Schreinpriester

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Im Zusammenhang mit dem shintoistischen Klerus bevorzuge ich die Be­zeich­nung „Priester“, um eine einfache terminologische Unter­scheidung zu bud­dhis­tischen Mönchen zu ermöglichen. Shinto-Priester leben zumeist mit ihrer Familie innerhalb einer lokalen Gemein­schaft. Im Unterschied zu christlichen Priestern besteht ihre wichtigste Aufgabe aber nicht im Predigen, bzw. in moralischer Erbauung der Gemeinde, sondern im Abhalten von religiösen Zeremonien, teils aufgrund individueller Be­stel­lungen, teils zu bestimmten Fest­tagen. Shinto-Priester sind also in erster Linie Ritualisten.

Die allgemeine japanische Bezeichnung für Shinto- oder Schrein-Priester ist shinshoku (shinshoku 神職 = kami-Priester), ein generischer Terminus für alle, die ein religiöses Amt des Kami (kami = japanische Gottheitmehr dazu)-Gottes­dienstes innehaben. In der Um­gangs­sprache vertrauter ist jedoch kannushi (kannushi 神主 = kami-Priester; wtl. „Meister der Götter“) (wtl. Kami-Herr). Be­zeich­nungen wie gūji (gūji 宮司 = kami-Priester) oder negi (negi 禰宜 = hochrangiger Schrein-Priester) beziehen sich auf leitende Priester­ränge (etwa „Oberpriester“). Eine Be­zeich­nung, die nur auf Frauen angewandt wird ist miko (miko 巫女 = Miko, kami-Priesterin) (in etwa „Schreindienerin“). Bis auf das Geschlecht erinnern miko (was ihre Aufgaben, ihr Alter, und sogar die Kleidung betrifft) an katholische Ministranten, in früherer Zeit über­nahmen sie aber auch andere Auf­gaben. Darüber hinaus ist es grund­sätzlich nicht aus­ge­schlossen, dass Frauen auch höhere Positionen als die einer miko bekleiden.

Priestergewand

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    Oberpriester (gūji)

    Zeremonialgewand
    Bild © Sugiyama Jinja. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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    Schreindienerinnen (miko)

    Aso-Schrein, Kyushu
    Bild © Shiges Wallpapers. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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    Shinto-Priester

    Tsurugaoka Hachiman Schrein, Kamakura
    Bild © Angus McIntyre, 1998. (Letzter Zugriff: 2011/10)

    Junge Priester entfernen ema-Täfelchen nach einem besucherreichen Tag.

Das Zeremonialgewand eines Shinto­priesters geht auf die Adels­tracht der Heian (Heian 平安 = alter Name Kyotos; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit)mehr dazu)-Zeit (kariginu (kariginu 狩衣 = Priestertracht (ehemals Hoftracht); wtl. „Jagdgewand“)) zurück. Als Kopf­bedeckung dient ein Hut aus Papier, tate-eboshi (tate-eboshi 立烏帽子 = Hut der Höflings- und Priestertracht), oder die sog. kanmuri (kanmuri = Kanmuri, wtl. „Krone“; Kopfbedeckung von Shinto-Priestern)-Krone (s. Abbildung rechts). Ein weiteres Zeichen des Priester­amtes ist eine Art Zepter (shaku (shaku = Zeremonielles Zepter), s. Bild oben links), wie es auch auf Kami-Statuen zu sehen ist. Es war ur­sprüng­lich ein Emblem der welt­lichen Herrscher des Alter­tums. Die Grund­farbe des Priester­ge­wandes ist weiß, je höher­rangiger der Priester und je wichtiger die Zeremonie, umso mehr prächtig gefärbte Seiden­stoffe kommen zum Einsatz. Die Details variieren je nach Priester­rang, Anlass und Schreintradition.

Riten

Haraigushi.gif
haraegushi

Zu den elementarsten rituellen Handlungen eines Shinto Priesters zählt das harae (harae = Purifikation, Weihezeremonie, Exorzismus) (oder harai), wtl. Fegen oder Reinigen. Es handelt sich also um ein Purifikations­ritual. Priester benützen dazu ein Instrument, das man haraegushi (haraegushi 祓串 = Harae-Wedel (auch haraigushi); rituelles Instrument für Reinigungszeremonien des Shinto) nennt. Es besteht aus einem Stab, an den Papier­streifen und Bast- oder Hanf­fäden gebunden sind. Dieses schwingt der Priester über Objekte oder Personen, die rituell gereinigt werden sollen. Die ent­sprechenden Gebete, die er spricht, nennt man norito (norito 祝詞 = Norito, Shinto-Gebet). Andere typische Elemente von Riten sind kagura (kagura 神楽 = Kagura, rituelle Tänze und Gesänge), Gesänge für die Götter.

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    Shichigosan Zeremonie

    Schreinfest

    Segnung (harae) der Kinder im Alter von drei, fünf und sieben Jahren durch einen Shinto-Priester

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    Segnung des Baugrundes (jichinsai)

  • carharai.jpg

    Shinto-Purifikation eines Autos

Heute werden Shinto-Riten zumeist für die Segnung von Kindern, für Hoch­zeiten, sowie für die Ein­weihung von Gebäuden und Geräten (z.B. Autos) in An­spruch genommen. Bevor ein neues Haus gebaut wird, markiert die Weihe des Bodens durch einen Shinto-Priester ge­wohn­heits­mäßig den Bau­beginn. Niemandem würde einfallen, darauf zu verzichten.

meiji_prozession2.jpg

Prozession von Priestern bei Regen

Meiji Schrein, Tokyo
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