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up 3 Forschungsansatz II: Hermeneutik

3.3 Romatische Hermeneutik (Ast, Schleiermacher)

In die Phase der romantischen Hermeneutik fallen insbesondere Friedrich Ast und Friedrich Schleiermacher, die für die Begriffe des hermeneutischen Zirkels (Ast) bzw. der hermeneutischen Spirale (Schleiermacher) bekannt sind und auch zentrale Erweiterungen vorgenommen haben. Die romantische Hermeneutik hält an der Bedeutung der Aussageabsicht des Autors fest.

Friedrich Ast (1778-1841) weist mit dem Begriff des hermeneutischen Zirkels darauf hin, dass sich beim Verstehen Teilbedeutung und Gesamtbedeutung wechselseitig bedingen: "Das Grundgesetz alles Verstehens und Erkennens ist, aus dem Einzelnen den Geist des Ganzen zu finden und durch das Ganze das Einzelne zu begreifen. […] Beide aber sind nur mit- und durcheinander gesetzt, ebenso, wie das Ganze nicht ohne das Einzelne, als sein Glied, und das Einzelne ohne das Ganze, als die Sphäre, in der es lebt, gedacht werden kann. Keines ist also früher als das andere, weil beide sich wechselseitig bedingen und an sich Ein harmonisches Leben sind." (Ast 1808, 178f.).

Gleichzeitig weist Ast den Gedanken zurück, das Ganze (der "Geist") entstünde erst durch die Folge der Einzelerscheinungen. Da der Gesamtsinn immer schon da ist, stellt sich das Zirkelproblem nur für das menschliche Erkennen. Die nachromantische und nachidealistische Hermeneutik verwirft diesen Rückgriff auf einen schon vorhandenen Gesamtsinn.

Friedrich SchleiermacherBei Friedrich Schleiermacher wird der hermeneutische Zirkel als Spirale aus nie abgeschlossenen Deutungsvorgängen gedacht, Bild: Wikipedia

Friedrich Schleiermacher (1768-1834) hat die Hermeneutik von spekulativen bzw. metaphysischen Voraussetzungen abzulösen versucht. Er versuchte, eine allgemeine Methodenlehre des Verstehens fremder sprachlicher Äußerungen zu schaffen. Im Rückgriff auf die Sprachlichkeit allen menschlichen Denkens, Redens und Verstehens zeigte er die Vielseitigkeit der Hermeneutik auf.

Aus dem hermeneutischen Zirkel wird bei Schleiermacher eine offene hermeneutische Spirale aus wiederholten Deutungsvorgängen, die nie abgeschlossen sein werden und stets korrigiert und/oder erweitert werden können. Dies ergibt sich daraus, dass sich nicht definitiv bestimmen lässt, welcher Kontext, welches Ganze für ein adäquates Verständnis ausreicht.

Erweiterung der Hermeneutik durch Schleiermacher: Neben klassischen, "autoritativen" und "heiligen" Texten werden nun alle Texte oder Geistesprodukte Gegenstand der Hermeneutik. Neben den Intentionen des Autors wird auch dessen Kontext wichtig, ebenso wie ein Verständnis des "Zeitgeistes". Die Wirklichkeit wird bei Schleiermacher nicht nur absolute, übergreifende Gesetzmäßigkeiten charakterisiert, sondern dagegen alles menschliche Handeln immer als in einem Kontext stattfindend gedacht. (Vgl. Jung 2002).

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