Paradiese und Reine Länder

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Bernhard Scheid, „Paradiese und Reine Länder.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 20.9.2016). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Mythen/Paradiese?oldid=67137X
 amida_yamagoe_13jh.jpg

Amida hinter den Bergen

Hängebildrolle, nyorai. Kamakura-Zeit, 13. Jh.; „Nationalschatz“; 120,6 x 80,3 cm
Bildquelle: Wikimedia Commons. (Letzter Zugriff: 2016/8)
Kyōto National Museum

Das Bild zeigt „Amida, der die Berge überschreitet“. Er tut dies, um einem Sterbenden entgegenzugehen und ihn in sein Reines Land zu geleiten. Dieses Motiv ist in den Amida-Darstellungen der Kamakura-Zeit besonders häufig anzutreffen.

. 1 Amida hinter den Bergen

Paradies heißt auf japanisch gokuraku gokuraku 極楽 Paradies; identisch mit dem Reinen Land ( jōdo)siehe auch→ Ikonographie/Shaka→ Mythen/Jenseits→ Geschichte/Heian Zeit , wtl. „höchstes Glück“. Wer gokuraku sagt, denkt als aller­erstes an das Reine Land (jōdo jōdo 浄土 Reines Land, Paradiessiehe auch Amida → Geschichte/Heian Zeit→ Geschichte/Kamakura→ Geschichte/Amidismus→ Geschichte/Zen ) des Buddha Amitabha अमिताभ Amitābha (skt., m.) „Unermesslicher Glanz“; jap. Amida 阿弥陀siehe auch →  Amida → Geschichte/Amidismus (jap. Amida Amida 阿弥陀 Buddha Amitabha; Hauptbuddha der Schulen des Reinen Landes (Jōdo-shū bzw. Jōdo Shinshū)siehe auch Amida → Bauten/Tempel→ Bauten/Bekannte Schreine/Nikko→ Ikonographie/Mandala→ Alltag/Jahr→ Ikonographie/Mudra → mehr ). Es ist eine Art Vor­stufe des Nirvana निर्वाण Nirvāṇa (skt., n.) „Erloschen, ausgelöscht“, Ort der Erlösung von allem Leid; jap. Nehan 涅槃siehe auch →  Buddhismus Lehre → Ikonographie→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Alltag/Totenriten→ Ikonographie/Amida→ Ikonographie/Shaka → mehr , und wer nach seinem Tod in dieses Reine Land hin­über­ge­boren wird, hat bereits den Fuß in der Tür zur end­gültigen Erlösung. Keine karmische कर्म Karma (skt., n.) „Tat“, auch „konse­quente Folge“; moralische Bilanz der gesetzten Handlungen; jap. Gō 業siehe auch →  Buddhismus Lehre → Grundbegriffe/Buddhismus→ Grundbegriffe/Shinto→ Grundbegriffe/Weltbild→ Ikonographie→ Alltag/Opfergaben → mehr Macht kann ihn mehr zur Wieder­geburt in einem der Sechs Wege zwingen. Nach den Vor­stel­lungen der Amidisten ist es nicht einmal not­wendig, im irdischen Leben die Er­leuch­tung zu erfahren. Wenn man nur im auf­richtigen Glauben an Amidas mildtätige Kraft stirbt, ist einem die Geburt im Reinen Land sicher. Um diese Vor­stel­lung haben sich im ja­pa­nischen Mittel­alter ver­schiedene Richtun­gen ge­bildet, die auch heute noch einen be­trächt­lichen Teil des japanischen Buddhis­mus darstellen (s. dazu Kap. Geschichte, Amidismus).

Auch in China und Tibet, bzw. im gesamten Mahayana महायान Mahāyāna (skt., n.) „Großes Fahrzeug“, buddhistische Richtung; jap. Daijō 大乗siehe auch →  Buddhismus → Grundbegriffe/Buddhismus Lehre→ Ikonographie→ Ikonographie/Kannon→ Ikonographie/Shaka/Buddhas Leben→ Ikonographie/Myoo/Vajrapani → mehr Buddhis­mus, ist der Glaube an Amidas Reines Land (skt. Sukhavati सुखावती Sukhāvatī (skt., f.) „Reines Land“; jap. Jōdo 浄土siehe auch →  Amida → Geschichte/Amidismus ) weit ver­breitet. Darüber hinaus gibt es aber noch andere Reine Länder oder para­diesische Vor­stufen des Nirvana, die anderen Buddhas zu­ge­ordnet sind. Gegen­über Amidas Reinem Land nehmen diese Paradiese aber einen unter­ge­ordneten Rang ein.

Taima mandara

Schon in China wurde Amidas Paradies auf der Grundlage der Drei Amida Sutren सूत्र sūtra (skt., n.) „Faden“, Lehr­rede des Buddha, kanoni­sche Schrift; jap. kyō 経 oder kyōten 経典siehe auch →  Sutra → Grundbegriffe/Buddhismus→ Grundbegriffe/Buddhismus Lehre→ Bauten/Tempel→ Alltag/Gluecksbringer→ Bauten/Bekannte Schreine/Fushimi → mehr auch bild­lich dar­ge­stellt. In Japan ist dieses Motiv vor allem in Form des so­ge­nannten Taima mandara Taima mandara 当麻曼陀羅 Darstellung von Amidas Reinem Landsiehe auch→ Ikonographie/Mandala vertreten. Auf diesem mandala मण्डल maṇḍala (skt., n.) „Kreis“, schematische Dar­stel­lung der kosmischen Ordnung; jap. mandara 曼荼羅siehe auch →  Mandala → Bauten/Bekannte Schreine/Kasuga→ Ikonographie/Dainichi→ Ikonographie/Shinto-Goetter→ Ikonographie/Mandala/Ryogai Mandara→ Ikonographie/Shaka/Buddhas Leben → mehr nimmt Amida, flankiert von den Bodhisattva बोधिसत्त्व Bodhisattva (skt., m.) „Erleuchtetes Wesen“; jap. bosatsu 菩薩siehe auch →  Buddhismus Lehre → Bauten/Tempel→ Ikonographie→ Bauten/Tempel/Pagoden→ Ikonographie/Kannon→ Bauten/Bekannte Schreine → mehr s Seishi Bosatsu Seishi Bosatsu 勢至菩薩 Bodhisattva Mahasthamaprapta; Begleiter Amidassiehe auch Ikonographie → Ikonographie/Kannon→ Ikonographie/Amida und Kannon Kannon Bosatsu 観音菩薩 Bodhisattva Avalokiteshvara, wtl. „der den Klang der Welt erhört“; chin. Guanyin; „Bodhisattva des Mitleids“siehe auch Kannon → Bauten/Tempel→ Ikonographie→ Mythen/Hoellen/Hungergeister→ Geschichte/Fruehzeit/Shotoku Taishi die zentrale Position ein. Die Dreier­gruppe sitzt in einer weit­läufigen Palast­anlage, die von einer Un­zahl himmlischer Wesen be­völkert ist. Im Vor­der­grund ist zu sehen, wie eben ver­storbene Gläubige im Reinen Land empfangen werden.

 taima_fukui.jpg

Taima Mandara

Mandala (Seide, Farbe). 1721; im Besitz des Shōkaku-ji, Takefu-shi, Fukui-ken; 388,7 × 399,2 cm
Bild © Historisches Museum der Stadt Fukui. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Das Taima mandara stellt des Buddhas Amida Reines Land dar.

. 2 Taima Mandara (1721)

Eine weitere Variante von Paradies­bildern zeigt, wie Amida hinter hohen Bergen her­vor­tritt, um die Gläubigen zu empfangen (s.o.). Der Blick auf das Paradies bleibt dabei durch die Berge verstellt.

Verweise

Bilderläuterungen

  1. Amida yamagoe 13jh.jpg

    Amida hinter den Bergen

    Hängebildrolle, nyorai. Kamakura-Zeit, 13. Jh.; „Nationalschatz“; 120,6 x 80,3 cm
    Bildquelle: Wikimedia Commons. (Letzter Zugriff: 2016/8)
    Kyōto National Museum

    Das Bild zeigt „Amida, der die Berge überschreitet“. Er tut dies, um einem Sterbenden entgegenzugehen und ihn in sein Reines Land zu geleiten. Dieses Motiv ist in den Amida-Darstellungen der Kamakura-Zeit besonders häufig anzutreffen.

  2. Taima fukui.jpg

    Taima Mandara

    Mandala (Seide, Farbe). 1721; im Besitz des Shōkaku-ji, Takefu-shi, Fukui-ken; 388,7 × 399,2 cm
    Bild © Historisches Museum der Stadt Fukui. (Letzter Zugriff: 2016/8)

    Das Taima mandara stellt des Buddhas Amida Reines Land dar.

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Letzte Überprüfung der Linkadressen: Sept. 2016

Literatur

Elizabeth ten Grotenhuis 1999
Japanese Mandalas: Representations of Sacred Geography. Honolulu: University of Hawaii Press 1999.
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