Kitsune Motive

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Bernhard Scheid, „Kitsune Motive“ (Stand: 2012-03-20). In: ders. (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch (Universität Wien, seit 2001). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Mythen:Verwandlungskuenstler/Kitsune?oldid=31349
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Fuchs (kitsune)

Blockdruck, mokuhan (Papier, Farbe) von Ohara Koson (1877–1945). Ca. 1910; 37 x 19 cm
Bildquelle: The Art of Japan. (Letzter Zugriff: 2011/11/3)

Die tanzende Bewegung auf zwei Beinen und das Blatt auf seinem Kopf zeigen an, dass der Fuchs im Begriff ist, menschliche Gestalt anzunehmen.

Mit fünfzig Jahren können sich Füchse in Frauen verwandeln, mit hundert in Schön­heiten oder in Zaube­rin­nen. Manche ver­wan­deln sich auch in Männer und haben Verkehr mit Frauen. Sie können Dinge aus tausend Meilen Ent­fer­nung erken­nen, beherr­schen die Magie, täuschen die Men­schen und ver­wir­ren ihre Sinne. Mit tausend Jahren kom­muni­zieren sie mit dem Himmel und werden zu Himm­lischen Füch­sen.1

Dieses Zitat aus einem chine­si­schen Lexi­kon des zehnten Jahr­hun­derts um­reißt die meisten Eigen­schaf­ten, die Füchsen (kitsune (kitsune Fuchs …mehr ⇒)) auch in Japan nach­gesagt werden. In beiden Ländern sind Füchse als Meister der magi­schen Ver­wand­lung ein wich­tiger Be­stand­teil der Geister­welt. Sie können nach Be­lieben in die Gestalt von Men­schen schlüp­fen oder in Men­schen illu­sori­sche Wahr­neh­mun­gen er­zeugen. Der Fuchs auf der Ab­bildung rechts be­deckt etwa seinen Kopf mit einem Blatt und voll­führt einen magi­schen Tanz. Es ist dies ein un­trüg­liches Zeichen, dass er im Begriff ist eine andere Gestalt an­zu­nehmen.

Die Fuchsbilder und -geschichten auf dieser Seite stammen vor allem aus der Edo (Edo 江戸Sitz der Tokugawa Shogune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tokyo …mehr ⇒) Zeit, gehen aber zumeist auf ältere Vorbilder zurück. Dank der Vor­liebe für das Un­heim­lich-Mysteriös-Ge­spens­tische in der Edo-zeit­lichen Populär­kultur wurden Fuchs­motive besonders im frühen neunzehnten Jahrhundert zu einem beliebten Sujet des Kabuki-Theaters und der ukiyoe (ukiyoe 浮世絵„Bilder der fließenden Welt“, populäre Holzblockdrucke der Edo-Zeit …mehr ⇒). Neben dem wohligen Grusel­gefühl, das un­heim­liche Fuchs­ge­schich­ten ver­mitteln können, wurde und wird die magische Macht der Füchse aber auch durch­aus für real gehalten und führte in der Edo-Zeit zu ähn­lichen Extremen wie der euro­päische Hexen­glauben: Ins­beson­dere Frauen konnten ver­folgt oder ver­stoßen werden, weil man sie für ver­wan­delte Füch­sinnen hielt.

Auf dieser Seite

Zauberische Fuchsfrauen

Ähnlich wie in China verwandeln sich auch japanische kitsune (kitsune Fuchs …mehr ⇒) vor­zugs­weise — wenn auch nicht aus­schließ­lich — in schöne Frauen. Le­gen­den solcher Fuchsfrauen tau­chen schon im japa­nischen Alter­tum (z.B. im Nihon ryōiki (Nihon ryōiki 日本霊異記„Wunder­same Bege­ben­heiten aus Japan“; buddhistische Legendensammlung von Kyōkai (Anfang 9. Jh.) …mehr ⇒)2) auf, wurden im Laufe der Zeit mit zahlreichen Details aus­ge­schmückt und schließ­lich in der Edo-Zeit auch für das Kabuki Thea­ter adap­tiert. Die beiden be­kanntesten Gestalten sind Kuzu­noha, die liebende Mutter und Ehefrau, und Tamamo no Mae, die ver­ruchte Hofdame. Sie stehen ein­ander cha­rakterlich dia­met­ral gegen­über und zeigen, dass der Fuchs mit seinen Zauber­kräf­ten sowohl positiv als auch negativ in Er­schei­nung treten kann. Den­noch haben beide Legen­den über­raschende Paral­lelen: In beiden Fällen kann die Fuchsfrau nicht lange in der Gesell­schaft der Menschen ver­blei­ben, ja, sie verwandelt sich sogar schlussendlich, als Kon­sequenz ihrer Extra­vagan­zen, in einen Stein. Außer­dem tau­chen in beiden Legen­den Mit­glie­der der Familie Abe auf. Diese waren in der Heian (Heian 平安alter Name Kyotos; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit) …mehr ⇒) Zeit die füh­renden Yin Yang Meister bei Hof und galten als solche — ebenso wie die Füchse selbst — als Meister der Magie.

Kuzunoha­, die liebende Fuchsmutter

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Kuzunoha in ihrer Wechselgestalt von Frau und (trauernder) Füchsin

Holzschnitt (Papier, Farbe) von Utagawa Kuniyoshi. 1852; aus der Serie „Die 69 Stationen der Kiso-Route“
Bild © Cultural Heritage Online

Neben Kuzunoha ist hier auch der Ehemann der Kuzunoha, Abe no Yasuna, dargestellt.

Kuzunoha

Die Grunderzählung dieser Legende lautet in etwa folgendermaßen:

Abe no Yasuna (Abe no Yasuna 保名Heian-zeitlicher Höfling und angebl. Vater des → Abe no Seimei …mehr ⇒), ein Heian-zeitlicher Höfling, der sich in der Kunst der Magie übt, rettet im Wald von Shinoda (in der Umge­bung des heu­tigen Osaka) einen weißen Fuchs vor einem Jäger. Er ver­letzt sich dabei, doch es erscheint eine junge Frau namens Kuzunoha (Kuzunoha 葛の葉Fuchsgeist in Frauengestalt, wtl. „Rankenblatt“; angebl. Mutter des Magiers → Abe no Seimei …mehr ⇒) (Ran­kenblatt), die ihn gesund pflegt. Die beiden ver­lieben sich, heiraten und be­kommen einen Sohn. Als dieser fünf Jahre ist, kann Kuzu­noha ihre wahre Iden­ti­tät nicht länger ver­bergen. Sie be­sucht ein letztes Mal ihr Kind und schreibt ein zu Herzen ge­hen­des Ab­schieds­ge­dicht, um schließ­lich als Füch­sin in ihren Wald zu­rück­zu­keh­ren. Das Kind des Paares ist Abe no Seimei (Abe no Seimei 安部清明Yin Yang Meister des 10. Jh.s (921?–1005) …mehr ⇒) (921?–1005), der in der Folge zum be­rühm­testen Magier der Heian Zeit heranwächst.

Diese Geschichte existiert in zahlreichen Varianten.3 Das einzige un­ver­änder­liche Ele­ment ist jeweils das Abschieds­ge­dicht, das auch auf den meisten Bildern zu finden ist:

Wenn du mich liebst/ so komm und such mich/ in Izumi/
im Wald von Shinoda/ die trauernde Kuzunoha 4

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Die Fuchsfrau Kuzunoha verlässt ihr Kind (Kuzunoha kitsune dōji wakaruru no zu)

Blockdruck (Papier, Farbe) von Tsukioka Yoshitoshi. 1890; aus der Serie Shinkei sanjūroku kaisen (Neue 36 Geister)
Bild © Kichō shiryō gazō database, (Tokyo Metropolitan Library). (Letzter Zugriff: 2011/10)

Der Schatten verrät die wahre Natur der Fuchsmutter. Im Vordergrund die Rankenpflanze (kuzu), die Kuzunoha ihren Namen gab.

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Die Füchsin Kuzunoha

Blockdruck, nishikie (Papier, Farbe) von Utagawa Toyokuni (1769–1825). 1861
Bild © National Diet Library, Tokyo. (Letzter Zugriff: 2011/8)

Die Fuchsmutter schreibt, ihr Kind in den Armen, ihr Abschiedsgedicht. Die Figur der Mutter ist für Eingeweihte als Portrait des Kabuki-Schauspielers Nakamura Shikan IV (1831–1899) zu identifizieren.

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Die Füchsin Kuzunoha (Kitsune Kuzunoha)

Blockdruck, nishikie (Papier, Farbe) von Andō Hiroshige (1797–1858); aus der Serie Ogura nazorae hyakunin isshu, 1845–49
Bild © National Diet Library, Tokyo. (Letzter Zugriff: 2011/8)
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Die Füchsin Kuzu no ha (Kuzu no ha kitsune)

Blockdruck, nishikie (Papier, Farbe) von Utagawa Kuniyoshi; aus der Serie Genji kumo ukiyo e-awase („Vergleiche von Bildern der Fließenden Welt mit den Wolken des Genji monogatari“), Kapitel 2, 1844/45
Bild © Kichō shiryō gazō database, Tokyo Metropolitan Library. (Letzter Zugriff: 2011/10)

Auch auf dieser Darstellung wird der verräterische Schatten der Fuchsfrau besonders hervorgehoben.

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Die Blüte der Kuzu-Ranke (Kuzu no hana)

Blockdruck (Papier, Farbe) von Ogata Gekkō (1859-1920). Meiji Zeit, 1899; aus der Serie Wettstreit zwischen Schönheiten und Blumen (Bijin hana kurabe)
Bild © The British Museum. (Letzter Zugriff: 2012/2/4)

So könnte die Fuchsfrau Kuzunoha (Rankenblatt) ausgesehen haben, als ihr Mann sie zum ersten Mal traf. Hut und Stock deuten eine Reisekleidung an. Auf dem Kimono ist ein Kuzu-Rankenmuster erkennbar. Die Haltung ähnelt derjenigen des tanzenden Fuchses von Ohara Koson, aber vor allem das Spiegelbild im Wasser verrät, dass es sich um eine Fuchsfrau handelt.

Kuzunoha Motive

Im Stadtgebiet von Osaka, dort wo sich einst der Wald von Shinoda be­fand, exis­tiert noch heute ein alter Schrein, der Kuzu­noha ge­weiht ist. Natür­lich ist es ein Inari Schrein. In ihm wird ein Stein auf­be­wahrt, in den sich die Füch­sin schluss­endlich ver­wan­delt haben soll.

Tamamo no Mae

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Tryptichon mit Tamamo no Mae und Yasunari

Holzschnitt (Papier, Farbe) von Utagawa Kunisada
Bild © National Diet Library. (Letzter Zugriff: 2011/11/4)

Tamamo no Mae mit Yasunari, dessen Spiegel sie und ihre Fuchsarmee mit wahrem Gesicht zeigt (re), sowie dem Bogenschützen Miura-no-suke, der sie schließlich zur Strecke bringen wird.

Tamamo no Mae wird als Fuchs entlarvt

Die Geschichte der Tamamo no Mae (Tamamo no Mae 玉藻の前legendäre Hofdame und Kurtisane des Toba Tennō; Fuchsgeist …mehr ⇒) spielt ebenfalls in der Heian Zeit und umfasst sogar ein Mitglied der Familie Abe, die auch in der Kuzu­noha Legende vor­kommt. Doch die Rolle der Füch­sin ist bei­nahe spie­gel­bild­lich ange­legt:

Ein kinderloses Paar zieht ein Waisenmädchen auf, dessen Schön­heit und Klug­heit so außer­ge­wöhn­lich sind, dass man selbst in der Haupt­stadt davon erfährt. Man ruft sie an den Hof, wo sie den Namen Tamamo no Mae (Hofdame Juwelenseegras) be­kommt und alle ver­blüfft, da sie selbst die kniffligsten Fragen zum Buddhismus be­ant­worten kann. Als einmal in der Dunkel­heit helles Licht aus ihrem Körper er­strahlt, wird sie für ein bud­dhis­tisches Wesen ge­halten. Der Exkaiser Toba (er regierte als sog. Ex- oder Klosterkaiser von 1129-56, während sein Sohn Konoe das Amt des Tenno innehatte) ver­liebt sich in das Mädchen und macht sie zu seiner Ge­liebten. Doch bald er­krankt er an einem rätsel­haften Leiden, dessen Ursachen sämt­lichen Ärzten rätsel­haft bleiben. Der Astrologe und Yin-Yang Meister Abe no Yasunari (ein Abkömm­ling des oben er­wähnten Abe no Seimei) er­kennt, dass der Exkaiser von Tamamo no Mae ver­hext wird. Diese sei in Wirk­lich­keit ein uralter Fuchsgeist mit zwei (in späteren Versionen neun) Schwänzen, ein Feind des Buddhismus, der es da­rauf ab­ge­sehen habe, fromme Herr­scher zu Fall zu bringen. Yasunari lässt Tamamo zu Test­zwecken selbst ein bud­dhis­tisches Ritual durch­führen, sie aber ist dazu nicht im Stande, zeigt end­lich ihre wahre Gestalt und flieht.

Nach einer langwierigen Expedition gelingt es schließlich den tapfersten Bogen­schüt­zen des Landes, Tamomo an ihrem Heimat­ort, der Nasuno-Ebene in der heutigen Präfek­tur Tochigi (nördlich von Tokyo), zur Strecke zu bringen. Von einem Pfeil töd­lich ge­trof­fen ver­wandelt sie sich in einen giftigen „Todes­stein“ (Sesshō­seki), der jeden, der zu nahe kommt, tötet. Erst über zwei­hundert Jahre später gelingt es einem Zen Mönch namens Gennō (1329-1400), den Fluch der Tamamo no Mae zu bannen.

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Tamamo no Mae

Buchillustration (Papier, Farbe). Edo-Zeit; aus Kaibutsu gahon (Gespenster-Bilderbuch)
Bild © Kinsei fūzoku zue database. (Letzter Zugriff: 2010/9)

Tamamo no Mae, die Hofdame, die in Wirklichkeit ein neunschwänziger Fuchs ist.

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Die Enttarnung der Tamamo no Mae

Holzschnitt (Papier, Farbe) von Chikanobu. 1886
Bild © National Diet Library. (Letzter Zugriff: 2009/5)

Enttarnung der Tamamo no Mae durch den Priester Abe no Yasunari. Im oberen Bildteil sieht man sie als neunschwänzigen Fuchs, verfolgt von den tapfersten Bogenschützen des Landes.

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Die Enttarnung der Tamamo no Mae (Abe no Yasuchika Tamamo no Mae o inoru)

Holzschnitt (Papier, Farbe) von Utagawa Kuniyoshi (1797–1861). Um 1835; 37.4 x 26 cm
Bild © Museum of Fine Art, Boston. (Letzter Zugriff: 2011/11)
William Sturgis Bigelow Collection

Exorzismus der Tamamo no Mae durch Abe no Yasunari (hier: Yasuchika) mit Hilfe eines Spiegels, in dem sie als neunschwänziger Fuchs erscheint.

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Tamamo no Mae

Holzschnitt (Papier, Farbe) von Ochiai Yoshiiku (1833–1904), Detail. 1864; aus der Serie Imayō nazorae Genji (Neue Nachbilder des Genji monogatari)
Bild © Museum of Fine Arts, Boston. (Letzter Zugriff: 2011/11/4)

Zunächst gelingt es Tamamo dank ihrer Zauberkünste die Pfeile der Verfolger an sich abprallen zu lassen.

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Mönch Gennō

Blockdruck (Papier, Farbe) von Utagawa Kuniyoshi. Ca. 1850, Sangoku yōko zue („Fuchsmonster aus drei Reichen“); 37,6 x 25,9 cm
Bild © The British Museum. (Letzter Zugriff: 2011/11/4)

Der Zenmönch Gennō befriedet den Geist der Tamamo no Mae und beseitigt damit den Fluch des Todessteins, in den sich Tamamo schlussendlich verwandelt hat. Der volle Titel des Bildes lautet: „Gennō tut einen Scheltschrei und bringt damit den Geis des bösen Fuchses zum Verschwinden“ (Gennō ikkatsu shite akuko no rei o metsu su).

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Kayō Fujin

Blockdruck (Papier, Farbe) von Yoshitoshi; aus der Serie Wa-kan hyaku monogatari („Hundert [Gespenster-]Gesichten aus Japan und China“), 1865

Kayō Fujin ist die erste Inkarnation des neunschwänzigen Fuchs-Monsters in Indien, das sich später in Japan als Tamamo no Mae zeigen wird. Gemeinsames Merkmal: Die herrschende Dynastie zu stürzen.
Besonders interessant ist die Darstellung einer „Inderin“ in eropäischem Erscheinungsbild. Die Darstellung entstand kurz nach der erzwungenen „Öffnung“ Japans (1853), aber noch vor der Meiji-Restauration, als Japan von einer Welle anti-westlicher Ressentiments erfasst wurde.

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Neunschwänziger Fuchs

Holzschnitt von Kuniyoshi
Bild © Kichū shogazō database, National Diet Library. (Letzter Zugriff: 2009/5)

Auch in Indien trieb der neunschwänzige Fuchs sein Unwesen.

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Neunschwänziger Fuchs in China

Blockdruck (Papier, Farbe) von Kuniyoshi; aus der Serie Sangoku yōko zue („Fuchsmonster aus drei Reichen“), 1849–50
Bildquelle: The British Museum. (Letzter Zugriff: 2011/11/4)

Das neunschwänzige Fuchsmonster manifestiert sich in China als die Hofdame Dakki.

Tamamo no Mae, die heimtückisch-elegante Fuchsdämonin

In einigen Versionen der Legende heißt es, Tamamo hätte bereits in frühe­ren Er­schei­nungs­for­men die Kaiser von Indien und China ver­hext, sofern sie gläu­bige Buddhis­ten waren, und den Unter­gang ganzer Dyna­stien her­bei­ge­führt. Dieses Motiv findet sich tat­säch­lich auch in chine­sischen Fuchs­le­genden. Es wird bereits in mittel­alter­lichen Versi­onen der Tamamo Legende erwähnt, zu durch­schla­gen­der Popu­larität ge­lang­ten die außer­japa­nischen Fuchs­frauen aber durch den illus­trier­ten Roman Ehon sankoku yōfuden („Gespens­ter­frauen aus den Drei Ländern“) von Takai Ranzan, mit Bildern von Teisai Hokuba, der zwischen 1803 und 1805 erschien.

Weitere Fuchsmotive

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Fuchslichter am Ōji Inari Schrein zum Jahresende

Blockdruck, nishiki-e (Papier, Farbe) von Utagawa Hiroshige (1797–1858). Edo-Zeit, 1857; aus der Serie Meisho Edo hyakkei (Hundert berühmte Ansichten von Edo), 1857
Bild © Museum of Fine Arts, Boston. (Letzter Zugriff: 2011/8)
Denman Waldo Ross Collection

Das Bild illustriert den Glauben, dass sich Füchse mit den ihnen eigenen Fuchslichtern (kitsunebi) am letzten Tag des Jahres an bestimmten Orten treffen. In diesem Fall handelt es sich um einen Zürgelbaum (enoki) in der Nähe des Inari Schreins von Ōji (heute im Stadtgebiet Tokyos). Enoki-Bäume wurden in der Edo-Zeit auch als eine Art Meilenstein in festgesetzten Entfernungen entlang der Überlandstraßen angepflanzt.

Fuchstreffen zu Jahresende
Mfa.png

Neben konkreten Geschichten illustrieren Edo-zeitliche Fuchsbilder auch all­ge­meine Vor­stel­lun­gen über die Zau­berkraft der Füchse. Auf der Ab­bildung oben sind bei genauer Be­trach­tung Lichter über den ein­zel­nen Füchsen zu er­ken­nen, so­ge­nannte „Fuchslichter“, die nach volks­tüm­lichen Vor­stel­lun­gen die Seelen von Ver­stor­be­nen sein könnten.

Dass Füchse nicht immer durchtrieben und schlau sind, ist das Thema eines Kyōgen (komödiantisches Noh-Stück): Ein Fuchs nützt seine Ver­wand­lungs­kunst um in Gestalt eines Mönchs einem Jäger ins Gewissen zu reden, doch keine Füchse mehr zu jagen. Er kann den Jäger zwar über­zeugen, wird aber entlarvt, als er auf dem Rück­weg selbst in eine Fuchs­falle tappt. Auf den fol­gen­den Bildern ist dieser Fuchs in Mönchs­gestalt dar­ge­stellt.

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Kitsune im Gewand einer Nonne

Hängerollbild von Shiba Kōkan (1747–1818), Detail
Bildquelle: The Kitsune page. (Letzter Zugriff: 2011/8)
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Fuchsschrei (Konkai)

Blockdruck, nishiki-e (Papier, Farbe) von Tsukioka Yoshitoshi (1839-1892); aus der Serie Tsuki hyakushi (Hundert Formen des Mondes), 1886
Bildquelle: Wikimedia Commons. (Letzter Zugriff: 2011/8)

Das Bild trägt den Titel eines komödiantischen Theaterstücks, in dem ein Fuchs die Gestalt eines Mönchs annimmt.

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Fuchs und Fuchsfalle

Hängerollbild von Katsushika Hokusai (1760–1849), Detail
Bildquelle: Muian. (Letzter Zugriff: 2011/8)

Der als Mönch verkleidete Fuchs kurz vor dem Tritt in die Falle.

Füchse in Mönchsgewand

Anmerkungen

  1. Zitat aus dem enzyklopädischen Werk Taiping yulan 太平御覧 aus dem 10. Jh., geht aber auf ältere Quellen zurück. Zitiert nach Rania Huntington, Alien Kind: Foxes and Late Imperial Chinese Narrative. Harvard Univ Asia Center, 2003, S. 1.
  2. Vgl. Nihon Ryo Wiki, Erzählung I-02
  3. Die etwas kompli­zier­te Ver­sion des Kabuki-Dramas findet sich etwa bei Kabuki 21. [2007/1]
  4. Koishikuba/ tazune kite miyo/ Izumi naru// Shinoda no mori no/ urami Kuzu no ha
    恋しくば / 尋ね来て見よ / 和泉なる / 信太の森の / うらみ葛の葉
Mythen: Verwandlungskuenstler (zurück zum Hauptartikel)
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