Shaka Nyorai, der historische Buddha
Shaka Nyorai (Shaka Nyorai 釈迦如来 = jap. Namen des Buddha Shakyamuni), der Begründer der buddhistischen Lehre, lebte etwa um 500 vor unserer Zeitrechnung in Nord-Indien, wo er als Prinz eines der damals zahlreichen Königreiche zur Welt kam. Laut der buddhistischen Überlieferung wies er alle adeligen Privilegien und allen Besitz von sich, nachdem er als junger Mann erstmals mit den Leiden der Menschheit (Alter, Krankheit und Tod) konfrontiert wurde, und suchte zunächst sein Heil in strenger Askese. Sein Ziel war dabei, sich vom „Verhaftetsein“ an das Diesseits (Samsara (संसारskt. Saṃsāra (m.) „Beständiger Fluss“, Kreislauf der Wiedergeburten, Diesseits, → mehr dazu)) zu lösen. Später sah er aber auch in der Askese eine Art des Verhaftetsein und strebte nach dem „Mittleren Weg“ zwischen Verzicht und Begehren, um sich möglichst nicht in irdischen Leidenschaften zu verstricken. Daraufhin erfuhr er die Erleuchtung und zog fortan als Buddha (बुद्धskt. Buddha (m.) „Der Erleuchtete“, ) (Erleuchteter) mit einer Schar von Jüngern predigend durch die verschiedenen Reiche im Norden Indiens. Im 80. Lebensjahr verschied der Buddha und trat dabei direkt ins Nirvana (निर्वाणskt. Nirvāṇa (n.) „Auslöschung“, Ort der Erlösung von allem Leid, → mehr dazu) ein.
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Buddha Shakyamuni (Shaka Nyorai)
- Skulptur (Holz). 9. Jh.; im Besitz des Shigon-Tempel Moru-ji bei Nara
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Buddha Shakyamuni (Shaka Nyorai)
- Skulptur (Holz, vergoldet). Späte Heian-Zeit, 12. Jh.; Höhe: 88,5 cm
Bild © Museum of Fine Arts, Boston (Denman Waldo Ross Collection). (Letzter Zugriff: 2011/7)
Der historische Buddha mit der für ihn typischen Geste „Fürchtet euch nicht“.
- Skulptur (Holz, vergoldet). Späte Heian-Zeit, 12. Jh.; Höhe: 88,5 cm
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Shaka Nyorai
- Statue (Bronze) von Tori Busshi, Detail. Nara-Zeit, 623; Hōryū-ji, Nara
Bild © Yoneda Tasaburo, 1974
- Statue (Bronze) von Tori Busshi, Detail. Nara-Zeit, 623; Hōryū-ji, Nara
Shaka Nyorai ist in Japan eine geläufige Bezeichnung für den historischen Buddha. Shaka ist die Kurzform seines Sanskritnamens Shakyamuni (शाक्यमुनिskt. Śākyamuni (m.) „Der Weise des Shakya-Klans“, Gautama Siddhartha, → mehr dazu) („Der Weise des Shakya-Hauses“), Nyorai (skt. Tathagata (तथागतskt. Tathāgata (m.) Ehrentitel eines Buddhas, → mehr dazu)) ist, wie bereits erwähnt, ein weiterer Buddhatitel. Die Statuen aus der Frühzeit des japanischen Buddhismus stellen Buddha Shakyamuni häufig dar (vgl. die berühmte Shaka Triade des Hōryū-ji (Hōryū-ji 法隆寺 = Tempel in Ikaruga bei Nara, gegr. 607; wtl. „Tempel des prosperierenden [Buddha]-Gesetzes“→ mehr dazu)), schon in der Nara (Nara 奈良 = Hauptstadt und Sitz des Tenno, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyō→ mehr dazu)-Zeit wurde er allerdings von den bereits genannten Nyorais, Amida (Amida 阿弥陀 = Buddha Amitabha→ mehr dazu) und Dainichi (Dainichi 大日 = Buddha Vairocana, der „kosmische Buddha“; wtl. „Großes Licht“ oder „Große Sonne“→ mehr dazu), aber auch von Yakushi Nyorai (Yakushi Nyorai 薬師如来 = Buddha der Medizin; skt. Bhaisajyaguru→ mehr dazu), dem „Heilenden Buddha“, an Bedeutung überflügelt. Dank der anhaltenden Bedeutung des Lotos Sutra (सूत्रskt. sūtra (n.) „Faden“, Lehrrede des Buddha, kanonische Schrift, → mehr dazu), in dem Buddha Shakyamuni die zentrale Rolle zukommt, blieb er vor allem für die Tendai (Tendai-shū 天台宗 = Tendai Schule, chin. Tiantai→ mehr dazu) und Nichiren (Nichiren-shū 日蓮宗 = Nichiren Schule→ mehr dazu) Schulen aber dennoch wichtig.
Gängige Sujets der Shaka-Darstellung
Shakyamuni bei seiner Geburt
- Statue; Tōdaiji, Nara
Bild © Foundation J.-E. Berger. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Eintritt des Buddha ins Nirvana (Nehanzu)
- Hängerollbild (Seide). Kamakura-Zeit; im Besitz des Ryūgen-ji, Suzuka, Mie-ken; 130,9 ×108 cm
Bild © Ryūgen-ji. (Letzter Zugriff: 2011/8)
Standardisierte Darstellung von Buddhas Ableben: Umgeben von Schülern, Gottheiten und Tieren haucht der Buddha in einem Hain von Shala-Bäumen sein irdisches Leben aus, um ins Nirvana einzutreten. Traditionellen Vorstellungen gemäß überragt er alle anderen an Körpergröße, hat auch im Alter von achtzig Jahren ein ewig jugendliches Aussehen und eine goldene Haut.
Fuß einer Statue des Yakushi Nyorai
- Statue (Bronze), Detail. Nara-Zeit; Yakushi-ji, Nara; Höhe: 254,7 cm
Die Figuren, die sich auf der Sohle abzeichnen, entsprechen dem Merkmal 2 eines Buddhas.
Shaka Nyorai ist auf Statuen meist mit erhobener rechter Hand (Mudrā mit der Bedeutung „Fürchtet Euch nicht“, semui-in (semui-in 施無畏印 = Mudra der Furchtlosigkeit→ mehr dazu)) und herabhängender linker Hand mit nach außen gerichteter Handfläche (Mudrā (मुद्राskt. mudrā (f.) „Siegel“, Gebetsgeste, → mehr dazu) der „Schwurerfüllung“, segan-in (segan-in 施願印 = Mudra der Schwurerfüllung→ mehr dazu)) abgebildet. Als solcher wehrt er Gefahren ab und erfüllt die Bitten der Gläubigen. Die Mudrā des Raddrehens ist in Japan an Shaka Statuen kaum zu sehen, obwohl es in symbolischem Bezug zu seiner ersten Predigt (= In Gang setzen des Rades des buddhistischen Dharma) steht. Aber auch die Kombination Semuiin-seganin passt zum Akt des Predigens.
Eine interessante Figur, die bei anderen Nyorais nicht vorkommt, ist die Darstellung Shakyamunis bei seiner Geburt. Der Legende zufolge soll er ja gleich nach der Entbindung sieben Schritte getan und dann verkündet haben, dass er der Herr der Welt sei und dies seine letzte Wiedergeburt.
Ein zentrales Motiv von bildlichen Darstellungen des Shaka Nyorai ist sein Ableben, beziehungsweise der Eintritt des historischen Buddha ins Nirvana. Er wird dabei in entspannter, liegender Stellung im Kreise seiner Schüler und zahlreicher himmlischer Wesen gezeigt. Die entspannte Haltung und die friedlichen Gesichtszüge beim Eintritt des Todes waren und sind für japanische Buddhisten ein wichtiger Indikator, ob der Verstorbene Eingang ins Nirvana, bzw. ins Paradies (gokuraku (gokuraku 極楽 = Paradies; identisch mit dem Reinen Land → jōdo→ mehr dazu)) gefunden hat oder nicht. Auch in den Biographien bedeutender Mönche wird dieser Aspekt stets berücksichtigt. Buddha Shakyamuni soll sich übrigens zum Sterben mit dem Kopf nach Norden niedergelegt haben, daher werden in Japan noch heute die Verstorbenen auf diese Weise aufgebahrt (Bestattung).
Mitunter gibt es auch Darstellungen des zum Skelett abgemagerten Shakyamuni während seiner asketischen Übungen (obwohl er diesen Weg ja später widerrufen hat).
In der buddhistischen Ikonographie entstand im Lauf der Jahrhunderte ein präziser Formenkanon, was das Aussehen eines Buddha betraf. Demzufolge hatte der historische Buddha ebenso wie alle Buddhas vor und nach ihm sein ganzes Leben das Aussehen eines jungen Mannes, der die 32 Merkmale eines Buddha besaß. Nach manchen Sutren soll er zudem körperlich weit größer als gewöhnliche Sterbliche gewesen sein. Die überdimensionalen Darstellungen von Buddhas (Daibutsu (Daibutsu 大仏 = Großer Buddha→ mehr dazu)) sind daher nicht als symbolischer Ausdruck seiner Größe sondern als (im Bewusstsein des Künstlers) realistische Abbildungen anzusehen.
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