Die Bambara-Sprache (Bamanankan)

Das Bambara / Mandenkan: der notwendige Schlüssel zum westlichen Westafrika

Falls Sie vorhaben, sich intensiver mit Westafrika auseinanderzusetzen (beginnend mit Burkina Faso/Côte-d'Ivoire bis nach Senegal/Gambia), wird das Bambara für Sie außergewöhnlich nützlich sein. Mit keiner anderen Sprache können Sie auch nur annähernd mit vergleichbar vielen Menschen kommunizieren. Das Bambara ist die zentrale Sprachvariante des Mandenkan, der mit Abstand dominierenden Verkehrssprache oder Lingua Franca dieses Raumes. Mit ihr werden Ihnen viele Türen offenstehen.

Beginnend von Senegal-Gambia-Mauretanien im Westen bis Burkina Faso, Elfenbeinküste (Côte-d’Ivoire) im Osten wird das Bambara-Mandenkan heute von 35-40 Millionen Menschen gesprochen.

 

Verbreitung des Bambara-Mandenkan nach Staaten


Land

Aktualisierte
Bevölkerung

(2010)

Anzahl der Bambara/Mandenkan-Sprecher (2010)

Anteil der Muttersprachensprecher an Sprecherzahl

% der SprecherInnen an
Gesamtbevölkerung

Mali

13900000

11200000

ca. 1/3

> 80%

Côte-d’Ivoire

21200000

13000000

ca. 1/6

> 60%

Gambia

1860000

930000

  ca. 2/3

> 50%

Guinea

10300000

5200000

ca. 1/2

> 50%

Burkina Faso

16200000

5400000

  ca. 1/6

~ 40%

Senegal

14100000

2800000

ca. 2/3

> 20%

Guinea-Bissau

1590000

150000

ca. 2/3

~ 10%

Liberia

3530000

150000

ca. 2/3

< 10%

Sierra Leone

5260000

180000

ca. 2/3

< 5%

Gesamt

87940000

39010000

ca. 40%

ca. 45%

 
Darüber hinaus finden sich noch kleinere Sprechergruppen in Mauretanien.

Wie kam es zur Verbreitung der Sprache?

Die enorm dynamische Verbreitung von Bambara/Mandenkan erklärt sich u.a. durch:

  • Bambara-Mandenkan wird seit Hunderten von Jahren als Sprache im westafrikanischen Handel verwendet, besonders im Colanuss-Handel
  • Bambara war während der Kolonialzeit die Wahlsprache der französischen Kommandotruppen, der tirailleurs sénégalais
  • Bambara ist die wichtigste Nachfolgesprache des großen Königreichs von Mali, des vielleicht glanzvollsten Reiches der afrikanischen Geschichte, was ihr viel Prestige verleiht.
  • Die Arbeitsmigration von Millionen Sahelbewohnern (Mali, Burkina Faso) in die Küstengebiete Westafrikas (besonders an die Côte-d'Ivoire) erforderte dort die Entwicklung einer lokalen Verkehrssprache (das Dioula, eine vereinfachte Bambara-Variante);
  • Das Bambara-Mandenkan wird von einer großen Zahl international renommierter Musiker verwendet, mit deren Erfolgen auch die Verbreitung der Sprache gefördert wird (siehe weiter unten Musik)

Wie ist die Bambara-Sprache?

Das Bambara ist eine Mandesprache und gehört daher nach Greenberg zu einer der sieben Untergruppen des Niger-Congo. Bambara ist wie nahezu alle anderen Mandesprachen eine Tonsprache und weist zwei verschiedene Tonhöhen, Hoch- und Tiefton, auf. Vokale und Konsonanten entsprechen weitgehend denen der deutschen Sprache. Das Bambara ist reich an Wortbildungselementen (Morphologie). Die Symbolik hat viele Gemeinsamkeiten mit hiesigen Umgangssprachvarianten (siehe weiterführende Infos zum Bambara in Skriptum):

Ursprung der Sprache:

Das größte Lehmbauwerk der Welt, die Moschee von Djenné in Mali, in tpyisch sudanesischem Baustil

  Das Bambara ist die wichtigste Nachfolgesprache des Königreichs von Mali vom 13.-15.Jh. Bambara wird zusammen mit Maninka und Jula (Dioula) als eine einzige Sprache (sog. dialect cluster) betrachtet. Diese verschiedenen und eng verwandten Dialektformen werden mit dem gemeinsamen Begriff Mandenkan zusammengefaßt (kan: Sprache, mande: Mande=Mali, daher “Sprache Malis, Sprache der Mande”).

 

Wie ist die Kultur der Mandenkanvölker?

Die Bambara bzw. Mandenkan-Völker sind vorwiegend Landwirte und Händler. Sie haben eine große Geschichte vorzuweisen, so gründeten sie verschiedene große Königreiche wie z.B.

  • das Königreich Mali vom 13.-15.Jh. (mehr als 1 Mill. km2 Fläche!)
  • das Königreich von Segou im 18.-19.Jh.
  • das Reich des Widerstandskämpfers Alimamy Samori-Touré im 19.Jh.

Die Kultur der Mandenkan-Völker ist berühmt für ihre Griots, d.h. singende Künstler, welche die Tradition von Familien und Reichen überliefern.

 

Der Sprachunterricht:

Der vollständige Zyklus dauert 4 Semester. Im Unterricht wird die Variante Bambara unterrichtet, wobei auch auf die anderen Mandenkandialekte eingegangen wird.

Der Unterricht ist besonders praxisorientiert ausgerichtet. Die Studierenden erhalten neben dem Sprachtraining, zu dem persönliche aktive Mitarbeit notwendig ist, umfangreiche Informationen über Gesellschaft und Kultur. Dadurch sollen sie sich sowohl sprachlich wie kulturell in den Sprachgebieten der Mandevölker schnell zurechtfinden können.

Ablauf des Sprachunterrichts - sehr praxisorientiert:

Der Vortrag theoretischer Teile wird stets von umfangreichen praktischen Übungen begleitet, bei denen jeder Studierende eingebunden wird.

  • In vielen Einheiten werden wir nur Bambara sprechen. Wir zeigen Ihnen z.B. Dias aus der Bambara-Gesellschaft und erklären Ihnen das Gesehene auf Bambara. Anschließend ersuchen wir Sie, das Gesehene selbst zu bezeichnen. Machen Sie Fehler, werden wir versuchen, Sie auf Bambara auf diese Fehler aufmerksam zu machen.
  • Bei der Erlernung des richtigen Sprechens und Hörens von Lauten und Tönen bilden wir z.B. Zweiergruppen, bei welchen ein Studierender ein Bambarawort ausspricht und der andere angibt, was er verstanden hat. Dazu werden Minimalpaare von Wörtern gewählt, also Wörter, die sich nur an einer einzigen Stelle voneinander unterscheiden, so wie die deutschen Wörter Wall und Fall. Spricht man hier den Anfangskonsonanten falsch aus, hört der Gesprächspartner ein anderes Wort. So können gleichzeitig Aussprache wie Hören geübt werden.
  • Wenn wir Filme miteinander betrachten oder interessante Texte durchlesen, stellen wir hinterher - natürlich angepaßt an die Sprachkompetenz der Studierenden - Fragen zum Verständnis der Materialien.
  • Im Anschluss an die theoretische Einführung von Sprachbereichen, wie z.B. zu Relativsätzen, erfolgt ein individuelles Training mit jedem einzelnen Studierenden, dem Sätze zur Bildung vorgegeben werden und mit dem anschließend Probleme beim Verständnis und bei der Umsetzung besprochen werden.

Unterrichtsmittel:

Prinzipielle Unterrichtsmittel:

  • Skriptum der Grammatik der Bambara-Sprache, dessen Elemente allwöchentlich in den Vorlesungen ausgeteilt werden;
  • Wörterbuch der Bambarasprache (Ebermann: Kleines Wörterbuch der Bambara-Sprache, 12.000 Einträge), von welchem ein Auszug besonders wichtiger Lexeme an die Studierenden verteilt wird (in elektronischer Form):
  • Elearning-Plattform Moodle, auf welcher im ersten Jahr zahlreiche Übungseinheiten bereitstehen, mithilfe derer das richtige Erkennen von Lauten und Tönen; der richtigen Bildung von Sätzen, die richtige Verwendung von Ableitungselementen etc. geübt werden kann. Zusätzlich werden noch zahlreiche andere Materialen zum Spracherwerb bereitgestellt: ein Basislexikon, Links zu wichtigen Bambaraseiten, PDFs zu wichtigen Themen wie z.B. zu den Scherzbeziehungen etc. Siehe auch das Beispiel einer Übung.

darüber hinaus

1) Lesematerialien in der Bambarasprachen:

Wir verwenden für den Unterricht möglichst viele verschiedene und vielfältige textliche Zugänge, die tiefere Einblicke in unterschiedliche Teile der Gesellschaft und Kultur bieten, wie z.B.
  • Sundiata, ein der Nibelungensage vergleichbares Epos
  • Jeli Baba Sissoko
  • Cartoons
  • An ka yele doonin ('Lachen wir ein wenig'): Buch über Witze und amüsante Geschichten in der Bambara-Sprache
  • Buch über Geheimbünde und Fetische in der Bambara-Sprache
  • Zeitungstexte über politische und gesellschaftliche Themen.


Cartoon in der Bambara-Sprache (Liebesgeschichte)

2) Filme in der Bambara-Sprache:

Verschiedene Bambara-sprachige Filme zählen zu den Höhepunkten afrikanischen Filmschaffens, z.B. Yeelen oder Baara von Souleymane Cissé. Wir sehen uns die Filme an, behandeln ihre Texte und Aussagen und diskutieren die Aussage der Filme miteinander.


Yeelen (das Licht) von Souleymane Cissé

Yeelen, u.a. ausgezeichnet mit dem großen Preis der Jury bei den Filmfestspielen von Cannes 1987, ist wohl einer der besten und tiefgründigsten afrikanischen Filme aller Zeiten. Er ist voll von philosphischem Gehalt, eine meisterhafte Parabel auf Generationskonflikte und eine tiefe Einführung in Denk- und Welterklärungssysteme der lokalen Bevölkerungen.

3) Musik:

Mali und die anderen Mandenkan-Regionen sind Hochburgen klassischer und moderner afrikanischer Musik. Wir hören uns im Unterricht Lieder von führenden Griots und modernen MusikerInnen an, interpretieren ihre Lieder und gesellschaftliche/soziale Hintergründe derselben, wie z.B. von folgenden MusikerInnen:

4) Gesellschaftliche Themen:

Die von uns gewählten Themen in Texten und Filmen berühren sowohl die Moderne wie die Tradition, wie z.B. Schönheitsideale anhand eines alternativen Schönheitswettbewerbs in Mali (Miss Yayoroba), bei dem wir uns zuerst einen exzellenten Film ansehen und danach auf Bambara darüber diskutieren; eine Videoreise zum riesigen Landwirtschaftsprojekt Office de Niger; klassische Geschlechterrollen anhand der Texte des berühmtesten Griots Malis, Jelibaba Sissokho; das religiöse Weltbild der Bambara und Vorstellungen von irdischer Gerechtigkeit; Scherzbeziehungen in Mali; das Gesundheitswesen Malis; Politik in Mali; Geschichte der Königreiche und Gegenwart Malis; Situation von Auswanderern aus Mali in Europa (auch anhand des großteils auf Bambara gedrehten Filmes Black MicMac, welcher auf amüsante und dennoch realistische Weise die Überlebensprobleme eines schwarzen Einwandererviertels in Paris zeigt) usw.

 

Vernetzung:

Sehr gute Kontakte zu allen führenden Universitäten in Europa, an denen Bambara bzw. Mandenkan unterrichtet wird (z.B. Köln, Bayreuth, Paris) und daher die Möglichkeit für fortgeschrittene Studenten, über das Erasmus-Programm ihre Studien auch anderswo im Bereich der Mandestudien komplementieren zu können.

 

Die Vortragenden:

Erwin Ebermann:

Verantwortlich für Grammatik und Übungen (Vorlesungen Einführung I-IV, Übungen 1-2).

Studium der Afrikanistik an der Universität Wien. 8 Jahre Aufenthalt in Afrika, den Großteil davon Forschung in Bambara(Mande)Sprachgebieten. 7 Bücher, u.a. ein Lexikon der Bambarasprache und ein Buch (Bambara-Deutsch) über die Geheimbünde der Bambara, deren Erziehungsmechanismen und traditionelle Glaubensvorstellungen. Auch soziologische Forschungen über Entwicklungsfragen und Generationskonflikte in Bambaradörfern bzw. über die Integration von Afrikanern in Wien

Fatoumata Stahl-Diakité:

Für die praktische Sprachausbildung verantwortlich (Konversation).

Geboren in  Bamako in Mali.

Gabriele Slezak:

Für Bambara-Texte verantwortlich (Texte).

Studium der Afrikanistik. Mehrmaliger Aufenthalt in Bambara(Mandenkan-)Kerngebieten. Forschungen und Publikationen zu Sprachmittlung. Forschungen und Publikationen zum Dioula des südlichen Burkina Faso.