Die Schreinarchitektur von Ise

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Bernhard Scheid, „Die Schreinarchitektur von Ise.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 17.1.2012). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Bauten:Ise_Izumo/Baustil_Ise?oldid=30696
Fast alle Schreingebäude in der weitläufigen Schreinanlage von Ise Ise 伊勢 Schreinanlage von Ise, Präfektur Miesiehe auch→ Schreine/Torii→ Pilgerschaft→ Bekannte Schreine/Kasuga→ Kamidana→ Shinto-Goetter → mehr… gehorchen einem charakteristischen Grundtyp, der sich auch in den meisten Zweigschreinen von Ise wiederfindet und den man shinmei-zukuri shinmei-zukuri 神明造 Baustil der Schreine von Isesiehe auch→ Ise Izumo („Stil der strahlenden Gottheit [= die in Ise verehrte Sonnengottheit Amaterasu Amaterasu 天照 Sonnengottheit, Ahnherrin des Tennōsiehe auch Götter des Himmels → Shinto→ Ise Izumo→ Shinto/Jindo→ Ise Izumo/Izumo Schrein → mehr… ]“) nennt. Besonders auffallend ist der Dachschmuck dieses Stils: Die Dachfirste sind mit katsuogi katsuogi 鰹木 ornamentale Querhölzer auf dem Schreindachsiehe auch→ Ise Izumo Querhölzern, die Giebel mit sog. chigi chigi 千木 ornamentale Dachsparrensiehe auch→ Ise Izumo geschmückt. Katsuogi bedeutet wörtlich „Bonito-Holz“, abgeleitet von der Form dieses beliebten Speisefisches.
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Schreindach der Ise Architektur (weibliche Form)

Bildquelle: J-Blog. (Letzter Zugriff: 2011/8)

Die „weibliche“ Form des Dachornaments ist charakterisiert durch horizontal abgeschrägte Dachsparren (chigi) und eine gerade Anzahl von Querhölzern (katsuogi)

Schreindach der Ise Architektur (weibliche Form)
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Vertikal ("männlich") und horizontal ("weiblich") abgeschrägte Dachsparren (chigi). Bildquelle: The Grand Shrine of Ise (H. Smith)
Vertikal („männlich“) und horizontal („weiblich“) abgeschrägte Dachsparren (chigi)

Die ausladenden chigi Sparren sind ein Überbleibsel des altjapanischen Palast-Baustils, der sich nur noch in der Schreinarchitektur erhalten hat. Auf den Bildern oben sind chigi in zwei Varianten zu erkennen, einmal horizontal, einmal vertikal abgeschrägt. Die horizontalen chigi signalisieren in Ise weibliche Schreingottheiten, die vertikalen männliche Gottheiten. Auch auf die Anzahl der katsuogi wird Bedacht genommen: weibliche Gottheiten haben eine gerade Anzahl von katsuogi auf dem Dach, männliche eine ungerade. Dieser Symbolismus lässt einen Einfluss der Yin Yang Philosophie erkennen (gerade = Yin = weiblich, ungerade = Yang = männlich), der offenbar in der frühen Schreinarchitektur wichtig war.

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Plan der Schreinanlage

Bild © The Grand Shrine of Ise, Smith

Mit leerem Areal für den nächsten Neubau.

Oben: Plan der Schreinanlage, mit leerem Areal für den nächsten Neubau.

Rechts: Schreinanlage zur Zeit des Neubaus.

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Schreinanlage von Ise zur Zeit des Neubaus

Die bekannteste Besonderheit der Ise Schreine ist wohl die Tatsache, dass die Anlage alle zwanzig Jahre abgerissen und neu aufgebaut wird. Eines der obigen Bilder zeigt die kurze Phase, in der alte und neue Anlage des Inneren Schreins neben einander bestehen.

  • Ise modell.jpg
Modellgrafik des Inneren Schreins
Bild: Japonia.org.pl
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