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| 8 | Theorien über Rassismus und Antirassismus | |
| 8.1 | Rassismustheorie: Hall - Miles - Terkessidis |
8.1.1 Stuart Hall: Rassismus als soziale Praxis
Der britische Soziologe Stuart Hall hat auf der Basis seiner Forschungen folgende Charakterisierung von Rassismus formuliert: "Rassismus ist eine soziale Praxis, bei der körperliche Merkmale zur Klassifizierung bestimmter Bevölkerungsgruppen benutzt werden, etwa wenn man die Bevölkerung nicht in Arme und Reiche, sondern z.B. in Weiße und Schwarze einteilt. Kurz gesagt, in rassistischen Diskursen funktionieren körperliche Merkmale als Bedeutungsträger, als Zeichen innerhalb eines Diskurses der Differenz. Es entsteht etwas, was ich als rassistisches Klassifikationssystem bezeichnen möchte, ein Klassifikationssystem, das auf "rassischen" Charakteristika beruht. Wenn dieses Klassifikationssystem dazu dient, soziale, politische und ökonomische Praxen zu begründen, die bestimmte Gruppen vom Zugang zu materiellen oder symbolischen Ressourcen ausschließen, dann handelt es sich um rassistische Praxen." (Hall 2000) – Bei "körperliche Merkmale" sollte man ergänzen: "körperliche und/oder naturalisierte (und imaginierte) kulturelle Merkmale" (siehe: "Kulturalistischer Rassismus").
Mechanismus rassistischer Ideologien: "Der Rassismus stellt den Versuch dar, die Bedingungen, Widersprüche und Probleme der unterschiedlichen Klassen und Gruppen einer Gesellschaft ideologisch so zu konstruieren, dass man sie zugleich in den Griff bekommen und von ihnen ablenken (etwa durch das Verkennen von Ursache und Wirkung) kann." (Hall 1978; zit. n. Miles 1991, 109).
Unterschiede Hall – Miles: Stuart Hall (2000) betrachtet Rassismus nicht nur als Ideologie, sondern schließt explizit auch (rassistische) Ausschließungspraxen und Verbindungen mit staatlichen Politiken und Staatsapparaten ein. Robert Miles (2000) erklärt dagegen, dass Ausschließungspraxen nicht mit rassistischen Diskursen zusammenfallen, sondern immer auch mehrere vielfältige Motive beinhalten, und analysiert Rassismus daher in erster Linie (nicht nur) als ideologischen Diskurs.
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