Price Collection. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Illustration des volkstümlichen Brauches, die Oni zum Setsubun-Fest mit Bohnen aus dem Haus zu treiben um das Glück einzuladen. Das Glück ist hier in Form der Göttin Otafuku dargestellt.

Otafuku, 19. Jh.

Anmerkungen

  1. Kita Sadakichi, „Shichifukujin no seiritsu“ (Die Entstehung der Sieben Glücksgötter) 1935, nach Miyata 1998, S. 304-305
Mythen: Goetter des Himmels (zurück zum Hauptartikel)
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