Tiergötter und Götterboten, Teil 3 Symboltiere und Tiersymbole

Religion-in-Japan > Mythen > Symboltiere
< Mythen(Weitergeleitet von Mythen:Symboltiere)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Diese Seite zitieren:
Bernhard Scheid, „Tiergötter und Götterboten, Teil 3 Symboltiere und Tiersymbole.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 10.8.2015). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Mythen/Symboltiere?oldid=54381X

Sowohl einheimische Gottheiten (kami kami japanische Gottheitsiehe auch Shinto → Grundbegriffe/Buddhismus Lehre→ Bauten/Schreine→ Grundbegriffe/Weltbild→ Ikonographie→ Alltag/Omairi → mehr ), als auch buddhis­tische Wesen können mit spezifischen Tieren eine enge symbo­lische Bezie­hung ein­gehen. In Legenden und bild­lichen Darstel­lungen kann das Tier entweder als Bote (o-tsukai o-tsukai お使い wtl. Bote; auch: Götterbote, häufig in Tiergestaltsiehe auch→ Bauten/Bekannte Schreine/Fushimi→ Ikonographie/Shinto-Goetter/Kasuga Mandala ) einer Gottheit fungieren oder sich als Erscheinungsform der Gottheit entpuppen. An Tempeln und Schreinen dienen solche Tiere als ver­trau­te Erken­nungs­merk­male der jeweiligen Gottheit. Fol­gende Tiere, die teil­weise auf anderen Seiten genauer bespro­chen werden, stehen in besonders enger Verbindung zu bestimmten Gott­heiten:

Fuchs Inari Inari 稲荷 Reisgottheit, häufig von Fuchswächtern bewachtsiehe auch Fushimi → Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya→ Bauten/Bekannte Schreine→ Ikonographie/Shinto-Goetter→ Mythen/Imaginaere Tiere→ Mythen/Verwandlungskuenstler → mehr Schlange Benzaiten Benten 弁天 Glücksgöttin; Kurzform von Benzaitensiehe auch Benzaiten
Affe Hie/Hiyoshi Hie Taisha 日吉大社 Schutzschrein von Berg Hiei bei Kyōto; moderne Aussprache Hiyoshi Taisha; auch: Sannō Schreinsiehe auch Honji suijaku → Bauten/Bekannte Tempel→ Mythen/Goetter der Erde/Okuninushi→ Karte (Sannō) Hirsch Kasuga Kasuga Taisha 春日大社 Kasuga Schrein, Nara; ehemals Ahnenschrein der Fujiwarasiehe auch Bekannte Schreine → Bauten/Bekannte Tempel→ Alltag/Opfergaben→ Bauten/Bekannte Schreine/Itsukushima→ Bauten/Bekannte Schreine/Kasuga→ Ikonographie/Mandala → mehr
Rind Tenjin Tenjin 天神 wtl. „Himmelsgott“, s.a. „Tenman Tenjin“siehe auch Bekannte Schreine → Bauten/Bekannte Schreine/Tenjin→ Ikonographie/Shinto-Goetter→ Mythen/Geister , Enma Enma 閻魔 skt. Yama; König oder Richter der Unterwelt; auch Enra; meist als Enma-ten oder Enma-ō angesprochensiehe auch Enma → Ikonographie→ Ikonographie/Jizo→ Ikonographie/Myoo→ Ikonographie/Waechtergoetter→ Mythen/Jenseits → mehr Taube Hachiman Hachiman 八幡 Shintō-Gottheit, Ahnengottheit des Tennō und des Kriegeradels; auch „Yawata“ ausgesprochensiehe auch Shinto-Goetter → Bauten/Bekannte Schreine→ Bauten/Bekannte Schreine/Kasuga→ Ikonographie/Dainichi/Daibutsu→ Mythen/Goetter der Erde → mehr
Maus Daikoku Daikoku 大黒 Glücksgott; skt. Mahakala = „Großer Schwarzer“; auch Daikoku-tensiehe auch Daikoku → Bauten/Bekannte Tempel/Asakusa→ Bauten/Ise Izumo/Izumo Schrein→ Ikonographie/Myoo→ Ikonographie/Gluecksgoetter → mehr , Bishamon-ten Bishamon-ten 毘沙門天 Himmelswächter des Nordens, Glücksgottsiehe auch Bishamonten → Ikonographie→ Ikonographie/Myoo→ Ikonographie/Waechtergoetter→ Ikonographie/Gluecksgoetter→ Ikonographie/Myoo/Vajrapani → mehr Hase Ōkuninushi Ōkuninushi 大国主 mythol. Gottheit; wtl. Großer Meister des Landessiehe auch Okuninushi → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Ise Izumo→ Bauten/Ise Izumo/Izumo Schrein→ Ikonographie/Gluecksgoetter→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Daikoku → mehr

Affen

Zoologisch betrachtet ist in Japan nur eine einzige Affenart heimisch, der sog. Japan-Makak (nihon-zaru nihon-zaru 日本猿 macaca fuscata, Japanmakak; einzige in Japan beheimatete Affenart, hat von allen Primaten das nördlichste Verbreitungsgebiet). Er besitzt ein rotes Gesicht, rote Hinter­backen und ein verhältnis­mäßig dichtes langes Fell. Diese in großen Rudeln lebende Makakenart ist auf allen Haupt­inseln außer auf Hokkaido weit verbrei­tet und kann sowohl in Tier­parks als auch in freier Natur beob­achtet werden. Der nihon-zaru ist den Japanern also sehr vertraut und kommt ent­spre­chend häufig in japa­nischen Märchen und Legenden vor. Er tritt dabei meist als Clown oder unge­schickter Schwindler auf, der erfolglos ver­sucht, es den Menschen gleich­zutun. Dennoch ist das Image des Affen nicht grund­sätzlich schlecht. Sogar einer der berühm­testen Heer­führer Japans, Toyotomi Hideyoshi Toyotomi Hideyoshi 豊臣秀吉 1537–1598, Feldherr, Diktator; be­kannt als der zweite von drei Reichs­eini­gern am Ende der „Zeit der kämp­fen­den Länder“ (Sengoku Jidai)siehe auch Christentum → Bauten/Bekannte Schreine/Tenjin→ Ikonographie/Dainichi/Daibutsu→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Daikoku→ Geschichte/Amidismus → mehr , trug den Spitz­namen „Affe“ (saru saru Affesiehe auch Drei Affen → Mythen/Goetter des Himmels/Uzume ). Außerdem taucht der Affe auch als Gott oder göttlicher Bote auf.

 Koshin_sosen.jpg

Nihon-zaru (Affe als Sanbaso-Tänzer)

Zeichnung von Mori Sosen (1774-1821). 1800
Bild © Pacific Asia Museum, Pasadena. (Letzter Zugriff: 2013/8)

Das Bild wurde im „Metall-Affen“ Jahr 1800 am Tag des Metall-Affen (kōshin) angefertigt und zeigt einen tanzenden Affen in priesterlich anmutendem Gewand. Das Gewand ist mit Kranich-Motiven geschmückt, der Fächer mit Pinien — beides Symbole für langes Leben. Anhand von Fächer und Schelle lässt er der Affe als Tänzer des Sanbasō identifizieren. Dies ist ein ritueller Tanzes des Noh-Theaters, das ja auch als sarugaku, „Affenmusik“, bezeichnet wird. Auch dieser Tanz soll langes Leben bringen.

 affe_sosen.jpg

Nihon-zaru

Hängerollbild von Mori Sosen (1774-1821), Detail
Bildquelle: Yaneurabeya no Bijutsukan. (Letzter Zugriff: 2015/6)

Mori Sosen gilt als Meister der Affendarstellung.

Affenportraits von Mori Sosen, dem Meister der Affendarstellung

Religiöse Rollen des Affen

Weitere Tiere mit religiöser Symbolik

  • Die Zwölf Tierkreis­zeichen (Ratte, Büffel, Tiger, Hase, Drache, Schlange, Pferd, Schaf, Affe, Hahn, Hund, Wildschwein) stehen im chinesischen Kalender, der in Japan bis zur Meiji Meiji 明治 posthumer Name von Kaiser Mutsuhito; nach ihm wird auch die Meiji-Zeit (1868–1912) benanntsiehe auch Geschichtsperioden → Grundbegriffe/Shinto→ Grundbegriffe/Shinto/Jindo→ Alltag/Jahr→ Alltag/Matsuri→ Alltag/Familie → mehr -Zeit Verwendung fand, nicht nur für Monate, sondern v.a. für Jahre. Ähnlich wie im Fall der hierzulande bekannten Sternzeichen, verleiht ein Jahrestier allen, die in diesem Jahr geboren werden, einen bestimmten Charakter. Mehr dazu...
  • Kraniche (tsuru tsuru Kranich) und Schildkröten (kame kame Schildkröte) sind beide chinesische Symbole des Langen Lebens und zieren daher alle möglichen glücks­bringenden Gegenstände, Schreine und Tempel. Sie sind auch ein beliebtes Neujahrs­motiv. Schildkröten treten darüber hinaus in Mythen und Legenden, etwa der Geschichte von Urashima Tarō Urashima Tarō 浦島太郎 Held einer berühmten Sagesiehe auch Goetter der Erde → Ikonographie/Gluecksgoetter/Ebisu , als göttliche Boten­tiere in Erscheinung.
  • Katzen (neko neko Katze) sind ähnlich wie Füchse und Tanuki magisch begabt. Besonders zauber­kräftige Katzen erkennt man (ähnlich wie Füchse) an ihren mehrfach gespaltenen Schwänzen. Solche Gespensterkatzen (nekomata nekomata 猫又 Gespensterkatze) sind ausge­sprochen unheimlich. Als Winke-Katze (maneki neko maneki neko 招き猫 winkende Katze, Winkekatze; Glücksbringer, besonders für geschäftlichen Erfolgsiehe auch Gluecksbringer → Mythen/Verwandlungskuenstler ) stellen sie hingegen ihre Magie in den Dienst der Geschäfts­leute und verhelfen ihnen zu mehr Umsatz.
  • Der Hase steht mit dem Mond in Verbindung. In Japan meint man, in der Scheibe des Voll­monds kein Gesicht, sondern einen Hasen zu erkennen, der mit einem hammer­artigen Schlegel (kine) Reis stampft. Diese Idee dürfte auf eine buddhis­tische Legende aus den indischen Jataka-Erzählungen zurückgehen. In China hat sich daraus ein Hase entwickelt, der Kräuter zu einem Elixier des Langen Lebens zusammen­stampft, in Japan hingegen stampft er Reiskuchen (mochi). Dies angeblich deshalb, weil der Ausdruck mochizuki sowohl „Vollmond“ als auch „Reisstampfen“ bedeuten kann. Die Verbindung Hase-Mond ist jedoch ein mytholo­gisches Motiv, das sich auch außerhalb des Buddhismus findet.
  • Pferde gelten zwar nicht als magisch begabt, dienten aber in früherer Zeit wie alle wertvollen Dinge als beliebte Opfergaben (siehe auch Pferde-Bilder) und außerdem als Götterboten. In der Edo-Zeit wurden z.B. die Gottheiten des kaiserlichen Ahnenschreins in Ise Ise Jingū 伊勢神宮 kaiserlicher Ahnenschrein (wtl. Götterpalast) von Ise, Präfektur Miesiehe auch Schreinanlage Ise → Grundbegriffe/Shinto→ Bauten/Ise Izumo→ Ikonographie/Shinto-Goetter→ Mythen/Symboltiere/Tauben → mehr gerne als Pferd dargestellt.
  • Ein eher unheimliches Tier ist der Wels (namazu namazu Namazu oder Wels; in der Edo-Zeit als Erdbebengott von religiöser Bedeutungsiehe auch Namazu-e ). In der Edo-Zeit glaubte man, dass ein riesiger Wels-Gott Ursache für Erdbeben sei. Ein großes Erdbeben im Jahr 1855 löste eine Flut von sog. Welsbildern (namazue) aus, in denen das Erdbeben und seine Folgen in symbolischer und oft karikierender Weise dargestellt wurden. (Mehr...)
froesche.jpg

Humoristische Tierbilder (Chōju giga)

Querbildrolle (Tusche) von Kakuyū? (1053-1140), Detail; „Nationalschatz“; im Besitz des Tempels Kozan-ji, Kyoto
Bildquelle: Wikimedia Commons. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Ende des Kapitels „Mythen und Legenden“
Weiter zu Geschichte
Ikonographie
Religion-in-Japan > Mythen > Symboltiere