Höllenbilder

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Bernhard Scheid, „Höllenbilder.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 29.8.2015). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Mythen/Hoellen/Hoellenbilder?oldid=58260X

Die Bilder auf dieser Seite zeigen Aus­schnitte aus der weitläufigen Topo­graphie der Hölle (jigoku jigoku 地獄 wtl. „[unter]irdischer Kerker“, buddhistische Höllesiehe auch Hoellen → Mythen/Jenseits→ Mythen/Jenseits/Enma→ Mythen/Jenseits/Totenreich ), wie sie sich in der buddhis­tischen Welt ganz ähnlich wie im Christen­tum heraus­gebildet hat. Zumeist entsprechen die darge­stellten Foltern den Sünden, die an den jeweiligen Orten gesühnt werden sollen.

Höllenbereiche

Hölle des Maßnehmens

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Jigoku zōshi

Querbildrolle (Papier, Farbe), Detail. Späte Heian-Zeit, 12. Jh.; „Nationalschatz“; im Besitz des Nara National Museums; 26,5 x 454,7 cm
Bild © e-museum. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Die Hölle (jigoku) des Maßnehmens.

Die Hölle des Maßnehmens. Abb. aus den Jigoku zōshi, 12. Jh

Die „Hölle des Maßnehmens“ ist Betrügern vorbe­halten, die mit gefälschten Maßen arbeiten. Die oben dar­ge­stellte Szene beruht auf dem Qishi jing und wurde wahr­schein­lich im zwölften Jahr­hundert von Go-Shirakawa Tennō Go-Shirakawa Tennō 後白河天皇 1127–1192; 77. Kaiser von Japan; (r. 1155–1158); stellte vor allem als Exkaiser im Mönchsstand ein wichtiges politisches Gegengewicht zu den Diktatoren Taira no Kiyomori und Minamoto no Yoritomo darsiehe auch→ Ikonographie/Dainichi/Daibutsu→ Mythen/Hoellen/Hungergeister→ Texte/Jinno shotoki in Auftrag gegeben (s.u.).

Hölle des Eisernen Mörsers

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Jigoku zōshi

Querbildrolle (Papier, Farbe), Detail. Späte Heian-Zeit, 12. Jh.; „Nationalschatz“; im Besitz des Nara National Museums; 26,5 x 454,7 cm
Bild © e-museum. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Die Hölle (jigoku) des Eisernen Mörsers.

Die „Hölle des Eisernen Mörsers“; Abb. aus den Jigoku zōshi, 12. Jh

Eine weitere Szene aus der zuvor gezeigten Höllen-Bildrolle. Die Folterknechte der Hölle zer­mahlen hier Diebe in einem Mörser. In dieser frühen Dar­stellung sind die Folter­knechte noch viel individueller und ge­stalten­reicher als auf späteren Höllen­bildern. Auch eine alte Frau (vielleicht Datsueba Datsueba 奪衣婆 wtl. die Alte, die die Kleider wegnimmt; Dämonin des Totenreichssiehe auch Jenseits → Mythen/Jenseits/Totenreich ?) ist darunter.

Zermalmen, Kochen und Braten

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Kasuga gongen kenki

Querbildrolle von Takashina Takakane, Detail. Kamakura-Zeit, 1309

Darstellung einer Folterszene in der Hölle (jigoku).

Abb. aus dem Kasuga gongen kenki von Takashina Takakane, 1309

Das Zermalmen, Kochen und Braten gehört zu den Standard-Folter­methoden der japanischen Höllen­bilder. Auf diesem Bild aus der Kamakura-Zeit sind auch die Höllen-Dämonen bereits so ähnlich dar­ge­stellt wie die in Japan all­seits bekannten oni oni Dämon, „Teufel“; in sino-japanischer Aussprache (ki) ein allgemeiner Ausdruck für Geistersiehe auch Oni und Kappa → Alltag/Jahr→ Ikonographie/Waechtergoetter/Wind und Donner→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Daikoku→ Mythen/Geister→ Mythen/Imaginaere Tiere → mehr , die sich auch außerhalb der Hölle herumtreiben.

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Höllenszene

Buchillustration. Edo-Zeit, 1790

Illustration des Ōjō yōshū von Genshin.

Abb. aus einer illustrierten Ausgabe von Genshins Ōjōyōshū, Edo-Zeit, 1790

Die Höllen­motive aus dem Mittelalter wurden auch in der Edo Edo 江戸 Sitz der Tokugawa Shōgune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tōkyōsiehe auch Geschichtsperioden → Grundbegriffe/Buddhismus→ Bauten/Bekannte Tempel→ Grundbegriffe/Shinto→ Grundbegriffe/Stereotype/Herrigels Zen→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya → mehr -Zeit getreulich reproduziert.

Blutteich

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Jigoku zōshi

Querbildrolle (Seide, Farbe), Detail. Späte Heian-Zeit, 12. Jh.; „Nationalschatz“; im Besitz des Tokyo National Museums; 26,9 x 249,3 cm
Bild © e-museum. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Blutteich (chi no ike)

Blutteich, Abb. aus den Jigoku zōshi, späte Heian-Zeit, 12. Jh.

Eine der frühesten Abbildungen des „Blutteichs“ (chi no ike chi no ike 血の池 Blutseesiehe auch Hoellen ), eines Teils der Hölle, der speziell den Frauen vor­be­halten ist. In vielen vulkani­schen Gegenden Japans kann es vorkommen, dass röt­liches Wasser aus dem Felsen kommt. Wo das der Fall ist, findet man zu­meist auch einen „Blutteich“ (s. Osore-zan).

Hölle als unmittelbare Strafe

Ähnlich wie in christlichen Legenden gibt es auch im japanischen Buddhismus das Motiv der unmittelbaren Bestrafung durch die Hölle, vor allem in populären Nacherzählungen älterer Geschichten. Das folgende Beispiel zeigt dies anhand eines klassischen buddhistischen Bösewichts, Devadatta देवदत्त Devadatta (skt., m.) „Gottesgeschenk“, Cousin und Gegenspieler des Buddha; jap. Daibadatta 提婆達多siehe auch →  Buddhas Leben .

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Devadattas Höllenfahrt

Buchillustration (Papier, Tusche) von Katsushika Hokusai; aus Shaka go-ichidai zue („Das Leben des Shakyamuni, illustriert“, Textautor Kokado Yatei), Bd. 5, 1845
Bild © Waseda University Library. (Letzter Zugriff: 2015/8/26)

Das Bild stammt aus einem Buch mit Legenden aus Buddhas Leben. Es zeigt Buddha, umgeben von mehreren Jüngern und im Vordergrund Buddhas Gegenspieler, seinen Cousin Devadatta, der aus Eifersucht diverse Anschläge auf Buddhas Leben unternahm. Das Bild trägt folgende Inschrift: „Devadatta, der dem Welt-Heiligen [Buddha] schaden wollte, wie er bei lebendigem Leib in die Hölle stürzt.“

Devadattas Höllenfahrt

Devadatta unternahm der Legende nach mehrere Mordanschläge auf den Buddha, da er selbst die Führung innerhalb der buddhistischen Gemeinde übernehmen wollte. Er war also ähnlich wie der Buddha ein Mönch, der dem weltlichen Leben entsagt hatte. Der ukiyo-e ukiyo-e 浮世絵 „Bilder der fließenden Welt“, populäre Farbholzschnitte der Edo-Zeitsiehe auch Kaidan → Ikonographie→ Bauten/Bekannte Tempel/Asakusa→ Alltag/Pilgerschaft→ Alltag/Matsuri/Phalluskulte→ Mythen/Geister → mehr -Künstler Katsushika Hokusai Katsushika Hokusai 葛飾 北斎 1760–1849; Maler und Zeichner. Bekanntester Verteter des Ukiyoe-Farbholzschnittssiehe auch Kaidan → Alltag/Pilgerschaft→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Daikoku→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Hotei→ Mythen/Imaginaere Tiere → mehr konnte es sich allerdings nicht verkneifen, Devadatta als dämonischen Krieger zu portraitieren.

Textquellen

Die frühesten Beschrei­bungen der Hölle aus Sicht japanischer Autoren finden sich im Nihon ryōiki Nihon ryōiki 日本霊異記 „Wunder­same Bege­ben­heiten aus Japan“; buddhistische Legendensammlung von Kyōkai (Anfang 9. Jh.)siehe auch Heian Zeit → Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya→ Alltag/Yamabushi/En no Gyoja→ Ikonographie/Waechtergoetter/Wind und Donner→ Mythen/Verwandlungskuenstler/Kitsune → mehr aus dem frühen neunten Jahrhundert. Im Unter­schied zu späteren Quellen ist hier die Lage und räumliche Struktur der Hölle noch weit­gehend unbestimmt, auch die Höllen­qualen (Ertrinken, Verbrennen) werden nur kurz angedeutet. Die konkreten japanischen Höllen­darstellun­gen aus späterer Zeit hängen meist direkt oder indirekt mit einem Werk namens Ōjō yōshū Ōjō yōshū 往生要集 „Essentielle [Lehren] der Wiederbgeburt“, 985 von Genshin verfasstsiehe auch Heian Zeit → Mythen/Jenseits/Totenreich („Über die Wieder­geburt im Reinen Land“) zu­sammen. Es wurde 985 von Genshin Genshin 源信 Tendai-Mönch (942–1017); auch bekannt als Eshin; Autor des Ōjō yōshū; Wegbereiter der Jōdo-shūsiehe auch Hoellen → Geschichte/Heian Zeit , einem Mönch der Tendai-shū Tendai-shū 天台宗 Tendai Schule, chin. Tiantaisiehe auch Dainichi → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya→ Bauten/Bekannte Schreine/Tenjin→ Bauten/Bekannte Schreine/Nikko→ Alltag/Yamabushi → mehr verfasst und gilt als einer der einfluss­reichs­ten Texte über buddhis­tische Jenseits­vor­stel­lungen in Japan. Obwohl im Titel das Reine Land des Amida Amida Nyorai 阿弥陀如来 Buddha Amitabhasiehe auch Amida → Ikonographie/Kannon→ Ikonographie/Myoo an­ge­sprochen ist, beginnt der Text mit einer Beschrei­bung der Sechs Bereiche der Wiedergeburt und widmet sich aus­führlich den acht Ab­teilungen der buddhis­tischen Hölle, um im Anschluss daran das Reine Land zu schildern. Die an­schließen­den Kapitel behandeln die Techniken, um im Reinen Land wieder­geboren zu werden, im be­sonderen die Anrufung von Amidas Namen (nenbutsu nenbutsu 念仏 Anrufung des Namens von Buddha Amida, Gebetsformel der Amida-Anhängersiehe auch Amida → Alltag/Moenche→ Geschichte/Amidismus→ Geschichte/Zen→ Geschichte/Nichiren ). Den stärksten Ein­druck — zumindest in der Ikono­graphie — hinter­ließen aber nicht die im Ōjōyōshū in Aussicht gestell­ten Be­lohnun­gen, sondern die Bestra­fungen in der Hölle.

Die Höllen­beschreibun­gen des Ōjō yōshū beruhen ihrerseits auf diversen chinesi­schen Werken, u.a. dem Qishi jing Qishi jing (chin.) 起世経 chin. Sutra, jap. Kise-kyō (jap. Kise-kyō), ein Sutra, das bereits um 600 in China be­kannt war. Manche der obigen Ab­bildungen aus dem zwölften Jahrhundert sind Illustra­tionen zu diesem Werk. Man nimmt an, dass sie von Go-Shirakawa Tennō Go-Shirakawa Tennō 後白河天皇 1127–1192; 77. Kaiser von Japan; (r. 1155–1158); stellte vor allem als Exkaiser im Mönchsstand ein wichtiges politisches Gegengewicht zu den Diktatoren Taira no Kiyomori und Minamoto no Yoritomo darsiehe auch→ Ikonographie/Dainichi/Daibutsu→ Mythen/Hoellen/Hungergeister→ Texte/Jinno shotoki (1127–1192, r. 1155–58) in Auftrag gegeben wurden. Von diesem einfluss­reichen Herrscher aus der Zeit der Kämpfe zwischen Minamoto und Taira (Genpei Krieg Genpei Gassen 源平合戦 Krieg zwischen den Minamoto (Gen) und den Taira (Hei, bzw. Pei), 1180–1185siehe auch Kamakura → Bauten/Schreine/Shimenawa→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Bauten/Bekannte Schreine/Itsukushima→ Ikonographie/Dainichi/Daibutsu→ Ikonographie/Waechtergoetter/Nio → mehr ) weiß man, dass er eine ganze Reihen von Jenseits-Bildrollen (rokudō-e) herstellen ließ, zu denen auch die Bilder der Hunger­geister (Gaki zōshi Gaki zōshi 餓鬼草紙 Illustrierte Querbildrollen der Hungergeistersiehe auch Hungergeister → Mythen/Hoellen ) zählen.

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