Tiergötter und Götterboten, Teil 3 Symboltiere und Tiersymbole

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Bernhard Scheid, „Tiergötter und Götterboten, Teil 3 Symboltiere und Tiersymbole.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 24.1.2014). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Mythen:Symboltiere?oldid=35472

Sowohl einheimische Gottheiten (kami kami japanische Gottheitsiehe auch Shinto → Buddhismus Lehre→ Schreine→ Weltbild→ Ikonographie→ Omairi → mehr ), als auch buddhis­tische Wesen können mit spezifischen Tieren eine enge symbo­lische Bezie­hung ein­gehen. In Legenden und bild­lichen Darstel­lungen kann das Tier entweder als Bote (o-tsukai o-tsukai お使い wtl. Bote; auch: Götterbote, häufig in Tiergestaltsiehe auch→ Bekannte Schreine/Fushimi→ Shinto-Goetter/Kasuga Mandala ) einer Gottheit fungieren oder sich als Erscheinungsform der Gottheit entpuppen. An Tempeln und Schreinen dienen solche Tiere als ver­trau­te Erken­nungs­merk­male der jeweiligen Gottheit. Fol­gende Tiere, die teil­weise auf anderen Seiten genauer bespro­chen werden, stehen in besonders enger Verbindung zu bestimmten Gott­heiten:

Fuchs Inari Inari 稲荷 Reisgottheit, häufig von Fuchswächtern bewachtsiehe auch Fushimi → Bekannte Tempel/Berg Koya→ Bekannte Schreine→ Shinto-Goetter→ Imaginaere Tiere→ Verwandlungskuenstler → mehr Schlange Benzaiten Benten 弁天 Glücksgöttin; Kurzform von Benzaitensiehe auch Benzaiten → Gluecksgoetter/Benzaiten
Affe Hie/Hiyoshi Hie Taisha 日吉大社 Schutzschrein von Berg Hiei bei Kyoto; moderne Aussprache Hiyoshi Taisha; auch: Sannō Schreinsiehe auch Honji suijaku → Bekannte Tempel→ Goetter der Erde/Okuninushi (Sannō) Hirsch Kasuga Kasuga Taisha 春日大社 Kasuga Schrein, Nara; ehemals Ahnenschrein der Fujiwarasiehe auch Bekannte Schreine → Bekannte Tempel→ Bekannte Schreine/Itsukushima→ Bekannte Schreine/Kasuga→ Mandala→ Shinto-Goetter → mehr
Rind Tenjin Tenjin 天神 wtl. „Himmelsgott“, s.a. „Tenman Tenjin“siehe auch Bekannte Schreine → Bekannte Schreine/Tenjin→ Shinto-Goetter→ Geister , Enma Enma 閻魔 skt. Yama; König oder Richter der Unterwelt; auch Enra; meist als Enma-ten oder Enma-ō angesprochensiehe auch Enma → Ikonographie→ Jizo→ Myoo→ Waechtergoetter→ Jenseits → mehr Taube Hachiman Hachiman 八幡 Shinto Gottheit, Ahnengottheit des Tenno und des Kriegeradels; auch „Yawata“ ausgesprochensiehe auch Shinto-Götter → Bekannte Schreine→ Bekannte Schreine/Kasuga→ Shinto-Goetter→ Dainichi/Daibutsu→ Goetter der Erde → mehr
Maus Daikoku Daikoku 大黒 Glücksgott; skt. Mahakala = „Großer Schwarzer“; auch Daikoku-tensiehe auch Daikoku → Bekannte Tempel/Asakusa→ Ise Izumo/Izumo Schrein→ Myoo→ Gluecksgoetter → mehr , Bishamon-ten Bishamon-ten 毘沙門天 Himmelswächter des Nordens, Glücksgottsiehe auch Bishamonten → Myoo→ Waechtergoetter→ Gluecksgoetter→ Myoo/Vajrapani→ Gluecksgoetter/Daikoku → mehr Hase Ōkuninushi Ōkuninushi 大国主 mythol. Gottheit; wtl. Großer Meister des Landessiehe auch Okuninushi → Bekannte Tempel→ Ise Izumo→ Ise Izumo/Izumo Schrein→ Gluecksgoetter→ Gluecksgoetter/Daikoku → mehr

Affen

Zoologisch betrachtet ist in Japan nur eine einzige Affenart heimisch, der sog. Japan-Makak (nihon-zaru). Er besitzt ein rotes Gesicht, rote Hinter­backen und ein verhältnis­mäßig dichtes langes Fell. Diese in großen Rudeln lebende Makakenart ist auf allen Hauptinseln außer auf Hokkaido weit verbrei­tet und kann sowohl in Tier­parks als auch in freier Natur beob­achtet werden. Der nihon-zaru ist den Japanern also sehr vertraut und kommt ent­spre­chend häufig in japa­nischen Märchen und Legenden vor. Er tritt dabei meist als Clown oder unge­schickter Schwindler auf, der erfolglos ver­sucht, es den Menschen gleich­zutun. Dennoch ist das Image des Affen nicht grund­sätzlich schlecht. Sogar einer der berühm­testen Heer­führer Japans, Toyotomi Hideyoshi Toyotomi Hideyoshi 豊臣秀吉 Feldherr, Reichseiniger; 1537–1598siehe auch Christentum → Bekannte Schreine/Tenjin→ Dainichi/Daibutsu→ Gluecksgoetter/Daikoku→ Amidismus → mehr , trug den Spitz­namen „Affe“. Außerdem taucht der Affe auch als Gott oder göttlicher Bote auf.

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Nihon-zaru (Affe als Sanbaso-Tänzer)

Zeichnung von Mori Sosen (1774-1821). 1800
Bild © Pacific Asia Museum, Pasadena. (Letzter Zugriff: 2013/8)

Das Bild wurde im „Metall-Affen“ Jahr 1800 am Tag des Metall-Affen (kōshin) angefertigt und zeigt einen tanzenden Affen in priesterlich anmutendem Gewand, ähnlich dem eines Shinto-Priesters. Anhand von Fächer und Schelle lässt er sich aber als Tänzer des Sanbasō identifizieren. Dies ist ein ritueller Tanzes des Noh-Theaters, das ja auch als sarugaku, „Affenmusik“, bezeichnet wird.

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Nihon-zaru

Zeichnung von Mori Sosen (1774-1821)
Bildquelle: Shinenkan Foundation. (Letzter Zugriff: 2005/6)

Mori Sosen gilt als Meister der Affendarstellung.

Affenportraits von Mori Sosen, dem Meister der Affendarstellung

Religiöse Rollen des Affen

  • Der Hie Hie Taisha 日吉大社 Schutzschrein von Berg Hiei bei Kyoto; moderne Aussprache Hiyoshi Taisha; auch: Sannō Schreinsiehe auch Honji suijaku → Bekannte Tempel→ Goetter der Erde/Okuninushi (auch Hiyoshi) Schrein am Fuße des Klosterberges Hiei Hiei-zan 比叡山 Klosterberg Hiei bei Kyoto, traditionelles Zentrum des Tendai-Buddhismussiehe auch Bekannte Tempel → Pilgerschaft→ Bekannte Schreine/Nikko→ Jizo/Osorezan→ Saicho → mehr fungiert als Schutzschrein dieses einstmals mächtigsten Klosters von Japan. Seine zahlreichen Unterschreine werden kollektiv zu einer Gottheit zusammengefasst, Sannō Sannō 山王 Wtl. „Bergkönig“; Schutzgott des Tendai-Klosters auf Berg Hieisiehe auch Affen → Goetter der Erde/Okuninushi→ Honji suijaku , wtl. der Bergkönig. Dieser „Bergkönig“ wird mitunter auch als Affe dargestellt, bzw. sieht man Affen als seine Boten an. Vielleicht kommt es daher, dass Affen gern in der Kleidung von Shinto-Priestern abgebildet werden.
  • Das Noh-Theater nannte sich ursprünglich sarugaku sarugaku 猿楽 Alte Bezeichnung für Noh-Theater; wtl. „Affenmusik“siehe auch Affen → Goetter des Himmels/Uzume , wtl. „Affenmusik“ oder „Affentheater“. Dieser Namen war aber keinesfalls abfällig zu verstehen. Vielmehr hießen bereits die Priestertänzerinnen am Hof der Heian Heian 平安 alter Name Kyotos; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit)siehe auch Heian Zeit → Ikonographie→ Opfergaben→ Kannon→ Bekannte Schreine→ Bekannte Schreine/Fushimi → mehr -Zeit sarume sarume 猿女 Priestertänzerin; wtl. „Affenfrau“siehe auch Affen → Goetter des Himmels/Uzume , wtl. „Affen-Frauen“. Die Ahnengöttin dieser Priesterinnen ist Sarume no kimi, alias Ame no Uzume, die Ahnherrin von Tanz und Theater. Sie heiratete einen Gott namens Sarutahiko Sarutahiko 猿田彦 Mythologische Gottheit in Tengu-ähnlicher Gestaltsiehe auch Goetter der Erde → Tengu→ Goetter des Himmels/Uzume , dessen rotes Gesicht vielleicht einst einen Affen darstellen sollte. Affe und (religiöser) Tanz waren jedenfalls im japanischen Altertum eng miteinander assoziiert.
  • Die berühmteste figurative Darstellung von Affen befindet sich im Schrein von Nikkō: die Drei Weisen Affen, die nicht hören, nicht sehen und nicht sprechen wollen. Das Motiv dieser Drei Affen gibt es in vielen Kulturen, in Japan macht es aber auf ganz besondere Weise Sinn: „nicht sehen“, „nicht hören“, und „nicht sprechen“ heißt auf Klassisch-Japanisch: mizaru kikazaru iwazaru, wobei die Endung -zaru sowohl eine Verneinung als auch „Affe“ bedeuten kann. Ihre Beliebtheit hängt mit dem sogenannten Kōshin-Glauben (kōshin shinkō kōshin shinkō 庚申信仰 Kōshin-Glauben, ein ursprünglich aus dem Daoismus stammender Kult zur Verlängerung des Lebenssiehe auch Drei Affen → Jenseits/Enma ) zusammen, der ehemals in Japan weit verbreitet war.
  • Es ist auch kein Zufall, dass die Drei Affen von Nikkō an einem Nebengebäude des Schreins zu bewundern sind, in dem einst weiße Pferde gehalten wurden. Nach einem auch in China weit verbreiteten Glauben hält man Pferde gesund, indem man Affen in ihren Ställen ansiedelt. Affen und Pferde werden daher auch in der bildenden Kunst häufig gemeinsam dargestellt. Angeblich sollen die berittenen Samurai des Mittelalters Affenhäute über ihre Köcher gespannt haben, um die Gesundheit ihrer Pferde zu garantieren.

Weitere Tiere mit religiöser Symbolik

  • Die Zwölf Tierkreiszeichen (Ratte, Büffel, Tiger, Hase, Drache, Schlange, Pferd, Schaf, Affe, Hahn, Hund, Wildschwein) stehen im chinesischen Kalender, der in Japan bis zur Meiji Meiji 明治 posthumer Name von Kaiser Mutsuhito; nach ihm wird auch die Meiji-Zeit (1868–1912) benanntsiehe auch Geschichtsperioden → Shinto→ Shinto/Jindo→ Jahr→ Matsuri→ Familie → mehr -Zeit Verwendung fand, nicht nur für Monate, sondern v.a. für Jahre. Ähnlich wie im Fall der hierzulande bekannten Sternzeichen, verleiht ein Jahrestier allen, die in diesem Jahr geboren werden, einen bestimmten Charakter. Mehr dazu...
  • Kraniche (tsuru tsuru Kranich) und Schildkröten (kame kame Schildkröte) sind beide chinesische Symbole des Langen Lebens und zieren daher alle möglichen glücksbringenden Gegenstände, Schreine und Tempel. Sie sind auch ein beliebtes Neujahrsmotiv. Schildkröten treten darüber hinaus in Mythen und Legenden, etwa der Geschichte von Urashima Tarō Urashima Tarō 浦島太郎 Held einer berühmten Sagesiehe auch Götter der Erde → Goetter der Erde→ Gluecksgoetter/Ebisu , als göttliche Botentiere in Erscheinung.
  • Katzen (neko neko Katze) sind ähnlich wie Füchse und Tanuki magisch begabt. Besonders zauberkräftige Katzen erkennt man (ähnlich wie Füchse) an ihren mehrfach gespaltenen Schwänzen. Solche Gespensterkatzen (nekomata nekomata 猫又 Gespensterkatze) sind ausgesprochen unheimlich. Als Winke-Katze (maneki neko maneki neko 招き猫 winkende Katze, Winkekatze; Glücksbringer, besonders für geschäftlichen Erfolgsiehe auch Gluecksbringer ) stellen sie hingegen ihre Magie in den Dienst der Geschäftsleute und verhelfen ihnen zu mehr Umsatz.
  • Der Hase steht mit dem Mond in Verbindung. In Japan meint man, in der Scheibe des Volllmonds kein Gesicht, sondern einen Hasen zu erkennen, der mit einem hammerartigen Schlegel (kine) Reis stampft. Diese Idee dürfte auf eine buddhistische Legende aus den indischen Jataka-Erzählungen zurückgehen. In China hat sich daraus ein Hase entwickelt, der Kräuter zu einem Elixier des Langen Lebens zusammenstampft, in Japan hingegen stampft er Reiskuchen (mochi). Dies angeblich deshalb, weil der Ausdruck mochizuki sowohl „Vollmond“ als auch „Reisstampfen“ bedeuten kann. Die Verbindung Hase-Mond ist jedoch ein mythologisches Motiv, das sich auch außerhalb des Buddhismus findet.
  • Pferde gelten zwar nicht als magisch begabt, dienten aber in früherer Zeit wie alle wertvollen Dinge als beliebte Opfergaben (siehe auch Pferde-Bilder) und außerdem als Götterboten. In der Edo-Zeit wurden z.B. die Gottheiten des kaiserlichen Ahnenschreins in Ise Ise Jingū 伊勢神宮 kaiserlicher Ahnenschrein (wtl. Götterpalast) von Ise, Präfektur Miesiehe auch Ise Izumo → Shinto→ Shinto-Goetter→ Symboltiere/Tauben→ Nara → mehr gerne als Pferd dargestellt.
  • Ein eher unheimliches Tier ist der Wels (namazu namazu Namazu oder Wels; in der Edo-Zeit als Erdbebengott von religiöser Bedeutungsiehe auch Namazu-e ). In der Edo-Zeit glaubte man, dass ein riesiger Wels-Gott Ursache für Erdbeben sei. Ein großes Erdbeben im Jahr 1855 löste eine Flut von sog. Welsbildern (namazue) aus, in denen das Erdbeben und seine Folgen in symbolischer und oft karikierender Weise dargestellt wurden. (Mehr...)
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Humoristische Tierbilder (Chōju giga)

Querbildrolle (Tusche) von Kakuyū? (1053-1140), Detail; „Nationalschatz“; im Besitz des Tempels Kozan-ji, Kyoto
Bildquelle: Wikimedia Commons. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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