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up 4 Forschungsansatz III: Diskurstheorien und Poststrukturalismus
up 4.4 Michel Foucaults Diskurstheorie und Diskursanalyse
up 4.4.2 "Archäologie des Wissens" und "Genealogie der Macht"

4.4.2.1 "Archäologie des Wissens"

Michel Foucault hat seine umfassenden diskurshistorischen Studien der 1960er Jahre unter das gemeinsame Label der "Archäologie" gestellt. Thema der "Archäologie" ist die theoretische wie methodische Reflexion historischer Arbeiten. In der "Archäologie des Wissens" (1969) wurde sie zu einem methodologischen Programm erweitert.

In der "Archäologie" geht es nicht die allgemeinen, überhistorischen Konstruktionsgesetze von Diskursen, sondern um die konkreten historischen Bedingungen des tatsächlichen Auftauchens und der Existenz von Diskursen. Foucault distanziert sich dabei deutlich von einer hermeneutisch ausgerichteten Ideengeschichte (die nach einem verborgenen Sinn fragt): Seine Aufmerksamkeit richtet sich weniger auf Ideen als vielmehr auf Wissenssegmente, Denkmuster, Diskurstypen sowie unausgesprochene Wissensfelder, die Ideen zugrunde liegen. (Brieler 1998; Lemke 1997). Ein Ziel der Diskursanalyse ist es, die Möglichkeitsbedingungen und die Machtwirkungen des Gesagten zu erschließen.

Foucault versteht Diskurse in erster Linie als Ansammlung von Aussagen, Wörtern und Zeichen. Diskurse sind dabei aber nicht nur als Bezeichnungen von Sachen zu analysieren, sondern auch in ihrer Funktion der Ordnungs-Stiftung, Errichtung von Grenzen des Sagbaren und zur Produktion von Wissensobjekten zu sehen.

Wiener NarrenturmFoucault befasste sich u.a. mit den historischen und aktuellen Diskursen über Wahnsinn und ihrer Bedeutung für die Konstruktion einer "europäischen Vernunft", im Bild: Wiener Narrenturm, Foto: Wikipedia

Diskurse "[bilden] systematisch die Gegenstände, von denen sie sprechen. Zwar bestehen diese Diskurse aus Zeichen; aber sie benutzen diese Zeichen für mehr als nur zur Bezeichnung der Sachen. Dieses mehr macht sie irreduzibel auf das Sprechen und die Sprache. Dieses mehr muss man ans Licht bringen und beschreiben" (Foucault 1969, 74). – Beispiel: Die Produktion des Objekts "Geisteskrankheit" durch den medizinisch-psychiatrischen Diskurs im 19. Jahrhundert (Foucault 1968/1954; 1961).

In der "Archäologie" werden Diskurse nicht isoliert betrachtet, sondern im Zusammenhang mit Praktiken, Institutionen und Theorien analysiert, d.h. es geht auch um die "Verhältnisse zwischen den diskursiven Formationen und den nicht- diskursiven Bereichen (Institutionen, politische Ereignisse, ökonomische Praktiken und Prozesse)" (Foucault 1969, 231). Foucault richtet sich damit u.a. gegen die Vorstellung, dass eine Aussage zu einem bestimmten Thema isoliert interpretiert werden könnte: Interpretationen müssen immer auch diskursive Regeln, die Aussagen in dieser Form ermöglichen, aufdecken.

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