Höllenbilder

Religion-in-Japan > Mythen > Hoellen > Hoellenbilder
< Mythen‎ | Hoellen(Weitergeleitet von Mythen:Höllen/Höllenbilder)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Diese Seite zitieren:
Bernhard Scheid, „Höllenbilder.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 12.11.2015). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Mythen/Hoellen/Hoellenbilder?oldid=61233X

Die Bilder auf dieser Seite zeigen Aus­schnitte aus der weitläufigen Topo­graphie der Hölle (jigoku jigoku 地獄 wtl. „[unter]irdischer Kerker“, buddhistische Höllesiehe auch Hoellen → Mythen/Jenseits→ Mythen/Jenseits/Enma→ Mythen/Jenseits/Totenreich ), wie sie sich in der buddhis­tischen Welt ganz ähnlich wie im Christen­tum heraus­gebildet hat. Zumeist entsprechen die darge­stellten Foltern den Sünden, die an den jeweiligen Orten gesühnt werden sollen.

Höllenbereiche

Hölle des Maßnehmens

  jigokuzoshi_nara1.jpg

Jigoku zōshi

Querbildrolle (Papier, Farbe), Detail. Späte Heian-Zeit, 12. Jh.; „Nationalschatz“; im Besitz des Nara National Museums; 26,5 x 454,7 cm
Bild © e-museum. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Die Hölle (jigoku) des Maßnehmens.

Die Hölle des Maßnehmens. Abb. aus den Jigoku zōshi, 12. Jh

Die „Hölle des Maßnehmens“ ist Betrügern vorbe­halten, die mit gefälschten Maßen arbeiten. Die oben dar­ge­stellte Szene beruht auf dem Qishi jing Qishi jing (chin.) 起世経 chin. Sutra, jap. Kise-kyō und wurde wahr­schein­lich im zwölften Jahr­hundert von Go-Shirakawa Tennō Go-Shirakawa Tennō 後白河天皇 1127–1192; 77. Kaiser von Japan; (r. 1155–1158); stellte vor allem als Exkaiser im Mönchsstand ein wichtiges politisches Gegengewicht zu den Diktatoren Taira no Kiyomori und Minamoto no Yoritomo darsiehe auch→ Ikonographie/Dainichi/Daibutsu→ Mythen/Tengu→ Mythen/Hoellen/Hungergeister→ Texte/Jinno shotoki in Auftrag gegeben (s.u.).

Hölle des Eisernen Mörsers

  jigokuzoshi_nara2.jpg

Jigoku zōshi

Querbildrolle (Papier, Farbe), Detail. Späte Heian-Zeit, 12. Jh.; „Nationalschatz“; im Besitz des Nara National Museums; 26,5 x 454,7 cm
Bild © e-museum. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Die Hölle (jigoku) des Eisernen Mörsers.

Die „Hölle des Eisernen Mörsers“; Abb. aus den Jigoku zōshi, 12. Jh

Eine weitere Szene aus der zuvor gezeigten Höllen-Bildrolle. Die Folterknechte der Hölle zer­mahlen hier Diebe in einem Mörser. In dieser frühen Dar­stellung sind die Folter­knechte noch viel individueller und ge­stalten­reicher als auf späteren Höllen­bildern. Auch eine alte Frau (vielleicht Datsueba Datsueba 奪衣婆 wtl. die Alte, die die Kleider wegnimmt; Dämonin des Totenreichssiehe auch Jenseits → Mythen/Jenseits/Totenreich ?) ist darunter.

Zermalmen, Kochen und Braten

 kasugagongen_kenki1.jpg

Kasuga gongen kenki

Querbildrolle, emakimono (Papier, Farbe) von Takashina Takakane, Detail. Kamakura-Zeit, 1309; aus Kasuga gongen kenki (Wunder der Gottheit des Kasuga Schreins) 6; Kopie aus dem Jahr 1870
Bild © National Diet Library, Tōkyō. (Letzter Zugriff: 2015/11)

Darstellung der Hölle (jigoku) in einer hochwertigen Querbildrolle der Kamakura-Zeit (reproduziert in der frühen Meiji-Zeit). Die vorliegende Episode erzählt von einem Tänzer des Kasuga Schreins, der von der Gottheit davor bewahrt wird, in die Hölle zu gelangen. (Der Verstorbene und die Gottheit sind rechts im Bild zu sehen.) Als Grund gibt die Gottheit die Tugend der kindlichen Pietät an. Die Hölle wird in allen Einzelheiten bildlich dargestellt. Die einzelnen Stationen sind (von rechts nach links): a) Schwarzseil-Hölle (kokujō jigoku 黒縄地獄) mit glühendem Eisenseil, auf dem ein Flammenmeer durchquert werden muss, mit anschließender Verfolgung durch bewaffnete Dämonen; b) Hölle des Zermalmens (shūgō jigoku 衆合地獄): ochsen- und pferdeköpfige Höllenknechte treiben die Sünder zwischen Felsen, wo sie zerquetscht werden; andere werden zwischen Steinplatten, wieder andere in einem Mörser zermalmt; Hölle der Schreie (kyōkan jigoku 叫喚地獄): die Sünder werden in ein brennendes Haus getrieben, in einem Kessel gekocht, und bekommen siedendes Kupfer zu trinken; Große Hölle der Schreie (daikyōkan jigoku 大叫喚地獄): den Sündern wird die Zunge herausgerissen; [nochmals Hölle des Zermalmens:] Schwerterbaum: auf diesem sitzt eine schöne Frau, die die Sünder zu erreichen versuchen und sich dabei an den Schwertern aufschlitzen oder die männlichen Sünder werden auf die Spitze des Baums gesetzt und schlitzen sich beim Hinunterklettern auf. Die Szenen entsprechen den Schilderungen des Ōjō yōshū. (Quelle: Kōbe setsuwa kenkyūkai, Kasuga gongen kenki, 2005, S. 79–80.)

Abb. aus dem Kasuga gongen kenki von Takashina Takakane, 1309

Das Zermalmen, Kochen und Braten gehört zu den Standard-Folter­methoden der japanischen Höllen­bilder. Auf diesem Bild aus der Kamakura Kamakura 鎌倉 Stadt im Süden der Kantō Ebene, Sitz des Minamoto Shōgunats 1185–1333 (= Kamakura-Zeit)siehe auch Kamakura → Ikonographie→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya→ Bauten/Bekannte Schreine/Itsukushima→ Bauten/Bekannte Schreine/Kasuga→ Ikonographie/Jizo → mehr -Zeit sind auch die Höllen-Dämonen bereits so ähnlich dar­ge­stellt wie die in Japan all­seits bekannten oni oni Dämon, „Teufel“; in sino-japanischer Aussprache (ki) ein allgemeiner Ausdruck für Geistersiehe auch Oni und Kappa → Alltag/Jahr→ Ikonographie/Waechtergoetter/Wind und Donner→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Daikoku→ Mythen/Geister→ Mythen/Imaginaere Tiere → mehr , die sich auch außerhalb der Hölle herumtreiben.

 ojoyoshu1790.jpg

Höllenszene

Buchillustration. Edo-Zeit, 1790

Illustration des Ōjō yōshū von Genshin.

Abb. aus einer illustrierten Ausgabe von Genshins Ōjōyōshū, Edo-Zeit, 1790

Die Höllen­motive aus dem Mittelalter wurden auch in der Edo Edo 江戸 Sitz der Tokugawa Shōgune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tōkyōsiehe auch Geschichtsperioden → Grundbegriffe/Buddhismus→ Bauten/Bekannte Tempel→ Grundbegriffe/Shinto→ Grundbegriffe/Stereotype/Herrigels Zen→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya → mehr -Zeit getreulich reproduziert.

Blutteich

 jigokusoshi_chinoike.jpg

Jigoku zōshi

Querbildrolle (Seide, Farbe), Detail. Späte Heian-Zeit, 12. Jh.; „Nationalschatz“; im Besitz des Tokyo National Museums; 26,9 x 249,3 cm
Bild © e-museum. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Blutteich (chi no ike)

Blutteich, Abb. aus den Jigoku zōshi, späte Heian-Zeit, 12. Jh.

Eine der frühesten Abbildungen des „Blutteichs“ (chi no ike chi no ike 血の池 Blutseesiehe auch Hoellen ), eines Teils der Hölle, der speziell den Frauen vor­be­halten ist. In vielen vulkani­schen Gegenden Japans kann es vorkommen, dass röt­liches Wasser aus dem Felsen kommt. Wo das der Fall ist, findet man zu­meist auch einen „Blutteich“ (s. Osore-zan).

Hölle als unmittelbare Strafe

Ähnlich wie in christlichen Legenden gibt es auch im japanischen Buddhismus das Motiv der unmittelbaren Bestrafung durch die Hölle, vor allem in populären Nacherzählungen älterer Geschichten. Das folgende Beispiel zeigt dies anhand eines klassischen buddhistischen Bösewichts, Devadatta देवदत्त Devadatta (skt., m.) „Gottesgeschenk“, Cousin und Gegenspieler des Buddha; jap. Daibadatta 提婆達多siehe auch →  Buddhas Leben .

  Devadatta_hokusai.jpg

Devadattas Höllenfahrt

Buchillustration (Papier, Tusche) von Katsushika Hokusai; aus Shaka go-ichidai zue („Das Leben des Shakyamuni, illustriert“, Textautor Kokado Yatei), Bd. 5, 1845
Bild © Waseda University Library. (Letzter Zugriff: 2015/8/26)

Das Bild stammt aus einem Buch mit Legenden aus Buddhas Leben. Es zeigt Buddha, umgeben von mehreren Jüngern und im Vordergrund Buddhas Gegenspieler, seinen Cousin Devadatta, der aus Eifersucht diverse Anschläge auf Buddhas Leben unternahm. Das Bild trägt folgende Inschrift: „Devadatta, der dem Welt-Heiligen [Buddha] schaden wollte, wie er bei lebendigem Leib in die Hölle stürzt.“

Devadattas Höllenfahrt

Devadatta unternahm der Legende nach mehrere Mordanschläge auf den Buddha, da er selbst die Führung innerhalb der buddhistischen Gemeinde übernehmen wollte. Er war also ähnlich wie der Buddha ein Mönch, der dem weltlichen Leben entsagt hatte. Der ukiyo-e ukiyo-e 浮世絵 „Bilder der fließenden Welt“, populäre Farbholzschnitte der Edo-Zeitsiehe auch Kaidan → Ikonographie→ Bauten/Bekannte Tempel/Asakusa→ Alltag/Pilgerschaft→ Alltag/Matsuri/Phalluskulte→ Mythen/Geister → mehr -Künstler Katsushika Hokusai Katsushika Hokusai 葛飾 北斎 1760–1849; Maler und Zeichner. Bekanntester Verteter des Ukiyoe-Farbholzschnittssiehe auch Kaidan → Alltag/Pilgerschaft→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Daikoku→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Hotei→ Mythen/Imaginaere Tiere → mehr konnte es sich allerdings nicht verkneifen, Devadatta als dämonischen Krieger zu portraitieren.

Textquellen

Die frühesten Beschrei­bungen der Hölle aus Sicht japanischer Autoren finden sich im Nihon ryōiki Nihon ryōiki 日本霊異記 „Wunder­same Bege­ben­heiten aus Japan“; buddhistische Legendensammlung von Kyōkai (Anfang 9. Jh.)siehe auch Heian Zeit → Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya→ Alltag/Yamabushi/En no Gyoja→ Ikonographie/Waechtergoetter/Wind und Donner→ Mythen/Verwandlungskuenstler/Kitsune → mehr aus dem frühen neunten Jahrhundert. Im Unter­schied zu späteren Quellen ist hier die Lage und räumliche Struktur der Hölle noch weit­gehend unbestimmt, auch die Höllen­qualen (Ertrinken, Verbrennen) werden nur kurz angedeutet. Die konkreten japanischen Höllen­darstellun­gen aus späterer Zeit hängen meist direkt oder indirekt mit einem Werk namens Ōjō yōshū Ōjō yōshū 往生要集 „Essentielle [Lehren] der Wiederbgeburt“, 985 von Genshin verfasstsiehe auch Heian Zeit → Mythen/Jenseits/Totenreich („Über die Wieder­geburt im Reinen Land“) zu­sammen. Es wurde 985 von Genshin Genshin 源信 Tendai-Mönch (942–1017); auch bekannt als Eshin; Autor des Ōjō yōshū; Wegbereiter der Jōdo-shūsiehe auch Hoellen → Geschichte/Heian Zeit , einem Mönch der Tendai-shū Tendai-shū 天台宗 Tendai-Schule, chin. Tiantaisiehe auch Dainichi → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya→ Bauten/Bekannte Schreine/Tenjin→ Bauten/Bekannte Schreine/Nikko→ Alltag/Yamabushi → mehr verfasst und gilt als einer der einfluss­reichs­ten Texte über buddhis­tische Jenseits­vor­stel­lungen in Japan. Obwohl im Titel das Reine Land des Amida Amida Nyorai 阿弥陀如来 Buddha Amitabhasiehe auch Amida → Ikonographie/Kannon→ Ikonographie/Myoo an­ge­sprochen ist, beginnt der Text mit einer Beschrei­bung der Sechs Bereiche der Wiedergeburt und widmet sich aus­führlich den acht Ab­teilungen der buddhis­tischen Hölle, um im Anschluss daran das Reine Land zu schildern. Die an­schließen­den Kapitel behandeln die Techniken, um im Reinen Land wieder­geboren zu werden, im be­sonderen die Anrufung von Amidas Namen (nenbutsu nenbutsu 念仏 Anrufung des Namens von Buddha Amida, Gebetsformel der Amida-Anhängersiehe auch Amida → Alltag/Moenche→ Geschichte/Amidismus→ Geschichte/Zen→ Geschichte/Nichiren ). Den stärksten Ein­druck — zumindest in der Ikono­graphie — hinter­ließen aber nicht die im Ōjōyōshū in Aussicht gestell­ten Be­lohnun­gen, sondern die Bestra­fungen in der Hölle.

Die Höllen­beschreibun­gen des Ōjō yōshū beruhen ihrerseits auf diversen chinesi­schen Werken, u.a. dem Qishi jing Qishi jing (chin.) 起世経 chin. Sutra, jap. Kise-kyō (jap. Kise-kyō), ein Sutra, das bereits um 600 in China be­kannt war. Manche der obigen Ab­bildungen aus dem zwölften Jahrhundert sind Illustra­tionen zu diesem Werk. Man nimmt an, dass sie von Go-Shirakawa Tennō Go-Shirakawa Tennō 後白河天皇 1127–1192; 77. Kaiser von Japan; (r. 1155–1158); stellte vor allem als Exkaiser im Mönchsstand ein wichtiges politisches Gegengewicht zu den Diktatoren Taira no Kiyomori und Minamoto no Yoritomo darsiehe auch→ Ikonographie/Dainichi/Daibutsu→ Mythen/Tengu→ Mythen/Hoellen/Hungergeister→ Texte/Jinno shotoki (1127–1192, r. 1155–58) in Auftrag gegeben wurden. Von diesem einfluss­reichen Herrscher aus der Zeit der Kämpfe zwischen Minamoto und Taira (Genpei Krieg Genpei Gassen 源平合戦 Krieg zwischen den Minamoto (Gen) und den Taira (Hei, bzw. Pei), 1180–1185siehe auch Kamakura → Bauten/Schreine/Shimenawa→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Bauten/Bekannte Schreine/Itsukushima→ Ikonographie/Dainichi/Daibutsu→ Ikonographie/Waechtergoetter/Nio → mehr ) weiß man, dass er eine ganze Reihen von Jenseits-Bildrollen (rokudō-e) herstellen ließ, zu denen auch die Bilder der Hunger­geister (Gaki zōshi Gaki zōshi 餓鬼草紙 Illustrierte Querbildrollen der Hungergeistersiehe auch Hungergeister → Mythen/Hoellen ) zählen.

Mythen/Hoellen (zurück zum Hauptartikel)
Ikonographie
Religion-in-Japan > Mythen > Hoellen > Hoellenbilder