Landwirtschaftsstile in Österreich (1940er-1980er Jahre)

(mit modul: Landwirtschaftsstile 2011)


Auftraggeber
Hauptprojekt: Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF)

Auftraggeber Zusatzmodul: Land NÖ, Abt. Landentwicklung

Bearbeiter/-innen: Dr. Rita Garstenauer, PD Dr. Ernst Langthaler (Leitung), Mag. Benjamin Schiemer, Mag. Ulrich Schwarz, DI Sophie Tod

Laufzeit: 1/2009 - 06/2012

Meilensteine

Meilensteine Frist Status
Projekt-Website online 1/2009 l
Artikelmanuskript überProjektkonzept  für die Zeitschrift zoll+ 3/2009 l
Präsentation des Projektkonzepts beim WISO-Institutskolloquium an der Universität Wien 4/2009 l
Farming Styles Database für Pilotstudie erhoben und verknüpft 6/2009 l
Textkorpus für Pilotstudie Diskursanalyse erhoben 6/2009 l
Präsentation von Projektkonzept und Pilotstudie beim Kulturgeschichtetag 2009 in Linz/A 9/2009 l
Textkorpus für Gesamtstudie Diskursanalyse erhoben 12/2009 l
Farming Styles Database für Gesamtstudie erhoben und verknüpft 3/2010 l
Artikelmanuskript über Projektkonzept und Pilotstudie für die Zeitschrift Österreich in Geschichte und Literatur 3/2010 l
Präsentation des Projektkonzepts und der Pilotstudie beim Herausgeber-Workshop der Zeitschrift Historische Anthropologie in Retz/A 5/2010 l
Analyse der Betriebs- und Haushaltsdaten 7/2010 l
Analyse der Agrarzeitschriften 7/2010 l
Artikelmanuskript zur Analyse der Betriebs- und Haushaltsanalyse 8/2010 l
Artikelmanuskript zur Analyse der Agrarzeitschriften 8/2010 l
Präsentation der Projektzwischenergebnisse auf der European Rural History Conference in Brighton/GB 9/2010 l
Mid-Term Workshop mit Jan Douwe van der Ploeg sowie weiteren in- und ausländischen ExpertInnen 10/2010 l
Durchführung und Aufbereitung narrativ-biographischer Mehrgenerationen-Interviews und standardisierter Befragungen 2/2011 l
Analyse der narrativ-biographischer Mehrgenerationen-Interviews und standardisierten Befragungen 5/2011 l
Artikelmanuskript zur Analyse der narrativ-biographischer Mehrgenerationen-Interviews und standardisierten Befragungen 7/2011 l

Manuskripte zu den Projektergebnissen für ein Themenheft "Landwirtschaftsstile" der Zeitschrift Historische Anthropologie

12/2011 l
Projektendbericht des Moduls "Landwirtschaftsstile 2011" an das Land NÖ 12/2011 l
Projektpräsentation beim WISO-Institutskolloquium an der Universität Wien 01/2012 l
Präsentation der Endergebnisse auf der European Social Science History Conference in Glasgow/GB 04/2012 l
Präsentation der Endergebnisse beim Kulturgeschichtetag 2012 in Innsbruck/A 06/2012 l
Projektendbericht an den FWF 06/2012 l

l = abgeschlossen, l = bearbeitet, l = offen

Beschreibung

"Bauer" (links) und "Landwirt" (rechts) als Archetypen des Agrarischen

Der mainstream der wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Forschung zur europäischen Agrarentwicklung im 20. Jahrhundert legte sein Augenmerk auf die naturalen und sozialen Strukturen von Agrarsystemen: Boden-, Klima- und Reliefbedingungen, Faktor- und Produktpreise, agrarpolitische Eingriffe und so fort. Aus kulturwissenschaftlicher Perspektive erschein daran problematisch, dass "Agrarstrukturen" oft einseitig als strukturierendes Moment von Agrarsystemen begriffen werden; die andere Seite, das über die alltägliche Praxis von Akteuren strukturierte Moment, gerät dabei aus dem Blickfeld. Das Projekt Landwirtschaftsstile in Österreich unternimmt einen Perspektivenwechsel, indem es von der Außen- zur Innenseite der "Agrarstrukturen" - zur strukturierten und strukturierenden Praxis ländlicher Akteure - schwenkt. Agrarsysteme und ihre Akteure gelten dabei nicht als Gegensätze, sondern als einander ergänzende Ansichten ein und desselben Gegenstandes unter verschiedenen Blickwinkeln. In Abwandlung eines bekannten Diktums des "Alltagsgeschichte" ließe sich sagen: Die Akteure machen ihre Agrarsysteme nicht aus freien Stücken, aber sie machen sie selbst.

Zur Umsetzung dieser akteurszentrierten Perspektive eignet sich das vom niederländischen Agrarsoziologen Jan Douwe van der Ploeg entwickelte Konzept der Landwirtschaftsstile (farming styles), das materielle, soziale und symbolische Dimensionen der ländlichen Gesellschaft - 'Dinge', 'Menschen' und 'Ideen' - in kohärenter Weise zueinander in Beziehung setzt:

Die Erhebung der teilweise schimmelkontaminierten Archivalien erfordert entsprechende Sicherheitsmaßnahmen (Foto: Ilse Entlesberger)

Landwirtschaftsstile
werden in den internationalen Rural Studies meist aus gegenwartsnaher Perspektive beforscht; diese Studien zeigen, auf welch unterschiedliche Art und Weise - je nach Stilrichtung ("Maschinenmänner", "Rinderzüchter", "wirtschaftliche Bauern" usw.) - sich die Akteure die ökologischen und politisch-ökonomischen Strukturen praktisch aneignen. Das vorliegende Projekt betrachtet Landwirtschaftsstile aus einem historischen Blickwinkel. Projektziel ist, den Übergang von vergleichsweise extensiven, diversifizierten und regionalisierten Agrarsystemen in den 1930er Jahren zu intensivierten, spezialisierten und überregional verflochtenen („produktivistischen“) Agrarsystemen bis zu den 1970er Jahren aus akteurszentrierter Perspektive zu beschreiben, zu verstehen und zu erklären. Um die Vielfalt von Landwirtschaftsstilen zu erfassen, werden zwei natur- und verkehrsräumlich unterschiedlich gelegene Regionen – die ehemaligen niederösterreichischen Bauernkammerbezirke Mank und Mödling – zwischen 1930er und 1980er Jahren vergleichend betrachtet. Die beiden Längsschnittstudien werden durch Querschnittstudien am Anfang und Ende des Untersuchungszeitraums ergänzt. Aus dem regionalen Vergleich sollen überregional gültige Erkenntnisse gewonnen werden. Zudem wird im Rahmen eines Zusatzmoduls in etwa 50 bäuerlichen Haushalten in den beiden Regionen eine Erhebung über die aktuellen Landwirtschaftsstile durchgeführt.

Das Hauptprojekt umfasst drei Module:

Im Rahmen eines Zusatzmoduls werden gegenwärtige Landwirtschaftsstile mittels lebensgeschichtlicher Mehrgenerationen-Interviews in etwa 10 Haushalten und standardisierter Befragungen in etwa 50 Haushalten untersucht.

Die akteurszentrierte Beforschung der Agrarentwicklung im 20. Jahrhundert vermag - über das Wissenschaftsfeld hinaus - in dreifacher Hinsicht zur gesellschaftlichen Debatte um "ländliche Entwicklung" beizutragen:

Für das Jahr 2010, etwa zur Halbzeit des Projektes, plant das Projektteam einen Workshop, bei dem österreichische und internationale ExpertInnen das theoretische Leitkonzept der farming styles sowie die empirischen Zwischenresultate des Projekts diskutieren. Die Ergebnisse des Hauptprojekts werden in einem 2012 erscheinenden Themenheft der Zeitschrift Historische Anthropologie veröffentlicht. Die Ergebnisse des Zusatzmoduls werden in einer populärwissenschaftlichen Broschüre der Plattform ländlicher Raum veröffentlicht.

TeilnehmerInnen am Panel Exploring Farming Styles der internationalen Konferenz Rural History 2010 in Brighton 2010 (v.l.n.r.: Rita Garstenauer, Ulrich Schwarz, Ernst Langthaler, Paul Brassley, Peter Moser, Sophie Kickinger, Foto: Zsuzsanna Varga)
 

TeilnehmerInnen am internationalen Workshop Historicising Farming Styles in Melk 2010 während einer Betriebsbesichtigung (Foto: Gertraud Seiser).


 

Internationale KooperationspartnerInnen

Projektbezogene Materialien

(C) Institut für Geschichte des ländlichen Raumes
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