Interaktive Mindmap
Übergeordnete Kapitel
IconNummerTitel

3 Forschungsansatz II: Hermeneutik

Hermeneutik ist die Theorie und Praxis des expliziten Verstehens sowie der Auslegung und Interpretation. Als Methodologie wird sie vor allem in den Geistes- und den Kulturwissenschaften angewendet.

Bibliothek des Stiftes MelkDie Hermeneutik befasste sich lange Zeit ausschließlich mit der Auslegung von autoritativen Werken, Bild: Bibliothek des Stiftes Melk, Quelle: Wikipedia

Was verstanden werden kann, ist immer sinnhaft, also auf Sinn bezogen: "Verstehensleistungen sind immer nötig, wenn es um von Menschen geschaffene Strukturen, Gegenstände, Symbole – also um die Deutung einer menschlichen Welt – geht, und sie können prinzipiell misslingen." (Jung 2002). Sinnhaft sind Handlungen, sprachliche Äußerungen, Riten, Institutionen etc., weil sie sich im Raum eines durch (sozial gültige) Regeln erzeugten Sinns abspielen – dies ist mit "objektivem Sinn" gemeint. (Die Erklärung der Sinnhaftigkeit einer jeden Handlung ist nicht gleichbedeutend damit, dass jede Handlung sinnvoll sei!)

"Subjektiver Sinn" bezieht sich darauf, was eine Person zum Ausdruck bringen möchte. Sinnverstehen hat stets die elementare Struktur, dass etwas als etwas verstanden wird: eine Lautfolge als sprachliche Äußerung; eine Reihe von Körperbewegungen als zielgerichtete Handlung etc.

Hermeneutik im engeren Sinne ist also ein Verfahren der Auslegung und Interpretation von Texten, im weiteren Sinne versteht man darunter die Produktion eines Verständnisses für Sinnzusammenhänge in Lebensäußerungen unterschiedlicher Art (z.B. in Kunstwerken, Handlungen oder historischen Ereignissen). Zentral ist jedenfalls die Frage nach dem Sinn, also das Verstehen von Bedeutung.

Im Kontext der Philosophie steht Hermeneutik auch für eine Methode des Verstehens des gesamten menschlichen Daseins (vgl. z.B. Heidegger). "Verstehen ist ein menschlicher Grundvollzug mit der elementaren Struktur "etwas als etwas auffassen", eine Sache in ihrem Sinn verstehen." (Jung 2002).

Nach einer These Wilhelm Diltheys ist Hermeneutik auf "das "Verstehen" von in Kulturdokumenten und Lebensäußerungen manifestiertem Sinn ausgerichtet, und dies im Gegensatz zu Methodologien der Naturwissenschaften, die auf "Erklärung" sinnfreier Naturphänomene abzielen" (Dilthey 1883; 1910). – Die Hermeneutik hat sich vielfach als Verfahren des Sinnverstehens des Sozialen im Gegensatz zu den Naturwissenschaften und des Positivismus verstanden.

Kritik: Poststrukturalismus und Critical realism teilen gewisse Argumente mit hermeneutischen Ansätzen, kritisieren aber bspw. Verfahren der isolierten Betrachtung von Texten oder Sinnzusammenhängen (Poststrukturalismus, Critical realism) oder die Vernachlässigung nicht-diskursiver, nicht-sprachlicher Zusammenhänge in der sozialen Wirklichkeit (Critical realism).

Hilfe Interaktive Mindmap Seitenanfang
Anfang Sitemap Suche Bilder ZurückWeiter