I-28

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Wie es dazu kam, dass sich einer das Mantra des Pfauenkönigs aneignete, wundersame magische Fähigkeiten erwarb, offenkundig zum Heiligen wurde und zum Himmel flog
SNKBT 30: 41-43, Bohner 1934: 95-96, Nakamura 1997: 140-142

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Der Ubasoku E 役優婆塞 entstammte den E no Kimi von Kamo 加茂役公, die heutigen Asomi von Takakamo.[1] Er war ein Mann des Dorfes Chihara im oberen Bezirk von Katsuraki im Lande Yamato. Von Geburt an mit Weisheit begabt erlangte er durch eifriges Studieren das Eine Wissen.[2] Er ehrte die Drei Schätze[3] und handelte nach ihren Prinzipien. Stets betete er darum, auf fünffarbigen Wolken jenseits des Himmels fliegen zu können, um sich mit den Gespielinnen der Paläste der Unsterblichen[4] im Garten der Ewigkeit [5] zu vergnügen, in ihren Blumengärten[6] zu rasten und die Geist nährende Lebenskraft (Ki 気) einzuatmen. Deshalb lebte er noch in vorgerücktem Alter 晩年, mit über vierzig Jahren, in einer Felsenhöhle, kleidete sich in Kudzu-Ranken (kuzu 葛), ernährte er sich von Kiefern und badete in klarem Quellwasser, um sich vom Schmutz der Welt der Begierden reinzuwaschen. Als Adept der Kunst des Pfauen-Mantras[7] erwarb er offenkundig (shirushi ni) wundersame magische Fähigkeiten 験術. So konnte er ganz nach Belieben 自在 über Götter und Dämonen 鬼神 verfügen, rief sie zu sich und befahl ihnen: „Lasst uns im Lande Yamatao eine Brücke schlagen, auf der wir vom Goldenen Gipfel 金峯 zum Berg Katsuraki 葛木峯 gelangen.“ Da jammerten alle Götter.

Zu der Zeit, als das Land vom Himmlischen Herrscher des Fujiwara-Palastes 藤原宮 regiert wurde,[8] verleumdete der große Gott des Katsuraki-Gipfels, Hitokotonushi no Ōkami 一語主大神, den Ubasoku E und sagte: “Der Ubasoku E plant, die Herrschaft des Tennō zu stürzen.“ Darauf befahl der Tennō, Boten auszusenden und E festzunehmen. Doch dank seiner magischen Kräfte bekamen sie ihn nicht so leicht zu fassen. Deshalb verhafteten sie seine Mutter. Um sie zu befreien, kam der Ubasoku schließlich hervor, wurde ergriffen und auf die Insel Izu 伊豆 verbannt. Dort schwamm er im Meer, ganz so wie andere auf dem Land umherlaufen, oder er sprang tausende in die Höhe, als ob er ein Phönix (ōtori 鳳) wäre. Untertags blieb er getreu dem Befehl des Tennō auf der Insel Izu und ging seinen Übungen nach, des Nachts aber praktizierte er sie auf dem Gipfel des Berges Fuji 富士 in der Provinz Suruga[9]. Indessen bat er, dass ihm die Todesstrafe [10] erlassen werde und er sich der Hauptstadt wieder nähern dürfe. [Als er deshalb getötet werden sollte],[11] erschien auf der Klinge [des Henkers] folgende Botschaft (hyō 表) [der Gottheit] des Fuji: "[E] hat bereits drei Jahre Verbannung auf dieser Insel verbüßt. Nun gewährt ihm Gnade." Im ersten Monat des ersten Jahres Taihō (701), einem Metall-Ochsen-Jahr, wurde er an den kaiserlichen Hof zurück gerufen, verwandelte sich daraufhin in einen Heiligen (hijiri 仙)[12] und flog in den Himmel.

Dōshō, ein Dharma-Meister unseres heiligen Landes, begab sich auf kaiserlichen Befehl ins Tang-Reich (China) um das Gesetz [des Buddha] zu studieren. [Unterwegs] baten ihn 500 Koreaner[13] [auch] nach Silla zu kommen. Als er dort in den Bergen das Lotos-Sutra predigte, war unter den Koreanern ein Mensch, der in der Sprache Yamatos eine Frage an ihn richtete. Als [Dōshō] ihn fragte, wer er sei, antwortete dieser: „Ich bin E no Ubasoku.“ Der Mönch meinte, das müsse wohl ein Heiliger (hijiri) unseres Landes sein, und stieg von seinem erhöhten Sitzplatz zu ihm herunter, doch als er sich umsah, fand er niemanden. Der Großgott Hitokotonushi aber wurde von E dem Asketen (E no Gyōja 役行者) mit magischen Formeln gebannt und ist bis zum heutigen Tag nicht befreit worden. Solche wundersamen Zeichen zeigten sich in so großer Menge, dass ich sie nur in gekürzter Form wiedergeben kann. Wahrlich, man erkennt daran, wie wirksam die Magie des Buddhismus ist![14] Wer sich ihrer bedient, dem werden sicherlich [wundersame] Offenbarungen (證 shirushi) zuteil.



  1. Er muss daher weitläufig mit den Priestern des Kamo-Schreins, der sich heute in Kyoto befindet, verwandt gewesen sein.
  2. im Original ichi 一, „eins.“ Laut N ein Synonym für das dao 道 des Daoismus bzw. das höchste Wissen, das auf die mystische Einheit zwischen Erleuchteten und Kosmos hinausläuft.
  3. Sanpō/sanbō 三宝/Die Drei Kleinodien (skt.: Triratna) bezeichnen Buddha, Dharma und Sangha im Buddhismus. Siehe auch SNKBT 30, S. 35, Fußnote 3
  4. hijiri no miya no marahito 仙宮客, wtl. Gäste der Paläste. Gemeint sind laut I die weiblichen Unsterblichen. Der gleiche Ausdruck findet sich auch in I-13. S.a. Anmerkungen unten.
  5. wörtl. "Garten der 100 Millionen Jahre"
  6. Laut SNKBT sind das Aufenthaltsorte von Göttern und taoistischen Heiligen namens Zuishukyū 蕊珠宮 oder Zuikyū 蕊宮. (Nicht im Nihon kokugo dai jiten beschrieben.)
  7. 孔雀の呪法, im Titel 孔雀王の呪法. Praxis des Mantras des Kujaku (Myō)ō 孔雀明王 (s.u.)
  8. Monmu Tennō (regierte von 697-700 n. Chr. in Fujiwara-kyō)
  9. Heute Shizuoka. Der Fuji befindet sich am nördlichen Rand der Provinz/Präfektur, ca. 50 km nördlich von Izu (s.u., Karte).
  10. 斧鉞の誅, wtl. Strafe der Axt
  11. Die Übersetzung folgt hier Izumoji (SNKBT 30, S. 43, Anm. 29), der sich wiederum auf Nakamura Munehiko beruft. Die Stelle ist auch im Original nur verständlich, wenn man die ausführlichere Variante der Geschichte im Fusō ryakki heranzieht. B. und N. gelangen zu anders lautenden Interpretationen.
  12. Laut N ist mit dieser Bezeichnung ein daoistischer Unsterblicher gemeint, der an der Seite der Götter im Himmel lebt.
  13. Im Originaltext steht das Schriftzeichen für Tiger (tora 虎), das hier als Anspielung auf koreanische Gründungsmythen interpretiert und übersetzt wurde.
  14. Wtl. „die Größe und Weite der magischen Kunst nach Buddhas Gesetz“


Hintergrund

Ursache und Wirkung

Erwerb magischer Fähigkeiten durch die buddhistischen Tugenden, Verleihung von Macht über die Götter, Bestrafung von den Göttern durch den Tennô, letztendlich aber Begnadigung und Auffahren in den Himmel

Anmerkungen

Die Erzählung ist die früheste Quelle in der Hagiographie des E[n] no Ozuno oder auch En no Gyōja, den spätere Legenden zum Begründer des Shugendō (Orden der Yamabushi) erhoben. Hier wird er als modellhafter hijiri dargestellt. Je nach Blickwinkel ist dieser Begriff als (daoistischer) Unsterblicher oder als (buddhistischer) Heiliger zu verstehen.

Laut Nakamura ist diese Episode auch als Symbol für die religiösen Spannungen und Konflikte, die durch die Ankunft des Buddhismus in Japan verursacht wurden, zu verstehen. E gewinnt durch seine buddhistischen Übungen Macht über die Shinto-Götter, bis Hitokotonushi als Vertreter der alten Ordnung seines Einflusses überdrüssig wird. Als Gott tritt Hitokotonushi höchstwahrscheinlich nicht selbst bei Hof in Erscheinung, sondern ergreift Besitz von einem Menschen, wahrscheinlích einem Medium, und verleudmnet durch diesen sterblichen Mund E beim Kaiser.

Varianten

Nakamura hält in ihrer Einleitung zu ihrer Übersetzung des Nihon Ryōiki fest, dass diese Legende über E no Ubasoku in Teilen dem Hui-yüan Legendenzyklus, niedergeschrieben im "Lu-shan yüan-kung hua" ähnelt. Dieses Werk wurde in den Ruinen von Dunhuang, einem wichtigen Zentrum des Buddhismus entlang der Seidenstrasse, gefunden. Daher stellt Nakamura die These auf, dass diese Legende mündlich nach Japan überliefert wurde und E no Ubasoku erst in Japan als lokal bedeutende Persönlichkeit als Protagonist eingefügt wurde (Nakamura 1997, S.35-36). Diese Episode wurde später aus dem Nihon ryoiki in das Sanbō ekotoba (法 2) übernommen und fand über das Fusō ryakki (Monmu Tennō) auch Eingang in das Konjaku monogatari-shū (11/3).

Daoistische Elemente

あられふり吉志美が嶽を険しみと草とりはなち妹が手を取る
Ararefuri Kishimi ga take o sagashimi to kusa torihanachi imo ga te o toru
Als ich den steilen Kishimi Gipfel suchte, ließ ich die gesammelten Kräuter los, um die Hand des Mädchens zu fassen
 Siehe auch H. Honda, Manyoshu (Tokyo: Hokuseido Press, 1967), 36. Honda übersetzt: "Kishimi's peak is steep / and no grass growing / I helped my wife / together to ascend." Das Gedicht findet sich auch im Hizen fudoki und bezieht sich dort auf einen Berg dieses Namens in Kyushu. Schließlich besteht auch eine Verbindung zum Hitachi fudoki, wo Männer und Frauen gemeinsam am Berg Tsukuba feiern. Kishimi ga Take ist ein Gipfel von den Bergen von Yoshino.

Buddhistische Elemente

„Shinto“-Elemente

Sonstiges

Im Bungo-Text ist das Zeichen 葛 mit der Glosse fuji (eig. Glyzinie, 藤) versehen. In der Tat sind beide Pflanzen rankenbildende Schmetterlingsblütler, die vielleicht von Kyōkai nicht klar auseinander gehalten wurden (vgl. I-13. Das Zeichen 葛 findet sich übrigens auch im Namen von Es Heimatberg, Katsuragi 葛木/葛城.


Halbinsel Izu und Berg Fuji

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Materialien

Weiterführende Informationen


Artikel erstellt von Pia Paßecker 21:13, 9. Okt. 2010 (CEST).
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