Benten/Benzaiten Göttin des Wassers, der Musik und der Beredsamkeit

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Bernhard Scheid, „Benten/Benzaiten Göttin des Wassers, der Musik und der Beredsamkeit“ (Stand: 2012-05-12). In: ders. (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch (Universität Wien, seit 2001). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Ikonographie:Gluecksgoetter/Benzaiten?oldid=31500
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Glücksgöttin Benten (Otafuku Benten)

Holzschnitt von Utagawa Kunisada (1786-1864). 1860
Bild © Artelino Kunstauktionen. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Auf dem Kopf trägt Benten eine Schlange und ein torii, In der Hand hält sie ein Wunschjuwel. Das Bild ist Teil eines Tryptichons. Rechts und links sind die Wind- und Donnergott von Asakusa zu sehen.

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Benzaiten und Drache

Blockdruck, surimono (Papier, Farbe) von Aoigaoka Keisei. 1833
Bild © Museum of Fine Arts, Boston. (Letzter Zugriff: 2011/12/4)

Benzaiten auf einem Drachen, wie sie dem Krieger und Staatsmann Hōjō Tokimasa erschienen sein soll. Als er im Schrein von Enoshima betete, prophezeihte die Göttin ihm und seiner Familie große Macht, was sich in der Folge bewahrheitete. Soweit eine der Legenden, die die Bedeutung des Schreins nahe der ehemaligen Hauptstadt Kamakura erklären.

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Benten

Blockdruck, surimono (Papier, Farbe) von Yashima Gakutei (1786?–1868); aus der Serie Mitate shichifukujin (Anspielungen auf die Sieben Glücksgötter)
Bild © Museum of Fine Arts, Boston. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Julia Bradford Huntington James Fund

Die Serie portraitiert Geishas mit einigen typischen Merkmalen der einzelnen Glücksgötter. Benzaiten ist durch ihre Laute (biwa) repräsentiert.

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Benzaiten mit Laute, Mond und Wellen

Hängerollbild (Seide) von Ogawa Haritsu (1663–1747)
Bild © Museum of Fine Arts, Boston. (Letzter Zugriff: 2012/1/29)
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Benzaiten, männlich

Hängerollbild (Seide, Farbe, Gold). Muromachi-Zeit, 14. Jh.; 135,5 x 57,4 cm
Bild © The British Museum. (Letzter Zugriff: 2011/12/5)

Benzaiten als (offensichtlich männlicher) Bodhisattva mit feinem Bart. Die Darstellung erinnert stark an Abbildungen von Bodhisattva Kannon in seinem Reinen Land, symbolisiert durch einen Felsen im Meer. Spezifisch für Benzaiten ist jedoch die Laute. Interessant auch der Wasserfall im Hintergrund.

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Die berühmte Nackte Benten von Enoshima

Statue (Holz). Kamakura-Zeit; Enoshima Jinja; 54 cm
Bild © Wada Yoshio. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Eine der „Drei Großen Benten Japans“. Offiziell heißt diese Statue Myôon Benzaiten, „Benzaiten des Wunderbaren Klanges“. Sie ist zweifellos die bekannteste, aber
nicht die einzige Aktdarstellung Bentens (Hadaka Benten).

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Benten in einer Felsenhöhle

Hasedera Kannon Tempel, Kamakura
Bild © Ron Reznick, 2004. (Letzter Zugriff: 2010/9)
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Achtarmige (Happi) Benzaiten mit torii als Kopfputz

Statue; Schreininsel Chikubushima im Biwa See
Bild © Wada Yoshio, 2003. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Statue des Benzaiten-Heiligtums auf der Schreininsel Chikubushima im Biwa See, eine der „Drei Großen Benten“ Kultstätten Japans.

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Benzaiten (Benzaiten 弁才天/ 弁財天Glücksgöttin, Gottheit des Wassers, der Musik und der Beredsamkeit; skt. Sarasvati; auch: Benten …mehr ⇒) oder kurz Benten (Benten 弁天Glücksgöttin; Kurzform von → Benzaiten …mehr ⇒) bedeutet wtl. „Deva (देवdeva (skt., m.)„Gottheit“, oberste Klasse indischer Götter …mehr ⇒) -Gottheit der Beredsamkeit“. Diese Be­zeich­nung geht auf die indische Fluss­göttin Sarasvati (सरस्वतीSarasvatī (skt., f.)indischer Fluss; Flussgöttin der Beredsamkeit, der Musik und der Gelehrsamkeit …mehr ⇒) zurück, die — wahr­schein­lich aus­gehend vom Geräusch des Wassers — auch für Be­red­sam­keit, für Musik, und schließ­lich für das Wissens und die Künste zu­ständig ist. Der frühe Bud­dhis­mus (im speziellen das sog. Goldglanz Sutra) integrierte diese wichtige Gott­heit als Be­schützerin des Dharma in sein Pantheon und machte sie als Göttin der Be­red­sam­keit auch in Ost­asien be­kannt. In Japan wird sie wahr­schein­lich seit dem späten Mittel­alter auch als eine der Sieben Glücksgötter verehrt.

Die gängige Darstellung der Benten ist betont weiblich: Meist trägt sie prächtige Gewänder, entweder bud­dhis­tisch an­ge­haucht oder im Stil einer Heian (Heian 平安alter Name Kyotos; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit) …mehr ⇒)-zeit­lichen Hof­dame. Es gibt sogar ver­ein­zelte Statuen der „Nackten Benten“, eines der wenigen Akt­motive in der klassischen japanischen Kunst. In vielen Fällen sieht man Benten mit ihrer Laute (jap. biwa (biwa 琵琶jap. Laute …mehr ⇒)) bei Mond­schein auf einem Felsen im Wasser sitzen. In der gleichen Pose findet man auch Kannon (Kannon 観音Bodhisattva Avalokiteshvara, wtl. „der den Klang der Welt erhört“; chin. Guanyin; „Bodhisattva des Mitleids“ …mehr ⇒), den weib­lich­sten aller Bodhisattvas (बोधिसत्त्वBodhisattva (skt., m.)„Erleuchtetes Wesen“ …mehr ⇒) , häufig dar­ge­stellt.

Benzaiten und Schlange

Im japanischen Mittelalter zeigt Benzaiten aber nicht nur lieb­liche Züge, sondern tritt auch als mächtige und furcht­ein­flößende Gestalt auf. Sie besitzt in dieser Er­schei­nungs­form acht Arme (happi), mit denen sie ganz im Stil einer bud­dhis­tischen Wächtergottheit magische Instrumente und Waffen hochhält. Während diese ikono­graphische Form bereits in China zu finden ist, kam es in Japan außer­dem zu einer Ver­schmelzung Benzaitens mit einer ein­heimischen Schlangen­gott­heit namens Ugajin. Die aus dieser Ver­schmelzung resultierende ikono­graphische Gestalt nennt man auch Uga Benten. Die Gott­heit Ugajin thront hierbei als Schlange mit mensch­lichem Kopf auf dem Haupt der Benten. Auch ein torii (torii 鳥居Torii, Schreintor …mehr ⇒) findet sich un­weiger­lich als Kopfputz der Uga Benten.

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Benzaiten mit Schlangengottheit (Ugajin)

Statue; Chikubushima
Bild © Wada Yoshio, 2003. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Benzaiten mit Schlangengottheit (Ugajin)

Statue; Chikubushima
Bild © Wada Yoshio, 2003. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Benzaiten Statuen mit Schlangengottheit (Ugajin) in Chikubushima
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Schlangenwächter in Chikubushima nach „agyō/ ungyō“ Schema.

Relativ alte Darstellungen der Benzaiten mit Schlange gibt es z.B. im Benzaiten Heilig­tum von Chikubushima, das zu den „Drei Große Benten Japans“ zählt. Das Haupt­heilig­tum (honzon (honzon 本尊Hauptheiligtum eines Tempels …mehr ⇒)) dieses Tempels soll Benzaiten sein, doch ist diese Statue ein „ge­heimer Buddha“ und wird nicht her­ge­zeigt. Zu sehen sind dagegen zwei acht­armige Benzaiten Statuen (Happi Benten) mit Ugajin-Schlangen auf dem Kopf (s. Abb. oben).

Auf einem sog. Schrein-Mandala des Tenkawa Schreins aus dem Spät­mittel­alter findet sich Benzaiten selbst als drei­köpfige Schlange dar­ge­stellt. Trotz ihrer furcht­ein­flößenden Er­scheinung deuten die zahl­reichen Glücks­symbole der obigen Ab­bildung darauf hin, dass sie schon damals als Glücks­gott­heit fungierte. Die feminine Grazie der Gott­heit hat sich in dieser Dar­stel­lung auf die Reis­opfer darbringenden Dienerinnen rund um die Gott­heit übertragen.

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Mandala der Benzaiten von Tenkawa (Tenkawa Benzaiten Mandara)

Hängerollbild (Seide) von Shiba Rinken. 1546
Bild © Präfektur Nara. (Letzter Zugriff: 2010/8)

Das Bild stellt die besonderen Fähigkeiten der Benten des Tenkawa Schreins in der Nähe von Nara dar. Wunschjuwelen symbolisieren die Kraft der Gottheit, die Wünsche der Gläubigen zu erfüllen. Auch Reisopfergaben sind dargestellt. Am unteren Bildrand sieht man außerdem Füchse und eine weiße fuchsschwänzige Frauengestalt (Inari?, Dakiniten?), die mit einem männlichen Gott mit Schlange auf dem Haupt (Uga-jin?) tanzt. Diese Darstellungen deuten auf Verbindungen zwischen dem Benten-Kult von Tenkawa und der Fuchsgottheit Inari hin. An den Bildrändern sind die kindlichen Gehilfen (dōji) der Benzaiten dargestellt.

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Mandala der Benzaiten von Tenkawa (Tenkawa Benzaiten Mandara)

Hängerollbild (Seide) von Shiba Rinken, Detail. 1546
Bild © Präfektur Nara. (Letzter Zugriff: 2010/8)

Das Bild stellt die besonderen Fähigkeiten der Benten des Tenkawa Schreins in der Nähe von Nara dar.

Tenkawa Benzaiten Mandara
Seidenrollbild von Shiba Rinken, 1546.
Das Bild stellt die besonderen Fähigkeiten der Benten des Tenkawa Schreins in der Nähe von Nara dar.

Die geläufige Assoziation Bentens mit einer Schlange hängt wohl mit dem Wasser zu­sammen. Schon die indische Ahnen­gott­heit der Benzaiten, Sarasvati, ist zu­nächst einmal eine Fluss­gott­heit. Schlangen wiederum sind eben­falls mit dem Wasser ver­bunden. Sie gelten u.a. als Boten des Drachen­königs, der im Meer wohnt, bzw. werden als Drachen im Kind­heits­stadium auf­ge­fasst. Das Element Wasser, das mythische Tier Drache/Schlange und die Gottheit Benzaiten bilden somit eine enge assoziative Ein­heit.

Schlangen sind aber auch Symboltiere der Eifersucht. Viel­leicht hängt es damit zu­sammen, dass auch Benten diese Eigen­schaft nach­gesagt wird. Jeden­falls heißt es in vielen Benten-Schreinen, dass Männer und Frauen lieber getrennt vor die Gott­heit treten sollen, um nicht ihre Eifer­sucht zu er­regen.

Benten Tempel und Schreine

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Der Benzaiten Schrein im Teich von Inokashira im Schnee (Inokashira no ike Benzaiten no yashiro yuki no kei)

Blockdruck (Papier, Farbe) von Utagawa Hiroshige (1797–1858); aus der Serie Meisho setsugekka (Berühmte Ansichten von Schnee, Mond und Blüten), 1844–45; 23,9 x 36 cm
Bild © Museum of Fine Arts, Boston. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Gift of Adams Collection

Der Inokashira Benzaiten Schrein, heute im westlichen Stadtgebiet Tokyos, galt in der Edo-Zeit als Ort besonderer Naturschönheit. Natürlich liegt auch dieser Schrein auf einer kleinen künstlichen Insel.

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Benten-Tempel und Schrein am mit Lotosblumen bedeckten Shinobazu-Teich

Ueno Park, Tokyo
Bild © Matsui Fumio, TOKYO VIEWS, flickr 2009. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Benten-Halle

Tempelhalle; Daigo-ji, Kyoto
Bild © Tim Wilko, flickr 2009. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Liegt in der weitläufigen Anlage des Tempels, im Licht klassischer Ahornröte.

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Votivbilder

Hetsumiya Schrein, Enoshima
Bild © Bernhard Scheid, 2007

Das ehemalige Heiligtum der Benzaiten gilt heute als Schrein für Verliebte. Neben den rosa Herzen finden sich auch Motive von Benten und den Glücksgöttern auf den Bildtafeln.

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Benzaiten sind sowohl buddhistische Tempel als auch shintoistische Schreine geweiht. Oft handelt es sich um eher kleine Seiten­gebäude, die auf einer künst­lichen Insel im Teich einer größeren Schrein- oder Tempel­anlage zu finden sind. Besonders hübsche Bei­spiele finden sich im Daigo-ji in Kyoto, oder im Ueno-Park in Tokyo, wo Benzaiten eine Kapelle im berühmten Shinobazu-Teich besitzt. Im Schrein der Geld­waschenden Benten (Zeniarai Benten) in Kamakura gibt es zwar keinen Teich, aber immerhin eine Quelle, in der die Gläubigen, einem historischen Bei­spiel folgend, Münzen und Geld­scheine waschen, um diese zu vermehren.

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Die Höhlen von Enoshima zur Zeit des Benzaiten Fests (Sōshū Enoshima Benzaiten kaichō mōde hongū iwaya no zu)

Blockdruck (Papier, Farbe, dreiteilig) von Utagawa Hiroshige (1797–1858)
Bild © MAK-Sammlungsdatenbank, Museum für Angewandte Kunst, Wien. (Letzter Zugriff: 2013/1)

Die Schreininsel Enoshima mit Berg Fuji im Hintergrund, vom Meer aus gesehen. Auf der Insel findet eben das Fest der Benzaiten statt. Die Höhlen auf der dem Meer zugewandten Seite sind wohl der Ausgangspunkt der mit der Insel verbundenen Legenden.

Die Schreininsel Enoshima mit Berg Fuji im Hintergrund, vom Meer aus gesehen.
Blockdruck-Tryptichon von Utagawa Hiroshige, 1851.

Auch die sog. „Drei Großen Benten Japans“ befinden sich alle auf einer Insel, nämlich auf der Schrein­insel Miyajima (bei Hiroshima), auf der Insel Chikubushima (im Biwa-See bei Kyoto) und auf der Insel Enoshima (Enoshima 江ノ島rel. Zentrum nahe Kamakura …mehr ⇒) (bei Kamakura). Im Zentrum aller drei Kult­stätten stehen Statuen der Benzaiten, die ehemals so heilig waren, dass sie als „geheime Buddhas“ (hibutsu (hibutsu 秘仏wtl. „geheimer Buddha“; geheim gehaltene Buddha-Statue …mehr ⇒)) be­zeich­net wurden und nur äußerst selten oder gar nicht her­ge­zeigt wurden. In Enoshima bei­spiels­weise fand das Ent­hüllen der „Nackten Benten“ (s.o.) nur ein­mal alle sechs Jahre im Rahmen eines religiösen Massen­events statt, das Scharen von Pilgern aus der nahe gelegenen Metropole Edo (Tokyo) anzog.

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Festtag der Benzaiten von Enoshima (Sōshū Enoshima Benzaiten kaichō sankei gunshū no zu)

Blockdruck (Papier, Farbe, dreiteilig) von Utagawa Hiroshige (1797–1858). 1851; Enoshima, vom Land aus gesehen; 36,3 x 75,2 cm
Bild © Tokyo Digital Museum. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Die Insel ist über eine Sandbank mit dem Festland verbunden (heute befindet sich hier eine Straße). Anlässlich der Zurschaustellung von Enoshimas Benzaiten Statuen, die in der Edo-Zeit nur einmal in sechs Jahren stattfand, herrscht festliches Gedränge.

Enoshima, vom Land aus gesehen. Die Insel ist über eine Sand­bank mit dem Fest­land ver­bunden (heute befindet sich hier eine Straße). Wie auf der Abb. oben sieht man auch hier das Ge­dränge an­läss­lich der Zur­schau­stellung von Enoshimas Benzaiten Statuen, die nur einmal in sechs Jahren statt­fand.
Block­druck-Tryptichon von Utagawa Hiroshige, 1851.

Der Ausdruck „geheimer Buddha“ deutet bereits an, dass die Benten-Ver­ehrung ehemals in bud­dhis­tischer Hand lag. In allen drei Fällen wurde Benzaiten jedoch auch mit lokalen weib­lichen Kami (kami japanische Gottheit …mehr ⇒) assoziiert, die ge­mein­sam mit ihr in sog. „Tempel-Schrein Komplexen“ (jingūji) ver­ehrt wurden. Die ge­setz­lich ver­ordnete „Trennung von Kami und Buddhas“ zu Beginn der Meiji (Meiji 明治posthumer Name von Kaiser Mutsuhito; nach ihm wird auch die Meiji-Zeit (1868–1912) benannt …mehr ⇒)-Zeit (1868) zwang derartige religiöse Institutionen jedoch dazu, sich ent­weder als Tempel oder als Schrein zu deklarieren.

Die Benten-Halle auf Chikubushima wurde auf diese Weise zum Tempel und be­hielt Benzaiten als Haupt­gott­heit. Die Gründungs­legende dieses Tempels be­sagt, dass er in der Nara (Nara 奈良Hauptstadt und Sitz des Tenno, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyō …mehr ⇒)-Zeit (724) von Shōmu Tennō (Shōmu Tennō 聖武天皇japanischer Kaiser, 701–56, r. 724–49; Förderer des Buddhismus …mehr ⇒) auf Ge­heiß der Amaterasu (Amaterasu 天照Sonnengottheit, Ahnherrin des Tennō …mehr ⇒)(!) er­richtet wurde. Die heilige Statue der Benzaiten von Chikubushima (die nicht her­ge­zeigt wird) soll aus den Händen des wunder­tätigen Mönch Gyōki (668–749) stammen. Neben Benzaiten gibt es aber auch einen Schrein für eine shin­to­istische Göttin, die wohl ehe­mals eine Art Schutz­herrin des Biwa-Sees war. Außer­dem wird Bodhisattva Kannon (Kannon 観音Bodhisattva Avalokiteshvara, wtl. „der den Klang der Welt erhört“; chin. Guanyin; „Bodhisattva des Mitleids“ …mehr ⇒) in Chikubushima verehrt.

Die beiden anderen „Großen Benten“ Kultstätten, Itsukushima (Itsukushima 厳島auch Miyajima, Schrein bei Hiroshima …mehr ⇒) und Enoshima, gelten heute als Shinto Schreine und ver­ehren beide das gleiche Trio von weib­lichen Göttinnen, nämlich Tagori-hime, Tagitsu-hime und Ichikishima-hime. Es sind Meeres­göttinnen, deren eigent­licher Haupt­sitz im Munakata Schrein in Kyushu zu finden ist. Benzaiten da­gegen wurde nach der Meiji-Restauration auf beiden Inseln den Hinter­grund ge­drängt. Ihre Statuen werden heute nur noch in kleinen, ver­hält­nis­mäßig un­schein­baren Seiten­tempeln auf­bewahrt. Die Statue in Miyajima gilt aller­dings nach wie vor als hibutsu und wird nur einmal im Jahr, an einem Tag, der nach dem tra­di­tio­nellen Kalender mit dem Tierkreiszeichen der Schlange zu tun hat, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

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