Westliche Astrologie im vormodernen Japan

Religion-in-Japan > Texte > Himmelskunde > Astrologie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Diese Seite zitieren:
Bernhard Scheid, „Westliche Astrologie im vormodernen Japan“ (Stand: 2013-12-27). In: ders. (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch (Universität Wien, seit 2001). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Texte:Himmelskunde/Astrologie?oldid=35136
junigu_butsuzozui.jpg

Die zwölf Tierkreiszeichen des Westens

Edo-Zeit; aus Butsuzō zui
Bild © Ehime University Library. (Letzter Zugriff: 2011/8)
Suzuka bunko
. 1 Die zwölf Tierkreiszeichen des Westens in einer Darstellung aus der Edo-Zeit

In der Edo (Edo 江戸Sitz der Tokugawa Shogune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tokyo …mehr ⇒)-zeitlichen buddhistischen Bildenzyklopädie Butsuzō zui (Butsuzō zui 仏像図彙buddh. Bildenzyklopädie von Tosa Hidenobu, 1783. …mehr ⇒) findet man neben zahl­reichen anderen Dar­stel­lungen auch die oben ab­ge­bildeten zwölf Figuren, die hier als „Zwölf Paläste“ (jūni-kyū (jūni-kyū 十二宮wtl. „Zwölf Paläste“; traditionelle jap. Bezeichnung für die 12 Sternzeichen der westl. Astrologie )) be­zeichnet werden. Ab­ge­sehen von den in­di­vi­duellen Be­zeich­nungen ist keine nähere Er­läuterung dieser Figuren angebracht, sie finden sich aller­dings in einem Ab­schnitt, der den Sternen ge­wid­met ist. Tat­sächlich er­kennt man ohne große Mühe Ähn­lich­keiten dieser Figuren mit den im Westen be­kannten astro­logischen Tier­kreis­zeichen. Dies lässt darauf schließen, dass die Astro­logie der klas­sischen euro­päischen Antike auch im japanischen Buddhismus nicht ganz unbekannt war.

shukuyo.jpg

Karazu 火羅図

Museum des Toji Tempels, Kyoto
Bild © Tōji no mikkyō zuzō (Bildwerke des Tōji Tempels; Ausstellungskatalog), 1999, Abb. 12
. 2 Sternbilder der Heian-Zeit

Obiges Beispiel stammt aus einem astro­logischen Lehr­buch der späten Heian (Heian 平安alter Name Kyotos; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit) …mehr ⇒)-Zeit (12. Jh.). Die Zeich­nung ist ähnlich einem mandala (मण्डलmaṇḍala (skt., n.)„Kreis“, schematische Dar­stel­lung der kosmischen Ordnung …mehr ⇒) (jap. mandara (mandara 曼荼羅skt. Mandala …mehr ⇒)) in diverse kon­zentrische Bereiche gegliedert, die jeweils auf be­stimmte Er­schei­nungen am Sternen­himmel Bezug nehmen. In einem schmalen Band, dem von außen ge­sehen zweiten Rahmen, lassen sich wieder die zwölf Stern­zeichen er­kennen. In der rechten unteren Ecke be­ginnend sind dies (gegen den Uhrzeiger):

Fisch, Widder, Stier, Zwillinge (hier ein Ehepaar), Krebs, Löwe, Jung­frau(en), Waage, Skorpion, Schütze (Bogen), Steinbock (Wasser­monster), und Wasser­mann (Krug).

Die prominenteren Figuren, die jeweils mit Kreisen um­geben sind stellen die „Neun Planeten“ (jap. kuyōsei (kuyōsei 九曜星Neun Planeten )) dar, die kleinen Figuren im inner­sten Bereich re­prä­sen­tieren die 28 „Stationen“ (shuku oder suku), also die chi­ne­sischen Stern­bilder. In der Mitte ist Manjushri (jap. Monju Bosatsu (Monju Bosatsu 文殊菩薩Bodhisattva Manjushri; Schüler des historischen Buddha )), Bodhisattva (बोधिसत्त्वBodhisattva (skt., m.)„Erleuchtetes Wesen“ …mehr ⇒) der Weis­heit, auf seinem Löwen zu sehen, da­runter der Planet Saturn (jap. doyōsei (doyōsei 土曜星wtl. Erdplanet, Saturn )). Während die chi­ne­sischen Stern­bilder je­weils durch eine mehr oder weniger be­kannte bud­dhis­tische Gestalt re­prä­sen­tiert sind (Saturn etwa hat die Gestalt des Königs der Unter­welt, Enma (Enma 閻魔skt. Yama, König oder Richter der Unterwelt …mehr ⇒)), haben die „west­lichen Stern­zeichen“ ihre hier­zu­lande bekannte Form zum Großteil behalten.

hoshi_mandara_boston.jpg

Sternenmandala (Hoshi mandara)

Hängerollbild (Farbe, Tusche auf Seide). Edo-Zeit; 83 x 51,9 cm
Bild © Museum of Fine Arts, Boston. (Letzter Zugriff: 2010/8)
William Sturgis Bigelow Collection
. 3 „Sternen Mandala“ der Edo-Zeit
Mfa.png

Diese Abbildung nennt sich Sternen Mandala und zeigt ein ähnliches Schema. In der Mitte sieht man den buddhis­tischen Welten­berg Sumeru (सुमेरुSumeru (skt., m.)Weltenberg des indisch-buddhistischen Universums; auch: Meru ) (jap. shumisen (shumisen 須弥山buddhistischer Weltenberg )), auf dem Buddha (बुद्धBuddha (skt., m.)„Der Erleuchtete“ …mehr ⇒) mit dem Rad der Lehre in Händen trohnt. Den Sanduhr-förmigen Welten­berg um­gibt ein Ozean (in dessen südlichem Teil die be­kannte Welt einen eigenen Kon­ti­nent namens Jambudvipa (जम्बूद्वीपJambudvīpa (skt., m.)„Rosenapfelland“, in der trad. indischen Kosmologie: Kontinent der irdischen Welt südlich des Weltenbergs Sumeru ) , jap. Enbudai (Enbudai 閻浮提skt. Jambudvipa. Kontinent der irdischen Welt in der trad. indischen Kosmologie. Im Buddhismus Kontinent südlich des Weltenbergs Sumeru ), bildet, der hier aber nicht ab­ge­bildet ist). Rund um den Welten­berg scharen sich die Neun Planeten sowie die sieben Sterne des Großen Wagens (hokuto (hokuto 北斗Sternbild des Großen Wagens (chin. Nördlicher Schöpflöffel) …mehr ⇒)). In einem weiteren Kreis finden sich wieder die Stern­zeichen der west­lichen Astro­logie. Im äußersten Bereich sind schließ­lich die 28 chi­ne­sischen Stern­bilder zu sehen.

Die obigen Darstellungen und die ent­sprech­enden Methoden der bud­dhis­tischen Astro­logie gehen auf einen Text zurück, der in Japan land­läufig als Sukuyō-kyō (Sukuyō-kyō 宿曜経Sutra der Sternbilder ) be­zeich­net wird. Der volle Titel lautet in etwa „sutra (सूत्रsūtra (skt., n.)„Faden“, Lehr­rede des Buddha, kanoni­sche Schrift …mehr ⇒) der von guten und schlechten Tagen gemäß den Stern­bildern wie sie von Bodhisattva Manjushri (मञ्जुश्रीMañjuśrī (skt., m.)Bodhisattva …mehr ⇒) und diversen Weisen er­klärt wurden.“ Manjushri ist also nicht zufällig auf dem Bild aus der Heian-Zeit ab­geildet. Er wurde offen­bar als der Ent­decker astro­logischer Ge­heim­nisse angesehen.

Der Text selbst stammt von dem großen Übersetzer Amoghavajra (अमोघवज्रAmoghavajra (skt., m.)chin. Bukong, 705–774; Autor und Übersetzer zahlreicher Schriften des esoterischen Buddhismus aus dem Sanskrit ins Chinesische ) (705—774), der v.a. Texte des eso­terischen Bud­dhis­mus aus dem Sans­krit ins Chi­ne­sische übertrug. In manchen Fällen, so auch in diesem, ist aller­dings unklar, ob tat­sächlich ein ent­sprechendes Sans­krit-Original existierte oder ob es sich nicht um Amoghavajras eigene Schriften handelt. Zu Amoghavajras „Enkel­schülern“ zählte auch Kūkai (Kūkai 空海Gründer des Shingon Buddhismus, 774–835 …mehr ⇒), der das Sutra der Stern­bilder in Japan bekannt machte.

Verweise

Verwandte Themen

Bilderläuterungen

  1. Junigu butsuzozui.jpg

    Die zwölf Tierkreiszeichen des Westens

    Edo-Zeit; aus Butsuzō zui
    Bild © Ehime University Library. (Letzter Zugriff: 2011/8)
    Suzuka bunko
  2. Shukuyo.jpg

    Karazu 火羅図

    Museum des Toji Tempels, Kyoto
    Bild © Tōji no mikkyō zuzō (Bildwerke des Tōji Tempels; Ausstellungskatalog), 1999, Abb. 12
  3. Hoshi mandara boston.jpg

    Sternenmandala (Hoshi mandara)

    Hängerollbild (Farbe, Tusche auf Seide). Edo-Zeit; 83 x 51,9 cm
    Bild © Museum of Fine Arts, Boston. (Letzter Zugriff: 2010/8)
    William Sturgis Bigelow Collection

Links

Letzte Überprüfung der Linkadressen: Aug. 2010
Texte: Himmelskunde (zurück zum Hauptartikel)
Ikonographie
Schriften
Wiki Account
Namensräume

Varianten
Aktionen
Religion-in-Japan
Updates
Werkzeuge