Yamabushi

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Yamabushi (yamabushi 山伏Bergasket, wtl. der in den Bergen schläft ), wtl. „die in den Bergen schlafen“, bilden eine locker organisierte Konföderation von Mönchen und Laien­brüdern mit speziellen synkretistischen Riten. Manche ihrer Praktiken lassen sich höchst­wahr­schein­lich auf einheimische, vor-bud­dhis­tische Berg­kulte zurückführen, die meisten sind aber stark vom esoterischen Bud­dhis­mus beeinflusst. Äußerlich erkennt man die Berg­asketen an ihrer eigen­willigen Mönchs­tracht, bei der als erstes die cha­rak­ter­is­tische, in die Stirn gerückte Kopf­be­deckung ins Auge fällt. Darüber hinaus tragen viele eine bud­dhis­tische Stola (kesa (kesa 袈裟Mönchsumhang, buddhistische „Stola“ …⇒)) mit dicken Bommeln und ein Muschel­horn, das einen dumpfen, klagenden Ton von sich gibt.

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    Senior Yamabushi

    Kyoto
    Bild © Frantisek Staud, 1999. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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    Yamabushi-Prozession im Mibudera

    Kyoto
    Bild © Frantisek Staud, 1999. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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    Yamabushi beim Beten

    Bild © Wada Yoshio, 18.2.2006. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Unter einem Wasserfall im winterlichen Niigata, tief in den japanischen Alpen.

Shugendō

Der Orden der yamabushi nennt sich genau genommen Shugendō (Shugendō 修験道Orden der yamabushi ) und führt sich auf En no Gyōja (En no Gyōja 役行者Legendärer Begründer des Shugendō (um 700); auch: En no Ozunu/Ozuno ), einen legenden­um­wo­benen Asketen und Magier aus der Asuka (Asuka jidai 飛鳥時代Asuka Zeit, 587–710, benannt nach den Residenzen der → Soga in der Asuka Region …⇒)- und frühen Nara (Nara 奈良Hauptstadt und Sitz des Tenno, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyō …⇒)-Zeit (um 700) zurück. In seiner Ent­steh­ungs­zeit war der Orden auf die Berge der Halb­insel Kii, südlich von Nara be­schränkt, breitete sich aber mit der Zeit in ganz Japan aus. Manche yamabushi-Gruppen schlossen sich formal dem Shingon (Shingon-shū 真言宗Shingon Schule, wtl. Schule des Wahren Wortes …⇒)-, andere dem Tendai (Tendai-shū 天台宗Tendai Schule, chin. Tiantai …⇒)-Bud­dhis­mus an. In jedem Fall war der Einfluss esoterisch-bud­dhis­tischer Riten, vor allem aber der Feuer­kulte des Fudō Myōō (Fudō Myōō 不動明王prominentester japanischer Myōō (Mantra-König), wtl. „der Unbewegliche“ …⇒) deutlich erkennbar. Da die yamabushi aber auch Schreine für ein­heimische Berg­gott­heiten unterhielten, entstand eine untrennbare Mischung aus Buddha (बुद्धBuddha (skt., m.)„Der Erleuchtete“ …⇒) - und Kami (kami japanische Gottheit …⇒)-Kulten.

Unter dem Einfluss des Staatsshinto wurde die Tradition des Shugendō in der Meiji (Meiji 明治posthumer Name von Kaiser Mutsuhito; nach ihm wird auch die Meiji-Zeit (1868–1912) benannt …⇒)-Zeit verboten, lebt allerdings in jüngerer Zeit in zahl­reichen ehemaligen Zentren des Berg­asketen­tums (Kumano oder Yoshino auf der Halb­insel Kii, Berg Takao bei Tokyo, Berg Haguro in Nordjapan) erneut wieder auf.

Asketische und magische Riten

Die Riten der yamabushi haben zumeist einen ausgeprägt körper­lichen, oft beinahe sport­lichen Aspekt: es geht um die Über­windung von Angst, Schmerzen und physischer Erschöpfung, also in erster Linie um die Aus­lotung körperlicher Grenzen. Goma (goma 護摩buddh. Feuerritus, skt. Homa )-Riten, bei denen zu Ehren des Fudō Myōō ein Feuer entzündet und ein bloß­füßiger Gang durch die glühende Asche ver­anstaltet wird, zählen zu den typischen Ak­ti­vi­tä­ten der yamabushi, aber auch das Beten unter eiskalten Wasserfällen.

Es ist daher nicht weiter verwunderlich, dass den yamabushi, ähnlich wie den indischen Yogis, in früherer Zeit magische oder paranormale Fähig­keiten nachgesagt wurden, z.B. die Kunst des Fliegens. Sie waren eng mit den tengu (tengu 天狗Tengu, eine Art Kobold, meist in den Bergen …⇒) assoziiert, jenen un­heim­lichen Kobolden, die ihrerseits meist in der Ordens­tracht der yamabushi dargestellt werden. Die grund­sätzlich ambivalente Haltung gegen­über den Tengu, die in Sagen und Legenden sowohl als un­heil­volle Böse­wichte als auch als tapfere Schwert­meister auftreten, scheint zugleich die traditionelle Haltung gegen­über den yamabushi aus­zu­drücken: sie waren einerseits wegen ihrer magischen Fähig­keiten gefürchtet, konnten anderer­seits aber als Berg­führer und in kriegerischen Zeiten als Elite­kämpfer durchaus von Nutzen sein.

Heute haben viele yamabushi Veranstaltungen einen exotisch-touristischen Aspekt, in entlegeneren Gegenden werden aber auch traditionelle, mit echter körperlicher Heraus­forderung verbundene Riten erneut wieder­belebt. Auch in Europa haben sich unter den zahl­reichen asiatischen Kampf­sport­arten Richtungen etabliert, die mit dem Shugendō in Verbindung stehen.

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Yamabushi auf Spendensammlung

Bild © Wada Yoshio, 2002. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Vor dem Kinpusen-ji in Yoshino, einem religiösen Zentrum in den Bergen südlich von Nara, das u.a. auch für den Shugendō (den Glauben der yamabushi) bedeutend ist. (Der yamabushi im Vordergrund rechts ist im übrigen ein Westler!)

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