Was ist ein Sutra?

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Bernhard Scheid, „Was ist ein Sutra?“ (Stand: 2013-01-19). In: ders. (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch (Universität Wien, seit 2001). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Texte:Sutra?oldid=33147

Die elementarsten Texte des Buddhismus werden in der Regel als Sutra be­zeich­net. Zu­min­dest der Theorie nach stammen die Sutren (सूत्रsūtra (skt., n.)„Faden“, Lehr­rede des Buddha, kanoni­sche Schrift ) von einem Buddha (बुद्धBuddha (skt., m.)„Der Erleuchtete“ …mehr ⇒) (allerdings nicht not­wendiger­weise vom his­to­rischen Buddha Shakya­muni). Obwohl die unterschiedlichsten Themen ab­gehan­delt werden, betten die meisten Sutren ihre In­halte in die Rahmen­hand­lung einer Buddha-Predigt ein. Sowie im Maha­yana Buddhis­mus die Zahl der Buddhas im Lauf der Zeit immer mehr zu­ge­nommen hat, haben sich auch die Sutren ver­viel­facht und ein beinah un­über­schau­bares Maß ange­nommen.

Infolge ihrer langen Textgeschichte, die oft weit in vor­schrift­liche Zeiten hin­ein­reicht, ist es zudem kaum möglich, den genauen Umfang eines be­stimmten Sutras ein­deutig ab­zu­grenzen. Meist existieren unter­schied­liche Ver­si­onen eines Textes ne­ben­ei­nan­der. Bei der Über­setzung des bud­dhisti­schen Schrift­tums ins Chinesische ent­stand ein weiterer Un­sicher­heits­faktor. Die Frage „Was ist ein Sutra?“ wird also zu­nehmend kompli­zierter, je ein­gehender man sich damit aus­einan­der­setzt.

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Vokabel

Das Wort sūtra entstammt dem Sanskrit und ist der Webe­technik ent­lehnt. Es be­deutet „Faden“. Davon ab­ge­leitet ent­standen meta­phorische Be­deu­tungen wie „Leit­faden“, „ele­men­tare Lehr­schrift“, u.a.m. Im Chi­ne­sischen und Ja­pa­nischen wird dafür das Schrift­zeichen kyō (kyō kanonischer Text, wtl. „Kettfaden“; im Buddh.: Sutra (skt. sūtra, n.), Lehrrede des Buddha ) (chin. jing) ver­wendet, das die gleiche Grund­be­deu­tung be­sitzt und nicht nur im Bud­dhis­mus sondern bei­spiels­weise auch im Daoismus An­wen­dung findet. Ein be­rühmter, nicht-bud­dhisti­scher „Leit­faden“ ist etwa das Yi-jing (Yijing 易経 (chin.) — „Buch/Leitfaden der Wandlungen“ (chin. Klassiker); jap. Ekikyō …mehr ⇒), eig. „Leit­faden der Orakel­kunst“, besser be­kannt als das „Buch der Wand­lungen“. Aus dem nicht-bud­dhis­tischen indischen Kon­text ist hier­zu­lande das Kama Sutra, der „Leit­faden der Liebe“, am besten bekannt.

Sutren gibt es in verschiedenen Formen und Längen. Ein gemein­sames formales Merk­mal ist die Standard-Ein­leitung des Re­zi­tie­renden: „So habe ich's gehört“. Oft sind auch die Um­stände der Predigt Gegen­stand des Sutras, bevor der Buddha selbst zu Wort kommt. Viele bud­dhis­tische Sutren thema­ti­sieren also die Um­stände ihrer Ent­stehung und Ver­brei­tung, bevor sie zum eigent­lichen Kern der Bot­schaft kommen. Diese Selbst-Re­ferenziali­tät scheint ein be­sonderes Kenn­zeichen bud­dhisti­scher Sutren zu sein.

Das Kopieren von Sutren galt in der gesamten Welt des Bud­dhis­mus als frommes Werk, das ganz besonders dazu ge­eignet war, das eigene Karma (कर्मKarma (skt., n.)„Tat“, auch „konse­quente Folge“; moralische Bilanz der gesetzten Handlungen …mehr ⇒) zu ver­bessern. Dies bezog sich sowohl auf den Stifter als auch auf die Aus­führenden einer Sutren­kopie. Bud­dhisti­sche Sutren wurden aus diesem Grund mit großer Sorg­falt re­produziert und auf­be­wahrt. Es ist somit kein Zu­fall, dass das unten ab­ge­bildete Bei­spiel aus der Nara (Nara 奈良Hauptstadt und Sitz des Tenno, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyō …mehr ⇒) Zeit — eines der ältesten bis heute er­haltenen Original­do­ku­mente des ja­pa­nischen Schrift­tums — ein bud­dhis­tischer Text ist. Es handelt sich um ein Frag­ment des zu dieser Zeit äußert po­pu­lären Kegon-kyō (Kegon-kyō 華厳経Avatamsaka Sutra bzw. Blütenkranz Sutra ) (skt. Avatamsaka Sutra (अवतंसकसूत्रAvataṃsakasūtra (skt., n.)„Blütenkranz Sutra“, erste Übersetzung ins Chinesische um 420 ) , „Blütenkranz Sutra“). Im Mittel­punkt steht Buddha Vairocana, der in der Nara Zeit auch als Großer Buddha des Tōdaiji (Tōdaiji 東大寺Tempel des Großen Buddha von Nara; wtl. Großer Ost-Tempel …mehr ⇒) verewigt wurde.

kegonkyo744.jpg

Fragment einer Abschrift des Avatamsaka Sutras (Kegon-kyō)

Schriftrolle (Indigopapier, Silbertinte). 744; 24,8 x 53,7 cm
Bild © Metropolitan Museum of Art. (Letzter Zugriff: 2011/8)
Fragment einer Abschrift des Avatamsaka Sutras (Kegon-kyō) aus dem Jahr 744

Lotos Sutra

Das Lotos Sutra gehört zu den bekanntesten Sutren des Mahayana (महायानMahāyāna (skt., n.)„Großes Fahrzeug“, buddhistische Richtung …mehr ⇒) Bud­dhis­mus. Seine geläufigste Version ist die chi­ne­sische Über­setzung durch den Über­setzer­mönch Kumarajiva (कुमारजीवKumārajīva (skt., m.)buddh. Gelehrter und Übersetzer (344–413) …mehr ⇒) (343–413), die 406 fertig­gestellt wurde und auch den meisten Über­setzungen in west­liche Sprachen zu­grunde liegt. In dieser Form besteht das Sutra aus 28 Kapiteln, die sehr unter­schied­liche Themen be­handeln. Die Rahmen­hand­lung dieser Kapitel be­schreibt, wie Buddha Shakyamuni (शाक्यमुनिŚākyamuni (skt., m.)„Der Weise des Shakya-Klans“, Gautama Siddhartha …mehr ⇒) vor einer un­über­seh­baren Menge von irdischen und über­irdischen An­hängern eine Predigt hält. Im Laufe dieser Predigt kommt u.a. die Parabel vom bren­nenden Haus (Kap. 3) zur Sprache, die das Anwenden von „an­ge­mes­senen Mitteln“ (skt. upaya (उपायupāya (skt., m.)„[geschicktes] Mittel“ …mehr ⇒) , jap. hōben (hōben 方便geschicktes Mittel; skt. upāya …mehr ⇒)) legitimiert (Kap. 2). Der Buddha wird in dieser Parabel als gütiger Vater beschrieben, der versucht, die Kinder, die sich der Gefahr nicht be­wusst sind (die un­er­leuchteten Wesen), durch Ver­spre­chungen aus dem bren­nenden Haus zu locken. Ein anderes be­rühmtes Kapitel (16) thematisiert die Lebens­länge des Buddhas und damit zugleich die bud­dhis­tische Zeiten­theorie (s. dazu Die Reformen der Heian-Zeit). Das Sutra enthält aber auch Passagen, die er­läutern, warum es ein besonderes karmisches Verdienst darstellt, es — das Sutra — zu kopieren. Eines der ein­fluss­reichsten Kapitel ist Bodhisattva Avalokiteshvara (अवलोकितेश्वरAvalokiteśvara (skt., m.)„Herr, der [die Welt] unten wahrnimmt“, Bodhisattva …mehr ⇒) (jap. Kannon (Kannon 観音Bodhisattva Avalokiteshvara, wtl. „der den Klang der Welt erhört“; chin. Guanyin; „Bodhisattva des Mitleids“ …mehr ⇒)) gewidmet und dürfte mit­ver­ant­wort­lich für die besondere Popularität dieser Figur sein.

Das Lotos Sutra heißt auf Sanskrit Saddharma pundarika sutra (सद्धर्मपुण्डरीकसूत्रSaddharma puṇḍarīka sūtra (skt., n.)„Sutra vom weißen Lotos des wunderbaren Dharma“, Lotos Sutra ) , wörtlich: „Sutra der Lotos­blume vom wunder­baren Dharma (धर्मDharma (skt., m.)Gesetz (des Universums), Lehre (des Buddha) …mehr ⇒) “, jap. ent­weder kurz Hoke-kyō (Hoke-kyō 法華経Lotos Sutra; auch Hokke-kyō, → Myōhō renge kyō ), oder Myōhō renge kyō (Myōhō renge kyō 妙法蓮華経Lotos Sutra (des Wunderbaren Dharma), skt. Saddharma-pundarīka-sūtra (jap. auch → Hoke-kyō) ). Es gilt vor allem im japanischen Tendai (Tendai-shū 天台宗Tendai Schule, chin. Tiantai …mehr ⇒) und Nichiren (Nichiren 日蓮Begründer des Nichiren Buddhismus, 1222–1282. …mehr ⇒) Buddhismus (auch Hokke shū (Hokke shū 法華宗Andere Bez. des → Nichiren Buddhismus …mehr ⇒)) als die wichtigste buddhistische Lehrschrift überhaupt.

Herz Sutra und Sutra der Höchsten Weisheit

Ein weiteres allgemein bekanntes Sutra ist das Herz Sutra. Es ist so kurz, dass es eigent­lich mehr einem Gebet gleicht und in wenigen Minuten rezitiert werden kann. Es besteht im we­sent­lichen aus einer Lehrrede des Kannon (Bodhisattva Avalokiteshvara) an Shariputra (शारिपुत्रŚāriputra (skt., m.)Hauptschüler des Buddha …mehr ⇒) , einen Schüler des his­to­rischen Buddha. Einer der Kernsätze lautet „Form ist Leere, Leere ist Form“. Es geht also um die Philo­so­phie der Leere (skt. shunyata (शून्यताśūnyatā (skt., f.)„Leere, Nichts“, im Buddhismus ein wichtiges philosophisches Konzept ) , jap. ( Leere, Nichts; im Buddhismus ein wichtiges philosophisches Konzept )), bzw. der Un­be­ständig­keit des irdischen Da­seins, die u.a. auch als bud­dhis­tischer Nihilis­mus bezeichnet wird.

In Japan können viele Menschen das Herz Sutra auswendig, vor allem Anhänger des Zen (Zen chin. Chan, wtl. Meditation; Zen Buddhismus …mehr ⇒)- und des Shingon (Shingon-shū 真言宗Shingon Schule, wtl. Schule des Wahren Wortes …mehr ⇒) Buddhismus. Das Sutra wird hier in einer Mischung aus Sans­krit und Chi­ne­sisch rezitiert, die keinerlei Ähn­lich­keiten mit dem ge­sprochenen Japanisch aufweist und für Laien voll­kommen un­ver­ständlich ist. Für die meisten japa­nischen Bud­dhisten steht der in­haltliche Aspekt des Textes daher nicht im Vor­der­grund. In­te­res­santer­weise ist das Herz Sutra aber gerade in seiner japani­sierten Form (also in sini­siertem Sankrit, japanisch aus­ge­sprochen) auch in west­lichen bud­dhis­tischen Kreisen populär geworden.

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Daihannya-kyō in Gold auf blauem Grund

Abschrift (Papier, Goldtinte). Heian-Zeit; Kongobu-ji, Berg Kōya
Bild © Kōbō Daishi Kūkai and the Sacred Treasures of Mount Kōya, 2003, Abb. 28
Abschrift des Daihannya-kyō in Goldtinte auf blauem Grund, Heian-Zeit

Das Herz Sutra ist Teil einer ganzen Sutren­text­gruppe zur Doktrin der höchsten Weis­heit (prajnaparamita (प्रज्ञापारमिताprajñāpāramitā (skt., f.)„Vollkommene Weisheit“ ) , jap. hannyaharamitta (hannyaharamitta 般若波羅蜜多„vollkommene Weisheit“, abgeleitet von skt. prajnaparamita )). Es existieren unter­schied­lich lange Samm­lungen dieser Text­gruppe. Eine der aus­führ­lichsten Fas­sungen, das Da bore boluomidou jing (jap. Hannyaharamitta-kyō (Hannyaharamitta-kyō 般若波羅蜜多経„Sutra der vollkommenen Weiheit“ )) existiert heute in Form einer chi­ne­sischen Über­setzung durch den Pilger­mönch Xuanzang (Xuanzang 玄奘 (chin.) — Berühmter chin. Pilgermönch und buddh. Gelehrter (602–664), Autor eines einflussreichen Reiseberichts, der später als „Reise nach dem Westen“ in einen Roman gefasst wurde …mehr ⇒) aus den Jahren 660—663 und umfasst ca. 600 Einzel­texte, darunter das Herz Sutra oder das ebenfalls bekannte sog. Diamant Sutra.

Das staatsschützende Goldglanz Sutra

Das Goldglanz Sutra — Konkōmyō-kyō (Konkōmyō-kyō 金光明経Goldglanz Sutra; eines von drei „Staatsschutz-Sutren“ des frühen japanischen Staats …mehr ⇒), skt. Suvarna-prabhasottama-sutra — ist in erweiter­ter Fassung auch als „Sutra vom golde­nen Glanz der sieg­reichen Könige“ — Konkō­myō saishōō kyō — bekannt. Die älteste bekannte Fassung stammt aus dem China des fünften Jahr­hun­derts, es wird aber angenom­men, dass es auch frühere indi­sche Fas­sungen gab. Doch ist das Gold­glanz Sutra in erster Linie in seiner erwei­terten chine­sischen Fassung (703) durch den Über­setzer­mönch Yijing 義淨 (635–713) bekannt und in ganz Ostasien ver­breitet. Unter ande­rem spielte es im frühen japa­nischen Buddhis­mus eine wichtige Rolle.

Wie die meisten Sutren, preist auch das Goldglanz Sutra seine eigene Effekti­vität und nennt dabei: 1) Schutz des Königs vor Feinden und Krank­heiten, Bewah­rung seines langen Lebens; 2) Friede unter den Frauen, Verwandten und Ministern des Königs; 3) Fröm­mig­keit unter Mönchen und Laien­unter­tanen; und 4) Schutz durch gött­liche Mächte (Kapitel 3). An anderer Stelle heißt es, dass dort, wo das Sutra gepredigt wird, alle Unter­tanen gesund, glücklich und reich sein werden (Kapitel 5). Es werden auch abstrak­tere Fragen und trans­zen­dente Themen erläutert, die sich teilweise stark mit dem Lotos Sutra überschneiden, doch beson­ders ab Kapitel 11, wo die Vier Himmels­könige (Shi-Tennō (Shi-Tennō 四天王Die 4 Himmelskönige (Weltenwächter) …mehr ⇒)) auftre­ten, schieben sich die dies­seits­bezo­genen Aspekte des Staats­schutzes immer stärker in den Vorder­grund. Das Sutra enthält dazu eine Reihe von Gebets­formeln (dharani (धारणीdhāraṇī (skt., f.)(magische) Gebetsformel, ähnlich wie, aber meist länger als → Mantra …mehr ⇒) ) und rituelle Anlei­tungen, die als Frühformen des esoterischen Buddhismus angesehen werden können.

Neben den Vier Himmelskönigen, spielen auch weibliche Gottheiten eine wichtige Rolle in diesem Sutra: Zunächst tritt Benzaiten (Benzaiten 弁才天/ 弁財天Glücksgöttin, Gottheit des Wassers, der Musik und der Beredsamkeit; skt. Sarasvati; auch: Benten …mehr ⇒) prominent in Erscheinung und lehrt die Zuhörer u.a. ein rituel­les Kräuter­bad (s. dazu auch Benzaiten). Im Anschluss kommt die Gottheit Kichijō-ten (Kichijō-ten 吉祥天Hindu-buddhistische Göttin des Glücks; auch: Kisshōten; skt. Lakshmi …mehr ⇒) zu Wort. Beide Göttinnen zählen als Sarasvati und Lakshmi zu den bekanntes­ten weib­lichen Figuren des indi­schen Panthe­ons. Schließ­lich gesellt sich noch eine „Erdgöttin“ namens Kenrō Jishin 堅牢地神 zu den weib­lichen Schutz­gott­heiten des Goldglanz Sutras. Sie stellt dem­jenigen, der den bud­dhis­tischen Tempeln Gaben spendet, Ver­gnügun­gen mit sieben­tausend Himmels­frauen in Aussicht. Neben zahl­reichen Bodhisattvas (बोधिसत्त्वBodhisattva (skt., m.)„Erleuchtetes Wesen“ …mehr ⇒) wirken außer­dem die indi­schen Gott­heiten Brahma und Indra, 28 Generäle und andere mehr als Schutz­götter, die alle erdenk­lichen Schwüre leisten, um jenen, die das Sutra hören und weiter ver­breiten, schüt­zend zur Seite zu stehen.

Zusammen mit dem Sutra der/für Barmherzige Könige (Ninnō-kyō) und dem Lotos Sutra zählte das Gold­glanz Sutra zu den soge­nannten Drei Staats­schutz Sutren, die ins­beson­dere vor und während der Nara (Nara 奈良Hauptstadt und Sitz des Tenno, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyō …mehr ⇒)-Zeit große staat­liche Förde­rung erhielten, weil man sich um­gekehrt tat­säch­lich einen gleichsam magi­schen Schutz des Reiches von ihnen erwar­tete. Einer der ersten, der sich dieser Methode sys­tema­tisch bediente, war Tenmu Tennō (Tenmu Tennō 天武天皇40. japanischer Kaiser, 631?–686, r. 673–686 …mehr ⇒), von dem das Nihon shoki (Nihon shoki 日本書紀Zweitältestes Schriftwerk und erste offizielle Reichschronik Japans (720) …mehr ⇒) berich­tet, er habe Goldglanz Sutra und das Sutra der Barm­herzi­gen Könige 677 in allen Landes­teile verbrei­ten lassen.[1] Sein Urenkel Shōmu (Shōmu Tennō 聖武天皇japanischer Kaiser, 701–56, r. 724–49; Förderer des Buddhismus …mehr ⇒) folgte ab 725 diesem Beispiel in größe­rem Maßstab und ließ in der Nara Zeit ein Netzwerk von Provinz­tem­peln errich­ten, deren offiziel­ler Name „Tempel für den Schutz des Staates durch die Vier Himmels­könige des Gold­glanz Sutras“ lautete.[2] Offen­sicht­lich sollte das Goldglanz Sutra, das nun schon in erwei­terter Fassung als Sutra der Sieg­reichen Könige bekannt war, in diesen Tempeln rezitiert und auf­be­wahrt werden.

Mit dem Rückgang staatlicher Förderung (und Regelmentierung) des Buddhismus in der Heian (Heian 平安alter Name Kyotos; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit) …mehr ⇒) Zeit nahm die Bedeu­tung des Goldglanz Sutras zwar ab, es legte aber den Grundstein für die Bekannt­heit von Figuren wie Benzaiten und Bishamon-ten (Bishamon-ten 毘沙門天Himmelswächter des Nordens, Glücksgott …mehr ⇒), die heute als Bestand­teil der Sieben Glücksgötter in Japan ungebro­chene Popu­larität genießen.

Anmerkungen

  1. Aston, Teil II, S. 335
  2. Konkōmyō shitennō gokoku no tera 金光明四天王護国之寺. Provinzialtempel für Nonnen hießen im übrigen hokke metsuzai no tera 法華滅罪之寺 (Tempel des Lotos [Sutras], das das Böse besiegt)
Ende des Kapitels „Texte und Lehren“
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