Azuchi-Momoyama-Zeit

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Die Azuchi-Momoyama-Zeit 安土桃山時代 (Azuchi Momoyama jidai) dauerte von 1578 bis 1600; in ihr fand die Einigung des in zahlreiche kämpfende Fraktionen zersplitterten Japan unter den „3 Reichseinigern“ Oda Nobunaga, Toyotomi Hideyoshi und Tokugawa Ieyasu statt. Der Name der Epoche stammt von Oda Nobunagas Festung Azuchi und Toyotomi Hideyoshis Residenz in Fushimi (Momoyama). Dieser Artikel versucht, im Kontrast zu den bereits vorhandenen Artikeln über die Reichseiniger, die eher biographischer Natur sind, einen gesamtgeschichtlichen Kontext zu präsentieren, in dem nicht nur der Verlauf der Einigung Japans kompakt wiedergegeben wird, sondern auch Bezug zu Religionsgeschichtlich relevanten Ereignissen hergestellt werden soll.


Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Nach dem Ônin-Krieg 応仁の乱 (Ōnin no Ran, 1467-1477) mündet die japanische Geschichte direkt in die „Zeit der streitenden Provinzen“, die sog. Sengoku-jidai 戦国時代. Kyôto war zerstört, die alte Ordnung aufgelöst und die Ashikaga-Dynastie entmachtet; durch diesen Verlust der zentralen Staatsgewalt motiviert kehrten die Beamten und Adeligen aus der Hauptstadt auf ihre Ländereien zurück, um dort entweder ihre Machtansprüche durchzusetzen, oder den kokujin, mächtigen lokalen Familien, weichen zu müssen.

In Folge dieser politischen Zersplitterung Japans entstanden lokale Machtkämpfe um Territorien, an denen sich ca. 250 daimyô, die ab dieser Zeit nicht mehr durch die Regierung, sondern durch ihre eigene militärische und politische Macht legitimiert waren, beteiligten.


Die drei Reichseiniger

Oda Nobunaga

Oda Nobunaga 織田 信長, ursprünglich Daimyô von Owari, nahm mit strategischem Geschick und den überlegenen Schusswaffen, die er durch Handel mit den seit 1543 nach Japan kommenden Jesuiten erhalten konnte, große Teile Japans in seine Gewalt, und eroberte auf seinem Weg zur Hegemonie im Jahr 1568 Kyôto. Dort „tauschte“ er den Ashikaga-Shôgun Yoshihide gegen einen anderen (Yoshiaki), der ihm besser gewogen war.

Religionsgeschichtlich wichtig ist der in Folge auftretende Konflikt Nobunagas mit den großen buddhistischen Tempeln des Kinki-Gebietes, nämlich Kôfukuji 光福寺, Enryakuji延暦寺 und das Kloster auf dem Kôyasan 高野山. Sie besaßen in dieser Region große Landgüter, und verfügten über beträchtliche militärische Macht; außerdem mischten sie aktiv im Kriegsgeschehen mit, was ihnen letztendlich die Feindschaft Nobunagas eintrug.

1571 zerstört der Kriegsherr mit seiner Armee das Kloster Enryakuji auf dem Berg Hiei vollständig, und bricht damit auch ein uraltes Tabu gegenüber religiösen Institutionen, für die eine gewisse Unantastbarkeit galt. Konsequenz war, dass nach dieser historischen Zäsur einem immer pragmatischer werdenden Verhältnis der Politischen Machthaber zur Religion generell, und auch zu ihren „weltlichen“ Repräsentanten nicht mehr viel im Weg stand; die politischen Führer waren nicht mehr bereit, den etwa vom Buddhismus aufgestellten Regeln zu folgen, wenn es ihren eigenen Interessen zuwiderlief.

Es gelang Nobunaga, noch weitere Teile des Landes zu erobern, bevor er 1582 dem Attentat seines Gefolgsmannes Akechi Mitsuhide zum Opfer fiel.


Toyotomi Hideyoshi

Die Karriere des Bauernsohns Hideyoshi begann als einfacher Soldat, aber mit einigen Erfolgen erwarb er sich höhere Ränge, bis er schliesslich die Nachfolge Nobunagas nach dessen Tod antreten konnte. Während seiner Fortführung des japanischen Einigungsprozesses unterwarfen sich viele Daimyô auch freiwillig dem gewaltigen Heer, das er zu dieser Zeit bereits befehligte.

Im Gegensatz zu Nobunaga war Hideyoshi dem Buddhismus freundlicher gesinnt, zumindest an der Oberfläche seiner Handlungen. So stellte er die buddhistischen Tempel unter seinen Schutz, und ließ den Enryakuji wieder aufbauen. Motiv war vermutlich, die Anhänger des Buddhismus zu „domestizieren“, indem er sich ihre Unterstützung durch Wohltaten sicherte. Das Christentum hingegen war ihm ein Dorn im Auge, da es den Eindruck eines guten Nährbodens für revolutionäre Tendenzen auf ihn machte. Durch den monotheistischen Charakter der christlichen Religion, der komplett dem in Japan gängigen Konsens, dass alle Religionen ein und dieselbe Wahrheit ausdrücken, widersprach, erweckten die Christen und ihre Missionare den Anschein einer „radikalen Sekte“, weswegen Hideyoshi letzten Endes ihre Tätigkeiten mit einem Verbot unterband. Die Durchsetzung dieser Regelung war jedoch eher pragmatischer Natur; so wurde das Verbot nur ungenau eingehalten, da für Hideyoshi weiterhin Interesse am Aussenhandel mit den Christen bestand.

Nach der Einigung Japans startet Hideyoshi einen Feldzug nach Korea, der jedoch nach großen Schwierigkeiten und Problemen erfolglos mit Hideyoshis Tod an Altersschwäche endet.


Tokugawa Ieyasu

Tokugawa Ieyasu 徳川 家康, ursprünglich Verbündeter Daimyô Hideyoshis, sah nach dessen Ableben die Chance, selbst die Macht zu ergreifen. Er provozierte eine Konfrontation zwischen den anderen Daimyô, die sich, in zwei Lager gespalten, bald als Kriegsgegner gegenüberstanden. So spalteten sich Hideyoshis Anhänger in ein westliches Lager, angeführt von Ishida Mitsunari, und ein östliches, angeführt von Ieyasu. Im Jahr 1600 konnte Ieyasu die entscheidende Schlacht von Sekigahara 関ヶ原, die die bis dahin größte Schlacht auf japanischem Boden gewesen sein soll, für sich entscheiden, und stieg damit zum unangefochtenen militärischen Alleinherrscher des Landes auf. 1615 tilgte er in der „Sommerschlacht von Ôsaka“ die letzten Mitglieder der Toyotomi, und damit den letzten nennenswerten Widerstand gegen seine Hegemonie, von der historischen Landkarte.

1603 gibt Ieyasu sein neu erhaltenes Shôgun-Amt an seinen Sohn ab, um anschließend aus dem Hintergrund weiter zu regieren. Die Machtergreifung der Tokugawa markiert auch den Beginn der Edo-Zeit, die von dieser Familie mithilfe eines ausgeklügelten Regierungssystems und der Isolierung des Landes nach aussen 250 Jahre lang dominiert wurde.

Was sein Verhalten gegenüber Religionen betrifft, so war Ieyasu anfangs ein toleranter Dulder des Christentums; immer mehr Europäer wie z.B. Holländer oder Engländer trafen in Japan ein. Wegen des daraus resultierenden Verlustes des portugiesischen Handelsmonopols verlagerten sich auch innereuropäische Streitigkeiten, wie etwa der Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken, der ja in Europa auf nationaler Ebene ausgetragen wurde, auf japanisches Territorium. Diese Tatsache, und die Ereignisse während der Shimabara-Rebellion von 1637/38, deren Ursache bei den „revolutionären“ Christen gesehen wurde, waren letztendlich der Auslöser des endgültigen Verbotes des Christentums durch Tokugawa Ieyasu, sowie des Beginns seiner sakoku-Politik (鎖国, wörlich "Land in Ketten"), der repressiven Abschottung Japans gegen die Außenwelt.

Ieyasu starb am 1. Juni 1616 eines natürlichen Todes auf seinem Alterssitz in Sumpu.


Quellen:

  • Lamers, Jeroen (2000), Japonius Tyrannus. The Japanese Warlord Oda Nobunaga reconsidered. Leiden: Hotei Publishing
  • Hammitzsch, Horst (Hg.) (1990), Japan-Handbuch. Stuttgart: Franz Steiner Verlag.
  • VO/UE Einführung: Geschichte Japans, Ao. Univ.-Prof. Dr. Ingrid Getreuer-Kargl, SoSe 2006: Mittelalter



--wast 17:23, 9. Jan 2008 (CET)

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