Die Sieben Glücksgötter

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Die Sieben Glücksgötter (jap. Shichi Fukujin (Shichi Fukujin 七福神 = Die Sieben Glücksgötter)) sind ein Sinn­bild für das Streben nach dies­seitigem Glück (genze riyaku (genze riyaku 現世利益 = (religiöse) Belohnung in diesem Lebenmehr dazu) = religiöse Be­lohnung in dieser Welt) und zu­gleich ein an­schau­liches Bei­spiel für den un­ver­krampften Um­gang der japanischen Religion mit ver­schiedenen Traditionen. Sie ver­einen die mildtätige Barm­herzig­keit der Bodhisattvas (बोधिसत्त्वskt. Bodhisattva (m.) „Erleuchtetes Wesen“, mehr dazu), die ehrfurcht­gebietende Strenge der Devas (देवskt. deva (m.) „Gottheit“, oberste Klasse indischer Götter, mehr dazu) und das daois­tische Ver­sprechen des Langen Lebens mit einer boden­stän­digen Lebens­tüchtig­keit. Zwar mag es den Anschein haben, dass sie nur auf materiel­len Gewinn aus sind, doch transpor­tieren die Glücks­götter auch Tugen­den wie Fleiß, Arbeits­eifer und Selbst­genüg­sam­keit. Sie sind jedoch völlig frei von jeder transzen­denten Dimen­sion. Auf diese Weise haben sie sich mühelos aus der Vor­moderne in die moderne Konsum­gesellschaft hin­über­gerettet. Die Sieben Glücksgötter ent­standen zusammen mit der bürger­lichen Stadt­kultur im späten Mittel­alter und gewan­nen in der Edo (Edo 江戸 = Sitz der Tokugawa Shogune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tokyomehr dazu)-Zeit (1600–1867) ihre be­kannte ikono­graphische Gestalt. Heute gelten sie zwar als Shinto-Götter (kami (kami = japanische Gottheitmehr dazu)), doch sie tragen viele Merk­male aus der Zeit ihrer Ent­stehung, als die Trenn­wand zwischen Buddhas (बुद्धskt. Buddha (m.) „Der Erleuchtete“, mehr dazu) und Kami noch wesentlich durch­lässiger war.

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Sieben Glücksgötter

Insel Takeshima, nahe der Stadt Gamagori, Präfektur Aichi
Bild © Samurai Shiatsu, flickr 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Moderne Darstellung.

Noch heute ist es Brauch, in der Neujahrsnacht ein Bild der Glücks­götter unter den Kopf­polster zu legen, um das Neue Jahr mit einem glücks­ver­heißenden Traum zu begin­nen. Auch kleine Pilger­fahrten zu Sieben Tempeln oder Schreinen, die jeweils einem der Götter ge­wid­met sind, erfreuen sich am Jahres­anfang großer Beliebt­heit. Jeder Gott kann aber auch allein an­ge­betet werden und hat seinen eigenen Zustän­dig­keitsbereich.

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Daikoku

Daikoku (Daikoku 大黒 = Glücksgott; skt. Mahakala = „Großer Schwarzer“mehr dazu) ist so etwas wie der Anführer aller sieben Glücksgötter, viel­leicht, weil er am längsten in dieser Funktion ver­ehrt wird. Zu seinen wich­tigsten Emblemen zählen Reis­sack und Glücks­ham­mer. Er steht daher in erster Linie für Glück in Form von materiel­lem Reich­tum, bzw. reich­licher Nah­rung. Sein Boten­tier ist die Maus, die im chinesischen Horoskop eben­falls mit Reich­tum assoziiert wird. Wenn Daikoku als ein­zelne Gott­heit verehrt wird, bewacht mitun­ter ein Paar Mäuse seinen Tempel oder Schrein.

Auf Daikokus Beziehung zur zornvollen tantristischen Gottheit Mahakala wurde bereits ein­ge­gan­gen. Doch gibt es seit alters­her auch eine „ein­heimische“ Variante des Daikoku, in der er als ein­facher Bauer auf­tritt. In dieser Gestalt wird auch häufig mit dem mytho­logischen Gott Ōkuninushi (Ōkuninushi 大国主 = mythol. Gottheit; wtl. Großer Meister des Landesmehr dazu) iden­tifiziert.

Auf vielen Bildern ist Daikoku zusammen mit Ebisu, dem Gott des Fisch­fangs, zu sehen. Daikoku und Ebisu sorgen für die materiel­len Grund­be­dürf­nisse, die Ernäh­rung, und ver­treten oft die Gesamt­heit der Glücksgöt­ter, sozusagen in kleiner Besetzung.

Ebisu

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Ebisu (Ebisu 恵比寿 = Glücksgott) trägt die klassische Hoftracht (kariginu (kariginu 狩衣 = Priestertracht (ehemals Hoftracht); wtl. „Jagdgewand“mehr dazu)), die heute noch von Shinto-Priestern benützt wird. Anhand seiner Attribute ist er deut­lich als Gott des Fischfangs zu er­ken­nen: Er hält eine Angel und trägt eine riesige Rote Meer­brasse (tai) unter dem Arm. Den­noch scheint er in manchen Gegen­den auch als Gott der Land­wirt­schaft ver­ehrt worden zu sein. Heute ist er unter Laden­besit­zern, Klein­gewerbe­treiben­den und Wir­ten beson­ders populär. Auch die bekannte Bier­marke „Yebisu“ trägt seinen Namen.

Ebisu gilt als der einzige „einheimische“ Gott unter den Shichi Fukujin, doch seine Her­kunft ist rät­selhaft. Laut manchen Schrein­legen­den wird er mit dem sog. „Blutegel-Kind“ (Hiru-ko (Hiru-ko 蛭子 = wtl. Blutegel-Kind; erstes (missratenes) Kind von → Izanagi und Izanami)), dem ersten und etwas miss­glück­ten Sprössling des Ur­göt­ter­paares Izanagi (Izanagi 伊耶那岐 / 伊奘諾 = Göttervater; auch Izanaki. Name möglicherweise von izanau (einladen) → „Mann, der einlädt“ (ki hier männliche Endung)mehr dazu) und Izanami (Izanami 伊耶那美 / 伊奘冉 = Göttermutter; Name möglicherweise von izanau (einladen) → „Frau, die einlädt“ (mi hier weibliche Endung)mehr dazu) in Ver­bindung gebracht. Diese Her­leitung ent­stammt wohl dem Nishinomiya Jinja in der Nähe von Ōsaka, einem Zentrum des Ebisu-Kultes, beruht jedoch nicht auf klas­sischen Quel­len wie Kojiki (Kojiki 古事記 = Älteste jap. Chronik (712)mehr dazu) oder Nihon shoki (Nihon shoki 日本書紀 = Zweitälteste Chronik Japans (720)mehr dazu). Anderer­seits wird Ebisu auch gern mit der mythologischen Zwerg-Gottheit Sukunabikona (Sukunabikona 少名毘古那 = winzige Gottheit, Gefährte oder alter ego von Ōkuninushi, auch: Sukunahikonamehr dazu) assoziiert, eine Art Alterego des oben genannten Ōkuninushi.

Benzaiten

Benzaiten (Benzaiten 弁才天/ 弁財天 = Glücksgöttin, Gottheit des Wassers, der Musik und der Beredsamkeit; skt. Sarasvati; auch: Bentenmehr dazu) oder abgekürzt Benten („Deva der Bered­samkeit“) ist die einzige Frau unter den Sieben Glücks­göttern. In den meisten Ab­bildun­gen hält sie eine biwa (biwa 琵琶 = jap. Laute)-Laute in der Hand. Dieses Instrument hat sie von ihrer indischen Ahnin, der Flussgöt­tin Sarasvati (सरस्वतीskt. Sarasvatī (f.) indischer Fluss; Flussgöttin der Beredsamkeit, der Musik und der Gelehrsamkeit, ) über­nommen. Beide Göttin­nen sind aus­gehend vom Wasser auch für Be­red­sam­keit, für Musik, für das Wissens und die Künste zuständig.

Auch in Japan hat Benten ihre enge Verbin­dung zum Wasser bei­behalten. Ihre Schreine oder Tempel sind fast immer von Wasser um­geben. Allein schon auf­grund ihrer äußeren Er­scheinung steht Benten für Anmut, man betet aber auch um Geld und Wohl­stand zu ihr. In Kamakura gibt es bei­spiels­weise den berühm­ten Zeniarai-Benten Schrein — den Schrein der „geld­waschen­den Benten“. Wer an der dortigen Quelle sein Geld wäscht, darf auf dessen wunder­same Vermeh­rung hoffen.

Bishamon-ten

Der Name Bishamon-ten (Bishamon-ten 毘沙門天 = Himmelswächter des Nordens, Glücksgottmehr dazu) leitet sich von skt. Vaishravana (वैश्रवणskt. Vaiśravaṇa (m.) „Der Alles Hörende“, Himmelswächter des Nordens, aka. Kubera, ) (der alles Hörende) ab. Vaishravana ist einer der Vier Himmelskönige (Shi-Tennō (Shi-Tennō 四天王 = Die 4 Himmelskönige (Weltenwächter)mehr dazu)), und zwar der Hüter des Nordens. In Japan ist Bishamon-ten auch unter dem Namen Tamon-ten, einer Über­setzung des Sanskrit­namens „der alles Hörende“ bekannt. Zu seinen Attributen zählen ein Dreizack und eine kleine Pagode. In der klas­sischen Ikono­graphie strahlt er die Würde eines Feld­herren aus und wurde in früherer Zeit auch mit der Bitte um Kriegs­glück an­ge­betet. Auch als Glücks­gott wird er immer in chinesischer Rüstung dargestellt.

Besonders im frühen japanischen Buddhismus erfreute sich Bishamon-ten einer großen Be­liebt­heit. Das Sutra des Goldenen Lichts portraitiert ihn als Er­finder einer Gebets­formel (mantra (मन्त्रskt. mantra (n.) Gebets­formel, mehr dazu)), die alle Wünsche verwirklichen hilft.

Hotei

Die Figur des Hotei (Hotei 布袋 = Glücksgott; Inkarnation von Bodhisattva Maitreyamehr dazu) geht auf die legendenumwobene Gestalt des chinesischen Mönchs Qici (auch Changting zi) zurück. Dieser führte im neun­ten Jahr­hundert ein Wander­leben als Bettel­mönch. Er trug seine Hab­selig­keiten stets in einem großen Sack mit sich, sodass er vor allem unter seinem Spitz­namen „Jutesack“ (chin. Budai oder Pu-tai, jap. Hotei) bekannt wurde.

Budai/Hotei erwies sich nach seinem irdischen Leben als Inkarnation des Bodhisattva (बोधिसत्त्वskt. Bodhisattva (m.) „Erleuchtetes Wesen“, mehr dazu) Maitreya (मैत्रेयskt. Maitreya (m.) „Der Freundliche, der Liebevolle“, Buddha der Zukunft, mehr dazu) (jap. Miroku (Miroku 弥勒 = Bodhisattva Maitreya, „Buddha der Zukunft“mehr dazu), chin. Mile-fo, auch als „Buddha der Zukunft“ bekannt) und wurde in China zum typischen„Lachen­den Buddha“. Beson­ders be­liebt ist er im Chan/Zen Buddhis­mus, wo seine Heiter­keit als Ausdruck der Selbst­genüg­sam­keit be­grif­fen wird. Er stellt er ein be­lieb­tes Motiv der Zen Tuschezeich­nungen (zenga (zenga 禅画 = Zen-Tuschebild)) dar.

Fukurokuju und Jurōjin

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Fukurokuju

Zeichnung von Katsuhika Hokusei

Fukurokuju (Fukurokuju 福禄寿 = Glücksgott, Gott des Langen Lebens) (wtl. „Glück-Erfolg-Langes Leben“) und Jurōjin (Jurōjin 寿老人 = Glücksgott) (wtl. „Alter Mann des Langen Lebens“) erscheinen beide als alte Männer und sind mit allen möglichen Eigen­schaf­ten und Emblemen daois­tischer Un­sterb­licher aus­ge­stat­tet. Dazu gehört auch die markante, phal­lisch anmutende Form ihres Schädels, der aller­dings oft dezent unter einer Kappe ver­borgen ist. Beide Götter tragen das Zeichen „ju (ju 寿 = Langes Leben)“ für Langes Leben im Namen und ge­währen den ent­sprechen­den Wunsch.

Die tierischen Begleiter der beiden sind Kranich, Schild­kröte und Hirsch, wobei der letztere meist an der Seite von Jurōjin zu finden ist. Vor allem die Schildkröte, aber auch Kranich und Hirsch gelten als Symbol­tiere des Langen Lebens.

Trotz ihrer unverkennbar daoistischen Attribute sind die beiden Gott­heiten als solche in China selbst nicht zu finden. Fuku-roku-ju (chin. fu-lu-shou) be­zeich­net jedoch eine Gruppe von drei chinesischen Glücks­göttern, die u.a. im Feng shui eine wichtige Rolle spielen. Jurōjin könnte eine Be­zeich­nung für den Südlichen Polar­stern (Canopus) sein, der in China selbst als Gottheit des Langen Lebens und als Verkör­perung Lao-tse's gilt.

Fukurokuju und Jurojin sind somit aus allerlei daoistischen Versatz­stücken zu­sammen­gesetzt, die um das Thema „Langes Leben“ kreisen und sich im Grunde beliebig kombinieren lassen. Daher ver­wundert es nicht weiter, dass sie mitun­ter auch zu einem Gott ver­schmel­zen. In diesem Fall wird die Gruppe der Shichi Fukujin durch die weib­liche Gottheit Kichijō-ten (Kichijō-ten 吉祥天 = Hindu-buddhistische Göttin des Glücks; auch: Kisshōten; skt. Lakshmi) (auch Kisshōten) ergänzt.

Wieso Sieben?

Vorbilder oder Verwandte der Sieben Glücksgötter finden sich vor allem in China, dort sind es aber üblicher­weise acht daois­tische Un­sterb­liche, die zusam­men auf einem Boot zur Insel der Glück­selig­keit unter­wegs sind. Es gibt ver­schiedene Theorien, wieso man sich in Japan statt dessen auf die Zahl Sieben fest­legte. So wird z.B. immer wieder auf die Sieben Übel (shichinan), bzw. die Sieben Tugen­den (shichi shōzai) des Buddhis­mus hin­ge­wiesen. Die Zahl Sieben spielt aber auch im chinesischen Polar­stern-Glauben eine wichtige Rolle (Anzahl der Sterne im Stern­bild des Großen Wagens). Auch die Sieben Weisen im Bambus­hain, ein Gruppe chinesischer Philosophen, die gerne auf Tuschmalereien dar­ge­stellt wurde, könnten eine Inspriationsquelle der Shichi Fukujin gewesen sein.

Eine bekannte Anekdote besagt, dass das Ensemble der Sieben Glück­götter auf den Mönch Tenkai, einen wichtigen religiösen Rat­geber des ersten Tokugawa Shoguns Tokugawa Ieyasu (Tokugawa Ieyasu 徳川家康 = 1. Tokugawa Shogun, 1543–1616; Reichseinigermehr dazu) zurück­geht. Tenkai hätte die Sieben Tugen­den des Bud­dhis­mus in ab­ge­wandel­ter Form auf Ieyasu über­tragen und mit sieben Gott­heiten folgen­der­maßen in Ver­bindung ge­bracht: Langes Leben (Jurōjin), Wohlstand (Daikoku), Beliebt­heit (Fukurokuju), Auf­richtig­keit (Ebisu), Liebens­würdig­keit (Benzaiten), Autorität (Bishamon­ten), Großmut (Hotei). Diese Kombination sei der Schlüs­sel zu Ieyasus erfolgreicher Be­friedung des Landes. Klar, dass Ieyasu von dieser Charak­terisierung be­geis­tert war und seinen Hofmaler anwies, die sieben Gottheiten in einem Bild darzustellen.

Frühformen der Shichi Fukujin legen die Vermutung nahe, dass das Ensemble tat­sächlich von bud­dhis­tischen Mönchen kreiert wurde. Wahr­schein­lich geht die Idee aber nicht auf einen einzigen Mönch zurück, sondern bildete sich all­mäh­lich im Laufe der Muromachi (Muromachi 鎌倉 = Stadtteil in Kyoto; Sitz des Ashikaga Shogunats; 1333–1573 (= Muromachi-Zeit)mehr dazu)-Zeit (14.–16. Jh.) heraus. In jedem Fall waren die Shichi Fukujin in der Edo (Edo 江戸 = Sitz der Tokugawa Shogune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tokyomehr dazu)-Zeit wesentlich bekannter und populärer als mythologische Gott­heiten wie Amaterasu (Amaterasu 天照 = Sonnengottheit, Ahnherrin des Tennōmehr dazu) oder Susanoo (Susanoo 須佐之男 = mytholog. Trickster-Gott; Sturmgott, Mondgottmehr dazu). Vor allem auf bildlichen Dar­stel­lungen sind sie allseits präsent, während die „eigentlichen“ Shinto-Götter nur sehr selten ab­ge­bildet werden. Daran hat sich im Grunde bis heute nichts geän­dert.

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Shichifukujin

Katsushika Hokusai (1760-1849). Späteren Edo-Zeit, frühes 19.Jh.
Bild © Muian. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Zeichnung in ihrer ikonographisch ausgereiften Form.

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