Höllenbilder

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Bernhard Scheid, „Höllenbilder.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 16.2.2014). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Mythen:Hoellen/Hoellenbilder?oldid=35543

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Hölle des Maßnehmens

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Jigoku zōshi

Querbildrolle (Papier, Farbe), Detail. Späte Heian-Zeit, 12. Jh.; „Nationalschatz“; im Besitz des Nara National Museums; 26,5 x 454,7 cm
Bild © e-museum. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Die Hölle des Maßnehmens.

Die Hölle des Maßnehmens. Abb. aus den Jigoku zōshi, 12. Jh
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Die „Hölle des Maßnehmens“ ist Betrügern vorbehalten, die mit gefälschten Maßen arbeiten. Die oben dar­ge­stellte Szene beruht auf dem Qishi jing und wurde wahr­schein­lich im zwölften Jahr­hundert von Go-Shirakawa Tennō (Go-Shirakawa Tennō 後白河天皇77. Kaiser Japans, 1127–1192, r. 1155–1158 …mehr ⇒) in Auftrag gegeben (s.u.).

Hölle des Eisernen Mörsers

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Jigoku zōshi

Querbildrolle (Papier, Farbe), Detail. Späte Heian-Zeit, 12. Jh.; „Nationalschatz“; im Besitz des Nara National Museums; 26,5 x 454,7 cm
Bild © e-museum. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Die Hölle des Eisernen Mörsers.

Die „Hölle des Eisernen Mörsers“; Abb. aus den Jigoku zōshi, 12. Jh
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Eine weitere Szene aus der zuvor gezeigten Höllen-Bildrolle. Die Folterknechte der Hölle zer­mahlen hier Diebe in einem Mörser. In dieser frühen Dar­stellung sind die Folter­knechte noch viel individueller und ge­stalten­reicher als auf späteren Höllenbildern. Auch eine alte Frau (vielleicht Datsueba (Datsueba 奪衣婆wtl. die Alte, die die Kleider wegnimmt …mehr ⇒)?) ist darunter.

Zermalmen, Kochen und Braten

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Kasuga gongen kenki

Querbildrolle von Takashina Takakane, Detail. Kamakura-Zeit, 1309
Abb. aus dem Kasuga gongen kenki von Takashina Takakane, 1309

Das Zermalmen, Kochen und Braten gehört zu den Standard-Folter­methoden der japanischen Höllen­bilder. Auf diesem Bild aus der Kamakura-Zeit sind auch die Höllen-Dämonen bereits so ähnlich dar­ge­stellt wie die in Japan all­seits bekannten oni (oni Dämon, „Teufel“; in sino-japanischer Aussprache (ki) ein allgemeiner Ausdruck für Geister …mehr ⇒), die sich auch außerhalb der Hölle herumtreiben.

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Ōjōyōshū

Illustration von Genshin. Edo-Zeit, 1790
Abb. aus einer illustrierten Ausgabe von Genshins Ōjōyōshū, Edo-Zeit, 1790

Die Höllenmotive aus dem Mittelalter wurden auch in der Edo (Edo 江戸Sitz der Tokugawa Shogune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tokyo …mehr ⇒)-Zeit getreulich reproduziert.

Blutteich

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Jigoku zōshi

Querbildrolle (Seide, Farbe), Detail. Späte Heian-Zeit, 12. Jh.; „Nationalschatz“; im Besitz des Tokyo National Museums; 26,9 x 249,3 cm
Bild © e-museum. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Blutteich.

Blutteich, Abb. aus den Jigoku zōshi, späte Heian-Zeit, 12. Jh.
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Eine der frühesten Abbildungen des „Blutteichs“ (chi no ike (chi no ike 血の池Blutsee …mehr ⇒)), eines Teils der Hölle, der speziell den Frauen vor­be­halten ist. In vielen vulkani­schen Gegenden Japans kann es vorkommen, dass röt­liches Wasser aus dem Felsen kommt. Wo das der Fall ist, findet man zu­meist auch einen „Blutteich“ (s. Osore-zan).

Textquellen

Die frühesten Beschreibungen der Hölle aus Sicht japanischer Autoren finden sich im Nihon ryōiki (Nihon ryōiki 日本霊異記„Wunder­same Bege­ben­heiten aus Japan“; buddhistische Legendensammlung von Kyōkai (Anfang 9. Jh.) …mehr ⇒) aus dem frühen neunten Jahrhundert. Im Unterschied zu späteren Quellen ist hier die Lage und räumliche Struktur der Hölle noch weitgehend unbestimmt, auch die Höllenqualen (Ertrinken, Verbrennen) werden nur kurz angedeutet. Die konkreten japanischen Höllendarstellungen aus späterer Zeit hängen meist direkt oder indirekt mit einem Werk namens Ōjō yōshū (Ōjō yōshū 往生要集„Essentielle [Lehren] der Wiederbgeburt“, 985 von → Genshin verfasst …mehr ⇒) („Über die Wieder­geburt im Reinen Land“) zu­sammen. Es wurde 985 von Genshin (Genshin 源信Tendai-Mönch (942–1017); Autor des → Ōjō yōshū; Wegbereiter der → Jōdo-shū …mehr ⇒), einem Mönch der Tendai-shū (Tendai-shū 天台宗Tendai Schule, chin. Tiantai …mehr ⇒) verfasst und gilt als einer der einfluss­reichs­ten Texte über buddhis­tische Jenseits­vor­stel­lungen in Japan. Obwohl im Titel das Reine Land des Amida (Amida Nyorai 阿弥陀如来Buddha Amitabha …mehr ⇒) an­ge­sprochen ist, beginnt der Text mit einer Beschrei­bung der Sechs Bereiche der Wiedergeburt und widmet sich aus­führlich den acht Ab­teilungen der buddhis­tischen Hölle, um im Anschluss daran das Reine Land zu schildern. Die an­schließen­den Kapitel behandeln die Techniken, um im Reinen Land wieder­geboren zu werden, im be­sonderen die Anrufung von Amidas Namen (nenbutsu (nenbutsu 念仏Anrufung des Namens von Buddha Amida, Gebetsformel der Amida-Anhänger …mehr ⇒)). Den stärksten Ein­druck — zumindest in der Ikono­graphie — hinter­ließen aber nicht die im Ōjōyōshū in Aussicht gestell­ten Be­lohnun­gen, sondern die Bestra­fungen in der Hölle.

Die Höllenbeschreibungen des Ōjōyōshū beruhen ihrerseits auf diversen chinesi­schen Werken, u.a. dem Qishi jing (Qishi jing 起世経 (chin.) — chin. Sutra, jap. Kise-kyō …mehr ⇒) (jap. Kise-kyō), ein Sutra, das bereits um 600 in China be­kannt war. Manche der obigen Ab­bildungen aus dem zwölften Jahrhundert sind Illustra­tionen zu diesem Werk. Man nimmt an, dass sie von Go-Shirakawa Tennō (Go-Shirakawa Tennō 後白河天皇77. Kaiser Japans, 1127–1192, r. 1155–1158 …mehr ⇒) (1127–1192, r. 1155–58) in Auftrag gegeben wurden. Von diesem einfluss­reichen Herrscher aus der Zeit der Kämpfe zwischen Minamoto und Taira (Genpei Krieg (Genpei gassen 源平合戦Krieg zwischen den Minamoto (Gen) und den Taira (Hei, bzw. Pei), 1180–1185 …mehr ⇒)) weiß man, dass er eine ganze Reihen von Jenseits-Bildrollen (rokudō-e) herstellen ließ, zu denen auch die Bilder der Hunger­geister (Gaki zōshi (Gaki zōshi 餓鬼草紙Illustierte Querbildrollen der Hungergeister …mehr ⇒)) zählen.

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