Etappen und Ziele dieses Wiki-Projekts

Aus Kamigraphie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Kamigraphie ist ein Wiki-Projekt zur Ikonographie und Ikonologie japanischer Gottheiten (kami) im weitesten Sinne. D.h. es geht auch um Gottheiten, die nicht in Japan entstanden sind, sondern aus anderen Kulturen importiert wurden und die japanischen Gottesvorstellungen beeinflussten. In dieses weite Themenspektrum sind auch buddhistische Gottesvorstellungen sowie weltweite mythologische Motive einbezogen, sofern diese in irgendeiner Weise mit den religiösen Vorstellungen Japans in Beziehung zu setzen sind.

Das Projekt wird vor allem von Studierenden der Japanologie, der Religionswissenschaft und der Kultur- und Sozialanthropologie im Rahmen sukzessiver Lehrveranstaltungen erstellt. Bisher wurden folgende Teilprojekte realisiert:

Wintersemester 2016

Religiöse Biographien

Religiöse Biographien erzählen in der Regel von den Gründerfiguren einer religiösen Richtung. Obwohl an der historischen Existenz dieser Figuren zumeist kein Zweifel besteht, betonen gerade religiöse Biographien die Bedeutung von Zeichen und Wundern, die aus wissenschaftlicher Sicht nicht als historische Fakten gewertet werden können.

In diesem Seminar ging es darum, einen kritischen Blick für Fakt und Fiktion rund um religiöse Figuren zu entwickeln. Der Fokus sollte sich jedoch nicht darauf richten, religiöse Biographien auf ihren faktischen Kern zu reduzieren. Vielmehr sollte auf bestimmte Muster in den Legenden selbst Rücksicht genommen werden.

Siehe auch:

Sommersemester 2016

Das Meer und die Seefahrt aus der Sicht japanischer Religionen

In dieser Übung ging es um religiöse Mythen, Glaubensvorstellungen und Praxisformen, die mit der Seefahrt im vormodernen Japan zu tun haben. Ein Schwerpunkt lag auf den wakō/wokou 倭寇 (jap. Piraten) des Mittelalters und ihrem Hachiman-Kult. In diesem Zusammenhang waren auch die handels- und geo-strategische bedeutsame Orten wie Tsushima, Hakata, die Seto Inlandsee oder die Ryūkyū-Inseln (Okinawa) im Verhältnis zu China und Korea zu untersuchen.

Es wurden aber auch Schreine wie Munakata, Itsukushima und Sumiyoshi, mythologische Figuren wie Jingū Kōgō, Gottheiten wie Watatsumi oder Motive wie der Drachenpalast am Meeresgrund angesprochen werden.

Siehe auch:

Wintersemester 2013

Japanische Fachtexte zu den Sieben Glücksgöttern

Die Lehrveranstaltung hatte in erster Linie das Ziel, die Studierenden mit der Lektüre japanischer wissenschaftlicher Fachtexte vertraut zu machen. Es ging daher nicht nur um inhaltliche, sondern auch um technische Fragen. In der Praxis bestand die Hauptarbeit der Studierenden in einem sehr genauen Exzerpt der ihnen zugewiesenen Textstellen bzw. in Übersetzungen derselben.

Die LV sollte aber natürlich auch inhaltlich zum Verständnis der Sieben Glücksgötter bzw. von Gottesvorstellungen (Synkretismus) und Glückskonzepten in Japan beitragen. Zu den einzelnen Glücksgöttern sollten daher Einzelseiten in diesem Wiki erstellt bzw. inhaltlich ergänzt werden. Auch andere Themen konnten in eigenen Seiten behandelt werden, beispielsweise Zahlensymbolik.

Siehe auch:

Wintersemester 2012

Das Kogo shūi, ein Minority-Report unter den mytho-historischen Klassikern Japans

Themenstellung:

Das Kogo shūi ist ein mytholgischer Text aus dem Jahr 807, den wir in Übersetzung lesen und an einzelnen Stellen auch mit der japanischen Originalversion vergleichen werden. Die Themen des Kogo shūi sind die gleichen wie die der bekannten Chroniken Kojiki (712) und Nihon shoki (720), doch der Text ist wesentlich kürzer, sodass er sich gut eignet, um einen Überblick über die klassischen Mythen zu gewinnen. Doch die Fragen, die wir an den Text richten werden, beziehen sich auch auf die Abweichungen von Kojiki und Nihon shoki. Warum wurden die Mythen in diesem Text überhaupt noch einmal neu erzählt? Was hatte der Autor, Inbe no Hironari, an den überkommenen Varianten der Mythen auszusetzen? Dies wird uns zu den politischen Funktionen führen, die die Mythen im Altertum hatten. Wir werden uns aber auch Gedanken über die Natur der japanischen Gottheiten (kami) und die Form ihrer Verehrung machen.

Projektübersicht: Kogo shūi und Diskussion: Kogo shūi

Sommersemester 2012

Im Sommersemester 2012 wurde das Projekt im Rahmen von zwei Lehrgängen an der Religionswissenschaft der Universität Göttingen in neue Richtungen erweitert:

Japanische Mythologie: Mythos zwischen universalem Erbe und nationalem Konstrukt

Themenstellung:

Die japanische Mythologie, insbesondere in den Fassungen der ältesten japanischen Schriften aus dem achten Jahrhundert, wird oft als Kern des Kami-Glaubens bzw. des Shinto und damit als einzigartiges japanisches Kulturerbe angesehen. Insofern sind die mythologischen Gestalten dieser Texte naturgemäß Teil des Kamigraphie-Projekts. Im Unterschied zum Selbstbild des Shinto sind die Gestalten und Geschichten der japanischen Mythologie aber nicht ohne Parallelen in anderen Kulturen. Außerdem ist in letzter Zeit ein geschärftes Bewusstsein für die politischen Funktionen von und politisch motivierte Eingriffe in die mythologische Erzählung entstanden. Beide Aspekte, die Parallelen in anderen Kulturen und die spezifischen herrschaftsstabilisierenden Besonderheiten, sollen in diesem Projektabschnitt thematisiert werden. Die generelle Funktion von Mythen und die Aspekte, unter denen sie untersucht werden (können), stellen die übergeordneten Fragen dar.

Projektübersicht: Kamigraphie: Japanische Mythologie

Buddhistische Randfiguren: Wächtergötter, Kriegsgötter, Glücksgötter

Themenstellung:

Zahlreiche Kami wie etwa die Glücksgotter Bishamon-ten, Benzaiten und Daikoku-ten lassen sich eindeutig auf indische Deva-Gottheiten zurückführen, die vom Buddhismus übernommen und über diesen auch in Japan heimisch wurden. Ähnliche Entwicklungen lassen sich in allen buddhistisch geprägten Kulturen finden. Manche dieser ehemals indischen Figuren scheinen mit ihren furchteinflößenden Zügen im Widerspruch zum friedvollen Image der buddhistischen Religion zu stehen. Andere bringen das geläufige Klischee der buddhistischen Weltabgewandtheit durch betont dieseitsbezogene, auf materiellen Wohlstand ausgerichtete Funktionen ins Wanken. Anhand von Einzelstudien, deren Fokus auch außerhalb Japans liegen kann, sollen diese scheinbaren Widersprüche thematisiert werden. Dabei soll auch der Umgang des Buddhismus mit bzw. sein Verhältnis zu lokalen Religionen Konturen gewinnen.

Projektübersicht: Kamigraphie: Randfiguren

Wintersemester 2011

Das Wiki-Projekt Kamigraphie selbst wurde im Wintersemester 2011/2012 an der Japanologie der Universität Wien begonnen. Titel und Themenstellung der Lehrveranstaltung lauteten in diesem Semester:

Kamigraphie, die visuelle Darstellung japanischer Gottheiten

Themenstellung:

In diesem Seminar soll ein Überblick über die ikonographischen Repräsentationen japanischer Gottheiten (Kami) erarbeitet werden. Da es im Shinto keine kanonischen Texte gibt, die Aussehen und Natur der Kami allgemein verbindlich beschreiben, soll die ikonographische Analyse Rückschüsse auf eben diese Fragen erlauben. Vor allem soll auf die diachronen (historischen) Veränderungen des Kami-Bildes eingegangen werden.

Eine Schwierigkeit besteht in der grundsätzlich an-ikonographischen Tradition der meisten Schreine. D.h. Kami werden grundsätzlich nicht dargestellt, sondern durch Objekte (shintai 神体) repräsentiert, die "eingeschreint" werden und daher nicht sichtbar sind. Diese "Ikonographie der Absenz" deckt sich im übrigen mit der Repräsentation (vormoderner) weltlicher Herrscher. In beiden Fällen scheint der Grundsatz zu bestehen: Je höher der Status, umso stärker wird die Gottheit/ die Autorität den Blicken gewöhnlicher Menschen entzogen.

Unter "Kamigraphie" sollen daher auch die Formen der Verhüllung von Kami berücksichtigt werden, also z.B. Schreinbauten und temporäre "Fortbewegungsmittel" (mikoshi 神輿, Göttersänften).

Tatsächlich ist jedoch auch das Prinzip ikonographischen Absenz starken historischen Veränderungen unterworfen. Vor allem die reiche und detailliert kodifizierte buddhistische Ikonographie hat auch vor der Kami-Darstellung nicht halt gemacht. Aus heutiger Sicht scheint es jedenfalls, als ob die Kami erst unter der Lupe der buddhistischen Ikonographie anthropomorphe Gestalt angenommen hätten. Dennoch bleibt in den meisten Fällen ein sichtbarer "semantischer" Unterschied zwischen Kami- und Buddha-Pantheon bestehen. In diesem Seminar wird es auch darum gehen, diesen Unterschied herauszuarbeiten, was bedeutet, dass die buddhistische Ikonographie bis zu einem gewissen Grad mitberücksichtigt werden muss.

Projektübersicht: Kamigraphie: Wintersemester 2011

Vorgängerprojekte 2007–2010

Seit 2007 entstanden drei Wiki-Projekte, die sich in vieler Hinsicht mit dem Wiki-Projekt Kamigraphie überschneiden, allerdings jeweils auf enger begrenztes Thema bezogen sind. Im Rahmen eines Praktikums mit Studierenden der Universität Wien wurden die meisten Artikel dieser Vorgängerprojekte in das vorliegende Wiki übertragen und nach folgenden Kriterien bearbeitet:

  • Vereinheitlichung der Literaturangaben
  • Vereinheitlichung und Aktualisierung externer Links
  • Generelle Überarbeitung bestehender Artikel nach den Leitlinien des Stylesheets.

Die einzelnen Projekte sind:

Hachiman-no-pedia

Dieses Wiki-Web wurde im Wintersemester 2007 und im Sommersemester 2008 im Rahmen eines Proseminars erarbeitet. Im Mittelpunkt steht die japanische Gottheit Hachiman. Ziel war die Erstellung einer Materialsammlung zum Studium dieser Gottheit bestehend aus Einzelartikeln sowie Hinweisen auf wissenschaftliche Quellen.

Dieses Projekt ist auch unter http://www.univie.ac.at/rel_jap/hachimanopedia dokumentiert.

Fudokipedia

Hier sind Informationen zum Thema der Vorlesung/Übung „Die japanische Staatswerdung (3.-8. Jh) aus Sicht der Regionalchroniken (fudoki)“ (Universität Wien, Japanologie, Wi2009) zu finden. Ziel war die Erstellung einer Materialsammlung zum Studium der ältesten japanischen Regionalchroniken (fudoki).

Dieses Projekt ist auch unter http://www.univie.ac.at/rel_jap/fudokipedia dokumentiert.

Nihon Ryo-Wiki

Nihon Ryo-Wiki ist eine Material­sammlung zu den ältesten buddhis­tischen Legenden Japans, die im Nihon ryōiki („Wunder­same Bege­ben­heiten aus Japan“, um 800) zusammen­ge­stellt sind. Der Grund­stock dieses Projektes wurde im Rahmen der Lehrver­anstaltung „Nihon ryōiki: Der Beginn der buddhis­tischen Erzähl­tradition in Japan“ (WS 2010/11) von Studierenden am Ost­asien­institut der Universität Wien, Abteilung Japanologie, erstellt.

Übersetzungen und Inhaltsangaben der einzelnen Geschichten des Ryōiki wurden nicht in das vorliegende Wiki übertragen. Das gesamte Projekt ist unter http://www.univie.ac.at/rel_jap/ryowiki dokumentiert.

Impressum

Kamigraphie ist ein von Studierenden erstelltes Wiki-Web, konzipiert und herausgegeben von Bernhard Scheid. Die Beiträge werden in unregelmäßigem Abstand einer Überprüfung unterzogen, der Herausgeber übernimmt aber keine Garantie für die Richtigkeit der einzelnen Artikel. Auch für verlinkte Inhalte wird keine Haftung übernommen. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an:

Bernhard Scheid, Herausgeber

Adresse:

Institut für Kultur- und Geistesgeschichte Asiens (Österreichische Akademie der Wissenschaften)
Hollandstraße 11–13, 1020 Wien
Tel: +43 (1) 51581-6424
Email: bernhard.scheid@oeaw.ac.at