Yin Yang und die Fünf Wandlungsphasen

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Bernhard Scheid, „Yin Yang und die Fünf Wandlungsphasen.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 31.5.2014). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Texte:Yin_und_Yang?oldid=36447

Die chinesische Naturphilosophie ist als die Lehre von Yin und Yang Yin Yang (chin.) 陰陽 Dualistisches Prinzip der chin. Naturphilosophiesiehe auch→ Grundbegriffe→ Jahr→ Mandala/Ryogai Mandara→ Goetter des Himmels→ Shinto Mittelalter (jap. in'yō, oder onmyō onmyō 陰陽 jap. für „Yin und Yang“; auch in'yō, on'yōsiehe auch→ Symboltiere/Namazu-e ) und den Fünf Wand­lungs­phasen (wu xing, jap. gogyō gogyō 五行 Fünf Wandlungsphasen; Prinzip der chin. Naturphilosophiesiehe auch→ Yin und Yang/Kalender ) bekannt. Sie fand ur­sprüng­lich vor allem in der Medizin und in der Astro­logie, bzw. in der Wahr­sage­kunde, so­wie der Kalen­der­kunde An­wen­dung. In diesen Be­reichen war die chine­sische Natur­philo­sophie auch im vor­mo­der­nen Japan bekannt. Sie wurde außer­dem ver­schie­dent­lich in den japa­nischen Bud­dhis­mus und den Shinto integriert.

Yin und Yang

Die Yin Yang Lehre geht von der Vorstellung eines ur­sprüng­lichen Chaos aus, in dem alle Materie in un­diff­eren­ziertem Zustand ver­mischt ist. Diese Ur­materie wird auch als qi qi (chin.) 氣/気 Materie (oder „Energie“) der chin. Naturphilosophie; auch Dampf; jap. ki (jap. ki), bzw. als Taiji Taiji (chin.) 太極 Urmaterie, wtl. das Große Äußerstesiehe auch→ Himmelskunde bezeichnet. Sie spaltet sich in das lichte leichte qi — das Yang, welches nach oben steigt — und das dunkle schwere qi — das Yin, welches nach unten sinkt. Auf diese Weise bilden sich der Himmel und die Erde, so­wie in der Folge alle anderen dualen Gegen­sätze, an­ge­fangen von männ­lich-weib­lich, Sonne und Mond, Leben und Tod, etc. Die Yin Yang Philo­sophie be­tont, dass weder Yin noch Yang ge­sondert existieren können und stets dazu tendieren von einem zum anderen über­zu­gehen. Stabile Zustände werden durch eine möglichst harmo­nische wechsel­seitige Er­gän­zung von Yin und Yang erreicht. Ein solcher Ausgleich führt in gewisser Weise wieder zur ur­sprüng­lichen Form der Materie, dem Taiji, zurück.

Das Buch der Wandlungen

8 Trigramme
8 Trigramme
 
64 Hexagramme
64 Hexagramme
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Fuxi und Nüwa

Malerei. Tang-Zeit; National Museum China

Der mythologische Kaiser Fuxi und seine Schwester/Gemahlin Nüwa. Neben den Trigrammen erfand Fuxi auch das Winkelmaß, das er hier in der Hand hält.

. 1 Fuxi und Nüwa

Der Klassiker der Yin Yang Lehre ist das Yijing Yijing (chin.) 易経 „Buch/Leitfaden der Wandlungen“ (chin. Klassiker); jap. Ekikyōsiehe auch→ Shinto/Jindo→ Sutra→ Yin und Yang/Kalender (auch I Ging geschrieben), das „Buch der Wand­lun­gen“, in dem die chi­ne­si­sche Wahr­sage­kunst kodi­fiziert ist.1 Laut chine­si­scher Mytho­logie wurde das Ora­kel­sys­tem vom le­gen­dä­ren Herr­scher Fuxi Fuxi (chin.) 伏羲 Erster von drei mythologischen Herrschern in China, Begründer der chinesischen Kultur; jap. Fukugi ge­schaf­fen, der von 2852v.–2738 v.u.Z. ge­lebt ha­ben und den Kör­per einer Schlange be­ses­sen ha­ben soll. Die chro­no­logi­sche An­gabe mag zwei­fel­haft sein, doch exis­tier­ten die Hexa­gram­me bereits im zwei­ten Jahr­tau­send v.u.Z., und auch frühe Fas­sun­gen des Yijing wa­ren wahr­schein­lich spä­tes­tens An­fang des ers­ten Jahr­tau­sends v.u.Z. be­reits bekannt.

Im Zentrum des Yijing stehen die 64 Hexa­gramme („Sechser­zeichen“). Das sind sym­bolische Grund­formen, die mit Hilfe einer (im Grunde beliebigen) Orakel­technik ermittelt und zur Inter­pretation des befragten Sach­verhalts her­an­ge­zogen werden. Jedes Hexa­gramm besteht aus zwei Tri­grammen („Dreier­zeichen“), die ihrer­seits bestimmte Namen (Schrift­zeichen) und Be­deu­tungen haben. In der An­ordnung rechts stehen die Tri­gramme bei­spiels­weise für die acht Him­mels­rich­tungen (wobei der Süden oben, der Norden unten ist). Jedes Trig­ramm (und daher auch jedes Hexa­gramm) ist eine Kom­bi­nation­en von Yin und Yang. Yin wird gra­phisch durch einen unter­broch­enen Strich, Yang durch einen durch­gehen­den Strich repräsentiert. Auch jedes Hexa­gramm besitzt einen Namen, etwa: „Warten“, „Be­frei­ung“, „Be­dräng­nis“, aber auch „Heer“, „Brunnen“ oder „Tiegel“. Das Yijing enthält An­leit­ungen, wie diese Namen in bestimm­ten Situa­tion­en von den Orakel­meistern zu inter­pre­tieren sind.2

Die Fünf Phasen

Neben den beiden Urkräften Yin und Yang gibt es noch fünf Ele­mente, nämlich Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser, die in kom­plexen numero­logi­schen Be­zie­hungen zu Yin und Yang stehen. Auch diese Elemente be­dingen einander wechsel­seitig, bzw. wieder­holen sie sich in be­stimmten zyklischen Reihen­folgen. Aus diesem Grund be­zeichnet man sie auch als die Fünf (Wandlungs-)Phasen.

Die Zyklen der Fünf Wandlungsphasen

Es gibt unterschiedliche Beziehungsarten zwischen den fünf Elementen, aus denen die ver­schiedenen Wandlungs­zyklen ent­stehen. Am häufigsten findet man

  1. Zyklus der Hervorbringung:
    Holz→Feuer→Erde→Metall→Wasser→
    Holz gebiert Feuer, Feuer gebiert Erde (Asche), Erde gebiert Metall, Metall gebiert Wasser, Wasser gebiert Holz, ...
  2. Zyklus der Besiegung:
    Holz→Erde→Wasser→Feuer→Metall→
    Holz besiegt (teilt) Erde, Erde besiegt (saugt auf) Wasser, Wasser besiegt Feuer, Feuer besiegt (schmilzt) Metall, Metall besiegt (spaltet) Holz, ...

5 phases

Die fünf Elemente Holz (grün), Feuer (rot), Erde (gelb), Metall (weiß) und Wasser (schwarz) in der Reihenfolge der Hervorbringung (durchgehende Linie) und Reihenfolge der Besiegung (gestrichete Linie).
Bild: Wikipedia Japan [2010/8]

Ursprünglich stellten Yin und Yang und die Fünf Phasen wohl unter­schiedliche Systeme der Natur­erklä­rung dar. Beide Denk­sys­teme fußen aber auf sehr alten Vor­stellun­gen, die schon lange vor den philo­so­phi­schen Traditionen des Kon­fu­zia­nismus oder des Daoismus existierten und deren Vor­aus­setzung bilden. Zu ihrer Ver­schmel­zung kam es aller­dings erst in der Frühen Han-Zeit, im ersten Jahr­hundert vor unserer Zeit­rechnung, also lange nach Ab­fassung der kon­fuziani­schen und daoisti­schen Klassiker. Obwohl Yin Yang und die Fünf Phasen seit dieser Zeit stets in einem Atem­zug genannt werden, ist die Frage, wie aus einem dualen System ein System, das aus fünf Kom­ponen­ten besteht, her­vor­gehen konnte, meines Wissens nicht restlos geklärt worden.

In der Praxis dienten Yin Yang und die Fünf Wandlungs­phasen in erster Linie als Register, in die sich alle mög­lichen Klassen von Phäno­menen unter­teilen lassen. Wo immer es mög­lich ist, sucht die chinesische Natur­philo­sophie daher ent­weder nach dualen Gegen­sätzen, die sich als Wechsel­wirkung von Yin oder Yang inter­pretieren lassen, oder nach Fünfer­gruppen, die nach den oben ge­nannten Schemata mit einander in Be­ziehung ge­bracht werden. Es gibt z.B. die Fünf Töne, die Fünf Organe, die Fünf Farben, die Fünf Ge­schmäcker, und anderes mehr. Schließ­lich ergeben die Wandlungs­phasen in Kombi­nation mit den Tier­kreis­zeichen den soge­nann­ten Sechziger Zyklus, der eine ele­mentare Kategorie der traditio­nellen Zeit­messung bzw. der Kalender­kunde darstellt.

Vier oder fünf Richtungen

Entsprechend den Fünf Phasen kennt die chine­sische Kosmo­logie auch „Fünf Richtungen“, wobei die grund­sätz­liche Orien­tie­rung zwar mit den hierzu­lande be­kann­ten Vier Himmels­richtungen über­ein­stimmt, denen als fünftes Element die Mitte, hinzu­gefügt wird. Diese Rich­tungen werden in China seit ältes­ter Zeit mit bestimm­ten Farben asso­ziiert, die wiede­rum mit ima­ginären Tieren in Be­zie­hung stehen. Es sind dies:

 Takamatsuzuka seiryu.jpg

Blauer Drache (Seiryū)

Wandmalerei (Farbe). Wahrscheinlich 7.Jh.; Takamatsu-zuka, Präf. Nara
Bild © Asuka Museum. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Bei diesem Drachen handelt es sich um ein chinesisches Emblem des Ostens. Das Bild stammt aus einem Hügelgrab (kofun) der Asuka Zeit (7. Jh.), dem Takamatsu-zuka. Dass chinesische Embleme in dieser Zeit in Grabkammern festgehalten wurden, verdeutlicht den Einfluss der chinesischen Kosmologie und des daoistischen Polarstern-Glaubens im Japan der Asuka-Zeit.

. 2 Blauer Drache
 Suzaku_kangso_middle_tomb.jpg

Roter Vogel (Suzaku)

Wandmalerei (Farbe). Goguryo-Zeit (vor 668), wahrscheinlich 7.Jh.; Kanso Middle Tomb, Nordkorea
Bildquelle: Jun's Memo, Blog. (Letzter Zugriff: 2014/1)

Der Rote Vogel des Südens (jap. Suzaku). Wandbild aus dem Inneren eines Hügelgrabs des koreanischen Königreichs Goguryeo.

. 3 Roter Vogel
 Byakko kitora.jpg

Weißer Tiger (Byakko)

Wandmalerei (Farbe). Wahrscheinlich 7.Jh.; Kitora Grabhügel, Präf. Nara
Bildquelle: Ohitsuji-za no hitorigoto, (Blog). (Letzter Zugriff: 2014/1)

Das chinesische Symboltier des Westens, dem die Farbe Weiß zugeordnet ist. Es handelt sich um keinen realistischen Tiger, da er mit flügelartigen Federn ausgestattet ist.

. 4 Weißer Tiger
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Schwarze Schildkröte (Genbu)

Wandmalerei (Farbe). Wahrscheinlich 7.Jh.; Kitora Grabhügel, Präf. Nara
Bildquelle: Ohitsuji-za no hitorigoto, (Blog). (Letzter Zugriff: 2014/1)

Das chinesische Symboltier des Nordens stellt eigentlich eine Kombination von Schlange und Schildkröte dar. Der Name bedeutet wörtlich „Dunkler Krieger“.

. 5 Schwarze Schildkröte
Die Symboltiere der Himmelsrichtungen in alten Hügelgräbern
Richtung Tier Farbe Wandlugsphase Himmelswächter
Osten Blauer Drache
(Seiryū 清龍)
blau oder grün Holz Jikoku-ten
Süden Roter Vogel
(Suzaku 朱雀)
rot Feuer Zōchō-ten
Westen Weißer Tiger
(Byakko 白虎)
weiß Metall Kōmoku-ten
Norden Dunkle Schildkröte
(Genbu 玄武)3
schwarz oder blau Wasser Tamon-ten Tamon-ten  多聞天 Synonym von Bishamon-ten, Himmelswächter des Nordens (skt. Vaishravana)siehe auch Bishamonten → Gluecksgoetter→ Gluecksgoetter/Bishamonten
Mitte [Gelber Drache] gelb Erde --

Die Tiere dürften im frühhistorischen China zunächst nur eine Vierer­gruppe dar­gestellt haben; die Mitte, reprä­sen­tiert durch einen gelben Drachen, der wiede­rum als Sinnbild des chine­sischen Kaisers ange­sehen wird, kam später hinzu. Der Einfluss dieser Symbolik auf be­nach­barte Kulturen zeigt sich vor allem in früh­histo­rischen Grab­hügeln in Korea und Japan, in denen die Richtungs­tiere häufig abge­bildet sind. Aber auch in der japa­nischen Palast­archi­tektur finden sich Bezüge zu den Rich­tungs­tieren. Ihre Farb­symbo­lik fand schließ­lich sogar Eingang in die bud­dhis­tische Ikono­graphie, die Tiere selbst wurden aller­dings nach und nach von bud­dhis­tischen Wesen­heiten wie den Vier Himmels­wächtern (Shi-Tennō Shi-Tennō 四天王 Die 4 Himmelskönige (Weltenwächter)siehe auch Waechtergoetter → Ikonographie→ Gluecksgoetter→ Fruehzeit/Shotoku Taishi→ Oni und Kappa → mehr… ) verdrängt.

Yin und Yang in Japan

In Japan existierte in klassischer Zeit ein Hofamt, das sich speziell mit chinesischer Wahr­sage­technik be­fasste und als onmyō-ryō onmyō-ryō 陰陽寮 wtl. „Amt für Yin und Yang“; höfische Orakelleser (Amt für Yin und Yang) be­zeichnet wurde. Sein Auf­gaben­bereich um­fasste neben der Orakel­kunst auch die Kalender­kunde und die Geo­mantik, also die Be­stimmung glücks­ver­heißender Zeiten und Orte, die jeweils auf der Grund­lage der Natur­philo­sophie ermittelt wurden. An­gehörige dieses Amtes hatten priester­lichen Status und wurden als onmyōji onmyōji 陰陽師 Yin Yang Meister (Yin Yang Meister) be­zeichnet. Sie galten unter anderem als große Magier und wurden von An­gehörigen des Hofes auch für private Zwecke, in denen Magie von­nöten war, um Hilfe ersucht.

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Portrait des Abe no Seimei

Hängerollbild (Seide, Farbe). 14. Jh.; im Besitz des Abe Ōji Schreins, Osaka
Bild © Osaka City. (Letzter Zugriff: 2011/8)

Der Yin Yang Meister Abe no Seimei (921?–1005). Im Abe Schrein, wo dieses Bild herstammt, wird auch Seimeis angebliche Mutter, die Füchsin Kuzunoha, verehrt.

. 6 Abe no Seimei

Der bekannteste Yin Yang Magier der Heian-Zeit ist Abe no Seimei Abe no Seimei 安部清明 Yin Yang Meister des 10. Jh.s (921?–1005)siehe auch→ Verwandlungskuenstler/Kitsune (921?–1005). Er war Angehöriger des höfischen Yin Yang Amtes, trug den Titel „Doktor der Himmels­kunde“ (tenmon hakase) und führte im Auftrag ver­schiedener Kaiser Orakel aber auch Exorzismen durch. Dank seiner be­sonderen Be­gabung wurden einige Ämter des Yin Yang Amtes inn­halb seiner Familie erb­lich. Nach seinem Tod rankten sich zahl­reiche Legenden um ihn, die die wenigen historisch ge­sicherten Berichte über­lagert haben. So soll seine Mutter eine Füchsin ge­wesen sein, welche die natür­liche magische Bega­bung dieser Tiere an ihren Sohn weiter­gab (siehe Ver­wand­lungs­künste der Füchse).

Die Bedeutung der chinesischen Natur­philo­sophie scheint in der Heian Heian 平安 alter Name Kyotos; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit)siehe auch Heian Zeit → Ikonographie→ Opfergaben→ Kannon→ Bekannte Schreine→ Bekannte Schreine/Fushimi → mehr… Zeit ihren Höhe­punkt er­reicht zu haben, durch­zieht aber die ge­samte japani­sche Kultur- und Reli­gions­ge­schich­te wie ein roter Faden. Schon in den frühen Chroni­ken, vor allem im Nihon shoki Nihon shoki 日本書紀 Zweitältestes Schriftwerk und erste offizielle Reichschronik Japans (720)siehe auch Mythentexte → Opfergaben→ Schreine/Torii→ Ise Izumo→ Shinto/Jindo→ Ise Izumo/Izumo Schrein → mehr… , ist deut­lich zu erken­nen, dass ein­zelne mytho­logische Er­zäh­lungen dem Yin Yang Schema an­ge­glichen wurden. Später machte vor allem der esovterische Bud­dhis­mus von der Yin Yang Sym­bolik Gebrauch (siehe Mandalas der beiden Welten). In der japanischen Volks­medizin, der Küche und der Garten­architektur hat sich der Ein­fluss von Yin und Yang bis auf den heutigen Tag er­halten. Schließ­lich sind Yin Yang und die Fünf Phasen un­trenn­bar mit dem klas­si­schen Kalender­wesen ver­bunden, das auch heute noch einen ge­wissen Einfluss in der japani­schen Alltags­kultur besitzt.

Wochentage

Die in der Antike als „Sieben Planeten“ bekannten Himmels­körper (also Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus und Saturn) wurden in Europa be­kannt­lich zur Einteilung der Wochen­tage heran­ge­zogen. Fast alle euro­päischen Sprachen be­nennen und reihen ihre Wochen­tage nach diesem Schema (auch wenn im Deutschen Mars zu Odin, Jupiter zum Donner und Venus zu Freia wurde).

In Japan wird die Sieben-Tage-Woche seit der Ein­führung des west­lichen Kalenders (1873) all­ge­mein an­er­kannt. Die Namen der Wochen­tage scheinen auf den ersten Blick aller­dings vom west­lichen Schema ab­zu­weichen. Sonn- und Mond­tag stimmen zwar überein, die nach­fol­genden Tage sind aber nach den Fünf Phasen be­nannt (Feuer - ka, Wasser - sui, Holz - moku, Metall - kin, Erde - do). In Japan dienen somit keine in den Himmel projezierten Götter, sondern Yin und Yang Yin Yang (chin.) 陰陽 Dualistisches Prinzip der chin. Naturphilosophiesiehe auch→ Grundbegriffe→ Jahr→ Mandala/Ryogai Mandara→ Goetter des Himmels→ Shinto Mittelalter (Mond und Sonne) sowie die Fünf Phasen zur Markierung der Zeit.

Tatsächlich besteht aber doch eine Über­ein­stimmung. Die Fünf Phasen wurden nämlich tra­di­tioneller­weise auch zur Be­zeichnung der fünf am Nacht­himmel sicht­baren Planeten heran­ge­zogen: der Mars wurde wegen seiner röt­lichen Färbung dem Feuer zugeordnet, und heißt in Ostasien daher „Feuer­stern“, der Merkur ist der „Wasser­stern“, der Jupiter der „Holz­stern“, die Venus der „Metall­stern“ und der Saturn der „Erd­stern“. Das japanische Wochen­tags­system orientiert sich also eben­falls an den „Sieben Planeten“ und zählt sie in der gleichen Reihen­folge auf wie die Europäer seit der Antike.

Tatsächlich war das Sieben-Tage-Wochen Prinzip bereits im alten China be­kannt, wurde aber von anderen Zeit­ein­teilungen, etwa dem 60er-Zyklus, über­lagert. Beide, das europäische wie das ost­asiatische Wochen­system dürften also einen ge­mein­samen Ur­sprung, möglicher­weise in der babylonischen Kalender­kunde/As­tro­nomie be­sitzen. In Japan soll die Kenntnis der chinesischen Sieben-Tage-Woche auf den Mönch Kūkai Kūkai 空海 Gründer des Shingon Buddhismus, 774–835siehe auch Kukai → Bekannte Tempel→ Bekannte Tempel/Berg Koya→ Pilgerschaft→ Bekannte Schreine/Fushimi→ Mandala → mehr… zurück­gehen, der ent­sprech­ende Schriften Anfang des neunten Jahr­hunderts von seiner China Reise mitbrachte.

Interessanterweise hat sich die alte Konvention, die Wochen­tage nach Yin Yang und den Fünf Phasen ab­zu­zählen im modernen China nicht durch­gesetzt. Während sie in Japan zum Standard wurde, zählt man in China die Wochen­tage heute einfach numerisch ab.

Verweise

Verwandte Themen

Fußnoten

  1. Bereits 1924 er­schien eine deut­sche Über­set­zung dieses Texts durch den berühmten Sino­logen und Mis­sio­nar Richard Wilhelm (1873–1930). Diese wurde auch ins Englische über­tragen und stellt heute die be­kann­teste, wenn auch nicht ganz un­um­strit­tene Fassung des Yijing in einer west­lichen Sprache dar.
  2. Die heute bekannte Form, die etwa auch der Über­setzung durch Richard Wilhelm zu­grunde­liegt, wurde traditionell dem Konfuzius zu­ge­schrieben und zählt daher zu den konfuzi­anischen Klassikern. Die hier zum Ausdruck kommende Philo­sophie übte eine beson­dere Faszination auf Richard Wilhelm oder C.G. Jung aus. Laut neueren Forschungen stammt diese Version jedoch aus der Tang Tang (chin.)chin. Herrschaftsdynastie, 618–907siehe auch Geschichtsperioden → Buddhismus→ Fruehzeit→ Kami Kulte→ Heian Zeit→ Saicho → mehr… -Zeit (618–907) und ent­spricht einer sekundären Be­ar­bei­tung des Werks. Daneben wurden auch ältere Versionen auf­ge­spürt, die wesent­lich kürzer, pragmatischer und weniger auf den Nachweis philo­sophischer Grund­prinzipien ausgerichtet sind.
  3. Der Name Genbu bedeutet wörtlich „Dunkler Krieger“, die Schildkröte tritt zumeist in Kombination mit einer Schlange auf.

Bilderläuterungen

  1. Fuxi.jpg

    Fuxi und Nüwa

    Malerei. Tang-Zeit; National Museum China

    Der mythologische Kaiser Fuxi und seine Schwester/Gemahlin Nüwa. Neben den Trigrammen erfand Fuxi auch das Winkelmaß, das er hier in der Hand hält.

  2. Takamatsuzuka seiryu.jpg

    Blauer Drache (Seiryū)

    Wandmalerei (Farbe). Wahrscheinlich 7.Jh.; Takamatsu-zuka, Präf. Nara
    Bild © Asuka Museum. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Bei diesem Drachen handelt es sich um ein chinesisches Emblem des Ostens. Das Bild stammt aus einem Hügelgrab (kofun) der Asuka Zeit (7. Jh.), dem Takamatsu-zuka. Dass chinesische Embleme in dieser Zeit in Grabkammern festgehalten wurden, verdeutlicht den Einfluss der chinesischen Kosmologie und des daoistischen Polarstern-Glaubens im Japan der Asuka-Zeit.

  3. Suzaku kangso middle tomb.jpg

    Roter Vogel (Suzaku)

    Wandmalerei (Farbe). Goguryo-Zeit (vor 668), wahrscheinlich 7.Jh.; Kanso Middle Tomb, Nordkorea
    Bildquelle: Jun's Memo, Blog. (Letzter Zugriff: 2014/1)

    Der Rote Vogel des Südens (jap. Suzaku). Wandbild aus dem Inneren eines Hügelgrabs des koreanischen Königreichs Goguryeo.

  4. Byakko kitora.jpg

    Weißer Tiger (Byakko)

    Wandmalerei (Farbe). Wahrscheinlich 7.Jh.; Kitora Grabhügel, Präf. Nara
    Bildquelle: Ohitsuji-za no hitorigoto, (Blog). (Letzter Zugriff: 2014/1)

    Das chinesische Symboltier des Westens, dem die Farbe Weiß zugeordnet ist. Es handelt sich um keinen realistischen Tiger, da er mit flügelartigen Federn ausgestattet ist.

  5. Genbu kitora.jpg

    Schwarze Schildkröte (Genbu)

    Wandmalerei (Farbe). Wahrscheinlich 7.Jh.; Kitora Grabhügel, Präf. Nara
    Bildquelle: Ohitsuji-za no hitorigoto, (Blog). (Letzter Zugriff: 2014/1)

    Das chinesische Symboltier des Nordens stellt eigentlich eine Kombination von Schlange und Schildkröte dar. Der Name bedeutet wörtlich „Dunkler Krieger“.

  6. Seimei.jpg

    Portrait des Abe no Seimei

    Hängerollbild (Seide, Farbe). 14. Jh.; im Besitz des Abe Ōji Schreins, Osaka
    Bild © Osaka City. (Letzter Zugriff: 2011/8)

    Der Yin Yang Meister Abe no Seimei (921?–1005). Im Abe Schrein, wo dieses Bild herstammt, wird auch Seimeis angebliche Mutter, die Füchsin Kuzunoha, verehrt.

Links und Literatur

Marcel Granet 1985
Das chinesische Denken. Frankfurt/M.: Suhrkamp 1985. [Französische Erstauflage 1936.]
Dominque Hertzer 1996
Das alte und das neue Yijing: Die Wandlungen des Buches der Wandlungen. München: Diederichs 1996.
Richard Wilhelm (Ü.) 1995
I Ging: Das Buch der Wandlungen. Köln: Diederichs 1995. [Erstauflage 1924.]
Letzte Überprüfung der Linkadressen: Aug. 2010


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