| Icon | Nummer | Titel |
|---|---|---|
| 2 | Forschungsansatz I: Positivismus |
2.3 Kritischer Rationalismus / Karl Popper (Falsifikationsprinzip)
Karl R. Poppers "Kritischer Rationalismus" ist eine Kritik des Positivismus auf Basis der Grundannahmen des Positivismus selbst.
Karl Poppers "Logik der Forschung" erschien 1934, Bild: Popper etwa 1990, Quelle: LSE
Popper kritisiert des Prinzip der Induktion: Durch Induktion alleine können niemals Gesetzesaussagen endgültig verifiziert werden. Er entwickelt als zentrales Kriterium für die Wissenschaftlichkeit von Aussagen die "Falsifizierbarkeit". Wissenschaft sollte auf das Eliminieren falscher Hypothesen zielen, da Falsifizierungen endgültig seien. (Popper 1934).
Positivistische Kritik an Popper: Kritik von Imre Lakatos ("Welcher Teil eines Forschungsprogramms wurde falsifiziert?") und Thomas Kuhn ("Es gibt keinen linearen wissenschaftlichen Fortschritt, sondern vielmehr eine Diskontinuität von Paradigmen!"). Sowohl Lakatos als auch Kuhn teilen jedoch die grundsätzlichen (positivistischen) wissenschaftstheoretischen Annahmen Poppers. (Kuhn 1962; Lakatos 1978).
Kritik der "Kritischen Theorie" ("Frankfurter Schule") an Popper: Theodor W. Adorno kritisierte Popper ("Positivismusstreit") dafür, seine Methode des Falsifikationismus vom Gegenstand seiner Theorie abzutrennen und dadurch die Theorieentwicklung zu hemmen. "Strukturbegriffe", die sich auf gesellschaftliche Strukturen beziehen, sind nicht unmittelbar überprüfbar, da es sich vielmehr um theoretische Begriffe handelt, die die empirischen Analysen in eine theoretische Ordnung bringen. Popper dagegen nehme "Fakten" und "Daten" als Gegebenheiten hin und isoliert seine Untersuchungen von Gesellschaftstheorie. Darüber hinaus kritisiert Adorno die Gleichsetzung von sozialwissenschaftlicher Objektivität und Wertfreiheit sowie die Gleichsetzung von Kritik in den Sozialwissenschaften mit dem Falsifikationismus. (Adorno 1962).
Kritik des Critical realism an Popper – Kritik an den zentralen wissenschaftstheoretischen Annahmen des "Kritischen Rationalismus" durch Roy Bhaskar und Colin Hay: Die Untersuchungsgegenstände der Sozialwissenschaften (z.B. Geschlechterverhältnisse, soziale Bewegungen, Internationalisierung des Staates uvm.) sind qualitativ verschieden von den Untersuchungsgegenständen der Naturwissenschaften (vgl. etwa Hay 2002, 81-86). Sie benötigen daher andere empirische Methoden und andere Erklärungsmodelle für Zusammenhänge: In den Sozialwissenschaften gibt es keine "Gesetze" und keinerlei raum- und zeitunabhängige gesellschaftliche Phänomene oder Strukturen (sondern nur Tendenzen in jeweils bestimmten raum-zeitlichen Verhältnissen).
| Icon | number | title |
|---|
