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7 Kulturtheorien in den Sozialwissenschaften

Die Auseinandersetzung mit Fragen der Kultur ist auch in den Sozialwissenschaften, insbesondere auch in der Politikwissenschaft notwendig: Denn alle politischen Phänomene und Prozesse enthalten kulturelle Aspekte und alle kulturellen Phänomene und Prozesse haben auch politische (d.h. Macht-)Aspekte. Zugleich ist selbstverständlich weder die Politik noch die Gesellschaft auf Kultur (oder auf das Symbolische) reduzierbar.

Belebte Straßenkreuzung in Tokyo/ShibuyaDer Kulturbegriff zählt zu den umstrittensten in den Sozialwissenschaften, Bild: Belebte Straßenkreuzung in Tokyo/Shibuya, Bild: Wikipedia

Vernachlässigung von Kultur: In den Sozialwissenschaften wurde der Kultur lange Zeit eine untergeordnete Rolle zugemessen (vgl. Schöttler 1989). Im Gegensatz zu ökonomischen und politischen Prozessen (materielle Bedingungen der "realen" Welt), wurden kulturelle Prozesse eher als Oberflächenphänomene verstanden, die kein "hartes Wissen" liefern könnten. Die Objekte in kulturellen Prozessen – Zeichen, Bilder, Sprache, Symbole, Vermutungen etc. – wurden dabei als "Überbau" verstanden, der vom primären Status der materiellen "Basis" abhängig sei und diesen bloß abbilde.

Relative Autonomie von Kultur: Insbesondere VertreterInnen der Cultural Studies wie etwa Stuart Hall (1989ff.), Angela McRobbie (2005), Lawrence Grossberg (1999), Linda McDowell (1997) u.a. –, aber auch schon Antonio Gramsci (1991ff.) und Theodor W. Adorno (1951), plädier(t)en dafür, Kultur nicht als passive Widerspieglung der Interessen der Menschen oder als von der Ökonomie deterministisch bestimmten Überbau zu verstehen, sondern die "relative Autonomie von Kultur" (Raymond Williams 1958; 1973) zu analysieren. Zugleich kritisieren sie aber Versuche, den alten Ökonomismus bloß "umzudrehen" und stattdessen einen ebenso reduktionistischen Kulturalismus zu vertreten (wie dies im Rahmen des sog. "cultural turn" des Öfteren praktiziert wurde und wird).

Kulturanalysen müssen immer transdisziplinär sein: Für differenzierte sozialwissenschaftliche Analysen ist es zudem wichtig, Kultur auch nicht als isolierten, von übrigen gesellschaftlichen Prozessen abgetrennten Bereich zu behandeln.

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